That’s a Q to the E to the motherfuckin‘ D

Israel hat jetzt also ein Einreiseverbot gegen Günter Grass verhängt, weil dieser in einem Gedicht angedeutet hatte, Israels Arsenal an Nuklearwaffen sei eine Bedrohung für den Weltfrieden, und Kritik an Israel würde die Kritiker dem Verdacht des Antisemitismus aussetzen.

Israels Innenminister sagt dazu, Grass sollte seine „verdrehten und lügnerischen Werke“ besser im Iran verkaufen, da würde er mehr Anhänger finden. Ob er Grass dann noch eine Nase drehte, „Nana-nana-na“ sang und damit drohte, seiner Mutter von der Angelegenheit zu erzählen, ist leider nicht bekannt. Unserem überschaubare-Relevanz-Israel-Korrespondenten verriet er jedoch auf telefonische Nachfrage, das Grass „voll der blöde Dummerjan“ sei, der jetzt selbst sehen müsse, mit wem er in Zukunft spielen wolle. Der israelische Premierminister fügte hinzu, Grass‘ Mutter sei „so dick, dass ihre Müslischüssel einen Rettungsschwimmer braucht“, und ergänzte dies um den Hinweis: „Günter Grass stinkt!“

Na, damit wären dann wohl endgültig alle Zweifel daran aus der Welt, dass es sich hier um einen rational agierenden aufgeklärten Rechtsstaat handelt, dem man den Umgang mit Kernwaffen bedenkenlos zutrauen kann.

Verflixt, und ich hatte mir dieses schöne neue Ironiemessgerät gerade erst gekauft.

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16 Responses to That’s a Q to the E to the motherfuckin‘ D

  1. Dietmar sagt:

    Die Antisemismus-Karte wird aber auch immer gezogen. Lästig, unreif und hohe internationale Politik.

  2. freiheitistunteilbar sagt:

    Ich wage mich zu erinnern, dass Journalismus bis zum Ende der 80er zumindest den Anschein von Rechtschaffenheit, Sachlichkeit, Distanziertheit hatte.

    Die aktuelle Mischpoke versucht noch nicht einmal, den Anschein davon zu wahren.

  3. robinhosa sagt:

    Ich finde die Reaktion Israels auf Grass‘ Gedicht auch nicht richtig. Inwiefern das aber einen Rückschluss auf Israels Umgang mit Atomwaffen zulässt, ist mir unklar – care to elaborate?

  4. robinhosa sagt:

    (ich hab hier früher gelegentlich unter dem Namen „Robroy“ kommentiert, aus irgendeinem Grund lässt mich der Blog hier nur noch unter meinem WordPress account kommentieren, daher der andere Name)

  5. Dietmar sagt:

    @robinhosa:

    „rational agierenden aufgeklärten Rechtsstaat“ ist da wohl der Schlüsselbegriff.

  6. Muriel sagt:

    @robinhosa: Wenn schon unbedingt jemand Massenvernichtungswaffen haben muss, hätte ich sie gerne in den Händen von jemandem, der sich vernünftig und rechtsstaatlich aufführt und sich nicht bei jeder mickrigen Provokation hinschmeißt und mit den Fäusten auf den Boden trommelt.
    Allerdings will ich das auch nicht überbewertet wissen. Solange Nordkorea, China und Russland Nuklearwaffen haben, steht Israel ziemlich weit unten auf der Besorgnisskala.
    (Das mit dem Namen müsste behebbar sein, falls es dir wichtig ist. Ich zumindest kann bei WordPress auch unter anderen Namen wie zum Beispiel „Dietmar“ kommentieren.)

  7. robinhosa sagt:

    (Nein, das mit dem Namen ist mir nicht weiter wichtig) – gibt’s nach diesen Kriterien irgendeinen Staat, dem du einigermaßen bedenkenlos Atomwaffen anvertrauen würdest? Welcher Staat handelt immer vernünftig?
    Die Verbindung vom Einreiseverbot zum Umgang mit Atomwaffen scheint mir immer noch ziemlich konstruiert – so besitzt Israel seine Atomwaffen schon seit Jahrzehnten (was man durchaus aus guten Gründen kritisieren kann), diese Zeit lässt m.E. eher Rückschlüsse auf seinen Umgang mit Atomwaffen zu als die Grass-Geschichte.

    Ich bin mir auch nicht sicher, ob das Einreiseverbot rechtsstaatlich zu beanstanden ist – eine nationale gesetzliche Grundlage scheint gegeben zu sein (wie tragfähig die Berufung darauf jetzt ist, müsste jemand bewerten, der das israelische Recht besser kennt), und ein Menschenrecht auf uneingeschränkte Freizügigkeit gibt es nicht, insofern… – nicht alles was unvernünftig ist, muss rechtsstaatlich bedenklich sein.

  8. Muriel sagt:

    @robinhosa: Vielleicht ist der Humor in diesem Beitrag nicht richtig rübergekommen. Es geht mir nicht darum, dass ich wegen dieses Vorfalls will, dass Israel keine Nuklearwaffen mehr hat.
    Ich finde es einfach nur lustig, dass Grass schreibt, dieser Staat wäre nicht vertrauenswürdig, und wenn man ihn kritisiert, laufe man Gefahr, als Antisemit bezeichnet zu werden, und als Reaktion kriegt dieser Staat einen peinlichen Schreikrampf, und alle beschimpfen Grass als Antisemiten.
    Wie ich schon schrieb: Ich würde eigentlich niemandem Nuklearwaffen anvertrauen wollen.

    Das Einreiseverbot ist aus meiner Sicht rechtsstaatlich zu beanstanden, weil die gesetzliche Grundlage meines Wissens zwar vorhanden ist, das Verbot aber nicht aus den in dieser Grundlage vorgesehenen Gründen ausgesprochen wurde, sondern willkürlich. Und sogar wenn es ein Gesetz gäbe, das vorsieht „Wer Israel kritisiert, darf nicht einreisen“, dann wäre das immer noch eines Rechtsstaates unwürdig, weil es ein willkürliches Gesetz wäre. Vielleicht überdehne ich da den Begriff des Rechtsstaates da ein bisschen, aber für mich gehören ein paar Grundrechte einfach dazu, und dies war auch wahrhaftig nicht als ausführliche juristische Auseinandersetzung mit Israels Verwaltungsakt gedacht.

  9. Frau.Meer sagt:

    Bin ich eigentlich abgestumpft oder habe ich irgenetwas verpasst, dass mir dieses Theater samt der ständigen Berichterstattung über ein einziges Gedicht so dermaßen überzogen vorkommt? Ich verstehe da wirklich den Aufreger nicht.

    HAben wir schon Sommer? Musste ein Loch gefüllt werden? Fragen über Fragen… Aber sehr gelungener Beitrag 😀

  10. Muriel sagt:

    @Frau.Meer: Falls du da ein Problem hast, habe ich jedenfalls das gleiche.
    Aber wen wundert das noch? Wann war zuletzt die Berichterstattung über irgendein Thema angemessen?

  11. Henk sagt:

    @Frau Meer: Natürlich schlagen die Wellen mal wieder so hoch, dass man sich nach kurzer Zeit angewidert abwendet. Die grundsätzliche Bedeutung des Vorgangs ergibt sich aber nun einmal aus der Bedeutung, die Günter Grass zugemessen wird. Ein Gedicht zeitgleich in drei bedeutenden internationalen Zeitungen unterzubringen, das schafft nur einer, dem die Welt zuhört (aus welchen Gründen auch immer; ich konnte mit Grass nie viel anfangen). Wenn viele zuhören, dann gibt es auch viele Reaktionen.

    Ich finde es einfach nur lustig, dass Grass schreibt, dieser Staat wäre nicht vertrauenswürdig, und wenn man ihn kritisiert, laufe man Gefahr, als Antisemit bezeichnet zu werden, und als Reaktion kriegt dieser Staat einen peinlichen Schreikrampf, und alle beschimpfen Grass als Antisemiten.

    Vorsicht, Spaßbremse: Ich find’s nicht lustig. Es ist die klassische Nazi-Tour: „Nicht mal mehr die Wahrheit sagen darf man, weil man dann sofort als Antisemit bezeichnet wird! So weit ist es schon mit der jüdischen Weltverschwörung/deutschen Selbstzensur/linken Kampagnenjournaille!“ Merke: Nur weil einer die Reaktion auf sein Verhalten vorhersieht, ist die Reaktion deshalb nicht weniger richtig. Was Scheiß ist, darf Scheiß genannt werden; wie vielstimmig auch immer.

    Zur Vertrauenswürdigkeit:Hier bleibst du ja trotz robinhosas meiner Meinung nach völlig korrekten Hinweises dabei, dass die Reaktion Israels auf Grass und die Vertrauenswürdigkeit des Staates in einem Zusammenhang stehen. Den sehe ich nicht, ebensowenig wie einen „peinlichen Schreikrampf“ des Staates. Die Verzögerung der Anwendung des israelischen persona-non-grata-Gesetztes für ehemalige Nazi-Schergen – und dazu wird man einen freiwilligen Waffen-SS-Mann zählen müssen – beruht doch offenbar nur auf Grass‘ Status und seinen Verdiensten. Wenn man diese israelischerseits nun geschmälert sieht und sich getäuscht fühlt, finde ich die Kehrtwende konsequent. Man kann nicht erwarten, dass ein Staat, der regelmäßig beschossen wird und der nach Aussage mancher seiner Nachbarn von der Landkarte getilgt werden soll, die Meinung, er sei allein oder hauptsächlich verantwortlich für gewisse „Spannungen“, als neutralen, ehrlich besorgten Freundschaftsdienst auffasst.

  12. Muriel sagt:

    @Henk: Ich erwarte nicht, dass die israelische Regierung Grass‘ Gedicht als Freundschaftsdienst auffasst. Grass‘ Gedicht ist Mist, genauso wie Grass‘ ganzes restliches Werk. Von mir aus kann es sogar antisemitisch sein, auch wenn ich das nicht erkenne.
    Ich erwarte einfach nur von Menschen, die die Befehlsgewalt über eine Armee haben, dass sie sich zumindest in ihrer offiziellen Funktion wie Erwachsene aufführen.
    Nein, stimmt nicht ganz. Ich erwarte das natürlich schon lange nicht mehr. Aber ich fänd’s halt schön.

  13. Henk sagt:

    Das verstehe ich. Ich finde aber, dass sich der federführende Innenminister (der übrigens nicht der Verteidigungsminister oder Ministerpräsident ist – dies zum Thema Befehlsgewalt) durchaus erwachsen aufführt. Wie schon gesagt: Das entsprechende Gesetz gilt nicht nur für Grass, es wird jetzt lediglich auch auf ihn angewendet – politisch aus meiner Sicht nicht klug, aber nachvollziehbar und erwachsen.

  14. Gurasijewitsch sagt:

    Was er eigentlich sagen wollte

    Was ich eigentlich sagen wollte:
    Dass ich Juden gar nicht mag.
    Weil man das nicht sagen sollte,
    Schreib ich lieber Magerquark.

    Israel hat eine Bombe
    Und der Perser will auch eine.
    Leute, wenn es denn nach mir ging,
    Hätten alle Beiden keine.

    Ich bin nu schon 84
    Und nich immer ganz bei Trost.
    Dass die da unten sich so käbbeln,
    Mich aufs Furchtbarste erbost.

    Und nu will der alte Schnorrer,
    Der da unten alles klaut,
    Auch noch unsere schönen Boote,
    Die die Werft in Kiel gebaut.

    Ich muss gestehen, ich bin ein wenig
    Eifersüchtig, ich durft‘ nie aufs Meer.
    Als ich 17 Lenzen zählte,
    Nahm mich nur das Panzer-Heer.

    Gut, es waren die schwarzen Brüder,
    Himmlers schutzstaff’lige Truppe.
    Doch das war vor tausend Jahren,
    Und ganz ehrlich, mir jetzt schnuppe.

    Gerade ja wir Deutschen sollten,
    Weiß ich als moralische Instanz,
    Niemals still die Klappe halten,
    Ergo cumquat demonstranz.

    Mit der allerletzten Tinte,
    die ich aus dem Pinsel preß,
    Setze ich mich in dieselbe.
    Jau, ich spür, das gibt noch Streß.
    (Gerne auch mit ’ss‘)

  15. Muriel sagt:

    @Gurasijewitsch: Nicht übel. Willkommen bei überschaubare Relevanz, und danke für’s Teilen.

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