Let’s recycle another rabbit!

Der einen und anderen von euch ist es ja aufgefallen: Ich war ein paar Tage weg. Und Keoni auch. Das habt ihr wahrscheinlich nicht gemerkt, weil sie sowieso eher schweigsam ist, aber das tut ja eigentlich auch nichts zur Sache. Wir waren jedenfalls in London, und es war sehr schön. Und zwar so:

Es begann damit, dass Keoni gerne ein Arcade-Fire-Konzert im Hyde Park besuchen wollte. Ich hatte von Arcade Fire noch nie gehört, aber Mumford&Sons und Beirut kannte ich schon, und ich mag sie sehr gerne, deswegen war ich mit Vergnügen dabei. Nicht, dass ich Keoni hätte alleine gehen lassen, wenn es ein Revolverheld-Konzert gewesen wäre, aber… Naja. Doch. Um ganz ehrlich zu sein, ich hätte sie dann alleine gehen lassen. Oder vielleicht hätte ich sie auch gar nicht gehen lassen und mich stattdessen darum bemüht, dass sie die Hilfe bekommt, die sie offenkundig braucht. Aber lassen wir das. Es war sehr schön. Und um es noch einmal unmissverständlich explizit zu sagen, weil ich gehört habe, dass man hier in diesem Internet manchmal missverstanden wird: Keoni mag Revolverheld nicht. Das war nur ein hypothetisches Beispiel. Niemand hier will, dass Revolverheld länger überlebt, als nötig ist, um sie möglichst qualvoll zu töten.

Wo war ich? Ach ja, das Konzert. Hat mir großen Spaß gemacht. Ich bin normalerweise nicht so der Konzerttyp, weil Musik für mich eher eine Sache ist, die nebenbei läuft, während man was anderes macht, aber dieses war echt gut. Auch organisatorisch: Wir mussten nur eine knappe halbe Stunde vor dem Eingang warten, wir wurden nicht nennenswert durchsucht, wir durften alles behalten, sogar die Kamera, es war drinnen nicht zu voll und wir fanden einen guten Platz zum Zusehen, das Essen war gut und die Auswahl reichlich, und alle Bands haben mir gefallen, bis auf Arcade Fire. Zu deren Musik finde ich irgendwie keinen Zugang, die langweilt mich. Weiß nicht genau, warum. Vielleicht weil sie nicht melodisch genug für mich ist. Ich fürchte, ich brauche was, wo ich zumindest prinzipiell mitsummen könnte, wenn nicht sogar singen. Solltet ihr euch dazu eure eigene Meinung bilden wollen, könnt ihr das zum Beispiel in Keonis Arcade-Fire-Playlist. Aber Beirut zum Beispiel ist echt eine Show. Die machen so eine Art Polka-Folk-Rock, der mich (vielleicht wegen des Videos zu Elephant Gun) immer an Leute in diesen schicken altertümlichen Klamotten denken lässt, von denen ich mir eines Tages unbedingt auch mal ein bis zehn Sets besorgen muss.

Mumford&Sons waren ebenfalls umwerfend. Deren Musik ist ein bisschen mehr Mainstream, aber so bin ich eben manchmal.

Der Rest von London war auch wunderbar.

Das hier ist St. James‘ Palace, und dahinter das London Eye, mit dem wir das nächste Mal sicher auch fahren werden, obwohl ich den Namen echt seltsam finde für ein Riesenrad, Aussicht hin oder her. Wie man sieht (War das eine Überleitung, oder was?), hatten wir auch mit dem Wetter Glück: Es war nicht zu heiß (außer in der U-Bahn manchmal), es war nicht zu kalt, es hat nicht genieselt und nur ein einziges Mal ganz kurz geregnet, damit es sich auch gelohnt hat, den Regenschirm mitzunehmen.

Und das englische Essen ist auch erheblich besser als sein Ruf. Erstens mag ich deren Pies und Sandwiches und Chips, und so, und zweitens gibt es da das beste indische Essen außerhalb Indiens. Indisches Essen sieht leider meistens nicht so repräsentativ aus, weil es immer so Brocken in farbiger Soße sind, aber es schmeckt fantastisch, deswegen gibt es hier auch keine Bilder, sondern nur die Behauptung. Probieren müsst ihr selbst. Am besten im Rasa Samudra in der Charlotte Street.

Wir haben natürlich Westminster Abbey gesehen, und das Parlament, aber ich will euch nicht mit allen Standardattraktionen der Stadt langweilen, und wahrscheinlich hat auch wirklich jeder schon genug Bilder von diesem einen Glockenturm da an der Themse gesehen, deswegen erzähle ich lieber von was anderem, was vielleicht noch nicht jeder kennt: Es war ein Festival am Ufer der Themse. Ich weiß nicht genau, was für eins, und wie es hieß, und worum es ging, aber es war ganz lustig. Da standen zum Beispiel so kleine Hütten mit künstlerisch gestaltetem Innenraum.

Nicht alle waren schön, aber alle waren einigermaßen einfallsreich.

Leute saßen auf Wiesen und picknickten, flanierten an der Themse entlang und genossen die herrliche Aussicht auf das andere Ufer und auf die Kinder, die an einem künstlichen Sandstrand spielten, und überhaupt war die Stimmung rundum sehr angenehm fröhlich und entspannt.

Es gab so Straßenkünstler, die zwar auch nichts völlig Außergewöhnliches boten, denen ich aber doch sehr gerne zugesehen habe.

Manche waren artistisch, andere einfach nur bekloppt, aber alle irgendwie unterhaltsam.

Wir sind uns übrigens nicht ganz sicher, was von diesen Dingen wirklich eine temporäre Festivalsache ist, und was es dort immer zu sehen gibt. Zumindest die Straßenkünstler könnten durchaus auch eine permanente Einrichtung sein. Definitiv temporär war das Udderbelly-Festival, das in einem Zelt in Form einer auf dem Rücken liegenden Kuh stattfand, von dem ich aber nichts erzählen kann, außer dass es einen sehr sympathischen Eindruck machte.

Natürlich gehörte für uns auch das Naturkundemuseum zum Pflichtprogramm. Nicht nur, weil die Ausstellungen dort echt gut gemacht und lehrreich sind, sondern hauptsächlich, weil es sich um den Tempel des Gottes handelt, den ich insgeheim anbete, während ich so tue, als hätte ich keinen. Ihr wisst schon, diesen vollkommenen Menschen, der für viel zu kurze Zeit auf Erden wandelte, und dessen unfehlbare Worte mich in meinem Denken und Handeln leiten und mir Vorbild und Mahnung zugleich sind.

Abgesehen davon ist aber auch schon das Gebäude selbst sehenswert,

die Ausstellungen wie gesagt sehr anschaulich und interessant,

und teilweise sogar unerwartet lustig. So beherbergt das Naturkundemuseum zum Beispiel die mit weitem Abstand großartigste Erläuterung des Lebenszyklus‘, die ich je gehört habe:

Eine Standardsehenswürdigkeit muss aber doch sein.

Richtig. Der Tower. Der beherbergt nämlich nicht nur die Kronjuwelen, eine eindrucksvolle Sammlung von Waffen und Rüstungen, viele prunkvolle Gebäude, Beefeaters und eine sehr gelungene normannische Kapelle,

sondern auch diese Leute hier:

Die sind da, um davon zu erzählen, dass im Tower früher auch wilde Tiere gehalten wurden, und sie machen das richtig gut. Ich höre Leuten mit so britischem Akzent sowieso gerne zu, und wenn sie außerdem noch so lustig und ein bisschen überspannt sind wie diese hier, dann könnte ich den ganzen Tag:

Dem habe ich nichts mehr hinzuzufügen. Das war der Reisebericht aus London, und falls ihr aufgrund meiner oft etwas sonderbaren Art, meine Begeisterung auszudrücken, noch Zweifel habt: Es hat uns fantastisch gefallen, die Stadt ist voller kleiner und großer Schönheiten und Entdeckungen, wir empfehlen jedem einen Besuch, und vergesst nicht:

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10 Responses to Let’s recycle another rabbit!

  1. Guinan sagt:

    „Er starb für unsere Sünden!“ *augenroll*
    Was hat es mit dem Boot in der Hausecke auf sich?

  2. Muriel sagt:

    @Guinan: Er hatte sogar den Anstand, danach tot zu bleiben.
    Äh, ja, das Boot. Also, eigentlich… Äh… Das ist das Boot, mit dem Guy Fawkes das Parlament sprengen wollte, aber jemand hat schnell ein Haus gebaut, damit er damit nicht durchkommt, und seitdem ist das Boot da in dieser Ecke gefangen und dieses Gebäude wird deshalb heute noch jeden Tag von hunderttausenden Touristen besucht und als das Haus bewundert, das England gerettet hat.
    Glaube ich.

  3. Guinan sagt:

    Welchen Eindruck machte derjenige, der dir diese Geschichte erzählt hat, so ganz allgemein auf dich? Irgendwelche Auffälligkeiten?

  4. Muriel sagt:

    @Guinan: Ich habe keine Ahnung, was du meinst… Vielleicht roch er ein bisschen komisch, aber das ist doch wohl nichts Ungewöhnliches, wenn man sein Essen aus Mülltonnen angelt und täglich große Mengen billiger Spirituosen zu sich nimmt, oder?

  5. Guinan sagt:

    Ah ja, schlüssige Erklärung. Ich dachte schon, du hättest den Rückweg über Holland gewählt.

  6. malefue sagt:

    darwinist!!!!!!!1111elf

    schöner reisebericht, london ist mir persönlich aber zu spießig. selbst berlin ist cooler.

  7. Muriel sagt:

    @malefue: Ähm… Selber doof!

  8. Andi sagt:

    Kaum schaut man mal ein paar Tage hier nicht rein, steht schon wieder ein Reisebericht online. Und du hattest nichtmal erzählt, dass ihr nach London fahrt. Ja, wie find ich denn das?

    Auf jeden Fall sind deine Fotos und deine Kommentare dazu immer wieder gut. Insofern verzeih ich dir einfach mal. 🙂

  9. Muriel sagt:

    @Andi: Danke. Du bist ein wahrer Freund.
    Hatte ich das wirklich nie erwähnt? Ich dachte.
    Aber wir waren ja auch sowieso nur ganz kurz da.

  10. Andi sagt:

    Nein, hattest du nie. Wahrscheinlich wart ihr sogar zur Hochzeit von Willi und Käthe da und du hast es nie erzählt. Naja. Ich werde es tapfer tragen. 🙂

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