Singapuritanilistisch expialigetisch

Falls es nicht durch den Titel offensichtlich genug ist: Wir lieben Singapur. Singapur hat uns fantastisch gefallen. Wir wollen ganz bald wieder nach Singapur.

Zuerst war es vielleicht nur der Kontrast zu China. Die Tatsache, dass man tatsächlich fragen kann, wenn man etwas nicht weiß, und dass man eine Antwort bekommt, meistens sogar eine freundliche. Dass man einfach mit Leuten reden kann. Die Tatsache, dass niemand vor einem auf den Boden spuckt und man sich gewaltfrei Zugang zum öffentlichen Personennahverkehr verschaffen kann.

Aber das war noch nicht alles.

Vor unserer Reise wusste ich über Singapur nicht viel mehr, als dass es ein wirtschaftlich sehr erfolgreicher kleiner asiatischer Inselstaat ist, in dem man besser keine Drogen schmuggeln und keine Kaugummis auf den Boden spucken sollte. Ich hatte mir die Stadt ziemlich futuristisch und ein bisschen langweilig vorgestellt, vielleicht ein bisschen wie Huxleys Schöne Neue Welt oder so eine futuristische Dystopie.

Wir wurden auch tatsächlich gleich an der U-Bahn-Station des Flughafens mit drakonischen Strafen bedroht, aber sogar diese Drohung fanden wir so amüsant, dass sie unserer Freude keinen Abbruch tun konnte.

Wer den Witz nicht versteht, sollte unbedingt einmal „Durian“ googlen. Oder „Stinkfrucht“.

Glücklicherweise stellte sich aber heraus, dass ich damit völlig daneben lag. Und sogar, was den Müll auf der Straße angeht, haben sich die Sitten hier anscheinend deutlich gelockert:

Den ersten Tag haben wir auf der Spaßinsel Sentosa verbracht, die nicht nur einen herrlichen langen Strand, ein Aquarium, einen Aussichtsturm und eine fantastische Auswahl an Ben & Jerry’s Eis bietet (Malzeis mit Fudge und schokoladenummantelten Brezeln mit Erdnussbutterfüllung, irgendjemand?), sondern auch ein sehr gelungenes Wachsfigurenkabinett und ein interessantes Festungsmuseum, das die Rolle Singapurs im Zweiten Weltkrieg sehr anschaulich darstellt. Und sogar wenn das alles nicht wäre: Allein schon, weil man die Insel mit einer Einschienenbahn erreichen und mit einer Seilbahn wieder verlassen kann, ist sie eine Reise wert. Die Nerds unter uns nehmen jetzt bitte einen kurzen Moment Auszeit für die Kontemplation der epischen Coolness: Eine richtige Monorail! Ist das zu fassen? Eine Monorail!!!einself

Ja, schon gut, ich mach schon weiter… Besagte Seilbahn bot übrigens nicht nur eine fantastische Aussicht über Samosa und Singapore selbst, sondern auch die bequemsten und schönsten Seilbahnkabinen, die ich je gesehen habe.

Aber auch abgesehen von der Spaßinsel war in Singapur eigentlich alles schöner und interessanter, als ich mir hätte vorstellen können. Zum Beispiel gibt es einen wunderschönen kolonialen Stadtkern, der wirklich gar nichts mit der seelenlosen Hochhausskyline zu tun hat, die ich sonst immer nur gesehen hatte.

Das auf dem letzten Bild ist übrigens Sir Stamford Raffles, der offenbar ganz alleine für die Gründung, den Aufbau und den sagenhaften Erfolg Singapurs verantwortlich ist. Aus diesem Grund ist auch so ziemlich jedes Gebäude und jede zweite Straße nach ihm benannt. Die wenigen Örtlichkeiten, die nicht Raffles im Namen tragen, haben zumindest irgendwo einen Stanford mit drin.

Es ist deshalb auch nicht weiter überraschend, dass eine der dominanten Sehenswürdigkeiten der Stadt das Raffles Hotel ist. Auch uns hat es trotz anfänglicher Skepsis (Wie jetzt? Ein Hotel besichtigen?) hervorragend gefallen, was nicht zuletzt an dem hervorragenden High-Tea-Buffet lag, dass wir dort zu uns nehmen konnten. Fantastische Scones mit Clotted Cream, zwei verschiedene Sorten Bread Pudding, und sogar Dim Sum standen zur Auswahl. Stört euch, dass dieser Reisebericht eine einzige  Schwärmerei ist? Tut mir Leid, aber das wird so bleiben.

In der Long Bar im Raffles Hotel wurde übrigens auch der Singapore Sling erfunden, und für die, die selbst mal versuchen wollen, einen zuzubereiten, haben wir hier die Anleitung fotografiert:

Vom kolonialen Stadtkern aus sieht man übrigens auch dieses Ding, und jetzt sagt doch mal ehrlich:

Und für diejenigen, die es ein bisschen exotischer mögen, gibt es Chinatown und Little India. Keoni und mir haben in beiden Stadtteilen mit weitem Abstand die hinduistischen Tempel am besten gefallen.

Das einzige, was uns ein bisschen störte, war, dass wir am Eingang immer unsere Schuhe ausziehen mussten. Das ist nicht nur umständlich, sondern macht auch schmutzige Füße. (Ist es eigentlich ein Zirkelschluss, wenn ich das kritisiere?)

Einen besonderen Höhepunkt hatten wir uns für den letzten Abend aufgespart, nämlich den Nachtzoo, der von 1900 bis Mitternacht geöffnet ist und die Möglichkeit bietet, nachtaktive Tiere bei Dunkelheit zu beobachten. Das klingt erst einmal nach einer ziemlich doofen Idee, denn im Dunkeln sieht man nichts, und es war tatsächlich schwierig, vernünftige Fotos hinzubekommen, aber nichtsdestotrotz hat uns das Erlebnis sehr beeindruckt.

Die Night Safari läuft so, dass man in einen kleinen Sightseeing-Zug einsteigt, die zwischendurch mal anhält und einem die Möglichkeit bietet, zu Fuß weitere Gehege zu erkunden. Die Führerin in der Bahn erklärt sehr schön und amüsant, nur über ihre Pornointonation muss man halt ein bisschen hinwegsehen.

Und jetzt freuen wir uns darauf, dass wir für den letzten Tag unserer Reise noch einmal einen Aufenthalt in Singapur eingeplant haben und können es kaum abwarten, noch mehr zu sehen. Ich kann euch die Stadt nur ganz dringend empfehlen, falls ihr mal eine Gelegenheit habt, vorbeizuschauen, denn Singapur muss einfach jeder toll finden.

Na gut. Vielleicht nicht jeder.

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7 Responses to Singapuritanilistisch expialigetisch

  1. rebhuhn sagt:

    wo ist der nächste flug nach singapur?? normalerweise lese ich reiseberichte nicht so gern, aber dieser hat mir den mund wässerig gemacht. danke :)!

    den merlion finde ich besonders cool, davon hatte ich noch gar nix gehört..

  2. Arctica sagt:

    Toll, jetzt will ich auch noch nach Singapur, danke =/
    Den Nachtzoo find ich ja besonders toll. Erst dachte ich mir „hä, was soll das denn?! Den Tieren gar keine Ruhe mehr gönnen“, aber das ist ja für die wesentlich angenehmer, wenn sie dafür tagsüber ihre Ruhe haben.

  3. maxi sagt:

    Zum Thema Nachtzoo:

    Ich habe letzte Woche im Radio gehört, dass der Münchner Tierpark Hellabrunn auch Nachtführungen anbietet. Dabei bekommt man ein Nachtsichtgerät und kann so die Tiere bei ihrem Nachtverhalten beobachten. Muss tierisch spannend sein. Steht auf jeden Fall auf meiner to-do-list…

  4. disco sagt:

    Moin

    Schöner Bericht.

    Das ist wirklich cool:

    Weisst du wie der Komplex heisst?

    g,
    disco

  5. Andi sagt:

    OMG OMG OMG!!!
    Ich will nach Singapur.
    Wieso hab ich denn vor diesem Bericht nicht gewust, wie toll Singapur aussieht? Oder habt ihr wirklich nur die schönsten Ecken gesehen und die Slums habt ihr außen vor gelassen? Aber wahrscheinlich sind in Singapur selbst die Slums noch schöner als die Millionärsgebiete in Dortmund.

    OMG! Ich will in dieses Hotel! AAAAAAAAAAHHHH!!

    Darf ich grad mal fragen, wie teuer Singapur ist? So verhältnismäßig?

    Ich bin immer noch ganz hin und her und so. Unfassbar. Und das Eis will ich probieren!

  6. Zaphod sagt:

    Verdammt, warum gibt es diese Sorte Ben & Jerrys nicht hier, das könnte genau MEINE Sorte sein. Hört sich ultragut an.
    Überhaupt, ich steh auf Reiseberichte, ich steh auch auf Asien, weiß aber nicht ob ich es jemals dort hin schaffe, deswegen verschlinge ich sowas.
    Komisch, obwohl ich Religionen und Kirchen eigentlich eher ablehnend gegenüberstehe, alte Kirchen oder Tempelanlagen sind Geschichte, in Stein gehauene Zeitzeugen, faszinierend.
    Als Großstadtbewohner faszinieren mich auch Städte, mindestens ebenso wie schöne Landschaften. Um sich halbwegs einen Eindruck zu verschaffen sollte man nicht nur das Land, sondern gerade auch die Städte bereisen.
    Überhaupt sollten alle viel mehr reisen und andere Länder kennenlernen. Mindestens aber solche Reiseberichte lesen.
    Ich werde jetzt mal versuchen, mit Google Street View den kolonialen Kern zu finden, ich muss jetzt unbedingt wissen, was das für ein merkwürdiges Raumschiff auf den drei Wolkenkratzern ist.
    Drehen die da gerade Men in Black 3?

  7. […] grundsätzlich gute Idee habt, sie aber nicht umsetzen könnt? So ungefähr ging es mir auf dem Flug nach Singapur. Ich hatte da eine Idee für ein Gedicht, und holte meinen Laptop raus und tippte auch ein paar […]

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