Eilmeldung +++ Eilmeldung +++ Eilmeldung

Die Menschen in Shanghai sind ziemlich eigen. Sie müssen explizit darauf hingewiesen werden, wenn sie irgendwo nicht hinspucken dürfen, sie haben kein so richtig gutes Verständnis für die Feinheiten zivilisierten Schlangestehens, und sie verstehen nicht nur kein Englisch, sie weigern sich obstinat, mit jedem zu kommunizieren, der kein Chinesisch spricht. Bei den Taxifahrern kommt noch hinzu, dass sie sich in der Regel kein bisschen auskennen und deshalb permanent Anweisungen brauchen, wo sie hinfahren müssen, was  natürlich gar nicht so einfach ist, weil sie einen ja nicht verstehen wollen.

Auf der Expo haben wir einen einzelnen Chinesen aus einer ansonsten leeren U-Bahn aussteigen sehen, in die gleichzeitig der ganze Strom von Expo-Besuchern gerade hineinwollte. Es spricht für die Standfestigkeit, die Schmerzfreiheit und den Gleichgewichtssinn des Mannes, dass er nicht in der rücksichtslosen Masse umgeworfen und zertrampelt wurde, und dass er uns sogar noch leidend zugrinste, während ihn ein Ellenbogen, eine Schulter, und außerhalb unseres Sichtfeldes wahrscheinlich auch ein Knie und ein Schuh nach dem anderen traf. Es würde mich sehr wundern, wenn er nicht mehrere Blutergüsse davongetragen hätte.

Öffentliche Toiletten sind buchstäblich Löcher im Boden, über die man sich irgendwie so zu hocken versuchen sollte, dass die Hose nicht den Boden berührt, und wenn man mal (zum Beispiel im World Financial Center oder einer ähnlich abgehobenen Location) eine vernünftige Toilette findet, stehen die Chancen nicht schlecht, dass der letzte Gast sie auf so abenteuerliche Weise benutzt hat, dass man sich nicht dran traut. Fußspuren auf dem Sitz gehören noch zu den weniger ekligen Anblicken.

Und wer Pork Floss kauft, kann sowieso nicht ganz richtig sein, oder?

Aber wenn man davon absieht, war es wirklich sehr schön in Shanghai. Echt jetzt. Auch wenn das vielleicht so klang, als hätte es uns nicht gefallen, das täuscht. Irgendwie fanden wir es sogar lustig. Die Expo war natürlich ein Höhepunkt – besonders Keoni ist schon seit langer Zeit ein Fan von Weltausstellungen, und wir hatten große Freude an den vielen verschiedenen Pavillons, den Präsentationen der unterschiedlichen Länder und der internationalen Atmosphäre (Ergibt das Sinn?).

Der heimliche Hauptdarsteller war am Ende aber doch das Dim Sum. Diese fabelhaften chinesischem Dumplings, die es meisens gedämpft und gelegentlich auch gebraten gibt, hätten wir am liebsten morgens, mittags und abends gegessen, und zum Nachtisch auch noch mal. Falls ihr die noch nicht kennt, solltet ihr das erstens schnellstmöglich ändern, und versuche ich zweitens mal zu erklären, was das ist: Außen ist so eine nudelige Hülle wie bei einem Tortellino, nur etwas dünner, und wenn man reinbeist, dann fließt zuerst eine wunderbar aromatische Brühe raus und verschafft einem einen kulinarischen Klimax, der dann harmonisch in den Geschmack der eigentlichen Füllung übergeht, im einfachsten Falle Schweinefleisch, aber es gibt auch Trüffel, Gänseleber und Shrimps.

Die allgemein anerkannt weltbesten Dumplings gibt es übrigens in den Restaurants einer Kette namens Din Tai Fung, die ihre Filialen nicht nur in China hat. Solltet ihr mal nach Asien reisen, haltet unbedingt die Augen offen. Und Cold Stone gab es auch noch, direkt neben unserem Hotel. Es war ein Traum.

Aber zumindest für euch ist wahrscheinlich die Expo doch irgendwie interessanter als unser Essen, vermute ich, deswegen kommen wir also nun dazu:

Die meisten großen Pavillons (der chinesische, der deutsche, der britische, der französische, eben alle, die einem auf Anhieb so einfallen) waren hoffnungslos überfüllt, und man hätte zwischen zwei und fünf Stunden warten müssen, um reinzukommen. Weil wir uns das nicht antun wollten, haben wir stattdessen eher die kleinen besucht, was sich durchaus auch lohnen kann. Kuba war zugegebenermaßen schon sehr schlicht, aber Oman, Nepal und Moldavien haben uns gut gefallen, auch wenn sie vielleicht nicht ganz mit den größeren wie Australien oder Portugal mithalten. Insgesamt war es uns aber ohnehin nicht das Wichtigste, möglichst viele Pavillons zu besuchen, sondern die Expo selbst zu erleben, und außerdem sind die meisten Pavillons sowieso von außen mindestens genauso interessant wie von innen (manche sogar erheblich interessanter…)

Ach so, doch, eins vielleicht noch. Der Preis für die gruseligste, grauenhafteste, entsetzlichste Idee in einem Expo-Pavillon geht in diesem Jahr unangefochten an Spanien:

Nach unserem zweiten Expo-Tag hatten wir wieder etwas Chinesischeres geplant, um dann abends bis zur Schließung noch ein paar letzte stunden auf dem Ausstellungsgelände  zu verbringen, ungeachtet schmerzender Füße und sonstiger Unannehmlichkeiten. Wir machten uns zunächst auf den Weg in die Altstadt, in der wir neben ein paar anderen Kleinigkeiten den Yuyuan-Garten und die Chengxiangge-Nunnery besuchen wollten.

Das Kloster war ganz traumhaft ruhig und erholsam nach dem lauten Gedränge draußen, und den Duft von Räucherstäbchen mögen wir auch, obwohl wir ihn nicht unbedingt dauernd in unserer Wohnung haben wollten. Dass ich buddhistische Tempel überhaupt erheblich angenehmer finde als zum Beispiel unsere Kirchen hatte ich schon mal erwähnt. Mir fällt auch eigentlich nicht viel Schlechtes ein, dass man über den Buddhismus sagen könnte, abgesehen davon, dass der ganze übernatürliche Kram natürlich genauso wenig wahr ist wie bei allen anderen Religionen. Aber er ist zumindest hübsch und sympathisch ausgedacht, wenn ich das richtig verstehe. Noch lustiger sind vielleicht hinduistische Tempel, aber auf die müsst ihr bis zum nächsten Bericht warten.

Yuyuan ist eine Steingartenanlage aus der Ming-Dynastie, und sie gehört offenbar zu den Top-Sehenswürdigkeiten von Shanghai. Wir können das bestätigen und hatten viel Freude an den friedlichen Teichen mit schillernden Karpfen drin, spannenden Steinformationen und zahllosen kleinen Schleichwegen, die zu immer neuen kleinen Gartenhäuschen mit chinesischen Kunstwerken drin führten.

Da war es gar nicht so schlimm, dass wir keine Zeit mehr hatten, das berühmte Teehaus am Eingang zu besuchen, zumal wir am Vormittag schon eine liebevoll choreografierte kleine Teezeremonie mitgemacht hatten.

Am letzten Tag sind wir nur noch auf das World Financial Center geklettert, um uns Shanghai von oben anzusehen (War schwer, gute Fotos zu machen, wegen Smog und der Scheiben, aber die Aussicht war schon klasse.),

und wollten außerdem noch einen anderen buddhistischen Tempel besuchen. Mit letzterem Vorhaben sind wir aber auf ziemlich peinliche Weise gescheitert, weil ich zu dumm war, den Reiseführer zu lesen und deshalb nicht mitbekommen habe, dass der Jade Buddha Temple schon um 16:30 Uhr schließt.

Immerhin haben wir ihn aber von außen gesehen, und auf dem Weg dahin noch viel authentische Shanghai-Erfahrung gesammelt. Um uns wieder mit China zu versöhnen, haben wir schließlich mit einem  Mocktail auf der Dachbar des offenbar besten Hotels am Platz den Tag ausklingen lassen,

bevor wir zum Flughafen und nach Singapur aufbrechen mussten, dem zweiten Halt auf unserer Reise, von dem ich euch beim nächsten Mal erzählen möchte.

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10 Responses to Eilmeldung +++ Eilmeldung +++ Eilmeldung

  1. Guinan sagt:

    Die chinesischen Toiletten finde ich genial, das System ist doch sehr hygienisch. Obwohl ich natürlich zugeben muss, die unfallfreie Benutzung ist mit Rock einfacher.

  2. Andi sagt:

    Ich dachte grad beim Lesen, wie wenig ich doch insgesamt von der Expo mitkriege, also, so rein medial. Wird da drüber berichtet und nur ich kriegs nicht mit? Oder wird da überhaupt nicht drüber berichtet? Und wenn ja: warum nicht?

    Ich finde den Turm klasse.
    Ansonsten find ich vor allem das erste Bild megaklasse. 🙂
    Und beim zweiten Bild versteh ich die Bemerkung dazu nicht… Wortspiel mit Bund?

  3. Muriel sagt:

    @Guinan: Ich denke, du müsstest diese Toiletten mal sehen, dann würdest du erkennen, dass „hygienisch“ so ziemlich der letzte Begriff ist, der dazu passt, noch hinter „staatstragend“ und „rhythmisch“. Leider haben wir keine Fotos davon gemacht…
    @Andi: Mein Eindruck geht auch dahin, dass nicht berichtet wird. Vielleicht, weil nicht Spannendes passiert ist.
    Der Bund ist dieser Teil der Stadt, und weil das ja auf Deutsch auch ein Wort ist, dachte ich deshalb, dass man damit sicher ein prima Wortspiel machen könnte. Bundfalte. Oder so.

  4. Muriel sagt:

    @fitundgluecklich: Danke! In Anbetracht deines Namens dachte ich zuerst an Spam (Verzeih mir bitte, man wird da mit der Zeit paranoid.), aber da ich auf deiner Seite auf die Schnelle nichts Kostenpflichtiges entdecken konnte, bedanke ich mich einfach für das kurze Lob.

  5. Guinan sagt:

    Muriel, ich kenne die, und auch den üblichen Zustand der „europäischen“ Version. Darum fand ich es immer sehr angenehm, wenn ich mich nicht setzen musste;-)

  6. Muriel sagt:

    @Guinan: Dann entschuldige bitte, ich ziehe meine Bemerkung zurück und finde mich damit ab, dass du das eben ein bisschen anders siehst als wir.

  7. Guinan sagt:

    Huch, dabei wollte ich dir gar nicht auf die Füße treten…

  8. Muriel sagt:

    @Guinan: Bist du nicht, keine Sorge. Nur freundliches Geplänkel hier.

  9. Arctica sagt:

    Ich mag die Lochtoiletten auch sehr gerne, gerade in Ländern, die sonst nicht so arg hygienisch sind. Also in Afrika hab ich mich tausendmal lieber über ein Erdloch gehockt, als auf eine Klobrille 😀

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