Shanghai Noon

Ungeachtet aller Fährnisse und Schwierigkeiten habe ich heute schon den ersten Reisebericht fertig. Freut euch! Und jetzt lest: (So läuft das hier in China, an den Tonfall müsst ihr euch jetzt gewöhnen, fürchte ich.)

Der Flug verlief weitgehend angenehm ereignislos; zu den größten Ärgernissen gehörte, dass ich erst nach der Landung feststellte, dass „Let The Right One In“ in der Bordfilmbibliothek verfügbar gewesen wäre (D’Oh! Und ich Depp hab mir Predators angesehen. Keoni war da erheblich klüger und hat sich für Cemetery Junction entschieden.) und dass ich am Flughafen von Shanghai gleich beim ersten Versuch meine Kreditkarte im Geldautomaten vergessen habe (Arrgh. Das dritte Mal in drei Jahren, dass mir das passiert. Also, nicht am Flughafen von Shanghai, sondern überhaupt.)

Beides hat glücklicherweise keine besonderen praktischen Auswirkungen, sodass wir ziemlich unbeschwert mit der Besichtigung beginnen konnten, abgesehen von dem leichten Humpeln, das ich mir durch mehrere kräftige Bisse in den eigenen Fuß zugezogen habe. Aber genug von meiner Dummheit, die könnt ihr hier ja sowieso fast jeden Tag bewundern, wenn euch danach ist, kommen wir zu Shanghai. Da isses:

Das auffällig unmoderne Gebäude mit den beiden Kugeln links und rechts ist übrigens unser Hotel. Das mit den vielen senkrecht angeordneten Kugeln ist der Oriental Pearl TV Tower, und das Hochhaus mit dem praktischen Tragegriff ist das World Financial Center, das höchste Gebäude Chinas.

In der anderen Richtung sieht’s so aus:

Diese Seite des Flusses nennt sich Bund, was offenbar so viel wie „schlammiges Flussufer“ bedeutet und sich auf Pfand reimt. Hier stehen eher altertümliche und komplett unasiatische Gebäude aus der Kolonialzeit.

Und nun zwischendurch zu etwas völlig anderem: Findet ihr es eigentlich lächerlich, in solchen Bildern die Gesichter zu pixeln, oder eher unanständig, es nicht zu tun? Ich bin völlig unsicher, was nun der richtige Weg ist.

Unseren ersten Tag haben wir damit zugebracht, die Gegend um den Bund und den Rest der Innenstadt kennenzulernen. Dazu mussten wir zunächst den Fluss queren, der übrigens Huangpu heißt und auch ungefähr so riecht, aber dazu später mehr.

Ich kann diese Beschreibungen des Charakters von Städten in Reiseführern meistens nicht richtig nachvollziehen. Da steht dann zum Beispiel irgendwas darüber, dass Shanghai der Motor für Chinas Zukunft ist, von harter Arbeit und neuem Reichtum geprägt wird und dass die Menschen hier in einem hektischen, geradezu atemlosen Rhythmus leben, und schon von frühester Kindheit an total gung-ho sind, reich zu werden.

Aber wenn ich dann durch die Stadt laufe, finde ich eigentlich nicht, dass sie sich atmosphärisch besonders von allen anderen Städten unterscheidet, die ich bisher kenne. Ich glaube, ich habe einfach kein Gespür für Atmosphären.

In einem Punkt muss ich dem Reiseführer aber auf jeden Fall Recht geben: Shanghais „People’s Square“ ist in jeder erdenklichen Hinsicht angenehmer und freundlicher als Beijings Tian’anmen-Platz. Anstelle einer leblosen grauen Betonwüste haben die Stadtplaner hier nämlich für einen quirligen Erlebnispark mit Schiffsschaukel, Karussells, Teichen, Wasserfällen und blühenden Gärten erschaffen.

Sogar eine Fitness-Area gibt es, wenn auch die Geräte für westliche Augen etwas sonderbar anmuten:

Auf dem Rückweg hatten wir Gelegenheit, die Gegend um den Huangpu noch einmal bei Nacht zu bewundern und uns über die Beleuchtung der Skyline zu freuen,

um sogleich über die Beleuchtung der Touristenboote zu erschrecken, die da auf dem Fluss rumfahren:

Andererseits ist „erschrecken“ vielleicht ein etwas zu kräftiges Wort, denn – Achtung, jetzt komme ich wie versprochen auf die Flussquerung zurück – nachdem man den „Bund Sightseeing Tunnel“ überlebt hat, erschreckt einen so leicht nichts mehr.

Das ist (zumindest von unserem Hotel aus) die bequemste und schnellste Art, auf die andere Seite zu kommen. Aber der Preis, den man zahlt, ist nichts Geringeres als die eigene Seele.

[wird fortgesetzt mit Maglev und Expo]

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8 Responses to Shanghai Noon

  1. Zaphod sagt:

    Das nenn ich mal einen großen Flaschenöffner 🙂
    Bei den Verpixelungen bin ich auch immer unsicher. Ich versuche ohnehin, so wenig (erkennbare) Leute wie möglich auf den Fotos zu haben die ich ins Netz stelle, hab auch schon einzelne Personen verpixelt, aber bei Massenansammlungen wirds mir irgendwann zu lächerlich. Zwanzig Chinesen auf einer Straße in Shanghai hätte ich glaube ich nicht verpixelt, oder fürs Internet ein anderes Bild rausgesucht.
    Kommt aber auch immer auf die Motive an, wenn ich Fotos auf Veranstaltungen wie Schlagermove (nur ein Beispiel) oder CSD mache, dann verpixel ich nichts. Wer sich kreischend bunt kleidet, Perücken aufsetzt und Fähnchen schwenkt, der muss damit rechnen irgendwo veröffentlicht zu werden, außerem hat er sich ja quasi schon selber verpixelt.

  2. Nardon sagt:

    Ist gewollt dass das 5te Bild auf dem Kopf steht?

    Schöner Bericht, der Tunnel ist gewöhnungsbedürftig.

  3. Muriel sagt:

    @Zaphod: Ja, so ungefähr sehe ich das auch. In diesem Bild war es nun glücklicherweise ganz einfach, aber wenn ich die Leute einzeln hätte auswählen müssen, hätte ich’s mir wohl auch gespart.
    @Nardon: Ja, das ist Absicht. So schlimm war der Tunnel auch wieder nicht.

  4. Guinan sagt:

    Durch den Tunnel muss ich unbedingt auch mal fahren!

    Zur Verpixelung: Bei Zeitungsfotos von irgendwelchen Leuten auf der Straße wird nichts gepixelt. Beschwert hat sich bei mir noch niemand darüber. Im Gegenteil, viele holen sich ein Belegexemplar.
    Erforderlich war das Verfremden hier auch nicht, aber wenn du dich dabei besser fühlst, lächerlich finde ich es jedenfalls nicht.

  5. Muriel sagt:

    @Guinan: Danke! In Zukunft lasse ich es wohl meistens…

  6. Andi sagt:

    Ich weiß nicht, ob ich es hier schonmal erwähnte – aber ich liebe ja Reiseberichte. 🙂

    Die Leute müssen natürlich verpixelt werden, ist doch klar, Mensch. Wissen wir doch seit Frau Guttenberg und RTL II, dass JEDER MANN ein potentieller Kinderschänder ist. Und ich finde es unverantwortlich von dir, einfach fremde Männer auf Bildern zu zeigen. Die müssen also, wie auch bei RTL II, verpixelt werden.

  7. madove sagt:

    BISSE?! In den eigenen Fuß?!

  8. Arctica sagt:

    Der Tunnel ist ja cool 😀 Ist vermutlich aber nicht die billigste Art um auf die andere Seite zu kommen (mal abgesehen von der verkauften Seele) oder?

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