Die Nazis haben ja auch was geleistet.

Zum Beispiel haben sie ein moralisches Gerüst errichtet, auch für die, die ihrer Lehre nicht folgten.  Sie lieferten einen ethischen Maßstab in Zeiten, da Gier, akklamierter Egoismus und Korruption die öffentliche Sphäre beherrschten. So hätte die NSDAP als die, die sie nun einmal unwiderruflich war – eine strenge, vermutlich auch autoritäre, sich nicht anbiedernde Institution – das Gemeinwesen stärken und sich in einer demokratischen Gesellschaft nicht nur als zulässig, sondern unentbehrlich erweisen können. Hat nur leider nicht geklappt, denn die NSDAP hat nicht den gebührenden Abstand vom Staat gewahrt und damit die anscheinend einzige Voraussetzung übersehen, die man nach Auffassung von Mario Vargas Lllosa als menschenfeindliche, lügnerische und moralisch rundum verachtenswerte Organisation erfüllen muss, um für die Gesellschaft unentbehrlich zu sein.

Hätte die NSDAP in einem Staat gewirkt, der diesen gebührenden Abstand einhält – wer weiß? Vielleicht hätte Herr Vargas Llosa heute den Führer nachträglich willkommen geheißen, ihm seinen Respekt für seine Bildung und Intelligenz bezeugt, und angefügt, dass auch ein Antifaschist wie er, Vargas Llosa, „Mein Kampf“ gelesen habe, ohne zu gähnen.

Und die FAZ fände ihn vielleicht eben deshalb als meinungsfreudigen Essayisten so erfrischend: Weil in ihm keine Seite einen hat, auf den sie bauen kann.

Advertisements

29 Responses to Die Nazis haben ja auch was geleistet.

  1. Ein Nazivergleich? Wirklich? Äußerst kreativ. 😉
    Ich stimme Vargas Llosa zu.

  2. Muriel sagt:

    @American Viewer:

    Äußerst kreativ.

    So bin ich.

    Ich stimme Vargas Llosa zu.

    Cool. Worin?

  3. Niels sagt:

    Zunächst ist der Vergleich ja schon deshalb nicht besonders hilfreich, weil die Idee einer Partei, die sich des Politischen enthält, eine einigermaßen absurde Vorstellung ist.

    Viel entscheidender aber ist, dass „Glaube, Liebe, Hoffnung“ eine qualitativ grundlegend andere Botschaft ist als Rassissmus, Antisemitismus und Nationalismus.

  4. Muriel sagt:

    @Niels: Ich behaupte zwar nicht, dass der Vergleich hilfreich wäre, aber

    weil die Idee einer Partei, die sich des Politischen enthält, eine einigermaßen absurde Vorstellung ist.

    Ist die Idee eines Staates (Vatikan), der gebührenden Abstand vom Staat hält, nicht absurd?

    Viel entscheidender aber ist, dass „Glaube, Liebe, Hoffnung“ eine qualitativ grundlegend andere Botschaft ist als Rassissmus, Antisemitismus und Nationalismus.

    „Glaube, Liebe, Hoffnung“ beschreibt meiner Meinung nach ähnlich unzureichend die Botschaft der römisch-katholischen Kirche wie Rassismus, Antisemitismus und Nationalismus die Botschaft der NSDAP beschreibt.

  5. Niels sagt:

    „Ist die Idee eines Staates (Vatikan), der gebührenden Abstand vom Staat hält, nicht absurd?“

    Die Staatlichkeit des Vatikan ist ein m. E. relativ unbedeutender Aspekt bei der Wahrnehmung und Wirkung der katholischen Kirche. Ich weiß nicht einmal, ob irgendein Staat außer Italien die Souveränität des Vatikanstaates anerkennt (nicht zu verwechseln mit dem Völkerrechtsubjekt sui generis „Heiliger Stuhl“).

    „„Glaube, Liebe, Hoffnung“ beschreibt meiner Meinung nach ähnlich unzureichend die Botschaft der römisch-katholischen Kirche wie Rassismus, Antisemitismus und Nationalismus die Botschaft der NSDAP beschreibt.“

    Nun, weder bei dem Einen noch bei dem Anderen werden wir zu Übereinstimmung kommen, denke ich.

  6. Ich hab den Artikel noch mal gelesen und wahrscheinlich hab‘ ich da ein bisschen zu viel reininterpretiert. Ich stimme Vargas Llosa in so weit zu, dass die Kirche auch wichtige Funktion erfüllt und sich aus der Politik heraushalten sollte. (Die Kirchen machen das allerdings nicht). Der Rest ist wohl mehr meine Interpretation: Die katholische Kirche sollte man nicht abschaffen, sie ist Teil unserer Geistesgeschichte. Nicht nur im Negativen, sondern auch im Positiven. Ich bewundere die Freude dieser Menschen, ihren festen Glauben, ihre Naivität, ihre Offenherzigkeit und wenn ich ihre Bauten betrete oder ihren traditionellen Gottesdiensten beiwohne, dann durchströmt mich ein ganz schwer zu beschreibendes, warmes, sakrales Gefühl. Diese Sakralität berührt mich tief, sie verlangt meinen Respekt, auch wenn ich Atheist bin. Oder gerade deshalb.

  7. malefue sagt:

    du liest wirklich die falschen publikationen für deinen blutdruck, muriel. gut, dass man sowas von llosa lesen muss, den man eigentlich im fach „einer von den guten“ abgelegt hat, ist enttäuschend, aber die faz? keine überraschung.

  8. malefue sagt:

    @American Viewer: „es gibt kein richtiges leben im falschen“
    die kirchen mögen zwar hübsch sein, aber sie sind ausdruck von ausbeutung und bereicherung an den ärmsten menschen der jeweiligen periode. ich lebe in einer stadt in deren altstadt zu mittag ca. 30 kirchen ihre glocken läuten und auch wenn sie eine der schönsten der welt ist, dann nur weil jahrhundertelang einfache leute in „seelenheil“ geld investiert haben.
    „fester glaube“ und „naivität“ sind für mich keine schönen, sondern im gegenteil negative, absichtlich gezüchtete eigenschaften, aus obengenannten gründen. mich durchströmt da eher kalter schauder, beim gedanken an die milliarden menschen denen blinder glaube eingeimpft wird.

  9. malefue sagt:

    ach muriel, lösch meinen letzten kommentar lieber, ich bin heute nicht gut in form und viel zu wütend.

  10. Muriel sagt:

    @American Viewer: Ungefähr das, was malefue gesagt hat. Und das, was ich jetzt gleich zu Niels sage.
    @Niels: Vielleicht versuche ich es noch mal ein bisschen weniger konfrontativ:
    Wie allgemein bekannt ist, kann man Dinge vergleichen, ohne sie gleichzusetzen. Ich setze nicht die NSDAP mit der römisch-katholischen Kirche gleich. Es gibt selbstverständlich große qualitative und quantitative Unterschiede zwischen ihnen, und auch wenn ich es für ein ziemlich offenes Rennen halte, welche von den beiden Organisationen die schlimmere ist (Kommt natürlich auch auf den Maßstab an.), spielt das für diesen Artikel hier keine Rolle.
    Hier geht es mir nämlich nur darum, den Unfug aufzuzeigen, der in dem verlinkten FAZ-Beitrag steht, und den Unfug, den meiner Meinung nach Herr Vargas Llosa äußert, wenn er zum Beispiel impliziert, dass ein moralisches Gerüst an sich etwas Gutes wäre, unabhängig davon, ob man ihm inhaltlich zustimmt, dass es per se lobenswert wäre, wenn jemand streng und unangepasst ist oder dass Bildung, Intelligenz oder die Fähigkeit, nicht einschläfernde Bücher zu schreiben, etwas mit der moralischen Bewertung einer Person zu tun haben.
    (Und dadurch, dass ich den dummen Spruch mit der Gier, dem Egoismus und der Korruption unverändert in die damalige Zeit übernommen habe, wollte ich außerdem leise andeuten, dass ich es für lächerlich halte, diese Dinge gerade heute auf einem besonderen Höhepunkt zu sehen, falls es jemanden interessiert.)
    Insofern ist es aktuell kein großes Problem, dass wir uns in Bezug auf die Bewertung der RKK nicht einigen können. Das Problem ist wahrscheinlich eher, dass du mir auch widersprechen wirst, wenn ich einfach nur sage, dass auch aus Sicht eines Agnostikers (Wenn jemand sich schon Agnostiker nennt..) die Moral der RKK keine ist und es deshalb rational nicht zu rechtfertigen ist, dass jemand ihre Existenz auch nur für begrüßenswert hält, geschweige denn für unentbehrlich.

  11. Muriel sagt:

    @malefue: Waaas? Neeeeein!
    Hm. Also, wenn du drauf bestehst, lösche ich ihn, aber ich fänd’s sehr schade.
    Darf ich ihn dann vielleicht unter meinem Namen neu veröffentlichen, oder wenigstens paraphrasieren?

  12. @malefue
    naja gut, wenn du ihn löschen willst, dann muss ich ihn jetzt auch nicht groß zerlegen. ich mach trotdem mal ansätze:

    die kirchen mögen zwar hübsch sein, aber sie sind ausdruck von ausbeutung und bereicherung an den ärmsten menschen der jeweiligen periode.

    Im Artikel „Der Staat sind wir, der Markt sind die anderen“ geht es ja momentan auch um, was ist links, was ist rechts? Das passt hier auch ganz gut. Wie kann denn ich über die Menschen von damals zu urteilen?! Wie kann denn ich (gerade als Atheist), sagen Kathedralen bauen wäre „falsch“, ihr hättet lieber was „richtiges“ machen sollen. Ich bin doch nicht eben nicht Jesus oder Gott oder sonstwas, der bestimmt was „richtig“ oder „falsch“ ist. Wenn die Menschen von damals ihren Glauben und ihre Hoffnung hatten und es sie glücklich macht, dann sollen sie ihr Geld eben für gottverdammte Kathedralen ausgeben.

    „es gibt kein richtiges leben im falschen“

    das ist auch typisch links. immer muss alles perfekt sein. ganz oder gar nicht, flucht in die utopie. und am ende gebährt „der neue mensch“ dann den neuen stalin.

    ich lebe in einer stadt in deren altstadt zu mittag ca. 30 kirchen ihre glocken läuten

    das nervt allerdings extrem. ich hab‘ mal neben einer kirche gelebt, die jeden sonntag um 6 uhr morgens sturm geläutet hat. eine protestantische wohlgemerkt. um 6 uhr! warum ist mir bis heute ein rätsel. vergessen die leute sonst, dass es sonntag ist?! ist das „werbung“ für den gottedienst?! wenn ja ist das sehr „effektiv“ 😉

  13. malefue sagt:

    von links zu stalin in zwei sätzen. dazu keine ruhigen worte von mir, zu wenig niveau.

    wenn du meinst, dass die gläubigen im mittelalterlichen europa aus freiem willen ihr agrarmäßig zusammengekratztes geld den stinkend reichen bistümern gegeben haben um ihrem unsichtbaren freund hundert meter hohe türme zu bauen, wo soll ich dann ansetzen?
    wenn dir einer mit folter droht um dein geld zu haben, nennst das dann freie persönliche entfaltung oder wie?

  14. @malefue
    was meinst du denn? dass die leute im mittelalter alles atheisten waren? dass sieht nicht an gott geglaubt haben, nicht ans paradies? dass sie alle revolutionär eingestellt waren gegenüber den kirchen? dass sich die christen seit 2000 jahren mit unterdrückung und folter an der macht halten?

    p.s. wieviele sätze sind den angemessen, um von links zu stalin zu kommen? einer scheint ja nicht angemessen, außer natürlich es geht um bistümer und folter…

  15. Muriel sagt:

    @American Viewer: Es wird dich nicht überraschen, aber ich denke, dass du Unrecht hast.
    Wir hatten diese Diskussion hier sogar schon mal, nämlich hier.
    Ich halte die Entscheidung für die Errichtung dieser Gebäude in mehrerer Hinsicht für falsch. Kurz: Erstens teile ich malefues Einschätzung, dass sie nicht dem Willen des Volkes entsprachen, sondern ihm von der Obrigkeit aufgezwungen wurden, zweitens wäre sie auch unabhängig davon falsch, wenn man mal unterstellen darf, dass Kirchen in der Annahme und aus dem Grund gebaut wurden, dass der christliche Gott existiert und darin verehrt werden soll. Da diese Annahme falsch ist, ist die daraus folgende Entscheidung es auch. (Solche Entscheidungen können sich natürlich später zufällig trotzdem als günstig herausstellen, wie bei Frank Drebbins Drogendealern, aber sie waren trotzdem falsch.)

  16. malefue sagt:

    bistümer und folter? ja.
    wenn ich nicht an deren gott glaube brenne ich für ewig in der hölle. das ist androhung von folter. dass ich persönlich das nicht glaube, spielt für mein beispiel von den mittelalterlichen bauern keine rolle.

  17. @Muriel
    was war denn dann der wille des volkes? demokratie? menschenrechte? jeden sonntag fleisch? die gleichberechtigung der frau? ganztagesbetreuung und kinderkrippen? meiner meinung nach legt ihr einfach zu sehr die maßstäbe von heute an die menschen von vor vielen hundert jahren an.

    was heißt schon „von der obrigkeit aufgezwungen“? wie wollen denn ein paar fette bischöfe ein ganzes volk dazu zwingen kathedralen zu bauen? es war wohl eher so, dass die bischöfe, dass volk von ihrer idee überzeugt haben und das ist doch legitim.

    du kannst den bau natürlich für „falsch“ halten, das ist dein gutes recht, keine frage. ich wende die kategorie „richtig“ oder „falsch“ wiegesagt hier nicht an. ich habe nämlich sonst den eindruck nicht mehr weit entfernt zu sein von dem ampelmensch nebenan.

  18. malefue sagt:

    überzeugt? meinst du das ernst? ich fass es nicht…

  19. @malefue
    und links und stalin ist nein? das war doch mein punkt und nicht die verteidigung der hölle.

    aber andererseits: ich glaube als atheist, dass wir nach dem tod aufhören zu existieren. ist das dann „androhung von nicht-existenz“, wenn ich diesen glauben verbreite? und wo ist der unterschied zum glauben des bischofs? ich sag dir mal aus meiner sicht die gemeinsamkeiten: wir erzählen beide unseren festen glauben. heute lacht man den bischof aus, in 100 jahren wahrscheinich den bischof und mich. auch deshalb urteile ich nicht über den bischof. wenn man noch heute kindern vom bösen santa claus erzählen kann, dann darf man erwachsenen auch mit der hölle drohen. trust me: das halten die aus.

  20. @malefue
    natürlich überzeugt. was denn sonst? du kannst das auch „gehirnwäsche“ oder sonst was nennen. i dont see the difference.

  21. Muriel sagt:

    @American Viewer: Das hat jetzt wenig mit Maßstäben zu tun. Meine begrenzten Kenntnisse über die damalige Zeit gehen einfach in die Richtung, dass die Bauern und tagelöhner nicht freiwillig dem Fürsten und der Kirche ihre Zeit und ihre Abgaben aufgedrängt haben und begeistert forderten, dass sie davon Dome, Münster und Kathedralen errichten sollten.
    Aber wie ich schon sagte, hat dieser Aspekt ohnehin wenig mit meiner Beurteilung des Baus zu tun.
    Und wie ich noch nicht sagte, hat diese Frage wiederum auch nichts mit dem Thema dieses Posts zu tun.

    ich wende die kategorie „richtig“ oder „falsch“ wiegesagt hier nicht an. ich habe nämlich sonst den eindruck nicht mehr weit entfernt zu sein von dem ampelmensch nebenan.

    Heißt das, du findest es falsch, diese Kategorien hier anzuwenden, und du findest es auch falsch, dass Mikis sie nebenan anwendet?
    Findest du es generell falsch, Dinge falsch zu finden, oder nur in bestimmten Fällen?

  22. malefue sagt:

    androhung von nichtexistenz? wtf? nichtexistenz hat doch keine eigenschaften, wie soll ich damit jemandem drohen?
    dagegen einem kleinen kind zu sagen wenn es nicht an gott glaubt wird es unglaubliche schmerzen und verachtung erfahren bis ans ende der zeit, das ist keine überzeugung, sondern nötigung. aber jemandem der überzeugung und gehirnwäsche gleichsetzt das zu erklären, überfordert mich.
    und atheismus als glauben zu bezeichnen ist derart einfältig, was soll ich darauf antworten, außer: oxymorontag heute?

  23. dass die Bauern und Tagelöhner nicht freiwillig dem Fürsten und der Kirche ihre Zeit und ihre Abgaben aufgedrängt haben und begeistert forderten, dass sie davon Dome, Münster und Kathedralen errichten sollten.

    Ja das stimmt. Allerdings dränge ich den Herrschenden von heute doch auch nicht freiwillig meine Abgaben auf und fordere begeistert, dass man davon bei uns neue Schlößer bauen soll. Da muss ich ehrlich sagen: Da wäre ich strikt dagegen. Von daher hast du sicher einen Punkt. Bauen die Deutschen nicht gerade das Berliner Schloß wieder auf? Das ist pervers bei dieser Schuldenwelt.

    Allerdings glaube ich nicht an Schlößer und damals ist wiegesagt nicht heute: Ich bin dagegen mit dem Wissen und der Moral von heute, die Menschen von damals zu beurteilen. Ich will die Menschen von damals aus ihrer Sicht verstehen. Die Menschen damals glaubten an Gott, das steht wohl außer Frage. Man hat zum Beispiel herausgefunden, dass die pyramiden nicht von sklaven gebaut wurden, sondern von ägyptischen bürgern. quasi als eine art gottesdienst.

    Findest du es generell falsch, Dinge falsch zu finden, oder nur in bestimmten Fällen?

    nur in bestimmten fällen. zum beispiel wenn es nicht mein geld ist. ich bewerte nicht für was die menschen ihr geld ausgeben. seien es nun lebensmittel oder kathedralen. das ist ihre eigene entscheidung, beschränkt nur durch den rahmen der geschichte wie oben angesprochen. diese bewertung ist eines der grundübel unserer zeit. typisch keynes. the pretense of knowledge. jetzt wirkliche gute n8.

  24. @malefue
    natürlich ist es extrem bedrohend und angst machend, wenn man den menschen erzählt, dass sie nach dem tod aufhören zu existieren. das verdrängen die menschen doch permanent. das ist doch eine der gründe warum die menschen religionen überhaupt erfinden und ihnen so gerne folgen.

    aber jemandem der überzeugung und gehirnwäsche gleichsetzt das zu erklären, überfordert mich.
    und atheismus als glauben zu bezeichnen ist derart einfältig, was soll ich darauf antworten

    das ist mir jetzt zu arrogant. da bin ich jetzt so frei und lass das einfach mal so stehen. gute nacht.

  25. malefue sagt:

    ich hab es so geschrieben wie ich es meinte, ohne versteckte beleidigung: es überfordert mich einfach, da es in meinem wertesystem einen fundamentalen unterschied zwischen aufgenötigten überzeugungen und echten gibt.

    das mit der nichtexistenz und der bedrohung halt ich für post hoc ergo propter hoc, ich glaube die angst vor der nichtexistenz kam erst nach bestimmten religionen. dafür sprechen auch religionen ohne nach-tod-versprechen.

  26. @malefue
    es hat sich eben arrogant angehört und das hat mir die lust am schreiben genommen.

    zwischen aufgenötigten überzeugungen und echten gibt.

    ich seh schon du betonst immer die unterschiede, ich hinterfrage gemeinsamkeiten. was heißt schon „aufgenötigt“ und „echt“? was heißt schon überzeugung und gehirnwäsche? praktisch alles was du weißt, wurde dir von irgendjemand in den kopf gesetzt. oder hast du selber irgendetwas entdeckt? ich glaube nicht. dein ganzes „wissen“ beruht auf dem kollektiven wissenstand der menschheit, der aktuell herrschenden glaubenslehren. und ja das sind alles glaubenslehren. einige sind ein bisschen fundierter, das nennen wir dann „wissen“ und andere empfinden wir heute als wahnideen, das nennen wir dann religion. für mich ist das ziemlich ähnlich. klar die methoden haben sich geändert, die spielräume auch, aber so riesig ist der unterschied auch nicht.

    und für mich ist der atheismus ein glaube: der glaube, dass es keinen gott gibt. ein ziemlich großer glaube sogar, denn beweisen kann ich da wenig.

    evolution und gravitation sind aus meiner sicht auch glauben (ist das der plural?). ich glaube an die theorie der evolution und ich glaube an die gravitation, weil es keine bessere theorien gibt, aber wirklich erklären können die gravitation nicht einmal physiker. gravitation ist nur ein glaube. ein stärkerer zwar wie der atheismus, aber im prinzip auch nur ein glaube. der glaube daran, dass wir morgen noch von der erde angezogen werden und nicht einfach wegfliegen. wenn morgen die gravitation aufhört, kommt ein klugscheißer und passt einfach die theorie an. so ähnlich ist es mit der religion auch: viele hundert götter, ein gott, kein gott. so gesehen war der monotheismus mal ein fortschritt. natürlich betont jeder glaube, dass er „ganz anders“ sei als der vorherige. ist ja klar. das ist ja der witz an einem guten glauben 😉

  27. Dietmar sagt:

    „evolution und gravitation sind aus meiner sicht auch glauben“

    Dann ist Deine Sicht falsch.

    Man kann religiös glauben, dass Gott die Welt erschaffen hat oder Götter die Welt erschaffen haben oder Göttinnen die Welt erschaffen haben oder die Welt aus einem Ei geschlüpft ist oder ein Universumsherrscher in einem Vulkan eine Atombombe gezündet hat oder …

    Dies alles ist evidenzlos und alles insofern denkbar oder glaubbar und nichts hilft dagegen, wenn sich jemand in solche Konstrukte verrennt.

    Gravitation ist nicht evidenzlos. Spring einmal hoch oder irgendwo runter, sieh, wie Flugzeuge fliegen und landen: Nichts, was Du dann stattdessen glauben willst, ändert etwas an den Fakten. Es gibt keine andere schlüssige Erklärung für die Phänomene der Gravitation. Ganz genau so ist es mit der Evolution. Bewiesen, vielfach belegt. Leugnen kann man alles, nur macht beharrliches Leugnen oder „infrage Stellen“ die Leugnung nicht im Mindesten stichhaltig.

    Wenn Du Fakten einfach rethorisch mit religiösem Glauben gleichsetzt, verlässt Du in dem Augenblick den Boden einer inhaltlich vernünftigen Debatte, weil dann sofort jedes gedankliche Konstrukt ungerechtfertig jedem anderen gleichgestellt wird. Da kann man sich gleich bei Kerzenschein unter Zuhilfenahme weicher Drogen zusammensetzen und „philosophieren“.

    Das ist pseudointellektuelles Gelaber.

  28. Dietmar sagt:

    „(Solche Entscheidungen können sich natürlich später zufällig trotzdem als günstig herausstellen, wie bei Frank Drebbins Drogendealern, aber sie waren trotzdem falsch.)“

    Und da sieht der Muriel auch noch die richtigen Filme! Hammer!

  29. Muriel sagt:

    @American Viewer:

    Ich bin dagegen mit dem Wissen und der Moral von heute, die Menschen von damals zu beurteilen. Ich will die Menschen von damals aus ihrer Sicht verstehen.

    Du hast das Problem womöglich selbst erkannt: Sie aus ihrer Sicht zu verstehen, ergibt Sinn. Aber wenn ich jemanden beurteilen will, dann halte ich es für manifest absurd, dafür andere Maßstäbe zu benutzen, als meine eigenen.
    Dass vielleicht niemand viel davon hat, wenn ich Menschen beurteile, die schon seit Jahrhunderten tot sind, ist eine andere Frage. Das gilt aber auch für’s Verstehen.

    Die Menschen damals glaubten an Gott, das steht wohl außer Frage.

    Und die Nazis 1938 glaubten, dass die Juden eine niederträchtige Rasse von Untermenschen sind, die die Unterjochung der Arier und der ganzen Welt plant. Ich würde mir gerne Vorbehalten, die Überzeugungen anderer Menschen nach meinen Maßstäben zu beurteilen, nicht nach ihren.

    nur in bestimmten fällen. zum beispiel wenn es nicht mein geld ist. ich bewerte nicht für was die menschen ihr geld ausgeben. seien es nun lebensmittel oder kathedralen. das ist ihre eigene entscheidung, beschränkt nur durch den rahmen der geschichte wie oben angesprochen. diese bewertung ist eines der grundübel unserer zeit. typisch keynes.

    Hier schüttest du meiner Meinung nach das Kind mit dem Bade aus. Wenn ich jemandem keine Vorschriften machen will, ist das grundsätzlich ehrenwert, aber ich kann trotzdem eine Meinung zu ihm und seinem Handeln haben, auch ohne unmittelbar davon betroffen zu sein. Was ich hier geschrieben habe, kostet dich zum Beispiel keinen Cent, und trotzdem widersprichst du mir. Das ist auch gut so, denn sonst könnte ja keiner von uns beiden erkennen, dass du falsch liegst.

Gib's mir!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: