Einfach nur, um TakeFive zu ärgern

Ziemlich wörtliche Wiedergabe eines Gesprächs zwischen mir und einem Christen:

Christ: Wer glaubt, dass die Liebe das höchste Gut ist, der glaubt an Jesus.

Ich: Müsste man dafür nicht eigentlich noch, ich weiß nicht, an Jesus glauben?

Christ: Definiere „an Jesus glauben“.

Ich: „Glauben, dass er existiert“.

Christ: Das tut er.

Ich: Darum geht es doch gar nicht.

Christ: Sondern?

Ich: Du hast behauptet, dass man an Jesus glaubt, wenn man glaubt, dass die Liebe das höchste Gut ist. Ich behaupte, dass man an Jesus glaubt, wenn man an Jesus glaubt, und sonst nicht.

Christ: Was genau muss ich denn glauben?

Ich: Schau mal. Ich kenne Leute, die glauben, dass Liebe das höchste Gut ist, die aber trotzdem nicht glauben, dass Jesus existiert.

Christ: Und du denkst, dass diese den himmel nicht sehen werden?

Ich: Äh… Nein. Also, doch. Also… Egal.

Eher sinngemäße Wiedergabe eines Teils eines anderen Gesprächs:

Ich: Was glaubst du denn eigentlich, was nach meinem Tod mit mir passiert?

Christ: Ist nicht meine Entscheidung, aber Gott ist gerecht.

Ich: Aber was glaubst du denn, was mich erwartet? Wie verstehst du das, was in der Bibel steht?

Christ: Jeder Mensch kann erlöst werden, wenn er zu Jesus findet.

Ich: Und wenn nicht?

Christ: Das ist nicht meine Entscheidung. Gott beurteilt dich dann nach deinen Taten, aber wenn du Jesus anerkennst, wirst du freigesprochen, und er wird dir vergeben.

Ich: Okay. Und was passiert denn mit mir, wenn dein Gott mich nach meinen Taten beurteilt? Nehmen wir mal an, ich bleibe Atheist bis zu meinem Tod.

Christ: Dann kannst du Jesus nicht als deinen Sündenbock nutzen, und Gott beurteilt dich nach deinen Taten. Dann wirst du nicht gerettet. Habe ich deine Frage jetzt beantwortet?

Ich: Eigentlich nicht. Gerettet wovor denn?

Christ: Du lebst dann getrennt von Gott.

Ich: Lebe ich doch jetzt schon. Ich lebe nach meinem Tod also einfach so weiter wie bisher?

Christ: So ungefähr, nur ohne Internet, haha.

[Ich habe dann irgendwann aufgegeben, ihn weiter zu fragen und einen anderen Ansatz versucht.]

Ich: Und findest du das denn gerecht?

Christ: Kennst du das Gleichnis vom Weinberg?

Ich: Ja. [Hinweis: Da gibt der Arbeitgeber den Erntehelfern, die nur eine Stunde mitgemacht haben, genausoviel Lohn wie denen, die den ganzen Tag geerntet haben.]

Christ: Ist das gerecht?

Ich: Nein.

Christ: Siehst du. Gottes Maßstäbe sind eben nicht meine. In dem Beispiel ist es eben nicht die Entscheidung der Arbeiter, sondern des Arbeitgebers.

Ich: Nach deinen Maßstäben sind die Regeln deines Gottes also nicht gerecht?

Christ: Was zählen meine Maßstäbe? Sind doch Gottes Regeln.

Ich: Was sind denn seine Maßstäbe?

Christ: Ich verstehe Gottes Maßstäbe nicht, aber ich bin sicher, dass er gerecht ist.

Ich: Aber nicht nach deinen Maßstäben?

Christ: Menschliche Maßstäbe sind nicht Gottes.

Ich: Wenn du von deinem Gott redest, benutzt du also den Begriff „gerecht“, aber er heißt dann etwas völlig anderes als sonst, nämlich ungefähr „nicht gerecht“. Stimmt das so?

Christ: Naja, schon der Begriff „Maßstäbe“ zeigt ja, dass da auch ein subjektives Element drin ist.

Warum ich das hier veröffentliche? Bin mir nicht ganz sicher. Aber ich kann sicher sagen, warum ich es nicht veröffentliche: Um zu zeigen, dass Christen dumm sind, oder um mich über sie lustig zu machen.

Christen sind nicht dumm. Wären die Leute dumm gewesen, mit denen ich da gesprochen habe, wäre es keinen Beitrag wert gewesen. Dumme Menschen sagen dummes Zeug, aber damit kluge Menschen dummes Zeug sagen, braucht man Religion. Nein, das stimmt nicht, aber es klingt gut, deswegen lasse ich es stehen und stelle es nur nachträglich richtig: Jeder sagt mal dummes Zeug. Ich auch oft genug.

Aber was in diesen beiden Beispielen auffällt, ist das völlige Versagen der Kommunikation, und der völlige Verzicht auf die Reflexion der eigenen Aussagen. Wir beide sprechen Deutsch, aber es findet trotzdem kaum Verständigung statt. Die beiden Christen – wenn sie nicht zu anständig wären, drüber zu reden – würden sicher sagen, das liegt daran, dass ich eben vernagelt bin und ihren Glauben nicht verstehe. Für mich liegt es daran, dass Religion eben genau das mit Menschen macht: Sie gewöhnt ihnen ab, bestimmte Ideen infrage zu stellen, und sie gewöhnt ihnen an, Dinge einfach hinzunehmen, auch wenn sie eigentlich wissen, dass sie sie weder verstehen noch gutheißen.

Und deshalb finde ich Religion nicht so gut. Falls es jemandem noch nicht aufgefallen ist.

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11 Responses to Einfach nur, um TakeFive zu ärgern

  1. madove sagt:

    „So ungefähr, nur ohne Internet“ *lol*
    Das kommt in der Tat meiner Vorstellung von Hölle schon relativ nahe…

  2. Muriel sagt:

    Wenn ich kein Internet mehr habe, weil ich von Gott getrennt bin, heißt das dann, dass Kabel Deutschland Gott ist?

  3. Tim sagt:

    Einen überzeugten Nazi hätte man 1940 mit vernünftiger Argumentation sicher auch nicht davon abbringen können, das deutsche Volk für den Gipfelpunkt der Menschheit zu halten.

    Godwin, I know.

  4. Tim sagt:

    Und noch ein unbequemer Gedanke: Wenn Gott der Porzellanladen ist und wir alle die Scherben, wer ist dann der Elefant?

  5. Muriel sagt:

    @Tim: Ist das nicht offensichtlich?

  6. Eskapist sagt:

    „Für mich liegt es daran, dass Religion eben genau das mit Menschen macht: Sie gewöhnt ihnen ab, bestimmte Ideen infrage zu stellen, und sie gewöhnt ihnen an, Dinge einfach hinzunehmen, auch wenn sie eigentlich wissen, dass sie sie weder verstehen noch gutheißen.“ – Ja, aber dann ist da auch noch die Kehrseite: Glauben ist auch die Möglichkeit, dort eine Antwort geben zu können, wo wir atheistisch gesinnten Menschen nur Fragen stellen.

  7. Muriel sagt:

    @Eskapist: Naja… Ich kann auch auf jede Frage eine Antwort geben.

  8. Eskapist sagt:

    @Muriel: beneidenswert 😉

  9. TakeFive sagt:

    Liebes Tagebuch: Heute wurde auf UberschaubareRelevanz ein Post nach mir benannt! Ja ich kann es auch kaum glauben. Ich kann es kaum- Nach mir! Doch ehrlich! Was soll das, ich soll weniger trinken? Hey wo willst du hin?! Bleibt da ich muss doch…

  10. […] Weil wir was ganz Besonderes sind Dumme Menschen sagen dummes Zeug, aber damit kluge Menschen dummes Zeug sagen, braucht man Religion. […]

  11. […] Ziemlich wörtliche Wiedergabe eines Gesprächs zwischen mir und einem Christen: […]

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