Yours to keep (6)

Ja, hier ist ja eigentlich gerade Fortsetzungsromanpause, aber ich denke, spätestens seit dem dritten Yours to keep dürfen wir uns da nicht mehr vormachen, das wäre eine Sammlung von Kurzgeschichten. Insofern unterbrechen wir unsere Fortsetzungsromanpause für den sechsten Teil von Yours to keep, und ich hoffe, ihr habt beim Lesen ähnlich viel Spaß wie ich beim Schreiben.

[Nachtrag, eigentlich viel zu spät und damit irgendwie sinnlos: Wer neu hier ist, findet die ersten fünf Episoden natürlich auf der Geschichten-Seite.]

Bon appetit!

This old man, he played one,

He played nick-nack on my thumb.

Nick-nack paddywhack,

Give a dog a bone,

This old man came rolling home.

Wir stehen noch auf dem Rasen vor dem großen weißen zweistöckigen Haus in Palos Verdes Estates, aber wir können den leisen Singsang aus der Küche des Gebäudes trotzdem schon hören. Die Vorzüge auktorialer Allmacht. Wir stehen natürlich auch nicht eigentlich. Wir schweben vielleicht eher auf Augenhöhe eines stehenden, mittelgroßen Menschen. Aber vielleicht ist das auch gar nicht wichtig.

Palos Verdes Estates ist einer der besseren Vororte von Los Angeles. Es gibt hier keinen auf dem Gehweg herumliegenden Abfall, keine vernachlässigten Grundstücke, keine schäbigen Autos in ungepflasterten Einfahrten. Es gibt hier nicht einmal die sprichwörtlichen weißen Gartenzäune. Die Menschen hier sind zu weltoffen und zu ungezwungen, um ihre Gärten mit Zäunen zu umgeben, oder zumindest möchten sie sich gerne so sehen.

Das große weiße zweistöckige Haus mit seinem makellos und äußerst einfallsreich gestalteten Vorgarten – ein Teil ist einem japanischen Steingarten nachempfunden – fällt hier nicht weiter auf.

This old man, he played two,

He played knick-knack on my shoe;

Knick-knack paddywhack,

Give a dog a bone,

This old man came rolling home.

Ob es der Gesang ist, der uns lockt, oder der Duft aus dem Topf, wir schweben langsam in Richtung des großen weißen zweistöckigen Hauses. Wir durchqueren körperlos eine der roten Backsteinwände, und in einer geräumigen Küche voller moderner Edelstahlgerätschaften, hochglänzender Verkleidungen und mediterraner Fliesen sehen wir einen Mann in einem bunten Hawaiihemd und einer eher gut gemeinten als gut gebügelten Leinenhose. Er singt leise vor sich hin und tippt mit einem Fuß den Takt, während er verschiedene Pulver und Zutaten in den riesigen Kochtopf wirft und hin und wieder mit einem langen hölzernen Löffel umrührt.

This old man, he played three,

He played knick-knack on my knee;

Knick-knack paddywhack,

Give a dog a bone,

This old man came rolling home.

Er schöpft mit dem Löffel ein wenig Flüssigkeit aus dem Topf, bläst darüber und schlürft lautstark. Mit einem zufriedenen Nicken legt er den Löffel auf eine Schüssel, regelt den Herd mit einer Berührung des Sensorfeldes eine Stufe herunter und wendet sich kurz ab, um aus dem Fenster zu blicken. Die Sonne geht noch nicht unter, aber sie ist nun schon sehr nah über dem Horizont, und ihr Licht hat diesen pittoresken Orangeton angenommen, den andere Gegenden auf der Welt hin und wieder nachzuahmen suchen, der aber nur in Kalifornien seine ganze magische Wirkung entfaltet. Jedes zu dieser Zeit aufgenommene Foto wäre ein Kunstwerk, und wenn es nur eine mit Maden übersäte tote Ratte zeigte.

This old man, he played four,

He played knick-knack on my door;

Knick-knack paddywhack,

Give a dog a bone,

This old man came rolling home.

Aber das magische Licht entfaltet keine Wirkung auf den Mann in dem bunten Hawaiihemd. Seine Lippen sind zu einem freundlichen Lächeln verzogen, und die Fältchen und kleinen Muskeln um seine Augen bestätigen die Aufrichtigkeit seiner Mimik, doch wir sind nicht auf die Oberfläche seiner Maske angewiesen und können jederzeit wissen, was er denkt. Die Vorzüge auktorialer Allmacht.

Der Mann in dem bunten Hawaiihemd blickt nach draußen auf die gepflegten Vorgärten und die geschmackvollen Häuser, die Schönheitschirurgen, Anwälte, Architekten und mittelständische Unternehmer für sich und ihre Familien gebaut haben. Er sieht die Zeichen von Wohlstand, Glück und Zufriedenheit, und es juckt ihn nicht nur in den Fingern, sondern in seinem ganzen Körper, das alles zu zerschlagen, so wie er das Glück und die Zufriedenheit in diesem Haus zerschlagen hat.

“This old man, he played five,

He played knick-knack on my hive;

Knick-knack paddywhack,

Give a dog a bone,

This old man came rolling home.”

Es ist noch nicht so weit. Er hat vorerst ein anderes Ziel, und erst danach müssen die anderen Bewohner von Palos Verdes Estates ihn fürchten.

Er hebt noch einmal den Deckel des Topfes ab, wirft einen prüfenden Blick auf das Fleisch darin und rührt noch einmal kräftig um, bevor er den Herd noch eine Stufe herunterregelt und sich in das Wohnzimmer begibt, zu der Leiche Isabelle Bakers. Mit nachdenklich vorgeschobenen Lippen blickt er auf sie herab. Er hakt nicht seine Daumen hinter seinen Gürtel, aber er steht dort beinahe so, als hätte er es getan, während er auf den Leichnam mit dem blutigen Einschussloch in der Stirn und der ungleich größeren Austrittsöffnung im Hinterkopf herabblickt.

This old man, he played six,

He played knick-knack on my sticks;

Knick-knack paddywhack,

Give a dog a bone,

This old man came rolling home.

Der Mann in dem bunten Hawaiihemd hatte nicht geplant, sie zu erschießen, aber nun, da er es getan hat, will er sie nicht einfach so liegen lassen. Er will sich etwas einfallen lassen, damit derjenige, der sie findet – wahrscheinlich Jonathan Baker – den Anblick nicht so schnell wieder vergisst.

Er hat schon eine Idee. Eine ganz besondere. Es wird ein wenig Arbeit, aber das Ergebnis wird es wert sein.

Er muss nur darauf achten, darüber nicht den Topf auf dem Herd zu vergessen. Der Mann in dem bunten Hawaiihemd war nie ein besonders guter Koch, und wenn ihm dieses Gericht anbrennt, dann wird es nicht leicht sein, noch einmal Fleisch in der Qualität zu bekommen, die er für sein Rezept benötigt.

This old man, he played seven,

He played knick-knack up in Heaven;

Knick-knack paddywhack,

Give a dog a bone,

This old man came rolling home.

Es wird Zeit, dass wir gehen. Der Mann in dem Hawaiihemd macht, dass unsere Haut kribbelt, und wir wollen nicht aus Versehen einen Blick auf den Inhalt seines Topfes erhaschen. Außerdem habt ihr hier alles gesehen, was ich euch zeigen wollte.

Wir können dieses Haus und all das Elend darin hinter uns lassen; die zerschlagene Hoffnung, das zerstörte Glück, die viel zu früh beendeten Leben, und es kostet uns nicht mehr als einen Gedanken.

Die Vorzüge auktorialer Allmacht.

****************************

This old man, he played eight,

He played knick-knack on my gate;

Knick-knack paddywhack,

Give a dog a bone,

This old man came rolling home.

“Sheila, ich schwöre, wenn ich noch eine Strophe von diesem bescheuerten Kinderlied höre, dann sperre ich dich wieder in ein U-Boot und versenke es im Witjastief!“

Das „Ontario“ in der Nähe von Yakutsk ist ein hervorragendes Hotel, für die örtlichen Verhältnisse. Für die Freunde des rustikalen Charmes einer Jagdhütte ist es vielleicht auch ganz unabhängig von den örtlichen Standards ein hervorragendes Hotel. Das „Ontario“ liegt in einem Pinienwald, und obwohl die Fahrtzeit in die Innenstadt von Yakustk nur knappe 20 Minuten beträgt, vermittelt es das Gefühl, das einzige Gebäude in einem Umkreis von Hunderten von Kilometern zu sein. Es ist ganz aus Holz gebaut und über und über mit folkloristischen Schnitzereien versehen. Es ist ein Albtraum für Daniel, und er bildet sich ein, dass das nicht nur daran liegt, dass er sich viel zu schnell an den Luxus einer Villa Kennedy oder eines Petit Hermitage gewöhnt hat. Er ist einfach kein Freund des rustikalen Charmes einer Jagdhütte. Wäre nicht Sheila bei ihm, würde ihn wahrscheinlich allein der Gedanke in den Wahnsinn treiben, tief in einem dunklen Wald zu wohnen, umgeben nur von schweigsamen bärtigen Russen, die ihn alle ansehen, als würden sie still für sich schon überlegen, welches Stück von ihm sie essen würden, wenn es soweit war.

So gesehen war seine Drohung keine besonders geschickte Idee, denn er erkennt sofort, dass er Sheila viel tiefer getroffen hat, als er eigentlich wollte.

Sie verstummt, und ihr Kopf wirbelt zu ihm herum. Sie sieht ihn mit offenem Mund und bebenden Lippen an, und Tränen schießen in ihre Augen.

„Nein!“ stößt sie hervor. „Nein, bitte nicht! Daniel, bitte nicht, ich schwöre, ich werde nie wieder-“

Er muss beinahe lachen, aber er verkneift es sich.

Daniel liegt auf dem Bett, den Rücken gegen die Wand gelehnt, die Beine ausgestreckt, Harry Potter and the Deathly Hallows in seinem Schoß.

„Beruhig dich“, sagt er, so liebevoll, wie er kann, während er ein Grinsen unterdrückt. „Lieber Himmel, das war doch nur ein Spruch. Du kennst mich doch jetzt auch schon ein bisschen, oder nicht?“

Ihre Wangen laufen rot an und sie schlägt die Augen nieder. Sheila sitzt in einem Schaukelstuhl ihm schräg gegenüber. Sie hat kein Buch, und auch sonst nichts, was sie ablenken würde. Wozu sollte sie auch so etwas brauchen? Wer weiß, was ihre dämonischen Augen sehen können, wenn sie es will?

„Natürlich. Du hast Recht, entschuldige bitte. Ich war nur- es war dumm von mir, tut mir Leid.“

Er seufzt leise und hofft wider besseres Wissen, dass sie es nicht hört.

„Schon gut, kein Problem.“

Er will sie bei Laune halten. Sie ist das Einzige, was zwischen ihm und einem ganzen Hotel voller hungriger Russen steht.

Und so plötzlich, wie Entsetzen und Angst von ihr Besitz ergriffen haben, sind sie verschwunden, und sie lächelt dankbar.

Daniel weiß immer noch nicht, wie viel von ihrem Gehabe ehrlich gemeint ist, und wie viel nur Maskerade. Er weiß nicht einmal, ob überhaupt etwas ehrlich gemeint ist, oder ob überhaupt etwas Maskerade ist.

Er hat immer noch keine Ahnung, was genau er damals auf der Age of Aquarius befreit hat.

Aber wenn diese erzwungene Eremitage ein Gutes hat, dann ist es die Zeit, die er nun hat, um es herauszufinden. Und er wird sie nutzen, alleine schon, damit sie aufhört, dieses unerträglich dumme Kinderlied vor sich her zu singen.

„Sheila, gibt es… einen Gott?“

Sheila sieht ihn mit einem sonderbar arglosen Blick an, ihre Augen offen, ihre Gesichtszüge entspannt. Sie scheint sich kein bisschen über diese Frage zu wundern, obwohl sie so völlig ohne jeden Zusammenhang über seine Lippen kommt.

Vielleicht weiß sie, dass er schon oft darüber nachgedacht hat, seit er sie kennt. Vielleicht kann sie seine Gedanken so gut lesen.

Ein kleines Lächeln flackert um ihre Mundwinkel.

„Ich weiß es eigentlich nicht. Zuerst dachte ich, natürlich, muss es dann ja. Es gibt ja auch mich. Aber irgendwann wurde mir klar, dass das Unsinn ist. Was hat das Eine mit dem anderen zu tun? Und warum würde ein Gott zulassen, dass es so etwas wie mich gibt? Ich glaube, wenn es einen Gott in dieser Welt gibt, dann ist er sehr weit weg, Daniel. Und wahrscheinlich gibt es keinen. Vielleicht gibt es einfach nur… mich.“

Er antwortet nicht, sondern sieht einfach nur in ihre Augen, die in diesem Moment so menschlich scheinen.

Sie lacht, hell und klar wie ein kleines Mädchen.

„Aber du musst dir darum keine Gedanken machen, Daniel. Welche Götter und Dämonen auch immer Deinesgleichen sonst nach ihrem Ende erwarten, betrifft dich nicht. Du… gehörst mir.“

Er senkt seinen Blick.

„Was gibt es noch außer dir?“ fragt er schnell.

„Wie meinst du das? Ich habe doch gerade gesagt…“

„Ich meine, andere Monster, von denen ich bisher nicht wusste.“

Er sieht, wie sie blinzelt und ihren Kopf ein wenig zurückzieht, als er das Wort ausspricht. Er beachtet es nicht.

„Was gibt es noch? Vampire? Werwölfe? Fraggles?“

Wenn es sie gibt, dann bestimmt hier in diesem verdammten Wald.

„Nichts“, antwortet sie durch schmale Lippen.

„Zauberer“, sagt er.

Lügt sie ihn gezielt an? Hat sie nicht daran gedacht, weil er sie verletzt hat und sie aufgebracht ist? Oder liegt die Wahrheit irgendwo auf dem Spektrum zwischen diesen beiden Möglichkeiten?

„Nicht, Daniel“, flüstert sie. „Es nützt uns nicht viel, uns hier zu verstecken, wenn wir jetzt anfangen, darüber zu reden.“

„Nützt es uns denn überhaupt etwas?“

Ihre Schultern sinken ein wenig.

„Wahrscheinlich nicht“, gibt sie zu. „Wahrscheinlich hat er mich beim ersten Mal gehört und sich jetzt schon einen Hexenkompass gebaut. Wahrscheinlich ist er schon auf dem Weg. Aber vielleicht haben wir auch Glück.“

Daniel seufzt. Er will noch mehr fragen, aber er versteht auch, dass es besser ist, seine Aufmerksamkeit nicht auf sie zu lenken. Außerdem lässt ihn ihre Bemerkung darüber nicht los, dass er ihr gehört.

Er will wissen, was genau das bedeutet. Aber er fürchtet, dass er es eigentlich doch nicht wissen will.

„Liebst du mich?“ fragt er schließlich stattdessen.

„Weil der Ring mich zwingt, dich zu lieben.“

„Hasst du mich?“ fragt er.

„Weil der Ring mich zwingt, dich zu lieben.“

Er will plötzlich nicht mehr mit mir reden.

Wir müssen nicht einmal seine Gedanken lesen, um seinen Überlegungen von hier an zu folgen. Machen wir uns einen Spaß daraus und folgen nur seinen Augen.

Daniels Blick ruht für einige Sekunden auf ihren Füßen, die nackt aus ihrer schlabberigen ausgewaschenen Jeans ragen. Sie trägt keinen Nagellack und keinen Schmuck, aber wie alles an ihr strahlen sogar ihre Füße und ihre Zehen durch ihre schiere feminine Vollkommenheit eine beinahe unanständige Erotik aus. Beinahe reichen ihm die Füße schon, doch am Ende flackert sein Blick doch noch kurz ihre Beine empor, über den Bund des viel zu großen weißen T-Shirts, das ihr beinahe bis zu den Knien reicht, bis hinauf zu der Wölbung ihrer Brüste, die Grube über ihrem Brustbein am Ansatz ihres schlanken Halses…

Und zurück in sein Buch.

Er hat die Kleidung für sie ausgesucht. Er hatte schon immer eine sonderbare Vorliebe für… Oh. Wir wollten ja keine Gedanken lesen. Es spielt sowieso keine Rolle.

Wir müssen nicht seine Gedanken lesen, um zu wissen, dass er sie will, nach ihrem Körper verlangt, aber nicht wagt, seinem Verlangen nachzugeben. Wir müssen nicht seine Gedanken lesen, um an der Art, wie er seine Kiefermuskeln anspannt und seine Lippen zusammenpresst, seine Frustration zu erkennen. Und wir müssen nicht seine Gedanken lesen, um zu erkennen, dass er sie noch nicht hatte, obwohl sie ihm gehört, und obwohl er sie von Anfang an wollte.

Na gut. Vielleicht nicht ganz von Anfang an. Das ausgemergelte, halbtote Ding in dem U-Boot hatte sogar für einen einundzwanzig Jahre alten Nerd, dessen einzige Erfahrungen mit Frauen über Tastatur und Bildschirm vermittelt waren, nicht sehr appetitlich ausgesehen

Er schnaubt ärgerlich und blättert mit so viel Schwung die Seite um, dass er sie über ungefähr eine Daumenlänge einreist.

Egal. Es ist nicht so, dass es ein besonderes Problem für ihn wäre, eine neue handsignierte Ausgabe mit einer persönlichen Widmung von J.K. Rowling zu bekommen.

Aber…

Daniel schluckt.

Die Seite, die er gerade aufgeschlagen hat, ist leer, und er hat den nagenden Verdacht, dass es sich dabei nicht um ein Versagen der Druckerei handelt.

Es dauert nicht lange, bis der Verdacht kalter Gewissheit weicht.

Sie lügt dich an“, schreibt eine unsichtbare Hand mit unsichtbarer Feder auf die weiße Seite.

Sie fürchtet mich nicht, und sie weiß, dass auch du mich nicht fürchten musst.

Daniel hebt seinen Blick kurz zu Sheila. Sie hat die Arme gehoben und hinter ihrem Kopf verschränkt, als würde sie gähnen oder verspannte Schultermuskeln strecken wollen, und als würde sich nur ganz zufällig just in diesem Moment, in dem er zu ihr aufblickt, durch diese Bewegung das Shirt über ihren Brüsten spannen und deutlich zu erkennen geben, dass sie darunter keinen BH trägt. Ihre Augen sind geschlossen, ihre natürlich roten sinnlichen Lippen halb geöffnet, sodass ihre makellos weißen Zähne und die Spitze ihrer Zunge sichtbar sind.

Ihre Muskeln verspannen sich niemals, Daniel“, schreibt die unsichtbare Feder mit blauer, feucht glänzender Tinte in sein Buch, als er es schließlich schafft, wieder hineinzuschauen. „Nichts, was sie tut, tut sie zufällig.“

Er schluckt, obwohl sein Mund trocken ist.

Sie weiß, dass ich dir helfen könnte, dich von ihr zu befreien.

Daniel runzelt seine Stirn und blickt noch einmal flüchtig zu ihr auf. Sie hat ihre Unterarme angewinkelt, um ihre eigenen Schultern zu massieren. Ihre Augen sind noch immer verschlossen, ihr Mund noch immer halb geöffnet, während sie genussvoll stöhnt. Er ist sich nicht sicher, ob er von Sheila befreit werden will. Dann fällt ihm wieder ein, wie sie zu ihm sagte: ‚Du… gehörst mir.‘

Sie weiß, dass ich dir helfen könnte, den Ring abzunehmen, ohne Gefahr. Das ist das einzige, wovor sie sich fürchtet.“

Daniel bemerkt, dass sein Atem schneller wird, und er zwingt sich, nicht noch einmal zu ihr aufzusehen. Er versucht, sich zu beruhigen, indem er kurz die Augen schließt und bewusste, tiefe Atemzüge nimmt.

Sie versüßt dir dieses Leben, ich weiß“, steht da, als er sie wieder öffnet. „Du bist nicht der erste. Aber dieses Leben ist nicht alles, was du hast. Und wenn dieses Leben vorbei ist, wirst du sie in ihrer wahren Form erleben, Daniel. Frag sie nach ihrer wahren Form, wenn du mir nicht glaubst, aber dann beklage dich nicht, wenn sie sie dir zeigt. Natürlich wäre es besser für dich, wenn du mir glauben würdest.“

„Hmmm…“ Sie seufzt zufrieden – verdammt! denkt Daniel, das muss aufhören. „Es ist schon spät. Wollen wir was essen gehen?“

Totes Fleisch nährt sie nicht, wenn er ihr glauben kann. Aber sie sagt, dass sie trotzdem gerne mit ihm essen geht. Sie sagt, dass es ihr Spaß macht, weil sie ihn liebt und sich über seine Gesellschaft freut. Kann er ihr glauben?

Was denkst du, Daniel? Hinweis: Sie ist ein Dämon.

Er zögert nur kurz.

„Nein, lieber nicht“, antwortet er. „Aber vielleicht kannst du mir was holen gehen, dann essen wir gemeinsam was, hier im Zimmer.“

Ein Lächeln erhellt ihr Gesicht, als hätten seine Worte die Sonne aufgehen lassen.

„Sehr gerne. Was möchtest du?“

Sie springt diensteifrig auf.

Wir müssen nicht zu Ende zuhören. Wir müssen nicht wissen, was er behauptet, essen zu wollen. Er wird es ohnehin nie bekommen.

Wir haben jetzt Wichtigeres zu tun. Wir nehmen den ganzen Mut zusammen, den unsere auktoriale Allmacht uns verleiht, und verlassen das Zimmer und das Hotel und schweben in den nachtschwarzen kalten Pinienwald, der das Ontario umgibt.

Die Wälder in diesem Teil Russlands sind wild und alt, sogar hier in der Nähe des Hotels, und wir müssen nicht weit schweben, um ein Dickicht zu erreichen, in dem sich vielleicht die alten Götter verstecken könnten, die die Bewohner dieser Einöde vor dem Eintreffen des Lichts der Aufklärung angebetet haben. Dunkle, harte, grausame Götter waren das, aber keine Angst, sie sind nicht hier. Wenn sie versucht hätten, sich hier zu verstecken, wären sie nun vor dem geflohen, deswegen wir uns hierher begeben haben.

Einige Kilometer von dem Hotel entfernt steht er. Er trägt jetzt kein Hawaiihemd mehr, und keine schlampig gebügelte Leinenhose, aber er hat noch immer schulterlange graumelierte Haare, einen Neuntagebart und ein freundliches, offenes Lächeln.

****************************

This old man, he played nine,

He played knick-knack on my spine;

Knick-knack paddywhack,

Give a dog a bone,

This old man came rolling home.”

Er trägt jetzt einen dicken Pelzmantel, warme Stiefel und eine Fellmütze. Seine Hände stecken in dicken pelzigen Fäustlingen. Er sieht ziemlich lächerlich aus, aber das stört ihn nicht. Die Kleider halten ihn warm. Der Mann mit dem Hawaiihemd mag die Kälte nicht. Vielleicht liegt es an seinem Alter. Er ist sehr, sehr alt.

Der Mann hält in seiner linken Hand ein klobiges Messinginstrument von der Größe einer Pomelo aus Zahnrädern, Zeigern, Federn und kleinen Kreiseln. In seiner rechten hält er einen angelaufenen silbernen Federhalter, der flink durch die eisige Luft huscht, als würde er etwas schreiben.

Eine Weile steht er so da – eigentlich ist es zu dunkel, als dass wir ihn beobachten könnten, aber wenn er schon kein Licht braucht, dann werden wir doch wohl auch ohne auskommen -, dann lässt er die Feder sinken, steckt sie in eine Tasche seines Mantels und verschränkt die Arme vor sich, vorsichtig, um das große Messinginstrument nicht einzuklemmen. Er beginnt, auf und ab zu gehen.

Er wartet, und wir mit ihm. Wir warten eine lange Zeit, aber er ist es gewohnt, lange Zeit zu warten, und wir können die Zeit einfach überspringen, deswegen stört es keinen der Beteiligten besonders, aber nach einer Weile fängt der Mann, der vor Kurzem noch ein buntes Hawaiihemd trug, doch an, sich Sorgen zu machen.

Er hebt den Hexenkompass wieder vor sich auf Augenhöhe und betrachtet ihn. Er zieht die Feder wieder aus seiner Tasche und schreibt etwas.

Er nickt zufrieden und beginnt wieder, auf und ab zu stapfen.

Er friert, und verflucht leise die verdammte dämonische Schlampe, die natürlich genau weiß, wie sehr er die Kälte hasst.

Diesmal dauert es nicht lange, bis wir und wenig später auch er das Brechen von Ästen und das Knistern und Knacken von Schritten im Unterholz das Kommen von jemandem ankündigen hören, der in diesen Wäldern ebensowenig zu Hause ist wie der Mann ohne Hawaiihemd. Natürlich sehen wir auch den Lichtstrahl einer Taschenlampe.

„Ah, Daniel!“ ruft er ihm entgegen. „Schön, dass du es geschafft hast.“

Er winkt ihm zu.

„Komm her, komm hier rüber. Keine Sorge, jetzt komm schon! Was glaubst du, was noch zu retten ist, nachdem du schon so weit gekommen bist, hm?“ Er lacht dieses unglaublich sympathische entwaffnende Lachen, und Daniel kommt näher.

Ungefähr zehn Meter vor dem Mann ohne Hawaiihemd bleibt er stehen und leuchtet ihn mit seiner Lampe an.

Der alte Zauberer blinzelt angestrengt in das Licht, hebt aber keine Hand, um sich davor zu schützen. Er weiß, dass Daniel sein Gesicht sehen will, obwohl sie beide wissen, dass es ihm nicht helfen wird.

„Sie wissen also, wie ich gefahrlos den Ring abnehmen kann?“ fragt Daniel.

Der Zauberer nickt.

„Aber ja.“

„Und Sie haben sich aus reiner Hilfsbereitschaft auf den weiten Weg hierher gemacht, um es mir zu erklären, ja?“

„Aber nein.“ Der Zauberer in dem Pelzmantel grinst breit und hebt seine Hände in einer „Erwischt“-Geste, die Daniel in diesem Moment auf sonderbare Weise an Columbo erinnert. „Ich schulde deiner knackigen kleinen Dämonin was. Sie hat dir doch bestimmt die Geschichte erzählt, oder? Zumindest die Variante, von der sie gerne möchtest, dass du sie glaubst?“

Daniel nickt langsam.

„Naja. Du bist doch ein smarter Junge. Bestimmt kannst du dir die Variante, die ich dir erzählen würde, einigermaßen selber ausmalen, und dann kannst du dir vielleicht auch gut vorstellen, dass es für mich schon völlig die Mühe wert war, wenn ich die Möglichkeit bekomme, mich bei ihr zu revanchieren.“

„Sie werfen den Ring dann in den Schicksalsberg, und die Welt ist wieder in Sicherheit, stimmt’s?“

Der Mann in dem Pelzmantel grinst weiter. „Natürlich will ich den Ring auch benutzen. Aber mach dir keine Sorgen, ich hab sie schon im Griff. Und du kannst natürlich alles behalten, was du von ihr bekommen hast, und wenn du mehr brauchst, ruf mich einfach an. Wie wäre das? Du wärst sie für immer los. Alle Vorteile, aber keine der Sorgen. Hm?“

„Daniel!“

Er wirbelt zu ihr herum. Das hatte er befürchtet. Da steht sie, im Licht seiner Taschenlampe, in ihren ausgewaschenen Schlabberjeans und dem viel zu großen Shirt, die Arme um sich geschlungen, zitternd, mit ihren großen graublauen Augen auf sonderbare Weise flehentlich zu ihm aufblickend, obwohl sie eigentlich gar nicht kleiner ist als er.

„Sie friert natürlich in Wahrheit gar nicht“, sagt der Mann im Pelzmantel.

„Daniel, bitte gib ihm nicht den Ring. Er wird dich töten. Oder… vielleicht wird er sogar mich zwingen… Daniel, bitte tu mir das nicht an! Behalt den Ring! Bitte! Magst du mich nicht, Daniel? Ich schwöre, ich werde gut sein, Daniel. Ich werde dir immer gehorchen und dir jeden Wunsch erfüllen. Bitte, ich werde niemals wieder einen Menschen fressen, wenn du es nicht willst, für dich!“

„Sie friert in Wahrheit nicht“, wiederholt der Mann im Pelzmantel, „Und sie hat in Wahrheit auch keine Angst. Bist du ihre Marionette, Daniel? Oder durchschaust du ihre simplen kleinen Tricks? Denkst du für dich selbst, oder springst du auf ihre großen Augen und ihre dicken Titten an, hm?“

Daniel leuchtet mit der Lampe von dem Mann im Mantel und zurück zu Sheila.

Natürlich friert sie nicht. Oder? Kann sie frieren? Können ihre Muskeln verspannen?

Natürlich wird er Daniel nicht einfach gehen lassen und dann sein väterlicher Freund sein. Oder? Ist er vielleicht wirklich einfach nur ein netter Kerl, der einen jungen Mann vor dem Fehler seines Lebens bewahren will?

Natürlich sind sie beide Lügner.

Und jetzt?

Daniel greift nach dem riesigen Ring auf seiner hölzernen Halterung und dreht ihn nachdenklich um seinen Daumen. Es wäre zu schön, das verdammte Ding los zu sein. Es wäre zu schön, wenn Sheila die Wahrheit sagen würde.

Aber wenn sie beide lügen, was ist dann die bessere Entscheidung?

Wenn der Mann in dem Pelzmantel ihn tötet, ist er frei, und kann dahin gehen, wo Seelen eben hingehen.

Wenn er bei Sheila bleibt, gehört er ihr.

Er dreht den Ring um seinen Daumen.

Und dann nimmt er ihn ab.

Langsam mit seinen vielen Seiten flatternd fällt der letzte Harry-Potter-Band zu Boden, den er immer noch unter seinen Arm geklemmt hatte.

“This old man, he played ten,

He played knick-knack once again;

Knick-knack paddywhack,

Give a dog a bone,

This old man came rolling home.”

Lesegruppenfragen:

  1. Wer lügt denn hier jetzt eigentlich?
  2. Ich finde das mit diesem Kinderlied ja wahnsinnig toll und alles, aber bei mir liegt das vielleich auch irgendwie in der Natur der Sache. Wie findet ihr das denn?
  3. Wie kam das mit dem Kochtopf bei euch an? Zu subtil? Zu Holzhammer? Langweilig? Gruselig? Egal?
  4. Ist der Dialog zwischen Daniel und Sheila in dem Hotelzimmer zu erratisch? Hat euch das gestört? Ich hab’s mit Absicht so gemacht, bin aber unsicher, ob das den Leser nicht doch eher irritiert.
  5. Vielleicht insbesondere eine Frage für die weiblichen Leser: Ist das, was ich mit Sheilas Körper mache, zu billig, oder kommt die gute Absicht rüber?
  6. Ich hatte da so eine Idee, dass ich „Bright Outlook“ als interaktiven Fortsetzungsroman gestalte. Wie wäre das?
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23 Responses to Yours to keep (6)

  1. Günther sagt:

    Mann! Was für ein gemeiner Cliffhanger. Die Spannung sorgfältig aufgebaut, und dann genau am spannendsten Punkt…

    1. Na der Zauberer. Oder? Sie ist doch eigentlich (im Rahmen ihrer Möglichkeiten) immer relativ ehrlich gewesen (zum Beispiel gibt sie ja zu, ihn auch zu hassen). Ob sie jetzt ihren Körper auf manipulative Weise einsetzt, sei mal dahingestellt. Zumindest ist ziemlich sicher, dass sie für ihn keine unmittelbare Gefahr darstellt. Im Gegensatz zu dem Zauberer, von dem man nichts weiß als böse Gerüchte. Den Ring jetzt zu übergeben erschiene mir ziemlich dämlich.
    Hoffentlich lügen nicht beide! Ich habe eine gewisse Sympathie für Sheila. (Ein Schelm, …)

    2. Find ich ganz gelungen. Sorgt für einen roten Faden im Kapitel, und für eine gewisse Verbindung zwischen Dämon und Zauberer.

    3. Ups. Jetzt wo ich so direkt drauf gestoßen werde, könnte ich da was reininterpretieren. Möglicherweise die Kinder!? Meine Antwort auf die Frage wäre damit wohl: zu subtil…

    4. Vielleicht etwas. Ich persönlich (an Daniels Stelle) würde viel mehr konkret nachfragen. Er scheint vieles lieber gar nicht wissen zu wollen…

    5. Nein, ist nicht billig. Blos keine Hemmungen 😉 Was wäre denn die gute Absicht in diesem Zusammenhang?

    6. Klingt interessant.

    7. Hat mir insgesamt sehr gut gefallen!

    8. Mal eine Frage meinerseits: Wie lange sitzt du eigentlich an einem Kapitel dieser Länge?

  2. Muriel sagt:

    Oh, Nachtrag, gleichsam eine Bonuslesergruppenfrage: Wer den Kontinuitätsfehler findet, darf nach Wahl eine Entscheidung bei Bright Outlook ganz alleine über die Wünsche aller anderen hinweg treffen oder sich einfach nur freuen, dass er mich erwischt hat. Oder sie.
    Wie siehts aus?
    @Günther: Dir schon mal vielen Dank für den schönen Kommentar. Antwort kommt noch.

  3. Guinan sagt:

    Puh, wenn ich ganz genau lese, dann kann ich das Korrekturlesen nicht ausblenden: Yakustk; Nicht mehr mit mir? reden; einreist. Einen wirklichen inhaltlichen Fehler habe ich trotzdem nicht gefunden, auch wenn ich gerne hätte. Schade. Die Kleinigkeit mit einmal „trägt jetzt kein Hawaiihemd mehr“ und dann wieder „Mann im Hawaiihemd“ meinst du doch wohl nicht, oder?
    1. Ich vermute, beide lügen. Weil ich mir selbst schon ausgemalt habe, wie es weitergeht, wenn einer die Wahrheit sagt. Dabei kommt dann meist heraus, dass du eine ganz andere Idee hattest.
    2. Anfangs war das nervig, das hat sich dann aber gegeben. Beim zweiten Lesen fand ich den Rhythmus eher die Spannung unterstützend.
    3. Gruselig. Die Kinder hatte ich ganz vergessen, bis Günther sie ansprach. Stimmt, das war ja die Mutter von Melissa und dem Ponyfreund. Meine erste Idee war, er hat ein Stück von Isabelle gekocht.
    4. Ich frag mich, ob das wirklich Daniel und Sheila sind, die sich da unterhalten. Da kommt so viel Muriel durch.
    5. Die gute Absicht ist als solche erkannt ;).
    Nein, schon gut, ich will ja gar nicht sticheln. Das ist dir recht gut gelungen.
    6. Welch‘ Frage? Was soll ich denn da anderes antworten können als SUPER!
    7. Von all deinen Geschichten gefällt mir diese Reihe am besten. Menschenähnlich fing zwar sehr gut an, das ließ zum Schluss dann aber arg nach. Gefallen war eh ziemlich wirr. Hier wirst du aber von Folge zu Folge besser. Also weiterschreiben, bitte. Dringend.

  4. Joan sagt:

    1. Beide natürlich. Aber der Zauberer lügt richtig dicke, und Sheila sagt nicht immer die ganze Wahrheit. Zumindest stelle ich mir das gerade so vor.
    2. Eine schöne Konstante, und die letzte Strophe ist eine coole Abblende.
    3. Kochtopf… Fleisch… najaaa… ein Mittelding aus „gruselig“ und „alter Hut“.
    5. Schön, dass du bei ihren Füßen anfängst, und die gute Absicht kommt rüber. Vielleicht ein klitzekleines bisschen dick aufgetragen…
    6. Von mir aus kannst du gern stattdessen noch 1 bis x Episoden Yours to keep schreiben – ich habe mir die vorherigen in einem Rutsch durchgelesen und bin begeistert. Wäre ich ein Verlag, hättest du schon ein Autorenstipendium, allein wegen des Spiels mit der Perspektive. Und kaufen würde ich mir so ein Buch erst recht.
    7. Funktioniert der Ring eigentlich ausschließlich bei Männern, oder hast du einfach noch nicht von den Frauen erzählt, die ihn trugen? Oder hab ich einfach was übesehen?

  5. Muriel sagt:

    Soo… Ich werde jetzt schon ein bisschen was beantworten, aber das Rätsel löse ich noch nicht auf. Vielleicht will ja doch noch jemand.
    @Günther: 1. Kann mir gar nicht erklären, wo das herkommt…
    3. Mittelt sich dann ja vielleicht mit Joans Antwort aus. Ob das nun ein gutes oder ein schlechtes Zeichen ist, muss ich noch mal durchdenken.
    4. Das denke ich auch oft beim Lesen solcher Geschichten.
    5. Naja… Ich habe natürlich mehr gute Absichten, als in einen solchen kurzen Kommentar passen, aber zum Beispiel dienen diese Beschreibung natürlich dazu, dem Leser zu zeigen, wie Sheila Daniel manipuliert, oder vielleicht auch nicht, oder zumindest, wie man auf die Idee kommen könnte, dass sie es tut.
    8. Das ist schwer zu sagen, weil ich immer nur so zwischendurch schreibe, wenn sich Zeit ergibt, und natürlich viel drüber nachdenke, ohne dass dabei immer konkret was Geschriebenes rauskommt. Vier Stunden vielleicht, wenn man nur die Schreibzeit rechnet.
    @Guinan: Das mit bzw. ohne Hawaiihemd war volle Absicht und zählt deshalb nicht. Die Frage ist also noch offen.
    4. Ich glaube, weniger, als du vielleicht denkst.
    5. Danke.
    7. Empfinde ich so ähnlich, aber der Vergleich ist natürlich unfair. Bei Yours to keep kann ich einfach mal ein halbes Jahr Pause machen, bis mir wieder was Heißes einfällt. Wenn ich da jedes zweite Wochenende was veröffentlichen wollte, sähe das sicher auch anders aus.
    Bei Menschenähnlich bin ich nicht sicher, wie weit ich dir zustimme. Ich finde da eigentlich den Mittelteil bis zum Ende hin besonders gelungen, und als Enttäuschung empfinde ich eigentlich nur das letzte Kapitel.
    Meintest du wirklich, dass es kontinuierlich zum Schluss hin nachlässt?
    3. I’d give you a taste, but your tongue’s in the stew…
    5. Ja… Das gehört hier aber andererseits dazu.
    6. Vielen Dank, aber ich muss hier die gleiche Einschränkung wie bei Guinan unterbringen: Der Vergleich mit meinen anderen geschichten ist nicht ganz fair.
    Trotzdem freut mich natürlich riesig, dass es dir so gefällt. Wenn du alle so kurz nacheinander gelesen hast, wärst du doch eigentlich die ideale Kandidatin für mein spontan entworfenes Preisrätsel. Interesse?
    7. Tja… Ich habe nie bewusst entschieden, dass es immer Männer sind. Rückblickend ließe es sich natürlich damit rechtfertigen, dass gerade Japan eine sehr paternalistische Kultur hatte und dass so ein Ring deshalb niemals einer Tochter vererbt worden wäre, und dass Sheila sich eher Daniel ausgesucht hat als seine Mutter, ergibt auch Sinn, falls sie überhaupt eine Wahl hatte.
    Aber du hast mich da auf eine Idee gebracht.

  6. Joan sagt:

    @Muriel:
    6. Interesse schon, aber mir ist nichts aufgefallen… muss ich wohl alles nochmal lesen – und die anderen Geschichten auch gleich mit^^
    7. Freut mich.

  7. Guinan sagt:

    @Muriel: Menschenähnlich ist ja nun schon eine ganze Weile her. In Erinnerung geblieben ist das Gefühl, du hättest irgendwann im Verlauf der Geschichte die Richtung verloren.
    Ist aber auch möglich, dass ich einfach andere Erwartungen hatte, die nicht mit deiner Planung übereinstimmten.

  8. Muriel sagt:

    @Joan: 6. Vielleicht kann ich dir ja noch ein bisschen mehr Hoffnung machen, wenn ich dir sage, dass ich inzwischen noch einen zweiten Kontinuitätsfehler gefunden habe und mein Preisausschreiben hiermit auf diesen erweitere. Was die anderen Geschichten angeht, hatte ich ja schon angedeutet, dass du deine Erwartungen nicht zu hoch schrauben solltest. Die sind unter ganz anderen Bedingungen entstanden. Ich mag sie trotzdem.
    @Guinan: Ist ja Geschmacksache. ich finde, dass es am Ende sehr interessant wurde und bedaure im Nachhinein sehr, dass ich es im letzten Kapitel so abgewürgt habe.

  9. Guinan sagt:

    @Muriel: Du hast doch künstlerische Freiheit. Da die neue Geschichte eh noch auf sich warten lässt, bastel doch noch ein bisschen an der alten ‚rum und bau ein alternatives Ende.
    An der Fehlersuche bei Yours to keep bin ich noch einmal gescheitert, trotz intensiver Suche am Wochenende. Das ist frustrierend.

  10. Muriel sagt:

    @Guinan:

    bastel doch noch ein bisschen an der alten ‘rum und bau ein alternatives Ende.

    Du sagst das so einfach. Es liegt mir fern, mich rauszureden, aber ich erwähnte ja, dass ich gerade sehr eifrig an Angelic Duties schreibe, und ich bereite außerdem natürlich Bright Outlook vor und überarbeite Nimmermehr und habe leider auch immer noch einen Hauptberuf, weil Joan kein Verlag ist. Außerdem würde ich, wenn, dann ein Sequel schreiben und das Ende so lassen.

    An der Fehlersuche bei Yours to keep bin ich noch einmal gescheitert, trotz intensiver Suche am Wochenende. Das ist frustrierend.

    Merkwürdig. Insbesondere der zweite Fehler ist eigentlich ziemlich offensichtlich, wenn man den Kram mal der Reihe nach durchliest. Der erste erfordert schon etwas mehr Detailarbeit, schien mir aber auch schaffbar. Aber ich kann das auch schlecht einschätzen, meine Perspektive ist natürlich eine ganz andere.

  11. Guinan sagt:

    Sequel wäre gut. Und ich will dich natürlich überhaupt nicht unter Druck setzen. Oder nicht ZU sehr, jedenfalls. Nur gerade so viel, dass du weißt, es ist mir nicht egal, ob du was schreibst oder nicht 🙂

    Die wechselnden Haarfarben sind normale dämonische Eigenschaften?

  12. Muriel sagt:

    @Guinan:

    Nur gerade so viel, dass du weißt, es ist mir nicht egal, ob du was schreibst oder nicht

    Danke, du machst das gut.

    Die wechselnden Haarfarben sind normale dämonische Eigenschaften?

    Kommt drauf an. Ich erinnere mich gerade nicht hundertprozentig und bin zu faul, nachzusehen. Im alten Japan war sie ja noch eine Japanerin und hat schwarze Haare. Dass sie später in ihrer kaukasischen (?) Gestalt rote hat, ist noch Absicht. Sollte sie zwischendurch irgendwo mal blond sein, ist das wahrscheinlich ein Versehen, aber ich würde mir die endgültige Festlegung vorbehalten, bis ich weiß, auf welche Stelle du dich beziehst.
    Das wäre dann der dritte.

  13. Guinan sagt:

    Der Auftritt als Batgirl, da war sie blond. Und ihre Augen sind zuerst leuchtend blau, später dann blaugrau.

  14. Muriel sagt:

    Ja… Bloß gut, dass ich mir da ein Vetorecht zu gestanden habe.
    Das war Absicht, denn Batgirl ist nunmal blond.
    Was die Augen angeht, sind die doch ganz am Anfang auch schon blaugrau. Oder was meinst du?

  15. Guinan sagt:

    Das ist das Verwirrende mit früher – später / vorher – nachher. Ich meine bei „Wie alles begann“
    „Denn weit entfernt in der Menschenmenge betrachtete ihn ein weiteres strahlendes Gesicht, dessen große tiefblaue Augen voller Liebe auf ihm ruhten, und das ihn daran erinnerte, was er getan hatte, um dieses Ziel zu erreichen. “
    „Der Körper unter ihrer grauen Uniform war so verlockend geformt, das kaum jemand je ihre trotz der noch erkennbaren Mandelform großen und runden und tiefblauen Augen,“
    Ich sagte ja schon, keine echten Fehler gefunden.

    Erzählst du eigentlich irgendwann mal, was in den ersten vier Jahren passiert ist, wie sie an den Ring gefesselt wurde? Nach der Verwandlung war ja zuerst noch eine Menge von Haru übrig.

  16. Muriel sagt:

    Ah… Na gut, in der „Wie alles begann“-Geschichte war es wahrscheinlich wirklich ein Versehen. ich erinnere mich nicht genau, aber ich sage einfach mal, das lasse ich gelten, es sei denn, jemand findet noch die richtigen Fehler.
    Hm. Warte ich jetzt noch, ob madove noch auftaucht, oder löse ich einfach?
    Ein bisschen warte ich nocht.

    Erzählst du eigentlich irgendwann mal, was in den ersten vier Jahren passiert ist, wie sie an den Ring gefesselt wurde?

    Kann durchaus passieren.

  17. madove sagt:

    du darfst lösen. madove geht grade im chaos unter.. :o)
    aber danke!

  18. Günther sagt:

    Ok, ein Schuss ins Blaue noch von mir: Der Magier verabscheut Kälte. Im Antiken Japan wohnte er in der Nähe des heutigen Nagano. Die Stadt kenne ich in erster Linie durch die Winterspiele 1998. Kann man daher sagen, dass Nagano eine „kalte Stadt“ ist und daraus einen Widerspruch konstruieren? Ich bin selbst nicht so ganz überzeugt. Aber zumindest hätte er sich wohl auch wärmere Gefilde in Japan/Asien aussuchen können.

    Was anderes ist mir leider nicht aufgefallen 😉

  19. Muriel sagt:

    Na gut, dann will ich mal von dem toten Pferd steigen. Es fängt an, zu riechen.
    Zuerst: Guinan und Günther gewinnen den Preis. Guinan, weil sie ja mehr oder weniger echte Fehler gefunden hat, sogar viele, und Günther, weil er sich offensichtlich viel mehr Mühe gegeben hat, als angemessen gewesen wäre.
    Die Fehler, die ich meinte, sind: Das Holzgestell für die Halterung des Ringes hatte Daniel ursprünglich nicht, und die Entführung von Melissa fand eigentlich in Australien statt, nun wohnen ihre Eltern aber plötzlich in einem Vorort von Los Angeles.
    (Wer jetzt nachweist, dass das in Wahrheit gar keine Fehler waren oder ich mich da sonst irgendwie getäuscht habe, gewinnt zwar keinen Preis, aber große Dankbarkeit.)
    Ich bedanke mich bei allen Teilnehmern und freue mich aufs nächste Mal.

  20. madove sagt:

    So. Jetzt. endlich.

    1) Der Zauberer lügt ganz sicher, und Sheila kann man auch überhaupt nicht trauen, aber zumindest ist sie an ein paar Regeln gebunden, die man mit viel Konzentration und logischem Verständnis nutzen könnte, um sie auf Fakten festzunageln. Aber zu genau will Daniel die Fakten ja offensichtlich auch nicht wissen.

    2) Aus Gründen, die ich selber nicht verstehe, fand ich das Kinderlied unglaublich wirkungsvoll und creepy; ich hab mich so gegruselt, daß ich mich zweimal echt zum weiterlesen zwingen mußte. Also auch deutlich wirkungsvoller als zB den

    3) Kochtopf, den ich eher platt fand. aber ok zur einführung des charakters in diesem kontext.

    4) Den fand ich gut. Ich würde viel mehr und viel genauer wissen wollen als er, glaube ich jetzt. Aber ich seh mich ja auch keiner ewigen Qual gegenübergestellt; das üwrd ich vielleicht auch verdrängen wollen…

    5) Nichts zu meckern. Absicht und Beschreibung erfolgreich. 🙂

    6) Waah, was ein Cliffhanger. MEHR!

  21. Muriel sagt:

    Basierend auf einer Samplegröße von drei weiblichen und einem männlichen Leser bin ich mir über die statistische Bedeutung des Ergebnisses nicht so ganz im Klaren, stelle aber erst mal unanfechtbar richtig fest, dass der männliche Leser Sheila weitaus mehr Vertrauen entgegenbringt als die weiblichen. Mutmaßungen bezüglich der Ursache traue ich mir nicht zu, das wäre unseriös.
    @madove: 2) Ich finde Kinderlieder ja generell ziemlich gruselig.
    6) Wird ein bisschen dauern. Nicht unbedingt, weil jetzt Bright Outlook läuft, sondern eher, weil Yours to keep immer ein bisschen dauert.

  22. medizynicus sagt:

    Handwerklich der beste Abschnitt!
    Wie das mit den Lügen rüberkommt?
    Sheila lügt durch „selektives Nicht-Sagen“ – das was sie sagt, entspricht zwar der Wahrheit, aber es gibt Dinge, die sie nicht sagt und die, wenn sie ausgesprochen wären, das Gesagte in einem anderen Licht erscheinen lassen, so dass möglicherweise das Gegenteil bei herauskommt…. klingt kompliziert… you know, what I mean? Ja? Ist es so gemeint?
    Der zauberer – wobei mir noch nicht ganz klar ist, wer er denn nun eigentlich ist, mit diesen japanischen Namen kommt man beim oberflächlichen Lesen doch ziemlich durcheinander – ist es der Typ, den der andere in Teil 5 umbrignen wollte? – also, dieser Zauberer sagt bzw. schreibt die Wahrheit, obwohl wir ihn als Fiesewicht kennengelernt haben. Aber auch hier gibt es sicherlich noch Aspekte, die wir Leser nicht kennen. Jedenfalls: wenn er Daniel einfach so das Licht ausbläst, dann wäre ich enttäuscht.
    Wenn er wirklich die Kinder im Kochtopf zu Gulasch verarbeitet hat dann ist das bislang für den Plot nicht wichtig und wenn es so wäre wäre es nur billige Effekthasherei. Oder es kommt noch irgendwas. Es erscheint mir eher so, dass er Mrs. Baker aus einem gewissen Kalkül heraus getötet hat und nicht einfach so weil er halt ein grausamer Fiesewicht ist. Sheila hingegen quält ihre Opfer aus Lust am Quälen – das kam in der Szene mit den Kindesentführern gut rüber. Und diese Ambivalenz macht ihren Charakter ja so spannend!
    Allerdings muss man da vorsichtig sein, nicht zu sehr in die Klischeekiste zu greifen…
    Diese erotische Spannung hast Du gut eingefangen.
    Was passiert eigentlich, wenn die beiden miteinander…. äh… Du weißt schon? Allerdings… wenn sie es tun, wäre es irgendwie platt. Wenn sie ihn danach oder dabei auffrist wäre ich ebenfalls enttäuscht.
    Vermutlich wird er ja irgendwann draufgehen, das ist ja in dem Genre so üblich, dann wäre ich aber auch enttäuscht. Anderersseits, wenn er einfach so durch irgendeinen Zufall dafür sorgt dass die Dämonen einander gegenseitig platt machen und er am Ende wieder ein ganz normaler pickeliger einundzwanzigjähriger Nerd ist… wäre auch langweilig. Was für Optionen gibt es sonst noch?
    Bin jedenfalls gespannt, wie Du die Story auflösen wirst!
    Ach ja: wenn ich ein Verleger wäre, würde ich es nicht drucken.
    Der Plot ist gut.
    Aber am Stil musst Du noch feilen!

  23. Muriel sagt:

    @medizynicus:

    you know, what I mean? Ja? Ist es so gemeint?

    Ich denke, dich zu verstehen, und es ergibt für mich auch Sinn. Wie es gemeint ist, verschweige ich wohl besser, um nicht die weitere Geschichte vorwegzunehmen.

    ist es der Typ, den der andere in Teil 5 umbrignen wollte?

    Genau der. Also, falls du jetzt denselben meinst wie ich. Ich meine Yuudai.

    Was passiert eigentlich, wenn die beiden miteinander…. äh… Du weißt schon?

    Ich würde die Spekulation darüber gerne bis auf Weiteres den Lesern überlassen, falls sie gerne über so etwas spekulieren wollen

    dann wäre ich aber auch enttäuscht.

    Nicht, dass es ein überragend wichtiges Ziel in meinem Leben wäre, aber ich beginne zu zweifeln, ob es mir gelingen wird, dich nicht zu enttäuschen. Das scheint schwierig zu sein.

    Was für Optionen gibt es sonst noch?
    Bin jedenfalls gespannt, wie Du die Story auflösen wirst!

    Ungefähr in dem Stadium bin ich auch gerade noch.

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