Es fing eigentlich ganz harmlos an.

Ich wollte nur mal schauen, was genau Brooke Fraser in ihrem Song „Hosea’s Wife“ eigentlich besingt. Ich hatte eine vage Erinnerung, dass Hosea ein Prophet war und seine Frau untreu, aber ich wusste nicht mehr, was der eigentliche Sinn der Geschichte war und worum genau es ging.

Das lag natürlich nicht nur an mir, sondern es lag vor allem daran, dann diese Geschichte, wie die meisten in der Bibel, keinen Sinn hat, weil sie völliger Bullshit ist.

Auf meiner Suche entdeckte ich die Seite „sundayschoolsources.com„, und der Abschnitt über Hoseas Geschichte ist ein so hervorragendes Beispiel für fast alles, was ich am Christentum so schädlich, lächerlich und erbärmlich falsch finde. [Disclaimer: Ich weiß, dass ganz viele Christen sich im Folgenden nicht wiederfinden, und dass das nur ein Beispiel ist, das sich nicht vollständig auf alle Christen verallgemeinern lässt.]

Zuallererstmal die Story selbst:

God wanted Israel to know how he felt about their wicked behavior and worship of idols. So he told Hosea to marry an unfaithful woman. She bore him children, whose names meant, Jezreel (God plants), Loruhamah (no  more mercy), Loammi (not my people). But Hosea’s wife was not faithful, and she left Hosea, which caused him much pain.

Moment, was?

Weil das Volk Israel (Gottes auserwähltes Volk, das er als Flammensäule durch die Wüste geführt und mit vom Himmel regnendem Manna gefüttert hatte, dem er Gebote gegeben und Wunder über Wunder gezeigt hatte) es nicht auf die Reihe kriegt, zu begreifen, dass der eine allmächtige allwissende Gott, der sie geschaffen und auserwählt hat, es nicht gerne sieht, wenn sie andere Götter anbeten, beschließt dieser allmächtige und allwissende Gott, dass er das nicht länger hinnehmen kann, und dass durchschlagende Maßnahmen erforderlich sind. Er nimmt also all seine Allmacht, Allwissenheit, Weisheit und Liebe zusammen und entscheidet sich… seinen Propheten zu zwingen, eine Frau zu heiraten, die ihm nicht treu ist und ihn verlässt und ihm so großen Schmerz verursacht. Na gut, das klingt jetzt für uns beschränkte Sterbliche vielleicht nicht nach einem besonders tollen Plan, aber Gottes Wege sind unergründlich, und der Erfolg gibt ihm ja am Ende… Naja, also… Früher oder später… Ich meine… Ach, irgendwas wird er sich dabei schon gedacht haben.

God compared this pain to the sorrow he felt when Israel left Him and worshipped idols. He loved Israel, and loves us. He wants to be with us, and for us to learn about Him. When we turn away from Him, and don’t talk to Him or include Him in our lives, he is sorrowful. He will not tolerate being betrayed, and when we leave Him, He will not claim us as family any more. That’s why he had Hosea name his children „No more mercy“ and „Not my people“. 

Widerspricht mir jemand, wenn ich sage, dass das nicht nach einer anbetungswürdigen, weisen, liebevollen Entität klingt, sondern nach einem verhaltensgestörten, eifersüchtigen, gefährlichen Tyrannen? Ich meine, ja, da steht nur, dass wir nicht mehr seine Familie sind, wenn wir ihn verlassen, aber da steht auch „He will not tolerate being betrayed“, und „No more mercy“, und wenn ich mir mal anschaue, wie der alttestamentarische Gott üblicherweise mit Leuten verfährt, deren Verhalten er nicht tolerieren will, finde ich das reichlich bedrohlich.

Leaving God out of our lives is also dangerous. He is the light, and when we walk in the dark we stumble. The only safe and rewarding place to be is near God, because not only does He know what’s best for us, He will provide it if we are near Him. God said Israel’s destruction came from a lack of knowledge about God.

Was hier beschrieben wird, ist vollständige Abhängigkeit und Hörigkeit und völliger Verzicht auf eigenes Urteil und eigenes Denken. Ohne Gott sind wir blind, wir sind nur sicher bei Gott, und er weiß, was gut für uns ist. Diese Einstellung hielte ich sogar dann für gefährlich und falsch, wenn dieser Gott tatsächlich existieren würde. Dass er es nicht tut, macht sie aber aus meiner Sicht noch mal erheblich merkwürdiger und besorgniserregender. (Man beachte: Das Material und die Inhalte hier soll Kindern vermittelt werden!)

Nach der Zusammenfassung der Story schlägt sundayschool „This Little Christian Light of Mine“ vor. Und dazu muss ich sagen, dass das eines der angenehmsten christlichen Lieder ist, die ich kenne. Ich kann im Text nichts finden, dass nach meinen Maßstäben besonders scheußlich oder falsch wäre. Aber es gibt natürlich auch sehr wenig Text. Woher sundayschool allerdings das „Christian“ im Titel nimmt, ist mir leicht schleierhaft.

Anschließend soll man mit den Kindern „True or False“ spielen, und zwar so:

1. God thinks of us as His family.   T[rue]
Soso. Gott sieht in uns seine Familie. Und in seinen Augen ist es wahrscheinlich völlig normal, dass man als Vater untätig zusieht, während die Kinder sich gegenseitig töten, vergewaltigen und ausrauben. Er ist eben ein antiautoritärer Vater. Er wartet mit Strafe und Belohnung lieber bis nach dem Tod.

2. God will tolerate all behavior.   F[alse]
Es kommt mir vor, als hätte er sich das seit biblichen Zeiten anders überlegt. Aber in den Geschichten aus seiner intoleranten Zeit finde ich ihn auf ausgesprochen gruselige Art unreif und rachsüchtig. Genau die Art Vater, die in Familientragödien eine tragende Rolle spielt.

3. We must always put God first.   T[rue]
 Wieder so ein Punkt, der wohl auch schwer vertretbar wäre, wenn es ihn wirklich gäbe, aber dadurch vollends inakzeptabel wird, dass es sich um eine frei erfundene Figur handelt, die uns wichtiger sein soll, als wir selbst, unsere Nächsten und der ganze Rest der Welt.

4. We always know what’s best for us.  F[alse]
Aber keine Sorge, Kinder, es gibt da jemanden, der immer weiß, was am besten für euch ist, und mir hat er es verraten! Kommt her, ganz nah, dann flüstere ich es euch ins Ohr. Noch näher. Na kommt, setzt euch am besten direkt auf meinen Schoß…

5. Some people worship idols today.  T[rue]
Kann ich bestätigen.

So. Na gut.  Da kommt natürlich noch mehr Sonderbares („See how many words students can make from the phrase „The Prophet Hosea“ (e.g. sheep, rose, ropes, poor, etc.)“) und Schlimmes („Demonstrate how God stays in one place and we either walk with Him or walk on our own. Place a Bible near a flashlight in the room. Turn the lights off. Have students face away from the light and start walking away from it. Note how it’s easier to stumble or walk into objects when farther from the light. Then have them turn around and see how easy it is to pick out the light from the darkness. Light will always banish darkness; darkness can never extinguish light.“), aber ich glaube, ihr habt das Prinzip verstanden, und ihr braucht mich ja nicht, um euch nach Herzenslust mit den Sundayschoolsources zu vergnügen.

Ich wünsche also viel Spaß, und ein schönes Wochenende!

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9 Responses to Es fing eigentlich ganz harmlos an.

  1. malefue sagt:

    jachwäh hat eine narzisstische zwangsstörung.
    außerdem ändert jachwäh alle nase lang seine meinung darüber was richtig und falsch ist. jachwäh ist seinen worshippern schon sehr ähnlich, ne?

  2. Muriel sagt:

    @malefue: Ever noticed how your god hates all the same people you do?
    Und übrigens: Je länger ich drüber nachdenke, desto kranker kommt mir dieses Spiel mit der Bibel und der Taschenlampe vor. Und da gibt es noch Leute, die sich aufregen, wenn man sagt, Indoktrination sei Kindesmisshandlung.

  3. malefue sagt:

    erste stufe einer gehirnwäsche, indoktrination triffts nicht mehr richtig. immerhin muss man den kindern ihre skepsis richtiggehend aus dem kopf hämmern. und was für eine bessere art kindern beizubringen dass fragen schlecht sind, indem man ein buch als einzigen schutz gegen das böse aufbaut. auf die art zwingt man die menschen ihren „schutz“ aufzugeben, wenn sie die dinge versuchen zu hinterfragen.
    kein wunder, dass gläubige die zu nichtgläubigen werden fast immer von schmerzlichen prozessen reden, von existenzangst usw.
    ein ekelhaftes system.

  4. Nardon sagt:

    Ich bin mir nicht sicher ob ich den Menschen übel nehmen soll was sie den Kindern damit antun, denn eigentlich sind sie selber Opfer dieses Systems als Kinder gewesen. Kann ein Mensch dann überhaupt anders?

    kein wunder, dass gläubige die zu nichtgläubigen werden fast immer von schmerzlichen prozessen reden, von existenzangst usw.

  5. madove sagt:

    @Nardon
    Wenn das irgendwelche dümmlichen, wohlmeinenden Leute nach der Anleitung mit ihren Kinder spielen, hält sich für mich das Übelnehmen in Grenzen.
    Aber wer sich das ausdenkt, der weiß, daß es Gehirnwäsche ist. Und selbst wenn sein Glauben „nicht seine Schuld“ UND wohlmeinend wäre, finde ich, keine Überzeugung rechtfertigt Gehirnwäsche, also der Zweck heiligt die Mittel nicht. Nie.

  6. Nardon sagt:

    @madove:
    Eben das meine ich ja. Diejenigen die diese Spiele „ohne Vorbehalt“ mit Kindern (ob die eigenen oder fremde) spielen weil sie es eben nicht besser kennen, finde ich kann man den Vorwurf machen das sie sich mit dem was sie tun und dessen Folgen nicht auseinander setzen. Aber eine böse Absicht vermute nicht, lediglich Unwissen. Frei nach dem Motto: Wir haben das als Kinder gespielt, also kann es für unsere Kinder auch nicht schlecht sein.
    Denen die solche Spiele entwickeln unterstelle ich allerdings das sie sich darüber bewusst sind was sie da treiben.

  7. puregold sagt:

    Hi!

    wenn man davon aus geht, dass Gott nicht existiert, macht es natürlich wenig Sinn, was die, die anderer Meinung sind, über ihn sagen. Vermutlich macht für Dich das, was ich jetzt gleich sage auch wenig Sinn. Aber ich versuchs mal zu erklären:

    Stell Dir vor, Du wärst eine Marionette. Unangenehme Vorstellung, oder? Und doch ist was dran, denn wir sind in unserem Handeln und unseren Entscheidungen keineswegs frei von irgendwelchen äußeren Einflüssen. Manchmal reden wir uns ein, wir wären es und so Sachen wie Werbung oder einfach nur der zeitgeist, könne unsere objektive Wahrnehmung der Wirklichkeit nicht trüben. Du wirst zugeben, dass es nicht so ist. Wir sind Marionetten und es gibt immer jemanden, der an unseren Schnüren zieht.

    Stell Dir vor, Du als Marionette hättest die Wahl, wer an Deinen Schnüren ziehen darf. Für wen würdest Du Dich entscheiden?

    Abhängig sind wir eh, die Frage ist nur von wem. ich bin lieber von Gott abhängig, dem ich vertraue und dem ich zutraue, dass er es gut mit mir meint, als von sonst irgendjemandem.
    Ich verstehe nicht alles, was in der Bibel steht und frage mich auch manchmal, wie Gott das eine oder andere zulassen konnte… abe rmeine Erfahrung sagt mir, dass es für mich passt ihn als Puppenspieler zu haben und dass es zumidnest ratsam ist, es mal auszuprobieren.

    pure

  8. Muriel sagt:

    @puregold: Ich gebe dir tendenziell Recht, dass die Hauptdifferenz darin besteht, dass ich den Gott, um den es hier geht, für eine Einbildung und oder eine Lüge halte.
    Aber auch wenn es so etwas wie diesen Gott gäbe: Es ist in meinen Augen verantwortungslos und unmenschlich, Kindern beizubringen, sie könnten (oder dürften) keine eigenen Entscheidungen treffen.
    Ich halte auch diene Argumentation nicht für schlüssig. Ich bin keine Marionette der Leute, die Werbespots machen, und ich bin keine Marionette von irgendwem. Natürlich lasse ich mich beeinflussen von vielem, aber das Resultat ist meine Entscheidung und (ganz wichtig) meine Verantwortung. Ich kann diese Verantwortung nicht abwälzen auf einen Zeitgeist, auf Werbung oder meine Clique, und auch nicht auf einen Gott, ob er nun existiert oder nicht.
    Und zu guter Letzt: Wenn ich hypothetisch gesprochen die Wahl hätte, wessen Marionette ich sein müsste, wäre die Entscheidung sicher schwer, aber es wäre garantiert nicht der Gott des Alten Testaments.

  9. Muriel sagt:

    Oder um das noch einmal etwas anschaulicher zu machen und die (eigentlich unnötige) Einschränkung auf das Alte Testament zurück zu nehmen: Es wäre garantiert niemand, der Völkermord befiehlt, die Vergewaltigung von Kindern anordnet, der ewige Verdammnis für eine gerechte Strafe hält und trotz Allmacht und Allwissenheit eine Welt erschafft wie die, in der wir leben.
    Dann lieber jemand, der fehlbar und beschränkt ist, aber dafür charakterlich kein unerträgliches Scheusal.
    (Ich vermute, dass du selbst an einen anderen Gott glaubst, ist mir klar. Aber das ist meiner Meinung nach der, der in dieser Geschichte beschrieben wird.)
    Und falls ich noch mal eine neugierige Frage stellen darf: Wie findest du denn zum Beispiel dieses Spiel mit der Taschenlampe? Auch ein bisschen gruselig, oder ist das deiner Meinung nach okay?

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