Nichts ist so beängstigend wie eine geschlossene Tür

Ich hatte in der letzten Woche die Freude, gleich zwei gute Autoren zu entdecken, von denen ich zuvor noch nie gehört hatte. Der eine ist Daniel Abraham, hat „The Dragon’s Path“ geschrieben und tut hier nichts zur Sache. Der andere ist Matt Hults. Und bei der Lektüre seines Horrorromans „Husk“ ist mir klar geworden, dass ich nach meiner Erinnerung keinen einzigen Horrorroman gelesen habe, der nicht an diesem einen fundamentalen Problem leidet, das übrigens auch für Dean Koontz‘ bessere Werke bezeichnend ist. (Für seine schlechteren Werke ist das wesentlich übersichtlichere und dennoch (oder gerade deshalb (Was glaubt ihr, wie viele Klammerebenen man ineinanderschachteln kann, ohne dass der Leser (also ihr zum Beispiel (oder eher du, denn wahrscheinlich lest ihr (oder vielmehr „liest du“ (Ich erkläre gleich noch, warum.)) diesen Post ja nicht in Gesellschaft, sondern alleine (und außerdemsprach ich ja gerade von „der Leser“))) den Überblick verliert?)) erheblich ärgerlichere Problem bezeichnend, dass sie eben rundum schlecht sind.)

Das Problem besteht im folgenden, anscheinend ziemlich unabänderlichen, Grundgerüst eines jeden (guten (Keine Sorge, ich fange jetzt nicht wieder an, das ist wieder nur ein ganz normaler, harmloser Standardlammerzusatz. (Na gut. Zwei. (Drei. (Ich hör jetzt auf. Bestimmt nervt euch das schon. (Ich habe nie gelernt, dass, wann und warum Scherze sich abnutzen können und irgendwann aufhören, lustig zu sein, wenn man es übertreibt.))))) Horrorromans: Interessante Charaktere in komplexen Situationen mit echten Problemen werden eingefügt. Wir entwickeln Zuneigung zu und identifizieren uns mit ihnen. Ein geheimnisvolles Übel tritt in die Welt, eine rätselhafte, fremdartige Bedrohung. Wir sind neugierig darauf, welche Ziele es verfolgt, was es kann und was es ist. Die Charaktere und ihre Konflikte entwickeln sich, sie werden mit dem Übel konfrontiert und versuchen, mehr darüber zu erfahren und hinter das Geheimnis zu kommen.

Und an der Stelle geht normalerweise alles ganz schnell in die Grütze. Auch und gerade in eigentlich guten Horrorromanen geht es anscheinend nicht anders: Die Charaktere stoßen auf den designierten Expositionsprovider, der ihnen irgendeine blödsinnige Pseudoerklärung hinwirft (Am besten noch scheinwissenschaftlich, so à la „Es ist ein Wesen aus reiner Energie / Die Lebenskraft Verstorbener sammelt sich am Ort ihres Todes / Wenn eine Eidechse zusammen mit einem Löwen und einem Skorpion in einen verstrahlten Teich fällt.) und dann mit ihnen in die Schlacht zieht. Schneller, als wir uns fragen können: „Wo ist die tolle Geschichte geblieben?“ werden aus den sympathischen Charakteren billige Abziehbilder, die in Verfolgungsjagden, Schusswechsel und Schlägereien verwickelt werden und Sachen rufen wie „Wir müssen es aufhalten!“ oder „Es ist noch nicht zu spät!“, und die plötzlich jeden noch so abwegigen Blödsinn unkritisch akzeptieren, sobald der Expositionsprovider ihn mit der magischen Formel „Ja, aber gestern hättest du mutierte Zombiewerwolfkakerlakenvampire auch für abwegigen Blödsinn gehalten!“ rechtfertigt. Und aus der mysteriösen, fremdartigen Bedrohung wird der nächste generische Erzschurke, der bis Mitternacht den Hokey-Pokey tanzen muss, um die Weltherrschaft an sich zu reißen.

Schade eigentlich. Ich weiß jetzt auf Anhieb auch nicht genau, wie man das Problem wirklich lösen könnte, und nicht nur die Symptome leicht variieren. Mir fällt auch kein echtes Gegenbeispiel ein. Immer wenn ich denke, ich hätte eins, wird mir klar, dass es nicht zählt. From a Buick 8 zum Beispiel. Vielleicht sind Horrorromane eben einfach zwangsläufig schlecht. Irgendeinen Grund muss es ja haben, dass ich so selten welche lese.

Oder was meint ihr?

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26 Responses to Nichts ist so beängstigend wie eine geschlossene Tür

  1. Dietmar sagt:

    Ich lese nie Horror-Geschichten. Aber das Problem wird das Gleiche sein wie bei allen Stories, die sich um ein Rätsel drehen: Geister, Aliens oder Intrigen, gibt es noch andere Möglichkeiten?

  2. Cassandra sagt:

    Hmm, kann das vielleicht daran liegen, dass ein Teil der Horrorromane aus der Pulptradition kommen und die Pulp-Geschichten wiederrum eine sehr starke Ein-Protagonist-erlebt-ein-Abenteur-Drei-Akt Struktur haben?

    Da ich auh keine Horrorromane lese, kann ich leider auch keine guten Tipps geben. Allerdings weiß aus ein paar mal rumblättern, dass viele Horrormanga sich darauf konzentrieren über ihre Laufzeit die Horroratmosphäre auf- und auszubauen und auf Verfolgungsjagden und Expositiondumps eher verzichten.

    Ähnlich aufgebaut, ist meiner Meinung nach, auch „Bug“ von Friedkin, aber das ist halt wieder auch kein Roman sondern ein Film. 😦

  3. recotard sagt:

    Solange die anthropohile Grundstruktur des Genreprodukts ein Happy End oder wenigstens einen heroischen Protagonistentod erfordert, ist eine „Erklärung“ nötig, um eine Möglichkeit zu finden, das Böse einzuordnen und es damit bekämpfen zu können (Weihwasser, die neu entwickelte Gemütsbrandbombe, ein umgestülptes Dimensionsloch, whatever). Diese Erklärung ist notgedrungen „falsch“, da ja das fiktionale Böse auch „falsch“ ist- Protagonist wie Antagonist sind Masken mit nichts dahinter, wenngleich unsere Sympathien reflexhaft eher jenen Figuren zufallen, in deren Rolle wir uns hineinversetzen können und die eine ähnliche Anzahl von Gliedmaßen aufweisen. Und mehr müssen sie im Genrekontext auch nicht sein.

    Was wollen wir von einer Horrorgeschichte? Wir wollen aus sicherer Entfernung die Ahnung bestätigt kriegen, dass die Welt ein gefahrvoller Ort ist, das Leben per se witzlos und absurd, der Tod schrecklich und schmerzhaft und wir selbst Marionetten, die sich im Bemühen, ihr fiktives „Selbst“ zu beweisen, rettungslos in den eigenen Fäden verheddern – all dies aber bitte, ohne die Grundüberzeugung zu übertünchen, dass das Leben lebenswert ist, der Mensch die Krone der Schöpfung und die christliche Moral stärker der Tod. Trivialisierung ist die logische Folge dieses Dilemmas, will man den Leser nicht störrisch machen.

    Es geht auch anders (vide H.P.Lovecraft, Thomas Ligotti, Eugen Egner z.B. in „Gift Gottes“), aber 800-Seiter haben diese Herren nie geschrieben. ;-=

  4. DiBut sagt:

    Der Kommentar von Dietmar trifft es meiner Meinung nach sehr gut.

    Als Beispiel erinnere ich mich wie ich The DaVinci Code gelesen habe: Die ersten 500 Seiten eine tolle Geschichte, fesselnd, packend und flott geschrieben. Es fiel schwer das Buch aus der Hand zu legen. Und auf den restlichen 100 Seiten wurde die Geschichte mit 250 Sachen gegen die Wand gefahren (wie in allen Dan Brown Büchern, die ich gelesen habe).

    Tatsächlich kann ich mich spontan nicht an ein einziges Buch erinnern, das seinen Plot bis zum Ende befriedigend verfolgt hat.

  5. madove sagt:

    Das Ganze trifft auch meine Wahrnehmung. Ich habe noch nicht viele Horrorromane gelesen, weil meine Fantasie zu gut funktioniert und mich die Bilder jahrelang nicht loslassen, aber ich sehe ein ähnliches Problem auch in vielen anderen Actionstories.
    (Witzig – Ich bin seit ein paar Tagen dabei, einen Blogpost darüber zu schreiben, ein bißchen anders in Genre und Schwerpunkt, aber er wehrt sich noch gegen die Fertigstellung, deshalb unterschreibe ich solang erstmal mit Freude Deinen.)

  6. Muriel sagt:

    Ich antworte mal pauschal an alle. Ich glaube, das geht. Einigermaßen.
    Erstmal finde ich ja Leute komisch, die ein bestimmtes Genre nicht lesen. Oder nur ein bestimmtes. Oder so. Ich meine, ich muss zugeben, dass ich auch selten zu den RomComs mit den Wolken und dem Lippenstift auf dem Cover greife, insofern sitze ich da vielleicht im Glashaus, aber ich finde, wer intellektuell wirklich aufrichtig zu sich selbst und anderen sein will, lässt sich davon nicht abhalten, Steine zu werfen. Ich sag mal, es gibt kein Gerne, aus dem ich noch nichts Gutes gelesen habe. RomComs sogar eingeschlossen, obwohl bei der, an die ich denke (von Joachim Fernau) keine Wolken und Lippenstifte abgebildet waren. Und wie romantisch man ihn findet, ist wohl auch diskutabel.
    Egal.
    Ich finde darüber hinaus, dass hier zuviel generalisiert wurde. (Schon damit beginnend, dass meine Sympathie fast nie bei den menschlichen Protagonisten liegt, aber ich bin auch komisch und würde jedem aufstrebenden Schriftsteller abraten, eine Geschichte zu verfassen, die mir gefällt. Man sieht ja, was es Jim Kline genützt hat.) Man kann natürlich in jedem Genre strikt ein Klischee nach dem nächsten abarbeiten, bis zum Schluss die glückliche Familie lachend „Oh Mann, Harry!“ ruft, nachdem der Hund wieder irgendwelchen Quatsch gemacht hat und wir ausblenden können. Aber man kann sich auch was Originelles einfallen lassen, und jetzt nenne ich doch „From a Buick 8“ als Beispiel und behaupte einfach mal, dass das doch zählt. Und Gary A. Braunbeck. Schade, dass der mir gestern nicht eingefallen ist. Der schreibt auch sehr originelle Horrorromane, auch wenn sie mir ein bisschen zu schwermütig sind. (Nebenbei: An Lovecraft habe ich natürlich auch gedacht, aber den kann ich nicht ausstehen. Newsflash: Eine Geschichte wird NICHT gruselig, bloß weil man vor jedes Substantiv ein „blasphemisch“ schreibt.)
    Und DiBut bekommt jetzt doch eine konkrete direkte Antwort.
    @DiBut:

    Tatsächlich kann ich mich spontan nicht an ein einziges Buch erinnern, das seinen Plot bis zum Ende befriedigend verfolgt hat.

    Willkommen bei überschaubare Relevanz. Ist das dein erster Kommentar? Mir ist gerade so. Falls nicht, entschuldige bitte.
    Ich kenne da durchaus ein paar. Falls du Grund zu der Annahme hast, dass dein Geschmack meinem ähnelt (Da du Dan Browns Stil zu mögen scheinst, tut er es wahrscheinlich eher nicht.), versuch unbedingt mal „The Black Company“ von Glen Cook, oder falls dir ein zehn(oder so)bändiger Zyklus doch ein bisschen zu viel ist, „The Dragon Never Sleeps“, oder eben „A Small Percentage“ von Jim Kline, falls du es wie ich eher sympathisch findest, dass man einem Autor öfter mal anmerkt, dass er noch übt. China Miéville auch, The Scar zum Beispiel.
    Das sind alles keine Horrorromane, aber du hattest ja auch nicht nur von denen gesprochen. Im Horrorgenre hatte ich ja auch schon Beispiele genannt. Jeff Strand ginge wohl auch, obwohl der eher Horrorcomedy schreibt.

  7. Günther sagt:

    Hm, also ich glaube die Geschichte mit dem Bösewicht, der zu Mitternacht den Hokey-Pokey tanzen muss, hat Potenzial! Ich kaufe sie dir ab. Wieviel willst du?

  8. Muriel sagt:

    @Günther: Kommt drauf an. Willst du die ganze Geschichte, dann wird das nicht ganz billig. Willst du nur die Idee, dann würde ich eine prozentuale Beteiligung am Ertrag vorschlagen.

  9. DasSan sagt:

    Ich möchte mal eine naive Frage stellen, denn ich bin im Grunde ein naiver Mensch: Was ist mit Stephen King?
    Ich habe früher viel King gelesen und fand die Geschichten zum Teil sehr fesselnd, die Kurzgeschichten wie auch den Mehrteiler „Der dunkle Turm“, teilweise auch die Romane. Vielleicht ist das ja für euch Horrorroman-Nerds etwas, worüber ihr bestenfalls müde lächelt. (Ich weiß natürlich, dass das keine große Literatur ist.)

  10. Muriel sagt:

    @DasSan: Ich habe doch jetzt schon mehrfach Drin a Buick 8 erwähnt. Ich schätze King ganz außerordentlich. Allerdings gefallen mir seine Nicht-Horror- Geschichten meistens besser, und dass er Enden besonders gut hinbekäme, kann man ihm nun auch nicht nachsagen. Das Endeende von Dark Tower war annehmbar, aber das war ja auch nur halboffiziell.

  11. DasSan sagt:

    @muriel: Das muss mir entgangen sein, Asche auf mein Haupt.
    Das Ende von Dark Tower fand ich persönlich ja ziemlich misslungen, so als ob ihm schlicht die Ideen ausgegangen wären, schade um die ganze Geschichte.

  12. Muriel sagt:

    @DasSan: Beim ersten Ende sehe ich das genauso. Ist aber auch wieder nicht so unangenehm aufgefallen, der ganze Zyklus war ja ein Auf und Ab. Aber das zweite Ende samt Einleitung fand ich recht erfrischend. Vielleicht vor allem wegen der Einleitung.

  13. DasSan sagt:

    Vielleicht muss ich es nochmal lesen, weil ich es beim ersten Mal nicht richtig verstanden habe… interessant…

  14. malefue sagt:

    kann man king nicht einfach mit koontz kreuzen? king ist mir immer zu gimmicky und manchmal ein furchtbarer kitschautor, wenns um zwischenmenschliches in seinen geschichten geht.
    koontz dagegen ist ein kulturpessimist, dass es einem die haare aufstellt. ich neige ja auch eher zum pessimismus, aber dean koontz lässt selbst mich vor müdigkeit stöhnen, wenn seine hauptfiguren wieder mal in rants verfallen, warum früher alles besser war und heutzutage alle nur mehr fernsehen gucken und kein gefühl mehr für die „echte welt“ haben. besonders schlimm ist das in den odd thomas-romanen.
    dafür ist er der literarisch interessantere autor, und vor allem kann er etwas für einen horrorautor sehr wichtiges: sowohl action- als auch gruselszenen schreiben ohne lang herumzuseiern.
    bestes beispiel imo: die moonlight bay-trilogie.

  15. DiBut sagt:

    @Muriel: Danke schön für das Willkommen, und ja, es war mein erster Kommentar, da ich Überschaubare Relevanz erst seit kurzem verfolge.

    Mein Kommentar bezog sich nicht explizit auf das Horror-Genre, eher auf die Phantastische Literatur allgemein. Und da gehört für mich Horror, Fantasy, Science Fiction, Verschwörungsthriller etc. dazu. Dan Brown fiel mir als Beispiel spontan ein, da ich sehr enttäuscht war, als ich das Buch ausgelesen und sich die aufgebaute Spannung in ein Logikwölkchen verabschiedet hatte (und Brown mögen wäre zu viel der Ehre, seine Bücher sind aber nette Reiselektüre in der Bahn auf dem Weg zur Arbeit).

    Zuletzt gelesen habe ich John King: The Football Factory, Cormac McCarthy: All die schönen Pferde und Grenzgänger sowie aktuell dabei Carsten Jensen: Wir Ertrunkenen. Bei diesen Büchern bin und werde ich zur vollsten Zufriedenheit bis zum Schluß unterhalten. Es geschieht wirklich sehr selten, das ein Buch aus dem Nicht phantastischen Bereich mich enttäuscht.

    Danke für Deine Tipps. Ich schaue mal ob etwas davon mich ansprechen könnte.

  16. Muriel sagt:

    @malefue: Ja, dieser „Die Welt rast auf den Abgrund zu“-Mist geht mir auch auf den Geist. Ich muss allerdings sagen, dass mir zurzeit nichts an Koontz einfällt, das ich gerne auf King übertragen hätte, insofern stehe ich deiner Kreuzungsidee eher skeptisch gegenüber.
    Moonlight Bay mochte ich beim ersten Lesen rasend gerne, und meine Lektorin fand es auch toll, aber als ich selbst es kürzlich noch mal in die Hand nahm, stellte ich – ohne große Überraschung – fest, dass ich nicht mehr weiß, was ich daran mal gut fand.
    @DiBut: Ist ja Geschmackssache. Ich habe von Brown nur Illuminati gelesen, und das auch nur, weil es mir geschenkt wurde. Da war das Ende für mich der einzige Teil, bei dem der Brechreiz ein bisschen nachließ.
    Mich würde sehr interessieren, ob eine meiner Empfehlungen dir gefällt. Auch falls nicht, kannst du mich das gerne wissen lassen.

  17. malefue sagt:

    das stimmt, koontz altert doch ziemlich rasch. als ich sein neuestes ausgeliehen hatte, konnte ich es auch nicht fertiglesen. vielleicht hat er aber auch nur nachgelassen, wird ja auch nicht jünger.
    und wer kann sich bei dem vielen geld noch zum schreiben motivieren.? : D

  18. fichtenstein sagt:

    Also ich glaube, das große Erklärbärproblem liegt an Leuten wie meiner Mutter, die etwa „Cube“ gucken und am Ende total sauer sind, weil man ihnen die Pointe nicht ordentlich sortiert vor die Nase gelegt hat, während ich grinsend daneben sitze und mich freue, dass mein Kopfkino was zu tun bekommen hat. Aber mein Kopfkino ist wohl dahingehend nicht die Zielgruppe, bzw. macht keine so große Gruppe aus wie die Erklärbärfreunde, weshalb dann doch immer das Indianerfriedhof-Genabwasser-Aliengedöns aufgenommen werden muss (Gerade Letzteres ist ja immer Kings Niedergang, was er damit nur immer hat und warum er damit wirklich gute Bücher ruinieren muss). Unlängst wirklich beeindruckt von der komplett anderen Art des Horrors war ich von „House of Leaves“, einem riesig dicken, postmodernen Horrorroman, der einfach nur genial ist, auch wenn er sich sehr kompliziert liest (Foster Wallace Art mit Siebenunddrölfzig Fußnoten pro Seite und übrigens 800+ Seiten insgesamt). Aber tatsächlich sehr unheimlich und Klischees kann man da lange suchen. Ansonsten – und ich habe mal zur Abwechslung relativ viel Horror gelesen – bevorzuge ich wirklich Kurzgeschichten, bzw. Novellen, selbst King ist da am Besten. Die Romane lese ich zwar immer sehr gerne, alleine, weil man sich da so schön „reinlesen“ kann, was ja bei KGs nicht wirklich möglich ist, aber sie gruseln nur selten, wie es etwa Horrorfilme oder aber Kurzgeschichten tun (Kings Kurzgeschichten sind da unschlagbar, genauso wie Clive Barker, der mich mit „In the hills, in the cities“ immer noch verfolgt).

  19. Muriel sagt:

    @fichtenstein: Cube ist auch ein gutes Beispiel, stimmt. Krankte bei mir an völligem Desinteresse an den Protagonisten, aber ansonsten ein gelungenes Erlebnis.
    Im Zweifel bin ich auch immer dafür, die Schuld auf den verdammten Mainstream zu schieben. Und manche Leute (nichts gegen deine Mutter) sind da echte Armleuchter. ich meine, Stephen King hat im Ernst Beschimpfungen und Drohungen bekommen, weil The Waste Lands ein zu offenes Ende hatte. Ein Teil einer Serie, verdammte Axt! Was simmt nicht mit diesen Vollpfosten?
    Und House of Leaves merke ich mir vor. Leider ist meine Leseliste ja jetzt für das nächste halbe Jahr mit Atlas Shrugged blockiert. Buäh.

  20. fichtenstein sagt:

    @Muriel: so geht es mir gerade mit „Infinite Jest“, das blockiert gefühlt schon seit Jahren meine Leseliste, aber irgendwie les ich dann doch immer fremd…Ich kann es irgendwie noch nicht über mich bringen, es einfach weg zu legen, aber es lesen…puh. Warum tut man sich sowas nur an?

  21. malefue sagt:

    „infinite jest“ ist eher sowas wie ein kompendium des absurden, als roman würde ich das gar nicht bezeichnen.
    aber was den umfang angeht, stimmt. 1000+ seiten, davon 200 fußnoten haben mich auch um wochen meines lebens gebracht. aber ich hab danach verstanden warum es damals wie ein blitz in die literaturszene eingeschlagen hat, man spürt einfach die energie eines besessenen. die präzision ist ehrfurchtgebietend.

  22. Günther sagt:

    […] Illuminati gelesen […]. Da war das Ende für mich der einzige Teil, bei dem der Brechreiz ein bisschen nachließ.

    Wow. Da muss ich jetzt einmal nachfragen. Bei mir war es genau umgekehrt, der größte Teil ging, und das Ende fand ich wirklich zum Brechen. Und ich hätte gedacht, wenn das irgendjemand auch so sehen würde, dann du… (inhaltlicher Abriss laut meinem Gedächtnis: Antimaterieexplosion in der Atmosphäre sorgt für „unerklärliches“ Naturschauspiel. Protagonist entschließt sich, der Menschheit nicht den waren Grund dafür zu nennen, damit die es für ein Wunder hält und der Glaube an Gott wieder gestärkt wird.)
    Dieses Ende hat mich damals wirklich aufgeregt. Wenn das nur die unfassbar dämliche und moralisch verwerfliche Entscheidung der Hauptperson gewesen wäre, schlimm genug. Wenn dabei aber auch noch die tatsächliche Einstellung des Autors durchzuscheint, wird es eine Zumutung.

  23. Muriel sagt:

    @Günther: Ich stimme deiner Einschätzung vollumfänglich zu. Das Ende hatte allerdings gegenüber der restlichen Geschichte immerhin noch den Vorzug, dass es (nach meiner Erinnerung) halbwegs ansprechend geschrieben war und mich überraschte.

  24. Muriel sagt:

    @fichtenstein: Infinite Jest kenne ich bisher nicht, merke ich mir aber auch mal. Warum ich selbst mir Atlas Shrugged antue, steht ja im einschlägigen Beitrag. Und auch, dass ich es wahrscheinlich nicht zu Ende lesen werde. Indiz: Ich bin jetzt bei 4% und überlege schon, ob ich noch weitermachen sollte.

  25. Günther sagt:

    @Muriel: Ja, überrascht hat es mich auch. Es war bei mir aber von der Sorte Überraschungen, auf die ich auch gerne verzichte. Aber in Ordnung, ich verstehe was du meinst.

  26. […] Dieses Buch ist leider keine Empfehlung. Ich fand es wie fast alle Horrorromane nach dem durchaus interessanten Anfang ausgesprochen enttäuschend. Es geht wohl auch kaum anders. […]

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