Sinnloser Gastbeitrag

20. Oktober 2011

Ja, so einfach ist es, einen Gastbeitrag auf überschaubare Relevanz unterzubringen. Schickt mir einfach was, worüber ich sowieso schon viel nachgedacht habe und das möglichst irgendwo nah bei meiner Meinung liegt. So hat TheHax es gemacht, und seht, wie schnell es geht. Hier könnte euer Beitrag stehen!

(Dass es unter Umständen sogar noch viel einfacher sein kann, ist für jeden Stammleser offensichtlich, aber ich halte es nicht für opportun, darauf noch plakativ hinzuweisen. Kommen wir also ohne weitere Umschweife zu TheHax‘ Gastbeitrag, für den ich ihm jetzt schon herzlich danke.)

Es war ein Tag wie dieser vor ein paar Monaten, da trug ich einen innerlichen Aufschrei über eines der achso-gar-nicht-sozialen Netzwerke heutiger Tage in die Welt hinaus. Damals wie heute überkam mich eine Gemisch aus Entsetzen und Ärger gepaart mit einem starken Mitteilungsbedürfnis, dem Wunsch möglichst vielen Leuten ordentlich die Meinung zu sagen. Die Meinung worüber? Über vieles. Zum Beispiel: den Sinn des Lebens.

Da wurde mir angeboten, meinen Gedanken in schriftlicher Form verfasst einen Raum zu geben. Diesen Raum. Heute ist es für mich an der Zeit dieses Angebot aufzugreifen und mit ein paar Fragen aufzuräumen.
Warum gibt es uns? Was macht uns so besonders? Warum können gerade wir uns diese Gedanken machen? Wofür sind wir geschaffen? Welchen Sinn haben wir? Und welchen unsere Existenz? Und Alles? Welche Aufgaben haben wir?
Jahrtausendelang haben sich namhafte und weniger namhafte Philosophen über diese Fragen den Kopf zerbrochen. Leider ist die Antwort auf meine typische und eigentlich rethorische Gegenfrage „Who cares?“ reichlich unbefriedigend. Denn eine nicht unrelevante Anzahl von Menschen lässt sich diese Fragen nur allzugern mit Ammenmärchen, also mit der Religion beantworten, dabei wird häufig übersehen, dass selbst die Religion vielfach selbst nur äußerst unbefriedigende Antworten liefert.

Dabei lassen sich die Fragen erfrischend einfach klären: Es gibt keinen Sinn. Und damit wäre eigentlich schon alles gesagt.
Doch vielen ist die Klarheit und Logik dieser Erklärung schlicht zu viel, ist unerwartet oder unerwünscht. Das hat ganz unterschiedliche Gründe. Da gibt es zum Einen die menschliche Annahme, dass (scheinbar) komplexe Fragen auch einer komplexen Antwort bedürfen. Andererseits liegt es in der menschlichen Natur unbekanntes mit bereits bekannten Mustern zu erklären. Das Ursache-Wirkung-Prinzip ist eines der fundamentalen Gesetze im menschlcihen Leben. Da fällt es dem Gehirn schwer zu fassen, dass es für die persönliche Existenz keine (befriedigende) Erklärung gibt.Es kommt aber auch eine gehörige Portion Arroganz hinzu. Seit je her bezeichnet sich der Mensch als „Krone der Schöpfung“ oder neuerdings als „Spitze der Evolution“.
Noch Heute, ganz seriös. Als Träger dieses Titels muss man eben einen spezielleren Sinn, eine Rechtfertigung haben.

Aber nicht nur der spezielle Sinn ist eine Fehlannahme, vielmehr ist es die Arroganz des Menschen, der die Sicht auf die Realität verschleiert. Der Titel „spitze der Evolution“ an sich ist schon ein völliger Fehlgriff.
Evolution ist ein fortwährender Prozess, der an millionen Punkten zugleich und völlig ohne Ziel vonstatten geht. Der Mensch stellt heute bestenfalls  eine gewisse Anzahl von Punkten in der Evolutionsgeschichte der Säugetiere dar. Sein Bewusstsein stellt er dabei als herausragendes Merkmal dar und spricht sogleich allen anderen Lebewesen (sogar entgegen wissenschaftlich erbrachten Forschungsergebnissen), jegliche Form und Fähigkeit zu ebendiesem ab. Menschen halten sich gern für Einzigartig und leiten den exklusiven Sinn (ihres) Lebens von dieser Einzigartigkeit ab.

Abgesehen davon, dass sich alle Unterschiede zwischen Mensch und Elefant, Ameise, Begonie, Klopapier, Wassertropfen, Staubkorn beliebig marginalisieren und die Einzigartigkeit damit ad absurdum führen lassen, bleibt die Frage nach dem Sinn des Großen, des Ganzen, des Universums und seiner Zusammenhänge.
Aber warum eigentlich? Wozu bräuchte es einen Sinn?
Ein Sinn ist eine Intention, etwas bewusstes. Etwas Ursachengebendes. Einen Sinn zu geben bedeutet in gewisser Weise eine Art Bewusstsein dahinter zu setzen, also eine Art religiöser Instanz.
Ein rein menschliches Bedürfnis, einerseits ebenfalls durch Arroganz geprägt, andererseits durch die Angst vor dem Ungewissen.

Der Mensch hat Angst. Angst vor dem Unbekannten. Was gibt es unbekannteres, ungewisseres als den (eigenen) Tod? Das geben eines Sinnes, eines Bewusstseins hinter der eigenen Vergänglichkeit soll diese Angst lindern.
Jedoch verklärt es den Blick für das Wesentliche. Das Hier und Jetzt.

Die Sinnessuche beraubt den Menschen der Freiheit einer wunderschön relativierenden Erkenntnis:
Nichts hat einen Sinn.


Nieder mit der Menschenwürde

18. Oktober 2011

Ich mochte Art. 1 I GG nie besonders. Ich will nicht leugnen, dass es manchmal eher irrationale Gründe waren, die mir die postulierte Unantastbarkeit der Menschenwürde unsympathisch machten. Sicher hatte meine Abneigung dagegen auch damit zu tun, dass die Leute, die sich extensiv darauf berufen, in der Regel anderer Meinung sind als ich. Aber es gibt auch echte Gründe, aus denen ich diese Norm für keine gute Idee halte, auch wenn ich damit wahrscheinlich ziemlich alleine stehe. Manche sind besser, manche schlechter, aber im Großen und Ganzen führen sie dazu, dass ich mich freuen würde, wenn Art. 1 I GG ersatzlos gestrichen würde.

Zunächst mal ist er einfach überflüssiges Geschwurbel. Lesen wir mal Absatz II:

Das Deutsche Volk bekennt sich darum zu unverletzlichen und unveräußerlichen Menschenrechten als Grundlage jeder  menschlichen Gemeinschaft, des Friedens und der Gerechtigkeit in der Welt.

Nuff said, oder? Was muss man da noch so ein wolkiges Konzept wie die Menschenwürde einführen, die niemals vernünftig definiert wurde und deshalb alles und nichts bedeutet? Was muss man sie für „unantastbar“ erklären, obwohl sie es eindeutig nicht ist?  Und seien wir mal ehrlich: Wenn ich mich entscheiden muss, dann hätte ich lieber, dass mein Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit (Art. 2 II) für unantastbar erklärt werden als meine Würde. Oder vielleicht die freie Entfaltung meiner Persönlichkeit (Art. 2 I). Sicher, Würde ist auch nicht schlecht, aber ich finde, sie wird überschätzt.

Da mag jetzt ein gewisses Ressentiment in euch aufkeimen, aber ich finde, das ist nicht berechtigt, und teilweise (Je nachdem, was ihr sonst so denkt.) auch schlicht heuchlerisch. Wer dieses unselige Rumgekasper an Flughäfen für angemessen hält, und zur Not auch das Innere anderer Menschen auf Drogen untersuchen möchte, der kann mir nicht erzählen, dass die Menschenwürde für ihn „unantastbar“ ist. Und das ist doch auch gut so. Nicht unbedingt bei Drogen. Da bin ich noch nicht überzeugt, dass wir diese Branche überhaupt kriminalisieren müssen. Aber darum geht es hier nicht. Es geht um Menschenwürde, was auch immer das ist, und ihre Antastbarkeit. Und ich bin der Meinung, dass die Menschenwürde durchaus mal angetastet werden kann, wenn das sein muss, um Leben und Gesundheit anderer Menschen zu schützen.

Ja, aber darum geht es doch gar nicht, sagen die Verfechter von Art. 1 I GG. Die Menschenwürde ist ja jetzt nicht so unantastbar, dass jeder sich sofort darauf berufen könnte, sobald er sich irgendwie unwürdig behandelt fühlt, weil er sich zum Beispiel nackt ausziehen und von einem völlif Fremden befummeln lassen muss. Die Menschenwürde ist mehr… ein allgegenwärtiges Sein, das sich zugleich in Differenz (nicht Distanz) und in Einheit (nicht Gleichheit) zum Sein der Welt verhält. Oder so. Also gar nichts. Und dann sind wir wieder bei Anfang: Wofür ist so ein Konzept überhaupt gut?

Wenn ich das richtig überblicke, nutzt unsere BverfG die Menschenwürdegarantie nur als Auffangvorschrift, wenn ihm mal irgendwas nicht in den Kram passt, aber keine einschlägige Grundgesetznorm zur Hand ist. Abschuss von zivilen Flugzeugen? Hm… Schwierig… Recht auf Leben ginge, aber die Leute, die man rettet, haben ja auch eins, da müsste man abwägen, das ist aber doof… Ach komm, Menschenwürde, fertig, auf zum Golfplatz.

Ich kann mich in der Tat kaum an Gelegenheiten erinnern, zu denen jemand etwas Fundiertes zu sagen hatte und sich dazu auf die Menschenwürde berufen musste. Geht es euch da anders? Nach meiner Erfahrung braucht die nur, wer sonst keine Argumente hat. Und damit ist das Konzept erstens nutzlos, und damit zweitens auch gleich schädlich, denn unbedeutendes Gefasel ist keine gute Einleitung für eine Verfassung, sondern entwertet sie, wie dumme und nutzlose Vorschriften jedes Gesetz entwerten.

Down with dignity! Who’s with me?


Die andere Sorte Atheisten

17. Oktober 2011

Vor ein paar Tagen schrieb Florian Freistetter, dass Religion und Wissenschaft nicht zusammenpassen, und er hat natürlich Recht.

In den Kommentaren zu seinem Artikel ist mir nicht zum ersten Mal aufgefallen, was mir unter solchen Artikeln oft nicht zum ersten Mal auffällt: Es ärgern sich Leute darüber, dass der Autor nur auf die naive, simple, dumme, fundamentalistische Art von Religion eingeht und sich überhaupt nicht mit den modernen, aufgeklärten, differenzierten und anspruchsvollen Argumenten für Glauben auseinandersetzt. Wenn man diese Kommentatoren dann fragt, welche Argumente sie meinen, verlinken sie in der Regel auf einen Artikel, in dem jemand ungefähr sowas sagt:

„Natürlich ist Gott kein alter Mann mit langem Bart und weißer Robe. Er ist vielleicht überhaupt kein Individuum in dem Sinne, wie wir dieses Wort verstehen. Gott ist nicht jemand oder etwas, er ist ein allem zugrundeliegendes Prinzip, er ist die Quelle der Naturgesetze, die Grundlage der Logik. Er ist natürlich nicht messbar, und er wirkt keine Wunder. Die Bibel ist nicht wörtlich zu verstehen, sondern nur eine gleichnishafte Schilderung einer Idee von Gott…“ [Nur ein fiktives Zitat]

Ich habe mich hier in meinem Beispiel mit den Fremdworten und komplexer Philosophie noch sehr zurückgehalten. Typischerweise kommen solche Artikel nicht ohne Verweise auf Kant, Hegel, Feuerbach, Marx,  und natürlich Habermas aus und streuen als Würze noch ein paar „Transzendenz“, „Immanenz“ und vielleicht noch ein bisschen Postmaterialistischen Säkularismus ein, oder sowas.

Deswegen klingt diese Art der Argumentation in der Tat erst einmal sehr aufgeklärt, differenziert, anspruchsvoll und beinahe wissenschaftlich. Wenn man sie nicht versteht. In Wahrheit ist da überhaupt nichts Anspruchsvolles. Da ist nur das Gottesbild, über das ich mich in meinem Marioismus-Post schon lustig gemacht habe. Und wer dieses Gottesbild vertritt, kann nach meiner Wahrnehmung nur einer von zwei Kategorien entstammen. Bei Unsicherheit, um welche es sich handelt, kann man einfach fragen, wie man eigentlich von einem nichtpersönlichen, transzendenten, nicht handelnden allem zugrundeliegenden Prinzip zu „Du sollst nicht töten“ kommt, oder einer beliebigen anderen ethischen Regel, oder überhaupt zu irgendwas.

Versucht unser Gesprächspartner tatsächlich, eine Antwort zu geben, ist er ein Heuchler, der mit all diesen nebeligen Worten nur seinen Gott und dessen Homophobie (zum Beispiel) schön reden will.

Gibt er unumwunden zu, dass das nicht geht und die Existenz (oder vielmehr: Herbeidefinition) seines Gottes keinerlei Konsequenzen für irgendwas oder irgendwen hat, dann ist er ein Atheist, der sich so tief in sein zusammenfabuliertes Weltbild hineingeschraubt hat, dass er noch nicht bemerkt hat, dass er schon wieder auf der anderen Seite herausgefallen ist.

(ab 01:30 beginnt der Hauptteil für die Eiligen)

Faustregel: Wenn du in deine religiöse Argumentation anstelle von „Gott“ genausogut „Skippy das Känguruh“, „Chuck Norris“ oder „Care Bears“ einsetzen kannst, ohne dass sich irgendwas ändert, solltest du sie noch mal überdenken.


Was Geburtstagspartys mit Shadow of the Colossus gemein haben

16. Oktober 2011

Ich erwähnte ja in meinem letzten Post dazu, dass der nette Mann von dem Verlag mir noch einen zweiten Versuch zugestanden hatte, ihn zu überzeugen. Ich machte mir dabei nicht viel Hoffnung, denn ich dachte, wenn seine Lektoren mich beim ersten Mal nicht lustig fanden, werden sie wohl kaum bei meinem zweiten Entwurf vor Lachen von ihren Bürostühlen fallen. Ich wollte aber andererseits eine solche Chance nicht einfach verstreichen lassen und nahm mir noch ein bisschen Zeit, um mir zu überlegen, was ich Lustiges schreiben könnte, das ein bisschen nerdiger und ein bisschen mehr nach Sheldon klingen würde als mein erster Versuch.

Im Ergebnis ist nicht viel dabei herausgekommen, und er hat verständlicherweise auch nicht mehr geantwortet [Nachtrag: Hat er inzwischen doch. Sehr nett sogar. Wird trotzdem nichts.], aber vielleicht interessiert es euch ja trotzdem:

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Ayn Rant kommt selten allein: 6%

13. Oktober 2011

Atlas Shrugged ist ein bisschen wie Twilight. Zum Beispiel, weil es nicht nur für meine Cred (Ich weiß, ich habe nicht genug davon, um den Ausdruck benutzen zu dürfen, aber.), sondern auch zur Verdeutlichung meiner wahren Position eigentlich opportun wäre, einen völligen Verriss davon zu schreiben – und wer weiß, vielleicht mache ich das am Ende ja auch, ich habe gerade erst 6% gelesen. Aber auch, weil ich es wirklich mit der festen Absicht angefangen habe, es richtig schlimm zu finden. Und weil es fanatische Fans hat, von denen ich insgeheim hoffe, dass ein paar auch hier auftauchen werden, um mit mir zu streiten. Bisher würde ich aber sagen, dass Atlas Shrugged genau wie Twilight nicht ganz so schlimm ist wie sein Ruf, was allerdings – genau wie bei Twilight – nicht viel heißt.

Dieser Absatz fasst vielleicht ganz gut meine bisherige Leseerfahrung zusammen:

The adversary she [sc. Dagny Taggart] found herself forced to fight was not worth matching or beating; it was not a superior ability which she would have found honor in challenging; it was ineptitude – a grey spread of cotton that seemed soft and shapeless, that could offer no resistance to anybody, yet managed to be a barrier in her way.

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Billigjobs

10. Oktober 2011

Wenn wirres.net es verlinkt, kann es nicht so schlecht sein, dachte ich, aber wieso sieht es dann so schlecht aus? Verwirrt klickte ich auf den Link und stellte fest, dass es sehr wohl kann. Naja. Nicht mal Herr Schwenzel ist unfehlbar, das sollte mich doch eigentlich eher ermutigen.

Kawasakiguy hat unter dem Titel „What I learned from Steve Jobs“ ein buntes Potpourri aus lahmen Ratschlägen zusammengestellt, und von grenzwertig nutzlosen bis hin zu nachgerade gefährlichen Zutaten alles reingeworfen, was ihm gerade an Gedankenresten auf die Tastatur krümelte. Beginnen wir mit ix‘ Lieblingsteil gleich am Anfang:

Experts are clueless.

Experts—journalists, analysts, consultants, bankers, and gurus can’t “do” so they “advise.”

Sensationell, oder? Wenn mir das doch nur früher schon jemand gesagt hätte, dann könnte ich wahrscheinlich genauso reich sein wie Steve Jobs, nur hoffentlich noch am Leben. Verdammt. Woran man erkennt, dass alle Experten keine Ahnung haben? Ganz einfach:

For example, the experts told us that the two biggest shortcomings of Macintosh in the mid 1980s was the lack of a daisy-wheel printer driver and Lotus 1-2-3; another advice gem from the experts was to buy Compaq

Donnerlittchen. Die Empfehlungen von Experten sind manchmal falsch? Warten Sie auf weitere brisante Entdeckungen wie „Fertiggerichte sind manchmal gar nicht lecker.“ oder „Bankberater sind manchmal gar nicht objektiv.“ Okay. Wir haben gelernt, dass Experten ahnungslos sind. Die Empfehlung ist offensichtlich:

Hear what experts say, but don’t always listen to them.

Hm? Wie? Ich denke, die sind ahnungslos, warum soll ich ihnen denn zuhören? Wie? Ach so, weil sie gar nicht ahnungslos sind. Es geht nur darum, dass man nicht immer auf sie hören sollte. Verstehe. Wäre ich nie drauf gekommen. Warten Sie auf weitere bahnbrechende Empfehlungen wie „Nur bei Grün über die Straße“ oder „Billig kaufen, teuer verkaufen“.

Na gut. Das war jetzt einfach von vorne bis hinten Quatsch. An den zweiten Tipp dachte ich, als ich „nachgerade gefährlich“ schrieb:

Customers cannot tell you what they need.

“Apple market research” is an oxymoron. The Apple focus group was the right hemisphere of Steve’s brain talking to the left one. […] [Customers] can only describe their desires in terms of what they are already using.

Das mag wohl so sein, aber falls das ernsthaft eine Empfehlung für aufstrebende Unternehmensgründer sein soll, auf Marktforschung zu verzichten und stattdessen auf die Interaktion ihrer Arschbacken Gehirnhälften zu vertrauen, dann wird der harmlose Blödsinn spätestens hier potentiell ziemlich harmvoll (Klar ist das ein Wort. Muss doch. Ist doch logisch!). Wenn jemand ein Unternehmen gründet, geht er damit ein erhebliches Risiko ein und setzt nicht selten neben seiner eigenen auch die Existenz andere Menschen (Investoren, Bürgen, Angehörige, die ihre Immobilien als Sicherheit zur Verfügung stellen, Arbeitnehmer vielleicht auch noch) aufs Spiel. Wer dabei diesem Rat folgend einfach mal auf seinen Durst hört, statt möglichst unvoreingenommen und ergebnisoffen (Stichwort wissenschaftliche Methode) den Markt zu erforschen, den er zu erobern gedenkt, handelt verantwortungslos und hat dafür als Entschuldigung nicht viel mehr zu bieten als Denkfaulheit.

The richest vein for tech startups is creating the product that you want to use—that’s what Steve and Woz did.

Das stimmt nur dann, wenn ich zufällig genau das Produkt will, das die anderen Marktteilnehmer auch gerade wollen. Und dass das bei „Steve und Woz“ geklappt hat, ist kein Indiz dafür, wie gut meine eigenen Gehirnhälften darin sind, Kundenwünsche zu erspüren. Ich fühle mich gerade an so eine Anzeige erinnert, die öfter mal in der NJW erscheint: Gute Berater kosten ein Honorar. Schlechte ein Vermögen.

Und ich finde, die folgenden 11 (Es gibt noch einen nichtnummerierten) Ratschläge können wir uns jetzt schenken. Sie fallen alle in eine der beiden Kategorien. Entweder sind sie so trivial und überpauschalisiert, dass man gar nicht weiß, ob man noch drüber lachen darf („The biggest challenges beget best work.„), oder es sind albern überbewertete Einzelaspekte von Steve Jobs‘ Erfolgsgeschichte („You can’t go wrong with big graphics and big fonts.„), oder beides. Eigentlich alle beides.


Restebloggen zum Wochenende (75)

9. Oktober 2011
  1. Ich bin ja immer ganz hin und her gerissen, wenn ich lese, dass jemand in seinem Blog Kommentare einer bestimmten Art und Richtung generell nicht mehr akzeptiert. Ich kann das einerseits durchaus verstehen, aber… Ja, was aber eigentlich? Wer ein Blog schreibt, um Spaß dran zu haben, der hat keinerlei Verpflichtung, das auf eine bestimmte Art zu tun, schon gar nicht mir gegenüber. Aber ich finde es andererseits… merkwürdig, wenn jemand einfach eine bestimmte Meinung aussperrt. Klar, Beleidigungen und völligen Unfug, der die Diskussion nur stört, muss man nicht stehen lassen. Aber sachlichen Widerspruch blocken? Ich kann nicht anders, als vor so jemandem ein bisschen Respekt zu verlieren.
  2. Daniel Drungels schreibt kurz aber eindrucksvoll seine eigene Aufforderung an die FDP, endlich einzugehen: „Wie es auch kommen mag. Die FDP wäre in beiden Fällen erledigt, wenn Brüderles Aussage zutrifft. Endlich.
  3. Alle, die sich dafür interessieren, kennen es schon, aber das hat mich ja noch nie aufgehalten:
  4. Jan Filter zur dänischen Steuer auf gesättigte Fettsäuren: „Auch in Deutschland kennen wir bereits jede Menge anderer Steuern, deren Sinn schlicht und ergreifend die Erziehung (und damit einhergehend zwangsläufig die Entmündigung) der Bürger ist: Steuern gibts nämlich auf alles böse, also auf Zigaretten, Alkohol, Glücksspiel, Autos+Benzin+KFZ-Versicherungen usw.usf. Alles kein Zufall, sondern das Ergebnis der Bereitschaft weiter Teile der Bevölkerung, eigenständiges Denken in Raten immer weiter zu verstaatlichen.
  5. Ich weiß, es spricht nicht unbedingt für mich, dass mein Anspruch an Humor schon gedeckt ist, wenn man Leuten große Glubschaugen ins Gesicht photoshoppt, aber ich kann doch auch nichts dafür, ich falle jedes Mal fast vom Stuhl, wenn ich mir Ainulindale21s Videos ansehe:
  6. faz.net ist auch wirklich nichts zu doof, um den Kindle zu dissen: „Möglicherweise hat die hohe Verkaufsrate aber auch etwas mit der Anfälligkeit des Geräts zu tun. Einmal vom Nachttisch gefallen: Bildschirm hinüber. Einmal in der Handtasche eingeklemmt: nichts geht mehr. Es in fünf Monaten auf drei Kindles zu bringen, ist nicht schwer. An diesem ärgerlichen Umstand ändert auch der exzellente Kundenservice nichts, der umgehend kostenlosen Ersatz schickt.
    Also zunächst mal: Ich habe einen Kindle, ich gehe wirklich nicht besonders vorsichtig damit um, er hat mich auch schon mehrfach in den Urlaub und an Strände begleitet, und es war nie irgendwas damit. Und zweitens: Wenn ich ein technisches Gerät innerhalb eines halben Jahres zweimal durch eigene Dummheit zerstört hätte, und es zweimal kostenlos ersetzt bekommen hätte, hätte ich ganz bestimmt nicht die Frechheit, dem Hersteller daraus einen Vorwurf machen zu wollen.
  7. So. Das war’s. Es reicht. Ich hab die Nase voll. Jetzt habe ich einmal zu oft einen Rückgriff auf Ayn Rands Quatschphilosophie im Zusammenhang mit ernsthaften liberalen Inhalten gelesen. Jetzt habe ich genug davon, immer nur sagen zu können, dass ich ihren Bockmist zwar nicht gelesen habe, aber trotzdem beurteilen kann, dass ihr Objektivismus Unfug ist. Jetzt lese ich Atlas Shrugged von Ayn Rand. Und Fuck Me, ist das Ding lang. Boah. Das wird mir noch so Leid tun. Und je nachdem, wie es läuft, werde ich euch über meinen Fortschritt auf dem Laufenden halten. Möglicherweise unter einem Titel wie diesen: „Ayn-Rand-Wochen bei überschaubare Relevanz“; „Am Rand des Wahnsinns“; „Ayn bisschen dumm“; „Rand-Rant“; „Halt den Rand“; „Atlas Sucked“. Mal sehen. Für weitere Vorschläge in den Kommentaren bin ich jedenfalls außerordentlich dankbar.