Restebloggen (64)

21. Januar 2011
  1. Ich hätte zu der „You know they’re all scams“-Kampagne durchaus auch Kritik anzubringen, aber was Bill O’Reilly hier zum Vorsitzenden der American Atheists sagt, ist so denkwürdig, dass ich mich lieber darauf beschränken will. Es geht so ungefähr bei 1:50 los, falls euch der Rest nicht interessiert:

    „Tide goes in, tide goes out. Never a miscommunication. You can’t explain that.“
    Ui.
    (Dazu passt übrigens gut die Beinahe-Entdeckung der Sonne bei astrodicticum simplex.)
  2. Mihrab, der orthopädische Gebetsteppich gegen Gelenk- und Knieschmerzen. Da hatte doch mal jemand eine Idee. (Mit Dank an Keoni fürs Finden.)
  3. Mit „Der Augensammler“ war nach knapp einem Drittel Schluss. Schauderhaft. Aber nicht so, wie er meinte. Fitzek schreibt in Zukunft ohne mich.
  4. Eigentlich hatte ich mir das anders vorgestellt, als ich anfing, mich umzuschauen. Auf den ersten Blick dachte ich sogar noch, das wäre nichts für mich; lieber was Vernünftiges, Praktisches. Aber zum Schluss wurde mir dann glücklicherweise gerade noch rechtzeitig klar, dass es eigentlich nur deine Entscheidung geben konnte. Nur eine richtige Antwort. Nur eine

    Maus.
    Im Nachhinein weiß ich gar nicht mehr, warum ich überhaupt darüber nachdenken musste.
  5. Theomix schreibt bei Vollwert über verbissene Atheisten und erwähnt mich als Beispiel – aber als positives. Wahrscheinlich will er sich damit bloß an mich ranschmeicheln, um mich von seiner perfiden Ideologie zu überzeugen. So sind sie, die Kleriker. Ich werde mich jedenfalls nicht vereinnahmen lassen und streite weiter unverdrossen gegen die christliche Weltverschwörung.
  6. Frankreich, du bist so eklig.
  7. Ich weiß, dass es kindisch ist, aber dann bin ich eben kindisch. Daniel Drungels hat was entdeckt, und ich find’s toll:
    Sensory processing disorder or SPD is a neurological disorder causing difficulties with taking in, processing and responding to sensory information about the environment and from within the own body (visual, auditory, tactile, olfaction, gustatory, vestibular and proprioception).“

Das Recht wie Glut im Kraterherde

19. Januar 2011

Vor rund zwei Wochen hatte ich eine durchaus erfreuliche Diskussion mit Madove, die hier auch gelegentlich kommentiert. Es ging um das Thema Kommunismus, und wir stellten fest, dass wir zwar zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen, aber von durchaus sehr ähnlichen Prämissen aus.

Danach hatte ich einen Gedanken zur emotionalen Attraktivität der beiden Standpunkte:

Aus Sicht des durchschnittlichen Kommunisten (Ich stelle hier mal der Übersicht halber nuancenfrei Kommunismus und Kapitalismus gegenüber, auch wenn das die Sache vielleicht ein bisschen zu stark vereinfacht.) herrschen im Kapitalismus, nun ja, die Kapitalisten. Wenige reiche Menschen, die entscheiden, wer zu welchem Preis arbeiten darf, welche Produkte angeboten werden, und zu welchem Preis man sie kaufen darf. Diese Leute haben also die wahre Macht inne, und das ohne jede demokratische oder sonstige Legitimation, einfach nur, weil sie reich sind. Unser durchschnittlicher Kommunist (Und ich will nicht behaupten, dass das Madoves Standpunkt wäre; es geht mir wie gesagt nur ums Prinzip und den Eindruck, den ich aus vielen Gesprächen mit verschiedenen Leuten gewonnen habe.) wünscht sich deshalb stattdessen eine Gesellschaft, in der die Menschen selbst entscheiden, wieviel für Arbeit bezahlt werden muss, welche Produkte zu welchem Preis angeboten werden und wie wir unsere Produktionsmittel einsetzen. Und die Menschen selbst, das ist doch nun einmal die Gesellschaft, das Volk, also der Staat. Ergo Vergesellschaftung der Produktionsmittel und Volkseigentum, und alles wird gut.

Aus Sicht des durchschnittlichen Kapitalisten ist es ungefähr umgekehrt. Im Kommunismus gehören die Produktionsmittel zwar nominell dem Volk, also allen, und die Entscheidungen sind vergesellschaftet, werden also nominell von allen Menschen getroffen, aber wer gut aufgepasst hat, dem ist die entscheidende Einschränkung aufgefallen: Nominell. De facto geht das nicht, weil wir zu viele sind. 80 Millionen Leute können nicht Tag für Tag entscheiden, wie viele Bleistifte und wie viele Füllhalter wir brauchen, ob wir mehr Kühl-/Gefrier-Kombinationen oder mehr reine Kühlschränke herstellen wollen, wie viel Zucker in einen guten Schokoladenmilchshake gehört und welche Motorisierungsvarianten und Extraausstattungen wir in unseren Autos brauchen. Im Kommunismus werden diese Entscheidungen deshalb auch nicht de facto vom Volk getroffen, sondern von denen, die das Volk repräsentieren, also vom Staat beziehungsweise seinen jeweils zuständigen Behörden.

Aus dieser Sicht ist es also nicht so, dass im Kapitalismus nur wenige Mächtige die Entscheidungen treffen und alle anderen ausbeuten, während im Kommunismus alle Menschen über die Produktionsmittel verfügen und deshalb in schöner Harmonie so lenken können, dass hinterher alle zufrieden sind. Es ist gerade umgekehrt: Im Kapitalismus ist jeder Mensch frei, zu entscheiden, welches Auto er kauft, wie er seine Küche einrichten will und für wen er arbeiten will, solange er jemanden findet, der mitspielt. Im Kommunismus wird uns das von Beamten vorgeschrieben.

So. Ich weiß nicht, ob das ein hilfreicher Gedanke ist, aber mir kam er interessant vor, und ich wollte ihn gerne festhalten.

Trotzdem gibt es für mich im Grunde nur ein einziges Argument, das ausreicht, um die Systemfrage zu entscheiden:

Wenn man die Menschen einfach machen lässt, entsteht Kapitalismus. Sie machen das freiwillig. Ich kenne kein kapitalistisches System, in dem es verboten wäre, Gemeinschaften zu bilden, die nicht mit Gewinnerzielungsabsicht arbeiten und in denen die Produktionsmittel allen gemeinsam gehören. Jeder kann jederzeit all seine Produktionsmittel mit allen anderen teilen.

Kapitalismus entsteht aus freien Entscheidungen. Kommunismus hingegen gibt es nur durch obrigkeitlichen Zwang. Und ich halte es für plausibel, dass darin auch der Keim liegt für die Grausamkeit und Menschenfeindlichkeit, die wir in eigentlich allen kommunistischen Staaten beobachten konnten: Wenn die Staatsgewalt erst einmal angefangen hat, Menschen zu zwingen, Dinge zu tun, die sie nicht wollen, um sie zu etwas zu machen, was sie nicht sind, dann ist es ziemlich schwer, sie rechtzeitig wieder an die Kandare zu nehmen.


Yours to keep – wie alles begann – wie alles begann

16. Januar 2011

Ich weiß schon gar nicht mehr, ob ich es angekündigt habe, aber jedenfalls habe ich für euch jetzt noch eine Vorgeschichte zur Vorgeschichte der Kurzgeschichte „Yours to keep“ geschrieben, diesmal ohne Daniel, aber dafür mit Kim Il-Sung.

Es war ungewohnt für mich, weil ich noch nie eine historische Geschichte geschrieben habe, und für meine Verhältnisse habe ich mir auch große Mühe mit den Details gegeben, nicht dass das viel heißen würde.

Ob ihr davon nun was merkt oder nicht, ich wünsche euch viel Spaß, und falls die Kim-Il-Sung-Experten unter euch mich auf Fehler aufmerksam machen möchten: Nur zu. Ich verspreche nicht, dass ich das dann in der Geschichte ändere, aber ich würde es auf jeden Fall gerne erfahren, falls ich irgendwo was falsch gemacht habe.

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Geht das schon wieder los

16. Januar 2011

Ich mochte „Der Seelenbrecher“ nicht besonders. Es kam kein einziger interessanter Charakter drin vor – eigentlich gab es in und hatte das Buch überhaupt keinen Charakter -, und mir gehen Autoren auf den Geist, die uns permanent und bis zum Schluss damit belästigen müssen, wie clever sie doch sind. Und der überraschende Twist ganz zum Schluss hat in der Geschichte der Geschichten meines Wissens genau einmal funktioniert, bei The 6th Sense, und davor und danach nie wieder. Hinweis: Es kann auch gar nicht funktionieren, wenn man den Leser die ganze Zeit schon darauf hinweist, dass ein total überraschender Twist zum Schluss kommt.

Weil ich aber sowieso viel zu selten Geschichten auf Deutsch lese, weil Fitzek in Anbetracht seines Erfolgs wohl auch irgendwas richtig machen muss und weil er von den deutschen Autoren immer noch einer der erträglicheren ist, habe ich beschlossen, ihm noch eine Chance zu geben.

„Der Augensammler“ hat noch nicht mal so richtig angefangen, und ich bin trotzdem jetzt schon davon überzeugt, dass ich diesen Psychothriller hassen werde.

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Mehr, als ihr jemals über Epistemologie wissen wolltet

14. Januar 2011

Ich habe hier schon des Öfteren meine skeptische Weltsicht als Grundlage dafür genannt, dass ich manche Dinge glaube, und andere nicht. Aber soweit ich mich erinnern kann, habe ich noch nie wirklich erklärt, was die Grundlagen dieser Weltsicht sind. Das hatte teilweise auch damit zu tun, dass ich das Thema für ein bisschen ermüdend hielt, und außerdem dachte, es wäre eigentlich klar.

In letzter Zeit habe ich aber so viel mit Leuten diskutiert, die sich offensichtlich nie ernsthaft Gedanken über ihre Epistemologie, also ihre Erkenntnistheorie gemacht haben, und die anscheinend auch wirklich keine Vorstellung davon haben, was sinnvolle Wege zur Wahrheit sind, und was nicht. Und noch schlimmer: Ich habe mit Leuten diskutiert, die sich offensichtlich gewaltig viel Gedanken darum gemacht und sich dabei in Höhen des Unfugs hineingeschraubt haben, dass einem sogar von unten schon schwindlig wird. Viel zu oft hört man Argumente wie: „Gott kann weder bewiesen noch widerlegt werden, deswegen sind Atheisten genauso Gläubige wie Theisten!“ oder „Wissenschaft kann keine Antworten auf die letzten, entscheidenden Fragen geben, dafür brauchen wir Religion!“

Deshalb habe ich mich nun endlich einmal zu dem Versuch durchgerungen, einen Blogbeitrag über meine Epistemologie zu verfassen. Die meisten von euch werden das Thema wahrscheinlich furchtbar langweilig finden und sich wundern, dass ich für so was auch nur eine Minute meiner Zeit aufwende. Und die anderen, die jetzt jubeln und rufen: „Na endlich, ich befürchtete schon, das kommt nie!“, die dürfen sich nachher eine virtuelle Umarmung abholen und sich meine Brüder und Schwestern im Geiste nennen.

Ihr seid natürlich trotzdem alle herzlich eingeladen, mir zu folgen, aber sagt bitte nicht, ich hätte euch nicht gewarnt.

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Moralischer Relativismus

13. Januar 2011

Was ist eigentlich mit der „Zeit“ los? Ist das Zufall, dass mir das gerade immer wieder auffällt, oder verfolgen die derzeit die Strategie, sich zum Sprachrohr christlicher Fundamentalisten zu machen?

Egal.

Acht ehemalige evangelische Bischöfe haben sich in der „Zeit“-Beilage „Christ & Welt“ zur Homosexualität geäußert und sie unter anderem als „widernatürlich und schöpfungswidrig“ bezeichnet.

Wenn man nun mit Christen darüber diskutiert, bekommt man nicht selten Antworten, die in die Richtung gehen, dass man doch bitte Respekt vor ihrer Meinung haben solle und dass es unanständig sei, andere Leute zu verurteilen. Auf die Frage hin, ob das mit dem Verurteilen und dem Respekt auf für Leute gilt, die anderen Leuten widernatürliches und schöpfungswidriges Verhalten vorwerfen und ihnen sagen, dass sie gefälligst zölibatär zu leben haben, weil ihr unsichtbarer Freund sonst echt sauer wird, folgt dann meistens der Rückgriff auf die Bibel oder der Hinweis, dass man ja nichts gegen die Homosexuellen gesagt habe, sondern nur ihren Lebensstil wahrheitsgemäß als Sünde identifiziere.

Das ist natürlich Blödsinn. Aber weil ich der Meinung bin, dass jeder, der bereit ist, ein bisschen darüber nachzudenken, das von selbst erkennt, erkläre ich es hier nicht weiter, sondern sage einfach nur kurz das, was ich solchen Leuten zu sagen habe:

Eure Ansicht ist borniert, bigott, ekelhaft, abstoßend, widerwärtig, amoralisch, schwachsinnig und unmenschlich. Dass ihr sie auf ein altes Buch stützt, ändert daran überhaupt nichts. Eigentlich ist es sogar noch verwerflicher, als wenn ihr euch das selbst überlegt hättet und sowas wie echte Gründe dafür nennen könntet.

Und wenn ihr im Ernst beleidigt seid, weil euch jemand das sagt, oder sogar erwartet, dass jemand diese Abscheulichkeit respektiert, dann legt ihr damit ein Ausmaß an Dummdreistigkeit an den Tag, zu dem ich nichts Zivilisiertes zu sagen habe.


Wir haben einen Gewinner!

12. Januar 2011

Und es ist unsere Geschichte Nr. 2 „Herr, die Not ist groß“!

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