Eine Riesenmenge Geld (7)

Vielleicht interessiert es euch, dass der Titel meines neuen Fortsetzungsromans nicht nur stilistisch eine eher mittelgute Idee war, sondern dass er außerdem auch eine große Anzahl von Spamlinkern auf den Plan gerufen hat, die unseren sympathischen kleinen Fortsetzungsroman jetzt regelmäßig von solchen Beiträgen wie „Is debt consolidation bad for your FICO score“ oder „Internet Geld Elite° German How To Make Money Course° Make Massive | Citric Auto Cash“ oder  „Autoversicherung Vergleichsrechner Erklärung | Promi-KlatschPromi-Klatsch“ oder – besonders, äh, interessant: „Unentschiedene Frage: Pädophile männer betrügen? | testperson“ verlinken und mir Trackback schicken.

Ein bisschen gruselig ist das schon. Aber auch davon lasse ich mich aber natürlich nicht abhalten, euch heute wieder ein neues Kapitel zu überreichen. Viel Vergnügen und ein schönes Wochenende!

Was bisher geschah

Im ersten Kapitel haben wir Konrad kennengelernt, einen Hamburger Anwalt, der von seiner Frau betrogen wird, und Tanja, eine SEK-Beamte in Düsseldorf, die perfekt einen wütenden Dobermann nachahmen kann.
Im zweiten Kapitel lernen Konrad und Tanja einander kennen und verabreden sich zum Essen.
Im dritten Kapitel essen sie miteinander und fahren zu Tanja nach Hause.
Konrad betritt im vierten Kapitel Tanjas Wohnung, und die beiden beschließen, Freunde zu sein. Am nächsten Tag ruft sie ihn an und bittet ihn, sie noch einmal zu besuchen.
Im fünften Kapitel hilft Konrad Tanja bei einer Konfirmationskarte und bekommt ein Buch geschenkt. Danach fährt er nach Hause und kocht für seine Frau.
Im sechsten Kapitel besucht Tanja die Konfirmationsfeier und schenkt ihrem Neffen das Leatherman Multitool, das ihr gar nicht gehört.

Was heute geschieht

Konrad

Das Buch war gut. Ich bin wie gesagt im Bereich der Trivialliteratur nicht besonders bewandert, aber ich würde sagen, es war eine Mischung aus Horror- und Kriminalroman. Es ging um einen Serienmörder, und im Laufe der Ermittlungen verdichteten sich die Hinweise darauf, dass der Täter kein Mensch war. Oder jedenfalls nicht nur. Sogar ich weiß, dass dieses Thema schon andere bearbeitet haben, aber es war ziemlich clever geschrieben, ich war überrascht. Vielschichtig, humorvoll, geistreich. Tanja hatte Recht, es war ein Juwel. Soweit ich das nach 120 Seiten beurteilen konnte. Dann war ich nämlich zu müde, um weiter zu lesen. Ich putzte mir die Zähne, zog mich aus und ging zu Bett. Ich lag schon drin, als mir einfiel, dass das Buch noch auf dem kleinen Beistelltisch neben dem Sessel lag. Hanna würde sich vielleicht wundern, dass ich so ein Buch lese. Dann würde sie fragen, wo ich es her hatte, und dann würde ich sie anlügen müssen. Oder ihr die Wahrheit sagen. Beides nicht ganz einfach. Ich seufzte, schlug die Decke zurück und stand auf, um Camouflage in meine Aktentasche zurückzustecken. Ich fühlte mich dabei wieder ziemlich feige und begann mich zu fragen, wer nun eigentlich der untreue Ehepartner war.

Du weißt ja gar nicht, dass sie untreu ist, sagte diese fiese kleine Stimme, die wir wohl alle manchmal hören und die uns immer das Gefühl geben will, dass wir uns bloß selbst etwas vormachen. Besonders dann, wenn wir uns wirklich bloß selbst etwas vormachen. Normalerweise höre ich sogar auf diese Stimme, aber nicht jetzt, nicht in diesem Fall. Ich war wirklich sicher, dass Hanna mich nicht mehr liebte. Oder?

Ich schlurfte ins Schlafzimmer zurück. Bevor ich die Augen schloss, warf ich einen Blick auf die große schwarze Standuhr an der Wand, die Hanna gekauft hatte und die sich meiner Meinung nach ungefähr so gut in unsere sonstige Einrichtung einfügte wie es eine Tiki-Bar aus Bambusstäben und Palmblättern getan hätte. Das heißt gar nicht, falls Sie sich jetzt unsicher sind. Es war halb zwölf. Mir fiel ein, dass ich nicht daran gedacht hatte, die Essensreste in den Kühlschrank zu stellen, aber ich beschloss nicht noch einmal aufzustehen. Ich schaltete die Nachttischlampe ab und lehnte meinen Kopf zurück in das viel zu harte Kissen, das Hanna wegen ihrer Nackenschmerzen brauchte, das sie aber nie benutzte, weil sie es unbequem fand. Ich hatte schon ein paar Mal vorgeschlagen, das dämliche Ding wenigstens in irgendeiner Schublade zu verstauen, damit niemand sich nachts damit quälen musste, aber das ging nicht. Sie brauchte es ja wegen ihrer Nackenschmerzen.

Ich konnte mich damit trösten, dass ich nach ein paar weiteren Nächten mit dem viel zu harten Kissen sicher bald auch chronische Nackenschmerzen entwickeln würde, woraufhin ich es dann brauchen würde. Vielleicht würde ich mir ein eigenes kaufen, auf dem sie schlafen musste. Aus reiner Bosheit.

Ich dachte kurz darüber nach, mir für diese Nacht mein Kissen von ihrer Seite des Bettes zurückzuholen, aber ich tat es nicht. Erstens hätte ich dafür wieder aufstehen müssen, oder zumindest meinen Oberkörper ein bisschen aufrichten, wofür ich zu müde war, und zweitens. Ja, zweitens war auch ein ganz wichtiger Grund.

Als ich aufwachte, war es noch stockfinster. Ich habe ja schon gesagt, dass ich normalerweise genau dann aufwache, wenn ich es will. Ich musste nicht lange darüber nachdenken, was diesmal schief gegangen war. Nach ein paar Sekunden hörte ich Schritte auf dem Parkettboden im Wohnzimmer Leise, langsame Schritte wie von jemandem, der versucht, sich lautlos zu bewegen. Für einen albernen Moment dachte ich, es wäre vielleicht ein Einbrecher, bevor ich beschloss, dass das nicht sein konnte. Dann fragte ich mich, was es wohl sonst war. Hanna hatte gesagt, dass sie erst morgen nach Hause kommen wollte. Wenn also nicht die Putzfrau beschlossen hatte, gleitende Arbeitszeiten einzuführen, blieb eigentlich doch nur noch ein Einbrecher.

Aber würde ein Einbrecher Schuhe mit Absätzen tragen, mit denen man auf Parkettboden unweigerlich hörbare Geräusche verursachte? Wenn er dachte, dass niemand zu Hause war, warum nicht? Es konnte kein Einbrecher sein, so was passiert mir nicht. Warum nicht? fragte eine lästige kleine Stimme, die mich manchmal dabei stört, mir nützliche Dinge einzureden. Ich nenne sie die Stimme der Vernunft, und ich mag sie nicht besonders.

Und sogar wenn es einer war, fragte ich zurück, was sollte ich dann schon tun? Ich hatte einen ziemlich dicken BGB-Kommentar auf dem Nachttisch liegen, und neben dem Kamin stand ein Satz diverser Kaminwerkzeuge, darunter auch ein schwerer eiserner Schürhaken, aber ansonsten war ich unbewaffnet. Gerade wenn es ein Einbrecher war, sollte ich also im Bett liegen bleiben.

Ich hörte die Dusche im Badezimmer. Damit stand wohl fest, dass es kein Einbrecher war. Ich war mir nicht sicher, ob ich deshalb erleichtert war. Die Putzfrau blieb zwar noch als entfernte Möglichkeit, aber es sprach doch vieles dafür, dass es Hanna sein musste.

Nachdem sich das mit dem Abendessen erledigt hatte, wusste ich wieder nicht, wie ich mit ihr umgehen sollte. Ich schaltete kurz die Nachttischlampe ein. Fünf nach vier. Natürlich drängten sich mir ein paar Fragen auf, von denen die meisten in die Richtung gingen, ob es wohl realistisch war, dass Hanna bis in die frühen Morgenstunden bei Janine geblieben war, um dann plötzlich zu beschließen, doch noch nach Hause zu fahren. Ich seufzte.

Es war leicht, sich über Hanna zu ärgern, weil alles so kompliziert geworden war. Aber der leichte Weg ist nicht immer der richtige. Wir waren beide ein bisschen nachlässig geworden, was unsere Ehe anging. Es wird alles so selbstverständlich, wenn man beinahe zwanzig Jahre lang verheiratet ist. Und Selbstverständlichkeit ist überhaupt nichts Gutes.

Ich lag mit offenen Augen in der Dunkelheit und befasste mich mit demselben sinnlosen Grübeln wie zuvor im Zug, während ich Hanna beim Duschen zuhörte. Mir schien es sehr lange zu dauern, bis das Rauschen schließlich verstummte, aber ich sah nicht wieder auf die Uhr. Von da an musste ich aber nicht mehr lange warten, bis sich schließlich die Klinke der Schlafzimmertür langsam senkte und Hanna sehr vorsichtig die Tür aufschob. Ich konnte sie als schattenhaften Umriss erkennen, weil ein wenig Licht von der Straße durch das Fenster fiel.

Ich beobachtete sie durch halb geschlossene Lider. Sie schaltete das Licht nicht ein und schlich auf ihren Zehenspitzen zum Bett. Ich war mir selbst nicht ganz sicher, warum ich so tat, als schliefe ich, aber im Nachhinein fallen mir ein paar ganz brauchbare Erklärungen ein. Zum Beispiel: Meine Frau schlich um kurz nach vier in die Wohnung und gab sich offensichtlich alle Mühe, mich nicht zu wecken. Es wäre ziemlich taktlos gewesen, ihr zu zeigen, dass ihre Bemühungen zwecklos waren und dass ich sie gehört hatte. Schließlich wollte sie offenkundig genau das nicht. Oder: Ich war einfach zu feige, ihr in die Augen zu sehen und sie zu fragen, woher sie kam. Oder: Ich hätte einfach nicht gewusst, was ich sagen sollte. Raten Sie mal, welche Erklärung mir am besten gefällt. Ein Tipp: Es muss nicht unbedingt die glaubwürdigste sein.

Sie schob sich vorsichtig unter ihre Decke, und ich konnte an ihren regelmäßigen, ruhigen Atemzügen hören, dass sie bald eingeschlafen war. Ich selbst lag noch eine ganze Weile wach. Ich war froh, dass ich nicht die Kissen ausgetauscht hatte.

Als ich am nächsten Morgen aufwachte, war sie schon wieder weg. Ich fragte mich kurz, ob ich die ganze merkwürdige Geschichte nur geträumt hatte, aber dann fiel mir auf, dass ihre Bettdecke zerwühlt war. Offensichtlich hatte jemand auf ihrer Seite des Bettes geschlafen. Hanna war also wirklich über Nacht ins Schlafzimmer geschlichen. Ich verzichtete drauf, weiter darüber nachzudenken und stand einfach auf. Obwohl acht Uhr eigentlich ziemlich früh war für einen Samstag. Normalerweise schlafe ich am Wochenende bis neun. Wahrscheinlich war es die Sorge um meine Ehe, die mich so früh geweckt hatte. Und offenbar war es tatsächlich nicht zu früh. Hanna saß am Küchentisch, das Gesicht in ihren Händen vergraben, über einem Teller mit einer Scheibe Toast. Ihr Schultern bebten und sie schluchzte leise. Ich ging ein paar Schritte zu ihr. Sie bemerkte mich nicht. Ich trug keine Schuhe. Neben dem Kühlschrank blieb ich stehen, etwa drei Meter entfernt von ihr. Ich wusste nicht, ob ich näher heran gehen sollte. Das Gefühl von Fremdheit, das mich am Tag meiner Abreise ergriffen hatte, war so stark, dass ich nicht wagte, meiner Frau eine Hand auf Schulter zu legen, als sie weinend an unserem Küchentisch saß. Zunächst. Ich weiß nicht mehr, wie lange ich da stand. Sicherlich viel zu lange. Aber ich fasste mir schließlich ein Herz und ging zu ihr. Und berührte ihre Schulter.

„Hanna?“ flüsterte ich. „Was fehlt dir?“

Sie zuckte zusammen. Und weinte und schluchzte weiter. Ich war nie besonders gut mit so was. Mit starken Gefühlen allgemein. Ich hatte Hanna noch nie so erlebt. Ich streichelte ihre Schulter ein wenig, weil ich wirklich keine Ahnung hatte, was ich tun sollte, und wahrscheinlich sagte ich so was wie „Schon gut… Was ist denn… Ist schon gut, Hanna…“

Es dauerte sehr lange, bis sie sich ein bisschen beruhigte. Es war schlimm. Ich fühlte mich völlig hilflos, während ich da saß und sie streichelte und irgendwelchen Blödsinn sagte, ohne auch nur zu wissen, worum es überhaupt ging. Andererseits fühlte es sich zum Teil auch gut an. Ich war ihr nahe. Und sie wies mich nicht zurück. Schließlich wurde ihr Schluchzen doch ein bisschen leiser, und sie blickte mit roten Augen und nassem Gesicht zu mir auf.

„Ich bin schwanger“, sagte sie mit brüchiger Stimme.

Und… Das ist sehr schwer für mich. Weil es mir entsetzlich peinlich ist. Und weil es weh tut. Ich will es Ihnen eigentlich nicht sagen. Aber ich will ehrlich sein. Für einen Moment freute ich mich. Können Sie sich das vorstellen? Ich Idiot freute mich für einen Moment und dachte, dass wir ein Kind bekommen würden, obwohl es so gut wie unmöglich war. Ich stellte mir vor, einen Sohn zu haben. Oder eine Tochter, das war mir egal. Jemanden, dem ich Radfahren beibringen würde und diesen ganzen sentimentalen Schmonsens. Es war nur ein sehr kurzer Moment, und ich glaube nicht, dass Hanna den Funken in meinen Augen sah, bevor er verlosch.

Natürlich war es nicht so. Warum wohl saß sie hier und weinte? Warum wohl war sie mitten in der Nacht nach Hause gekommen? Warum sagte sie mir, dass sie schwanger war und sah mich dabei an, als wäre ihre Welt zerbrochen? Natürlich, weil es nicht mein Kind war. Sondern seins.

Immer, wenn im Fernsehen oder sonst wo ein Mann so etwas erfährt, dann wird er wütend. Er explodiert förmlich. Er fängt an, Dinge zu zertrümmern oder geht sogar auf seine Frau los. Mir ging es überhaupt nicht so. Ich fühlte mich einfach schwach und müde. Und traurig. Und ich wusste nicht, was ich sagen sollte.

„Von wem?“ fragte ich schließlich, und ich hätte mir gleich danach auf die Zunge beißen können. So eine dämliche Frage. „Schon gut“, sagte ich, bevor sie antworten konnte. „Das ist eigentlich egal, schätze ich.“

Hanna sah mich einfach nur an. Es liefen immer noch Tränen über ihre nassen Wangen, aber sie schluchzte nicht mehr.

„Er will es nicht“, sagte sie mit der leisen, brüchigen Stimme, die ich überhaupt nicht von meiner Frau kannte. „Er hat mich rausgeworfen. Er hat gesagt, ich soll es wegmachen lassen’.“

Ich spürte kurz einen Impuls, ihr eine gehässige Antwort zu geben. So etwas wie „Dieser treulose Mistkerl, was?“, oder etwas völlig Unpassendes wie „Solltest du als Ärztin nicht zumindest ungefähr wissen, wie man ein Kondom benutzt?“ Vielleicht war doch ein bisschen Wut in mir. Aber ich tat es nicht. Ich sagte etwas ganz anderes.

„Hanna“, sagte ich leise. „Wenn du das Kind bekommen möchtest… Dann… Hanna, liebst du mich noch?“

Da war es. Die Frage, die ich ihr seit Tagen hatte stellen wollen. Eigentlich das einzige, was mir wichtig war. Mit wem sie schlief, war mir egal. Mir war sogar egal, wer das Kind gezeugt hatte. Jedenfalls in diesem Moment.

Sie sah mich an. Und lächelte, obwohl sie immer noch weinte. Und sie antwortete:

„Ich weiß es nicht.“

Hm. Sie war ehrlich. Immerhin. Ich seufzte.

„Hanna…“ begann ich.

Sie nahm meine Hand und sah mir in die Augen. In diesem Moment wusste ich schon, was sie sagen wollte.

„Lass es uns versuchen“, sagte sie, und trat näher an mich heran.

Ich nahm sie in meine Arme, und sie erwiderte die Geste. Ich konnte sehen, dass sie mir dankbar war. Dass sie froh war, dass ich sie nicht auch abwies. Dass sie jemanden brauchte, der sie tröstete und dass ich der einzige war, der das jetzt konnte. Aber ich bildete mir nicht ein, dass das genug war.

Hanna

Ich wusste es wirklich nicht. Ich weiß, dass das eine gemeine Antwort war, aber ich wusste es wirklich nicht. Und ich wollte es wirklich versuchen. Es ist so schwierig, seine Gefühle zu erkennen, wenn der Mann, den man liebt, einen wie Dreck behandelt, weil man sein Kind in sich trägt, während der Mann, den man nicht mehr liebt, einen in die Arme nimmt und tröstet, obwohl man das Kind eines anderen trägt. Es ist sehr schwierig.

Ich wusste, dass ich ihn vielleicht nur ausnutzte, dass ich ihm wahrscheinlich nichts von dem zurückgeben konnte, was er mir gab, aber es tat so gut, umarmt zu werden. Geliebt zu werden. Ich konnte nicht anders, als ihm das bisschen Hoffnung zu lassen, auch wenn ich wusste, dass es wahrscheinlich trügerisch war. Aber ich wusste es wirklich nicht. Und es tat so gut, geliebt zu werden. Wir standen sehr lange so neben dem Frühstückstisch, ohne ein Wort zu sagen.

„Willst du – willst du mir davon erzählen?“ fragte Konrad schließlich, sehr leise und zögerlich.

Ich wollte darüber reden. Aber ob ich es ihm erzählen wollte, da war ich mir nicht so sicher. Es schien mir doch ein bisschen zu viel Verlangt, Mitgefühl oder Verständnis von ihm zu erwarten, weil mein Liebhaber mich nicht gut behandelte. Aber vielleicht ging es auch gar nicht darum. Vielleicht wollte er es einfach wissen. Vielleicht wollte er wissen, wer es war, warum, und wann, und wie… Nein, wie wollte er wahrscheinlich nicht wissen.

„Willst du denn, dass ich dir davon erzähle?“ fragte ich ihn genau so leise.

Er sah auf die Kacheln des Küchenfußbodens hinunter, und eine Spur eines Lächelns spielte um seine Mundwinkel, als er antwortete:

„Ja. Aber vielleicht sollten wir uns dafür setzen. Und ich könnte Tee für uns aufsetzen.“

Ich dachte kurz darüber nach, dann schüttelte ich meinen Kopf.

„Mach eine Flasche Wein auf“, sagte ich.

Konrad nickte. Ich stand auf und ging ins Wohnzimmer. Die Küche schien mir einfach nicht der richtige Ort zu sein. Captain Morgan lag bereits auf dem Sofa, und ich setzte mich zu ihm. Er begann zu schnurren und schob seinen Kopf unter meine Hand. Ich streichelte ihn, während ich auf Konrad wartete. Janine – eine gute Freundin von mir – hatte einen Hund namens Stan, und sie schwor, dass er es spürte, wenn er ohne echte Liebe gestreichelt wurde. Wenn jemand nur mechanisch die Bewegungen ausführte, ohne ihn wirklich zu beachten. Ich habe das selbst nie bei Stan ausprobiert, aber ich weiß jedenfalls ganz genau, dass Captain Morgan nie solche Vorbehalte hatte. Ihn interessierte es nicht, dass ich mit meinen Gedanken ganz woanders war, solange ich ihn nur hinter den Ohren kraulte.

„Der kalifornische Cabernet Sauvignon?“

„Wunderbar.“

Ich hatte gar nicht mitbekommen, was er gesagt hatte. Ich hätte mich fragen können, wie Konrad in einer solchen Situation auch nur einen Gedanken an die Weinsorte verschwenden konnte, aber dafür kannte ich ihn zu gut. So war er einfach. Immerhin verzichtete auf all diese kennerhaften Rituale, die er sonst immer mit solchem Vergnügen zelebrierte. Er goss den Wein einfach in zwei Gläser und schob eins davon vor mich. Nach einem kurzen, vielleicht ein bisschen vorwurfsvollen Blick auf Captain Morgan zog er seinen Sessel vom Fenster heran, sodass er mir gegenüber stand, und nahm dann darauf Platz. Er lehnte sich über den Tisch, um sein eigenes Weinglas aufzunehmen und seufzte leise, bevor er sagte:

„Ich weiß nicht, wie wir anfangen sollen. Vielleicht fangen wir am besten eben einfach an.“

Ich nickte. Und dann fing ich einfach an.

„Er heißt Tom. Er ist Maler. Du kennst ihn nicht. Ich hab ihn bei dem Kongress in Bern kennen gelernt. Wir – willst du das wirklich alles wissen?“

Er dachte lange nach, bevor er schließlich die Schultern zuckte und mit einem kleinen Lächeln sagte:

„Ich weiß es nicht. Lass es uns versuchen.“

Ich nickte und trank einen Schluck Wein, bevor ich weiter erzählte. Ich kraulte Captain Morgan dabei weiter. Wahrscheinlich wäre es mir nicht einmal aufgefallen, wenn Konrad dem Kater nicht hin und wieder so einen Blick zugeworfen hätte, der sagte: Ich ärgere mich nicht darüber, weil ich ein sehr geduldiger und verständnisvoller Mensch bin und das ist unglaublich nett von mir. Diese Blicke waren vielleicht ein Grund dafür, dass es mir manchmal schwer fiel, ihn zu lieben. Sie galten nicht immer nur Captain Morgan. Vielleicht machte es mir dieser Gedanke leichter, die Geschichte zu erzählen, vielleicht war es auch der Wein oder irgendetwas ganz anderes. Jedenfalls gelang es mir, ruhig und geradlinig von Tom zu erzählen.

Und Konrad hörte zu. Er hörte einfach zu. Ich konnte manchmal sehen, dass es ihm weh tat, und manchmal stellte er merkwürdige Fragen, aber oft nahm er sie sofort zurück. Konrad war nie ein besonders leidenschaftlicher Mann, und ich bin sicher, dass das zumindest ein Grund dafür war, dass ich Tom gefunden habe, aber in diesem Moment war ich sehr froh darüber.

Ich erzählte, und er hörte zu, und das ging viel länger, als nötig gewesen wäre, um alles zu sagen, was ich zu sagen hatte. Und dann sprachen wir darüber, was wir tun würden. Und ich musste wieder sagen, dass ich es einfach nicht wusste. Deshalb beschlossen wir, es herauszufinden. Konrads Idee, natürlich. Er schlug vor, dass wir uns verabreden, zum Abendessen. Ich war einverstanden. Ich wusste es wirklich nicht.

Lesegruppenfragen:

  1. Was haltet ihr von Konrads Idee?
  2. Hättet ihr euch gewünscht, dass ich Konrads Wohnung genauer beschreibe?
  3. Findet ihr Konrads Reaktion auf Hanna zu lasch, oder kommt euch das glaubwürdig vor?
  4. Wie hat die Szene aus Hannas Perspektive auf euch gewirkt?
  5. Findet ihr das Ganze zu weinerlich, oder geht es noch?

Konrad

Das Buch war gut. Ich bin wie gesagt im Bereich der Trivialliteratur nicht besonders bewandert, aber ich würde sagen, es war eine Mischung aus Horror- und Kriminalroman. Es ging um einen Serienmörder, und im Laufe der Ermittlungen verdichteten sich die Hinweise darauf, dass der Täter kein Mensch war. Oder jedenfalls nicht nur. Sogar ich weiß, dass dieses Thema schon andere bearbeitet haben, aber es war ziemlich clever geschrieben, ich war überrascht. Vielschichtig, humorvoll, geistreich. Tanja hatte Recht, es war ein Juwel. Soweit ich das nach 120 Seiten beurteilen konnte. Dann war ich nämlich zu müde, um weiter zu lesen. Ich putzte mir die Zähne, zog mich aus und ging zu Bett. Ich lag schon drin, als mir einfiel, dass das Buch noch auf dem kleinen Beistelltisch neben dem Sessel lag. Hanna würde sich vielleicht wundern, dass ich so ein Buch lese. Dann würde sie fragen, wo ich es her hatte, und dann würde ich sie anlügen müssen. Oder ihr die Wahrheit sagen. Beides nicht ganz einfach. Ich seufzte, schlug die Decke zurück und stand auf, um Camouflage in meine Aktentasche zurückzustecken. Ich fühlte mich dabei wieder ziemlich feige und begann mich zu fragen, wer nun eigentlich der untreue Ehepartner war.

Du weißt ja gar nicht, dass sie untreu ist, sagte diese fiese kleine Stimme, die wir wohl alle manchmal hören und die uns immer das Gefühl geben will, dass wir uns bloß selbst etwas vormachen. Besonders dann, wenn wir uns wirklich bloß selbst etwas vormachen. Normalerweise höre ich sogar auf diese Stimme, aber nicht jetzt, nicht in diesem Fall. Ich war wirklich sicher, dass Hanna mich nicht mehr liebte. Oder?

Ich schlurfte ins Schlafzimmer zurück. Bevor ich die Augen schloss, warf ich einen Blick auf die große schwarze Standuhr an der Wand, die Hanna gekauft hatte und die sich meiner Meinung nach ungefähr so gut in unsere sonstige Einrichtung einfügte wie es eine Tiki-Bar aus Bambusstäben und Palmblättern getan hätte. Das heißt gar nicht, falls Sie sich jetzt unsicher sind. Es war halb zwölf. Mir fiel ein, dass ich nicht daran gedacht hatte, die Essensreste in den Kühlschrank zu stellen, aber ich beschloss nicht noch einmal aufzustehen. Ich schaltete die Nachttischlampe ab und lehnte meinen Kopf zurück in das viel zu harte Kissen, das Hanna wegen ihrer Nackenschmerzen brauchte, das sie aber nie benutzte, weil sie es unbequem fand. Ich hatte schon ein paar Mal vorgeschlagen, das dämliche Ding wenigstens in irgendeiner Schublade zu verstauen, damit niemand sich nachts damit quälen musste, aber das ging nicht. Sie brauchte es ja wegen ihrer Nackenschmerzen.

Ich konnte mich damit trösten, dass ich nach ein paar weiteren Nächten mit dem viel zu harten Kissen sicher bald auch chronische Nackenschmerzen entwickeln würde, woraufhin ich es dann brauchen würde. Vielleicht würde ich mir ein eigenes kaufen, auf dem sie schlafen musste. Aus reiner Bosheit.

Ich dachte kurz darüber nach, mir für diese Nacht mein Kissen von ihrer Seite des Bettes zurückzuholen, aber ich tat es nicht. Erstens hätte ich dafür wieder aufstehen müssen, oder zumindest meinen Oberkörper ein bisschen aufrichten, wofür ich zu müde war, und zweitens. Ja, zweitens war auch ein ganz wichtiger Grund.

Als ich aufwachte, war es noch stockfinster. Ich habe ja schon gesagt, dass ich normalerweise genau dann aufwache, wenn ich es will. Ich musste nicht lange darüber nachdenken, was diesmal schief gegangen war. Nach ein paar Sekunden hörte ich Schritte auf dem Parkettboden im Wohnzimmer Leise, langsame Schritte wie von jemandem, der versucht, sich lautlos zu bewegen. Für einen albernen Moment dachte ich, es wäre vielleicht ein Einbrecher, bevor ich beschloss, dass das nicht sein konnte. Dann fragte ich mich, was es wohl sonst war. Hanna hatte gesagt, dass sie erst morgen nach Hause kommen wollte. Wenn also nicht die Putzfrau beschlossen hatte, gleitende Arbeitszeiten einzuführen, blieb eigentlich doch nur noch ein Einbrecher.

Aber würde ein Einbrecher Schuhe mit Absätzen tragen, mit denen man auf Parkettboden unweigerlich hörbare Geräusche verursachte? Wenn er dachte, dass niemand zu Hause war, warum nicht? Es konnte kein Einbrecher sein, so was passiert mir nicht. Warum nicht? fragte eine lästige kleine Stimme, die mich manchmal dabei stört, mir nützliche Dinge einzureden. Ich nenne sie die Stimme der Vernunft, und ich mag sie nicht besonders.

Und sogar wenn es einer war, fragte ich zurück, was sollte ich dann schon tun? Ich hatte einen ziemlich dicken BGB-Kommentar auf dem Nachttisch liegen, und neben dem Kamin stand ein Satz diverser Kaminwerkzeuge, darunter auch ein schwerer eiserner Schürhaken, aber ansonsten war ich unbewaffnet. Gerade wenn es ein Einbrecher war, sollte ich also im Bett liegen bleiben.

Ich hörte die Dusche im Badezimmer. Damit stand wohl fest, dass es kein Einbrecher war. Ich war mir nicht sicher, ob ich deshalb erleichtert war. Die Putzfrau blieb zwar noch als entfernte Möglichkeit, aber es sprach doch vieles dafür, dass es Hanna sein musste.

Nachdem sich das mit dem Abendessen erledigt hatte, wusste ich wieder nicht, wie ich mit ihr umgehen sollte. Ich schaltete kurz die Nachttischlampe ein. Fünf nach vier. Natürlich drängten sich mir ein paar Fragen auf, von denen die meisten in die Richtung gingen, ob es wohl realistisch war, dass Hanna bis in die frühen Morgenstunden bei Janine geblieben war, um dann plötzlich zu beschließen, doch noch nach Hause zu fahren. Ich seufzte.

Es war leicht, sich über Hanna zu ärgern, weil alles so kompliziert geworden war. Aber der leichte Weg ist nicht immer der richtige. Wir waren beide ein bisschen nachlässig geworden, was unsere Ehe anging. Es wird alles so selbstverständlich, wenn man beinahe zwanzig Jahre lang verheiratet ist. Und Selbstverständlichkeit ist überhaupt nichts Gutes.

Ich lag mit offenen Augen in der Dunkelheit und befasste mich mit demselben sinnlosen Grübeln wie zuvor im Zug, während ich Hanna beim Duschen zuhörte. Mir schien es sehr lange zu dauern, bis das Rauschen schließlich verstummte, aber ich sah nicht wieder auf die Uhr. Von da an musste ich aber nicht mehr lange warten, bis sich schließlich die Klinke der Schlafzimmertür langsam senkte und Hanna sehr vorsichtig die Tür aufschob. Ich konnte sie als schattenhaften Umriss erkennen, weil ein wenig Licht von der Straße durch das Fenster fiel.

Ich beobachtete sie durch halb geschlossene Lider. Sie schaltete das Licht nicht ein und schlich auf ihren Zehenspitzen zum Bett. Ich war mir selbst nicht ganz sicher, warum ich so tat, als schliefe ich, aber im Nachhinein fallen mir ein paar ganz brauchbare Erklärungen ein. Zum Beispiel: Meine Frau schlich um kurz nach vier in die Wohnung und gab sich offensichtlich alle Mühe, mich nicht zu wecken. Es wäre ziemlich taktlos gewesen, ihr zu zeigen, dass ihre Bemühungen zwecklos waren und dass ich sie gehört hatte. Schließlich wollte sie offenkundig genau das nicht. Oder: Ich war einfach zu feige, ihr in die Augen zu sehen und sie zu fragen, woher sie kam. Oder: Ich hätte einfach nicht gewusst, was ich sagen sollte. Raten Sie mal, welche Erklärung mir am besten gefällt. Ein Tipp: Es muss nicht unbedingt die glaubwürdigste sein.

Sie schob sich vorsichtig unter ihre Decke, und ich konnte an ihren regelmäßigen, ruhigen Atemzügen hören, dass sie bald eingeschlafen war. Ich selbst lag noch eine ganze Weile wach. Ich war froh, dass ich nicht die Kissen ausgetauscht hatte.

Als ich am nächsten Morgen aufwachte, war sie schon wieder weg. Ich fragte mich kurz, ob ich die ganze merkwürdige Geschichte nur geträumt hatte, aber dann fiel mir auf, dass ihre Bettdecke zerwühlt war. Offensichtlich hatte jemand auf ihrer Seite des Bettes geschlafen. Hanna war also wirklich über Nacht ins Schlafzimmer geschlichen. Ich verzichtete drauf, weiter darüber nachzudenken und stand einfach auf. Obwohl acht Uhr eigentlich ziemlich früh war für einen Samstag. Normalerweise schlafe ich am Wochenende bis neun. Wahrscheinlich war es die Sorge um meine Ehe, die mich so früh geweckt hatte. Und offenbar war es tatsächlich nicht zu früh. Hanna saß am Küchentisch, das Gesicht in ihren Händen vergraben, über einem Teller mit einer Scheibe Toast. Ihr Schultern bebten und sie schluchzte leise. Ich ging ein paar Schritte zu ihr. Sie bemerkte mich nicht. Ich trug keine Schuhe. Neben dem Kühlschrank blieb ich stehen, etwa drei Meter entfernt von ihr. Ich wusste nicht, ob ich näher heran gehen sollte. Das Gefühl von Fremdheit, das mich am Tag meiner Abreise ergriffen hatte, war so stark, dass ich nicht wagte, meiner Frau eine Hand auf Schulter zu legen, als sie weinend an unserem Küchentisch saß. Zunächst. Ich weiß nicht mehr, wie lange ich da stand. Sicherlich viel zu lange. Aber ich fasste mir schließlich ein Herz und ging zu ihr. Und berührte ihre Schulter.

„Hanna?“ flüsterte ich. „Was fehlt dir?“

Sie zuckte zusammen. Und weinte und schluchzte weiter. Ich war nie besonders gut mit so was. Mit starken Gefühlen allgemein. Ich hatte Hanna noch nie so erlebt. Ich streichelte ihre Schulter ein wenig, weil ich wirklich keine Ahnung hatte, was ich tun sollte, und wahrscheinlich sagte ich so was wie „Schon gut… Was ist denn… Ist schon gut, Hanna…“

Es dauerte sehr lange, bis sie sich ein bisschen beruhigte. Es war schlimm. Ich fühlte mich völlig hilflos, während ich da saß und sie streichelte und irgendwelchen Blödsinn sagte, ohne auch nur zu wissen, worum es überhaupt ging. Andererseits fühlte es sich zum Teil auch gut an. Ich war ihr nahe. Und sie wies mich nicht zurück. Schließlich wurde ihr Schluchzen doch ein bisschen leiser, und sie blickte mit roten Augen und nassem Gesicht zu mir auf.

„Ich bin schwanger“, sagte sie mit brüchiger Stimme.

Und… Das ist sehr schwer für mich. Weil es mir entsetzlich peinlich ist. Und weil es weh tut. Ich will es Ihnen eigentlich nicht sagen. Aber ich will ehrlich sein. Für einen Moment freute ich mich. Können Sie sich das vorstellen? Ich Idiot freute mich für einen Moment und dachte, dass wir ein Kind bekommen würden, obwohl es so gut wie unmöglich war. Ich stellte mir vor, einen Sohn zu haben. Oder eine Tochter, das war mir egal. Jemanden, dem ich Radfahren beibringen würde und diesen ganzen sentimentalen Schmonsens. Es war nur ein sehr kurzer Moment, und ich glaube nicht, dass Hanna den Funken in meinen Augen sah, bevor er verlosch.

Natürlich war es nicht so. Warum wohl saß sie hier und weinte? Warum wohl war sie mitten in der Nacht nach Hause gekommen? Warum sagte sie mir, dass sie schwanger war und sah mich dabei an, als wäre ihre Welt zerbrochen? Natürlich, weil es nicht mein Kind war. Sondern seins.

Immer, wenn im Fernsehen oder sonst wo ein Mann so etwas erfährt, dann wird er wütend. Er explodiert förmlich. Er fängt an, Dinge zu zertrümmern oder geht sogar auf seine Frau los. Mir ging es überhaupt nicht so. Ich fühlte mich einfach schwach und müde. Und traurig. Und ich wusste nicht, was ich sagen sollte.

„Von wem?“ fragte ich schließlich, und ich hätte mir gleich danach auf die Zunge beißen können. So eine dämliche Frage. „Schon gut“, sagte ich, bevor sie antworten konnte. „Das ist eigentlich egal, schätze ich.“

Hanna sah mich einfach nur an. Es liefen immer noch Tränen über ihre nassen Wangen, aber sie schluchzte nicht mehr.

„Er will es nicht“, sagte sie mit der leisen, brüchigen Stimme, die ich überhaupt nicht von meiner Frau kannte. „Er hat mich rausgeworfen. Er hat gesagt, ich soll es wegmachen lassen’.“

Ich spürte kurz einen Impuls, ihr eine gehässige Antwort zu geben. So etwas wie „Dieser treulose Mistkerl, was?“, oder etwas völlig Unpassendes wie „Solltest du als Ärztin nicht zumindest ungefähr wissen, wie man ein Kondom benutzt?“ Vielleicht war doch ein bisschen Wut in mir. Aber ich tat es nicht. Ich sagte etwas ganz anderes.

„Hanna“, sagte ich leise. „Wenn du das Kind bekommen möchtest… Dann… Hanna, liebst du mich noch?“

Da war es. Die Frage, die ich ihr seit Tagen hatte stellen wollen. Eigentlich das einzige, was mir wichtig war. Mit wem sie schlief, war mir egal. Mir war sogar egal, wer das Kind gezeugt hatte. Jedenfalls in diesem Moment.

Sie sah mich an. Und lächelte, obwohl sie immer noch weinte. Und sie antwortete:

„Ich weiß es nicht.“

Hm. Sie war ehrlich. Immerhin. Ich seufzte.

„Hanna…“ begann ich.

Sie nahm meine Hand und sah mir in die Augen. In diesem Moment wusste ich schon, was sie sagen wollte.

„Lass es uns versuchen“, sagte sie, und trat näher an mich heran.

Ich nahm sie in meine Arme, und sie erwiderte die Geste. Ich konnte sehen, dass sie mir dankbar war. Dass sie froh war, dass ich sie nicht auch abwies. Dass sie jemanden brauchte, der sie tröstete und dass ich der einzige war, der das jetzt konnte. Aber ich bildete mir nicht ein, dass das genug war.

Hanna

Ich wusste es wirklich nicht. Ich weiß, dass das eine gemeine Antwort war, aber ich wusste es wirklich nicht. Und ich wollte es wirklich versuchen. Es ist so schwierig, seine Gefühle zu erkennen, wenn der Mann, den man liebt, einen wie Dreck behandelt, weil man sein Kind in sich trägt, während der Mann, den man nicht mehr liebt, einen in die Arme nimmt und tröstet, obwohl man das Kind eines anderen trägt. Es ist sehr schwierig.

Ich wusste, dass ich ihn vielleicht nur ausnutzte, dass ich ihm wahrscheinlich nichts von dem zurückgeben konnte, was er mir gab, aber es tat so gut, umarmt zu werden. Geliebt zu werden. Ich konnte nicht anders, als ihm das bisschen Hoffnung zu lassen, auch wenn ich wusste, dass es wahrscheinlich trügerisch war. Aber ich wusste es wirklich nicht. Und es tat so gut, geliebt zu werden. Wir standen sehr lange so neben dem Frühstückstisch, ohne ein Wort zu sagen.

„Willst du – willst du mir davon erzählen?“ fragte Konrad schließlich, sehr leise und zögerlich.

Ich wollte darüber reden. Aber ob ich es ihm erzählen wollte, da war ich mir nicht so sicher. Es schien mir doch ein bisschen zu viel Verlangt, Mitgefühl oder Verständnis von ihm zu erwarten, weil mein Liebhaber mich nicht gut behandelte. Aber vielleicht ging es auch gar nicht darum. Vielleicht wollte er es einfach wissen. Vielleicht wollte er wissen, wer es war, warum, und wann, und wie… Nein, wie wollte er wahrscheinlich nicht wissen.

„Willst du denn, dass ich dir davon erzähle?“ fragte ich ihn genau so leise.

Er sah auf die Kacheln des Küchenfußbodens hinunter, und eine Spur eines Lächelns spielte um seine Mundwinkel, als er antwortete:

„Ja. Aber vielleicht sollten wir uns dafür setzen. Und ich könnte Tee für uns aufsetzen.“

Ich dachte kurz darüber nach, dann schüttelte ich meinen Kopf.

„Mach eine Flasche Wein auf“, sagte ich.

Konrad nickte. Ich stand auf und ging ins Wohnzimmer. Die Küche schien mir einfach nicht der richtige Ort zu sein. Captain Morgan lag bereits auf dem Sofa, und ich setzte mich zu ihm. Er begann zu schnurren und schob seinen Kopf unter meine Hand. Ich streichelte ihn, während ich auf Konrad wartete. Janine – eine gute Freundin von mir – hatte einen Hund namens Stan, und sie schwor, dass er es spürte, wenn er ohne echte Liebe gestreichelt wurde. Wenn jemand nur mechanisch die Bewegungen ausführte, ohne ihn wirklich zu beachten. Ich habe das selbst nie bei Stan ausprobiert, aber ich weiß jedenfalls ganz genau, dass Captain Morgan nie solche Vorbehalte hatte. Ihn interessierte es nicht, dass ich mit meinen Gedanken ganz woanders war, solange ich ihn nur hinter den Ohren kraulte.

„Der kalifornische Cabernet Sauvignon?“

„Wunderbar.“

Ich hatte gar nicht mitbekommen, was er gesagt hatte. Ich hätte mich fragen können, wie Konrad in einer solchen Situation auch nur einen Gedanken an die Weinsorte verschwenden konnte, aber dafür kannte ich ihn zu gut. So war er einfach. Immerhin verzichtete auf all diese kennerhaften Rituale, die er sonst immer mit solchem Vergnügen zelebrierte. Er goss den Wein einfach in zwei Gläser und schob eins davon vor mich. Nach einem kurzen, vielleicht ein bisschen vorwurfsvollen Blick auf Captain Morgan zog er seinen Sessel vom Fenster heran, sodass er mir gegenüber stand, und nahm dann darauf Platz. Er lehnte sich über den Tisch, um sein eigenes Weinglas aufzunehmen und seufzte leise, bevor er sagte:

„Ich weiß nicht, wie wir anfangen sollen. Vielleicht fangen wir am besten eben einfach an.“

Ich nickte. Und dann fing ich einfach an.

„Er heißt Tom. Er ist Maler. Du kennst ihn nicht. Ich hab ihn bei dem Kongress in Bern kennen gelernt. Wir – willst du das wirklich alles wissen?“

Er dachte lange nach, bevor er schließlich die Schultern zuckte und mit einem kleinen Lächeln sagte:

„Ich weiß es nicht. Lass es uns versuchen.“

Ich nickte und trank einen Schluck Wein, bevor ich weiter erzählte. Ich kraulte Captain Morgan dabei weiter. Wahrscheinlich wäre es mir nicht einmal aufgefallen, wenn Konrad dem Kater nicht hin und wieder so einen Blick zugeworfen hätte, der sagte: Ich ärgere mich nicht darüber, weil ich ein sehr geduldiger und verständnisvoller Mensch bin und das ist unglaublich nett von mir. Diese Blicke waren vielleicht ein Grund dafür, dass es mir manchmal schwer fiel, ihn zu lieben. Sie galten nicht immer nur Captain Morgan. Vielleicht machte es mir dieser Gedanke leichter, die Geschichte zu erzählen, vielleicht war es auch der Wein oder irgendetwas ganz anderes. Jedenfalls gelang es mir, ruhig und geradlinig von Tom zu erzählen.

Und Konrad hörte zu. Er hörte einfach zu. Ich konnte manchmal sehen, dass es ihm weh tat, und manchmal stellte er merkwürdige Fragen, aber oft nahm er sie sofort zurück. Konrad war nie ein besonders leidenschaftlicher Mann, und ich bin sicher, dass das zumindest ein Grund dafür war, dass ich Tom gefunden habe, aber in diesem Moment war ich sehr froh darüber.

Ich erzählte, und er hörte zu, und das ging viel länger, als nötig gewesen wäre, um alles zu sagen, was ich zu sagen hatte. Und dann sprachen wir darüber, was wir tun würden. Und ich musste wieder sagen, dass ich es einfach nicht wusste. Deshalb beschlossen wir, es herauszufinden. Konrads Idee, natürlich. Er schlug vor, dass wir uns verabreden, zum Abendessen. Ich war einverstanden. Ich wusste es wirklich nicht.

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15 Responses to Eine Riesenmenge Geld (7)

  1. Andi sagt:

    1. Das ist schon ziemlich sozial von ihm. Oder ist das eher luschig? Was sagen denn hier die Frauen dazu?
    Aber reden und essen ist in jedem Fall immer gut.

    2. Nö, man muss nicht immer alles beschreiben und dem Leser alles vorkauen. Zudem isses für die Weiterentwicklung der Geschichte auch nicht wirklich notwendig, hm?

    3. Wie schon gesagt: ich weiß es nicht. Aber ich tendiere dazu, seine Reaktion gut zu finden.

    4. Ich fand gut, dass du nicht ins vollkommen Triviale abrutschst. Ist ja hier keine Telenovela. Verschiedene Blickwinkel auf eine Situation find ich generell gut. So kann sich der Leser auch ein genaueres Bild machen.

    5. Liegt das an mir, dass ich fragen- und antworttechnisch immer schon vorgreife? 🙂

  2. podruga sagt:

    hallo und guten abend!
    ich habe zum ersten mal in den roman reingelesen (der titel ist in der tat grottig), und habe das kapitel tatsächlich verschlungen. wenn ich zeit habe, hole ich den rest nach, versprochen.

    1. was meinst du mit idee? die idee, herauszufinden, wie beide in diesem konstrukt weiter leben können? oder die idee, das ganze bei einem essen zu besprechen? konrad kommt mir vor wie ein alter 68er. ein dodal sozialer typ. tolerant in einem maße, dass es, jawoll, schon grenzwertig luschig bis unrealistig wirkt. he, seine frau ist schwanger von einem anderen, und er will -liebe hin, liebe her – fünf minuten nach dieser offenbarung das kind gemeinsam mit ihr großziehen? vorher muss er mindestens noch den nebenbuhler erdolchen.
    aber du fragst, wie wir seine idee finden: als unmittelbare reaktion finde ich sie unglaubwürdig. die idee, bei einem essen drüber zu reden, ist gut. quasi vorbildlich.
    ein komischer kauz. (aber ich muss erst noch hinterherlesen.)

    2. nein, völlig ausreichend. ich fand das allein mit dem kissen schon sehr ausführlich. sehr schön fand ich den part, wo er sie nachts belauscht hat. das reicht für die vorstellung des lesers.

    3. oh, siehe 1.
    mir war seine reaktion zu lasch. er ist doch anwalt, oder? in dieser konstellation unglaubwürdig (wäre er beamter oder controller oder…). aber im privaten und in der liebe wird das unvorstellbare möglich.

    4. sie denkt, agiert und fühlt männlich. beim lesen war mir klar (natürlich wusste ich es): das hat ein mann geschrieben. natürlich ist hanna aufgewühlt, sie heult, sie scheint außer sich… doch trotzdem wirkt es auf mich rationell. „sie weiß es nicht“. mir fehlt ihre verzweiflung, ihre orientierungslosigkeit. das gefühl, dass sie gerade ins bodenlose fällt. sie ist im schock. oder es hat mich nicht erreicht.

    5. zu weinerlich? ganz und gar nicht. die handlung könnte dramatischer nicht sein. da müssen blut, rotz und tränen fließen. wie im richtigen leben (so wie ich es zumindest kenne).

    großen respekt! meine einwände mögen kritisch klingen, aber das lesen hat großen spaß gemacht. ich bin sehr gespannt auf die kommenden kapitel. werden wir tom kennenlernen? wird hanna das kind behalten? wird ihre liebe zu konrad eine chance bekommen? wird es tote geben oder ein langweiliges happy end?

  3. Muriel sagt:

    @Andi: 1. Das würde mich natürlich auch interessieren.
    3. Gut finde ich sie auch. Die Frage ist aber natürlich, ob mir das auch noch jemand abkauft.
    Konrad ist eben ein sehr rationaler, verständnisvoller Mensch. Er ist da ein bisschen mir selbst nachempfunden. Klingt das jetzt angeberisch? Ich hoffe nicht, so ist es nämlich nicht gemeint.
    5. Ja. Sieh mal zu, dass du dich da besserst.
    @podruga: vielen Dank, und keine Sorge wegen kritischer Kommentare, das sind die besten. Obwohl… mich interessiert jedenfalls, was du vom Rest der Geschichte hältst, und ob diese Kenntnis dann dein Urteil über dieses Kapitel beeinflusst.
    1. Ja, er ist ein bisschen merkwürdig. (s.o.)
    3. Was die Leute immer von Juristen denken…
    4. Ich räume sofort ein, das hoch emotionales schreiben mir nicht besonders liegt. Auf jeden Fall nehme ich deine Anregungen gerne an. Vielen Dank!
    5. So weit gehe ich dabei dann aber wohl doch nicht. Das wäre dann einfach nicht mehr meine Geschichte. Andererseits – und ich glaube, da verrate ich nicht zu viel – werden die im Laufe der Geschichte durchaus noch fließen, falls dir das ein Trost ist.

  4. Günther sagt:

    1. Die Idee Tee zu trinken und zu reden? Ist wahrscheinlich ganz angebracht, und seit langem überfällig.

    2. Schließe mich Andi an. Ein kleiner Hinweis, um eine Idee zu geben; den Rest darf der Leser sich selbst vorstellen. (OT: Ich stelle gerade fest, dass ich die beiden gedanklich in einem Appartment einquartiert habe, wo ich mal 3 Monate gewohnt hab… geht euch das ähnlich?)

    3. Also mein erster Gedanke war sowas wie „Rückgrat?!?“. Ist ja schon ein starkes Stück. Die Affäre alleine – übel, aber nicht unverzeihlich. Dann die unfassbare Dummheit, sich nicht geschützt zu haben (falls es eine Dummheit war?). Und dann bietet er ihr im Gegenzug fast an, das Kind mit ihr zu bekommen? Also so ganz kann ich das nicht nachvollziehen. Aber ich lass mich überraschen, wie es weitergeht. Wenn alle immer so handeln würden, wie ich mir das im ersten Moment vorstelle, bräuchte ich die Geschichte ja nicht zu lesen 😉

    4, 5: Hab ich grad keine Meinung zu 😉

  5. Muriel sagt:

    @Günther: 3. Finde ich ja interessant, dass du Konrad jetzt schon als dritter (wenn ich richtig zähle) sinngemäß eine Lusche nennst.
    Dass seine Reaktion den meisten schwer vorstellbar scheint, hatte ich erwartet, aber dass ihr sie geradezu verwerflich zu finden scheint, wundert mich doch ein bisschen.
    Was wäre denn eurer Meinung nach (nicht eine besonders realistische oder menschliche, sondern) eine angemessene Reaktion, die Rückgrat und Würde zeigt?

  6. Andi sagt:

    Ich finde, es geht gar nicht so sehr darum, ob Konrads Verhalten/Reaktion angemessen ist, sondern ob sie stimmig ist. Und das ist sie, meiner Meinung nach. Man muss das ja auch alles in dem Kontext sehen, dass er auch eine Frau kennengelernt hat, nicht weiß, wie er damit umgehen soll, weil er immer noch an seiner Gegenwart mit seiner Frau festhalten will. Das find ich durchaus sehr ehrenhaft und nicht luschig. Aber ich finde, er könnte seiner Frau auch mal dezent den Marsch blasen, sie auf den Pott setzen oder einfach mal, wenn er alleine ist, toben und schreien und was weiß ich, um dann doch seiner Frau zu sagen, dass er zu ihr steht und so weiter. Betrogen werden ist schrecklich, aber eben auch verzeihbar, wenn man sich liebt.
    Rational und verständnisvoll find ich grundsätzlich gut und üerhaupt nicht luschig. Nicht, dass das falsch übergekommen ist, Muriel.

    Günther:
    Das geht mir bei jedem Buch so, dass die in meiner Fantasie dort spielen, wo ich auch schonmal war, also an Orten, die ich kenne.

  7. Guinan sagt:

    1. Du meinst die Idee mit dem Essen gehen? Finde ich gut, sich mal eine Weile auf neutralen Boden zu begeben.
    2. Nein, ich mache mir lieber selbst ein Bild.
    3. Konrad ist jetzt das erste Mal zu mir durchgekommen, vorher war er mir zu flach.
    Ich finde seine Reaktion überhaupt nicht luschig. Große Emotionen hätte ich von ihm nicht erwartet, dafür ist er nicht der Typ. ***Vorurteil an: Ich mein, der ist schließlich Jurist. Staubtrocken also. Vorurteil aus***
    Du hast ja angedeutet, dass er sich insgeheim ein Kind wünscht. Wenn da nach 20 Jahren Ehe noch nichts passiert ist, sind die Chancen auf ein eigenes Kind wohl nicht mehr sonderlich groß. Wäre für mich absolut nachvollziehbar, wenn er die Gelegenheit nutzt.

  8. Muriel sagt:

    Ein bisschen spät, aber besser als nie, oder?
    @Andi: Danke! Du verstehst mich.
    @Guinan: 2. Interessant. Natürlich ist es andererseits nicht besonders überraschend, dass so viele Leute hier nicht auf detaillierte Umweltbeschreibungen stehen. Die anderen haben wahrscheinlich schon längst aufgehört, mitzulesen…
    3. Ich nehme das einfach mal als Lob.
    Aber das mit den Juristen nimmst du sofort zurück! Wir sind schlimmstenfalls sandtrocken.

  9. Guinan sagt:

    3. Sieh es positiv: Ich mag trockenen Humor wesentlich lieber als feuchtfröhlichen…

    Ich komme mit dieser Geschichte noch nicht so zurecht. Die Emotionen hast du diesmal aber gut rübergebracht, ich beginne Anteil zu nehmen.

  10. Muriel sagt:

    @Guinan: Du weißt ja immerhin, dass die nächste wieder ganz anders wird.
    Nach dem einwöchigen Rollenspielexil hätte ich jetzt auch gerade wieder große Lust, eine Geschichte über meinen Charakter zu schreiben… Aber ich glaube trotzdem, dass ich euch zwischen den verschiedenen Möglichkeiten abstimmen lasse, wenn es soweit ist.

  11. Zaphod sagt:

    Da ich immer noch hoffnungslos hinterherhinke nur kurz zu

    3. In Gedanken hat er sich ja schon halbwegs damit abgefunden, dass seine Frau einen anderen hat, und das Angebot eines Neuanfangs angesichts der Schwangerschaft erscheint vielleicht etwas zu plötzlich, wie Günther schon anmerkte.
    Andererseits, und ich spreche da aus Erfahrung, ist das ein emotionaler Ausnahmezustand in dem man innerhalb weniger Stunden seine Meinung auch mehrfach wieder ändern kann. Ich hab grad schwer mit Erinnerungen zu kämpfen bei der Geschichte.
    Jedenfalls scheint ihm Hanna noch so viel zu bedeuten, dass er um die Ehe kämpfen will, dabei versucht man erst einmal alles richtig zu machen, von dem man meint das es verkehrt war, macht dabei jede Menge neue Fehler oder geht Kompromisse ein, zu denen man kurze Zeit später nicht mehr stehen kann, weil man merkt das man selber dabei emotional vor die Hunde geht.
    In so einer Situation zu signalisieren, ich akzeptier auch ein Kind und werde es lieben wie mein eigenes, halte ich zwar durchaus für möglich, aber das sind eher Instinkthandlungen. Der Rattenschwanz an Zweifeln und Ängsten kommt später. Ich bin da ja mal sehr gespannt wie sich das jetzt entwickelt, den nächsten Teil les ich nun auch noch, vielleicht schaff ich den Rest dann morgen.

    4. sie denkt, agiert und fühlt männlich. Danke @ podruga. Ich wusste nicht was mich stört, bis ich den Satz las.

    5. Weinerlich? War doch nix. Wenn ich an real erlebte Dramen denke, dann war das noch sehr emotionslos.

  12. Muriel sagt:

    @Zaphod: Danke für die Antworten!

  13. madove sagt:

    1.&3. Ich finde Konrads Idee gut, und auch plausibel. Da er sich ja schon an die Rolle des Verlassenen „gewöhnt“ hatte, in der man ja hofft, daß der andere zurückkommt, finde ich es nicht überraschend, daß er dann prinzipiell daran interessiert ist, mit ihr weiterzumachen. Insbesondere wenn er sich kurz auf das kind gefreut hat, was ich auch verstehe.

    2. Die Wohnung hätte mich interessiert, wenn ich von der Person noch keine Vorstellung gehabt hätte. Von Konrad brauch ich sie nicht mehr. Außerdem ist es ja eine wohnung von einem Pärchen, und die drücken viel weniger aus, weil sie Kompromisse und Statuskram sind. Aber die Standuhr war toll, und das Kissen. Hätte von uns sein können. Aua.

    4. Hanna kam bei mir sehr glaubwürdig an, und ich fand es gar nicht männlich. Also was weiß ich, was männlich ist, aber es hätte von mir sein können, und ich bin definitiv kein Mann.

    5. Überhaupt nicht. Ich fand, es war das stärkste Kapitel bisher. Die erste Hälfte trifft wieder genau meinen Humor; ich könnte Konrad (bzw. Dir) einfach 200 Seiten lang beim Beschreiben seines Alltags zuhören. Und die zweite Hälfte fand ich beziehungstechnisch interessant, plausibel, nicht zu lang, nicht zu kurz.

  14. Muriel sagt:

    @madove: Du ahnst gar nicht, wie ich mich jedes Mal über deine Kommentare freue, und das natürlich keineswegs nur deshalb, weil sie größtenteils positiv sind.
    4. Danke! Endlich mal jemand.
    5. Ich fühle mich außerordentlich geehrt.

  15. madove sagt:

    @Muriel
    Ich würd das Kompliment gerne auch umgekehrt zurückgeben. Gerade im aktuellen Fall bei mir.

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