Seid ihr reif für diesen Reisebericht?

Es hat in diesem Blog eine lange Tradition, dass der letzte Reisebericht zu einem Urlaub erst dann erscheint, wenn ich selbst schon kaum noch weiß, dass ich überhaupt mal im Urlaub war.

Heute ist es wieder soweit.

Unsere zwei Wochen auf Bali nach Shanghai und Singapur waren vor allem als Surfurlaub gedacht.

Konsequenterweise haben wir uns auch in einem Surfcamp eingemietet, nicht nur, weil das so unglaublich abenteuerlich und cool klingt, sondern auch, weil wir uns keine Gedanken darum machen mussten, wie wir zum Strand kommen, welchen wir nehmen, und wie wir dann rauskriegen, wie es dort mit den Strömungen, dem Riff und den Felsen bestellt ist.

Kurze Einleitungsinformation: Bali gehört zu Indonesien, lebt im Wesentlichen vom Tourismus, ist sehr heiß und schwül und ist einer dieser Staaten mit einer lustigen bunten Währung mit vielen Nullen, von der man immer ein gewaltiges Bündel Scheine mit sich herumtragen muss, um auch nur einen Kaugummi kaufen zu können.

Besonders für Anfänger wie uns war das grundsätzlich eine wunderbare Sache. Wir haben zwar meistens denselben Strand besucht, aber das hat uns nicht weiter gestört, denn es war ein sehr schöner Strand mit meistens genau richtigen Wellen, und gelegentlich haben wir uns sogar sympathische blinde Passagiere eingefangen.

Wie das mit dem Surfen grundsätzlich ist, hatte ich ja schon einmal beschrieben, deswegen verzichte ich hier darauf und beschränke mich im Weiteren darauf, von Bali zu schwärmen und euch von den wenigen Tagen zu erzählen, die wir nicht am Strand verbracht haben.

Was ich dazu zur Einleitung zu sagen habe, klingt vielleicht gar nicht besonders nach Schwärmerei, aber keine Sorge, das kommt schon noch. Erst einmal aber zum Verständnis: Auf Bali gibt es eigentlich nicht viel zu besichtigen. Es gibt einen Vulkan, Reisfelder und ganz, ganz, ganz, ganz, ganz, ganz ganz ganz viele Tempel. Wenn man Strand nicht so gerne mag, sind zwei Wochen dort also wohl eher zu viel. Wenn man aber Freude am Meer hat, dann ist Bali genau das Richtige, und man findet durchaus auch genug Sehenswürdigkeiten für die Tage, an denen man vielleicht mal was anderes machen will.

Unseren ersten solchen Tag begannen wir mit dem Bratan-See, den die Frau unseres Campleiters uns dringend ans Herz gelegt hatte.

Wenn man unserem Reiseführer glauben kann (was man nach meiner Erfahrung eher nicht sollte), dann sind balinesische Tempel desto heiliger, je mehr Dächer sie haben und je näher sie an den Bergen sind. Dieser war also schon mal ziemlich heilig, aber wir waren uns nicht ganz sicher, ob wir daraus irgendwelche Konsequenzen ziehen konnten, deswegen haben wir ihn einfach wie jeden anderen Tempel auch behandelt und sind damit eigentlich auch ganz gut gefahren, fanden wir.

Als nächstes war dann das Affenheiligtum in Ubud dran:

Keoni und ich mögen Affen nicht besonders, vor allem diese aufdringlichen verwöhnten, die in solchen Tempeln rumlaufen und mit völliger Selbstverständlichkeit alles Essbare als ihr Eigentum betrachten, das im Bedarfsfall auch mit Gewalt von den daran hängenden Menschen befreit wird.

Das Heiligtum hat uns aber gefallen, es verbreitete diese zauberhaft Indiana-Jones-hafte Dschungeltempelatmosphäre.

Nach dem Affentempel wollten wir die Reisfelder besichtigen. Ich vermute, dass unser balinesischer Fahrer das sehr lustig fand, aber zu freundlich war, uns das zu zeigen. Ein bisschen, als hätte ich Gäste aus Asien und sie würden mich fragen, ob sie sich mal ein Roggenfeld ansehen könnten. Hm. Er war freundlicher, als ich es an seiner Stelle gewesen wäre.

Egal. Uns hat es jedenfalls gefallen.

Unser Reisführer enthielt sogar zwei Wanderrouten für genau diesen Zweck, und wir entschieden uns für die etwas kürzere, weil es schon Nachmittag war und wir noch den Rest von Ubud sehen wollten. Zuerst lief das auch alles noch ganz wunderbar. Der Pfad war gesäumt von freundlichen Landwirten mit ihren Babyenten

und freundlichen Feldarbeiterinnen mit lustigen Hüten,

und wir sahen mehr Reis, als wir jemals essen könnten.

Aber dann begegnete uns so ein Maler, der scheinbar völlig unschuldig vor einer Hütte saß, die voll war mit seinen Kunstwerken, und er fragte uns, woher wir kamen, wo wir hinwollten, und wie es uns bisher so gefiel. Wir machten den Fehler zu erwähnen, dass wir einen kleinen Schrein suchten, der in unserem Wanderplan eingezeichnet war, und er erklärte, dass wir daran vorbeigelaufen waren und empfahl uns, wieder zurück zu gehen, denn es sei nicht weit.

Na gut.

Wir kehrten um und suchten ein bisschen. Kein Schrein. Egal. Wir kehrten wieder um – und fanden den Maler wieder, diesmal an einer Weggabelung, und er empfahl uns, doch diesmal rechts entlang zu gehen, wo wir vorher links gegangen waren. Wir zuckten die Schultern und beugten uns seiner überlegenen Ortskenntnis, wenn auch ein bisschen verwundert darüber, dass er uns fürderhin begleitete, und noch verwunderter darüber, dass der Weg immer schmaler und bald auch immer steiler und schlammiger wurde.

Der Maler war sehr freundlich und zuvorkommend, während er uns in eine Schlucht hinabführte, die zwar ausgesprochen malerisch aussah, von der wir uns aber nicht vorstellen konnten, dass unser Reisführer sich das so gedacht hatte. Als wir fast unten waren, fiel ihm dann auch noch ein, dass es gar keine Brücke gab und dass wir durch den Fluss waten müssten. Es schien ihm wirklich sehr unangenehm zu sein, und auf mehrmalige Nachfrage gab er schließlich zu, dass es doch so eine Art provisorische Brücke gab.

Wir hangelten uns also über den Fluss, während wir anfingen uns zu fragen, ob der Maler gleich mit einem schrillen Pfiff seine drei Brüder herbeirufen würde, um uns dann sehr freundlich und zuvorkommend darum zu bitten, ihm doch jetzt unser Geld und unsere Kamera auszuhändigen.

Tat er aber nicht. Er führte uns einfach nur den steilen schlammigen Abhang auf der anderen Seite wieder hinauf, während er sich permanent entschuldigte und fragte, ob wir zurechtkämen, bis wir schließlich wieder oben waren.

Was auch immer die Hintergedanken des sonderbaren Malers gewesen sein mögen, wir werden es nie erfahren, und so anstrengend die Klettertour auch war, so hat sie sich doch auch irgendwie gelohnt.

Nach kurzer Reorientierung kamen wir zu dem Schluss, dass unser neuer Lieblingsmaler uns auf die zweite Marschroute in unserem Reisführer geführt hatte, die so genannte Bergroute, und sie bot uns sehr eindrucksvolle Aussichten auf andere Schluchten, Hanghäuser auf Stelzen, pittoresken Urwald und die balinesische Fauna.

Der Nachteil war allerdings, dass uns diese Aktion gute 90 Minuten gekostet hatte und wir deswegen zu spät nach Ubud zurückkehrten, um uns wie geplant noch den Tempel anzusehen. Immerhin von außen konnten wir ihn noch fotografieren, nur für euch:

Der Tag war damit zwar eigentlich noch nicht ganz rum, aber dieser Reisbericht ist es trotzdem. Mir ist nämlich gerade aufgefallen, dass ich erst ungefähr die Hälfte meines Materials geschafft habe und dieserEintrag trotzdem schon reichlich lang geraten ist. Es gibt also noch einen zweiten Teil, und auch wenn ich noch nicht genau weiß, wann er erscheint, kann ich doch immerhin versprechen, dass es diesmal schneller gehen wird als mit dem ersten. Und es gibt lecker Essen.

wird fortgesetzt

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5 Responses to Seid ihr reif für diesen Reisebericht?

  1. Andi sagt:

    Ich lache immer noch über Reisbericht… 😦

  2. Guinan sagt:

    Nachdem du jetzt ein nicht jugendfreies Foto veröffentlicht hast, musst du nun demnächst dein Blog als ab 18 kennzeichen?

  3. Muriel sagt:

    @Andi: So hatte ich mir das gedacht!
    @Guinan: Muss ich sowieso.

  4. whynotveroni sagt:

    Hm, Ente mit Reis… ….ENTE SIND FREUNDE, KEIN FUTTER!!!

    Aeh. so. Ne, super Fotos habt ihr gemacht, vor allem das mit dem Scolopender finde ich sehr eindrucksvoll. Wie nah wart ihr dran? Wusstet ihr da, dass die Dinger ziemlich fiese beissen koennen? 🙂

    Ich war ja vor Aeonen mal in Malaysia, allerdings Borneo und auf der Halbinsel. Sieht uebrigens sehr aehnlich aus. Ich fand die frei rumlaufenden Kuehe ja immer toll. Die Affen sind eine Pest. Mir haette da fast einer meine Fototasche gestohlen… weil ich was knisterndes drin hatte (das noch nicht mal essbar war…).

    Kann den zweiten Teil kaum abwarten!

  5. Muriel sagt:

    @whynotveroni: Schön, dass dir der Bericht gefällt. Ich muss dich aber trotzdem leider darauf hinweisen, dass dir da oben der Trugschluss der falschen Dichotomie unterlaufen ist.
    Wir wussten über das Tier auf dem Foto im Wesentlichen gar nichts, gingen aber vorläufig davon aus, dass so ziemlich alles auf Bali fies beißen kann. Trotzdem habe ich mich furchtlos direkt davor gekniet, um das Foto zu machen. Ich muss aber auch zugeben, dass zumindest dieses Exemplar einen ausgesprochen harmlosen Eindruck machte.

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