Weil einfach einfach einfach ist.

13. Juni 2011

Gerade hat mir einer meiner Facebook-Freunde die Ethikbank empfohlen. Also, nicht nur mir, sondern allen. Ihr wisst ja, wie das geht. Und weil ich mir gleich dachte, hm, Ethikbank, das klingt ja, als wäre das eine total ethische Bank, das muss ja gut sein, habe ich mir die Sache mal näher angesehen.

Auch der Slogan ist einfach Klasse: „Faire Bank statt Bank affaire“. Wahnsinn, oder? Ist euch aufgefallen, was sie da gemacht haben? Faire, affaire? Verstehen Sie?

Auf der Homepage fällt zunächst ins Auge, dass es der Ethikbank offenbar um faires Geld geht. Das finde ich sehr erfreulich, denn das unfaire Geld meiner örtlichen Sparkasse hat sich in den letzten Monaten immer wieder als ein Hindernis bei der Abwicklung meines Alltags erwiesen. Die Ethikbank lohnte also offensichtlich eine nähere Untersuchung.

Im nächsten Schritt bemerkte ich etwas weiter unten links ein Banner zur „Steuer gegen Armut“ , und da begann meine Begeisterung schon spürbar nachzulassen. In mir regte sich der Verdacht, dass die Ethikbank in Bezug auf richtig und falsch etwa ähnlich steindumme, unreflektierte, moralinsaure Maßstäbe anwenden wie sie mich auch bei den Grünen so abstoßen. Kann doch gar nicht nicht sein, dachte ich mir, schließlich heißen die doch Ethikbank!

Also war ich mal einen Blick in die Langversion der Anlagekriterien – „für Gründliche“ stand da drüber, und das passte ja gut, hier wird schließlich ernsthafter, glasharter Journalismus betrieben bei überschaubare Relevanz. Nur. Immer. -, und irgendwie verfestigte sich dabei mein Eindruck, dass die Ethikbank ihre Vorstellungen von Ethik direkt aus dem Hinterteil von Claudia Roth bezieht.

Sicher, es ist nicht alles schlecht – wer kann das schon? -, aber im Großen und Ganzen herrscht da ein Grad von Borniertheit, der zwar für das Geschäft in Anbetracht der Zielgruppe vorteilhaft sein mag, den ich aber aus meiner Sicht nur als manifest unethisch bezeichnen kann.

Dies sind die Ausschlusskriterien der Ethikbank bei der Kreditvergabe an Unternehmen:

1. Herstellung oder Vertrieb von Militärwaffen
2. Besitz oder Betrieb von Atomkraftwerken
3. Gentechnische Veränderung von Pflanzen oder Saatgut
4. Herstellung oder Vertrieb von ozonzerstörenden Chemikalien
5. Beschäftigung von Kindern
6. Tierversuche bei Kosmetika
7. Eklatante Bestechungs- und Korruptionsfälle
8. Eklatante Verstöße im Umgang mit Menschenrechten

Was hier meiner Meinung nach nicht stimmt, ist die Einfachheit. Die Ethikbank versucht uns eine ganz einfache Lösung zu verkaufen. Sie versucht uns, einzureden, dass ethisches Verhalten eine ganz einfache Sache ist. Man muss sich nur an ein paar einfache Regeln halten, und schon handelt man einfach ethisch. Man stellt keine Waffen her, man beschäftigt keine Kinder, man besticht niemanden, Klappe zu, Affe frei und für immer geschützt vor Tierversuchen. Man führt eine Steuer ein, die „Steuer gegen Armut“ heißt, und, zack, hat man einfach was Gutes gegen Armut getan.

Ich finde leider gerade die Stelle nicht, aber ich glaube, ich habe hier im Blog schon mal irgendwo geschrieben, was mit solchen einfachen Antworten nicht stimmt: Sie sind meistens falsch. Die Welt ist nicht einfach. Sie ist kompliziert. Und deswegen ist es auch ein komplizierter Prozess, zu entscheiden, was gut ist, und was nicht, was falsch und was richtig.

Lasst mich an konkreten Beispielen erläutern, was ich meine:

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Liebe FDP,

11. Juni 2011

WTF?

Freundlich grüßt dich

der Rest der liberalen Welt


Would sell you more, but they ain’t none of mine

11. Juni 2011

[Belangloses Einleitungsgefasel über singende Schauspieler mit gehässigen Witzen über Scarlett Johansson und William Shatner bitte nach Belieben selbst einfügen]

Jaaaaaa, ihr habt langelanglangelangelange darauf gewartet, und heute ist es endlich soweit (Yeeeeeeha!)! Heute erscheint eine neue Episode aus der bisher einteiligen Reihe „Die ahnungslose Rezension“, und diesmal heißt das glückliche Sujet meiner oberflächlichen Stümperei „Let them talk“, was doch auch schon mal ein echt guter Titel ist. Oder?

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Restebloggen zum Wochenende (69)

4. Juni 2011
  1. Anatol Stefanowitsch berichtet von den Kapriolen des Sprachnörglers Andreas Busch, und mir laufen kalte Schauer über den Rücken, wenn ich daran denke, dass ich mal kurz davor war, selbst so einer zu werden. (Böse Zungen mögen jetzt sagen, eher kurz dahinter.)
    „Guten Tag, Frau Meyer. Ich wollte sie mal eben fragen, ob Sie mit in die Kantine kommen.“ Wenn Frau Meyer pfiffig ist, sprachlich gewandt, und wenn sie zusätzlich eine schnippische Art besitzt, dann sagt sie: „Und WANN wollten Sie mich das fragen? Gestern? Oder vorgestern?“ schreibt Busch.
    Es gibt ja tatsächlich Mitmenschen, die so reden, aber die finden wir nicht „pfiffig“ und „sprachlich gewandt“, sondern wir finden sie nervig und entfrienden sie bei nächster Gelegenheit auf Facebook.“ findet Anatol, und ich auch.
    Wenn Frau Mayer psychologisch unauffällig ist, versteht sie, dass es nicht um den Bericht über das Vorhaben gehen kann, sie zu fragen, ob sie mit in die Kantine kommt, sondern dass die Frage selbst gemeint sein muss.
  2. Michalis Pantelouris informiert zuverlässig und unermüdlich über die Einzelheiten zur griechischen Krise, von denen man sonst kaum erfährt. Ich stimme ihm nicht immer in allem zu, aber sein Post zum Bericht der Rating-Agentur Moody’s ist schon arg lesenswert:
    „Es bleibt dabei: Die in weiten Teilen katastrophal schlechte Berichterstattung vieler deutscher Medien hat einen direkten Einfluss auf die Lage Griechenlands und Europas. Sie hat die Krise natürlich nicht ausgelöst (genauso wenig wie die angeblichen Luxusrentner in Griechenland, von denen in den deutschen Medien zwar gerne geredet wurde, aber immer noch kein einziger präsentiert), aber sie trägt direkt dazu bei, eine inzwischen ganz offensichtlich falsche Politik immer weiter zu treiben.“
  3. Diejenigen unter euch, die auf einen Beitrag von mir zum Kirchentag warten, warten voraussichtlich vergeblich (Das de-Maizière-Ding zählt nicht.), denn Skydaddy hat schon alles gesagt, was ich zu sagen gehabt hätte:
    „Herzlich willkommen bei der christlichen Zeitansage. Heute ist Mittwoch der 1. Juni 111, aber das ist eigentlich nicht so wichtig.“
  4. Sollte hier noch jemand mitlesen, der sich unter Christentum immer nur so eine Gemeinschaft netter Leute vorstellt, die Nächstenliebe, Menschlichkeit und alle guten Dinge verbreiten, lohnt sich vielleicht ein Blick zu diesem Austausch hier:
    „nichts ist schlimmer für den Menschen als der Mensch […]  Das Leben auf der Erde entstand zufällig durch eine Ironie des Schicksals und verschwindet nach gewisser Zeit wieder – absolut sinnlos wäre das Ganze !!!! Vor allem in Anbetracht des ganzen Leides, das es neben dem Schönem auch in nicht zu geringem Maße auf dieser Welt gibt (z. B. Fressen und gefressen werden, Schmerzen, Krankheit, Kriege, Verbrechen, Atomkatastrophen usw.) Da wäre es doch eigentlich besser gewesen, wenn sich niemals Leben auf diesem Planeten entwickelt hätte!“ [Disclaimer: Natürlich ist das nicht die christliche Position, und natürlich gibt es jede Menge sympathischer Christen.]
  5. Der Postillon berichtet über eine Demokratiebewegung im Vatikan, die sich gegen den Diktator auflehnt: „Benedikt XVI., der totalitäre Alleinherrscher des 0,44 Quadratkilometer großen Binnenstaates, klammert sich an die Macht, die er vor sechs Jahren mithilfe einer kleinen oligarchischen Clique (Kardinäle) in einer fingierten Wahl an sich gerissen hat. Beobachter gehen davon aus, dass der 84-jährige Diktator seinen Palast nur in einem Leichenwagen verlassen werde.“
  6. Kann mal bitte jemand zu faz.net rübergehen, zurückkommen und mir verraten, was Herr von Altenbockum eigentlich von uns will? Er scheint (mit Recht) irgendwie unzufrieden damit zu sein, dass sich an Himmelfahrt traditionell Leute betrinken, aber seine Entrüstung hat offenbar ein Niveau erreicht, auf dem er die Fähigkeit zur kohärenten Kommunikation seines Anliegens verloren hat. Vielleicht hat er sich noch nicht ganz von seinem Kater erholt.
  7. NotInMyName2050 befasst sich für uns mit der Frage, ob Atheisten zu aggressiv sind:

De Maizière findet Hekatombe für Taliban sinnvoll

3. Juni 2011

Erneut ist ein Bundeswehrsoldat bei einem Anschlag in Afghanistan getötet worden. Verteidigungsminister Thomas de Maizière zeigt sich erschüttert – und bezeichnet ein Opfer von hundert Rindern an den Gott Zeus für die radikalislamischen Taliban als „nötig und sinnvoll“.

Quelle: Campus-Zeitung caz, Dresden, Urheber: Tobias Krecht

„In unseren Gedanken und mit unseren Tieropfergaben an die Olympischen Götter sind wir bei dem Gefallenen, seiner Familie und seinen Angehörigen“, sagte de Maizière am Donnerstag bei einer Pressekonferenz auf dem Olympischen Tempeltag in Dresden. Er halte aber auch massenhafte Tieropfer für die radikalislamischen Taliban für sinnvoll: „Das Opfern hunderter Stiere, Ziegen, Lämmer und Esel an Zeus, Ares und Pallas Athene für Täter und Opfer – für Opfer gleich welcher Nation – ist gut und richtig. Insoweit ist auch eine Hekatombe im Namen des blitzeschleudernden Götterfürsten und seiner Nachkommen für die Taliban nötig und sinnvoll.“ Allerdings ersetze das Blutopfer nicht die praktische Politik. „Es kann die Basis dafür sein, es kann eine große Hilfe sein, aber es kann nicht alles sein“, so de Maizière.

Der Verteidigungsminister, der dem Tempeltagspräsidium angehört, reagierte damit auf Äußerungen der populären Theologin Margot Käßmann. Die frühere Ratsvorsitzende der Olympischen Tempelgemeinschaft in Deutschland hatte am Vormittag vor mehreren tausend Menschen eine gemeinsame Opfergabe mit den Taliban als eine „wesentlich bessere Idee als die Bombardierung von Tanklastwagen“ bezeichnet.


Hallowed Be Thy Name

2. Juni 2011

(Dieser Artikel ist aus rational nicht zugänglichen Gründen in englischer Sprache verfasst. Ich bitte die Leser, die das stört, um Entschuldigung, aber nur ein bisschen. So wie Prominente das manchmal machen, wenn sie so tun, als würden sie sich entschuldigen, aber in Wirklichkeit nicht einmal bereit sind, den Eindruck zu erwecken, als würden sie eingestehen, einen Fehler begangen zu haben, und sowas sagen wie „Es tut mir Leid, dass einige von Ihnen sich von meinen Äußerungen angegriffen gefühlt haben.“)

I love Jeff Strand. I want to be like him. If he wasn’t so far away, I would probably loiter around his home each night and try to catch a glimpse of him, all the time trying to talk myself into the delusion that we are, indeed, quite close friends. I want his children. I mean, I want children with him, together, as a familiy. Not that I want to take the one he already has. Now, that would be creepy. Unfortunately, I’m male. I’m also heterosexual, so there goes that.

But should you read this, Jeff, and should you happen to be gay (which I have no reason to suspect, but what do I know?), please do not consider this my last word on the subject.

Now you know how much I love him, maybe it’s time to let you in on the reason: Jeff Strand is a writer. Scratch that. He is the writer. Which is also why I kind of hate him. Jeff Strand is exactly the writer I want to be. The only reason I am able to love him in spite of that ist that, at least, I’m slightly better-looking than him. That’s gotta be worth something, I guess.

He is funny, he is original, he paints convincing, interesting characters, he shows us their strengths and their weaknesses and gives us reasons to like them, whether they are good or bad, and then he kills them. His dialogues are quirky, amusing, and they are never just transparent plot devices to hand the reader some piece of information. His stories are fast-paced, violent, cruel, funny, touching, macabre, did I mention funny?, and absolutely insane.

Just reading the short descriptions provided on the cover should be enough to know that you want to buy all of his stories. For instance:

Wolf Hunt. Two thugs for hire. One beautiful woman. And one vicious frickin‘ werewolf.

The sinister Mr. Corpse. The feel-good zombie novel of the year.

Benjamin’s Parasite. A rather disgusting action/horror/comedy about why getting infested with a ghastly parasite is unpleasant.

Pressure. What if your best friend was a killer… And he wanted you to be just like him?

Oh, and he also has a blog.

If you’re still doubting, first: What the hell is wrong with you? Second:

„Do you have a cover story?“

„Excuse me?“

„For your family. You’re not going to tell them that a couple of hired thugs came over and broke your thumbs for stealing from a drug lord, are you?“

„I guess not.“

„Are you clumsy?“

„I… I can be.“

„So, theoretically, you could have tripped, put out your hands to break your fall, hit the floor, and snapped your thumbs, correct?“

„I’m not sure.“

George sighed. „Work with me, Doug. This is for your benefit. I’m trying to protect your marriage. You want your grandkids to know that you’re a scumbag sleazeball criminal? You’re way too old to start life from scratch, so you need to commit to the story, make it believable. Let’s practice.“

„I fell… and, uh, hit the floor…“

„That’s total crap. You need conviction, and you also need a sheepish demeanor. Look me in the eye and start off with something like ‚You’ll never believe this‘, and then hold up your thumbs. That’ll make it look like you aren’t trying to hide anything. It’s kind of a ridiculous story, so your performance needs to be spot-on.“

Douglas cleared his throat. „You’ll never believe this… but I was walking through the living room…“

„Hold up your thumbs.“

Douglas held up his thumbs. „I was walking through the living room, and I tripped on a dog bone–“

„Chew toy sounds better.“

„A chew toy. I fell and tried to break my fall, and I hurt my thumbs.“

„Nobody’s going to punish the dog for making you trip, right?“

„No.“

„Good.“

See what I mean? Now go and buy his books. All of them. Off you go!