Dabdadadaahh, dadadabdabdabdabdadadahhh!

Eine Premiere bei überschaubare Relevanz, eine Premiere: Ich veröffentliche meine erste Videospielrezension! Was sagt ihr dazu?

Das Spiel, das wir heute besprechen, heißt „Enslaved“, und um sofort die ganze Spannung aus der Sache zu nehmen, starte ich mit der Gesamtbewertung: Schönes Spiel. Sollte man eigentlich kaufen. Muss man aber der Typ für sein.

Butter bei die Fische (Ich kann mich einfach nicht entscheiden, ob ich den Spruch irgendwie cool oder saudoof finde.): „Enslaved“ erzählt die Geschichte von Monkey (Das ist der Große mit den breiten Schultern.) und Trip (Das ist die zierlichere mit dem knappen Top.), die beide auf einem fliegenden Sklavenschiff erwachen, das soeben im Explodieren begriffen ist und sich nun daraus retten müssen. Trip hat allen Anzeichen nach das Schiff gehackt und trägt die Schuld am Systemversagen, außerdem hat sie so ein Ding am Arm, das eine Art Bildschirm vor ihr in die Luft projiziert. Wir erkennen als von Anfang an, dass sie technisch versiert ist, wohingegen Monkey – ebenfalls leicht ersichtlich – eher der Mann fürs Grobe ist. Er ist übrigens auch das ganze Spiel über die Figur, die wir steuern.
Er kann sich in letzter Minute auf (ganz recht) die Rettungskapsel schwingen, in der Trip gerade entkommt. Nun kann man sich vorstellen, dass die Landung nicht besonders gut für Leute abläuft, die sich nur außen an so einer Kapsel festhalten, deswegen verliert er das Bewusstsein und erwacht erst, nachdem Trip ihm ein Sklavenstirnband umgelegt hat, das ihn zwingt, ihre Befehle zu befolgen und ihn tötet, sobald ihr etwas zustößt.

Soweit die Prämisse von „Enslaved“, und von da an prügeln, hangeln, klettern und hacken sich Monkey und Trip durch eine sehr liebevoll animierte postapokalyptische Zukunftsvision aus zerfallenden Städten, zerfallenden Mech-Fabriken und zum Schluss auch durch einen zerfallenden Riesen-Mech. Als Hindernisse stehen einem dabei natürlich die Mechs im Weg, kleine und große und schießende und um sich schlagende Maschinenwesen, die Monkey mit seinem Kampfstab in Stücke haut, sowie außerdem diverse kleine Schalterrätsel und zu überwindende Kletterkurse.

Spielerisch macht das Ganze leidlich Spaß, ist aber, wenn man ehrlich ist, was man nicht sein will, weil das Spiel – dazu gleich mehr – wirklich wahnsinnig sympathisch daherkommt, wahrhaftig nicht besonders anspruchsvoll. Für die Kämpfe gegen die kleineren Mechs reicht konsequentes Button-Mashing vollkommen aus, die Schalterrätsel könnten simpler kaum sein, und die Kletterkurse werden durch blinkende und blitzende Griffmöglichkeiten so deutlich gekennzeichnet, dass man sie nicht einmal dann verfehlen könnte, wenn Monkey nicht beinahe vollautomatisch von einer zur nächsten spränge.

Echte Herausforderung kommt eigentlich nur bei den Kämpfen gegen die größeren Boss-Mechs auf, die man oft und manchmal sogar auf kreative Weise beschädigen muss, bevor sie schließlich ölspritzend und funkensprühend zu Boden gehen. Darüberhinaus gibt es noch Passagen, in denen Monkey auf einer Art Hoverboard herumfährt, das „Cloud“ genannt wird und – unfassbar, aber wahr – auch und besonders auf Wasser funktioniert. Mit gutem Willen könnte man diese Passagen auch noch als anspruchsvoll bezeichnen, aber ich habe sie einfach nur gehasst, weil das blöde Hoverboard sich ungefähr so präzise steuert wie ein Hundewelpe an der Leine und weil man nach jedem Versagen nicht nur eine knapp zehnsekündige Ladephase abwarten muss (Das kommt einem länger vor, als es jetzt klingt.), sondern weil die Programmierer es in ihrer unendlichen Weisheit für eine gute Idee hielten, die Continue-Punkte vor die Cut-Scenes zu setzen, statt dahinter, und so fantastisch die sind (Dazu gleich mehr, ehrlich!), verlieren sie doch ein bisschen an Reiz, wenn man sie zum zwölften Mal sieht und sie nicht überspringen kann.

Jetzt habe ich viel geschimpft, und tatsächlich hat das Spiel mich teilweise sehr frustriert, aber ich bleibe dabei, dass es insgesamt ein großer Spaß war. Das liegt erstens daran, dass ich in meinen Spielen keinen besonderen Anspruch brauche; ich bin völlig zufrieden damit, alle Gegner ohne zu großen Widerstand in Stücke hauen zu können und so Kapitel für Kapitel dem Endsieg näher zu kommen.

Zweitens – und das ist jetzt die Hauptsache, also aufgepasst – erzählt Enslaved uns einfach eine unglaublich gute Geschichte von zwei unglaublich sympathischen Charakteren, deren Mimik und Gestik für animierte Videospielfiguren wirklich sehr subtil und doch überzeugend zum Ausdruck bringt, was sie empfinden, und sogar die deutsche Synchronisation (Englisch hatte ich nicht, gibt es aber bestimmt als Import) ist meiner Meinung nach tadellos. Nur ein einziger Gag ist unübersetzbar geblieben, und ich erinnere mich nicht mal mehr, was er war.

Davon lebt Enslaved, und damit hat es mich begeistert. Nee, nicht mit dem unübersetzbaren Gag, mit dem anderen Kram.

Wenn Monkey vor Trips deutlich übergewichtigen Freund Pigsy mit seiner metallenen dreiklauigen Handprothese, der metallenen Schweinenase und dem bronzen glänzenden Schweineohr am Kopf steht, ihn mit so einem halben Lächeln mustert und ihn in genau dem richtigen Tonfall fragt: „Pigsy… Wie kommt man zu so einem Namen?“

Wenn Pigsy sich an Monkey wendet und ihn fragt: „Seid ihr, Trip und du… Du weißt schon, zusammen? Weißt du, ich muss nämlich sagen, ich hab mir bei ihr immer irgendwie… Chancen ausgerechnet…“
Und Monkey mit gerunzelter Stirn zu ihm herabblickt, während die Kamera ein Stück zurückfährt, und ihm antwortet: „Pigsy, sie kann jedes Wort hören, das wir reden.“
Und wir sehen, wie Trip daneben steht, auf ihrem virtuellen Bildschirm herumtoucht und sichtlich bemüht ist, die beiden zu ignorieren.

Wenn Monkey vor einem Computerterminal steht, auf dem er die blaue Taste drücken soll und sagt: „Es funktioniert nicht!“, worauf Trip ihn fragt: „Hast du versucht, es aus- und wieder einzuschalten?“, und er dann ein bisschen daran herumfummelt, um schließlich zu antworten: „Ah, okay, es war gar nicht an.“

Das waren Momente, in denen ich das Spiel geliebt habe, und es hat viele solcher liebenswerter Momente.

Umso enttäuschender fand ich es, dass das letzte Kapitel der Reise nach Westen nicht nur spielerisch, sondern auch handlungsmäßig einen Totalausfall bildet, in dem Trip nicht einmal mehr richtig vorkommt, und dass der darauf folgende Epilog uns nur Dinge offenbart, die uns nicht interessieren und die während des Spiels die ganze Zeit über völlig egal waren (Wer oder was ist Pyramid? Warum werden die Leute von ihnen versklavt? Was hat es mit den sonderbaren Flashback-Masken auf sich, die Monkey zwischendurch immer wieder findet?), um uns all die Dinge zu verschweigen, die wir wirklich gerne gewusst hätten (Wie geht es weiter? Wie entwickelt sich die Beziehung zwischen Monkey und Trip?).

Seufz. Ach. Bitter ist das. Naja.

Auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen: Durchaus gelungenes Spiel, sollte man mal ausprobieren, und wenn ihr nicht zumindest die Demo herunterladet, die es gratis bei XBox Live gibt, dann weiß ich auch nicht, wie ich euch noch helfen kann. Und übrigens: Falls einer von euch Interesse hat, ich habe Enslaved ja nun einmal hier rumliegen und kann jetzt nichts mehr damit anfangen. Wer mir also glaubhaft versichert, dass Monkey und Trip bei ihm (oder ihr) ein liebevolles Zuhause finden, dem lasse ich das Ding gerne zukommen, für umme natürlich. Einfach nett fragen, per Mail oder in den Kommentaren.

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14 Responses to Dabdadadaahh, dadadabdabdabdabdadadahhh!

  1. Nardon sagt:

    Jetzt ist es fast schade das ich mich jeglicher Konsole verweigere 🙂
    Hoffe das Spiel findet ein gutes zuhause, bei einem Spieler der es zu würdigen weis.
    Solche Enden finde ich allerdings schon frustrierend.

  2. madove sagt:

    Schade, ich auch (Konsolenverweigerung)… – Ich bekomme wirklich Lust.
    Ich bin sicher nicht hundertprozentig die Zielgruppe, aber mehr, als man vielleicht auf Anhieb denken würde (und DEUTLICH mehr, wenn ich Mechs statt Menschen plattmachen muß, ich weiß, das ist superbillige political correctness, aber mir macht es einfach VIEL mehr Spaß, weil ich weniger Magenkrämpfe habe dabei).

    Aber gut gesprochene Dialoge (in einem Computerspiel?!!!) und sympathische Charaktere klingt einfach zu gut, und ich mag postapokalyptische Szenarien. Ich werd mal die Augen offenhalten, vielleicht läuft mir ja auf anderem Wege mal zu…

  3. Muriel sagt:

    Konsolenverweigerung. Na gut, kann ich verstehen, ein System Seller ist Enslaved dann doch auch wieder nicht. Ich hab mir die XBox 360 vor rund fünf Jahren angeschafft, als ich mit meiner Dissertation anfing. Ich hatte da dieses unglaubliche Sonderangebot im Netz entdeckt und kann heute noch nicht richtig fassen, dass ich dafür offenbar wirklich eine neue, vollkommen funktionsfähige Konsole mit Festplatte und Zubehör bekommen habe.
    Naja, egal.
    @madove: Das Spiel gibts leider nicht für den PC, aber es gibt natürlich jede Menge Videos, falls du neugierig bist, nicht zuletzt dieses sympathische „1 Stunde mit“ bei Game One, das mich überhaupt dazu gebracht hat, zuzugreifen.
    Das mit dem Mechs-statt-Menschen… Hm. Verstehe ich. Habe ich kein Problem mit. Wenn es Spielemachern aber zwangsweise aufgedrängt wird, finde ich es albern und peinlich und rundum falsch. Obwohl andererseits niemand bestreiten kann, dass Super Probotector ein viel cooleres Spiel geworden ist als „Contra“ mit so Söldnerkaspern es jemals hätte sein können…
    Äh, jedenfalls muss man bei Enslaved niemals selbst einen Menschen angreifen, obwohl natürlich schon hin und wieder welche zu Schaden kommen.

  4. madove sagt:

    Respekt, sich eine Konsole ANzuschaffen, wenn man mit der Diss anfängt. Ich hätte sowas eher VERkaufen müssen, wenn ich mit einer Diss anfange, damit das Projekt irgendeine Chance hat. Ich mußte damals Civ1 deinstallieren und die Disketten bei meinem Freund deponieren, um sinnvoll durchs Abi zu kommen.

    Naja, bei der Sache mit den Menschen, die zu Schaden kommen, bis ich auch nicht päpstlicher als der Papst (…GANZ schlechte Redewendung, die ich da spontan gewählt habe).
    Eines meiner Lieblingsspiele bisher ist Assasins Creed, und da kommen auch Menschen zu Schaden. Aber eben nicht soo inflationär. Ich muß halt jedesmal eine ziemlich starke Hemmung überwinden, irgendwas Lebendiges zu töten, und dann macht es einfach keinen Spaß, stundenlang nur im Blut irgendwelcher sterbend röchelnder Angreifer zu waten. Da lob ich mir Mechs oder so.

  5. madove sagt:

    (ich kaufe ein „n“ und setze es in „bis“ ein, das überschüssige „s“ kommt dann in „AssasSin“, ok?)

  6. Muriel sagt:

    @madove: Ich habe einfach generell nicht besonders viel Spaß an Videospielen, das macht es leichter für mich. Normalerweise lege ich nach spätestens einer Stunde den Controller weg, wahlweise genervt oder gelangweilt.
    Assassin’s Creed habe ich zum Beispiel nur mal als Demo versucht, und es hat mich einfach nicht gefesselt. Vielleicht hat nur Trip als Eye Candy gefehlt, aber ich glaube mal bis auf Weiteres lieber, dass an Enslaved wirklich die Story und die Charakter das Besondere waren. Zu ärgerlich, dass es dann zum Ende hin so einfallslos wird, wirklich. Man müsste fast… Ach nein.

  7. Muriel sagt:

    @madove: Da Alberto Green nicht hier ist, und auch sonst kein erfahrener Niggemeier-Kommentator: MAN KANN KEINE KONSONANTEN KAUFEN!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

  8. madove sagt:

    Konsonanten: Oh, das wußte ich nicht. Sehr peinlich. Soll nicht wieder vorkommen (o:

    Bei Assassin’s Creed hatte ich das Glück, mit dem zweiten (Brotherhood?) anzufangen, wo die Hauptperson und die Handlung für mich viel besser funktionieren… und da war Ezio Auditore für mich durchaus Eyecandy… 😉 Im ersten spielt man so’n arroganten A…, das hab ich dann auch eher aus Pflichtbewußtsein fertiggespielt.

  9. Ron sagt:

    Ich höre ja lieber Enslaved … 😉

    Ich habe bisher nur ein Mal im Leben auf Konsole gespielt: Metal Gear Solid (Teil 1 glaube ich) auf der Playstation. Ohne Pause und ohne Essen in zwölf Stunden durch. Danach war ich fertig und kurz vor einen Sehnenscheidenentzündung. Seitdem doch lieber wieder auf dem PC bzw. jetzt seit Jahren seehr eingeschränkt auf dem Mac.

  10. Muriel sagt:

    @madove: Hast du’s nur vergessen, oder wirkllich nie Glücksrad gesehen?
    @Ron: MGS soll ein denkwürdiges, aber etwas sonderbares Spiel sein. Dir hat’s anscheinend eher gefallen?

  11. Ron sagt:

    @Muriel: Ja, es war irgendwie verdammt gut. Der Inhalt ist ok und war immerhin so abwechslungsreich, dass ich eben das Spiel in einem Rutsch komplett durchgespielt habe. Ein nicht zu verachtender zusätzlicher Reiz war aber sicherlich eben auch die Playstation mit ihren Möglichkeiten (Grafik = Wow!) und Eigenheiten (die Steuerung war dann doch ungewohnt). Aber wie gesagt, danach habe ich nie wieder mit einer Konsole gespielt …

  12. madove sagt:

    Nie gesehen.
    Ich bin weitestgehend ohne Fernsehen aufgewachsen, und zu den Dingen, die ich als Studentin nachholenswert fand, hat Glücksrad nicht gehört 😉
    Aber man sollte halt keine komischen Sprüche aus dritter Hand zitieren, wenn man nicht weiß, wovon man redet…

  13. Hui, wie gerne ich jetzt „Hier hier hier!!“ rufen würde… aber leider beschränkt sich meine Konsolenauswahl auf einen N64 und eine PS 2. Ist wahrscheinlich auch besser so, ich bin sehr suchtanfällig für Computerspiele und das würde meinen Hausarbeiten sicher nicht gut tun 😉

  14. Muriel sagt:

    Meine Leserschaft scheint sich komplett aus den Mitgliedern der Anonymen Videospieler zusammenzusetzen. Cool.
    Aber vielleicht sollte ich dann in Zukunft keine Spielrezensionen mehr schreiben. Will ja nicht die Schuld für Rückfälle und daraus unweigerlich resultierende Amokläufe tragen. Und wird man von Videospielen nicht auch pädophil?
    @Ron: Tse… Ist da denn wirklich so ein enormer Unterschied zwischen Konsole und PC? In dieser Hinsicht, meine ich. Ansonsten ist mir das schon klar.
    @madove: Ist schon in Ordnung, das machen alle falsch. Denk dir nichts dabei.
    @nothingelse89: Schön, dass du noch da bist. Aber Hausarbeiten? Meinst du Putzen und Staubsaugen, oder die akademische Variante? Mir war so, als hättest du schon ausstudiert.

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