We need to go derper!

EU-Kommissar Michel Barnier möchte gerne Bewertungen für Staaten verbieten, denen durch internationale Kreditprogramme geholfen wird.

Das ist zwar erst mal eine tolle Idee, aber ich finde, dass Herr Barnier das Potenzial seines revolutionären Vorschlags auf das Traurigste verkennt. Warum nicht groß denken? Warum nicht gleich die gesamte Weltwirtschaft auf eine völlig neue Stufe heben?

Denkt doch mal mit mir nach. Stellt euch vor, man würde nicht einfach jede Bewertung nur für ein paar Staaten verbieten, sondern nur schlechte Bewertungen, und zwar für jeden! Stellt euch mit mir vor, jeder Mensch, jede juristische Person, jede Gesellschaft, jede Körperschaft, jeder Staat, hätte einen Rechtsanspruch auf ein Triple-A-Rating!

Versteht ihr, worauf ich hinaus will? Versteht ihr, was es bedeutete, wenn jeder von uns bei jedem Kreditantrag eine erstklassige Bonität vorweisen könnte? Genau! Die niedrigsten Zinsen für alle!

Ich habe jetzt noch nicht genau ausgerechnet, wie viel man dadurch gesamtgesellschaftlich sparen würde, aber der Effekt dürfte kolossal sein. Und der größte Clou: Diese Maßnahme würde am meisten den Leuten helfen, die innovative, riskante, avantgardistische Ideen haben und deshalb bisher kaum Kredite bekommen konnten. Damit stünde dem Weg in eine Zukunft voller bisher unvorstellbarer Technologien und bahnbrechender Geschäftsmodelle nichts mehr im Weg.

Schließt euch meiner Forderung an und zeichnet noch heute meine Petition „AAA ist ein Menschenrecht“! Eine bessere Welt ist möglich.

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8 Responses to We need to go derper!

  1. Tim sagt:

    Meine Unterschrift hast Du! Zugleich möchte ich die Forderung aufstellen, daß jeder EU-Kommissar mit dem Ausscheiden aus dem Amt den Status eines Gottes erhält und das Recht bekommt, einen Tempel in seinem Geburtsort zu errichten.

  2. Ludowika sagt:

    Erinnert mich an die jüngst aufgestellte Forderung aus den Reihen von schwarz/gelb – `Doktorhut für alle´ … . Ich würd´s jedenfalls allen Zukurzgekommenen von Herzen gönnen.

  3. Guinan sagt:

    Also, ich find‘ die Idee ja gut. Wo kann ich unterschreiben?
    Gleich morgen besorge ich mir dann ein paar Milliönchen von der Bank. Ich bin dann mal weg – auf Weltreise. Meine Geschäftsidee dazu ist mit Sicherheit ausreichend innovativ (bzw. wird mir bis morgen schon eingefallen)

  4. bornabas sagt:

    Ich halte ein Verbot von Bewertungen für Staaten oder sonstwen auch für ziemlichen Schwachsinn. Trotzdem habe ich mit den 3 großen Ratingagenturen Probleme:

    „Standard & Poor’s und Moody’s gehören den größten Vermögendsverwaltern und Anleihespekulanten wie Morgan Stanley, Blackrock, Fidelity Investments, auch der Allianz Versicherung, und Blackrock ist zugleich größter Aktionär der Deutschen Bank; Fitch gehört im wesentlichen dem US-freundlichen Großkapital Frankreichs.“
    http://www.nachdenkseiten.de/?p=10067

    Ich denke schon, dass die Agenturen mit ihren Ratings eigene Interessen vertreten könnten (self fulfilling prophecy). Ich möchte den 3 großen Ratingagenturen da gar keine Vorwürfe machen. Deren Job ist es nunmal Geld zu verdienen und die Interessen ihrer Besitzer zu verfolgen. Was ich nicht verstehe ist, wieso es keine unabhängige zwischenstaatliche Ratingagentur gibt, deren Bewertungen von der Staatengemeinschaft akzeptiert werden und für Ratings ab einer gewissen Dimension zuständig ist.

  5. Muriel sagt:

    @bornabas: Das ist wohl eine berechtigte Kritik. Ich kenne die EIgentumsverhältnisse nicht, aber der Einfachheit halber glaube ich deinem Zitat einfach mal, und dann würde ich auch sagen, dass ich als Marktteilnehmer einer unabhängigen Agentur eher vertrauen würde.
    Glücklicherweise hat ja jeder die Möglichkeit, seine eigene Ratingagentur zu gründen und sich das Vertrauen der Anleger zu erarbeiten.

  6. robinhosa sagt:

    Mein erster Gedanke, als ich davon gehört hab, war, dass man eine solche Regelung eigentlich nicht nur auf Ratingagenturen beschränken sollte – am Besten, man verbietet finanzpolitische Kritik (und, um deinen Gedanken weiterzuführen, Kritik am Finanzgebahren jeglicher Personen, Firmen etc.) per se. Schließlich besteht die Gefahr, dass sich die Marktteilnehmer solcher Äußerungen als Indikatoren bedienen, wenn es „klassische“ negative Ratings nicht mehr gibt.

  7. Muriel sagt:

    @robinhosa: Dann sehe ich aber noch die Gefahr, dass die Kritik dann auf Umwegen anders geäußert wird, zum Beispiel, indem auf Fehler in anderen Bereichen hingewiesen wird.
    Ich denke, das lässt sich nur vermeiden, indem jegliche kritische Äußerung an Personen und Institutionen untersagt wird. Da es eine große Aufgabe ist, eine solche Vorschrift durchzusetzen, wäre wohl eine eigene Behörde mit sehr weit gehenden Befugnissen dafür einzurichten. Als vorläufigen Namen schlage ich das Wahrheitsministerium vor. Beschreibt ja einigermaßen die Aufgabe.

  8. […] von unerwünschter Spekulation, öffentliche Beschimpfung derer, die Zweifel am System äußern, Verbot von schlechten Ratings. Ich warte auf erste Vorschläge zur Ausweitung des Tatbestands des Hochverrats auf Leute, die sich […]

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