Die frohe Botschaft

ds

Hey, weißt du eigentlich, wie viel Schuld du auf dich lädst? Schlimm ist das. Guck mal hier, lauter Regeln, gegen die du jeden Tag und dauernd und immer wieder verstößt. Hier zum Beispiel: Hast du schon mal gelogen? Ja? Siehst du, das darfst du nicht. Das ist falsch. Oder begehrst du manchmal andere Menschen, oder irgendwelche Gegenstände? Tja, das ist auch verboten. Vielleicht hast du sogar schon mal Verhütungsmittel benutzt. Sowas von verboten.

Das war dir bisher wahrscheinlich gar nicht klar, dass du eigentlich jeden Tag, jede Woche, jede Stunde irgendwas total Verbotenes machst, und dass du deshalb (und weil vor sechstausend zehntausend hunderttausend sehr vielen Jahren deine Vorfahren sich von einer sprechenden Schlange haben überreden lassen, eine Frucht zu essen, das spielt auch eine Rolle, aber das erklär ich dir später) voll der schreckliche Sünder bist.

Echt, du bist total schlimm. Das kommt dir vielleicht nicht so vor, aber weißt du, ich kenne da diesen unsichtbaren Typen, der vollkommen perfekt und gut ist und uns alle liebt, und im Vergleich mit dem bist du echt richtig schlimm. Du bist sogar so furchtbar, dass diesem Typen eigentlich keine Wahl bleibt, als dich für alle Ewigkeit in Qual und Leid und Verzweiflung zu übergeben, obwohl er dich total liebt. Gerade weil er dich so liebt sogar. Glaub ich.

Du hast da also echt ein Riesenproblem, nä? Aber, hey, mach dir keine Sorgen, denn ich hab die Lösung: Du musst einfach nur an den Sohn von dem Typen glauben, ja, genau, von dem unsichtbaren Typen der Sohn, der kann dir nämlich vergeben, wenn du an ihn glaubst. Der Typ hat nämlich seinen Sohn geopfert, und weißt du warum? Weißt du, warum dieser Typ seinen eigenen Sohn opfern musste? Ich sag’s dir: Weil du so ein schlimmer Sünder bist. Und ich natürlich auch. Das sind wir alle. Wir sind so schlimme Sünder, dass nur so ein riesiges Opfer das wieder gut machen konnte.

Und trotzdem gibt es immer noch ein paar Leute, die dieses Opfer nicht annehmen wollen, und denen der unsichtbare Typ deshalb nicht vergeben kann. Kannst du dir vorstellen, wie schlimm das für den ist? Das macht den richtig traurig. Und das kannst du doch nicht wollen, oder? Er hat sich solche Mühe für dich gegeben, um dich zu retten. Bestimmt willst du nicht, dass das alles umsonst war. Eben. Und ich kann dir erzählen, wie das geht. Ich kenn den Typen nämlich ziemlich gut, und seinen Sohn auch. Wir sind so. Und wenn du alles richtig machst, dann kannst du nicht nur gerettet werden, du kannst dich sogar auch mit denen anfreunden, und dann wird’s richtig schön. Richtig schön.

Übrigens, hast du ein paar Euro für den Unterhalt dieser riesigen Paläste, die wir für den unsichtbaren Typen und seinen Sohn gebaut haben? Die sind echt teuer.

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13 Responses to Die frohe Botschaft

  1. siralexdoe sagt:

    Na Logo, knaps Dir die Kohle doch einfach monatlich von meinem Lohn ab, dann muss ich mich da garnicht mehr drum kümmern.

  2. Guinan sagt:

    Dafür darfst du die Paläste dann auch kostenlos besichtigen. Meistens jedenfalls.

  3. Dietmar sagt:

    Tja, das ist mein Problem: Ich finde diese Paläste und ihre Musik schön, toll, wertvoll, wichtig. Ich glaube diesen Blödsinn nicht, finde aber Kirchen und Kirchenmusik toll. Und bin deshalb zahlendes Mitglied des staatlich sanktionierten kollektiven Wahns. Was soll ich machen …

  4. madove sagt:

    @Dietmar
    Hm. Austreten? Und bei erhaltenswerten Kirchen Geld in das „Wir erhalten unsere Kirche“-Käßchen werfen? Und in tolle Kirchenmusikkonzerte gehen und Eintritt bezahlen?
    …Oh, sorry, ich war noch nie gut im Erkennen rhetorischer Fragen. 🙂

  5. Dietmar sagt:

    Von Kirchenmusikkonzerten kann unser fantastischer Kantor nicht leben. Die Spenden werden auch nicht reichen, um die Kirchen zu erhalten. Ich tu mich wirklich schwer damit.

  6. Alien sagt:

    „dass du so ein riesiges Opfer das wieder gut machen konnte.“

    dass nur so ein riesiges Opfer das wieder gut machen konnte.

    oder?

  7. Muriel sagt:

    @Dietmar: Ich verstehe dich nicht. Und ich hätte auch nie gedacht, dass ich mal finden würde, dass du deine Meinung zum Thema Religion nicht deutlich genug ausdrückst.
    Du kannst doch austreten und dann freiwillig weiterhin genau den gleichen Betrag zahlen, wenn du das möchtest. Mir ist zwar nicht ganz klar, warum du das wollen solltest, aber es ist dir ja offenbar ein Anliegen, und auf diese Weise würdest du immerhin nicht als ausgewiesenes Mitglied deren gesamtgesellschaftlichen Vertretungsanspruch untermauern und deren politischen Einfluss stärken und deren widerwärtige Vorstellungen scheinbar mittragen.
    Aber das ist natürlich deine Entscheidung.
    @Alien: Du hast vollkommen Recht. Danke für den Hinweis!

  8. Dietmar sagt:

    @Muriel: Liegt wohl daran, dass ich als Kritiker noch zu frisch bin. Ich habe mit Änderungen immer etwas Schwierigkeiten.

  9. Muriel sagt:

    @Dietmar: Das kann ich nun wieder zu gut verstehen. Ich habe fünf Jahre lang die 10-Euro-Gebühr für diese bescheuerte Fielmann-Hanse-Merkur-Brillenversicherung bezahlt, weil ich einfach zu faul war, den Quatsch zu kündigen. Jetzt ist tatsächlich ein Sprung im Glas, und es war immerhin nicht völlig vergebens, aber ich wäre nicht überrascht, wenn ich irgendwann 2020 merke, dass es schon wieder 8 Jahre her ist und ich da immer noch dabei bin.

  10. madove sagt:

    @Dietmar Ah, okay, Letzteres versteh ich! Ich bin bei sowas auch immer sehr langsam…
    (Aber rein sachlich gesehen kannst Du ja mehrfache Jahresbeiträge in Spendendosen stecken und Deinem Kantor überweisen, wohingegen Du, wenn Du sie weiterhin dem Laden als Ganzes läßt, damit auch Sachen mitbezahlst, die Du vermutlich nicht gut findest, und deshalb von DEINEM Geld, das ja das einzige ist, daß Du beeinflussen kannst, bei gleicher Ausgangssumme WENIGER bei den gewünschten Einrichtungen ankommt… ichmeinjanur *stups*)

  11. […] In diesen Tagen werden auch die Kritiker von Kirche und Glauben aktiv, und schreiben etwa auf, wie sie das alles so sehen. Und ich will das gar nicht groß kritisieren (obwohl ich schon mehrfach schrieb, daß man das […]

  12. Dietmar sagt:

    „Aber rein sachlich gesehen …“

    Ja …

    ja, ja….

    ich weiß ja…

    menno…

    😦

  13. Guinan sagt:

    Ich habe ab der ersten Zwangszahlung auch noch sieben Jahre gebraucht. Manches dauert eben.

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