Warum?

Wow…

Keoni und ich haben gerade „Dark Shadows“ gesehen, und …

Wow…

Also, falls ihr den noch nicht gesehen habt und euch deshalb noch fragt, was denn schief gehen kann mit einem Tim-Burton-Film, in dem Johnny Depp, Helena Bonham-Carter, Eva Greene und Jackie Earle Haley mitspielen, kann ich euch jetzt die Antwort geben:

Alles.

Nein wirklich.

Alles.

Nichts funktioniert in diesem Film.

Dieser Film ist ein vollständig unrettbares Desaster. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal so gelitten habe, und wann ich mich das letzte Mal so für einen Film geschämt habe. Es ist lange her. Ich glaube, sogar Monsters kommt da nicht ran. Monsters war schlecht, aber vor allem langweilig. Dark Shadows ist kaum erträglich, und ich musste mehrmals eine erhebliche Menge Willenskraft aufwenden, um mich nicht zu einem Ball zusammenzurollen, auf den Boden zu rutschen und laut zu schreien.

Ich bin nicht mal ganz sicher, ob ich es nicht vielleicht doch zwei oder drei Mal getan habe.

Johnny Depp spielt in „Dark Shadows“ einen Vampir, der 196 Jahre lang begraben war und sich jetzt in den 1970er Jahren zurecht finden muss. Das klingt zwar schon bedenklich, aber andererseits darf man die Beschreibungen auf der Kino-Homepage sowieso nicht vorher lesen, und außerdem dachte ich, naja: Was kann schon schief gehen in einem Tim-Burton-Film, in dem Johnny Depp, Helena Bonham-Carter, Eva Greene und Jackie Earle Haley mitspielen?

Jetzt weiß ich’s.

Alles.

Hatte ich das schon erwähnt? Entschuldigung.

Der Film ist nicht lustig. Er ist nicht interessant. Er ist nicht spannend. Er enthält keine einzige Idee. Er macht mit seinen Themen, was alle anderen auch schon damit gemacht haben, aber immer bestrebt, es noch ein bisschen schlechter zu machen.

Ich will nicht zu spezifisch werden, weil mir sonst übel wird, aber um zwei Beispiel dafür zu nennen, wie der Humor dieses Werks funktioniert:

Johnny Depp will in die Stadt und fragt, wie lange es dauern wird, die Pferde anzuspannen. Michelle Pfeiffer antwortet, sie hätten keine Pferde, sie hätten einen Chevy. Bitte lachen Sie jetzt, es kommt sonst nichts mehr.

Johnny Depp sieht einen Fernseher, ruft „Hexerei!“, reißt die hintere Abdeckung ab und ruft: „Komm raus, kleine Sängerin!“

Zum Glück ist Dark Shadows mit 113 Minuten nicht besonders lang, aber es kommt einem trotzdem so vor. Wenn man die ganze Zeit da sitzt und sich schämt und mantraartig vor sich hin murmelt: „Es tut so weh. Es tut so weh. Es ist so furchtbar. Es tut so weh.“ dann können auch 113 Minuten sich ganz schön ziehen.

Wow.

Falls es nicht deutlich geworden ist: Ich bitte euch, diesen Film nicht zu sehen. Wenn meine Meinung euch irgendwas bedeutet, und die Zukunft dieser Zivilisation, dann bitte, im Namen von allem, was gut und gerecht und schön und edel ist, gebt den Leuten, die dieses Werk geschaffen haben, keinen einzigen Cent von eurem Geld. Tragt bitte, bitte, bitte nicht dazu bei, dass noch mehr solcher Filme entstehen.

Bitte.

Ich gehe jetzt schlafen. Und ich weiß schon, wenn ich morgen aufwache, dann werde ich für einen kurzen Moment dieses erleichternde, herrliche, wundervolle Gefühl haben, dass alles nur ein Traum war. Das wird schön. Danach kommt natürlich der Moment, dieser grässliche, entsetzliche, erschütternde Moment, in dem mir klar wird, dass ich Dark Shadows wirklich gesehen habe. Das wird schlimm.

Aber für den Moment davor, für diesen einen kurzen Moment, wird die Welt noch einmal hell und … annehmbar. Darauf freue ich mich.

Gute Nacht.

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20 Responses to Warum?

  1. Frau.Meer sagt:

    *lach* Die Gefühle kann ich in etwa nachvollziehen – leider erreicht mich Deine Warnung ja zu spät, denn ich habe bereits letzte Woche gelitten.
    Ich dachte vorher auch, dass selbst ein schlechter Burton mit dem Cast immer noch ein mittelmäßiger Film sei und deshalb könne ich es wagen. Zumal ich ja eine Schwäche für Eva Green habe…

    aber…

    es war tatsächlich schmerzhaft. Und sehr lange 113 Minuten. Von der Handlung wollen wir da mal gar nicht anfangen… gab es die überhaupt? Zwischenzeitig hatte ich den Gedanken, die Charaktere in Daily Soaps seien ausgefeilter und weniger klischeebeladen als die dort auftauchenden Figuren. Das alles konnte auch nicht meine heiß verehrte Eva retten (an der Stelle muss ich Perfect Sense empfehlen!)

    Falls der Gedanke hilft… Deine Erschütterung wird geteilt 😉

  2. Dietmar sagt:

    Ich war noch am Schwanken. Aber jetzt ist klar, dass ich den auslasse.

  3. fichtenstein sagt:

    Ich glaube, wir müssen uns alle eingestehen, dass die Tage von Edward Scissorhands vorbei sind, Burton ist seit mehreren Filmen nur noch visuell ertragbar und selbst da gefährlich vorhersehbar. Ich bete immer, dass er sich keine guten Bücher/Geschichten zur Adaption vornimmt, weil er irgendwie das Händchen fürs Subtile verloren hat und alles nur noch albern und gewollt skurrill erscheint, genau dadurch aber eher langweilt. Und so charmant es ab und an ist, wenn es Schauspieler-Regie Teams gibt (Wes Anderson und die Coen Brüder haben ja auch so ihre Favoriten), übertreibt es Burton mit Depp einfach, weil er ihm immer dieselbe Rolle gibt. Das ist ehrlich ein Kindheitsheld, der mit den Jahren einfach alt und traurig geworden ist. Schade.

  4. Muriel sagt:

    @Frau.Meer. Hilft wirklich ein bisschen, vielen Dank.
    Keoni und ich haben ja auf der Fahrt nach Hause darüber gesprochen, ob das Absicht war, aber uns fehlt bisher noch das Motiv, das eine Gruppe von erstklassigen Filmschaffenden dazu bringt, sich zusammenzutun, um vorsätzlich ein Werk zu schaffen, das nicht einmal schlecht genug ist, um schon wieder gut zu sein, sondern einfach nur so unerträglich gewöhnlich, konfus und einfallslos, dass man fast vermuten könnte, es handle sich um einen Versuch, den maximal schlechten Film zu schaffen, der gerade genau so schlecht ist, wie ein Film es sein kann, bevor er doch wieder gut wird.
    Hm. Vielleicht ist das das Motiv.
    @Dietmar: Richtige Entscheidung. Lass dir bloß von niemandem was anderes einreden.

  5. Muriel sagt:

    @fichtenstein: Sweeney Todd mochte ich aber noch sehr. Du auch schon nicht mehr?

  6. fichtenstein sagt:

    Nee, ich fand Sweeney Todd relativ schrecklich. Aber da bin ich altmodisch, ich mag Musicals, wo die Leute singen können und fand es dahingehend unerträglich, weshalb das für mich auch schon ein Punkt war, wo mich das typische Burton Casting so geärgert hat.

  7. Muriel sagt:

    Wahrscheinlich ist das mein Problem. Ich bemerke keinen Unterschied, ob jemand singen kann oder nicht.

  8. Dietmar sagt:

    Aaah: Ein Lena Meyer-Landruth-Fan!

    *debil lachend weglauf*

  9. Muriel sagt:

    @Dietmar: Auf dass dir das Lachen im Halse stecken bleibt: Ich habe wirklich kein Problem damit, wie sie singt. Ich mag ihre Musik nicht, aber das ist eine andere Frage.

  10. fichtenstein sagt:

    Schlechter Gesang ist ja eigentlich auch nix schlimmes, wenn ich da so an Television oder Lou Reed denke (ignorieren wir mal das Metallica-Debakel), können dabei tolle Sachen heraus kommen. Allerdings müssen die Songs dann auch dementsprechend komponiert sein und Sweeney Todd ist nun mal für echte Sänger komponiert und klang – zumindest für mich – wie Karaoke in Burtons Version.

  11. Joan sagt:

    Vielen Dank, dass du diese schmerzhafte Erfahrung mit uns teilst. Ich hatte mich schon geärgert, dass keiner mit mir hingehen will (denn: ein Film von Tim Burton, in dem – usw.usf.), aber jetzt empfinde ich gegenüber allen, die nicht wollten, eine gewisse Dankbarkeit.

  12. Skydaddy sagt:

    Das klingt, als sollte man sich lieber ein paar alte Catweazle-Folgen anschauen.

  13. Muriel sagt:

    Man sollte sich lieber einen grob angespitzten Stock mit Anlauf ins Auge rammen. Das ist immerhin ziemlich schnell vorbei.

  14. Dietmar sagt:

    Auf dass dir das Lachen im Halse stecken bleibt: Ich habe wirklich kein Problem damit, wie sie singt.

    Ich auch nicht. Das war nur die Jagd nach einer billigen Pointe.

  15. Frau.Meer sagt:

    @Muriel: Nette Theorie. Ich hatte ja einfach und ziemlich einfallslos darauf getippt, dass Requisite und Kamera bei Burton nun endgültig und ganz offen wichtiger genommen wurden als alles andere, wie z.B. ein Drehbuch (Ich bezweifele, dass sie eins hatten. Wahrscheinlich haben sie eher diese Serie geschaut und dann frei und zufällig etwas zusammengewürfelt.) Diese Tendenz hat Burton ja eh, dass Schauwerte und Stil wichtiger sind als Handlung und Figuren, aber es war meines Erachtens noch nie so schlimm. Und Depp wirkte unmotiviert und stellenweise gelangweilt auf mich.
    Sweeny Todd mochte ich aber auch, da hatte der „schiefe“ Gesang für mich sogar zum Flair des Films beigetragen.

  16. freiheitistunteilbar sagt:

    War der Film wirklich schlimmer, als die Dacia-Werbung?

  17. Muriel sagt:

    @freiheitistunteilbar: Ich fürchte, ich sehe zu wenig fern, um das ganz zuverlässig beantworten zu können.
    Falls die Dacia-Werbung nicht 114 Minuten lang ist, bin ich mir aber ziemlich sicher.

  18. fichtenstein sagt:

    „Falls die Dacia-Werbung nicht 114 Minuten lang ist, bin ich mir aber ziemlich sicher.“

    @Muriel: Schade, dass man Kommentare nicht „Liken“ kann, ich hab gerade sehr laut gelacht. Und dann hab ich „Dacia“ gegooglet, mir den Werbeclip angesehen und geweint. „Das Statussymbol für alle, die kein Statussymbol brauchen“ – Facepalm.

  19. Muriel sagt:

    @fichtenstein: Ich hätte die Möglichkeit, Stern-Bewertungen für einzelne Kommentare zu aktiveren, hielt das bisher aber für Overkill.
    Allerdings will ich mich des Hinweises nicht ganz enthalten, dass es dir natürlich jederzeit freisteht, jeden beliebigen Kommentar von mir bei Facebook, in deinem eigenen Blog oder einer überregionalen Tageszeitung oder Illustrieren lobend zu erwähnen. An den Kosten einer eventuell von dir geplanten Anzeige etwa im Spiegel oder der FAZ würde ich mich ggf. in angemessenem Umfang beteiligen und gerne auch Vorschläge zum Inhalt unterbreiten.

  20. fichtenstein sagt:

    Ich hatte an eine jährlich stattfindende Parade gedacht, suche aber noch nach einem passenden Motto für die Umzugswagen.

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