Where there’s a rip, there is a way (3)

Ein letztes Mal bitte ich euch noch, mich nach Gran Canaria zu begleiten, und um es euch ein bisschen leichter zu  machen, verzichte ich diesmal sogar auf ein dämliches Far-Out-Video und komme stattdessen direkt zur Sache.

Los geht es mit dem angekündigten Surfbericht: Wie ihr wisst, wohnten wir in Maspalomas, aber gesurft haben wir dort kein einziges Mal. Die Wellen sind für unsere Zwecke anderswo besser, weshalb unsere Coaches uns in der Regel zum Playa del Hombre fahren. Das ist ein kleiner schwarzer Strand in der Nähe des Flughafens, von dem aus man nicht nur sehr schön Flugzeuge beobachten, sondern auch echt nett Wellenreiten üben kann. Zum Schwimmen ist er laut Beschilderung eher nicht so gut, wegen der starken Strömung, aber so schlimm ist die eigentlich auch wieder nicht.

Zum ersten Mal haben wir in diesem Urlaub den Playa de la Laja besucht. Der ist direkt unter der Autobahn und viel, viel größer als der Playa del Hombre.

Weil er so breit ist, mussten wir manchmal ein bisschen laufen, um eine günstige Stelle zu finden, denn die Bedingungen können sich je nach Wind, Gezeiten und sonstigen Umständen nicht nur von Tag zu Tag, sondern auch von Stunde zu Stunde ganz erheblich verändern. Ein steil abfallender Grund ist zum Beispiel doof für Anfänger, weil man da nicht stehen kann, und (Achtung, das ist jetzt gewissermaßen die Auflösung meiner unbeantworteten Preisfrage zum ersten Artikel.) es hilft andererseits für die Nicht-mehr-ganz-Anfänger, wenn ein Rip in der Nähe ist, der uns weit genug nach draußen zieht, um die größeren schöneren grünen Wellen zu erwischen, nicht nur die kleinen weißen vorne am Strand. Wenn die Strömung einem nicht hilft (und manchmal auch sonst), ist es nämlich eine schreckliche Quälerei, gegen die Wellen rauszupaddeln. In den Grundzügen hatte ich das in unserem ersten Gran-Canaria-Bericht ja schon einmal beschrieben. Am Playa de la Laja ging das diesmal besonders gut. Die Wellen kamen schön regelmäßig und in der richtigen Größe, der Rip war kräftig und brachte uns zügig raus, und das einzige nicht ganz Optimale war die starke Seitwärtsströmung, die uns in wenigen Minuten aus dem Gebiet mit den schönen Wellen in eines mit ziemlich großen nicht ganz ungefährlichen trug, was einen gewissen Zeitdruck bei der Auswahl der richtigen Welle schuf. Trotzdem ist es hin und wieder auch mal ganz gut gegangen.

Zum Abschluss luden uns unsere Coaches sogar noch in ein kleines Fischrestaurant an einem anderen Strand ein. Das fanden wir nicht nur toll, weil dort die womöglich beste Paella der Insel serviert wurde, sondern auch, weil wir ja bekanntlich große Fans unserer Coaches sind und uns über die Gelegenheit freuten, ein bisschen mit ihnen plaudern zu können. Vielleicht hätten sie uns auch Autogramme mitgegeben, aber wir haben uns nicht zu fragen getraut.

So, Schluss mit Meer, ab in die Berge. Ebenfalls auf Empfehlung unserer Surf-Senseis (Ja, wir sind ein bisschen gruselig, aber wenigstens stehen wir dazu.) fuhren wir an einem unserer surffreien Tage noch einmal in das Barranco du Guayadeque, um ein bisschen wandern zu gehen.

Man hatte uns gewarnt, dass die Strecke durchaus anstrengend wird und wir genug Proviant mitnehmen sollten. Ich bat keoni deshalb morgens, einkaufen zu gehen, während ich den Mietwagen holte, und so erledigten wir arbeitsteilig unsere Vorbereitungen und brachen auf. Die Strecke gefiel uns gut, sowohl landschaftlich als auch botanisch,

aber das Wetter war ein bisschen anders, als wir uns vorgestellt hatten. Treue Leser erinnern sich, dass unsere letzte Bergwanderung ziemlich kalt und nieselig verlief, und so ungefähr hatten wir uns das auch diesmal vorgestellt. Stattdessen war es heiß und extrem sonnig, und wir hatten das ganze Projekt auch gerade so abgestimmt, dass wir um Punkt 12 loswanderten. Ihr könnt euch also womöglich meinen Schrecken feststellen, als ich Keoni anbot, ihr ein bisschen Gepäck abzunehmen, und sie antwortete, das sei schon in Ordnung, ich hätte ja unter anderem auch die große Zweiliterflasche Wasser zu tragen. Nichts dergleichen hatte ich, weil ich davon ausgegangen war, dass sie Wasser kaufen würde. Keoni hingegen hatte angenommen, dass ich natürlich die Flasche aus unserem Hotelzimmer einpacken würde. Sie hatte, um ganz sicher zu gehen, zwar noch ein bisschen zusätzliche Getränke besorgt, aber doch eher sparsam.

Und so kam es also, dass wir für unsere fünf- bis sechsstündige staubtrockene Bergwanderung bei sengender Hitze jeder nur einen halben Liter Wasser hatten. Na gut. Wir sind Kummer gewohnt und dachten, dass wir ja zur Not noch ein paar der allgegenwärtigen Eidechsen auspressen konnten und setzten unsere Wanderung fort. So. Das war das, was ich als „lebensgefährlich“ angeteasert hatte. Wir hatten eben ein bisschen zu wenig Wasser eingepackt, und das werde ich jetzt auch nie wieder erwähnen. Wenn ihr es wirklich wissen wollt: Wir hatten sogar noch jeder eine kleine Packung Apfelsaft, was die Dramaturgie der ganzen Sache nun endgültig zerstört. So ist das mit Werbung. Aber hier, schaut mal, ein Flugzeug:

Die Wegbeschreibung unserer Senseis war ziemlich vage ausgefallen („Im Barranco de Guayadeque bis zum Ende fahren, und dann immer links halten, dann kommt man bis zum Pico de la Nieve.“), und so hatten wir zwar keine Ahnung, ob wir auf dem richtigen Pfad waren, aber zumindest hatten wir ein lohnendes Ziel vor Augen.

Wir waren uns bald ziemlich sicher, dass wir einem anderen Pfad folgten als geplant, denn weder von dem kleinen Dorf mit den zahllosen wild gegen unsere Durchreise protestierenden Hunden, noch von der ganz ordentlich befahrenen Straße hatten unsere Coaches berichtet, aber die hatten auch ihren Reiz, und obwohl ich langsam müde und quengelig wurde, trieb keoni mich weiter an, bis wir schließlich unser Ziel erreicht hatten. Es stellte sich als etwas schwieriger heraus, den Gipfel wirklich zu erreichen, weil wir dafür erst so einen drei Meter hohen ziemlich steilen Abhang aus bröckeligem Sandstein erklimmen mussten, aber wir sind der Meinung, das war es wert.

Und so traten wir durstig aber zufrieden den Rückweg an und entdeckten auf der Fahrt sogar noch den womöglich schmucksten kleinen Ort der Insel mit ganz urigen kleinen Gassen

und einer urigen kleinen Kirche

mit einem … urigen kleinen Kopf drin.

Einerseits gefällt es mir ja, dass die Leute in diesen katholischeren Gegenden so viel aufrichtiger mit ihrem Glauben umgehen, aber andererseits macht es mir auch manchmal Angst.

Damit endete dieser Tag, und nachdem wir am nächsten noch einmal an den Strand gefahren waren, endete auch unser Urlaub, mit einem wie immer traumhaften Essen im wundervollsten Restaurant der Welt, und auch wenn es nicht zum ersten Mal ist, sage ich es gerne wieder, und ich werde es auch beim nächsten Mal wieder sagen: Dieser Pfannkuchen hier ist das ultimative Dessert, das Alpha und das Omega, der Weg und das Ziel, die Frage und die Antwort, dieser Pfannkuchen ist der Wahrheit:

Und eigentlich sollte dieser Reisebereicht jetzt wohl enden, aber der spanischen Polizei habt ihr noch ein bisschen Bonuscontent zu verdanken. Während Drogenschmuggel in Deutschland und den meisten anderen mir bekannten Ländern vom Zoll eher skeptisch betrachtet wird, sehen die Spanier das erheblich lockerer:

Noch ein Grund, öfter hierher zu reisen.

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8 Responses to Where there’s a rip, there is a way (3)

  1. Guinan sagt:

    Müde und quengelig? 😀

  2. Ron sagt:

    Bezüglich der Wanderung hatte ich mal ein ähnliches Erlebnis auf La Palma. Die im Buch als mittelschwer beschriebene Strecke ging gleich mit einem steilen Aufstieg über Serpentinen los, ging dann über einen Bergkamm auf und ab weiter, setzte sich über den Abstieg auf einem Lavafeld fort (wie heiß doch kalte Lava sein kann, wenn die Sonnen von oben brennt) und endete mit einem kilometerlangem Marsch an einer Straße entlang. Den Liter Wasser, den wir dabei hatten, hatten wir natürlich schon irgendwo auf dem Bergkamm weg gehabt. Scheinbar ist es aber wohl nicht nur uns so gegangen, denn ca. 300 Meter vor dem Parkplatz mit unserem Auto konnte ich schon aus einiger Entfernung einen uralten Getränkeautomat ausmachen, der dann sogar noch funktioniert hat und gefüllt war. Ich sag mal so: das war die beste Miranda, die ich je getrunken habe. Im Auto bin ich dann erstmal zusammengebrochen und musste mich eine halbe Stunde ausruhen.

    Tolle Bilder übrigens!

  3. Tim sagt:

    Toller Bericht, tolle Bilder. Und das Highlight: „Wir sind Kummer gewohnt“, sehr schön.

    Laßt uns dankbar sein!

  4. Muriel sagt:

    @Ron: Bei uns war es sogar ohne den Automaten noch viel weniger dramatisch. keoni trinkt einfach sowieso sehr wenig, und ich habe mich halt ein bisschen zurückhalten müssen. Wir hatten sogar noch ein bisschen was über, als wir zum Auto zurückkamen.
    Schön, dass dir die Bilder gefallen.
    @Tim: Gerade für die kleinen Dinge.

  5. whynotveroni sagt:

    Hm, ich kann nicht so gut spanisch, und google translate hilft nur begrenzt. Die Uebersetzung des Plakats lautet dort „if you take drugs in the office above you do the wave and petting the dogs are left“. Aeh. Also was will es uns sagen?

    Schoener Bericht. Vor allem mit der Dramatik und so.

  6. Muriel sagt:

    „Wenn du Drogen dabei hast, machen sie beim Zoll für dich La Ola, und die Hunde lassen sich streicheln.“

  7. Muriel sagt:

    Ähm… Das „für dich“ ist Quatsch, das habe ich mir ausgedacht.
    Pardon.

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