Die andere Sorte Atheisten

Vor ein paar Tagen schrieb Florian Freistetter, dass Religion und Wissenschaft nicht zusammenpassen, und er hat natürlich Recht.

In den Kommentaren zu seinem Artikel ist mir nicht zum ersten Mal aufgefallen, was mir unter solchen Artikeln oft nicht zum ersten Mal auffällt: Es ärgern sich Leute darüber, dass der Autor nur auf die naive, simple, dumme, fundamentalistische Art von Religion eingeht und sich überhaupt nicht mit den modernen, aufgeklärten, differenzierten und anspruchsvollen Argumenten für Glauben auseinandersetzt. Wenn man diese Kommentatoren dann fragt, welche Argumente sie meinen, verlinken sie in der Regel auf einen Artikel, in dem jemand ungefähr sowas sagt:

„Natürlich ist Gott kein alter Mann mit langem Bart und weißer Robe. Er ist vielleicht überhaupt kein Individuum in dem Sinne, wie wir dieses Wort verstehen. Gott ist nicht jemand oder etwas, er ist ein allem zugrundeliegendes Prinzip, er ist die Quelle der Naturgesetze, die Grundlage der Logik. Er ist natürlich nicht messbar, und er wirkt keine Wunder. Die Bibel ist nicht wörtlich zu verstehen, sondern nur eine gleichnishafte Schilderung einer Idee von Gott…“ [Nur ein fiktives Zitat]

Ich habe mich hier in meinem Beispiel mit den Fremdworten und komplexer Philosophie noch sehr zurückgehalten. Typischerweise kommen solche Artikel nicht ohne Verweise auf Kant, Hegel, Feuerbach, Marx,  und natürlich Habermas aus und streuen als Würze noch ein paar „Transzendenz“, „Immanenz“ und vielleicht noch ein bisschen Postmaterialistischen Säkularismus ein, oder sowas.

Deswegen klingt diese Art der Argumentation in der Tat erst einmal sehr aufgeklärt, differenziert, anspruchsvoll und beinahe wissenschaftlich. Wenn man sie nicht versteht. In Wahrheit ist da überhaupt nichts Anspruchsvolles. Da ist nur das Gottesbild, über das ich mich in meinem Marioismus-Post schon lustig gemacht habe. Und wer dieses Gottesbild vertritt, kann nach meiner Wahrnehmung nur einer von zwei Kategorien entstammen. Bei Unsicherheit, um welche es sich handelt, kann man einfach fragen, wie man eigentlich von einem nichtpersönlichen, transzendenten, nicht handelnden allem zugrundeliegenden Prinzip zu „Du sollst nicht töten“ kommt, oder einer beliebigen anderen ethischen Regel, oder überhaupt zu irgendwas.

Versucht unser Gesprächspartner tatsächlich, eine Antwort zu geben, ist er ein Heuchler, der mit all diesen nebeligen Worten nur seinen Gott und dessen Homophobie (zum Beispiel) schön reden will.

Gibt er unumwunden zu, dass das nicht geht und die Existenz (oder vielmehr: Herbeidefinition) seines Gottes keinerlei Konsequenzen für irgendwas oder irgendwen hat, dann ist er ein Atheist, der sich so tief in sein zusammenfabuliertes Weltbild hineingeschraubt hat, dass er noch nicht bemerkt hat, dass er schon wieder auf der anderen Seite herausgefallen ist.

(ab 01:30 beginnt der Hauptteil für die Eiligen)

Faustregel: Wenn du in deine religiöse Argumentation anstelle von „Gott“ genausogut „Skippy das Känguruh“, „Chuck Norris“ oder „Care Bears“ einsetzen kannst, ohne dass sich irgendwas ändert, solltest du sie noch mal überdenken.

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34 Responses to Die andere Sorte Atheisten

  1. malefue sagt:

    ähnliches kommt auch immer von „aufgeklärten gläubigen“, wenn es um die bibel geht:“das ist ja nicht alles wörtlich gemeint, alles metaphern blablabla…“
    wofür sind alle diese geschichten metaphern? bitte, bitte erklär mir das mal einer. vielleicht beginnend mit adam und eva und der versuchung, und dann noch die opferung des sohn gottes, der eigentlich gott selbst ist und auch wieder nicht usw…

    so viel blödsinn, so viel nonsens, und diese „sophisticated theologians“ (der terminus hat sich ja auch schon durchgesetzt, aber nie ohne ironische „“) winden sich und winden sich und es kommt nichts sinnvolles dabei heraus. dass die sich ernsthaft wissenschaftler nennen, macht mich krank.

    aber eines muss man ihnen lassen, muriel. sie haben einen großen vorteil: sie können einfach dinge erfinden, realitätsabgleich nicht nötig.
    „christianity – moving the goalposts for 2000 years“

  2. malefue sagt:

    achja: und natürlich denken diese „sophisticated theologians“, wie du auch schreibst, sie wären repräsentativ für ihren glauben. nicht, dass das was neues wäre, jeder gläubige denkt er wäre repräsentativ.
    das alles ist ein furchtbares intellektuelles chaos, wie man sich da nur freiwillig hineinbegeben kann, ist mir ein rätsel.

  3. Dietmar sagt:

    Da berührst Du eine wunden Punkt, malefue: Ich hielt mich lange Zeit auch für einen solchen Christen, der, wie Muriel beschreibt, meint, aufgeklärt auf die Bibel zu blicken. Ich sah die Bibel als Dokument der Auseinandersetzung mit dem Glauben an Gott, was ja auch immer noch stimmt, würde ich sagen, nur hat das eben keine höhere Bedeutung oder beinhaltet keine höhere Wahrheit, nach der sich und sein Leben auszurichten sinnvoll werden ließe.

    Und dann dachte ich tatsächlich, dass diese Art zu denken repräsentativ für den eigentlichen Kern des Christseins sei. Irgenwann fiel mir immer unangenehmer auf, dass die Leute, die immer schreiben oder sagen Jesus lebe, dies aber nicht metaphorisch meinen sondern als Realität betrachten. Dies und anderes, was ich vorher für irgendwie fundamentalistisch abgedrehten Unsinn hielt, ist der tatsächliche Kern und mein irgendwie philosophisch verbrämtes Glaubensbild stellte sich als Randerscheinung heraus. Die Religion ist also wirklich so platt und albern, wie dieser Unsinn zeigt.

    Ich denke, der Schock dieser Erkenntnis ließ mich zum ersten mal massiv zweifeln und hinterfragen. Lässt man diese Fragen für sich selbst erst einmal zu, ist es ganz schnell vorbei mit der christlichen Herrlichkeit. Ein paar Nächte intensiver Auseinandersetzung mit diesen Kernfragen und schon ist man schmerzfrei (naja, doch nicht schmerzfrei) Atheist geworden; hätte ich nie für möglich gehalten.

  4. madove sagt:

    @Dietmar
    Wie faszinierend…!
    Wenn Dir irgendwann mal danach ist, kannst oder magst du eventuell andeuten, wie das „passiert“ ist?
    Also eigentlich beides: Erstens, und für mich als Außenstehende fast noch rätselhafter: Wie es sich anfühlt, dieses Zeug wirklich zu glauben, wie man dahin kommt (Teil des Weltbilds der Eltern, nehme ich an?), UND wann und wodurch man dann aber dem Zweifel gegenüber so offen wird, daß man ihn zulassen kann, was ich mir überhaupt nicht „schmerzfrei“ vorstelle?

    Es gibt so viele Menschen, die ich eigentlich intellektuell extrem ernstnehmen würde, wenn sie nicht in irgendeinem Teil ihres Weltbildes den Weihnachtsmann oder das Spaghettimonster eingebaut hätten, und mich würde wirklich furchtbar eine Innenansicht interessieren, allerdings eben auf einer sachlichen Ebene, die man mit einem Noch-Betroffenen einfach per definitionem nicht erreicht.

    Aber wahrscheinlich ist das zu persönlich…?

  5. madove sagt:

    Achja, und apropos „Deinen eigenen Stil schreibst“:
    Ich habe heute nacht von Sturm geträumt (…wtf?!) und mich dann gefragt, wie es ihr geht. Falls es ihr überhaupt noch geht…

  6. madove sagt:

    Letzteres war natürlich für Muriel, und ist aus mir unerfindlichen Gründen im falschen Thread. Ich hör dann jetzt mal auf, hier rumzuspammen und geh an die Arbeit…

  7. Muriel sagt:

    @madove: Spam ruhig weiter. Mich würden auch Einzelheiten des Traums interessieren.
    Ich habe „Gefallen“ übrigens nicht vergessen. Zurzeit vernachlässige ich nur andere Dinge, die mir ein noch schlechteres Gewissen bereiten als das. Trotzdem habe ich mir fest vorgenommen, demnächst mal wieder ein Kapitel anzubieten. Nachdem hier ansonsten in den letzten Tagen ja doch eher konfuse Gedankenströme erschienen sind, wollte ich aber sicherstellen, dass das wenigstens gut wird. Und das dauert natürlich ein bisschen.
    Oder so.

  8. TakeFive sagt:

    @Dietmar:
    Genau das Abgrenzen zwischen diesen beiden Bereichen (einerseits das wörtliche, lächerliche; andererseits das philosophischere) macht mir teils Probleme:
    Wenn gerade das Lächerliche überwiegt bin ich mir meiner Überzeugungen absolut sicher, aber wenns um die philosophischen Seiten oder Interpretationsmöglichkeiten geht frage ich mich teils ob ich einfach nur zu oberflächlich bin und dadurch nur den schlechten Teil sehe.
    Dass die Mehrheit der anderen scheinbar an den lächerlichen Teil glaubt und auch noch stolz darauf ist heißt ja nicht dass das andere nicht da wäre..

  9. malefue sagt:

    @TakeFive: du hast dich zwa ran dietmar gewandt, aber ich hab dazu auch ein bisschen senf.
    das ist schön und gut, das philosophische an z.b. dem christentum, aber das ist doch alles nichts christliches, geschweige denn religiöses. das sind fundamentale menschliche erkenntnisse, entstnaden durch logik und soziales miteinander. keine dieser weisheiten taugt dazu übernatürliches zu rechtfertigen, geschweige denn gebote in ganz anderen bereichen zu errichten.

  10. malefue sagt:

    abermals muss ich mich für meine rechtschreibfehler entschuldigen.

  11. thehax sagt:

    Mir fällt da ein tolles Spielchen ein, welches durchzuführen sich sicherlich als interessant und lohnenswert herausstellen würde:
    Man nehme zwei Gruppen Menschen gleicher Menge, wobei sich eine Gruppe (A) aus Atheisten, die andere Gruppe (C) aus Menschen christlichen Glaubens zusammen setzen.
    Jede Gruppe möge nun über einen Gewissen Zeitraum Argumente für ein Streitgespräch sammeln, wobei jede Gruppe die Standpunkte der Gegenseite zu vertreten hat.

  12. malefue sagt:

    was ist hilfeich daran eine position zu verteidigen die man für fundamental falsch und unmoralisch hält mit argumenten die unehrlich sind und auf ignoranz beruhen?
    diese übungen aus dem soziologiestudium sind zwar nett und auch total aufegschlossen usw, bringen aber keiner debatte was.

  13. Muriel sagt:

    @thehax: Willkommen in meinem gemütlichen kleinen Blog.
    Ich bin mir jetzt nicht sicher, wo ich zwischen dir und malefue stehe.
    Einerseits gebe ich dir insofern Recht, als ich das generell für eine sehr gute Übung halte, die einem hilft, die andere Seite besser zu verstehen.
    Andererseits habe ich das Problem, das in malefues Kommentar auch schon anklingt: Mir fällt kein einziges gutes Argument für christlichen Glauben ein. Ich habe nach meiner Erinnerung auch noch nie eines gehört, das nicht entweder ein Irrtum oder unehrlich oder beides wäre.
    @malefue: Ich finde, du übertreibst dramatisch. Dass diese Übung keiner Debatte etwas bringt, halte ich für evident falsch. Und ich würde behaupten, sogar bei so einer verlorenen Position wie der christlichen ist es nützlich, sie zu verstehen, bevor man gegen sie argumentieren will. Darüberhinaus hilft es auch bei unehrlichen Argumenten, sich vorher mit ihnen auseinanderzusetzen, damit man weiß, wie man im Ernstfall mit ihnen umgeht.
    Du musst es ja nicht machen, aber ich finde es durchaus hilfreich, sich in die Position der anderen zu versetzen.

  14. thehax sagt:

    Anders herum.
    Der Weihnachtsmann wird mir ja auch nicht reeller, wenn ich eine Debatte für seine Existenz führe.
    Aber wie viele Lichter mögen einem wohl am Tannenbaum aufgehen, wenn man erst einmal anfängt dagegen zu argumentieren?
    Von „hilfreich“ war auch nicht die Rede, aber lohnenswert, weil dies womöglich dem ein oder anderen Dietmar auf die Sprünge helfen könnte.
    In jedem Falle ging es auch nur um ein „Spielchen“, wie dem aufmerksamen Leser sicherlich nicht entgangen ist.

  15. madove sagt:

    @Muriel
    Ach, halt wieder einer von diesen Träumen…
    Ich erinnere mich nur an wenig klare Handlungselemente, aber es muß sich um irgendeine Actiongeschichte gehandelt haben, wir sind zusammen vor irgendwas Gefährlichem weggerannt, sie und ich, und sie hat es mit irgendwas beworfen (Vögel?); und ich bin aufgewacht beim über eine Klippe rennen in der panischen Hoffnung, daß ich fliegen darf, aber eher schrecklich…

  16. Muriel sagt:

    @madove: Was mag das gewesen sein, wovor Sturm wegläuft? Vielleicht finden wir’s noch raus. Aber nicht mehr in diesem Teil der Geschichte.

  17. malefue sagt:

    das ist etwas schärfer geworden als beabsichtigt, entschuldigt. natürlich bin ich dafür die argumentation der religionisten zu verstehen. aber dieses plätzetauschen in einem „spiel“ halte ich für filefanz, nicht böse sein.
    ich führe solche diskussionen schon länger und die argumente werden ohnehin nicht besser, es ist ein ewiges ringelspiel.

  18. SexyDevil90 sagt:

    Das Christentum ist eine Krankheit. Um sie zu heilen müssen wir in die Köpfe der Erkrankten schauen. Das besonders tückische an dieser Pest ist allerdings, dass die „Gläubigen“ meinen sie könnten ohne diese nicht aufrecht stehen. D.h. sie haben Angst sich auf eine Behandlung einzulassen. Also wird der Kopf gegenüber unseren Argumenten einfach zu gemacht, daraus folgt: ringelspiel.

    Was tun?

    Vorher muss man ihnen also ein neues „Elysium“ zeigen. Erst wenn sie von dessen Schönheit überzeugt sind, kann mit der eigentlichen Behandlung begonnen werden. Natürlich dürfen sie vorher nicht merken, dass wir Arzt sind. Also werden wir uns wohl verkleiden müssen. Am besten eignet sich hier wohl die Maske der (ihrer) Tugend. Bedenkt dies stets bei eurem Feldzug.
    Teufel, Teufel ist das verzwickt.

    P.S.:Entschuldigt die vielen medizinischen Vergleiche (muss am Studium liegen). Hoffe die sind nicht zu hart.

  19. Muriel sagt:

    @SexyDevil90: Zu hart… Naja, ich stimme dir inhaltlich nicht so ganz zu, aber zu hart finde ich’s nicht.

  20. malefue sagt:

    hast du auch irgendwelche vorschläge wie das zu machen wäre, werde aus deinem post nicht so recht schlau.

  21. Daniel sagt:

    Ui, jetzt habe ich ein wenig Sorge, mich über Gebühr zum Thema zu machen, wenn ich darauf antworte, wie das denn kam. (Außerdem denke ich gerade darüber nach, ob meine Empörung gerechtfertigt ist, dass Art. 1 für überflüssig gehalten wird; habe noch nichts zusammen und ziehe in Erwägung, dass das quasi-religiöse Gründe haben kann.)

    Kurz gesagt hatte ich immer die Überzeugung, dass da etwas/jemand ist das/der mich hält. Dazu kam, dass ich dachte, darüber könne man etwas erfahren, wenn man sich dem Glauben intensiv widmet. Und schließlich fand ich die erlebte Friedfertigkeit in den Gemeinden, wo ich so war, schön (allerdings nervten mich immer schon die „Hardcore-Christen“ mit ihrem Gesülze). Wirklich streng gläubig war mein Elternhaus eigentlich nicht, ich bin da eher durch Kirchenaktivitäten hineingewachsen; tatsächlich hatte ich eine sehr freie, selbstbestimmte Jugend, da war mein Elternhaus sicher nicht das schlechteste.

    Auf der anderen Seite war ich wohl der Einzige unter Gleichaltrigen, der v. Ditfurth, Sagan und Ähnliches las. Jetzt hat die rationale Seite gewonnen, könnte man sagen. Es gab einige echte Schicksalsschläge, die aber auf diese Entscheidung keinen Einfluss haben, denn genauso sehe ich einfach wahnsinnig viel Gutes in meinem Leben.

    Eigentlich fing der Umschwung an, als ich erkannte, dass ich in Diskussionen um den Glauben gewisse Tricks anwendete und sachlich gesehen nicht standhalten konnte.

    Was ich nicht für möglich gehalten hätte in meiner „christlichen Phase“ ist, dass das Loslassen des christlichen Glaubens sehr befreiend ist. Nicht, weil ich an die Hölle geglaubt und davor Angst gehabt hätte. Es ist vielmehr so, dass ich das Leben, das ich führe, stärker genieße, mehr Freude an den Menschen habe, die ich mag (und das sind ganz schön viele), eigentlich ständig alle möglichen netten Leute umarmen möchte *Blümchen-streu*. Im Ernst: Das ist wirklich so, ich habe mehr Freude am Leben und an dem was ich tue.

    Ich habe einen wichtigen Teil meines Einkommens durch Arbeit in der Kirche erzielt. Als mir klar wurde, dass ich da nichts mehr glauben kann, stellte ich diese ein. Diesen wirklichen Grund habe ich dort nicht angegeben, weil ich niemanden verletzen und auch den menschlichen Kontakt behalten will. Aber durch diesen Verzicht ist meine betriebliche Situation prekär geworden, wobei sie vorher schon nicht so wahnsinnig rosig war. Es wäre aber nicht mehr gegangen, da zu arbeiten und etwas zu vertreten, was so falsch ist.

    Hoffentlich war das nicht zu lang und zu egotrippig (die deutsche Sprach kann so schön sein 🙂 ). (Und über die Überflüssigkeit des Art. 1 ärgere ich mich immer noch. Hmmm …)

  22. Dietmar sagt:

    Oh! „Daniel“ ist „Dietmar“!

    (Mein Sohn hat bei den „Astrokids“ kommentiert.)

  23. Dietmar sagt:

    „Astrozwerge“ heißen die.

    Interessiert keinen?

    Verstehe ich gut.

    Das Bett ruft …

  24. S. Van Lure sagt:

    die faustregen gefällt mir;)
    die wahrheit kennt nur g… chuck norris 😉

  25. madove sagt:

    @Dietmar

    Wow, vielen Dank!
    Ich hab hier zwar nicht das Hausrecht, aber für mich war es nicht zuviel über dich, im Gegenteil.
    Und ich hab ziemlichen Respekt vor den Entscheidungen, die Du da getroffen hast…
    Was mich noch interessieren würde: die Überzeugung, daß es „etwas gibt, das Dich hält“, hast Du die noch? Wenn ja, wie baust Du sie in ein nicht-religiöses Weltbild ein, und wenn nein, war der Verlust nicht sehr schwierig? Und als du sie hattest, war das eher ein Bauchgefühl oder ein Kopfgefühl?
    Sorry für die Neugier, mich fasziniert das so…

    @Muriel
    Wenn Dir das hier zu sehr vom Thema abweicht, sag bescheid und wirf uns raus, wir können auch zu mir gehen 😉

  26. Muriel sagt:

    Ich sag mal, wenn Hausrecht zu Hausunrecht wird, wird Hauswiderstand zur Hauspflicht.
    Oder anders: Ich bin da nicht so.

  27. Dietmar sagt:

    @madove: Das beschriebene Gefühl habe ich nicht mehr. Dass ich damals so dachte, hat wohl psychologische Gründe. Unsicherheit wohl auch. Ich war davon wirklich überzeugt und sah in allem Möglichen Beweise dafür, dass das so ist. Das war also sowohl gefühlte Überzeugung als auch Kopfsache.

    So seltsam das vielleicht klingt, aber ich sehe es gar nicht als Verlust, dass das durch Aufklärung weg ist. Das ging auch irgendwie ziemlich schnell, dass ich mich damit abgefunden habe, dass das Unsinn ist. Das ist wohl so, weil für mich Glaube immer eine Energieleistung war. Ich habe mich da in etwas hineingeworfen, wenn man so sagen kann. Und heute ist es so, dass viele Verzweiflungs-Gedanken gar nicht erst aufkommen, die ich in Gebeten hervorgerufen habe, um sie dann zu überwinden. Als deutlichstes Beispiel dafür vielleicht: Wenn man aus Angst vor dem Tode sich alles Mögliche ausmalt, darüber viel nachdenkt, bittet und fürbittet etc., dann ist das, war das für mich jedenfalls, emotional aufwändig. Sich klar zu sein, dass da einfach nichts sein kann, kostet keinerlei Aufwand. Man muss für nichts mehr flehen und bitten, man muss sich um sich und andere für das Danach keine Gedanken machen. Mir geht es erheblich besser ohne den Glauben als jemals mit ihm.

    Wir verlieren ja alle im Laufe unseres Lebens liebe Menschen, und wir erleben vielleicht auch andere Härten und Schicksalsschläge. Besonders wenn dies einem unfair, ich weiß jetzt kein besseres Wort dafür, vorkommt, ist das schwer zu bewältigen. Ich kann an mir beobachten, dass diese Ereignisse für mich als Atheist besser zu verarbeiten sind, als sie es früher waren. Es gibt da Vorkommnisse, die mich bis heute untröstlich machen. Aber heute ist es mir einerseits schneller möglich, einen Schlusspunkt zu akzeptieren und andererseits wichtiger und wertvoller, die nutzbare Zeit auch zu verwenden.

    Ich habe alles stehen und liegen lassen, um meine Schwester noch einmal zu besuchen. Die anstehenden Termine habe ich kurzfristig abgesagt, meine Mutter und meinen Bruder abgeholt und losgefahren. Als wir dann bei ihr waren, ist sie ruhiger geworden, besonders als meine Mutter mit ihr sprach; das war so deutlich, dass das sicher keine Einbildung von uns war. Wir haben uns dann so verhalten, wie wir das immer getan haben, wenn wir uns trafen, und haben im großen Familienkreis viel geredet und tatsächlich auch uns humorvoll unterhalten. Immer wieder sahen wir nach ihr, und sie schien das wahrzunehmen; jedenfalls sagte mein Schwager, dass sie erheblich ruhiger geworden sei. (Der Krankheitsverlauf gibt es auch her, dass sie wahrnehmungsfähig war.) Als ich mit meiner Mutter allein neben dem Krankenbett saß und sie von Früher erzählte, von der Geburt meiner Schwester, wie sie als Kind war, wie sie mit uns umging, was sie aus ihrem Leben gemacht hat, starb sie still.

    Ich vermisse sie. Sie war ein unglaublich interessierter und liebenswerter Mensch. Ich weiß nur von einer einzigen Person, die sie nicht mochte, nämlich ihre Schwiegermutter, und das zählt irgendwie nicht, finde ich. Es ist aber tatsächlich leichter, die Endgültigkeit anzuerkennen, als sich in falschen Trostphantasien zu flüchten, die Trost nur vogaukeln.

  28. madove sagt:

    @Dietmar
    vielen Dank für die schöne ausführliche Antwort.

    Das, was Du als jetzigen Zustand beschreibst, entspricht ja auch meiner Wahrnehmung der Realität, aber ich bin Dir dankbar für den Vergleich, den ich nicht habe und mir eben auch nicht worklich vorstellen kann – ich kann ja, selbst wenn ich einen religiösen Trost suchen würde, nicht einfach anfangen, etwas zu glauben, das ich nicht glaube. Aber ich stelle mir manchmal schon vor, es wäre zwar falsch (weil erfundener Humbug), aber schön, ein bißchen so, wie zurück in die Matrix zu gehen.
    Gerade deshalb finde ich Deine Beschreibung interessant, insbesondere auch, daß Du es explizit als energieaufwändig beschreibst.

    (Wann war das mit Deiner Schwester?)

  29. Dietmar sagt:

    @madove: Meine Schwester starb im Januar diesen Jahres.

  30. madove sagt:

    @Dietmar
    Jetzt hab ich mich in die Situation gebracht, wo ich gerne irgendwas Richtiges sagen/schreiben würde, und es aber glaubich einfach nichts gibt.

  31. Dietmar sagt:

    @madove: Danke für Deine Anteilnahme!

  32. […] Ach, egal.), und Löffler findet, dass er fast nur Unwahres über Religionen behauptet (bitte hier entlang), und das lassen wir einfach mal so […]

  33. Chrigu sagt:

    Gut und frech geschrieben!
    PS: Ich glaube, der Philosoph heisst Feuerbach, nicht Feuerstein. Es sei denn, Familie Feuerstein hätte auch wesentliche religionsphilosophische Beiträge einzubringen. 🙂

  34. Muriel sagt:

    Ups. Danke, das korrigiere ich natürlich gleich mal.

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