Geht sterben (1)

Ach, FDP, ich will dich doch mögen. Genau wie George R.R. Martins Blog, genau wie Six Feet Under, genau wie den Papst. Aber genau wie die auch alle wehrst du dich mit Händen und Füßen und Zähnen und Klauen dagegen. Du demontierst dich zurzeit mit einer Leidenschaft und einer Professionalität, wie ein ganzes Heer von Marketingberatern sie nicht vermitteln könnte und hast es in kürzester Zeit vom strahlenden (wenn auch damals schon unverdienten) Wahlsieger zur Witzfigur unter den Parteien gebracht, die keiner mehr braucht, es sei denn als Objekt des Mitleids oder des beißenden Spotts. Warum nur, FDP?

Wie stellt ihr euch das mit eurer Führung vor? Wollt ihr mit Herrn Westerwelle noch irgendwas machen, oder soll das alles bleiben, wie es ist, damit Herr Rösler und seine Kollegen weiterhin jemanden haben, von dem sie sich in jedem Interview distanzieren können? Ich verstehe das schon, ohne ihn bestünde ja die Gefahr, dass Herr Rösler sich irgendwie inhaltlich äußern müsste, und das wollen wir wohl alle nicht.

Wie wollt ihr euch neben den anderen Parteien positionieren? Wollt ihr eine liberale Partei sein, oder weiter auf dem Weg zur fünften sozialdemokratischen Bundestagsfraktion bleiben? „Es ist nicht marktwirtschaftlich, wenn Menschen acht Stunden am Tag für Löhne arbeiten, von denen sie nicht leben können„? Raffiniert, Herr Garg. Die unsinnige Gängelei wird gleich viel liberaler, wenn man sie nicht mit Defiziten in der sozialen Gerechtigkeit begründet, sondern ihr Objekt als „nicht marktwirtschaftlich“ deklariert. Klar. Die Entscheidungen der Marktteilnehmer sind natürlich nur dann „marktwirtschaftlich“, wenn sie den Wünschen der Regierung entsprechen, und müssen ansonsten per obrigkeitlichem Zwang korrigiert werden. Urliberale Position, das.

Ich meine, ihr müsst das wissen. Ich gehöre nicht zu den Leuten, die euch genau sagen können, wie ihr euer Programm ändern müsst, um endlich irgendwo mal wieder mehr als 3% zu erzielen. Ich habe keine Ahnung von Wahlkampf. Vielleicht ist es ein Mords-Erfolgskonzept, die kleinste SPD zu werden. Vielleicht macht ihr aus dieser Sicht alles genau richtig.

Ich gehöre aber ganz bestimmt zu den Leuten, denen ihr es mit solchen Manövern noch mal erheblich erschwert, euch wenigstens als das geringste Übel zu empfinden. Was euch wiederum fast egal sein kann, weil ich außerdem zu den Leuten gehören, die euch sowieso noch nie gewählt haben.

Ich mein halt nur.

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6 Responses to Geht sterben (1)

  1. Muriel sagt:

    Nachtrag: Sollte dieser Post den Eindruck erwecken, ich wäre der Meinung, die FDP wäre irgendwann mal eine liberale Partei gewesen, so ist dieser Eindruck falsch, und ich bitte um Entschuldigung.

  2. Marco sagt:

    Vorsicht, das Zutandekommen von Löhnen und Preisen hat heute tatsächlich nicht mehr viel mit Marktwirtschaft zu tun. Das zu kritisieren, tut dringend not. Nur unterstelle ich einem Herrn Garg und der FDP in toto (wie allen anderen Parteien), dass sie daran nichts ändern wollen. Denn dann könnte die Lösung natürlich nur lauten, staatliche Bevormundung und Ausbeutung („Steuern“, „Sozialabgaben“, „Regulierung“) wenn nicht zu beenden (wofür ich dringend plädieren möchte), so doch zumindest massiv runterzufahren.

  3. Muriel sagt:

    @Marco:

    das Zutandekommen von Löhnen und Preisen hat heute tatsächlich nicht mehr viel mit Marktwirtschaft zu tun.

    Ich bin nicht sicher, ob ich das genauso pessimistisch sehe wie du, aber sogar wenn du völlig Recht hättest, dann wäre mein Hauptkritikpunkt natürlich weniger, dass Herr Garg unserem Wirtschaftssystem die Marktwirtschaftlichkeit abspricht, als der Grund, den er dafür nennt, und die Maßnahme, die er dagegen vorschlägt.
    Und da sind wir uns dann ja doch wieder einig.

  4. malefue sagt:

    „steuern“? was ist das? ich kenne nur steuern.

  5. Muriel sagt:

    @malefue: „Steuern“ sind Steuern in Anführungszeichen.

  6. […] ich habe das hier schon dreimal gesagt, aber ich meinte das noch nie so von Herzen: Geh sterben. Ich verachte dich. Du […]

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