You keep using that word. I do not think it means what you think it means.

Seit langerlangerlangerlanger Zeit habe ich hier den Entwurf eines Entwurfs einer Idee eines Anfangs eines christlichen Wörterbuches hier herumliegen, und nachdem ich kürzlich via Der Postillon das energetisch schwingende Wörterbuch entdeckt habe, erwachte in mir wieder der Ehrgeiz, das Konzept zur Veröffentlichungsreife zu peitschen. Ob mir das gelungen ist, müsst ihr mir sagen. Ich bin auf jeden Fall offen für Ergänzungen und Kritik, und ich weiß natürlich, dass ganz ganz viele wichtige Stichwörter noch fehlen.

Vielleicht sollte man mal versuchen, ein Wiki draus zu machen. Oder gibt es womöglich schon eins? Egal. Erst mal zur Sache:

Allwissenheit: Eine mal mehr, mal weniger vage Vorstellung davon, was möglicherweise passieren könnte.

Arroganz: Zweifel an der Idee, dass die Milliarden von Galaxien unseres Universums mit dem hauptsächlichen Ziel geschaffen wurden, uns einen abwechslungsreicheren Nachthimmel zu verschaffen.

Atheist: Jemand, der einerseits vorgibt, genau zu wissen, dass nicht nur der christliche Gott nicht existiert, sondern dass es überhaupt nichts gibt, das die heutige Wissenschaft nicht vollständig bis ins letzte Detail erklären kann und dass man nicht sehen und anfassen kann, der sich selbst für allwissend und allmächtig hält, aber gleichzeitig tief in seinem Innern genau weiß, dass der christliche Gott doch existiert, ihn aber hasst, weil er ihn vom Sündigen abhalten will, das der ->Atheist über alles liebt, weil sein erbärmliches Leben ja ansonsten keinen ->Sinn hat. Die Haltung von ->Atheisten ist zutiefst ->arrogant und ->intolerant.

Bibel: Das Heilige, Unfehlbare und Für Alles Maßgebliche Wort des Einen Allwissenden Allmächtigen Schöpfers des Universums, das man natürlich unter keinen Umständen wörtlich nehmen darf und dessen einzige relevante Aussage im Prinzip lautet: „Liebe deinen Nächsten“. Alles andere ist metaphorisch gemeint oder zumindest im ->Kontext auszulegen.

Christ (im Zusammenhang mit konkreten theologischen Fragen): Der Sprecher selbst, unter Umständen noch seine nächsten Angehörigen.

Christ (im Zusammenhang mit Statistiken, „christlichen Werten“ und dem „christlichen Abendland“): So ziemlich jeder, der noch keine Kirche angezündet hat.

Ewige Verdammnis, See aus Feuer, endlose Verzweiflung und Leid, mit eisernem Stabe geweidet werden etc.: Metaphern für einen selbst gewählten Zustand moderater Unzufrieden oder zumindest nicht ganz perfekten Glücks.

Gläubig (Wie in: wissenschaftsgläubig): Jemand, der die Aussagen einer Autorität unreflektiert akzeptiert. Kindisch und erbärmlich.

Gläubig (Wie in: gottgläubig): Jemand, der die Aussagen einer Autorität unreflektiert akzeptiert. Zeichen eines moralisch und intellektuell hervorragend entwickelten Verstandes.

Gott, Codename „der Eifersüchtige“ (Exodus 34:14):  Kein objekthaftes übernatürliches Wesen außerhalb von Raum und Zeit, kein im Himmel (lokal verstanden) thronender Übervater, der die Welt „gemacht“ hat, sondern ein allgegenwärtiges Sein, das sich zugleich in Differenz (nicht Distanz) und in Einheit (nicht Gleichheit) zum Sein der Welt verhält und total sauer wird, wenn man vor einer Statue kniet, die ihm nicht ähnlich sieht. Gott ist ->Liebe.

Intoleranz: Leuten widersprechen, die zum Beispiel Homosexualität als „->widernatürlich und schöpfungswidrig“ und Homosexuelle als „Sünder“ bezeichnen.

Kontext: Bei der Auslegung der ->Bibel unverzichtbar, um nicht die eigenen Kinder steinigen zu müssen, Kleider aus verschiedenen Stoffen tragen und sich die Haare schneiden zu dürfen. ->Atheisten sind vollständig unfähig, Verse der ->Bibel im richtigen ->Kontext auszulegen.

Liebe: „Die Liebe ist langmütig und freundlich, die Liebe eifert nicht, die Liebe treibt nicht Mutwillen, sie blähet sich nicht, sie stellet sich nicht ungebärdig, sie suchet nicht das Ihre, sie läßt sich nicht erbittern, sie rechnet das Böse nicht zu, sie freut sich nicht der Ungerechtigkeit, sie freut sich aber der Wahrheit;  sie verträgt alles, sie glaubet alles, sie hoffet alles, sie duldet alles.“ (1. Korinter 13:4ff.)
S. ->Gott, der ist nämlich ->Liebe, wenn man davon absieht, dass er weder besonders langmütig noch freundlich ist, sich selbst „der Eifersüchtige“ nennt, regelmäßig Mutwillen treibt, sich aufbläht, sich ungebärdig stellt, das Seine sucht, sich leicht verbittern lässt und Böses zurechnet, sich gelegentlich der Ungerechtigkeit und der Unwahrheit freut, weder alles glaubt noch hofft, noch alles verträgt, und erst recht nicht alles duldet. Der Rest stimmt aber.

Menschenopfer: Grausamer heidnischer Brauch, den der christliche ->Gott niemals akzeptieren würde. Bis auf dieses eine Mal, aber das zählt nicht. Und das andere Mal, aber das zählt nun wirklich nicht. Und das dritte Mal, aber das war ja nun echt was ganz anderes.

Moral: Die willkürlichen Anweisungen eines ->Gottes. ->Atheisten können demnach logischerweise keine haben.

Natürlich: ->Gottes Willen entsprechend. Wir müssen unsere sündige Natur überwinden, um uns natürlich zu verhalten. S. ->widernatürlich.

Religiös: s. ->gläubig.

Sinn (des Lebens etc.):  Das von einem allmächtigen Wesen (->Gott) fremdbestimmte Ziel unserer Existenz. Unbedingte Voraussetzung für ein freies, selbstbestimmtes Leben.

Sterben, an dem Tage, an dem du von ihm issest: Mehrere hundert Jahre lang leben.

Sterben, ansonsten: Sterben.

Tieropfer: Grausamer heidnischer Brauch, der dem christlichen ->Gott früher großes Vergnügen bereitet hat, aber er hat aufgehört. Mit Pflastern wahrscheinlich.

Toleranz: Andere Leute als „->widernatürlich und schöpfungswidrig“ und „Sünder“ bezeichnen, ohne sie damit als Person anzugreifen, zu beleidigen oder zu verurteilen.

Widernatürlich: Der menschlichen Natur entsprechend, s. ->natürlich.

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8 Responses to You keep using that word. I do not think it means what you think it means.

  1. anyrei sagt:

    Wahrscheinlich kommen jetzt noch viele Ergänzungen zu diesen tollen Definitionen!! (Ich bin fast vom Stuhl gefallen vor Lachen. Mein Liebling ist definitiv die Arroganz ^^) Ich hätte noch was zum Kirchenaustritt beizusteuern:

    Kirchenaustritt: Bedeutet natürlich nicht, den Glauben an Gott abzulegen oder die KIrche nicht mehr besuchen zu wollen, sondern liegt nur daran, dass manche Menschen Steuern sparen wollen……

    Naja du kannst sowas bestimmt besser formulieren ^^

  2. Tim sagt:

    Fabelhaft! Ich verhalte mich übrigens manchmal in Differenz, manchmal aber auch in Einheit zum Sein der Welt, bin ich evtl. ein Halbgott?

  3. Thomas sagt:

    Ich finde ja „natürlich“/“widernatürlich“ am besten! Aber treffen tun sie alle, die Stichworte! 🙂

  4. Muriel sagt:

    @anyrei: Guter Hinweis, ja, da mach ich mir mal Gedanken zu. Danke!
    @Tim: Muriel il Muriel, we Tim rasul Muriel.
    @Thomas: Freut mich, dass es dir gefällt.
    Kleine Hintergrundgeschichte: Das Paar „natürlich“ und „widernatürlich“ war tatsächlich auch der erste Anstoß für dieses Wörterbuch. Bei Jesus.de hatte mir nämlich ein Christ das sinngemäß genauso erklärt, wie es jetzt auch hier steht (obwohl er natürlich meine leicht umformulierte Variante, die den Widerspruch ein bisschen besser zur Geltung brachte, entrüstet von sich wies), und da dachte ich mir gleich, irgendwie kann man da doch was draus machen.

  5. nicklasvegas sagt:

    Sehr schön! Mir fehlen in der Liste allerdings Begriffe wie Sex, Kondome, Empfängnis, … da wird’s doch erst richtig amüsant.

    Den Abschnitt zur Bibel würde ich anders interpretieren: Selbstverständlich muss die Bibel absolut wörtlich ausgelegt werden, aber nur solange es der eigenen Argumentation dienlich ist. Sollte dies nicht der Fall sein, ist die wörtliche Auslegung natürlich sowieso gar nicht möglich (siehe Kontext).

  6. Thomas sagt:

    @Muriel:
    Das mit dem natürlich/widernatürlich findet man nicht nur bei den Christen, sondern bei Verblendeten aller Art. Es gibt diese Rohkostler, die überzeugt sind, daß der Mensch sich „natürlich“ nur von rohen Pflanzen ernährt. Alles andere ist „widernatürlich“, ganz egal, ob der Mensch sich demnach seit abertausenden von Jahren „widernatürlich“ verhält. Offenbar ist für manche wirklich gerade das „natürlich“, was der Natur nach nicht vorkommt…!

  7. Da ich Wörterbücher über alles liebe, habe ich dies hier dankbar in meine Hitliste eingefügt.

    Als Gegengeschenk lasse ich hier mal etwas liegen:
    http://shurl.eu/sQO

  8. […] seiner Meinung nach Sex haben sollten und dass er keine Juden in seinen Himmel lässt. Ich hatte es in meinem Wörterbuch ja auch schon angedeutet: Sie werfen mit Worten wie „allmächtig“, „allwissend“ oder […]

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