Die essen unsere Träume auf

Ich frage mich ja manchmal, ob so Leute, die Facebook gerne mit der Stasi vergleichen, sich wirklich nicht darüber im Klaren sind, dass die Stasi noch ein bisschen mehr gemacht hat, als Daten zu sammeln, die ihr freiwillig zur Verfügung gestellt wurden. Und ob so Leute, die Angst haben, dass Google ihre Daten missbraucht, wirklich eine konkrete Vorstellung davon haben, wie dieser Missbrauch aussehen sollte. Und ob so Leute, die mitleidig und mit ein bisschen Abscheu auf meine Paybackkarte herabblicken, weil ich damit ja mein Einkaufsverhalten offen lege, plausibel erklären können, wo genau der Nachteil darin liegen soll.

Am meisten frage ich mich allerdings in letzter Zeit, was all diese unfassbar niederträchtigen Konzerne eigentlich mit diesem Unmengen kostbarer Daten anfangen, die ich denen über mich zur Verfügung stelle. Auf meine Interessen zugeschnittene Angebote erstellen sie damit jedenfalls bestimmt nicht.

Gläserner Konsument, am Fuß!

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40 Responses to Die essen unsere Träume auf

  1. chaosrev sagt:

    Es ist unschwer zu sagen, lieber nicht die Datenabstraktion v. google mit der der Staatssicherheit zu vergleichen. Und schiebst damit die Grundintention von facebook zu google, nicht?

  2. Florian sagt:

    Das kommt womöglich erst, wenn das ganze hier tatsächlich Relevanz erreicht hat.

  3. Tim sagt:

    Auf meine Interessen zugeschnittene Angebote erstellen sie damit jedenfalls bestimmt nicht.

    Doch, tun sie. Jedenfalls besser als klassische Medien. In gewisser Weise lebe ich davon.

  4. Arctica sagt:

    Jo, das frag ich mich auch schon die ganze Zeit…

  5. Muriel sagt:

    @chaosrev: Florian hat dich offenbar verstanden, deswegen liegt es mutmaßlich an mir, aber ich habe jedenfalls keine Ahnung, was du meinst.
    @Tim: Ich hätte vielleicht lieber schreiben sollen, dass sie es nicht besonders gut machen, denn du hast Recht, hin und wieder fällt mir schon auf, dass ich wochenlang Werbung für Elektrogrills gezeigt bekomme, wenn ich einmal kurz nachgesehen habe, was so ein Ding kostet. (was natürlich nicht heißt, dass du persönlich es nicht gut machst. Bei mir ist jedenfalls bisher ein eher mäßiger Gesamteindruck geblieben.)

  6. flitzebilder sagt:

    heißt das nicht : am Arsch?

  7. Muriel sagt:

    @flitzebilder: Wir hier bei überschaubare Relevanz sind zu etepetete für so vulgäre Ausdrücke.

  8. Tim sagt:

    @ Muriel

    Ich bin jedenfalls begeistert von diesen Werbemöglichkeiten. Von absoluter Treffsicherheit sind sie noch weit entfernt, aber sie sind ein ganzes Stück näher dran als alles, was vor 10 oder gar 30 Jahren möglich war.

  9. Muriel sagt:

    @Tim: Von den Möglichkeiten bin ich auch begeistert.

  10. Florian sagt:

    @Muriel

    chaosrev habe ich auch nicht verstanden.
    Ich wollte damit nur sagen, dass ich an Googles/Facebooks Stelle deine Daten erst missbrauchen würde, wenn es sich auch lohnt.

    Ausserdem: Die auf dich zugeschnittene Werbung muss ja auch noch jemand beauftragen. Evtl. weiß Google ganz genau was du willst, es zahlt bloß niemand dafür, dass sie es dir auch zeigen 😉

    Und so bekommst du Werbung für ein training kit, mit dem du deiner Katze beibringen kannst, die Toilette zu benutzen, statt für eine Kaffeemaschine mit Zeitschaltuhr.

  11. Muriel sagt:

    @Florian:

    chaosrev habe ich auch nicht verstanden.

    Ach so, pardon, dann hatte ich dich missverstanden.

    Hast du denn eine Vorstellung, wie der Datenmissbrauch konkret aussehen würde?

  12. Florian sagt:

    @Muriel

    Nehmen wir alleine Google. Wenn du einen Account hast (ohne gehts auch, aber dann ist die persönliche Zuordnung schwerer), kann man schon allein an deinen Suchanfragen automatisiert ein Profil erstellen, das andere vielleicht interessiert – z.B. deinen potentiellen Arbeitgeber, deine Bank, deine Versicherung, das Finanzamt, das BKA, GEZ, you name it.

    Ähnlich wie bei der Schufa könnten die dann abfragen was sie so alles interessiert: Risikosport? Chronische Krankheiten? sexuelle Orientierung? Terrorist? Schwarzseher? Hundebesitzer? …

    Das würde ich allerdings noch nicht als wirklichen Missbrauch verstehen, denn dem hat man ja mehr oder weniger durch nichtlesen des Kleingedrucken zugestimmt 😉

  13. Muriel sagt:

    @Florian: Eben.

  14. HerrWinter sagt:

    @Florian

    Ich versteh den Punkt, den du sagen willst grundsätzlich, aber irgendwie finde ich das zu paranoid. Warum sollte Google denn z.B. dem BKA oder meiner Bank solche Informationen geben? Was wäre denn in ihrem Interesse? Die offensichtliche Antwort ist Geld. Aber wenn Google nun Daten von einigen hundert Nutzern weitergibt, wäre der Aufschrei denn nicht so groß, dass zukünftige Nutzer ausblieben? Würde Google sich damit nicht selbst ein Bein stellen und sich selbst mehr schaden als nutzen? Unabhängig davon ob man im Kleingedruckten zugestimmt hat. Hat bei FB auch jeder und trotzdem hat man das Gefühl die Welt geht unter, wenn denn mal kleinste Änderungen der AGB durchgeführt werden…Außerdem gibt es ja z.B. schon diverse Vorschläge für Gesetze, die es Arbeitgebern verbieten sollen auf solche Informationen zuzugreifen. Da sehe ich also eher eine andere Entwicklung. Bleibt die Möglichkeit, dass der Staat solche Informationen haben will. Aber wenn wir an dem Punkt sind, dass unser Staat bereit ist Informationen aus sozialen Netzwerken gegen seine Bürger zu verwenden ist dann nicht eh alles zu spät? Vielleicht bin ich ja auch zu naiv, aber irgendwie find ich die Aufregung doch arg übertrieben…vom Thema Selbstverantwortung ganz zu schweigen.

  15. Florian sagt:

    @HerrWinter

    Ganz richtig. Ich rege mich darüber auch gar nicht auf. (Was aber vielleicht nur daran liegt, dass ich mir als guter Mitbürger (noch) nichts habe zu Schulden kommen lassen.)
    Ich will bloß aufzeigen, dass diese Informationen bereits vorliegen und theoretisch jederzeit abgefragt werden könnten. Und sei es bloß von einem gelangweilten Mitarbeiter, der sich deine Urlaubsphotos aus Thailand anschaut. (Und wer weiß schon, was in x Jahren ist?)
    Das Thema ist auch überhaupt nicht neu; schon seit Anbeginn des Internets kann dein Emailanbieter alles mitlesen, was nicht verschlüsselt ist. Die aktuelle Hysterie kann ich deshalb auch nicht ganz nachvollziehen. Ich vermute es liegt an den Anfang Zwanzigjährigen, die das jetzt erst mitbekommen haben und fürchten, dass ihre Peinlichkeiten publik werden sobald sie Popstar sind.
    Und so stimme ich dir vollkommen zu, dass Medienkompetenz und Selbstverantwortung viel zu wenig thematisiert werden.

    P.S.: Allerdings scheinst du der Illusion aufzusitzen, dass man mit nationaler Rechtssprechung Dienstleistungen im Internet verhindern könne. Goggle/Facebook und co. halten sich doch jetzt schon nicht an deutsche Datenschutzbestimmungen.

  16. whynotveroni sagt:

    Auf meine Interessen zugeschnittene Angebote erstellen sie damit jedenfalls bestimmt nicht.

    Ich finde wie Tim, dass das teilweise schon erschreckend gut klappt. Ein paar Beispiele:

    Netflix (Internet-DVD/BlueRay-Verleih wie Lovefilm hier) hatte damals fuer den Gewinner eines Textmining-Wettbewerbs 1 Mio Dollar ausgeschrieben. Die haben mir, als ich da in den USA ’nen Abo hatte, tatsaechlich Filme vorgeschlagen, die mich interessieren. (Klappt bei Lovefilm ueberhaupt nicht, aber „it can be done“).

    Als ich meinen googleplus-Account gemacht habe, hat mir das Ding Leute fuer meine Circles vorgeschlagen, die ich auch tatsaechlich gut kannte. So auch bei einer Bekannten, als die das gemacht hat. Das war schon etwas unheimlich.

    Grundsaetzlich bekomme ich lieber Werbung angezeigt, die irgendwie was mit meinen Interessen zu tun hat als voellig random (wie auf Facebook): Sorry, fuer Nagellack oder wie ich absolut sicher in 10 Tagen mit einem ganz einfachen Trick abnehmen kann, interessiere ich mich die Bohne, das nervt dann nur.

    Generell sehe ich das wie HerrWinter: Google hat einen guten Ruf, was den Umgang mit Nutzerdaten angeht. Ein falscher Tritt dort, dann wuerde das mit Sicherheit einen riesigen Aufschrei geben und in allen Medien sein. Ich denke, dass die momentan mit gezielt platzierter Werbung eine Menge Geld machen, und einen derartigen Vertrauensbruch, wie das Weitergeben von (bereits aufgearbeiteten – das erfordert ja auch einige Skills, die ich z.B. dem BKA nicht zutraue) persoenlichen Daten, weder brauchen noch sich leisten koennten.

  17. otm sagt:

    @florian: Damit man diese Daten verkaufne kann, müssten die aber schon relativ sicher sein und an einen namen gebunden sein.

    Aber selbst wenn, wer wäre bereit dafür zu bezahlen. Diese Information sind zwar für den betroffenen privat, aber wer interessiert sich denn für meine sexuelle ausrichtung, wo ich im urlaub war oder welche langweilige serie ich mir auf amazon gekauft habe? Da kann man doch nichts nützliches draus ableiten.
    Ausser vielleicht die versicherung, aber das ist (in deutschland) an den haaren herbeigezigen (gesetzliche hat nen festen satz, private ist immer billiger).

    Aus eigener erfahrung ist es nichtmal spannend jemandes Tagebuch, browser history oder eigene dateien ordner zu durchstöbern, weils öde und viel zu viel ist.

    Mein fazit: keine firma kauft regelmässig solche datensätze. Fast 100% der daten werden zu werbezwecken verwendet (was ja überhaupt nicht problematisch ist) und wenn man mal in der zeitung landet, dann sieht man in der bildzeitung etwas mehr private fotos mir.

  18. Ivan sagt:

    Bernhard Witthaut von der Gewerkschaft der Polizei hat es in mehreren Phoenixrunden bereits gesagt: Facebook wurde von der CIA von Anfang an finanziert und unterstützt und dies ist bis zum heutigen Tage so. (http://www.phoenix.de/content/492364)

    Wenn du dich bei Facebook anmeldest, gibst du der CIA freiwillig deine Daten. Und nicht nur deine Daten, sondern auch alles andere. Welche Seiten du ansurfst (denn die Cookies bleiben aktiv, selbst wenn du das Facebook-Fenster schließt), mit wem du befreundet bist, mit wem du besonders gut befreundet bist und mit wem du besonders häufig Kontakt hast. Und seitdem solche Dinge auch auf unseren mobilen Geräten genutzt werden, wissen sie auch, wann wir wo sind und mit wem wir uns treffen.

    Wer facebook auf dem smartphone benutzt, gibt facebook die Möglichkeit, seinen gesamten Alltag aufzuzeichnen. Und das tun sie auch. Löscht du deine Daten bei Facebook, dann sind sie für andere User nicht mehr zu sehen. Aber Facebook hat sie immer noch. Dein ganzes Leben lang.

    Ein Stasi-Offizier hat mal zu Martin Sonneborn gesagt: Mit Facebook hätten wir die ganzen anderen Spionagesachen gar nicht nötig gehabt.

    So viel zu den technischen Möglichkeiten von Facebook.

    Es geht aber gar nicht um das, was Facebook bereits heute mit deinen Daten macht, sondern darum, welche Möglichkeiten es gibt. Und was daraus in der Zukunft gemacht werden kann.

    Ich überlasse es der Phantasie eines jeden Einzelnen, was damit alles im Laufe der Zeit passieren kann.

  19. Muriel sagt:

    @Ivan: Du meinst das alles ernst, oder?

  20. Ivan sagt:

    Schockiert dich das etwa?

  21. Muriel sagt:

    @Ivan: Es amüsiert mich eher milde.

  22. Ivan sagt:

    Wieso? Das sind die technischen Möglichkeiten. Ob sie genutzt werden, ist eine ganz andere Frage.

  23. Muriel sagt:

    @Ivan: Technisch möglich wären noch ganz andere Dinge.
    Ich finde es nur irgendwie ulkig, dass ich mich in einem Artikel über diesen ewigen Facebook-Stasi-Vergleich lustig mache und dann jemand offenbar ganz ironiefrei und ohne Problembewusstsein drunter schreibt:

    Ein Stasi-Offizier hat mal zu Martin Sonneborn gesagt: Mit Facebook hätten wir die ganzen anderen Spionagesachen gar nicht nötig gehabt.

    Davon abgesehen: Woher stammt eigentlich die Erkenntnis, dass die CIA Facebook finanziert? Mag ja sein, klingt für mich aber auf Anhieb ein bisschen fischig.

  24. Ivan sagt:

    Ich kann deine Amusement durchaus verstehen.

    Ich saß letztes Jahr vor der Glotze und da kam eine Diskussion auf Phoenix über den sog. Bundestrojaner. Ich sehe mir das an, die Diskussion plätschert vor sich hin. Links sitzt der Antiüberwachungspanikclub aus einem CCC-Vertreter und einer liberalen (?) Politikerin, und rechts sitzen Schünemann aus NS und eben Bernhard Witthaut. Das ganze plätschert wie üblich vor sich, wobei die linke Seiten vor den bösen Gefahren der Überwachung warnt und die rechte Seite vor schlimmen Folgen von Nichtüberwachung. Nicht spannend unbedingt.

    Dann echauffiert sich Witthaut darüber, dass die Leute freiwillig Facebook alle ihre Daten über sich gäben, aber ein Bundestrojaner in Sicherheitsfragen unzulässig sein solle. Da wirft der CCC-Vertreter ein, dass Facebook ja ursprünglich vom CIA gegründet und finanziert wurde.

    An dieser Stelle dachte ich, dass die Talkshow durch ist, weil sich jetzt alle vor Lachen auf dem Boden kringeln würden, weil dieser paranoide Hackernerd so was absurd Lustiges erzählt hat.
    Aber Pustekuchen:
    Der Witthaut wird ganz rot vor Freude und sagt: Ja, richtig. Und das ist bis heute so!

    Ich war dann etwas verwirrt und habe mir die Sendung nochmal online angesehen und da war das immer noch. Das habe ich mir nicht eingebildet.

    Und dann wiederholt es Witthaut ein Jahr später noch einmal bei Phoenix, wie du oben in dem Link sehen kannst.

  25. Muriel sagt:

    @Ivan: Wir haben also als Quellen einen Herrn vom CCC und Herrn Witthaut.
    Wikipedia zumindest spricht auch von Pressberichten über solche Beteiligungen. Na gut, nehmen wir ruhig an, es wäre wahr. Spielt ja keine Rolle.

  26. Ivan sagt:

    Genau! Nehmen wir das mal an. Den Rest überlasse ich deiner Phantasie.

  27. Muriel sagt:

    @Ivan: Vielleicht missdeute ich deinen Tonfall – ist in der schriftlichen Kommunikation ja leicht – aber mir kommt es so vor, als sollte ich es beunruhigend finden, dass ein Geheimdienst Dinge über mich weiß, die ich selbst freiwillig öffentlich verbreite und die jeder nachlesen kann, der Lust drauf hat.
    Empfindest du das selbst so?

  28. Ivan sagt:

    Es gibt bei Facebook Privatssphäreeinstellungen. Es gibt die Möglichkeit, die „Sichtbarkeit“ von deinen Einträgen nur für Freunde sichtbar zu machen. Es gibt Persönliche Nachrichten.

    Ich bestimme über die Privatsphäreeinstellungen, wer was von mir sehen kann. Meine persönlichen Nachrichten soll niemand lesen außer dem Empfänger.

    Jeder der das nicht beachtet und seine eigenen Daten nicht managt, der ist selber schuld.

    Da hast du durchaus Recht.

    Selbst wenn du deine Privatsphäre auf „höchste Sicherheit“ einstellst, ist es trotzdem sichtbar. Nicht für die Öffentlichkeit. Aber für ein paar andere Institutionen.

  29. gus sagt:

    hihihi. ihr seid bei fb, habt keinen adblock und nutzt solche paydingskarten…hihihi

  30. Muriel sagt:

    Und ich klicke auch immer auf „Ja“, wenn mich irgendeine Software fragt, ob ich Informationen zur Verbesserung der Benutzerfreundlichkeit senden will.

  31. Christoph sagt:

    Nur so als Denkanstoß: die aktuelle Diskussion um die Schufa und Facebook.

    Solche Datenbanken (fast schon im wahrsten Sinne des Wortes) werden früher oder später immer Begehrlichkeiten zum Missbrauch wecken. Und die einzige effektive Methode, um solchen Missbrauch zu verhindern, ist die Datensammlungen gar nicht erst anfallen zu lassen.

    – die Schufa denkt darüber nach, die sozialen Kontakte (FB) zur Bewertung der Kreditwürdigkeit mit einzubeziehen. Ähnliches machen sie übrigens schon seit Jahren, indem sie die Wohnadresse (gute/schlechte Lage) mit ins Scoring einfließen lassen.

    – so manche Krankenkasse und so mancher Arbeitgeber würden mit Kusshand bezahlen für Informationen darüber, für welche gesundheitsrelevanten Themen Du Dich so interessierst. Auch Deine Einkaufsgewohnheiten sind für eine Krankenkasse durchaus aufschlussreich.

    – die Kameras für die LKW-Maut, bei denen hoch und heilig versprochen wurde, dass sie ausschließlich zweckgebunden verwendet würden… ach, lies selbst: http://www.heise.de/newsticker/meldung/LKW-Maut-Von-der-Maut-zur-Fahndungstechnik-149648.html . Es ist nur noch ein weiterer kleiner technischer Schritt nötig, um ziemlich genaue Bewegungsprofile zu erstellen.

    – die Polizei wertet mal schnell Handy-Verbindungsdaten von Millionen Personen aus, die sich zufälligerweise in der Nähe einer Demonstration befinden. http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/handy-verbindungsdaten-sachsens-polizei-spaehte-mehrere-stadtteile-aus-a-770473.html

    – nur noch ein weiteres Stichwort: http://http://de.wikipedia.org/wiki/DNA-Reihenuntersuchung . Das hat jetzt nur noch am Rande mit dem Thema zu tun, aber siehe auch dort den Abschnitt zum Datenmissbrauch.

    Den allermeisten dieser Szenarien stehen hierzulande noch gute Datenschutzgesetze entgegen — das ist aber auch schon die letzte, und nur noch eine juristische, keine technische Hürde. Und ohne den Teufel an die Wand malen zu wollen, aber die Terrorismus- oder Kinderpornokeule ist mir — als fadenscheinige Begründung für mehr Eingriffe in die Privatsphäre — in den letzten Jahren ein paarmal zu oft herausgekramt worden, um mein volles Vertrauen darauf zu setzen, dass das auch so bleibt.

    Der Punkt ist: bei dieser ganzen Datensammelwut gibt es genau einen, der definitiv nicht davon profitiert: der Nutzer selbst. Ich sehe keinerlei Szenario, in dem ich davon einen Vorteil habe, allerdings eine ganze Menge, in denen ich… nun ja, vorsichtig gesagt, zumindest keinen Vorteil habe. Also warum zum Geier sollte ich da auch noch freiwillig mitmachen?

    Das wohl Interessanteste daran ist, dass es zum großen Teil gerade technikaffine Menschen und insbesondere Informatiker (die ja die Datenverarbeitung zu ihrem Beruf gewählt haben) sind, deren Blick besonders geschärft ist für die Gefahren, die durch massive Datenaggregation und deren Auswertung entstehen können. Vielleicht einfach, weil wir wissen, wieviel Information da tatsächlich drinsteckt.

  32. Muriel sagt:

    @Christoph: Vielen Dank für deinen ausführlichen Kommentar.

    die aktuelle Diskussion um die Schufa und Facebook.

    Illustriert auch in meinen Augen sehr schön das Problem. Wie damals schon bei Streetview: Ein Haufen Berufsbetroffene heult seine Entrüstetheit in jedes verfügbare Mikrophon und schürt Panik, um sich wichtig zu machen, und niemand fragt noch nach Sinn und Hintergrund des ganzen Scheinskandals.

    Den allermeisten dieser Szenarien stehen hierzulande noch gute Datenschutzgesetze entgegen

    Ach ja, unsere Datenschutzgesetze. „Gut“ ist natürlich immer eine Frage des Standpunktes.

    Ich sehe keinerlei Szenario, in dem ich davon einen Vorteil habe

    Wir sind ja generell nicht einer Meinung, aber an dieser Stelle begreife ich nun wirklich nicht, wie du so etwas behaupten kannst. Du siehst keinerlei Szenerio, in dem du einen Vorteil davon hättest, wenn Banken die Kreditwürdigkeit ihrer Kunden genauer einschätzen können, Versicherungen die Risiken ihrer Versicherungsnehmer, Unternehmer die Interessen ihrer Kunden und wenn Strafverfolgungsbehörden bessere Ermittlungsmethoden zur Verfügung haben?
    Ist das dein Ernst?
    Ich behaupte nicht, dass das alles nur zum Guten jedes einzelnen Betroffenen laufen wird, und insbesonderen gegenüber dem Staat bin ich bekanntermaßen auch skeptisch. Ich sehe sogar ein, warum andere in bestimmten Zusammenhängen Datenschutz sehr wichtig finden können, auch wenn er mir persönlich nicht viel bedeutet.
    Ich sehe viele Möglichkeiten, wie die Auswertung solcher Daten den Betroffenen schaden kann, aber wenn du sagst, dass du es nicht einmal für vorstellbar hältst, dass das auch einen Vorteil für dich bringt, dann ist das in meinen Augen ein Indiz dafür, dass du noch nicht gründlich genug darüber nachgedacht hast.
    Trotzdem habe ich natürlich kein Problem damit, wenn du deine Daten für dich behältst, so gut du kannst. Dass du es für angemessen hältst, diese deine eigene Verhaltensregel (über die von dir befürworteten Datenschutzgesetze) auch anderen aufzwingen zu wollen, das finde ich hingegen schon ein bisschen unfreundlich.

  33. Christoph sagt:

    Natürlich wird die Datenauswertung effektiver, und prinzipiell kann ich wohl besser an günstigere Kredite oder Versicherungsbedingungen kommen, wenn ich quasi beweisen kann, dass ich in einer tollen Umgebung wohne, nur Banker in meiner Freundesliste habe, mittels einer Blackbox im Auto beweisen kann, dass ich nie schneller als 50km/h fahre etc. Und natürlich kann prinzipiell vielleicht auch mal ein Verbrecher mehr gefasst werden, wenn wir eine lückenlose Überwachung einführen.

    Die Frage ist eine Kosten-Nutzen-Rechnung: ich will mich nicht komplett nackig machen müssen, nur um 2% irgendwo zu sparen. Stichwort Blackbox im Auto: gibt es schon, und ermöglicht es, die Versicherung ein paar Prozent günstiger zu bekommen. Kannst Du gerne machen, ich werde es nicht.

    Eine weitere Gefahr, die ich dabei sehe, ist der schleichende Einzug dieser „Errungenschaften“: sobald eine kritische Masse es wahrnimmt, geht es dann womöglich gar nicht mehr ohne. „Wegen des überwältigenden Erfolgs haben wir im Interesse unserer Kunden beschlossen, ab sofort nur noch Versicherungen mit Black box anzubieten…“

    Stichwort Payback: im Grunde bezahle ich höchstwahrscheinlich jetzt schon drauf (irgendwer muss ja diese Geschenke für die Punktesammler bezahlen), aber das ist es mir wert.

    Vielleicht bin ich auch deshalb sensibilisiert, weil ich im „Ostblock“ aufgewachsen bin (geboren in der DDR, aber mehrere Jahre im „sozialistischen Ausland“ gewohnt). Ja, wir haben wichtige Gespräche tatsächlich nicht in der Wohnung, sondern bei einem Spaziergang geführt, und haben Briefe meiner Großeltern (die in den „Westen“ ausgewandert waren) nach dem Lesen verbrannt. Und ich kann Dir bestätigen, dass das ein beschissenes Gefühl ist, überwacht zu werden und es zu wissen.

    Ich bestehe auf meiner Privatsphäre, eben weil sie persönliche Freiheit bedeutet. Ein „Durchleuchten“, egal ob von staatlicher oder von privatwirtschaftlicher Seite, und egal wie bunt es verpackt ist oder wie es mir sonst schmackhaft gemacht werden soll, lehne ich ab. Und gerade weil es mit den heute verfügbaren Informationen nochmal um ein vielfaches leichter ist als vor 25 Jahren, so gut wie alles bis zur Farbe meiner Unterwäsche rauszufinden, finde ich diesen Trend, alles aufzuzeichnen, zu sammeln, und zusammenführen zu können, bedenklich.

    Nochmal: ich will hier nicht den Teufel an die Wand malen. Ich würde mir ja auch wünschen, dass verantwortungsvoll mit den Daten umgegangen wird — nur glaube ich nicht daran. Ich persönlich schätze schlicht die Gefahren höher ein als den Nutzwert.

    Ich bin übrigens auch kein „Berufsbetroffener“ und finde Google Street View sinnvoll und hilfreich. Wo der Unterschied ist? SV macht Bilder von öffentlichen Straßen und Plätzen, und da gehören Hausfassaden nun mal dazu. Trotzdem finde ich es richtig, dass Autokennzeichen und Gesichter dabei verpixelt werden, schon allein, weil sie keinerlei informationellen Mehrwert bieten.

    Noch zum letzten Punkt: die Datenschutzgesetze sind genau dazu da, deine Informationelle Selbstbestimmung zu schützen, nämlich indem sie Weitergabe und Verkauf Deiner persönlichen Daten gegenüber Dritten stark reglementieren.

    Du selbst darfst natürlich alles über Dich erzählen, was Du gerne möchtest. Wo fühlst Du Dich denn persönlich durch die Datenschutzgesetze eingeschränkt?

  34. Muriel sagt:

    @Christoph:

    Die Frage ist eine Kosten-Nutzen-Rechnung

    Na, darauf können wir uns problemlos einigen.
    Und auch, dass du auf deine Privatsphäre bestehst, gönne ich dir wie gesagt von ganzem Herzen.

    Wo fühlst Du Dich denn persönlich durch die Datenschutzgesetze eingeschränkt?

    Naja, im Alltag als Verbraucher spürt man das natürlich kaum direkt. Ich bin generell kein Freund von Leuten, die mich gegen meinen Willen vor irgendwas schützen wollen.
    Besonders dann, wenn sie anschließend mein Geld dafür verwenden, die Leute zu bezahlen, die diesen Schutz zwangsweise durchsetzen.

  35. Christoph sagt:

    PS: Der Umkehrschluss zum „bessere Kreditkonditionen“ etc. ist übrigens der Wichtigere: „Sie kriegen keinen Kredit, weil Sie in der falschen Gegend wohnen und die falschen Freunde auf Facebook haben“. Soll das wirklich die schöne neue Welt werden?

  36. Muriel sagt:

    @Christoph: Wenn jemand seine Entscheidung, ob er irgendjemandem sein Geld leiht, davon abhängig machen will, wo diese Person wohnt und welche Freunde sie hat, dann hätte in meiner schönen neuen Welt jedenfalls niemand das Recht, ihm das zu verbieten.
    Ob das eine sinnvolle Basis für eine solche Entscheidung ist, kann ich nicht beurteilen, ist aber auch eine ganz andere Frage. Die Vermutung liegt aber nahe, dass eine Auskunftei, die ihre Bewertung auf nutzlose Kriterien stützt, nicht lange im Geschäft bleibt. (Ja, ich bin so einer.)

  37. Christoph sagt:

    @Muriel:
    [blockquote]
    Naja, im Alltag als Verbraucher spürt man das natürlich kaum direkt. Ich bin generell kein Freund von Leuten, die mich gegen meinen Willen vor irgendwas schützen wollen.
    Besonders dann, wenn sie anschließend mein Geld dafür verwenden, die Leute zu bezahlen, die diesen Schutz zwangsweise durchsetzen.
    [/blockquote]
    Hmmm… das ist natürlich quasi ein Totschlagargument. Überspitzt gesagt: „alles was ich selbst nicht als wichtig empfinde, ist unnütz“?

    Meine Wohnung ist auch noch nie abgebrannt, ich wurde noch nie Opfer ehelicher Gewalt und noch nie ermordet. Das ist alles auch relativ unwahrscheinlich — trotzdem finde ich, dass Feuerwehr, Frauenhäuser und eine funktionierende Justiz, zu der auch Gefängnisse gehören, ihre Daseinsberechtigung haben.

    Bei den obigen Beispielen sind wir uns hoffentlich noch einig. Aber wie sieht es mit diversen Gesetzen gegen Betrug, Fernabsatzgesetz etc. aus? Alles rausgeschmissenes Geld? „Ich bin schlau genug, um nicht auf irgendwelche Dialer oder Abofallen reinzufallen, also brauchen wir kein Gesetz dafür“? „Der Artikel wäre 1 € billiger, wenn es das Fernabsatzgesetz nicht gäbe, also wozu brauchen wir das“?

    Ich bin (genau wie Du, vermute ich jedenfalls) absolut kein Freund von Überreglementierung. Im Gegenteil, je weniger und klarer, desto besser. Aber es gibt genügend Leute, die sich auf Kosten Anderer persönliche Vorteile verschaffen wollen, und das einzig wirksame Mittel dagegen scheinen Gesetze zu sein — gutes Zureden oder Vertrauen auf Integrität hilft im Allgemeinen leider nicht. Und nicht zuletzt schützen einige dieser Gesetze den Bürger vor seiner eigenen… nennen wir es mal Leichtfertigkeit.

    Um wieder zum Thema zurückzukommen: nur weil Privatsphäre und (insbesondere) informationelle Selbstbestimmung relativ abstrakte Begriffe sind, bedeutet das nicht, dass sie nicht wichtig und schützenswert sind.

    (Im Übrigen hältst Du Dich ja hier auch relativ bedeckt bzgl. Deiner „echten“ Identität. Das finde ich persönlich richtig und sinnvoll, es scheint mir nur nicht so recht mit Deiner anderen Argumentation zusammenzupassen).

    Ein bisschen provokant, aber (fast) mit Deinen eigenen Worten: wenn du es nicht für vorstellbar hältst, dass das Datenschutzgesetz auch einen Vorteil für dich bringt, dann ist das in meinen Augen ein Indiz dafür, dass du noch nicht gründlich genug darüber nachgedacht hast.

    😉

  38. Muriel sagt:

    Hmmm… das ist natürlich quasi ein Totschlagargument. Überspitzt gesagt: “alles was ich selbst nicht als wichtig empfinde, ist unnütz”?

    Ähm… Nein.
    Eher so: „Jeder sollte für sich selbst entscheiden, was er als wichtig empfindet, und niemand sollte andere zwingen, seine persönlichen Prioritäten nachzuleben.“

    Nur weil Privatsphäre und (insbesondere) informationelle Selbstbestimmung relativ abstrakte Begriffe sind, bedeutet das nicht, dass sie nicht wichtig und schützenswert sind.

    Hat jemand das behauptet?
    Ich habe mehrfach gesagt, dass jeder die für so wichtig halten darf, wie er will, und dass jeder sie auch so schützen darf, wie er will, solange er andere damit nicht einschränkt.
    Für mich sind sie es nicht.

    Im Übrigen hältst Du Dich ja hier auch relativ bedeckt bzgl. Deiner “echten” Identität. Das finde ich persönlich richtig und sinnvoll, es scheint mir nur nicht so recht mit Deiner anderen Argumentation zusammenzupassen

    Vielleicht sagst du mir, wo du nicht verstehst, wie es passt, dann erkläre ich gerne.

    wenn du es nicht für vorstellbar hältst, dass das Datenschutzgesetz auch einen Vorteil für dich bringt, dann ist das in meinen Augen ein Indiz dafür, dass du noch nicht gründlich genug darüber nachgedacht hast.

    Das ist jetzt der dritte Strohmann in einem einzigen Kommentar.
    Ich glaube, wenn du aufhören würdest, Behauptungen zu widersprechen, die ich nicht aufgestellt habe, würde das unser Gespräch wesentlich erleichtern und dich mir auch gleich viel sympathischer machen.

  39. Christoph sagt:

    @Muriel: Du ignorierst gerade sehr gekonnt wichtige Teile meiner Posts (nämlich die Erklärungen und Beispiele), und „Strohmann“ ist ja auch ein wunderbarer Begriff, um sich bloß nicht mit irgendwelchen etwas weiterfassenden Analogien oder Erläuterungen beschäftigen zu müssen (Hinweis: ich habe bewusst bei einigen „überspitzt“ dazugeschrieben).

    Eigentlich ist das Thema Datenschutz ja wegen seiner (wahrscheinlichen) zukünftigen Tragweite so relevant, gar nicht so sehr wegen des jetzt schon erreichten (Miss-)Stands.

    Wir werden in dieser Diskussion wohl aber eher auf keinen grünen Zweig mehr kommen, wenn Du mittlerweile schon mit persönlicher Sympathie bzw. Antipathie aufwartest.

    Naja, letztendlich ist das Dein Blog, und ich war nur Gast hier. Es würde mich nur interessieren, ob Du in 25 Jahren immer noch der gleichen Meinung wärest. So ein „reality check“ wäre sicher interessant (ohne Frage auch für mich und meine jetzige Meinung).

  40. Muriel sagt:

    @Christoph: Solltest du irgendwann mal Lust haben, mit mir über meine Position zu diskutieren, statt über das, was du gerne und leicht demontieren kannst, stehe ich gerne zur Verfügung, und dann soll mich auch keine persönliche Animosität stören.
    Ich könnte mir vorstellen, dass das für uns beide sehr interessant wäre.

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