Immerhin glitzern sie nicht

Gestern Abend haben Keoni und ich „Låt den rätte komma in“ („Let the Right One In“ / „So finster die Nacht“) gesehen.

Falls ihr noch nichts davon gehört haben solltet, findet ihr bei Chlorine eine sehr schöne Zusammenfassung samt einer zweiten Meinung.

Executive Summary: Es geht um Oskar, einen zwölfjährigen schwedischen Jungen, der von seinen Klassenkameraden misshandelt wird, und um Eli, ein (schon sehr lange) zwölfjähriges Vampirmädchen (ungefähr), das sich mit ihm anfreundet. Der Film erzählt seine Geschichte auf eine sehr langsame, wirklichkeitsnahe, ereignisarme Weise, und legt dabei keinerlei Wert auf ästhetische Bilder. Wie im richtigen Leben gibt es keinen Helden, keinen Bösewicht, und eigentlich auch kein Ende.

Es ist einer dieser Filme, die ich nicht in wenigen Worten beurteilen kann. Die ich vielleicht gar nicht beurteilen kann. Es ist einer dieser Filme, während denen ich mehrmals auf die Uhr sehe, weil ich mich ziemlich langweile, aber ich fühle mich schlecht dabei, weil ich gleichzeitig das Gefühl habe, dass ich begeistert sein sollte. Und wenn er vorbei ist, denke ich noch sehr lange darüber nach, mit dem Gefühl, dass da etwas Großes in dieser Geschichte war, aber auch mit dem Bedauern, dass nicht mehr davon da war. Aber andererseits war es vielleicht gerade dieser Umstand, der den Film so groß macht.

Es ist, denke ich, einer dieser Filme, die umso besser werden, je länger ich sie nicht gesehen habe.

Wenn ich ehrlich sein soll, muss ich sagen, dass „Låt den rätte komma in“ mir nicht gefallen hat, aber ich bin froh, dass ich ihn gesehen habe. Es ist vielleicht auch einer dieser Filme, die mich so lange nicht loslassen, bis ich selbst eine Geschichte über dasselbe Thema geschrieben habe.

Versteht ihr, was ich meine?

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14 Responses to Immerhin glitzern sie nicht

  1. madove sagt:

    Ja.
    Absolut.
    Und ich bin wieder mal entzückt, daß andere Leute das Gefühl auch kennen.
    (und vorsichtig neugierig auf den Film)

  2. Gut zu wissen … ich finde es immer gut zu sehen wann ich einen Film links liegen lassen sollte. Wobei mich der Trailer auch schon nicht so anspricht wenn ich ehrlich bin. Ich meine, Sie sind zwölf, wie zum Teufel soll die Vampirin da perfekt einparken können? Und das nun das wirklich essentielle bekannte glitzern – für das ja nun Vampire berühmt sind – fehlt … also völlig unrealistisch.

    Nein, eigentlich bin ich eine Mimose die nicht gerne Kinder in so tragisch-traurigen Filmen sieht.

  3. Muriel sagt:

    @Bioschokolade: Deine Argumentation scheint mir schlüssig, aber ich hoffe doch schon, dass dieser Beitrag an sich nicht so rüberkommt, als würde ich befürworten, dass man diesen Film links liegen lässt. Oder irgendwo sonst.

  4. Andi sagt:

    In welcher Sprache habt ihr den Film gesehen, wenn ich fragen darf?

    Ich steh ja nicht so auf Vampire und so, aber ich glaub, den Film würd ich mir angucken. Ich kann nämlich das von dir geschriebene (Seh-)Gefühl ganz gut nachempfinden, so gehts mir auch ganz oft.

    Klingt das jetzt irgendwie komisch? Wahrscheinlich schon. Egal. Denn was aus Schweden kommt, ist eigentlich schonmal grundsätzlich gut. 🙂

  5. S. A. Mahr sagt:

    Es ist einer dieser Filme, zu denen ich gerne etwas sagen würde wollen, aber auch nie so recht weiß, wo beginnen.

    Ich mag diese ruhigen, reduzierten Bilder sehr. Im Gegensatz zu diesen hektischen, überladenen (hauptsächlich amerikanischen) Filmen spürt man hier, dass viel mehr unter der Oberfläche einer jeden einzelnen Figur ist, als man zu sehen bekommt. Ich glaube, es ist genau das, was einen nachhaltig beschäftigt: Man nimmt die Stille des Films mit, trägt sie mit sich herum, gibt ihr Raum und Zeit. Und ja, dann entsteht vielleicht auch der Wunsch, selbst so eine Geschichte zu Papier zu bringen – weil man selbst sehen, spüren will, wie es ist, an der Oberfläche zu kratzen. Oder ein bisschen tiefer.

    Es gibt mittlerweile ein amerikanisches Remake dieses Films: „Let me in“. Mal sehen, ob/wann das im deutschsprachigen Raum zu haben sein wird. Wäre vielleicht einen direkten Vergleich wert.

    @Bioschokolade:
    Ich würde den Film weder als tragisch noch als traurig bezeichnen. Einfühlsam vielleicht, doch selbst das auf eine nüchterne Art.

  6. Muriel sagt:

    @Andi: Schwedisch, mit deutschen Untertiteln. Hat natürlich die anstrengender-Kunstfilm-Atmosphäre noch verstärkt, war aber andererseits auch mal ganz nett. Wie gesagt, ich empfehle ihn. Dringend.
    @S.A.Mahr: Bei mir hat es sicher auch damit zu tun, dass ich seit langer Zeit eine Idee in der Schublade liegen habe, die älter ist als meine Kenntnis von diesem Film. Sie fängt so an:
    There is nothing erotic about a vampire’s bite. It is not pleasant at all, there is nothing elegant and stylish about it, and it will not turn you into a vampire. It is simply one person eating another.

  7. rebhuhn sagt:

    also, ich fand‘ den film großartig. vor allem ‚hinterher‘, also mit dem ende!! und ich verstehe auch, was du meinst, das ging mir aber mit diesem film nicht so…

  8. Muriel sagt:

    @rebhuhn: Das Ende…
    Ja.
    Das Ende passte überhaupt nicht zum Rest des Films. Es hat meiner Meinung nach sogar dem Rest des Films völlig widersprochen.
    Ich habe mich nur deshalb nicht maßlos über dieses Ende geärgert, weil es einfach unglaublich gut war.

  9. Andi sagt:

    @Muriel:
    Okay, son OmU-Film ist schon anstrengend zu gucken.
    Da warte ich doch lieber bis nächsten Donnerstag, da läuft der Film nämlich auf deutsch um 23 Uhr im WDR, hab ich grad in meiner Fernsehzeitung entdeckt.

  10. rebhuhn sagt:

    @Andi
    danke für den tipp! hab’s mir in den kalender eingetragen, den kann man [ich ^^] ruhig nochmal sehen..

  11. S. A. Mahr sagt:

    @Muriel:
    Deine Idee finde ich interessant und ansprechend – viel zu selten wird mit dem vorherrschenden Klischee über Vampire aufgeräumt. Und ja, immerhin glitzern sie nicht …

    Das Ende:
    Meinst du/meint ihr das Ende in der Schwimmhalle, oder das Ende danach? Ich fand die Szenen in der Schwimmhalle weder überzeugend noch schlüssig, das Ende selbst hingegen schon. Um das jetzt zu diskutieren, bräucht’s allerdings eine Spoiler-Warnung …

  12. rebhuhn sagt:

    also, ich meinte das ende-ende ;).

  13. Nardon sagt:

    Habe den Film auch vor einiger Zeit gesehen (deutsch) und mir hat er sehr gut gefallen.
    Was leider bei dem Film nicht so gut rüberkommt (habe ich mir sagen lassen), da ich das Buch nicht kenne, ist die Beziehung zwischen ihrem Begleiter und dem 13jährigen weiblichen Vampier. Wobei ich weder von Mädchen, noch von Frau sprechen will obwohl sie geistig durchaus weiter sein dürfte als 13.
    Schlussendlich fand ich den Film sehr gut, von Anfang bis Ende und würde ihn auch wieder ansehen. die Art wie die Geschichte erzählt wurde fand ich nicht langweilig oder langatmig und hatte daher auch nicht das Gefühl auf die Uhr sehen zu müssen.

  14. […] Wenn ich ehrlich sein soll, muss ich sagen, dass “Låt den rätte komma in” mir nicht gefallen h… […]

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