Restebloggen aus dem Urlaub (67)

  1. Mir ist gestern etwas klar geworden. Ich bin nicht direkt stolz darauf. Eigentlich ist es mir sogar ziemlich unangenehm. Ich befürchte, dass ich euren Respekt damit aufs Spiel setze, und meine Nerd-Cred sowieso. Aber was soll man machen? Man ist halt Blogger. Hier ist also eine neue unerfreuliche Wahrheit über mich: Ich kann Douglas Adams nicht ausstehen. The Hitchhiker’s Guide to the Galaxy habe ich, mutmaßlich getragen vom Hype und hohen Erwartungen, überstanden, aber The Restaurant at the End of the Universe habe ich heute nach ziemlich genau der Hälfte endgültig weggelegt, und ich fühle mich echt gut dabei. Es ist schwer, in knappe Worte zu fassen, was mir an ihm so auf den Geist geht, aber wenn ich es versuchen müsste, würde ich es wohl mit der Vorhersehbarkeit seiner Skurrilität, der scheinbaren Tiefe seiner Spaßphilosophie erklären, und der Tatsache, dass er im Grunde nur einen einzigen Gag hat, den er leicht variiert endlos wiederholt.
  2. Serendipity nennt man das auf Englisch, wenn Ereignisse zufällig günstig zusammenfallen. Sie heute zwei Nachrichten, die in meinem Jesus.de-Newsletter direkt aufeinander folgen: Unser zukünftiger Vizekanzler und Vorsitzender der FDP Philipp Rösler spricht darüber, wie wichtig das Christentum und die Bibel für ihn als Wertebasis und so weiter sind, und gleich darunter steht, dass die römisch-katholische Kirche bei der Seligsprechung Karol Wojtylas den Pilgern eine Ampulle mit seinem Blut als heilige Reliquie präsentieren wird. Umm… Ja.
  3. Eine Urlaubsanekdote, die euch wahrscheinlich überhaupt nichts gibt, mir aber so viel Freude gemacht hat, dass ich sie trotzdem hier festhalten will: Ich hatte Koshi Mocha Choc als Dessert bestellt. Die Kellnerin serviert. „Koshi Mochucho…“ beginnt sie, verhaspelt sich hoffnungslos und bricht in lautes Gelächter aus. Sie stellt den Teller mit einem resigniert hilflosen Blick vor mich hin und geht, noch immer laut lachend.
  4. madove schreibt (in einem auch ansonsten lesenswerten Beitrag) die beste Begründung dafür, Kinder nicht zu mögen, die mir je untergekommen ist: „Sie erinnern mich an diese Monster, die mit mir in einer Klasse waren. Außerdem ist mir nie klar, was sie verstehen und was nicht, und sie halten sich nicht immer an Höflichkeitsregeln, was ich theoretisch völlig ok finde, mich aber in der Praxis zutiefst verunsichert.
  5. In einem der peinlicheren Moment US-amerikanischer Geschichte hat Barack Obama heute die Langversion seiner Geburtsurkunde vorgelegt, in der sicher vergeblichen (und mutmaßlich auch nur vorgeblichen) Absicht, die Birther-Bewegung und ihre Sympathisanten davon zu überzeugen, dass er in den USA geboren wurde. Ich finde, das eigentlich Albernste an dieser Diskussion ist die Tatsache, dass es überhaupt eine Rolle spielt, wo er geboren wurde. Warum darf jemand nicht Präsident werden, der die Mehrheit der Stimmen bekommt, aber aus Kamerun stammt?
  6. Jan Filter setzt sich mit dem österlichen Tanzverbot auseinander. Und mit dieser Erklärung Sonja Völkers, über die ich mich dermaßen aufregen könnte, dass ich es lieber nicht tue: „An mehr als 350 Tagen im Jahr darf nach Herzenslust getanzt und gefeiert werden. Es ist nicht zu viel verlangt, an wenigen Stillen Tagen aus Respekt vor der Religiosität einer Glaubensgemeinschaft darauf zu verzichten.
  7. You're a turtle.
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21 Responses to Restebloggen aus dem Urlaub (67)

  1. juliaL49 sagt:

    Gah, ich hab nach Punkt 1 nicht mehr weitergelesen und ja, du hast damit für mich stark an Glaubwürdigkeit eingebüßt.

    Gah, wie kann man nur!

    PS: Ich mag weder die Doors, noch Depeche Mode noch Nirvana. Beat that!

  2. Zu 1. So fühle ich mich ja immer, wenn ich erzähle ich mag Herr der Ringe nicht und konnte auch nur 1,5 Bücher lesen.

    Also ich hab ja alle Bücher vom Anhalter-Zyklus gelesen und ansich auch gerne, wobei ich zugeben muss das nur das erste wirklich …. diesen Kultstatus verdient. Ich muss zugeben noch einmal lesen würde ich die Bücher auch nicht unbedingt, von da an kann ich dich da gut verstehen. Außerdem hast du dafür ja schon richtige Weltliteratur gelesen wie Twilight … ich glaube mehr braucht man eh nicht.

  3. Karsten sagt:

    Die obligatorische Frage: Wenigstens auf Englisch gelesen? (is besser und so…^^)

  4. Muriel sagt:

    @JuliaL49: Das ist die richtige Einstellung!
    @Bioschokolade: Danke! Und Herr der Ringe ist das letzte Buch. Das allerletzte. Und der Film markiert für mich Jacksons bisherigen Tiefpunkt. Von Bad Taste an ging es kontinuierlich bergab mit ihm. King Kong war nicht doll, aber immer noch besser als Herr der Ringe.

  5. Guinan sagt:

    Zu 1: Ich gestehe, ich habe nicht mal Band 1 bis zum Schluss ertragen – megamäßig langweilig.

  6. Muriel sagt:

    @Guinan: So langsam wirst du mir wieder sympathisch…

  7. Muriel sagt:

    @Karsten: Selbstverständlich. Ich immer. Ich lese sogar deutsche Bücher lieber auf Englisch.

  8. Guinan sagt:

    @Muriel: Habe ich dich in letzter Zeit so sehr getriezt?
    Ich gelobe Besserung.

    (Ach nee, doch lieber nicht. Macht mir viel zu viel Spaß.)

  9. Dietmar sagt:

    „Warum darf jemand nicht Präsident werden, der die Mehrheit der Stimmen bekommt, aber aus Kamerun stammt?“

    Naja, wegen der Verassung wohl. (Aber ich fürchte, da sage ich wieder mal nichts Neues.)

    Und bevor ich jetzt noch vertrauensseelig kundtue, dass ich den Herrn der Ringe, den kleinen Hobbit sowie die Filme ganz großartig finde und mich selbst ruckartig in die Schämdich-Ecke katapultiere, weshalb ich das dann jetzt auch nicht sagen werde, wünsche ich allen hier ganz unverfänglich und für mich jede Peinlichkeit vermeidend eine gute Nacht!

  10. Dietmar sagt:

    „e“ hakt.

  11. foster sagt:

    Ich empfehle dir mal trotzdem und allen Ernstes Adams‘ andere Bücher, insbesondere das zusammen mit Cawardine geschriebene „Last chance to see“ . Da sind die Gags ein wenig seltener und unaufdringlicher und wirken mehr so als Auflockerung des Ganzen. Aber auch die „Holistische Detektei“-Reihe ist sehr schön und very british, vor allem der erste Roman mit seinen verschiedenen ineinander verwobenen Handlungsfäden (oder -fetzen), bei denen manchmal nur ganz am Rande klar wird, was sie miteinander zu tun haben.

  12. madove sagt:

    Ich hab den Hitchhiker’s Guide mit ~15 gelesen (auf Deutsch), und meine Aufregung darüber, daß jemand wirklich VIELE nerdige Gags in ein ECHTES Buch schreibt, hat mich ganz gut durch den ersten Band getragen. [Es gab da sogar diesen Abend, an dem ich meine Eltern gezwungen habe, sich aufs Sofa zu setzen und eine Lesung der ersten paar Seiten zu erdulden, die grandios scheiterte, weil ich vor Lachen keinen Satz zu Ende bekam und meine Eltern, wie sie es vom Fernshehen gewöhnt sind, sofort eingeschlafen sind…]. Trotzdem war habe ich die letzten viereinhalb Bände eigentlich nur aus Pflichtbewußtsein gelesen.
    Herr der Ringe war auch mühsam. Ich habe mich irgendwann am Anfang in Aragorn verguckt und wollte eigentlich nur wissen, wie’s ihm so geht. Das hat sich beim Film auch nicht geändert.

  13. axeage sagt:

    Hand auf’s Herz Muriel, wer solch feinsinnige Prosa verfasst, dem kann Douglas Adams nicht gefallen.

  14. Muriel sagt:

    @Robroy: Toll. Vielen Dank!
    @Dietmar: Wegen der Verfassung. Weißt du, manchmal…
    @foster: Erst einmal bin ich bedient. Aber vielleicht später wieder.
    @madove: Naja, da steht mir wohl keine Kritik zu, ich mochte ja auch Resident Evil. Aber nicht wegen Alice, dass das klar ist.
    @axeage: Irgendwie haben meine Geschichten es dir ja anscheinend angetan. Ich frage mich fast, ob ich dir damit irgendwann mal versehentlich auf die Füße getreten bin.

  15. Dietmar sagt:

    Man nimmt halt aus der Verfassung das, was man braucht, nur dann, wenn man es braucht, in der Form, wie man es braucht. Oder so …

  16. axeage sagt:

    Liebster Muriel, Du bist mir nicht auf die Füße getreten und Deine Geschichten haben es mir mitnichten angetan. Im Gegenteil, ich finde, dass Du überhaupt nicht schreiben kannst. Sorry!

  17. Dietmar sagt:

    Großmäuligkeit ist immer wieder erfrischend.

  18. Muriel sagt:

    @axeage: Es schien mir so, dass dir ungewöhnlich viel daran liegt, mir das besonders deutlich mitzuteilen. Aber vielleicht ist das auch nur meine gekränkte Künstlerseele.

  19. tom sagt:

    D. Adams hat bei weitem nicht nur den „Anhalter“ geschrieben, der durchaus seine Schwächen hat. Vor allem jene, dass fast alle Running Gags darin mittlerweile (das sind auch schon mehr als 30 Jahre) zu Tode wiederholt, zitiert, erzählt etc.pp. sind. Eines seiner unbekannteren, aber IMHO das interessanteste seiner Bücher ist übrigens „Die letzten ihrer Art“. Non-Fiction, aber „irgendwie“ doch ganz klar Adams.

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