Ich sollte öfter in die Kirche gehen.

Herr Alipius hat drüben in seinem Blog eine Predigt veröffentlicht, die er offenbar heute gehalten hat. Er hat mir freundlicherweise erlaubt, sie hier zu veröffentlichen, wofür ich ihm danke.

Ich füge dem Text nichts weiter hinzu, weil ich denke, dass er prima für sich selbst spricht. Falls ihr mich wissen ließet, wie ihr darüber denkt, würde mich das sehr freuen.

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Im Buch des Propheten Jesaja finden wir im 40. Kapitel berühmte Sätze. Jedoch gibt es sie in zwei geringfügig sich unterscheidenden Versionen:

Einheitsübersetzung: „Eine Stimme ruft: / Bahnt für den Herrn einen Weg durch die Wüste! Baut in der Steppe eine ebene Straße / für unseren Gott!”

Luther-Bibel: “Es ist eine Stimme eines Predigers in der Wüste: Bereitet dem HERRN den Weg, macht auf dem Gefilde eine ebene Bahn unserm Gott!“

Ich möchte mich heute auf die Erste Übersetzung konzentrieren. Inhaltlich sind beide Versionen richtig, denn der Rufer Johannes war ein Mann der Wüste, vertraut mit Entbehrung, gekleidet in Tierhaar, gespeist von Heuschrecken und wildem Honig. Er war der Rufer in der Wüste.

Aber sein Ruf richtet sich auch an die Wüste. Damals ebenso wie heute. Nun stehen wir heute nicht unter glühender Sonne in ödem Land und murren über Entbehrung und Wasserknappheit. Unsere Wüste präsentiert sich anders.

Was ist denn die Wüste anderes als ein Ort, der mit Lebensfeindlichkeit, Leblosigkeit und Unfruchtbarkeit assoziiert wird?

Begegnen wir heute nicht oft – zu oft – Menschen, deren Herzen und Seelen verdorrt und trocken scheinen, weil noch niemand den Weg des Herrn zu ihnen geebnet und begradigt hat?

Und sehen wir nicht ebenfalls immer und immer wieder die Früchte der Lebensfeindlichkeit, der Leblosigkeit, der Unfruchtbarkeit, die dort zu ernten sind, wo Christus die Menschen nicht in ihrem Innersten berührt hat?

Begegnen uns heute nicht in den Medien verwirrende Berichte über die diversen Möglichkeiten, welche der Mensch sich zu eigen macht, um das Leben nicht zu ermöglichen, um das Leben in seiner Entstehung abzuwürgen, um das Ende des Leben beschleunigt herbeizuführen?

Und werden wir nicht immer und immer wieder Zeugen der seltsamen Mechanismen, mit welchen dieser Mangel an einem unbedingten „Ja“ zum Leben kompensiert werden soll, indem man sich in groteske Scheinwelten vermeintlichen Lebens flüchtet? Scheinwelten, welche der menschlichen Natur zutiefst widersprechen. Denken sie an die Verwüstungen, die Alkohol- und Drogenmissbrauch in den Familien anrichtet, an die Unsicherheit und die Angst, die sich hinter übertriebenen Schönheitsoperationen verbergen, an die Aushöhlung der menschlichen Sexualität als ein immer und überall zu habendes Privatvergnügen ohne Verantwortung und Folgen.

Johannes spricht auch heute noch zu uns, wenn er sagt: Kehrt um, denn das Himmelreich ist nahe!

Aber nicht nur das. Er sagt auch: Bringt Frucht hervor, die eure Umkehr zeigt!

Zuerst liegt es also an uns. Wenn wir unsre Herzen öffnen und in dieser Adventszeit unsere Seelen reinigen (z.B. durch den Empfang des Bußsakraments), dann können wir auch in der Wüste unserer Welt den Weg ebenen für unsren Herrn und Gott Jesus Christus.

Natürlich ist in der heutigen Zeit eine christliche oder gar katholische Missionierung ein Störfaktor. Die Menschen wollen in ihrer Sündhaftigkeit bestätigt und nicht hinterfragt werden. Aber – liebe Brüder und Schwestern – denkt nicht daran, wie steil der Weg sein mag oder wie hoch die Hindernisse. Denkt an Jesus, auf dessen Ankunft wir uns in diesen Tagen wieder vorbereiten, und denkt an das Heil, welches er für alle Menschen bereit hält.

Wie wunderbar wäre es, wenn es uns gelingen könnte, in diesen Tagen auch nur einen Menschen dazu zu bewegen, daß er sich besinnt, daß er in sich geht, daß er sich öffnet für diese ganz andere, radikale Art des Lebens und der Liebe, die uns seit über 2000 Jahren aus einer kleinen Krippe ihre Kinderärmchen entgegenreckt.

Es sind die gleichen Arme, die selbst am Kreuz noch ausgebreitet sind, weil unser Herr ununterbrochen uns zuruft: Kommt zu mir! Ich mache Euch heil!

Möge es uns allen gelingen, in diesen Tagen den Weg des Herrn in der Wüste zu ebenen, ihm eine grade Straße zu den Herzen der Menschen zu richten.

Gelobt sei Jesus Christus

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63 Responses to Ich sollte öfter in die Kirche gehen.

  1. Guinan sagt:

    Nach sonderlicher Nächstenliebe klingt das jedenfalls nicht.

  2. Zaphod sagt:

    „Begegnen wir heute nicht oft – zu oft – Menschen, deren Herzen und Seelen verdorrt und trocken scheinen, weil noch niemand den Weg des Herrn zu ihnen geebnet und begradigt hat?“
    Bis dahin hab ich durchgehalten. Salbadersalbader, ich kann damit nichts anfangen. Ich weiß schon, warum ich nicht in die Kirche gehe. Mir wird da echt immer schlecht wenn ich sowas höre.

  3. Muriel sagt:

    @Guinan: Das ist immer so eine Sache. Er würde vielleicht sagen, dass gerade die Liebe ihn dazu treibt, die Menschen aufrütteln zu wollen.
    Außerdem: hör gefälligst auf, den Christen mangelnde Liebe vorzuwerfen.
    @Zaphod: Ich finde es immer ganz interessant zu sehen, wie unterschiedlich die Wahrnehmung so sein kann. Aber deinen Standpunkt verstehe ich auch sehr gut.

  4. Ron sagt:

    Habe ich schon mal erwähnt, dass ich diesen missionarischen Eifer zum Ko**en finde? Und ja, dann ist es für mich wirklich ein Störfaktor – aber vor allem weil für mich daraus mangelnder Respekt und Intoleranz spricht (und nicht, dass ich in meiner „Sündhaftigkeit“ bestätigt werden will).

    Ansonsten mal wieder eine Gewalttour durch alle möglichen Themen, die der (katholischen) Kirche so gegen den Strich laufen. Mit leider dem immer gleichen Ende: alles schlecht außer Mutti die reine Lehre.

    Sehr interessant finde ich aber den Ansatz zur „Sexualität als ein immer und überall zu habendes Privatvergnügen“. Was denn sonst? Oder ist das eine Aufruf zu mehr Öffentlichkeit beim Sex?

  5. Ron sagt:

    Nachtrag: Das mit den HTML-Tags wird irgendwann auch mal klappen … 😦 Bitte nach „Mutti“ das durchgestrichene wegdenken.

  6. Muriel sagt:

    @Ron: Doch gut, dass ich nicht so viel in der Kirche bin, sonst hätte ich ja keine Zeit, solche html-Versehen zu beheben…
    Inhaltlich: Hm. Ich bin mir nicht sicher.
    Das Problem ist in meinen Augen gar nicht so sehr der missionarische Eifer an sich. Wenn ich ernsthaft glauben würde, dass die Lehre der katholischen Kirche war ist, dann gäbe es nach meinem Verständnis nur eine ethisch richtige Entscheidung, nämlich möglichst viele andere Menschen zu bekehren und ihnen so die ewige Qual der Hölle zu ersparen. Ich würde es wohl ein bisschen anders anfangen, aber jeder hat eben so seine Technik.
    Dass jemand seine Meinung sagt, finde ich in Ordnung. Nur sollte es dann idealerweise eine Meinung sein, die sich auf irgendwas Reales stützt…

  7. Mathies sagt:

    Ich bin zwar kein Christ, aber ich sehe die guten Absichten hinter dem Text.
    Und wenn ich sehe, wie selten die meisten Menschen ernsthaft ihre Einstellungen hinterfragen, kann ich Reden wie diese eigentlich nur gut heißen.

  8. Guinan sagt:

    @Muriel: Sollte wahre Liebe nicht bedingungslos sein? Bei der christlichen Variante klingt mir zu viel wenn – dann durch.
    Dem Herrn Alipius muss man natürlich zu Gute halten, dass es sich bei dem Text ja eigentlich um eine Predigt an seine eigene Klientel handelt. Die Wahrscheinlichkeit, in der Vorabendmesse auf Menschen zu treffen, die sich offen zu ihrem Unglauben bekennen, halte ich für eher klein. Kann sich also niemand direkt beleidigt fühlen. Sind ja nur die Guten da.
    Hier bei dir so unvermittelt darauf zu stoßen, das war schon – anders. Hab mich getroffen gefühlt. Eigentlich stehe ich Gläubigen wesentlich duldsamer gegenüber als du. Meine erste Reaktion zu diesem Machwerk war aber: So eine Unverschämtheit. Frechheit. Was bildet der Kerl sich ein?
    Geht aber schon wieder. Eure Diskussion war angenehm zu lesen und hat einiges klargestellt.
    Ich werde ihn aber nicht mit direkten Kommentaren belästigen. Da drüben fühle ich mich unwillkommen.

  9. Muriel sagt:

    @Mathies: Danke für deinen Kommentar. Die guten Absichten sehe ich durchaus auch.
    Gerade das Problem unreflektierter Überzeugungen ist eigentlich das, was mich an dieser Predigt stört, die für mich deutlich zu viel Selbstimmunisierung enthält, um als Beitrag zu einem aufrichtigen, konstruktiven Dialog durchzugehen.
    Aber deine Meinung interessiert mich durchaus: Welchen nützlichen Beitrag siehst du darin?
    @Guinan: Hm. Ich persönlich halte bedingungslose Liebe für Unsinn, aber ich denke, Christen müssten das wohl anders sehen als ich.
    Mit der Schilderung deiner Reaktion bin ich ansonsten ziemlich vorbehaltlos einverstanden. Gesunde Einstellung.

  10. Tim sagt:

    Menschen, die innere Stimmen hören und sie für real halten. Ich sehe sowas inzwischen nicht mehr allzu negativ. Immerhin zahlen die Krankenkassen in Deutschland dafür die Therapie.

  11. Muriel sagt:

    @Tim: Ist das nicht eher ein zusätzliche Grund, es negativ zu sehen?

  12. Guinan sagt:

    @Muriel: Bedingungslose Liebe ist Unsinn? Ach. Warum?

  13. TakeFive sagt:

    @Guinan vs Muriel: Erich Fromm hat das Thema „bedingungslose Liebe“ meiner Meinung nach sehr schön behandelt: Er assoziiert bedingungslose Liebe mit der Mutter und dem Kindesalter („Ich liebe dich so wie du bist“), bedingte Liebe mit dem Vater („Ich liebe dich wenn du meine Regeln befolgst.“) und dem Heranwachsen. Das Entwicklungsziel ist bei ihm die Verinnerlichung beider Konzepte („Selbstliebe“).
    Super ist die Anwendungen auf die Menschheitsenwicklung: Erst „mütterliche“ Naturreligiionen, dann der restriktive Monotheismus (aka Christentum etc).
    Auch wenn es natürlich übermäßig verallgemeinert ist und auch sehr pauschal, ich finde die Sichweise hat was.

  14. Guinan sagt:

    @TakeFive: Das ist schön erklärt.
    Daraus abgeleitet würde das bedeuten, Muriels Unverständnis rührt aus der fehlenden „mütterlichen“ Sichtweise.
    Anders herum können Eltern eigentlich eine ganze Menge Mist bauen, ehe die kindliche Liebe nachlässt.

  15. Muriel sagt:

    @Guinan, TakeFive: Vielleicht habe ich das zu pauschal formuliert. Vielleicht auch nicht. Mal sehen.
    Zuerst klären wir kurz, was wir unter bedingungsloser Liebe verstehen. Ihr scheint da beide das typische Beispiel Mutterliebe zu wählen, was bedeutet, dass ihr eine begrenzte bedingungslose Liebe meint, also eine, die sich nur auf bestimmte Personen bezieht. Man könnte jetzt diskutieren, ob die dann überhaupt noch völlig bedingungslos ist, und wann eine Person zu einer anderen Person werden könnte, aber das wäre vielleicht zu pedantisch von mir, deswegen lasse ich es.
    Wir sind also bei einer Form von Liebe, die sich auf eine bestimmte Person richtet und durch nichts beeinflusst werden kann, was diese Person tut. Ich bin nicht davon überzeugt, dass es diese Form von Liebe wirklich gibt, aber ich halte es für möglich.
    Mit meiner Bemerkung, sie sei Unsinn, wollte ich vor allem ausdrücken, dass ich es abwegig finde, sie als erstrebenswertes Ideal, sozusagen als Charakterstärke darzustellen. Bedingungslose Liebe ist grundlos und damit willkürlich. Ich kann daran nichts Erstrebenswertes erkennen.
    So. Hm. Ich bin nicht sicher, ob euch das irgendwie weiterhilft, aber ihr könnt gerne noch nachfragen.

  16. Guinan sagt:

    Mutterliebe war, wir du schon sagst, einfach nur ein Beispiel. Meiner Meinung nach ist Liebe immer grundlos, willkürlich und auf eine bestimmte Person bezogen, außerdem oft nur eine Momentaufnahme. Von ewig oder unendlich habe ich nichts gesagt.
    Aber ich glaube, ich lasse es lieber. Diskussionen mit dir sind mir zu anstrengend.

  17. Muriel sagt:

    @Guinan: Das tut mir Leid, ich wollte dich nicht anstrengen.
    Ich habe eigentlich schon den Eindruck, dass Menschen andere Menschen aus Gründen lieben, und dass Liebe durchaus auch vom Verhalten der anderen Menschen beeinflusst werden kann. Aber das ist eben meine Erfahrung, und ich muss zugeben, dass meine Kenntnisse zu dem Thema auch fast ausschließlich aus dieser begrenzt verlässlichen Quelle stammen.

  18. etwas. sagt:

    Liegt nicht an dir, ich schwächel heute etwas.
    Du hast schon recht, bei manchen Themen zählen nur die eigenen Erfahrungswerte.

  19. Guinan sagt:

    Aargh, wie ist denn das gerade passiert? Da hatte ich wohl sehr krumme Finger.

  20. TakeFive sagt:

    Ich habe das Gefühl dass diese Diskussion das Potenzial hat diesen Post zu sprengen. Ein Grundproblem ist auch dass man meistens nicht das gleiche unter „Liebe“ versteht wenn man darüber diskutiert. Aber das jetzt wirklich zu behandeln liegt nicht in meiner Reichweite.

    Zur Diskussion:

    Bedingungslose Liebe ist grundlos und damit willkürlich. Ich kann daran nichts Erstrebenswertes erkennen.

    Holla Herr Silberstreif, das ist ziemlich weit gegriffen oder nicht? Grundlos? Man müsste jetzt aufdröseln was für Gründe „richtig“ sind. Abhängigkeit? Äußere Attraktivität?
    Gibt es überhaupt menschliches Verhalten, das man redlich als „grundlos“ bezeichnen kann, auch über primitive Kausalität hinausgehend?
    Tendenziell würde ich Guinan Recht geben: Wahre Liebe könnte gerade durch ihre „Grundlosigkeit“ ausgezeichnet sein. Man liebt den betroffenen für das was er ist und nicht für das was er war oder sein oder werden sollte.
    @Muriel (11:15): Bedingungslose Liebe heißt nicht unbedingt dass sie durch nichts beeinflusst wird. Natürlich kann man auch bedingungslose Liebe verlieren oder sie kann erkalten. Sie hat nur keine Voraussetzung.

  21. TakeFive sagt:

    P.S.: Das Dicke da sollte ein Zitat sein aber ich habe wohl den falschen Tag benutzt..

  22. Muriel sagt:

    @Guinan: Ich wollte gar nicht sagen, dass nur meine Erfahrungswerte zählen, sondern lediglich, dass ich keine Kenntnisse zu dem Thema habe, die darüber hinausgehen.
    @TakeFive: Ich bin mir auch nicht sicher, ob wir über dasselbe Phänomen reden. Wenn wir unter bedingungsloser Liebe nur verstehen, dass sie nicht auf „Wenn du… dann liebe ich dich nicht mehr“ basiert, habe ich kein Problem damit. (So verstehe ich deinen Hinweis, dass bedingungslose Liebe nach deiner Auffassung beeinflussbar ist. Nach meiner Deutung wäre sie nämlich eigentlich dann nicht mehr bedingungslos.)
    Wenn wir aber unter bedingungsloser Liebe verstehen: „Ich liebe X, und es ist egal, ob er mich schlägt, ob er Kinder missbraucht, ob er Völkermord begeht oder sich im Kino laut mit seinen Freunden unterhält“, dann würde ich diese Form von Liebe eher als ein Defizit sehen als etwas Gutes.

  23. Imrahil sagt:

    Ob das Wort bedingungslos zu gebrauchen ist oder nicht, ist Sprachgebrauchssache. Jedenfalls hat die christliche Nächstenliebe schon einen Grund. Nämlich die Gottesliebe: Gott hat den Betreffenden geschaffen und in seine Kirche berufen, letzteres eventuell noch nicht. Das trifft auch auf den Mörder zu. Das heißt nicht, daß wir nicht unsere Freunde, Familienmitglieder, Wohltäter oder die schönen Frauen mehr lieben als die anderen. Es ist auch *kein* Verstoß gegen die Nächstenliebe, gegenüber den Kinostörern bewußt seiner Laune zu folgen und sie zurechtzuweisen, oder dem Mörder aus den üblichen Gründen eine Strafe zu verpassen.

    >>Gerade das Problem unreflektierter Überzeugungen ist eigentlich das, was mich an dieser Predigt stört, die für mich deutlich zu viel Selbstimmunisierung enthält, um als Beitrag zu einem aufrichtigen, konstruktiven Dialog durchzugehen.

    Ja, mei, man will halt auch nicht dauernd einen aufrichtigen konstruktiven Dialog in deinem Sinne führen, gell. Das macht halt auf die Dauer keinen Spaß – vor allem in der Predigt nicht. Du kannst Dir bei einem transitorischen Diakon davon ausgehen, daß seine Überzeugungen quasiperfekt reflektiert sind; wenn es trotzdem nicht die deinen sind, liegt das daran, daß Du unrecht hast. Wir verstehen uns?

    PS: Eine so hundertprozentige Notwendigkeit der formellen Bekehrung für das ewige Heil lehrt die katholische Kirche nicht.

  24. Muriel sagt:

    @Imrahil:

    Du kannst Dir bei einem transitorischen Diakon davon ausgehen, daß seine Überzeugungen quasiperfekt reflektiert sind; wenn es trotzdem nicht die deinen sind, liegt das daran, daß Du unrecht hast. Wir verstehen uns?

    Ohja, wir verstehen uns. In der Tat verstehen wir uns so blendend, dass wir uns jeden weiteren Disput sparen können.
    Ich wäre dir trotzdem dankbar, wenn du hier weiter kommentieren würdest, denn du illustrierst ganz fabelhaft, warum ich Religion für ein Problem halte.

  25. Imrahil sagt:

    Ich hatte Deine Antwort auf meinen ersten Kommentar noch nicht gelesen, sonst hätte ich mich anders geäußert. Genaugenommen das „wir verstehen uns“ weggelassen. Im übrigen fand ich Deine Kommentare zu diesem Artikel durchaus zutreffend.

  26. Muriel sagt:

    @Imrahil: Das freut mich. Trotzdem sehe ich keinen Sinn in einem Dialog, solange dir für deine Wahrheitsfindung das Wort einer Autorität genügt, die du für unfehlbar hältst.
    Wir können uns jederzeit über alles unterhalten, wenn du bereit bist, deine Überzeugungen infrage zu stellen und aufrichtig zu diskutieren. Ich sehe dafür bisher aber kein Indiz.

  27. Imrahil sagt:

    Es gibt interessanterweise nicht allzuviele unfehlbare Lehraussagen. Sollte ich von meinen eigenen Meinungen zu sehr überzeugt sein, habe ich mich darin zu bessern. Sollte es um den Glauben der Kirche gehen, genügt mir mit Gottes Hilfe natürlich das Wort besagter Autorität. Wenn Du das nicht mehr aufrichtiges Diskutieren nennst, gut, dann ist das eben so…

    Aber das Thema war ja nicht der Inhalt des Glaubens, sondern die Angemessenheit der Predigt. Aber wie gesagt, gut, wenn Du Dir ernsthaft einen Prediger vorstellst, der seine Zweifel und Zweifelsgefühle (die er in aller Regel hat) auszubreiten, statt mal diese mal kurz zu erwähnen wo vonnöten und anschließend zu übergehen… ich stelle ihn mir jedenfalls nicht so vor.

  28. Muriel sagt:

    @Imrahil: Darum geht es nicht. Es geht darum:

    Du kannst Dir bei einem transitorischen Diakon davon ausgehen, daß seine Überzeugungen quasiperfekt reflektiert sind; wenn es trotzdem nicht die deinen sind, liegt das daran, daß Du unrecht hast. Wir verstehen uns?

    Wenn du das so siehst, ist das dein gutes Recht, aber dann habe ich keinen Grund, mit dir zu diskutieren, so aufschlussreich ich es auch gerade deshalb finde, deine Meinung zu zu erfahren.

  29. Imrahil sagt:

    Da wollte ich nur darauf hinweisen – was natürlich nicht unfehlbar ist und streng genommen auch von mir aus nur eine Vermutung, aber eine wahrscheinliche, daher „Du kannst davon ausgehen“ – daß wenn ein transitorischer Diakon nicht die ganze Priesterausbildung, die ja schon weit fortgeschritten ist, durchmacht und den Zölibat verspricht, daß ihm dann auch die entsprechenden Zweifel und so schon gekommen sind. Daß er schon von Studiums wegen, aber auch wegen seiner ganzen Lebenssituation schon genügend reflektiert. Das ist auch so etwas am Klerikerberuf: wenn hypothetisch der christliche Glaube doch falsch sein sollte, wäre das Leben der Kleriker für die Katz. Natürlich wird auch der Laie sich auch im Zweifel nicht erlauben, diese Überlegung bei der Berufswahl bewußt eine Rolle spielen zu lassen. Aber es ist eben auch doch etwas besonderes mit der Entscheidung für den Klerikerberuf: er setzt hier sein Leben aufs Spiel. Uns Laien kann das nur Respekt abnötigen. Kann man ernsthaft davon ausgehen, er würde das unreflektiert machen?

    Und natürlich ist für die Wahrheit dieser Überzeugungen auch nicht *das* der Grund, daß sie so stark reflektiert sind – das ist „nur“ ein Grund, sie ernstzunehmen und nicht unreflektiert zu nennen.

  30. Imrahil sagt:

    tschuldigung für den Schreibfehler: das „nicht“ zwischen Diakon und der ganzen Priesterausbildung bitte überlesen. Danke!

  31. Mathies sagt:

    @Muriel
    Predigten wie diese bieten, im Positiven gesehen, einen Halt für die Gläubigen. Zum Einen wird die Läuterung gefordert (gereinigte Seele etc.), zum anderen wird der Frömmige bestärkt, seinen Weg weiter zu gehen. Auf Fakten und tiefgehende Erörterungen kommt es dabei gar nicht unbedingt an.

    Man weiß aus moderneren Studien, dass Menschen in ihrem Denken (leider) zu Einseitigkeit neigen und nur in sehr wenigen individuellen Situationen zu wesentlichen neuen Erkenntnissen gelangen. Wer sich jedoch der Möglichkeit dessen zumindest immer wieder aussetzt, hat bessere Chancen (wobei eine Predigt natürlich nicht das einzige Mittel ist).

    Ob dann die wöchentliche Dosis Läuterung + Ermutigung dem Gläubigen tatsächlich etwas bringt … keine Ahnung.

    Heutzutage kann man sich Läuterung und Selbstbestätigung natürlich auch anderswo herholen, aber so eine Predigt (ob nun kirchlich oder auch in nichtreligiösem Kontext) hat schon sowas wie eine Sonderstellung, behaupte ich mal.

  32. Muriel sagt:

    @Imrahil: Ich beurteile die Äußerungen eines Menschen meistens eher nach ihrem Inhalt als nach der Person, die sie tätigt, und einige Behauptungen in dieser Predigt machen mir doch einen arg unreflektierten Eindruck.
    Ich kann dir aber gerne insofern ein Stück entgegen kommen, dass ich die grundlegende religiöse Überzeugung des Predigers wohl in der Tat weniger auf zu wenig Nachdenken zurückführen würde als auf fehlerhaftes Nachdenken.
    @Mathies: Interessant, dass ich auf fast derselben Basis wie du zum gegenteiligen Ergebnis komme. Gerade weil die Menschen zu einseitigem Denken neigen, halte ich es für schädlich, sie mit solchen Reden noch dazu zu ermutigen, ihren religiösen Irrtum zu bestärken und den Eindruck zu erwecken, ohne diesen Glauben drohte Verdorrung, Lebensfeindlichkeit und Sünde; letzteres ist auch in sich schon ein Konzept, das ich zutiefst unsinnig und falsch finde.

  33. Imrahil sagt:

    >>Ich kann dir aber gerne insofern ein Stück entgegen kommen, dass ich die grundlegende religiöse Überzeugung des Predigers wohl in der Tat weniger auf zu wenig Nachdenken zurückführen würde als auf fehlerhaftes Nachdenken.

    Mehr wollte ich hier gar nicht haben von Dir, gewissermaßen. Dankeschön!

  34. DasSan sagt:

    Mir stoßen da auch ein paar Punkte auf, zB. „Begegnen uns heute nicht in den Medien verwirrende Berichte über die diversen Möglichkeiten, welche der Mensch sich zu eigen macht, um das Leben nicht zu ermöglichen, um das Leben in seiner Entstehung abzuwürgen“ und das „unbedingte Ja zum Leben“ – bezieht sich das nicht auch auf Empfängnisverhütung?
    Es möchte nunmal nicht jede Frau 10 Kinder haben und ich finde es mein gutes Recht, „Sexualität als ein immer und überall zu habendes Privatvergnügen ohne Verantwortung und Folgen“ genießen zu dürfen, wenn ich das will.
    Und ich möchte auch nicht missioniert werden, herzlichen Dank.

  35. Muriel sagt:

    @DasSan: Ich glaube, dass du das durchaus richtig deutest. Das ist gewiss eine Referenz auf Verhütung, PID und Abtreibung.
    Ich persönlich finde auch ganz fantastisch, wie der Satz weitergeht. Ob bei den „grotesken Scheinwelten“ hier und da in der Gemeinde ein kleiner, vernachlässigter benutzter Ironiedetektor leise und frustriert zu klingeln angefangen hat, obwohl er genau wusste, dass ihm keiner zuhört?

  36. madove sagt:

    Zu der Predigt fällt es mir schwer, etwas zu sagen.
    Ich bin überhaupt nicht in dieser Rhetorik sozialisiert, sodaß ich erstens Mühe habe, sie ernstzunehmen, aber vor allem auch, sie nicht verstehe.
    Auch nach zweimaligem Lesen ist mir nicht so richtig klar, was man von mir verlangt. Ich bleibe mit einem vagen schlechten Gewissen zurück, wegen all der Sünden, auf die ich wohl bestehe, und der Drogen und der Schönheitsoperationen, und vor allem der Sexualität, für die ich mich irgendwie schuldig fühlen soll, aber ich kann nichts Konstruktives herauslesen, „diese ganz andere, radikale Art des Lebens und der Liebe“, auf die ich mich besinnen soll, nimmt für mich keine Gestalt an.

    (Das war das Sachlichste und Besonnenste, was ich dazu zustandebringe.)

  37. DasSan sagt:

    Ja, besonders grotesk sind offenbar die Scheinwelten, in die man sich aus dem nicht gerade lebensbejahenden Zölibat flüchtet…

  38. Muriel sagt:

    @madove: Das mit dem vagen schlechten Gewissen ist eine ganz gute Beobachtung. Ich glaube, dass das Geschäftsmodell der Kirchen zu einem ganz erheblichen Anteil genau darauf basiert, ob es nun den einzelnen Handelnden bewusst ist oder nicht.
    @DasSan: Der ist ja von Gott gewollt, das ist dann in Ordnung. Er hat uns das nie so direkt gesagt, und in der Bibel steht es auch nicht, aber es ergibt sich wohl irgendwie aus dem Gesamtzusammenhang, dass das so sein muss…

  39. Imrahil sagt:

    Man erlaube mir, kurz einen sachlichen Irrtum zu verbessern. Ihr scheint hier das Zölibat insgesamt angreifen zu wollen (kein Vorwurf, eine Feststellung) und nicht die technische Frage, ob die Kirche denselben zur Zugangsvoraussetzung für das Priestertum macht. Gäbe es verheiratete Priester, würdet ihr, so vermute ich, dasselbe über predigende Mönche sagen.

    Und von daher täuschst Du Dich, denn in diesem Sinne – als sinnvolle Lebensform, und an und für sich für das religiöse Leben besser als die Ehe – steht der Zölibat sehr wohl in der Bibel.

  40. Muriel sagt:

    @Imrahil: Interessant. An welche Stelle denkst du da?

  41. Imrahil sagt:

    Mt 19, 12; 1 Kor 7, 38, und vielleicht noch weitere.

  42. Muriel sagt:

    @Imrahil: Na gut. Ich wäre mir jetzt nicht völlig sicher, dass man damit den heutigen Zölibat rechtfertigen könnte, aber ich beuge mich deiner (unterstellt) höheren Sachkunde und ziehe bis auf Weiteres meine Behauptung zurück, dass der Zölibat nicht in der Bibel steht.

  43. untaled sagt:

    1) Ich finde es unangenehm die Welt in der wir Leben als grundsätzlich schlecht darzustellen.

    2) Ich mag es nicht, wenn ein Haufen Sätze, Beleidigungen und Beschuldigungen wie als Beweis mit einem Bibelvers versehen werden.

    3) Die sollen ihren Blödsinn bitte vor der eigenen Haustüre kehren – von denen ich es aufgrund ihrer Überzeugung am wenigsten erwartet hätte sind doch heute diejenigen, die mit den dollsten Geschichten aufwarten (und in der Vergangenheit aufwarteten).

    4) Ich sage ja zu Liebe, Respekt und Freundschaft. Diese Predigt ist jedoch so voller Abneigung, Hass und Verurteilung dieser Welt in der Du und Ich leben, dass ich wirklich nicht sehe, wo Liebe, Respekt und Freundschaft in dieser Religion ihr zu Hause haben. Ist es nur in den Mauern der Kirche? Das wäre mir zu klein, zu wenig – denn es würde ein paar Milliarden Menschen ausschließen.

  44. Imrahil sagt:

    ad 2) war von meiner Seite lediglich eine Korrektur zu der Bemerkung, daß der Zölibat nicht in der Bibel stehe. Beweisen wollte ich ausschließlich, daß er doch in der Bibel steht.

  45. Dennis sagt:

    Hm Ibrahim, ich hatte zufällig letztens in der Wikipedia nachgeschlagen – dort stand zum Thema Zölibat, dass es nicht in der Bilde stehen würde. Ich vertraue da mal auf die Fachkunde der Wikipedier und dass, wäre es anders ein paar „Fachkundigere“ sich durchgesetzt hätten, oder?

  46. Muriel sagt:

    @untaled: 4) Ich denke, innerhalb der Religion ergibt das sogar wirklich halbwegs Sinn, eben von der Prämisse aus, dass Menschen unwürdige Sünder sind, die eigentlich ewige Qual verdient haben und nur aufgrund der maßlosen Gnade, die Gott ihnen zuteil hat werden lassen, indem er sich selbst für sich selbst geopfert hat, um ein Schlupfloch in den Regeln zu schaffen, die er selbst sich ausgedacht hat, damit wir der Strafe entgehen, die er für uns vorgesehen hat, weil wir so sind, wie er uns geschaffen hat.
    @Imrahil: Wie gesagt, ich bezweifle nach wie vor, dass man damit schlüssig den Zölibat in seiner heutigen Form rechtfertigen kann, aber offen gestanden ist es für mich nicht besonders wichtig, ob der Quatsch ein bisschen früher oder ein bisschen später erfunden wurde.
    @Dennis: Danke für den Hinweis. Der Ordnung halber möchte ich aber doch nicht auf die Bemerkung verzichten, dass ein Wikipedia-Zitat per se natürlich kein sehr starkes Argument ist.

  47. Mathies sagt:

    @Muriel
    Ich habe nur die positiven Aspekte herausgestellt. Daran, dass das Ganze nicht unbedingt wie gewünscht läuft, habe ich ja auch schon Zweifel angemeldet. Die menschliche Psyche und ihre Mittel zur Verdrängung und Falschsicht sind auch unübertroffen (dazu kann ich das Buch „Schlafes Bruder“ empfehlen).
    Wichtig finde ich jedenfalls, dass man Texte aus der Mitte einer Gemeinschaft (welcher Art auch immer) immer auch in ihrem Kontext sehen sollte, um nicht überzogene oder zu einfache Schlüsse zu ziehen.

  48. Muriel sagt:

    @Mathies: Da hast du Recht, und dein Anliegen ist ehrenwert.
    Ich finde aber in diesem Fall dennoch, dass der Kontext die Sache eher schlimmer macht.

  49. Tim sagt:

    @ Muriel

    … damit wir der Strafe entgehen, die er für uns vorgesehen hat, weil wir so sind, wie er uns geschaffen hat.

    Sehr schön dargestellt und formuliert, in dieser Kürze habe ich diese Absurdität noch nirgendwo gelesen.

    Der alte Herr wird uns Heutigen durch die Bibel ja als verschlagenes und irgendwie total behämmertes personales Wesen dargestellt. Ob sich hier Männlichkeitsideale aus der späten Bronzezeit wiederspiegeln?

  50. Muriel sagt:

    @Tim: Danke. Ja, insbesondere im Alten Testament wirkt Gottes Verhalten manchmal geradezu pathologisch (obwohl die ewige Verdammnis, die Jesus uns gebracht hat, auch nicht unbedingt das Produkt eines gesunden Geistes sein dürfte…), und ich denke, dass uns das viel über das damalige Verständnis von Autorität, Herrschaft und eben auch der Rolle des Vaters verrät. Fürchte mich, denn ich habe dich in diese Welt gebracht, und wenn es mir gerade in den Kopf kommt, kann ich dich auch wieder rausnehmen.

  51. atemhaus sagt:

    @Imrahil, @muriel,

    das mit dem Zölibat ist sachlich richtig und falsch zugleich. Natürlich kann man aus den angeführten Bibelstellen den Zölibat als sinnvolle Lebensform ableiten. Aber worum es ja geht, ist nicht die Frage, ob die zölibatäre Lebensform eine sinnvolle Möglichkeit ist, sondern ob sie als Zwangszölibat zur Voraussetzung des Priesteramts gemacht werden kann.

    Ausserdem fände ich es spannender, wenn sich die Auseinandersetzung mit dem Glauben an überzeugenderen Predigtbeispielen abarbeiten würden, die nicht schon von anfang an in „wir“ und „die anderen“ einteilen und auf die sündigen und zu missionierenden/ bekehrenden Menschen herabblicken.

    Herzliche Grüsse

    Bernd

  52. Tim sagt:

    @ Muriel

    Vielleicht war Gott im Alten Testament ja noch Atheist und kannte folglich kein handlungsleitendes moralisches Prinzip?

  53. Muriel sagt:

    @Atemhaus: Danke für den Beitrag, dem ich vielleicht noch dahingehend widersprechen würde, dass die Bibelstellen nach meinem Maßstab nichts darüber aussagen, ob der Zölibat nun sinnvoll ist oder nicht, aber dass wir uns da nicht einig sind, dürfte sowieso allen Beteiligten klar sein.
    Zu der Predigt: Ich finde generell nicht, dass Predigten sich besonders gut für Grundsatzdiskussionen über den Glauben an sich eignen. Deshalb habe ich hier auch schon mehrere Beiträge zu diesem Thema geschrieben, die sich abstrakt mit dem Thema Religion und Skepsis befassen. Hier geht es mir einfach nur um ein Beispiel dafür, wie Religion die Wahrnehmung der Welt beeinflussen kann.
    Trotzdem, solltest du eine überzeugendere Predigt bei der Hand haben, bin ich gerne bereit, sie mir anzusehen und ggf. auch zu veröffentlichen, wobei ich das noch nicht fest zusagen will, weil ich eigentlich versuche, meine Leser nicht jeden zweiten Tag mit meinem missionarischen Eifer zu behelligen.
    @Tim: Naja, einen Atheisten würde ich ihn nicht nennen, aber einige Passagen der Bibel belegen in meinen Augen recht überzeugend, dass er Polytheist war, oder zumindest Henotheist. An anderen Stellen widerspricht er sich da natürlich wieder, aber wen überrascht das schon?

  54. atemhaus sagt:

    @Muriel:
    Um Missverständnissen vorzubeugen – als Reformierter bin ich dem Zölibat gegenüber kritisch und den Zwangszölibat halte ich für ein reines Machtinstrument ohne jede biblische Legitimation. Ausserdem hast du recht – Mt 19,12 hat mit dem Zölibat rein gar nichts zu tun und 1. Kor 7,38 sagt nur etwas darüber aus, dass Paulus den Verzicht auf die Ehe für sinnvoll hält angesichts des von ihm bald schon erwarteten Weltendes. Ausserdem halte ich sowieso nicht viel davon, mit einzelnen Bibelstellen zu argumentieren.
    Was die Predigten betrifft – da ist natürlich jedes Urteil zumindest teilweise subjektiv. Für mich zeichnet eine gute Predigt nicht der missionarische Eifer aus, sondern die Fähigkeit, biblische Texte mit existentiellen Erfahrungen zu verbinden und Menschen Raum für ihre eigenen Antworten zu lassen. Das gelingt auch mir sehr unterschiedlich – aber wenn’s dich interessiert, darfst du dir gerne ein Urteil bilden. Einige meiner Predigten findest du nämlich unter: http://predigtkiste.blogspot.com/

  55. Muriel sagt:

    @atemhaus: Danke für die Erläuterung. Ich bin nicht sicher, ob zum Beispiel die Adventspredigt vom 4. 12. von dir ist, oder ob dort mehrere Personen ihre Predigten veröffentlichen, aber vielleicht interessiert dich, was ich davon halte:
    Ich finde die Predigt zunächst erheblich sympathischer und auch nützlicher als die, die ich oben zitiert habe.
    Aber zum Thema Advent möchte ich trotzdem etwas sagen. Ich tue das nicht, um dich zu beleidigen oder weil ich unbedingt an der Predigt rummäkeln will, nur weil sie eben eine Predigt ist, sondern weil ich es für wichtig halte, darauf hinzuweisen, weil viele Christen es sich einfach nicht vorstellen können:
    Ich finde an der Weihnachtsgeschichte und am ganzen Leben und Sterben und der Auferstehung Jesu Christi nicht viel Gutes. Ich finde das ganze Konzept dahinter lächerlich, ethisch verwerflich und rumdum inakzeptabel, und ich will knapp aber hoffentlich trotzdem einigermaßen verständlich erläutern, warum.
    1. Schon die Idee, dass alle Menschen erbärmliche Sünder sind, die Vergebung schon für ihre Menschlichkeit und die Erbsünde brauchen, ist mir zuwider, unter anderem, weil ich nicht an die Erblichkeit von Schuld glaube. (Vielleicht teilst du diese Idee gar nicht, aber nach meinem Verständnis braucht man sie in irgendeiner Form, damit Jesu Opfer und unsere daraus folgende Erlösung Sinn ergibt. Ich bin aber offen für Berichtigungen.)
    2. Die Idee, dass die Schuld eines (oder aller) Menschen durch das Opfer eines anderen (und sei er ein Gott) gutgemacht werden kann, ist manifest absurd. Wenn ich jemanden erschlage, ist es nicht gerecht, meine Großmutter deshalb hinzurichten, auch, wenn sie sich freiwillig dazu bereit erklären sollte.
    3. Die Strafe, die Gott für Sünder, also eigentlich uns alle, vorgesehen hat, ist endlos und damit zwangsläufig unangemessen für die endliche Schuld, die wir in einem Menschenleben auf uns laden können.
    4. Es gibt noch viele Einzelheiten in Jesu Leben und in den Ratschlägen, die er erteilt, die ich für falsch und verwerflich halte, auf die ich hier aber nicht näher eingehe, um nicht den Rahmen zu sprengen.
    5. Wie ich oben schon geschrieben hatte: Wenn Gott uns vergeben wollte, hätte er es einfach tun können. Dass er dafür sich selbst für sich selbst opfern muss, ist aus meiner Sicht absurd.

    Wie gesagt: Ich habe das nicht geschrieben, um dich zu beleidigen, obwohl es unweigerlich so ankommen dürfte, denn ich greife damit (falls ich ihn nicht völlig verfehlt habe, weil du etwas anderes glaubst) den Kern seiner Weltsicht an.
    Ich habe es geschrieben, um zu erläutern, warum ich schon eine Prämisse dieser an sich sehr anständigen Predigt (Advent ist die Zeit, an der wir uns an die biblische Weihnachtsgeschichte erinnern und uns daran erfreuen.) rundheraus ablehne.

  56. atemhaus sagt:

    @ Muriel:
    wenn mich etwas ein wenig beleidigt an deinen Ausführungen, dann ist es dein Urteil, es handle sich um eine sehr anständige Predigt. Das könnte ich durchaus als harmlos und belanglos interpretieren udn das ist mir eindeutig zu wenig.
    Antworten muss ich eigentlich nur auf den ersten Punkt deiner Ausführungen, denn letzlich basieren alle deine folgenden Kritikpunkte auf dem Konzept der Erbsünde, das für mich weder jesuanisch noch in irgendeiner Hinsicht plausibel und tragfähig ist. Entscheidend ist für mich der Unterschied zwischen Opfer und Hingabe. Mit dem Opfer werden willkürliche Mächte/Götter besänftigt. Hingabe ist ein Akt der Liebe, des „Sich-Einsetzens-für-andere“ – und das Verbinde ich mit der ganzen Passionsgeschichte. Der Sühnegedanke ist mir zumindest in seiner quasi juristischen Interpretation (als ob Gott Blut fordern würde als Lösegeld für unsere meschliche Schuld)ziemlich fremd. Vielleicht sind für mich deshalb die Karfreitagspredigten die Schwierigsten, weil sie immer auf dem Hintergrund solcher Vorstellungen zu halten sind. In der Predigtkiste habe ich nur eigene Predigten veröffentlicht. Was ich gerade zur Opfertheologie gesagt habe, kann ich dir vielleicht anhand meiner letzten Karfreitagspredigt aufzeigen (http://predigtkiste.blogspot.com/2010/04/predigt-zu-2-kor-518-21-vom-karfreitag.html).

  57. Muriel sagt:

    @atemhaus: Mich hat deine Predigt in der Tat nicht besonders berührt. Ich will aber nicht ausschließen, dass das auch damit zu tun hat, dass ich voreingenommen bin und bin mit vielen Konzepten darin einfach nichts anfangen kann.
    Wenn es dir Recht ist, versuche ich einmal wiederzugeben, wie ich deine Deutung der Geschichte verstehe: Jesus ist am Kreuz gestorben und hat (auch durch sein Leben zuvor) uns Menschen ein Beispiel geliefert wie wir leben sollten. Darüberhinaus hat er auch durch seinen Tod ermöglicht, dass wir nicht länger durch unsere Schwächen von Gott getrennt sind, sondern Vergebung erfahren, und uns auch untereinander versöhnen können?
    Stimmt das ungefähr?

  58. atemhaus sagt:

    @Muriel:
    Ich habe auch nicht unbedingt erwartet, dass meine Predigt dich sonderlich berührt. Dazu gehen wir in dieser Hinsicht wohl von zu unterschiedlichen Denkvoraussetzungen aus und können auch beide unsere „missionarischen“ Ambitionen zügeln.
    Deine kurze Zusammenfassung stimmt ungefähr mit meiner Aussageabsicht überein. Wenn ich das so schreibe, dann liegt natürlich ein Einwand sofort auf der Hand: war dieser Jesus dann nicht einfach ein vorbildlicher Mensch (auch wenn du ja daran schon gewisse Fragen hast)und wozu braucht es dann dieses ganze Geschwätz vom Gottessohn, Christus oder Messias? Und könnten wir nicht auf all diese Gedanken selber kommen – ohne auf ein Beispiel von vor 2000 Jahren zurückzugreifen?
    Nun für mich verbindet sich mit dieser alten Geschichte das Vertrauen in die Kraft der Versöhnung, einer Versöhnung Gottes mit uns und der Menschen untereinander. Da interessiert es mich eigentlich gar nicht, ob ich diese Erkenntnis und dieses Vertrauen auch noch aus anderen Quellen gewinnen könnte. Weil der Bezug auf diese alten Geschichten mir gut tut und mich mit etwas verbindet, das meinen Horizont erweitert, weil ich weiss, dass sich Menschen zu anderen Zeiten und an anderen Orten ebenfalls auf diese Geschichten bezogen haben und dadurch ihr Lebensvertrauen gefunden haben. Ist das soweit – von meinen Denkvoraussetzungen, die du nicht teilen musst – nachvollziehbar und schlüssig?
    Zum anderen: ich sehe Jesus in der Tat zunächst einmal als Menschen. Wie anders als in menschlichen Erfahrungen und menschlichen Geschichten können wir überhaupt von etwas Transzendentem, Göttlichem reden? Ich bin also mit Wesensaussagen über Gott oder das Göttliche sehr zurückhaltend. Aber zu den Denkvoraussetzungen des christlichen Glaubens gehört für mich, dass uns in diesem Menschen Jesus Gott selbst begegnet. Das ist für mich eher eine metaphorische Aussage als eine Wesensaussage (auch wenn ich weiss, das metaphorisch da auch nicht das ideale Wort und missverständlich ist). Für mich sind das Fragen, die mich immer wieder einmal beschäftigen, für dich vielleicht eigenartige Spekulationen, die du für überflüssig hältst, eben weil du von anderen Denkvoraussetzungen ausgehst. Umso mehr freut es mich, dass du versucht hast, den Gedankengang meiner Predigt nachzuvollziehen.

  59. Muriel sagt:

    @atemhaus:

    dann liegt natürlich ein Einwand sofort auf der Hand: war dieser Jesus dann nicht einfach ein vorbildlicher Mensch

    Offen gesagt wäre mein erster Einwand eher in die Richtung von: Und jetzt? Wozu das Ganze?
    gegangen.
    Die biblische Geschichte Jesu Christi ist aus meiner Perspektive eine Ansammlung mehr oder weniger sinnvoller Geschichten voller gutem, schlechtem und ganz schlechtem Rat.
    Ich habe den vagen Eindruck, dass deine Variante von Glauben mir relativ sympathisch ist, obwohl ich nicht behaupten würde, auch nur teilweise zu verstehen, was du glaubst.
    Mir ist einfach nicht klar, was die Bibel vorzugswürdig macht gegenüber anderen Büchern. Ich kenne viele, die wesentlich bessere Ideen beinhalten, und kaum welche mit schlechteren.
    Aber ich vermute, da sind wir dann bei der Grundfrage, ob man daran glaubt, dass dieses spezielle Buch eine göttliche Botschaft enthält oder nicht.

  60. atemhaus sagt:

    @Muriel:
    Das kann ich so stehen lassen und mit diesem Dissens leben. Werde sicher von Zeit zu Zeit wieder in Deinem Blog vorbeischauen.

  61. Muriel sagt:

    @atemhaus: Du bist hier jederzeit willkommen und findest hier auch keineswegs nur religionsbezogene Inhalte. Wer weiß, vielleicht würden dir sogar einige meiner Geschichten gefallen…
    Naja. Vielleicht auch nicht.

  62. Imrahil sagt:

    Nochmal zum Zölibat kurz: Daß der *Pflichtzölibat der Priester* nicht in der Bibel steht, habe ich als Folklore vorausgesetzt und übrigens auch ausdrücklich gesagt.

    Nur: wenn man den Pflichtzölibat der Priester als solchen angreifen wollte, dann müßte man argumentieren: daß die Ehe *gerade* für Priester besonders geeignet sei, oder daß es zwischen Zölibat und Priestertum gar keinen Zusammenhang gebe, oder daß es mit Pflichtzölibat zu wenige Priester gebe. [Ich sage damit nicht, daß diese Argumente Unsinn wären, vor allem das letzte.Nur wurden sie hier in der Diskussion mE nicht geführt.]

    Wer sagt: „der Zölibat“ und meint: die religiös gebunden ehelose Lebensform „ist scheiße (weil … …)“ (das ist kein Vorwurf!), der argumentiert nicht gegen den Pflichtzölibat der Priester, sondern gegen die Enthaltsamkeit als Lebensform.

    Und insofern lösen sich unsere Widersprüche darüber, was denn nun in der Bibel steht und was nicht, meiner Meinung nach in Wohlgefallen auf.

  63. Muriel sagt:

    @Imrahil: Ich bin offen gestanden nicht ganz sicher, worüber wir überhaupt diskutieren.
    Der Zölibat, ob nun verordnet für Priester oder selbstgewählt, ist aus meiner Sicht Unsinn, ja, wie auch jede andere religiöse Regel, aber am Ende habe ich kein großes Problem damit, wenn jemand sich freiwillig dafür entscheidet. Es darf gerne jeder nach seiner Facon selig werden.
    Die Bibel enthält offenbar Stellen, die eher gegen die Ehe argumentieren (wenn auch auf Basis der falschen Voraussetzung, dass das Ende der Welt bevorsteht), und auch einige, die dafür sprechen. Keine Überraschung, sie heißt nicht umsonst auch das Große Multiple-Choice-Buch.

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