Ein richtiger Kracher, hm?

Jesus!

Wow.

Gütiger Himmel.

Wortvogel, ich lese dein Blog gerne, und auch deinen Filmempfehlungen folge ich meistens, wenn es irgendwie passt. Nicht nur, aber auch deswegen haben Keoni und ich uns heute Abend Tickets für „Monsters“ gekauft, den du als „großes Kino“ bezeichnest, und als „richtig fett“.

Und wir sind uns einig, dass wir seit sehr, sehr langer Zeit keinen so uninteressanten Mist mehr ertragen mussten.

In „Monsters“ geht es um einen jungen Mann und eine junge Frau, die für Kinoverhältnisse eigentlich gar nicht mehr so jung sind und aus Mexiko in die USA reisen und dabei die „infizierte Zone“ durchqueren müssen, die so heißt, weil dort riesige polypenhafte außerirdische Monster leben, mit denen die US-Armee sich regelmäßige Scharmützel liefert.

Wie, denkt ihr jetzt vielleicht, das klingt doch gar nicht so schlecht, oder? Stimmt, tut es auch nicht. Ist es aber. Es handelt sich bei „Monsters“ keineswegs um einen Actionfilm, wie man vielleicht vermuten könnte, sondern eher um ein Roadmovie, wie die Beschreibung auf der CineStar-Homepage auch völlig zu Recht meint. Die beiden Protagonisten und ihre Beziehung zueinander spielen die eigentliche Hauptrolle. Genau das ist auch das Problem, denn die beiden Protagonisten sind ungefähr so interessant und sympathisch wie zwei typische Wurstbrote (ohne Butter), und die Beziehung zwischen diesen beiden Stullen ist ziemlich genauso unterhaltsam und faszinierend in ihrer Entwicklung wie die zwischen meiner Wandfarbe und der Tapete, auf der sie trocknet.

Damit sind wir auch schon bei dem einzigen Punkt in der Kritik des Wortvogels, dem ich zustimmen kann: „Über weite Strecken gibt’s auch gar keine Dialoge, was dem Film dann sehr gut tut“

Das stimmt. Es tut dem Film immer unwahrscheinlich gut, wenn diese beiden unerträglichen Tröten aufhören, so Kopfschmerz verursachenden Stumpfsinn von sich zu geben wie:

„In diesen Häusern haben mal Leute gewohnt. Ich frage mich, wo die jetzt sind.“

Oder, als Beispiel für die sprühende Romantik, die sich zum Schluss erst richtig entfaltet:

„Was hast du morgen vor?“

„Keine Ahnung. Und du?“

„Keine Ahnung.“

Im Ernst, das geht die ganze Zeit so! Die Drehbuchautoren müssen ihre Dialoge von echten Gesprächen abgeschrieben haben, die sie im Bus oder in der Studiokantine belauscht haben. Ich war fortwährend versucht, mit Lebensmitteln nach der Leinwand zu werfen, und das ist eigentlich gar nicht meine Art. Wirklich.

„Wahnsinnig wenig Exposition“ meint der Wortvogel. Ja, na gut, das stimmt im Großen und Ganzen, weil die Dialoge in Monsters wie gesagt keine Information transportieren, sondern schiere, hochkonzentrierte Langeweile in lebensbedrohlicher Dosis.

Trotzdem schaffen es die Erzeuger dieses toxischen Abfalls, ein Stück so unerträglich peinlicher und am Ende auch noch völlig überflüssiger Exposition in ihrem Machwerk unterzubringen, dass es schon körperlich weh tut. Ihr müsst dazu zunächst wissen, dass, wann immer in Monsters irgendwo ein Fernseher zu sehen ist, er dieselben Bilder zeigt, nämlich eine unwahrscheinlich billig wirkende („Wirkt niemals billig“, sagt der Wortvogel. Er muss sich im Kinosaal geirrt haben. Ja. Das muss es sein.) CGI-Sequenz, in der eines der riesigen Cthulu-Monster sich vor schwarzem Nachthimmel mit der Armee prügelt. Darunter steht übrigens immer derselbe Bauchbindentext, der aber (in der deutschen Fassung, die wir gesehen haben) jedesmal anders übersetzt wird. Nur einmal sehen wir etwas anderes. Einmal, als die Protagonistin in ihrem Hotelzimmer auf dem Bett sitzt, läuft eine Dokumentation über Tiefseetiere, die mittels Biolumineszenz Weibchen anlocken und sich dann paaren, indem sie sich mit ihren Tentakeln berühren.

Ihr dürft jetzt raten, was wir gegen Ende des Films zu sehen bekommen. Ja, ganz richtig, zwei Cthulu-Monster, die ihre Tentakel aneinander reiben und dabei leuchten. Und jetzt dürft ihr raten, wofür das gut ist und was das mit dem Plot zu tun hat. Wieder richtig: Für nichts, und gar nichts, weil es keinen gibt. Ganz genau.

So, und jetzt noch einmal für alle, bei denen die Botschaft noch nicht angekommen ist:

Monsters: NICHT sehen. KEINE Tickets kaufen. GROßRÄUMIG ausweichen.

Was muss man für ein Mensch sein, um so ein Drehbuch zu lesen und zu denken: „Wow, ja, das ist es, daraus machen wir einen Kinofilm!“? Wie umfassend muss man die Achtung vor sich, vor anderen Menschen und vor dem eigenen Beruf verloren haben, um einem Publikum sowas zuzumuten und auch noch Geld dafür zu nehmen? Und warum zischen und klappern die Tentakel der Monster eigentlich? Welchen Sinn ergibt denn das? Und warum-

Wie? Was? Ich könnte jetzt auch so langsam aufhören? Ihr habt verstanden?

Na gut.

Dann schimpfe ich jetzt noch eine Weile still vor mich hin, bis ich mich ausreichend beruhigt habe, um einschlafen zu können.

Kann aber noch eine Weile dauern.

Hatte ich schon gesagt, dass ihr euch Monsters lieber nicht…? Ja? Ach so.

Na gut…

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12 Responses to Ein richtiger Kracher, hm?

  1. theomix sagt:

    Romantik. Wie „Warten auf Godot“. Und „Monsters“ ist auch so actionlastig?

  2. Muriel sagt:

    @theomix: Monsters transzendiert so einfache Kategorien wie „actionlastig“ oder „romantisch“. Es beansprucht einfach kraft seiner unvorstellbaren Belanglosigkeit ein völlig eigenes Genre jenseits des menschlichen Vermögens, zu erklären oder zu imaginieren.
    Du kannst es dir ein bisschen wie „Odyssee 2001“ abzüglich jeden Anspruchs vorstellen, aber mit besserer Musik.

  3. theomix sagt:

    Immerhin bessere Musik!
    Übrigens, der Titel dieses Beitrags: Krachen hat mit Gähnen nichts zu tun.

  4. whynotveroni sagt:

    Bessere Musik als Odyssee 2001? Besser als „Also sprach…“? Ich weiss nicht. Vielleicht meinst du ja, dass der Star Trek-Soundtrack einfach besser zu Filmen passen, die im Weltall spielen, aber ich finde, „Also sprach“ unterstuetzt einfach grossartig die absolute Stille.

    …und das soll in Monsters besser sein, wo du den gerade so verrissen hast?

  5. Muriel sagt:

    @whynotveroni: Nun besteht ein Film (insbesondere für mich) nicht aus seinem Soundtrack, und der Soundtrack von Odyssee 2001 besteht nicht nur aus Also Sprach Zarathustra.
    Da es aber lange her ist, dass ich Kubricks… Äh… Naja, Werk gesehen habe und außerdem ohne Zögern anerkenne, dass dein Musikgeschmack meinem überlegen im Gegensatz zu meinem vorhanden ist, sollten wir diesen Punkt vielleicht nicht zu weit vertiefen.

  6. Dietmar sagt:

    Wikipedia erklärt es ja auch, allein deshalb ist es schon keine „exklusive“ Anekdote, aber wie dem auch sei: Ich begegnete mal einem Musik-Dozenten, der selbst Student von Giörgi Ligeti gewesen ist und jener erzählte mir, dass Ligeti eines Abends sich den Film von Kubrick ansehen wollte. Als er dann im Kino saß, wunderte er sich, dass er seine Musik hörte. Er wurde dann im Nachhinein minimal (so sagte der Dozent) abgefunden. Die Musik Ligetis ist großartig für den Film, wie ich finde. So wichtig wie Morricone für „Spiel mir das Lied vom Tod“.

  7. Muriel sagt:

    @Dietmar: Wichtiger. Leone hatte immerhin noch einen gelungenen Film zur Musik.

  8. whynotveroni sagt:

    Du magst Odyssee 2001 wirklich nicht, oder? Nur den Film oder das Buch auch nicht?

    Ich hab‘ den Silvester 2000/2001 mal voellig dune auf dem damaligen CCC gesehen und fand den ganz chillig. 🙂 Aber ich kannte auch das Buch schon und DAS ist wirklich lesenswert IMO.

  9. Muriel sagt:

    @whynotveroni: Das Buch habe ich nicht gelesen. Der Film ist nach meiner Erinnerung bis heute das langweiligste Kunstwerk, das ich je gesehen habe.

  10. […] wann ich mich das letzte Mal so für einen Film geschämt habe. Es ist lange her. Ich glaube, sogar Monsters kommt da nicht ran. Monsters war schlecht, aber vor allem langweilig. Dark Shadows ist kaum […]

  11. […] wir uns nicht ausgesucht haben. Bestimmte Dinge bereiten uns Freude, andere Schmerz. Manche halten Monster für den größten Film sei Citizen Kane, für andere ist es der letzte Mist. Manche wollen um […]

  12. […] hätte, sich ausgerechnet die uninteressanteste und unsympathischste fiktionale Figur seit Monsters zu ihrem Protagonisten zu erwählen. Was schade ist, weil die anderen Charaktere eigentlich […]

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