Damit es nicht heißt, ich würde immer nur über Christen schimpfen

16. Februar 2011

Und außerdem, weil ich selbst und viele meiner Bekannten dem Vorurteil frönen, Rabbiner wären eigentlich immer sehr humorvolle, kluge, endlos sympathische Charaktere, und weil Vorurteile meistens keine so gute Sache sind, setze ich mich heute mal mit diesem offenen Brief von Rabbi Adam Jacobs an die atheistische Gemeinschaft auseinander. Ich bin ja immerhin gewissermaßen auch angesprochen.

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Gefallen (4)

15. Februar 2011

Obwohl ich bisher nicht ganz euren Geschmack getroffen zu haben scheine, kämpfe ich tapfer weiter und präsentiere euch unverdrossen das vierte Kapitel unseres Fortsetzungsromans „Gefallen“. Und in einem leicht durchschaubaren Versuch, um eure Sympathie zu buhlen, gibt es sogar noch ein Gratis-Gimmick dazu:

Das versprochene Dramatis Personae!

Was sagt ihr jetzt?

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nihil nisi bono

14. Februar 2011

Man könnte meinen, Thomas Gottschalk wäre gestorben, wenn man die Lobeshymnen liest, die derzeit über ihn aus dem Boden schießen wie strategische Nuklearwaffen am Judgement Day. Man könnte außerdem den Eindruck gewinnen, wir hätten mit ihm einen großen Entertainer verloren.

Aber nur, wenn man nicht zu gründlich darüber nachdenkt.

Wofür wird Gottschalk denn gelobt? Für die hohen Einschaltquoten bei „Wetten, dass“,  und dafür, dass er ein netter Kerl ist und kein Dieter Bohlen, weil er sich „mit zwei Jugendlichen [abgegeben hat], die ein dreihundert Seiten langes Buch derart genau gelesen haben, dass sie einzelne Sätze der entsprechenden Seite zuordnen können„. Ja, Donnerwetter, das verdient natürlich Anerkennung, dass er den beiden Jugendlichen nicht einfach ins Gesicht gespuckt hat, als sie auf seine Bühne kamen.

Gottschalk wird zum Gegenspieler der niederträchtigen Unterhaltung auf Kosten anderer aufgebaut, weil er „Unterhaltung mit allen und für alle“ macht. Er ist „ein Star, aber einer ohne Allüren, ein Profi, fleißig, hartnäckig und witzig, er ist schlagfertig, seine Kalauer verraten Hintersinn und Bildung, seine Sendung am Samstag hatte Überlänge und war doch kurzweilig„, kurzum „ein verdienter Fernsehmacher“ und „der letzte große Entertainer für die ganze Familie„. Wer sein Konzept für antiquiert halten wollte, müsste nicht weniger als „sein Menschenbild für die Dauer der Sendezeit […] suspendieren„. Wait, what?

Was daran wahr ist, ist trivial. Gottschalk hat sich eben nicht wie ein Arsch aufgeführt. Er ist ein netter Kerl, der niemandem weh getan hat. Das spricht für ihn, aber ich kenne eine ganze Menge Leute, die mindestens genau so nett sind, und dabei wesentlich interessanter und lustiger, für erheblich weniger Geld.

Und was an den Behauptungen über ihn wirklich eindrucksvoll wäre, ist mindestens übertrieben, um nicht zu sagen: frei erfunden. Unterhaltung im Fernsehen wäre „ohne Thomas Gottschalk schwer vorstellbar„? Ich bitte Sie, Herr Hanfeld, sehen Sie gelegentlich noch andere Sendungen als „Wetten, dass“?

Natürlich ist das Geschmackssache. Wenn man Gottschalk mag, wird man Spaß an seinen Sendungen haben, und ich mag ihn eben nicht. Er hat offenbar viele Menschen über lange Zeit gut unterhalten, und ich will das niemandem schlecht reden, auch wenn es mir unverständlich bleibt.

Aber wer ihn jetzt zur Ikone des feinsinnigen Humors, des Anstands im Fernsehen, der subtilen Unterhaltung und des ganz großen Showgeschäfts aufbauen will, der hat doch ein bisschen die Maßstäbe aus den Augen verloren.


Zivilcouragekulturstiftungseuropadingsgedöhns

13. Februar 2011

Diejenigen unter euch, die der Meinung waren, dass Margot Käßmann mit Spekulationen über ihre Eignung für das Bundespräsidentenamt und allgemeiner öffentlicher Hochachtung noch nicht ausreichend belohnt war für die grob fahrlässige Gefährdung der Leben anderer Menschen, können jetzt aufatmen: Ihr wird für’s Autofahren unter Alkoholeinfluss der Europäische Kulturpreis für Zivilcourage verliehen. (Ja, ich habe natürlich gesehen, dass der Preis sich offiziell darauf bezieht, dass sie deshalb ihr Amt aufgegeben hat, was angeblich Mut erfordert. Das ist aber Blödsinn.)

Der Preis klingt zwar erheblich bedeutender, als er meines Wissens ist, und wenn man sich nur die Homepage der Europäischen Kulturstifung mal anschaut, drängt sich schon durchaus die Frage auf, ob dieses Ereignis überhaupt einen Blogeintrag verdient, aber es geht mir hier wie so oft ums Prinzip. Und weil ich Frau Käßmann sowieso noch nie leiden konnte, halte ich es trotz allem für angebracht, ein paar Minuten meiner Zeit zu opfern, um hier mehr oder weniger öffentlich festzustellen:

Courage ist was anderes.

Nachtrag, 15. Februar: Frau Käßmann hat mitgeteilt, dass sie den Preis zwar absolut verdient hätte, ihn aber jetzt aufgrund der Berichterstattung einiger Medien (Ich glaube, ich bin nicht gemeint.) nicht mehr annehmen kann. Naja.


Philoso4 (3)

12. Februar 2011

Es hat auch diesmal wieder nicht mit Viererbesetzung geklappt, aber wer interessiert sich schon für so kümmerliche Details, wenn es eine neue Ausgabe von Philoso4 zu bejubeln gibt, diesmal mit noch mehr gesunden Zutaten (Naja, eigentlich nur ohne Kekse, aber das ist ja das Gleiche, oder?) und nur für euch mit über 50% mehr Inhalt. Bitteschön:

Hier gibt’s Weisheit zum Download.

Und hier ist das versprochene Voyager-Video:

[via Wortvogel]


Restebloggen (65)

11. Februar 2011
  1. naughty memes - flowers
    see more Memebase After Dark
  2. Kennt eigentlich jemand einen lesenswerten Text, in dem der Begriff „Tabuthema“ ironiefrei benutzt wird? Ich nicht. „Gutmensch“ ist auch so ein Wort, natürlich auch in der Variante „Gutmenschentum“. Fallen euch noch mehr zuverlässige Indikatoren für scheußliche Verbaldiarrhö ein? „Gleichschaltung“ vielleicht. Bei fiktiven Geschichten ist „der Auserwählte“ nach meiner Erfahrung ein ganz guter Hinweis.
  3. Manchmal sagen Christen mir in Diskussionen, ich wäre religiös. In gewisser Weise kann ich verstehen, wie sie darauf kommen, aber warum sagen sie das immer so, als hielten sie es für was Schlechtes?
  4. Daniel Raquet macht ein Portrait am Tag, und ich finde sie alle sehr sehenswert. Allerdings hat er vor knapp eineinhalb Wochen aufgehört, ohne zu verraten, warum. Naja.
  5. Findet eigentlich noch jemand die neue YouTube-Startseite ganz unterträglich?
  6. Falls ihr euch auch schon immer gefragt habt, was eigentlich der Unterschied zwischen der Bild-Zeitung und überschaubare Relevanz ist, hat Stefan Niggemeier bei der Bayerischen Staatskanzlei die Antwort entdeckt:
    Beim Blog-Text werden die Informationen ungeprüft ins Netz gestellt. Vielleicht hat Bernd einiges missverstanden oder erinnert sich nicht mehr genau. Fakt aber ist, dass seine Informationen nicht geprüft sind. An dieser Stelle bietet sich auch der Vergleich zu dem Spiel „Stille Post” an. Auch da gehen Informationen auf dem Weg der Übermittlung verloren. Natürlich können auch Journalisten etwas falsch verstehen. Deshalb können in einer Zeitung ebenfalls fehlerhafte Informationen stehen. Sollte dies vorkommen, werden dort in der Regel aber Falschmeldungen korrigiert.“
    Wir kennen das ja alle, diese transparenten Eingeständnisse und Berichtigungen von Fehlern, die in jeder Zeitung regelmäßig erscheinen… Nicht wahr?
  7. Man regt sich eigentlich hierzulande viel zu selten über Faux News auf:

homini lupus

9. Februar 2011

Wer einmal selbst ganz anschaulich erfahren will, wie dünn und brüchig der Firnis der Zivilisation über der steinzeitlichen Natur des modernen Menschen ist, der muss anscheinend nur eine Waschanlage besuchen.

Gestern Abend hatte ich da schon wieder so ein Erlebnis, das mich daran zweifeln lässt, ob der Dritte Weltkrieg nicht doch ein wünschenswertes Endresultat der Mubarak-Proteste wäre.

Mein Auto sieht aus Gründen schon seit einigen Tagen so aus, als würde es des Nachts heimlich bei Colin McRaes Dirt mitspielen. Gestern wurde es nun wirklich dringend Zeit, etwas zu unternehmen, und ich musste sowieso tanken, deshalb kaufte ich neben einem leckeren Eis gleich noch einen Waschcode mit und fuhr um die Tankstelle herum zur Waschanlage.

Mit gelinder Ernüchterung sah ich, dass dort bereits drei andere Autos warteten. Aber nun hatte ich den blöden Zettel mit dem Code gekauft, und auf meinem Rücksitz lagen eh noch drei vernachlässigte NJW, deswegen fuhr ich hinter das letzte der drei Autos, stellte den Motor ab und die Musik an, und begann zu lesen.

Weil es mir zu blöd war, alle paar Minuten den Motor anzulassen, um zwei Meter vorzufahren und den Motor dann wieder abzustellen, blieb ich einfach stehen, wo ich war, obwohl die drei Wagen vor mir natürlich nach und nach vor- und schließlich in die Anlage einrückten.

Ich stand in einer Reihe von Autos auf einem reichlich langen Weg, der ausschließlich dem Zugang zur Waschanlage diente, und hinter mir wartete die ganze Zeit über nur ein einziger weiterer Kunde. Ich verursachte also keinerlei Behinderung oder sonstige Unannehmlichkeit. Deswegen ignorierte ich auch die Lichthupe des Herrn hinter mir, die nach der Einfahrt des zweiten Wagens einsetzte.

Als die Türen der Anlage sich gerade hinter dem letzten meiner Vorgänger geschlossen hatten, kurvte plötzlich sehr schwungvoll ein neu hinzugekommener schwarzer Corsa an mir vorbei und platzierte sich direkt vor besagtem Tor. Ein glatzköpfiger junger Mann stieg aus und lehnte sich mit verschränkten Armen wartend an sein Auto.

Nur um Missverständnissen vorzubeugen: Es war ein etwas breiterer, aber im Prinzip einspuriger Weg, der ausschließlich zur Waschanlage führte. Es war kein Irrtum darüber möglich, warum ich da stand.

Ich seufzte und überlegte gerade noch, ob ich jetzt eine Diskussion mit dem Herrn brauchte, als es an meiner Scheibe klopfte.
„Ja, warum sind Sie denn nicht vorgefahren?“ quengelte der Mensch aus dem Wagen hinter mir.
„Ich hatte keinen Grund, es wäre doch dadurch auch nicht schneller gegangen, oder?“ antwortete ich.
„Ja, aber dann wäre sowas nicht passiert!“ moserte er im Gehen, um noch hinterherzuwerfen: „Fahren Sie jetzt bitte vor!“

Ich stieg etwas verwirrt aus und machte mich auf den Weg zu dem haarlosen Corsafahrer.
„Guten Abend“, sagte ich, „Würd’s Ihnen etwas ausmachen, mich vorzulassen? Ich stand da ja doch schon eine ganze Weile.“
„Ja, also!“ erwiderte der junge Mann, und die Entrüstung brach sich nicht nur in seiner Stimme Bahn, sondern auch in einer ausladenden Geste, die offensichtlich meine Zurechnungsfähigkeit infrage stellen sollte, „Da stelle ich dann aber auch die Gegenfrage: Warum sind Sie denn nicht vorgefahren?“ Genau so hat er das gesagt. Wörtlich. ‚Da stelle ich dann aber auch die Gegenfrage.‘
„Naja“, antwortete ich, ein bisschen hilflos wie die Leute bei der Versteckten Kamera, wenn der Wahnsinn langsam offensichtlicher wird, „Was hätte ich denn davon gehabt?“
„Also“, sagte er missbilligend, „Ist ja schon ziemlich ungewöhnlich, aber na gut. Dann fahren Sie mal vor.“

Er stieg ein und machte mir Platz, und ich fuhr in die Waschanlage. Während ich den Code eingab, hörte ich ihn noch mit dem zweiten Herrn von hinter mir diskutieren, der offenbar nun auch Vorrang beanspruchte.

„Ja, aber nun steh ich halt hier“, sagte der junge Mann.
„Was kann ich denn dafür, wenn mein Vordermann einfach nicht vorfährt!“ keifte der andere mit einem hasserfüllten Blick in meine Richtung.

Während ihre wütenden Stimmen hinter mir verklangen, kehrte ich in die Waschanlage zurück und öffnete das Brownie-Eis aus der Tankstelle, auf das ich mich die ganze Zeit gefreut hatte.

Liegt das an mir, oder haben die alle einen ganz gewaltigen Hau?


Fast vergessen

8. Februar 2011

Ute vom Vollwert-Blog hat dankenswerterweise einen Gastbeitrag von mir veröffentlicht, in dem ich in 5.000 Zeichen erkläre, was ich von Religion halte und wie man sich davor schützen kann.

Ein bisschen Diskussion hat sich schon entwickelt. Wenn ihr mitreden oder auch einfach nur lesen wollt, bitte hier entlang.

Viel Spaß!

[Nachtrag, 18. Februar: Ich hatte ursprünglich den Post hier nur verlinkt, damit die Diskussion sich nicht zwischen meinem und Utes Blog aufteilt, sondern an einer Stelle stattfindet. Da sie nun vorbei ist, möchte ich meinen Beitrag auch hier dokumentieren. Da isser:]

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Übergang zum weitgehend inaktiven Alibiblog, auf dem nur noch sporadisch mäßig lustige YouTube-Videos gepostet werden

8. Februar 2011

Nur, damit ihr euch keine Sorgen macht: Es geht mir gut.

Ich habe nur gerade nichts zu erzählen.

Ich weiß gar nicht, ob ich vielleicht zu sehr damit beschäftigt bin, mich nicht für Ägypten zu interessieren, oder ob es eher daran liegt, dass ich langsam zu reif und vernünftig werde, um mich über jeden Blödsinn öffentlich zu echauffieren, aber irgendwie drängen sich in den letzten Tagen keine Themen auf, die es hier zu diskutieren gälte. Wird schon wieder, nehme ich an. Die Erklärung mit der Reife und Vernunft klingt jedenfalls nicht besonders überzeugend, oder?

Ich würde zur Überbrückung gerne diese Videos einer „Dead Space 2“-Kampagne mit euch teilen, die ich persönlich von Idee und Ausführung für mit das Beste halte, was seit langer Zeit einem Werbestrategen eingefallen ist:

[Natürlich via Game One. Übrigens eine Seite, die jeder von euch jeden Tag besuchen sollte. Mehrfach.]

Fast so awesome wie diese Zelda-Werbung:

[auch]

They don’t make ‚em like that anymore…


Gefallen (3)

6. Februar 2011

So, nachdem ich nun alle, die meine Ankündigung, ich würde in Zukunft weniger regelmäßig bloggen, nicht ganz ernst genommen haben, gelehrt habe, mir zuzuhören, auch wenn meine Worte nicht sofort konkrete Auswirkungen haben (und unter Umständen in unnötig komplizierter Syntax verschachtelt sind), kann es hier ja weitergehen, mit dem neuen Kapitel unseres Fortsetzungsromans „Gefallen“.

Viel Spaß!

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