Da lacht das Web

Habt ihr auch so einen nervigen Freund, der euch nicht nur dauernd vom neuesten Trend erzählt, sondern dazu auch noch ausführlich erklärt, was daran so besonders edgy, funky und tubular ist? Ich nicht, aber ich habe auch sowieso kaum Freunde… Egal. Jedenfalls sieht Spiegel Online diese Strategie anscheinend als den Weg in die Zukunft für ein traditionsreiches Nachrichtenmagazin. Oder jemand dort in der Redaktion hat einfach nur entdeckt, dass es Witze auf Twitter gibt und hatte dringend noch ein paar Zeilen zu füllen.

Die beiden am häufigsten, in verschiedenen Varianten per Twitter verbreiteten Witze gehen so:

 Der Barkeeper sagt: „Tut mir leid, wir bedienen keine Neutrinos, die schneller sind als das Licht.“ Ein Neutrino kommt in eine Bar.

„Neutrino!“ – „Wer ist da?“ – „Toc, toc.“

Nanu, fragt ihr euch, was ist das denn? Fürchtet euch nicht, denn Spiegel Online hat die Antwort:

Das Ganze ist feinster Nerdhumor, der sich wohl nicht jedem sofort erschließt. Die Surfer jedenfalls sind begeistert.

Die Surfer. Ja… Und warum? wollt ihr jetzt vielleicht wissen. Was ist denn daran komisch? Nun…

Neutrinos beantworten eine Frage, bevor sie gestellt wird. Und sie sind so schnell unterwegs, dass sie den klassischen Witzaufbau auf den Kopf stellen: Die Pointe kommt nicht zum Schluss, sondern gleich zu Beginn.

Verstehen Sie? Verstehen Sie? Crazy, diese Surfer…  Oder? Oder?

Und ihr ahnt es wahrscheinlich schon, diese verrückten Twitter-Nutzer treiben es natürlich immer weiter.

Die mögliche Verletzung des Prinzips von Ursache und Wirkung sorgt unter Twitter-Nutzern für einen regelrechten Wettstreit um den besten, noch verrückteren Neutrino-Witz:

Der LHC-Beschleuniger hat in diesem Jahr schon zum zweiten Mal gegen das Kausalitätsprinzip verstoßen. Das erste Mal wird im Dezember sein.

Wer Spiegel Online nicht kennt, erwartet vielleicht, dass da irgendwann noch mehr kommt. Der denkt womöglich, dass das doch unmöglich alles sein kann, dass da einfach nur identischer Witz an identischen Witz gereiht wird, mit An- und Abmoderationsbrocken dazwischen, auf die Fritz Egner zu besten „Die witzigsten Werbespots der Welt“-Zeiten stolz gewesen wäre. Der irrt natürlich.

Wie aus einem Monty-Python-Sketch wirken folgende zwei Sätze:

[Ich lasse die Witze von jetzt an weg, die könnt ihr euch selbst dazu denken, falls sie euch interessieren. Das Prinzip habt ihr ja hoffentlich verstanden.]

Mittlerweile scheint das Phänomen manchen sogar mächtig zu nerven:

[…]

Die Überlichtgeschwindigkeit von Neutrinos könnte sogar die Datenübertragung im Internet beschleunigen, scherzt der Nutzer I_Madcap:

Stefan Niggemeier fragt sich ja gelegentlich, ob bei den Online-Portalen der deutschen Zeitungen und Nachrichtenmagazine noch Menschen arbeiten. Ich denke, die Frage ist damit beantwortet. Die Maschinen, die ich kenne, wären sich für sowas jedenfalls zu schade.

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13 Responses to Da lacht das Web

  1. Guinan sagt:

    Nun, Spiegel Online tut zumindest was für seine Leser. Die Redaktion geht eben davon aus, dass der durchschnittliche Nutzer dort die Witze nicht versteht. Alles nur gut gemeint.
    Du bist aber auch wirklich schwer zufriedenzustellen.

  2. Tim sagt:

    Witze erklären, hm … Vielleicht sollte SPON erst mal SPON erklären.

  3. Guinan sagt:

    @Tim: Es gibt Dinge, die kann man nicht erklären.

  4. Muriel sagt:

    Die mögliche Verletzung von Grundregeln des seriösen Journalismus‘ sorgt unter überschaubare-Relevanz-Nutzern für einen regelrechten Wettstreit um den besten, noch verrückteren Spiegel-Online-Witz!

  5. Guinan sagt:

    @Muriel: Deiner war jetzt aber eindeutig der Beste, da komme ich nicht drüber.

  6. Tim sagt:

    @ Guinan

    Du meinst, SPON ist Gott?

  7. Guinan sagt:

    @Tim: Es gibt mehr Dinge zwischen Himmel und Erde…

  8. madove sagt:

    Jetzt bin ich beruhigt. Ich hatte mich bei der Lektüre dieses SPON-„Artikels“ gefragt, ob der nur mir so wirklich schmerzhaft unterirdisch vorkommt…

  9. malefue sagt:

    na gut, muriel. faz versteh ich ja noch halbwegs, aber spon?

    wenn du bei bild.de angekommen bist, fliegst du aus meinem feedreader, letzte warnung!

  10. Muriel sagt:

    @malefue: Manno!
    *schmeißt frisch gekaufte Bildzeitung in eine Ecke und stapft hängenden Kopfes aus dem Raum*

  11. oh jeh, ich kann diese ganze abkürzerei und neu-wortschafferei auch nicht verstehen. vor allem nicht als eigentlich seriöse journalisten..

  12. Muriel sagt:

    @daniel0leinad: Das verstehe ich jetzt nicht. Wo wurden denn Abkürzungen oder Wörter erschaffen?

  13. […] ins Manuskript zu zwängen. Und lustig ist das Ganze auch nicht. Schlechter hätte es wohl auch Spiegel online nicht […]

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