Would sell you more, but they ain’t none of mine

[Belangloses Einleitungsgefasel über singende Schauspieler mit gehässigen Witzen über Scarlett Johansson und William Shatner bitte nach Belieben selbst einfügen]

Jaaaaaa, ihr habt langelanglangelangelange darauf gewartet, und heute ist es endlich soweit (Yeeeeeeha!)! Heute erscheint eine neue Episode aus der bisher einteiligen Reihe „Die ahnungslose Rezension“, und diesmal heißt das glückliche Sujet meiner oberflächlichen Stümperei „Let them talk“, was doch auch schon mal ein echt guter Titel ist. Oder?

Wer Hugh Laurie bisher (wie ich) nur aus seiner Rolle als House kennt, oder vielleicht auch aus seinen früheren Rollen, und sein Gesicht auf einer CD-Hülle sieht, wird zuerst einmal denken, dass das sicher irgendwie lustig wird. Stimmt aber nicht. Let Them Talk ist ein total ernstes Blues-Album, aber enttäuscht wird man trotzdem nicht, denn Let Them Talk ist ein total gutes, total gelungenes New-Orleans-mäßiges Blues-Album, das meiner von Fachkenntnis oder musikalischem Gespür weitgehend unbelasteten Meinung nach von vorne bis hinten aber auch absolut alles richtig macht. (Um das komplett würdigen zu können, muss man natürlich Blues mögen, was ich zum Beispiel nicht so ganz vorbehaltlos tue, aber das kann man ja nun beim besten Willen nicht Hugh Laurie vorwerfen.)

Laurie arbeitet übrigens nicht mit eigenem Material, sondern hat so eine Art Best of Blues zusammengestellt und dabei allen Berichten nach hervorragenden Geschmack bewiesen, ebenso wie offenbar auch bei der Auswahl seiner Mitmusikanten: Tom Jones, Irma Thomas und Dr. John sind offenbar Namen, die man kennen sollte. Na gut, Tom Jones kenne ich auch, aber von den beiden anderen habe ich noch nie gehört. Egal. Zur Sache:

Es geht gleich mit einem richtigen Kracher los: „St. James Infirmary“ eröffnet mit einem klagenden Piano-Solo, dem nach einem richtig voluminösen Crescendo die Band mit einem klassischem Blues-Groove folgt. Lauries ein bisschen knarzig-knurrige Stimme überzeugt vom ersten Augenblick an, und sein böses Lachen ist natürlich wie gemacht für dieses Genre. „You won’t find another man like me“, in der Tat.

„Battle of Jericho“ ist mein Lieblingstrack. Some of the songs that they sing have nice chords, but the lyrics are spooky, ihr wisst schon. Laurie beginnt dieses gospelhafte Stück sehr zurückhaltend und singt es bis zum Schluss angenehm elegant, was der Sache für mich einen ungemein originellen Charakter gibt, aber vielleicht ist es auch bloß nicht so schwer, mir Originalität vorzuspielen, da ich kaum Blues höre. Ich glaube zwar auch, dass „Battle of Jericho“ nicht so richtig Blues ist, so ganz klassisch jedenfalls nicht; aber was weiß ich schon?

Danach kommt mit „After You’ve Gone“ dafür aber ein ganz klassisches Blues-Stück mit viel Gejammer übers Verlassenwerden und der wiederholten Ankündigung großen Bedauerns für die Dame, die es tut. Für mich persönlich schon fast zu bluesig für jeden Tag, aber hin und wieder kann man auch das mal hören.

Damit niemand auf die Idee kommt, tiefgehende Analysen über die Ursachen des Umstandes anzustellen, dass mir die biblischen Stücke besonders gefallen, schreibe ich nichts weiter über „The Whale Has Swallowed Me“ und gehe stattdessen direkt über zu einer lobenden Erwähnung des heimlichen Stars des Albums, dem ich auch den Titel dieses Posts entnommen habe. „They’re Red Hot“ ist zwar nur ein bisschen länger als eine Minute, aber so ungemein gut gelaunt und schwungvoll, dass es trotzdem nachhaltig in Erinnerung bleibt. (Besonders angenehm, weil es direkt auf „Whinin‘ Boy Blues“ folgt, dass mir nicht fast, sondern definitiv schon zu bluesig und zu repititiv ist, und der Hauptgrund dafür, dass ich auf die Einschränkung oben bei meiner Gesamtbewertung nicht verzichten konnte.)

Den Abschluss des Albums bildet der 15. Track „Let Them Talk“, der noch mal genau meinen Geschmack trifft, nicht nur, weil Laurie hier wieder genau den richtigen Tonfall findet (Mich erinnert er ein bisschen an Sinatra, aber keine Sorge, nur hier.), sondern auch, weil das Thema mein Ding ist. Wer sich permanent nur Gedanken drum macht, was irgendwer sagen oder denken könnte, der macht was falsch. Und wer über das Privatleben anderer Leute tratscht, gehört mindestens nachdrück disrespektiert. Oder um es mit xkcd zu sagen: Fuck. That. Shit. (schrieb er, und veröffentlichte seinen Post wie immer unter Pseudonym).

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10 Responses to Would sell you more, but they ain’t none of mine

  1. Dietmar sagt:

    Hugh Laurie ist der Hammer.

  2. foster sagt:

    Hm, gute Bluesstimme. Ist mir in der Serie gar nicht so bewusst geworden.

  3. Katja sagt:

    Ach danke für den Hinweis. Ich wusste, dass er mit Band from TV auf der Bühne steht, aber solo ist er ja echt der Kracher. Ich hör mich gerade bei youtube durch. Also wenn man bei Blues überhaupt von Krachern reden kann.

    (Ich habe Hugh Laurie übrigens auch gelesen. Um das Buch (Bockmist) bis zum Ende durchzuhalten, muss man ihn aber wohl vorher als Dr. House sehr lieben.)

  4. Muriel sagt:

    @Katja: Ich habe das Buch hier liegen, bisher aber nicht aufgeschlagen. Bin gespannt. Dr. House liebe ich tatsächlich sehr, aber das wird am Ende auch nicht reichen, wenn es nix ist.

  5. Katja sagt:

    Dann bin ich mal gespannt, wie du’s findest. Berichtest du bitte?
    Ich habe durchgehalten, was aber nur ging, weil ich das komplette Buch über den ironischen Tonfall der Synchronstimme im Kopf hatte und wirklich vieles in die Romanfigur reingelegt habe, was eigentlich meinem Empfinden von Laurie als House entsprang. Eigentlich sollte ein Buch ja selber die Charaktere lebhaft werden lassen und nicht darauf angewiesen sein, da von ganz anderen, früheren Eindrücken genährt zu werden.

  6. Guinan sagt:

    Ich habe gerade mal quergehört, was YT so anbietet von der CD. Verschiedene Grade der Unerträglichkeit, sorry, das ist nix für mich. St James Infirmary ist noch am ehesten auszuhalten, die anderen Songs habe ich nicht mal bis zum Ende durchgehalten. Aber ich bin ja auch ein Banause.

  7. Danke – gekauft: That ’s just my cup of tea!

  8. Muriel sagt:

    @Katja: Klar, ich berichte dann. Kann aber noch dauern. Ich hab noch so viel vor mir.
    @Guinan: Mal wieder typisch.
    @buchstaeblich: So will ich das sehen! Bin begeistert.

  9. Guinan sagt:

    @Muriel: Ich steh‘ zu meinem schlechten Geschmack 😀

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