Eine Riesenmenge Geld (14)

12. November 2010

Ich freue mich, auch heute wieder ein neues Kapitel unseres Fortsetzungsromans für euch zu haben, und ich hoffe, ihr freut euch auch.

Viel Vergnügen, und schönes Wochenende!

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Quasireligiöses Gedankenkonvolut

11. November 2010

Ich führe gerade wieder eine längliche Diskussion über Religion, ausgehend von meiner These, dass ich die strikte Trennung von Staat und Religion für einen Fehler hielte, wenn die Behauptungen einer Religion wahr wären. Die Diskussion hat uns bisher nicht sehr weit gebracht, aber immerhin hat sie mich zu weiteren Überlegungen inspiriert:

Ich finde es sonderbar, dass religiöse Menschen sich (in der Regel) im Alltag nicht viel anders verhalten als areligiöse Menschen, obwohl ihre Weltsicht auf völlig unterschiedliche Annahmen stützt.

Wenn ich eine Religion als wahr akzeptieren würde, würde das mein gesamtes Weltbild umwerfen und meine Prioritäten vollkommen umstellen. Ich möchte das gerne am Beispiel des Lebens nach dem Tod illustrieren, weil es erstens für mich wahrscheinlich der wichtigste Aspekt einer Religion wäre, und zweitens, weil es meines Wissens auf fast alle bedeutenden Religionen mutatis mutandis passt.

Der Glaube an ein Leben nach dem Tod, würde für mich den Wert dieses Lebens drastisch verändern. Es wäre dann nicht mehr meine einzige Chance und alles, was ich habe, sondern nur noch eine Art Filter, der die Leute aussortiert, die keine ewige Glückseligkeit verdient haben.

Wenn ich der Meinung wäre, dass man einen Menschen lediglich in das nächste Leben verfrachtet, wenn man ihn tötet, würde die Bewertung der Tat plötzlich vor allem davon abhängen, was das Opfer dort erwartet. Warum sollte jemand dafür bestraft werden, dass er einem anderen in den Himmel geholfen hat? Und umgekehrt: Welche Strafe könnte jemals ausreichen für einen Menschen, der einem anderen die Chance genommen hat, ewiger Qual in der Hölle zu entgehen?

Die Todesstrafe wäre plötzlich, je nach der Religion des Delinquenten, endlos viel härter oder endlos viel milder als eine lebenslange Freiheitsstrafe. Für manche wäre sie in gewisser Weise überhaupt keine Strafe, sondern eher eine Belohnung.

Trotzdem stimmen die meisten Gläubigen erstaunlicherweise mit uns Atheisten überein, dass Mord eine sehr, sehr schlimme Sache ist, und auch ansonsten sind wir uns in den Grundzügen unserer moralischen Urteile doch überraschend oft einig.

Ich vermute, dass das im Wesentlichen an zwei Gründen liegt: Erstens habe ich den Eindruck, dass viele nominell religiöse Menschen gar nicht so richtig ernsthaft glauben. Sie finden es zwar irgendwie gut, sich Christen zu nennen und Gottesdienste zu besuchen, aber im Grund ihres Herzens können sie nicht anders, als die Realität zu akzeptieren, die sie Tag für Tag erleben.

Zweitens – und das ist wahrscheinlich der wirklich entscheidende Punkt – habe ich in meinem Gedankenexperiment für mich eine ziemlich ungewöhnliche Variante von Religiosität gewählt: Ich habe unterstellt, dass ich zwar die Tatsachenbehauptungen einer Religion akzeptiere, aber nicht die zugehörigen Werturteile. Ich würde also zum Beispiel glauben, dass Gott die Welt erschaffen hat, und dass er uns nach dem Tod belohnt oder bestraft, aber er wäre trotzdem nicht die Grundlage meiner Moral.

Wenn ich die moralischen Gebote mitakzeptieren würde, wäre alles wieder einigermaßen im Lot: Ich würde dann zwar glauben, dass der Tod (für Christen) gar keine so schlimme Sache ist, aber ich würde Mord trotzdem für furchtbar halten, weil Gott ja gesagt hat, dass wir nicht töten sollen.

Ich halte das für eine ganz interessante Beobachtung: Praktisch niemand glaubt an einen Gott, mit dessen moralischem Urteil er nicht einverstanden ist. Ein Gläubiger würde wahrscheinlich sagen, dass das nur beweist, dass man Gott nicht erkennen kann, ohne auch sofort einzusehen, dass er gut und gerecht ist. Ich sehe darin eher ein weiteres Indiz dafür, dass Religion ein Produkt der menschlichen Vorstellungskraft ist. Oder etwas pointierter: „You can safely assume that you’ve created God in your own image when it turns out that God hates all the same people you do.“


Geschützt: Ich hatte tatsächlich mal ein Joghurtprodukt

10. November 2010

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Singapuritanilistisch expialigetisch

7. November 2010

Falls es nicht durch den Titel offensichtlich genug ist: Wir lieben Singapur. Singapur hat uns fantastisch gefallen. Wir wollen ganz bald wieder nach Singapur.

Zuerst war es vielleicht nur der Kontrast zu China. Die Tatsache, dass man tatsächlich fragen kann, wenn man etwas nicht weiß, und dass man eine Antwort bekommt, meistens sogar eine freundliche. Dass man einfach mit Leuten reden kann. Die Tatsache, dass niemand vor einem auf den Boden spuckt und man sich gewaltfrei Zugang zum öffentlichen Personennahverkehr verschaffen kann.

Aber das war noch nicht alles.

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Bali Bullshit

6. November 2010

Deutschlandradio Wissen hat kürzlich mal wieder einen Astrologen befragt, was die Zukunft wohl bringt. Das ist für sich schon traurig genug, aber es wird noch schlimmer. Florian Freistetter von Astrodicticum Simplex hat sehr treffend darauf hingewiesen, dass es einem öffentlich-rechtlichen Wissenssender nicht so besonders gut zu Gesicht steht, in an Humescher Skepsis geschulter Weise völlig unkritisch und distanzlos einen Vertreter einer Pseudowissenschaft einzuladen und seinen Unsinn verbreiten zu lassen, als könnte man Astrologie irgendwie ernst nehmen.

Im DRadio-Wissen-Blog hat der Sender auf diese Kritik mit dem Hinweis reagiert, Wissenschaftler hätten eben keinen Humor, weshalb Florian nicht verstanden habe, dass das ja alles gar nicht ernst gemeint war, sondern ironisch, und dass man aber andererseits auch nicht wissen kann, ob an Astrologie nicht doch was dran ist. Dass es wenigstens glaubhafter wäre, sich wenigstens auf eine der beiden Varianten festzulegen, ist in der Redaktion wohl bisher niemandem eingefallen, aber vielleicht kommt ja auch noch was. Egal, es ist lange her und vorbei, ich wollte es euch nur wissen lassen.

Nun zu etwas völlig anderem.

Hier auf Bali laufen am Strand Leute rum, die DVDs verkaufen, und außerdem haben sie noch was anderes in Pappkartons, und Keoni und ich haben erst am dritten Tag rausgefunden, was das überhaupt ist: Power Balance Armbänder. Die sehen so aus,

und sie verleihen ihrem Träger offenbar permanent GE+3, KK+3 sowie den Vorteil „Herausragende Balance“ (Das war für die, die meine letzte Rollenspielanspielung gut fanden. Alle anderen können auf dem Karton oder auf der Homepage nachlesen.)

Nachdem der Verkäufer uns das erklärt hatte, riet uns einer der anderen Surfer dringend vom Kauf ab, denn die Armbänder seien nicht die Originale, sondern gefälscht. Auf meine Nachfrage, wo denn überhaupt der Unterschied zwischen echten Quatscharmbändern und gefälschten Quatscharmbändern sei, erntete ich verständnislose Blicke von den anderen. Es konnte zwar keiner richtig erklären, wie die Dinger funktionieren sollen (Irgendwas mit Energieknoten war die herrschende Meinung.), aber irgendjemand hier am Strand hätte so ein Armband, sagten sie, und bei ihm würde es wirken, und außerdem seien die bei Surfwettbewerben verboten, womit ihre Wirksamkeit eindeutig bewiesen sei. Wir stellten die Diskussion damit ein, weil Keoni mir kräftig gegen das Schienbein trat, bevor ich antworten konnte wir neu im Camp waren und uns nicht unbeliebt machen wollten.

Im Internet habe ich abends noch mal nachgelesen und festgestellt, dass Power Balance offenbar durch aufgedruckte Hologramme (die es nicht nur als Armbänder gibt, sondern auch einfach als Aufkleber) den Energiefluss optimiert. Ist klar, oder? Seitdem habe ich diese Armbänder ziemlich oft gesehen, unter anderem auch an den Handgelenken balinesischer Verkäuferinnen in einem Einkaufszentrum in Kuta.

[Achtung, genial gelungene Überleitung zum nächsten und letzten Aspekt des Themas.] Im selben Einkaufszentrum entdeckten wir in der Wellnessabteilung noch ein weiteres Wundermittel, das uns bisher unbekannt war: Ohrkerzen.

Ja, Ohrkerzen, genau, ihr habt schon richtig gehört. Die Technik ist exakt so blöd, wie sie klingt: Die Kerzen sind innen hohl wie die Benutzer, und man steckt sie ins Ohr, um sie dann anzuzünden. Die Idee ist, dass das Feuer einen Unterdruck erzeugt, der Ohrschmalz und andere Verschmutzungen aus dem Ohr zieht und damit enorm zur Gesundheit und zum allgemeinen Wohlbefinden beiträgt.

Mal ganz ehrlich: Wie kommt man denn auf die Idee, ein hässliches Armband könnte einen gewandter und stärker machen und das Balancegefühl stärken? Wie kann sich ein halbwegs gebildeter Mensch einreden lassen, eine hohle Kerze könnte sein Ohr reinigen und ihn gesund machen?

Mich regt so etwas auf, weil wir in einer Zeit leben, in der nahezu jeder es besser wissen könnte, nein, es besser wissen müsste. Wir leben in einer Zeit, in der wir uns nicht mehr vor Dämonen und Hexenflüchen fürchten müssen, und in der wir kein Geld mehr für Schutzzauber und Glücksbringer verschwenden müssen, weil zumindest jeder, der sich einen Surfurlaub auf Bali leisten kann, mühelosen Zugang zu einem Fundus an Wissen hat, und innerhalb von Sekunden rausfinden kann, ob ihm gerade ein echtes Wundermittel angeboten wird, oder ob ihn jemand verschaukeln will. Wir könnten so froh sein, dass die Zeiten vorbei sind, in denen wir voller abergläubischer Furcht vor sonderbaren Himmels- und sonstigen Naturphänomenen erzittern, und dass wir die Chance haben, die wahren Regeln zu erkunden, nach denen die Welt um uns herum funktioniert.

Stattdessen hüllen sich immer noch viel zu viele von uns in die selbstverschuldete Ignoranz und haben unter Umständen noch die Chuzpe, andere für engstirnig zu erklären, die ihren Blödsinn nicht ernst nehmen.


Eine Riesenmenge Geld (13)

5. November 2010

Der letzte Freitag dieses Urlaubs, und obwohl wir zurzeit meist so gegen 6 zum Strand aufbrechen, hält mich nichts davon ab, euch zum Wochenende ein neues Kapitel unseres Fortsetzungsromans zu überreichen. Der nächste Reisebericht kommt hoffentlich auch demnächst.

Viel Spaß!

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