Flirting with Darkness

Kennt ihr das auch, dass ihr eine grundsätzlich gute Idee habt, sie aber nicht umsetzen könnt? So ungefähr ging es mir auf dem Flug nach Singapur. Ich hatte da eine Idee für ein Gedicht, und holte meinen Laptop raus und tippte auch ein paar Strophen, aber irgendwie wurde aus den Teilen kein Ganzes, und irgendwann hatte ich genug von der Sache und packte den Laptop wieder ein. Seitdem habe ich immer mal wieder versucht, was draus zu machen, gab aber immer zügig wieder auf, weil der entscheidende Einfall noch fehlte. Gestern fand er mich nun endlich, und ich habe „Flirting with Darkness“ zu Ende geschrieben.

Ich hoffe, mein kleines Gedicht gefällt euch so gut wie mir, aber falls nicht, lasst mich ruhig wissen, was euch stört, oder schlagt Verbesserungen vor. Ich freue mich wie immer über fast jeden Kommentar. Zum Beispiel bin ich von dem Titel noch nicht so ganz überzeugt. Was meint ihr?

On his dark throne in his dark gown,
Ruling over land and seas,
Sits the Dark Lord with his dark crown,
Issuing his dark decrees.

I work in taverns, waiting tables,
Carrying meat and pouring wine,
I live and sleep and eat in stables,
With the beggars and the swine.

He is the darkness, breathing magic, and I didn’t understand
When he bowed and knelt before me, knelt to ask me for my hand.
They call him Dark Lord, call him godlike, call him eternal, call him king.
What do they call me since he offered me that enormous diamond ring?

With iron fist he rules the land,
He forces whom he cannot sway,
So when he asked me for my hand,
I hardly knew what I should say.

I don’t know why and don’t know how,
But he fell in love with me.
And he has given me his vow
That, in my choice in this, I’m free.

They call him devil, call him warlock, say he walks between the worlds,
So why in the name of heaven would he choose me from all the girls
Who willingly would be his slaves just to share his throne and might,
And for a taste of his dark power would fulfil his dreams each night?

„Sweet virgin!“ says he „I am caught!
Your beauty’s rivalling the sun!“
And when I tell him that I’m not,
He says that he could make me one.

When I ask him why he doesn’t
Simply force me to obey,
He answers that my body wasn’t
What he yearned for every day.

He says it was my soul that charmed him, he says it would be sin to break
But every day anew I wonder when he’ll, what I won’t give, just take.
My love, my mind, my soul were his, if he decided to command,
If he so chose, he could corrupt me, as he corrupted all his land.

Sometimes at night upon his towers
I see him watching from above
And every morning I find flowers
With his greetings, and his love.

He is the ruler of this city,
And probably out of his mind,
For even if he thinks I’m pretty,
He must see I am not his kind.

Although I know he is the darkness, temptation cannot be denied.
Maybe, as Dark Queen, I could try to help my Dark Lord get it right.
Sometimes, alone at night, I wonder, what if I took him as my groom?
Maybe I could curb his evil and save his victims from their doom.

How many kinds of fool am I,
Rejecting such a man for pride?
But what kind of fool would try
To become the Dark Lord’s bride?

I spurn his offers, as I should,
Although I might one day regret it,
Because I have to say I would
Like to see certain folks beheaded.

That tax collector in green robes who always tries to pinch my butt,
That stupid guest who drinks too much and then starts puking out his gut,
The innkeep ogling my breasts who cuffs me when I spill his wine,
Those guys really have it coming… Just so I know: Where would I sign?

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13 Responses to Flirting with Darkness

  1. Elmo sagt:

    Wow! Das ist wunderwunderschön. Bis zu diesen Zeilen war ich mir sicher, dass Lyrik eine im vorletzten Jahrhundert ausgestorbene Kunstform sei. Nein, ganz ehrlich, um es mit den Worten eines zeitgenössischen Künstlers zu sagen: Hammermäßig!

    Einzig die letzte Strophe gefällt mir als Abschluss nicht sonderlich. Wenngleich die Wortwahl entzückend bleibt („puking out his gut“, „who cuffs me when I spill his wine“), so verdirbt mir die Vorstellung von Grabschern, Gaffern und Auswurf die romantisch-düstere Stimmung der vorangegangenen Verse. Der Rest ist echt Shakespeare.

    Applaus!

    So, und jetzt muss ich irgendwie diesen ekelhaften Anflug von Romantik wieder loswerden…

  2. Muriel sagt:

    @Elmo: Meine maßlose Freude, nicht nur über dein Lob, sondern auch darüber, überhaupt mal wieder einen Kommentar von dir zu erhalten, vermischt sich mit der Verwirrung, dass du gerade diesen Beitrag kommentierst, und dann auch noch mit einer nicht ganz plausiblen überschäumenden Begeisterung…
    Ich meditiere mal ein bisschen über die Ramifikationen und bedanke mich bis dahin aber jedenfalls herzlich.

  3. Guinan sagt:

    Das Beste daran ist der Titel. Den könntest du auch noch für eine Geschichte verbraten.
    Sorry, ich kann mit Gereimtem nicht so viel anfangen.

  4. Muriel sagt:

    @Guinan: Ich fürchte, Titel werden hier nicht verbraten, schon gar nicht doppelt. Bestenfalls könnte es vorkommen, dass eines Tages eine Geschichte zu diesem Gedicht entsteht. Ich rechne zurzeit aber nicht damit.
    Trotzdem danke für die Anregung!

  5. Elmo sagt:

    @Muriel: Ach, weißt Du, ich habe gerade ein längst verloren geglaubtes Trümmerstück meines kaputten Herzens wieder gefunden und an seine vormalige Stelle geklebt, und seitdem geschehen merkwürdige Dinge.

    Im Ernst, ich halte das Gedicht da oben wirklich für überaus gelungen und fand, dass Dir das mal jemand mitteilen sollte. Hatte traurigerweise bis dahin nämlich noch niemand getan.

  6. Muriel sagt:

    @Kommentator: Danke sehr, das ist echt nett. Wer bist du, und was hast du mit Elmo gemacht?

  7. @Muriel: Danke, dieses Gedicht hat meinen Abend definitiv von durchschnittlich zu außergewöhnlich angehoben.

    Gerade die letzte Strophe gefällt mir besonders gut, da der ‚Wechsel von Shakespeare zu Gossensprache‘ perfekt den Gesinnungswechsel der keuschen Braut untermauert.

    Wegen des Titels:
    Mir gefällt die Implikation des Originals, dass sie nicht nur mit dem bösen Hexer kokettiert, sondern auch mit den finsteren Gedanken in sich selbst liebäugelt. Allerdings finde ich ihn etwas zu lang, um eingängig zu sein, deshalb möchte ich ‚Courting Darkness‘ vorschlagen.
    Das Transportiert nicht nur die selben Implikationen, wie das Original, sonder kann sich als adjektivische Übersetzung auch auf ihn als ‚freiende Dunkelheit‘ beziehen und bietet die Kürze und Knappheit, die ich persönlich bevorzuge.

  8. madove sagt:

    Ich habs sonst auch nicht so mit Gereimtem (weil mich jeder noch so kleine Ausbruch aus dem Versmaß an diese schrecklichen Familienfeiergedichte irgendwelcher Onkel und Cousinen erinnert), kann an diesem hier aber keinen Makel entdecken (worlds-girls geht grade noch durch), und der Text ist schön, und die Sprache und Wordwahl ist schön…

  9. Muriel sagt:

    @Till Taffanek: Willkommen bei überschaubare Relevanz, und danke für deinen Kommentar. Über Lob freue ich mich natürlich besonders, auch wenn für mich sowohl „Shakespeare“ als auch „Gossensprache“ vielleicht *Hust* ein bisschen über das hinausgeht, was ich tatsächlich geschrieben habe.
    Deinen Vorschlag „Courting Darkness“ finde ich sehr gelungen, aber ich bin noch nicht überzeugt, dass er mir besser gefällt als meiner… Einerseits ist die mögliche Deutung als gerund ein Vorteil, andererseits liegt die Deutung als Adjektiv mir ein bisschen zu nahe, weil sie ja nun mal eben gerade nicht der Dunkelheit den Hof macht…
    Vielleicht gibt es eine gute Lösung für meine Unentschlossenheit: Ich habe heute angefangen, über ein zweites ähnliches Gedicht nachzudenken, und wenn das dann in zwei Jahren fertig ist, trägt es womöglich deinen Titel. Schaumermal.
    @madove: Auch dir danke ich für dein Lob. Ich selbst stolpere manchmal bei „Maybe, as Dark Queen, I could try to help my Dark Lord get it right.“, aber wenn man das richtig betont, passt es meiner Meinung nach auch.

  10. Pardette sagt:

    Die leichte Unregelmäßigkeit bei „Maybe, as Dark Queen“ finde ich für meinen Teil gerade gut. Ich bin dafür an anderer Stelle ein paar Mal gestolpert, die Betonung fällt ja nicht immer eindeutig.
    Überhaupt eine interessante Form; haben die regelmäßigen mehrhebigen Strophen eine tiefere Bedeutung?
    Ich habe ja noch nciht viel von dir gelesen, sinniere jetzt aber über die Sprachwahl & deinen Bezug zum Englischen. Hat’s einfach zu Stimmung und Sujet gepasst? (Grammatisch irritieren mich ein paar Sachen, aber das tut ja nichts zur Sache.)
    Sehr schön jedenfalls. Die eventuelle zugehörige Geschichte bzw. ein zweites Gedicht würde mich auch arg interessieren! x

  11. Muriel sagt:

    @Pardette: Danke für deine Meinung und das Lob. Freu dich aber besser nicht zu sehr auf Weiteres zu dem Thema. Es könnte dauern, oder gar nicht mehr kommen.
    Wo dich die Grammatik stört, wüsste ich schon gerne, denn derer bin ich mir einigermaßen sicher. Mit der Betonung hast du aber Recht.

    haben die regelmäßigen mehrhebigen Strophen eine tiefere Bedeutung?

    Nein. Ich verzichte überhaupt gerne, wo immer ich kann, auf tiefere Bedeutungen.

    Ich habe ja noch nciht viel von dir gelesen, sinniere jetzt aber über die Sprachwahl & deinen Bezug zum Englischen. Hat’s einfach zu Stimmung und Sujet gepasst?

    Ja… Und so. Ich fühle mich generell sehr wohl in der englischen Sprache, und manches schreibt sich eben so besser. Meistens bleibe ich beim Deutschen, aber ich bin da nicht fanatisch.

  12. Pardette sagt:

    „Nein. Ich verzichte überhaupt gerne, wo immer ich kann, auf tiefere Bedeutungen“:
    Sehr schöne Einstellung.

    Die Grammatik, wenn du Details willst: In Strophe 3 die Verbindung von Präsens und „since“ – ich hätte entweder das metrisch halt ungünstige Perfekt oder ein „now that“ oder dgl. gewählt. In Strophe 4 die artikellose Eisenfaust. In der letzten Zeile von Strophe 5 geistert, glaub ich, einfach ein zusätzliches Wort rum, und in Strophe 7 füllt die etwas zweifelhafte Verlaufsform von rivalling halt das Metrum auf … jetzt hör ich aber auf.

    Zu deinem letzten Absatz: Genau so geht’s mir auch. Perfektionistisch bin ich in beiden Sprachen, nur kostet’s mich im Englischen manchmal mehr Aufwand (will sagen meist überflüssiges double- und triple-checking), sicher zu gehen, dass auch wirklich jede Formulierung und Assoziation einwandfrei ist – deswegen meine eigene tendenzielle Präferenz für die (eigenltiche) Muttersprache.

  13. Muriel sagt:

    @Pardette: Ich will keine Rechtfertigungsarie anfangen, aber mit dem since fühle ich mich einigermaßen wohl, und mit der artikellosen Eisenfaust sogar vorbehaltlos sehr. Ich finde gerade kein Beispiel, aber ich habe Vergleichbares schon in viel bekannteren und schöneren Gedichten gelesen als meinem und mag den Klang.
    Mit dem zusätzlichen Wort hast du Recht, das habe ich jetzt korrigiert, und über das rivalling kann man zwar streiten, aber problematisch würde ich das jetzt auch nicht nennen…
    Nein, du hast Recht, lassen wir das. Aber danke für die Kritik, ich freu mich über sowas.

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