Versuch einer Pauschalisierung

Man kann Anti-Atheisten [sic] nach meiner Erfahrung ziemlich sauber in zwei Kategorien einteilen:

  1. Theisten. Über die schreibe ich regelmäßig, deswegen spare ich mir hier nähere Ausführungen
  2. Militante Agnostiker. Den Begriff „militant“ missbrauche ich hier natürlich schamlos in derselben Form, in der er auch gegenüber Atheisten regelmäßig missbraucht wird. Und den Begriff „Agnostiker“ finde ich eigentlich auch gar nicht so richtig passend. Trotzdem nenne ich sie mal so, um gleich am Anfang einen kleinen Seitenhieb gegen ihre verquere Terminologie auszuteilen. Ich Fuchs, ich.

Militante Agnostiker erkennt man daran, dass sie sich gerne in herablassendem und anmaßendem Tonfall darüber ereifern, dass Atheisten sich immer so herablassend und anmaßend über Theisten ereifern. Sie weisen in der Regel sehr plakativ darauf hin, dass sie keinen Sinn darin sehen, plakativ darauf hinzuweisen, wie sie zu Gott stehen. Es ist ihnen äußerst wichtig, zu betonen, dass ihnen das ganze Thema völlig egal ist. Sie prügeln gerne undifferenziert auf beide Parteien der Debatte ein, weil sie es inakzeptabel finden, dass die beiden Seiten so undifferenziert aufeinander einprügeln. Dabei haben sie meistens eine leichte Vorliebe für die theistische Seite, zum Beispiel, weil die nicht so aggressiv argumentieren, oder weil sie immerhin für etwas Positives eintreten, während die Atheisten ja immer nur dagegen sind.

Und jetzt überrascht es euch vielleicht nicht mehr, wenn ich sage, dass ich ganz persönlich militante Agnostiker erst einmal für viel weniger sympathisch halte als Theisten. In gewisser Weise ist das ein bisschen merkwürdig, weil die Ansichten der Theisten sicherlich größeren unmittelbaren Schaden anrichten. Militante Agnostiker fordern keine Beschneidungen, sie haben nichts gegen Homosexualität, und sie versuchen nicht, unseren Kindern einzureden, die Welt wäre erst vor sechs- bis zehntausend Jahren von einem unsichtbaren Zauberer geschaffen worden.

Aber aus verschiedenen Gründen respektiere ich sie dennoch eher weniger als Gläubige.

Erstens stört mich ihre moralische Selbstüberhöhung. Sie tun so, als bewohnten sie die Goldene Mitte. Sie stehen zwischen den Fronten und verstehen gar nicht, warum die anderen sich streiten, statt einfach nur tolerant zu sein und sich gegenseitig zu akzeptieren. Das finde ich unanständig, weil sie dabei zweitens implizieren, es wäre intolerant, öffentlich seine Meinung zu sagen. Sie tun so, als wäre es irgendwie verwerflich, jemandem zu sagen, dass man seine Meinung für falsch hält und ihm zu erklären, warum man sie ablehnt. Sie spiegeln voller Stolz vor, keine Meinung zu haben, und tadeln von ihrem hohen Ross aus andere, die sich für das einsetzen, was sie für richtig halten. Und damit richten sie drittens meines Erachtens auch echten Schaden an, denn sie obstruieren  den öffentlichen Wettstreit der Ideen, und den halte ich für eine der wichtigsten, wenn nicht sogar die wichtigste Errungenschaft unserer freiheitlichen Gesellschaft.

Oder wie seht ihr das?

Advertisements

52 Responses to Versuch einer Pauschalisierung

  1. Tim sagt:

    Agnostiker behaupten ja im Prinzip, daß niemand wissen kann, ob das Fliegende Spaghettimonster nun existiert oder nicht existiert. Mit anderen Worten: Während die Position der Theisten psychotisch ist, ist die der Agnostiker lächerlich.

  2. Muriel sagt:

    @Tim: Du bist auch so einer, der überhaupt keine andere Meinung duldet, was?

  3. Westrup sagt:

    Tut mir leid, ich habe hier aus Versehen „denn sie obstruieren den öffentlichen Wettstreit der IDIOTEN“ gelesen. Muss wohl eine agnostische Fehlleistung gewesen sein.

  4. Muriel sagt:

    Möge der bessere Idiot gewinnen.

  5. Dietmar sagt:

    Ich bin nicht der Dietmar bei theomix.

    Zu Deinem Artikel kann ich (wieder) nur sagen: Du Fuchs, Du! 😉

  6. Muriel sagt:

    @Dietmar: Vielen Dank. Ich dachte mir schon, dass nicht der Dietmar ist, den ich suche, aber es ist natürlich nett, das noch mal explizit bestätigt zu bekommen.

  7. Tim sagt:

    @ Muriel: Ganz im Gegenteil – solange eine von meinen Grundsätzen abweichende Meinung meiner Position entspricht, kann ich prima damit leben.

  8. Muriel sagt:

    @Tim: Du kannst damit leben, dass jemand nicht deiner Meinung ist, solange er dir trotzdem zustimmt? Oder wie meinst du?
    Jeff Dee sagte es vor Jahren mal sehr knapp und treffend: You can believe anything you like, as long as it happens to be true.

  9. Tim sagt:

    @ Muriel: Verzeihung – das oben war der Versuch, auf lustige Weise paradox zu sein. Ich fürchte aber, daß es auf paraxode Weise lustig wirkte … oder wahrscheinlich nicht mal das. Born to be Wilde, you know. 😉

  10. Muriel sagt:

    @Tim: Sowas kannst du doch nicht machen. Wir müssen gegen die theistischen Truppen eine feste einheitliche Front bilden, sonst wird das nie was mit dem Endsieg.

  11. Tim sagt:

    @ Muriel: Nun verharmlost Du durch Deine Wortwahl aber in empörender Weise die Verbrechen des Nationalsozialismus. Ich fordere Deinen Rücktritt!

  12. Muriel sagt:

    @Tim: Das war ein bedauerliches Versehen. Zu keiner Zeit habe ich vorsätzlich verharmlost. Kommtdochmalvor.

  13. Nardon sagt:

    Lasst die Finger von den holländischen Keksen 🙂

  14. madove sagt:

    Das ist nicht die Verharmlosung, die wir suchen.

  15. Muriel sagt:

    @Nardon: Als ob ich sowas bräuchte, um mich lächerlich zu machen.
    @madove: Ich habe immer wieder das Gefühl, dass wir irgendwie verwandte Seelen sind…

  16. whynotveroni sagt:

    Bin ich ein Agnostiker, wenn ich behaupte, dass wir nicht mit Bestimmtheit wissen kann, ob Keoni bei Philoso4 wirklich einen Hut aufhat und winkt?

    Muriel ist unsere einzige Quelle, und Elmo hat sich dazu bisher immer ausgeschwiegen…

  17. whynotveroni sagt:

    Um die Frage zu verdeutlichen: Muss sich die Bezeichnung auf irgendeinen Gott beziehen? 🙂

  18. DasSan sagt:

    Ich möchte mal anmerken, dass ich mich in dieser Diskussion als Polytheistin irgendwie ausgegrenzt fühle *g*
    Kann man eigentlich auch „Poly-Agnostiker“ sein? Überlegen Agnostiker auch, ob es anstelle von Dem Gott vielleicht Die Götter gibt bzw. eben nicht? Vielleicht kann sich ja mal einer dazu äußern…

  19. Muriel sagt:

    @whynotveroni: Ich sehe das so, dass man in Bezug auf alles Mögliche Agnostiker sein kann, dass aber nur bei religiösen Themen kaum jemand merkt, wie nutzlos das Etikett eigentlich ist.
    @DasSan: Militante Agnostiker eher nicht, die sind zu sehr damit beschäftigt, Leute dafür anzugreifen, dass sie ihre Meinung nicht teilen, dass man Leute nicht dafür angreifen sollte, dass sie die eigene Meinung nicht teilen.
    Ansonsten kann man sich auch Agnostiker nennen, wenn man nicht weiß, ob es siebenundvierzig Götter gibt oder nur sechzehn.

  20. oliver sagt:

    Ist es vielleicht normal, dass man sich gerade mit Leuten streitet, mit denen man fast übereinstimmt?

  21. Muriel sagt:

    @Oliver: Hm… Vielleicht liegt das nur daran, dass ich so gerne streite, aber ich glaube nicht, dass die Übereinstimmung so kurz bevorsteht.
    Zwar teilen militante Agnostiker mit mir den Atheismus, aber dafür haben wir in anderen wichtigen Bereichen durchaus erheblich Differenzen.

  22. Hallo Muriel,

    nach diesem Blogpost, in dem du über eine abwesende Dritte herziehst, möchte ich von deiner Einladung zu einem Gastbeitrag keinen Gebrauch mehr machen.

    Viele Grüße
    Morgenländer

  23. Muriel sagt:

    @Morgenländer: Einverstanden, mach’s gut.

  24. Dietmar sagt:

    *winke-winke*

  25. Muriel sagt:

    @Morgenländer: Wenn ich noch mal drüber nachdenke, fühle ich mich ja doch ein bisschen missverstanden und unterschätzt.
    Ich ziehe in diesem Blogpost über Tausende abwesende Dritte her, vielleicht sogar Millionen.
    Ich bin ein bisschen enttäuscht, dass das nicht ausreichend gewürdigt wird.

  26. Bioschokolade sagt:

    Verstehe ich nicht …

    Ähm nein, also nochmal. Ich bin ja nun keine Agnostikerin, fühle mich aber durchaus ein klein wenig beim zweiten Punkt mit angesprochen.
    Und jetzt finde ich es sehr irritierend, dass jemand der seine Meinung vertritt (öffentlich) die da lautet (wenn ich das richtig verstanden) „Wir können den Glauben oder Nicht-Glauben der anderen ja mal erst einmal so akzeptieren wie er ist, solange der Gläubige oder Nicht-Gläubige keinem damit was tut und wenn er was tut dann differenzieren wir das erstmal auch“ ist jetzt also unanständig und generell nicht so gut wie Leute die den (öffentlichen) Finger in die Luft heben und sagen „Ich glaube daran und das sollten alle anderen vernunftbegabten Wesen auch tun, weil das vernünftig oder sowieso richtig oder gottgewollt ist“, weil… ja … das die Leute mit den Fingern unangenehm finden dass man sie darauf hinweist das zumindestens der Versuch von Differenzierung und Verständnis gar keine so schlechte Idee wäre? Sehr plakativ ausgedrückt, hab ich das richtig verstanden?
    Es ist also okay, wenn man ‚fundamentale‘ Thesen, sofern man nicht die Gegenseite (ebenfalls ‚fundamental‘?) vertritt, so stehen lässt, weil das ja freies Gedankengut ist. Als ein nicht hundert Prozent positionierter Vertreter (oder ‚eher so in der Mitte) hat man dass dann hinzunehmen, weil das sonst störend im Streitgespräch ist? Wie gesagt, versteh ich jetzt nicht, bzw. wenn ichs doch verstanden habe … sehe ich nicht so.

  27. @Muriel:

    Ach, komm, Muriel, wir verstehen einander schon, nicht wahr?

    Dass Atheismus oft mit einer gewissen Begriffsstutzigkeit einhergeht, ist mir zwar bekannt, aber du gehörst doch eigentlich eher zu hellen Sorte, nicht?

  28. Muriel sagt:

    @Bioschokolade: Ich freue mich sehr über diesen Kommentar, denn auf genau diesen Einwand möchte ich sehr gerne eingehen.

    Und jetzt finde ich es sehr irritierend, dass jemand der seine Meinung vertritt (öffentlich) die da lautet (wenn ich das richtig verstanden) „Wir können den Glauben oder Nicht-Glauben der anderen ja mal erst einmal so akzeptieren wie er ist, solange der Gläubige oder Nicht-Gläubige keinem damit was tut und wenn er was tut dann differenzieren wir das erstmal auch“ ist jetzt also unanständig

    Nein. Daran ist nichts Unanständiges. Das ist total okay. Ich stimme dem sogar zu. Ich bin völlig auf Seiten der Leute, die das so sehen.
    Unanständig wird es, wenn man anderen vorwirft, sie würden sich unanständig verhalten, weil sie ihren Standpunkt vertreten und Standpunkte, die sie für falsch und schädlich halten, kritisieren.
    Wenn man so tut, als könnte man die Meinung eines anderen nur entweder „akzeptieren“ oder kritisieren, und sobald man sich für letzteres entscheidet, müsste man sich zwangsläufig auch gegen Differenzierung und Verständnis entscheiden.
    Und genau da mache ich den Unterschied zwischen Agnostikern (die meiner Meinung nach nur ein irreführendes Etikett gewählt haben) und militanten Agnostikern (siehe oben).

  29. Muriel sagt:

    @Morgenländer: Nein, ich verstehe dich offen gestanden fast gar nicht. Ich ziehe in diesem Beitrag eben gerade nicht über eine bestimmte Person her, sondern über bestimmte Verhaltens- und Argumentationsmuster, die mich stören.
    Einige davon findet man in der Tat in OneBBOs Beitrag, weshalb ich ihn in meinem Kommentar oben verlinkt habe.
    Manche auch nicht.
    Für mich ist das ein klarer Fall von „Wem der Schuh passt, der ziehe ihn an.“
    Übrigens: Müsstest du nicht im Gegenzug auch finden, dass sie in ihrem Beitrag über Abwesende herzieht?

  30. […] nun mal nicht leugnen, dass Kritik an Religion offenbar diese Wirkung auf religiöse Menschen hat, und oft genug sogar auf angeblich nicht religiöse. Einerseits glaube ich, dass das in Ordnung so ist, denn ich bin kein Anhänger der Don’t be […]

  31. Pardette sagt:

    Mir ist gerade bei der Lektüre des tonfallmäßig eigentlich ja ordentlichen und ernst zu nehmenden Artikels, den du oben verlinkt hast, Muriel, aufgefallen, dass Agnostizismus insofern keine sinnvolle Position ist, als sie in der üblicherweise vertretenen Form überhaupt keine Position ist, und zwar nicht mal eine Metaposition.
    Die Aussage, nicht zu wissen, ob es einen Gott gibt, vermengt mindestens zwei verschiedene Bedeutungszusammenhänge des Begriffs „Wissen“. Zwischen der theistischen und der atheistischen Sicht gibt es keinen derartigen „Mittelweg“, weil die paradigmatischen Gebäude, auf denen diese Sichtweisen beruhen, so grundverschieden sind, dass man keine zentrale epistemologische Begrifflichkeit aus beiden Kontexten reißen, irgendwo im Niemandsland in der Mitte platzieren und sich dann einbilden kann, man vertrete einen sinnhaften Standpunkt.
    Deswegen wettern sie vielleicht so viel gegen die Argumentationen beider Seiten, die militanten Agnostiker, oder eben einseitig gegen die Atheisten, weil ihr eigenes Verständnis des Wissensbegriffs noch eher mit „Ich glaube, aber ich weiß nicht“ bzw. einem schlicht (und simplifiziert) „wissenschaftlichen“ Wissensverständnis kompatibel ist als mit atheistischen Denkweisen bzw. der sicherlich auch tendenziell bei den Ungläubigen anzusiedelnden epistemologischen Skepsis.
    Wobei die richtigen, also die nicht-militanten, sondern philosophischen Agnostiker das eigentlich wieder anders machen müssten, ergo hinterfragen, in welchem Sinne sie eigentlich nciht „wissen“, was sie nicht zu wissen glauben, aber von denen ist ja hier nicht die Rede.

  32. Muriel sagt:

    @Pardette: Ganz genau.

  33. […] nur ein Atheist, der sich vor Gottes Zorn fürchten würde, wenn er unrecht hätte. Zwischendurch redete auch Muriel bei überschaubare Relevanz darüber, und mir ging ein kleines, wenn auch noch durchaus diffuses Licht auf: Die meisten oder vielmehr […]

  34. Florian sagt:

    Sehe ich ähnlich: Agnostiker haben zwar prinzipiell recht damit, dass die Existens eines Gottes weder bewiesen noch wiederlegt werden kann, das gilt jedoch für alles Wissen (Stichwort Axiome, Agrippa-Trilemma). – Es kann auch niemand seine eigene Existens bis ins letzte beweisen, es gibt aber ein paar gute Gründe, diese als wahr anzuerkennen.

    Agnostiker tun nun allerdings so, als gäbe es für beide Seiten (Theisten/Atheisten) ähnlich gute Gründe. Wie wir „wissen“ ist dem aber bei weitem nicht so.

  35. Muriel sagt:

    In gewisser Weise steht das ja alles schon da, aber ich muss es gerade einfach noch mal sagen:
    Ich stehe bei dieser Art Mensch immer fassungslos davor und staune, wie jemand ohne jeden Hauch von Selbstzweifel jemand anderen dafür kritisieren kann, dass er nicht die eigene Meinung teilt, dass man Leute nicht dafür kritisieren sollte, dass sie nicht die eigene Meinung teilen. Auch ein expliziter Hinweis auf dieses kleine Kontinuitätsproblem war bisher immer völlig wirkungslos.
    Ich kann dabei immer nicht anders, als mich entsetzt zu fragen, ob ich auch manchmal so vernagelt bin, und verzweifelt zu hoffen, dass es nicht oft vorkommt.

  36. […] fiel mir heute einer dieser Posts in die Hände, wie sie militante Agnostiker gerne schreiben. Ich weiß nicht, ob der Verfasser einer ist, und weiß auch sonst nichts über […]

  37. Violet Teki sagt:

    Vielleicht war es das, was mich mal störte bei den Diskussionen (auch hier), vielleicht verstehe ich, verstand ich und will ich nicht ganz den Unterschied zwischen Atheisten, Agnostikern, ihren weichen und harten Ausprägungen verstehen.
    Aber das „militant“ ist das, was man oft zu spüren bekommt irgendwie.
    Und ich bin sicher Theist, irgendwie Pantheist, eigener Prägung und in meiner Welt gibt es auch keinen Wunsch nach Beschneidung von Babies, keine Abneigung gegen irgendwen (auch nicht Homosexuellen) und auch kein Rauschebartgott erschuf die Menschen und stellte sie mit seinen Fingern auf die Erdoberfläche wie in einem Computerspiel, dessen Name mir im Moment nicht mehr einfällt.

  38. Muriel sagt:

    @Violet Teki: Ach, du bist auch so einer.
    Dann kannst du mir vielleicht erklären, warum Theisten sich gerne darüber erheben, an einen „Rauschebartgott“ zu glauben, als wäre der irgendwie schlechter als andere Varianten.
    Hast du Lust?

  39. Muriel sagt:

    (Ich würde dir im Gegenzug auch gerne den Unterschied erklären.)

  40. Violet Teki sagt:

    Aber nur mehr kurz ein Anfang, denn die Zeit drängt mich bald zu Bette, was nicht heißt, dass ich nicht später weiterschreiben werde:

    Mir geht es dabei nicht um besser oder schlechter. Für mich ist Gott die Summe der Gedanken, der Seelen, der (nicht an Körper gebundenen) Bewusstseine. Mir ist klar, dass ich mich jetzt in Deinen Augen genauso disqualifiziert habe wie die Heligen der Letzten Tage 🙂 Der Unterschied liegt aber darin, dass ich (und jeder und alles) Teil dieses Gottes bin und nicht Gott ein menschenähnliches strafendes und mal störrisches, mal liebendes, mal muffiges Etwas ist.

    Dass die Ausdrucksweise vielleicht „einfach“ ist, kümmert mich wenig. Ich denke immer, dass es wichtiger ist, zu vermitteln was man meint, als sich hinter allzu komplizierten Worthülsen zu verstecken.

    Somit werfe ich das Stöckchen zu Dir, der Du als Autor vermutlich die Kreativität der Nacht mehr nutzt wie ich als 8 to 8 Büromensch.

    Am liebsten wäre mir eine einfach zu verstehende Klärung dieser Unterschiede, so dass es ein 12jähriger versteht. Sieh es als Herausforderung.

  41. Muriel sagt:

    @Violet Teki: Okay, dann sind wir uns einig. Für mich ist Gott auch die Summe der Seelen…
    Im Ernst: Eigentlich ist der Unterschied zwischen den Begriffen leicht erklärt. Kompliziert wird es nur dadurch, dass unterschiedliche Definitionen im Umlauf sind.
    Ungefähr so sind wohl die gängigen Varianten:
    Ein Atheist ist jeder, der nicht an einen oder mehrere Götter glaubt. Man mag nun noch einen positiven, harten, oder sonstwie besonders qualifizierten Atheisten bezeichnen, der außerdem davon überzeugt ist, dass es keine Götter gibt. Es gibt auch die Unterschiedung zwischen agnostischen Atheisten (also solchen, die nicht glauben, dass Götter existieren, aber nicht behaupten, das zu wissen) und gnostischen Atheisten (also solchen, die behaupten, zu wissen, dass keine Götter existieren.
    Natürlich kann man auch bei Theisten zwischen Gnostikern und Agnostikern unterscheiden.
    Gängigerweise meinen Leute, die sich selbst Agnostiker nennen, das aber anders. Die meinen meistens, dass sie glauben, dass die Frage, ob Götter existieren, der menschlichen Erkenntnis verschlossen ist, oder zumindest glauben sie weder positiv, dass welche existieren, noch sind sie davon überzeugt, das sie es nicht tun. Damit sind diese Agnostiker nach meiner Definition oben auch Atheisten.
    Ich hoffe, das hat ein bisschen weiter geholfen.

  42. Dietmar sagt:

    Aber das “militant” ist das, was man oft zu spüren bekommt irgendwie.

    Das ist ja ganz furchtbar, wenn man das oft irgendwie zu spüren bekommt! Hoffentlich übersteht das dein zartes Gemüt.

  43. Violet Teki sagt:

    @Dietmar: ja, ich halte es ganz gut aus.

    @Muriel: ja, soweit war es mir, zumindest wenn ich es wieder so lese, auch bekannt. Das Problem, das ich damit habe, ist, dass alles sehr verschwommen ist, so kommt es mir vor.

    Und ich habe mal auf einem Atheistenblog darüber diskutiert, ob denn Atheismus eine Ideologie sei oder nicht, was dort immer heftig bestritten wird. Dem stimme ich nach eingehender Überlegung auch zu, solange die Gedanken es Atheisten so etwa lauten „Ich glaub oder ich weiss, es gibt keinen Gott oder Götter, aber mehr ist nicht dahinter, ich geh nicht in die Kirche und befass mich auch nciht mit Meditation und solchen Dingen, aber wenn es wer tut, dann solls mir recht sein“
    Meist ist der Atheismus, vor allem bei darüber bloggenden Menschen, mit einer extremen Abneigung allem Spirituellen verbunden und das Weltbild knüpft an einem rein materialistischen, rein auf die Physik basierender Überzeugung an, und alles andere wird eben ins Lächerliche gezogen oder massiv bekämpft. Und dann ist es meines Erachtens doch eine Ideologie, weil ein ganzes Wertesystem darauf aufbaut.
    Letztendlich ist es mir irgendwie egal, da sowieso jeder Mensch verschieden ist und das ist ja auch genau aus meiner Sicht der Dinge auch sehr gut und wichtig.
    Eigentlich sollte die Naturwissenschaft ja imemr die Dinge beschreiben und Zusammenhänge erklären, Wertungen und Deutungen waren ja naturgemäß nicht ihr Metier, sondern eher Aufgabe der Philosophie und Geisteswissenschaften.
    In den Augen dieser Atheisten scheint das nun aber die Aufgabe der Physik und das kommt mir komisch vor.
    Die Unterscheidung zwischen Agnostikern und Gnostikern kommt mir eher theoretisch vor.

  44. Florian sagt:

    Der Unterschied ist ganz einfach: Die einen glauben was sie wollen, die anderen nur das, wofür es konkrete Hinweise gibt, und zwar so lange, bis es sich als falsch herausstellt, und dann wieder, wenn sich herausstellt, dass es doch nicht falsch ist, usw. 😉

  45. Muriel sagt:

    @Violet Teki: Ich erkenne gerade nicht, wohin uns das heitere Begrifferaten führen soll. Klar, unter geeigneten Definitionen kann Atheismus auch ein Eichhörnchen sein.
    Falls du noch eine Antwort von mir erhoffst, bräuchte ich einen Fingerzeig, worauf.

  46. David sagt:

    Die einen glauben was sie wollen, die anderen nur das, wofür es konkrete Hinweise gibt

    Aber warum sollte ich mir auch irgendwelche komischen Schranken setzen, wenn ich ebensogut einfach glauben kann, was ich will? Freiheit!

  47. Florian sagt:

    Aber warum sollte ich mir auch irgendwelche komischen Schranken setzen, wenn ich ebensogut einfach glauben kann, was ich will? Freiheit!

    Das bleibt dir unbenommen.

  48. Dietmar sagt:

    @Dietmar: ja, ich halte es ganz gut aus.

    Dann kann es so militant ja nicht sein.

  49. David sagt:

    @Florian

    Das glaube ich nicht!

  50. […] Eieiei… Also, um fair zu bleiben: Sicher, da ist was Wahres dran. Jemand, der seine Ansichten infrage stellt und nicht als absolute Wahrheiten annimmt, ist wahrscheinlich tendenziell weniger gefährlich. So statistisch gesehen. Kann schon sein. Aber erstens finde ich es abermals unanständig, so zu tun, als sei Religion zwangsläufig das Gegenteil davon. Das ist sogar mir zu einfach. Es gibt religiöse Menschen, die zweifeln, und suchen, und menschlich bleiben, und nicht gegen andere vorgehen. Es gibt sogar Menschen, die sich im Besitz absoluter Wahrheiten wähnen und trotzdem total sympathisch und gewaltfrei bleiben. Und es gibt sehr unsympathische, unehrliche, und ausgesprochen anmaßende Agnostiker. […]

  51. […] Gladstone (which is, apparently, the author’s pen name at cracked.com) starts off with a textbook example of militant agnostic argument: […]

Gib's mir!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: