What if God smoked cannabus?

Bin ich jetzt einfach schon hypersensibel, was Daniel Deckers‘ Beiträge zum Thema Kindesmissbrauch angeht, oder kommt es euch auch reichlich albern vor, was er heute wieder schreibt?

Und wie im Raum der Kirche, so ist auch bei Vereinen, Verbänden und Trägern von Schulen und sozialen Einrichtungen die Frage der Haftung des Täters mit der nach der Rolle der Institutionen verknüpft. Aus Gründen politischer Rücksichtnahme ist es daher verständlich, wenn die katholische Kirche mit einem Vorschlag zögert, wie man den Opfern sexueller Übergriffe auch finanziell gerecht werden kann. Jedes Tun oder Unterlassen wirkt wie ein Präjudiz, dessen Wirkung sich andere Institutionen kaum entziehen können.

Ach so. Ja klar. Böse Zungen hätten vielleicht behauptet, dass es was damit zu tun hat, dass die Kirche einfach nicht zahlen will. Oder möglichst wenig. Oder zumindest nicht so bald. Aber damit würde man natürlich wirtschaftliches Eigeninteresse unterstellen, was evident abwegig ist.

Die gesamtgesellschaftlichen Auswirkungen in Form des Präjudizes sind es, die den Vatikan davon abhalten, das Füllhorn seiner Großzügigkeit über seinen Opfern auszuschütten. Die schiere Rücksichtnahme auf weniger finanzkräftige oder zumindest weniger großzügige Institutionen ist der wahre Grund für die Zurückhaltung. Sozusagen Sorge um andere Träger sozialer Einrichtungen und das Funktionieren unsere Gesellschaft überhaupt.

Manchmal sind die Selbstlosigkeit und Nächstenliebe der katholischen Kirche so unfassbar, dass man speien könnte.

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10 Responses to What if God smoked cannabus?

  1. madove sagt:

    Also nochmal, damit ich das nicht falsch verstehe: Die Kirche zahlt nur deshalb nicht, weil sonst andere, Täter-beinhaltende Organisationen auch zahlen müßten? Das ist aber rücksichtsvoll. (Und dabei sagt er selber: Jedes Tun ODER UNTERLASSEN wirkt wie ein Präjudiz…)

    Ich lese ja faz nicht, bekomme aber Lust, damit anzufangen, aus humoristischen Gründen. Allerdings ein sehr trockenes Lachen.

  2. Ron sagt:

    Was soll man da noch groß sagen? Vielleicht nur kurz: ich schließe mich Deiner Meinung an.

    Warum nochmal, sollten sich „andere Institutionen“ dem entziehen können sollen? Vielleicht, weil dort nicht Milliarden im Hintergrund zur Verfügung stehen?

    Der letzte Absatz ist übrigens nicht minder skandalös. „Menschliche Begegnung“ hat in diesem Zusammenhang irgendwie ein „Gschmäckle“ (mal davon abgesehen, dass die meisten Opfer darauf ganz bestimmt gerne verzichten werden).

  3. Muriel sagt:

    @madove, Ron: Danke, das habt ihr beide sehr nett gesagt.
    Nebenbei: Können wir es eigentlich wirklich als eine Tatsache betrachten, dass in anderen Institutionen ein vergleichbares Problem mit Kindesmissbrauch besteht, oder ist das einfach nur eine leere Behauptung von Herrn Deckers?
    Ich finde diese eine These von ihm auf den ersten Blick sogar einigermaßen plausibel, aber falls jemand es genauer wüsste, wäre das toll.

  4. madove sagt:

    Naja, es gab doch auch diese Odenwaldschule; ich denke generell haben Internate ein gewisses Potential. Und ich kenne selber ein paar Fälle aus Sportvereinen aus zweiter Hand. Aber ich weiß nix Genaues.

  5. Andi sagt:

    Muriel:
    Klar klingt das erstmal plausibel, aber nur, weil alle Thesen ohne Begründung erstmal plausibel wirken, wenn man sie nur möglichst geschickt formuliert.
    Man sollte also vorsichtig sein und nicht Internate oder Priester oder Sportvereine unter Generalverdacht stellen.
    Aber ja: Arschlöcher, Pädophile und sogar pädophile Arschlöcher kann es überall geben.
    Ist also richtig, dass die Katholen nix zahlen wollen. Wo kämen wir denn dahin, wenn jeder gleich Geld für sexuelle Handlungen verlangen würde? Nein, das geht nicht.

  6. Tim sagt:

    Bitte bedenken: Decker hat Theologie studiert. Eine Lehre, die sich ganz ernsthaft damit beschäftigt, womit sich Leute beschäftigen, die an Gespenster glauben.

    Ich denke, solchen Menschen kann man ihren Unsinn gern durchgehen lassen.

  7. Muriel sagt:

    @Andi: Du sagst es.
    @Tim: Nenn mich einen Don Quijote, aber ich finde, gerade solchen Menschen sollte man ihren Unsinn nicht durchgehen lassen.

  8. Cassandra sagt:

    Der „menschliche Begegnung“-Absatz im Decker-Text ist mir auch negativ aufgefallen.

    Da schwingt so die Arroganz mit über die Köpfe der Opfer hinweg entscheiden zu wollen auf welche Art die Opfer nun mit den Taten fertig werden sollen.

    Und überhaupt: ich hab‘ auch menschliche Begegenungen mit Leuten mit denen ich geschäftlich zu tun habe.

    Monetäre Entschädigungen und menschliche Begegnungen schließen sich ja nicht gegenseitig aus…

  9. Rolf sagt:

    Man sollte die Entschädigungsfrage anders formulieren.
    Der sexuelle Übergriff darf nicht im Vordergrund stehen,
    oder darf nicht in der Formulierung enthalten sein.
    Ich glaube, dann würde sich die Kirche eher bereit erklären und eine gewisse Summe bereit stellen?
    MfG.
    Rolf

  10. Muriel sagt:

    @Rolf: Danke für den Kommentar, aber ich bin nicht sicher, ob ich ihn verstehe. Wenn der sexuelle Übergriff nicht im Vordergrund steht, wofür zahlt die Kirche denn dann?

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