Gegenteilwoche: Und der Laizist wundert sich

[picapp align=“none“ wrap=“false“ link=“term=christianity&iid=308745″ src=“http://view1.picapp.com/pictures.photo/image/308745/man-holding-crucifix/man-holding-crucifix.jpg?size=500&imageId=308745″ width=“234″ height=“234″ /]

Drüben bei Kraftwort diskutiert so ein Häretiker gerade mit dem Blogpastor über Laizismus oder so, und das hat mich auf die Idee gebracht, mal was zur Trennung von Kirche und Staat zu schreiben. Eines der meistüberschätzten Konzepte der Neuzeit, und letzten Endes nur verlogene Heuchelei in meinen Augen.

Wir leben in einer repräsentativen Demokratie. Und wie wählen wir unsere Repräsentanten? Genau, auf der Basis ihre Überzeugungen und ihrer Fähigkeit, unsere Interessen zu vertreten. Und warum sollte nun ein Repräsentant des Volkes seine Religion an der Tür des Bundestags abgeben müssen, ganz besonders dann, wenn dieses Volk zu weit über zwei Dritteln religiös und zu mehr als der Hälfte christlich ist?

Warum bitte ist es in Ordnung, wenn ein Bundeskanzler ein Kapitalist ist, eine Physikerin, ein Sozialdemokrat, ein Humanist, ein Liberaler oder ein Tierschützer ist, aber dass er Christ ist, muss er für sich behalten und darf um Gottes Willen sein Verhalten nicht beeinflussen, und auch nicht seine Gesetzvorhaben? Warum dürfen unsere Schulen Evolution unterrichten, Politik, und den Urknall, aber Religion soll darin nichts zusuchen haben? Was sagt es über eine Gesellschaft aus, wenn sie Killerspiele, Death Metal, Splatterfilme und Glücksspiel legalisiert, aber Kruzifixe aus den Schulen verbannt?

Genau. Es sagt, dass diese Gesellschaft das rechte Maß verloren hat, und dass sie ihre Grundlagen vergessen hat. Denn was ist die Grundlage unserer Gesetze, unserer Moral und unserer Werte? Genau: Unsere gemeinsame christliche Tradition, die Zehn Gebote, die Bergpredigt, die unsterblichen Worte Jesu Christi im Evangelium. Wir können versuchen, diese Wurzeln unseres Zusammenlebens zu leugnen, aber damit belügen wir uns letzten Endes nur selbst in dem Versuch, uns selbst auf eine Stufe mit Gott zu stellen, indem wir uns selbst zum Autor und Richter unserer Moral machen. Dieser Versuch ist zum Scheitern verurteilt.

Denn was ist Moral noch, wenn jeder sie sich selbst zurechtlegen kann, wie er will? Genau: Anarchie. Moral ohne Gott ist nicht denkbar, denn Moral ist nur dann wirklich Moral, wenn sie absolut gilt und klare Regeln schafft. Das kann nur ein Gott, eine unanfechtbare oberste Instanz des Guten, die uns nicht nur unmissverständlich sagt, was richtig und falsch ist, sondern auch, welche Konsequenzen wir zu erwarten haben, wenn wir das Falsche tun.

Gott lehrt uns Demut, und er lehrt uns Liebe, und er lehrt uns, unsere eigenen Fehler zu erkennen, und das ist eine Lektion, die wir alle gebrauchen können. Wenn wir sie gut verstehen, dann schützt sie uns vor der Hybris, die uns zu solchen Fehlern verleitet, wie wir sie heute jeden Tag in der Zeitung lesen können: Klonen, Gengemüse, Ernten von Stammzellen aus Embryonen, Entweihung des Sakraments der Ehe.

Ich bin der Meinung, dass unsere Volksvertreter, unsere Beamten, unsere Polizisten und unsere Richter nicht nur ihre religiöse Überzeugung vertreten dürfen sollten. Wir sollten es von ihnen erwarten. Denn wenn Moral ohne Gott nicht existieren kann, dann fehlt den Gottlosen Moral und Anstand, und in einer Gesellschaft ohne Moral und Anstand wollen wir doch alle nicht leben, oder?

Advertisements

13 Responses to Gegenteilwoche: Und der Laizist wundert sich

  1. Lenski sagt:

    Mein armer Muriel, ich hoffe du überstehst du Gegenteilswoche ohne schwerere seelische Schäden. Ich glaube ja du würdest liebend gerne gegen dich selbst argumentieren, findest du es doch erwiesenermaßen „irgendwie besorgniserregend, wenn Leute in sehr einflussreichen Positionen sich bei ihrer Inauguration auf die Unterstützung ihres unsichtbaren Skydaddys berufen“

    Ich sehe es mehr irgendwo dazwischen. Glauben als Vorraussetzung für öffentliche Ämter? No way.
    Glauben als Ausschlusskriterium für die Kompetenz in der Ausübung dieser Ämter, nein, dass auch nicht, auch (streng) gläubige Menschen können vernünftig sein. Sollen sie doch machen was sie wollen.

    Und zur Moral, die war auch schon vor der Religion da…denke ich mal.

    Gruß, Lenski

  2. Hagen sagt:

    Bravo, Moral und Gottesfurcht ist genau das, was uns unsere abendländische Tradition gebietet und uns vom Muselmann unterscheidet. Um so erschütternder ist es, was staatliche Stellen da in die Köpfe unserer Kinder einpflanzen. Propaganda für Unzucht und Verderben, für den Teufel. Herausgegeben wird das Kondensat des Widerlichen von der Bundeszentrale für „gesundheitliche Aufklärung“, propagiert wird Sodomie und Vielweiberei, wie wir sie allenthalben im Fernsehgerät erkennen. Die Politiker sollten mit unserem Geld endlich die schon oft geforderte Bundeszentrale für gerechtes Leben gründen und uns und unsere Kinder von den neuen Plagen befreien. Gott prüft uns.

  3. Ron sagt:

    Death Metal ist legal? WTF? Ich dachte immer, ich bewegen mich hier auf dem höchsten Niveau des Rebellentums wenn ich diese Musik höre. Und jetzt ist das legal … oh mann! Mein Kompromissvorschlag zu den Kruzifixen in der Schule wäre, diese selbstverständlich hängen zu lassen, sie aber umzudrehen. Sollte jemand Kopftücher tragen wollen/müssen, könnte man die vielleicht auch mit der Innenseite nach Außen tragen.

    Ich bin übrigens darüberhinaus auch dafür, dass die religiöse Überzeugung vertreten werden muss. Vielleicht könnte z.B. ein Minister bei der Vereidigung mal auf Mammon, Ipet-weret, Laverna oder sonst wen schwören.

  4. krusty20 sagt:

    Chapeau Muriel,
    wenn man nicht wüsste, dass Gegenteilwoche ist, könnte man Dich wirklich für einen religiösen Fundamentalisten halten.
    Zum Thema: Obwohl man über Grundlagen und Defintion von Moral und Ethik schon endlose Diskussionen führen kann, greift Dein Ansatz immer noch zu kurz. Du setzt die Existenz von Gott voraus („in dem Versuch, uns selbst auf eine Stufe mit Gott zu stellen“), um die Moral auf den Glauben zurückzuführen. Tatsächlich wird man die Moral wohl nicht von Gott trennen können, wenn man christlich ist. Insoweit ist Dein Ansatz konsequent. Aber wo bleiben die Leute, die nicht an Gott glauben? Oder schaffen wir dann auch die (negative) Religionsfreiheit ab?

  5. Andi sagt:

    Krusty:
    Muriel IST ein religiöser Fundamentalist. Er hat es bisher nur immer gut versteckt. Aber jetzt kennen wir ja die Wahrheit. Gott und der heilige Geist haben ihn gerufen, er hat sie erhört und wird nun zu einem ehrbaren Mitglied der Gesellschaft, das Gottes Wort in die Welt transportiert.

    Ich finde natürlich auch, dass wir alle ein Recht darauf haben zu wissen, welcher Politiker/sonstwer was wie wo wann glaubt. Wir wissen ja auch von jedem Popstars- und DSDS-Kandidaten, ob Vater Alkoholiker ist oder ob man in der Schule gemobbt wurde. Äääh… ja.

    Schließen möchte ich mit einem Rosenstolz-Text: „Das Gerede von Moral war mir immer schon egal.“ So.

  6. krusty20 sagt:

    @ Andi:

    Stimmt, ich hätte es wissen müssen. Wer solche Sachen schreibt wie „Gott lehrt uns Demut, und er lehrt uns Liebe, und er lehrt uns, unsere eigenen Fehler zu erkennen.“, muss schon immer erleuchtet gewesen sein.

  7. Muriel sagt:

    @Lenski: Keine Sorge. Ich finde es in der Tat einigermaßen entspannend, seit das Eugenikthema mehr oder weniger durch ist.
    Aber eins doch noch: Du findest, dass Leute in öffentlichen Ämtern einfach machen sollten, was sie wollen? Ähm… Nein, sehe ich überhaupt nicht so.
    @Hagen: Genau so muss man das sehen. Das ganze Leben ist ja im Grunde nur ein Test.
    @Ron: Wer ist denn Laverna?
    @krusty20: Danke für dein Lob. Ob wir die Religionsfreiheit ganz abschaffen müssen, weiß ich nicht, aber woher bitte soll denn eine absolute Moral kommen, wenn nicht von Gott?
    @Andi: Ey. Pass mal auf. Ich toleriere hier einiges, aber bei Rosenstolz hört der Spaß auch echt so langsam auf, ne?

  8. Andi sagt:

    @Muriel:
    War mir klar, dass du Rosenstolz ganz toll findest. 🙂

  9. Ron sagt:

    Laverna war im alten Rom die Schutzgöttin der Diebe und Betrüger.

  10. theomix sagt:

    Wo sich Katholizismus und Konservatismus paaren, da könntest du Pressereferent werden. Allerdings weiß ich nicht, ob du dann zum -Sprecher taugst, wenn du nicht den entsprechend überzeugten Gesichtsausdruck hast.
    („Katholizismus“ muss sein, z. B. wegen „Sakrament der Ehe“.)

  11. madove sagt:

    Beim Lesen des Themas konnte ich nicht umhin, mir Deine sich rollenden Zehennägeln vorzustellen, während Du schreibst, und trotzdem ist der Beitrag wirklich gut geraten. Die zweite Hälfte über die Moral (die also die Religion inhaltlich verteidigt) finde ich einfacher plattzumachen. Aber die erste Hälfte ist erstaunlich überzeugend dargelegt, finde ich. Stimmt ja auch, so wie du es schreibst – es spricht ja nichts dagegen, daß Christen ihre Wertvorstellungen mitbringen, wenn sie Politik machen. Aber eben nicht ihre Kirche, die hat in der Stuktur des Staates nichts zu suchen.

  12. Rayson sagt:

    Und warum sollte nun ein Repräsentant des Volkes seine Religion an der Tür des Bundestags abgeben müssen, ganz besonders dann, wenn dieses Volk zu weit über zwei Dritteln religiös und zu mehr als der Hälfte christlich ist?

    „Christlich“ ist nicht gleich „Kirchenmitglied“. Die aktiven Kirchgänger und Gemeindemitglieder sind gerade mal ein Bruchteil davon. Aber dennoch: Natürlich kann niemand in einem Parlament die Quellen seiner Überzeugungen verleugnen. Und ob der Glaube nun in Richtung eines bestimmten Gottes oder eines bestimmten politischen Systems geht – da fahren wir mit dem Gottglauben ja manchmal noch besser, so es sich bei der vertretenen Relgion um eine eher der Welt entrückte handelt, die davon absieht, konkrete Erziehungsmaßnahmen mit Zwang durchzusetzen.

    Wir können versuchen, diese Wurzeln unseres Zusammenlebens zu leugnen

    Unser heutiges Zusammenleben ist nur noch historisch mit diesen „Wurzeln“ verbunden, aber keinesfalls mehr in Form einer gelebten Überlieferung. Im Gegenteil: Selbst wenn Historiker uns zeigen, wie das Christentum in unsere heutige Werte- und Rechtsordnung hineingewirkt hat, wird doch beides mittlerweile als Vermächtnis eigener Art empfunden. Keiner geht bei der Auslegung des Rechts weiter zurück als bis Ende des 19. Jahrhunderts, und die Erklärung der Menschenrechte hat die Steintafeln vom Berg Sinai längst als verbindliche Wertegrundlage abgelöst (und hat gegenüber den Zehn Geboten den unleugbaren Vorteil, sich erweitern zu lassen).

    Denn was ist Moral noch, wenn jeder sie sich selbst zurechtlegen kann, wie er will?

    Kann er ja nicht, wie wir bei jüngsten politischen Debatten erleben durften. Die Kirche ist als letzte Instanz für Moral zwar nicht von einer anderen Institution abgelöst worden, aber dennoch gibt es eine Elite der Erleuchteten, die uns ermahnen, wenn wir vom Pfad der Tugend abweichen.

    Wenn wir sie gut verstehen, dann schützt sie uns vor der Hybris, die uns zu solchen Fehlern verleitet, wie wir sie heute jeden Tag in der Zeitung lesen können: Klonen, Gengemüse, Ernten von Stammzellen aus Embryonen, Entweihung des Sakraments der Ehe.

    Das ist natürlich Nonsens. Jeder soll beliebig Experimente mit beliebigem Erbgut durchführen können, auch Menschen funktionsgerecht zu klonen, ist sehr effizient angesichts der neuen ökonomischen Herausforderungen. Und die Ehe ist altbürgerlicher Romantikmüll: Gerade dem Mann ist es von der Natur her gegeben, seine Gene maximal zu verbreiten. Es wäre geradezu widersinnig, diesen natürlichen Drang durch irgendwelche scheinheiligen Institutionen unterdrücken zu wollen. Und länger als ein paar Jahre kann man sich eh nicht riechen. Die früher sind nur rechtzeitig gestorben, bevor sie es gemerkt haben, da hatte einer wie Jesus, der vorsichtshalber eh nie heiratete, leicht reden. Diesen ganzen Eugenik-Müll, der mit den Fortschritten des Klonens eh überflüssig wird, kann man sich auch schenken: Warum sollen es nicht Geschwister miteinander treiben oder Eltern mit ihren Kindern? Natürlich nur, solange beide Seiten völljährig sind und freiwillig handeln. Es wäre eine inakzeptable Einschränkung der individuellen Freiheit, ihnen sowas zu untersagen. Die alten Argumente dagegen zählen nicht: Etwaige daraus entstehende Kinder werden entweder rechtzeitig beseitigt oder genetisch korrigiert. Der technische Fortschritt, eh ein Erzfeind aller Religionen, ermöglicht uns so ein Abschütteln biologischer Fesseln und einen Weg in eine Zukunft mit mehr Spaß und weniger Zwang.

    Denn wenn Moral ohne Gott nicht existieren kann, dann fehlt den Gottlosen Moral und Anstand, und in einer Gesellschaft ohne Moral und Anstand wollen wir doch alle nicht leben, oder?

    Oben habe ich schon gezeigt, dass Moral durchaus keinen Gott in einem religiösen Sinn braucht. Auch von weltlichen Idealbildern her lässt sich problemlos eine Moral ableiten. „Anstand“ ist übrigens eine Schimäre, die den unterdrückten Klassen die Vertretung der eigenen Interessen abgewöhnen soll. Der Mensch findet aber nur dann zu sich selbst, wenn er endlich erkennt, dass nur der Objektivismus ihn von all solchem Talmi und Tand befreit. Nur den eigenen Egoismus bedingungslos auszuleben bringt das Beste im Menschen hervor, und in einer liberalen Gesellschaft ergeben sich die Regeln des Zusammenlebens dann ganz von selbst, notfalls mit Hilfe von Sicherheitsagenturen, die gegen die Uneinsichtigen vorgehen.

  13. Rayson sagt:

    Ups, zweimal vergessen, Zitate zu setzen… [Hab’s repariert. Muriel]

Gib's mir!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: