Another long and meandering post brought to you by „What’s the harm?“

Ich habe vor langer Zeit angefangen, diesen Beitrag zu schreiben, und ihn dann verworfen, weil er mir zu konfus und – vor allem – zu missverständlich schien. Aber jetzt war hier so lange Pause, und ich habe so wenig Zeit, und an aktuellen Themen fehlt es auch gerade ein bisschen, da dachte ich, eigentlich könnte ich ihn ja doch veröffentlichen, und wer ihn missverstehen will, soll das eben tun, und wer sich an der Konfusion stört, der darf das auch gerne, und wer aber das Thema interessant findet und Ideen dazu beisteuern will, der kann mir helfen, ein bisschen weniger konfus zu werden. (Und das nächste Kapitel Bright Outlook kommt auch schon noch. Sobald ich wieder zum Schreiben komme.) Bitte schön:

Ich denke, wir wussten alle von Anfang an, dass Afghanistan kein Erfolg für die USA werden würde, und dass der Irak schwieriger werden würde, als Bush sich das vorstellte. Vor zehn Jahren haben diese Kriege begonnen, und auch wenn sich offenbar einiges gebessert hat, kann wohl niemand ernsthaft behaupten, das gute Ende wäre in Sicht. Aus meiner sehr entfernten Perspektive scheint ein schlechtes sogar wesentlich näher und besser erreichbar. Die gewaltigste Weltmacht, die dieser Planet jemals gesehen hat, mit den modernsten und bestausgebildeten Streitkräften ist nicht in der Lage, diese beiden mickrigen Länder in den Griff zu kriegen, die ihr kaum mehr entgegenzusetzen haben als ein paar Fanatiker mit alten AK47s und einigen zusammengeklauten Raketenwerfern und selbstgebastelten Bomben.

Nahezu der gesamte afrikanische Kontinent ist trotz aufrechter und teilweise aufopferungsvoller Bemühungen vieler gut meinender Menschen seit Jahrhunderten eine Katastrophe aus Kriegen, Moden, Genoziden, Hunger und Armut, und die meisten von uns dürfen über das wahre Ausmaß dieser menschlichen Tragödie nicht einmal nachdenken, wenn sie nicht in einen Schreikrampf oder tiefe Verzweiflung verfallen wollen. Ganze Kontinente wie Europa und Nordamerika leben in einem Überfluss, dem die Beschreibung „paradiesische Zustände“ eigentlich nicht einmal gerecht wird, und doch schaffen wir es nicht einmal mit der vereinten Hilfe von Bono und Oprah, dass niemand auf dieser Welt mehr verhungern oder mangels einfachster medizinischer Hilfe sterben muss.

Und das sind nur die naheliegendsten Beispiele für das Elend, das in dieser Welt herrscht, trotz (nicht wegen)nicht des fantastischen Reichtums und unfassbaren Fortschritts, in dem Teile von ihr leben, und trotz der zwar viel zu verhaltenen, aber doch erkennbaren Bemühungen dieser Teile, das Elend zu beheben.

Woran liegt das?

Die Antwort (Wir tun mal so, als gäbe es nur eine, obwohl natürlich in Wahrheit ein ganzes Netzwerk von Ursachen diesen schrecklichen Zustand aufrecht erhält, aber ich denke schon, dass es eine ganz überragend wichtige zentrale Hauptursache gibt.) ist so einfach wie erschütternd hoffnungslos: Die Menschen dort wollen nicht so leben wie wir.

[Kurze aber dringend nötige Erläuterung: Mit „wir“ meine ich hier mal grob zusammengefasst die Bewohner technologisierter Industrienationen und „Die Menschen dort“ natürlich nicht ausnahmslos alle, die in den anderen Ländern leben, sondern den Mainstream der Gesellschaft.]

Das heißt natürlich nicht, dass sie so arm sein wollen, wie sie sind. Wir können wohl davon ausgehen, dass sie schon so ziemlich alle gerne eine hervorragende medizinische Versorgung hätten, und klimatisierte Autos mit Navigationssystemen, und Pools, und PS Vitas. Naja, die Vitas vielleicht nicht, da verstehe ich ja nicht mal selbst, wofür die jetzt eigentlich gut sein soll. Aber den Rest. Das schon.

Aber sie wollen nicht die Voraussetzungen dafür. Und solange ein Volk keine Demokratie will, und keine Marktwirtschaft, und keine freie Wissenschaft, und keine Freiheit, solange kann man diese Errungenschaften auch mit den smartesten Bomben und den härtesten SEALs nicht erzwingen. Und Chuck Norris hat offenbar gerade Wichtigeres zu tun.

Woran liegt das nun wieder?

Natürlich nicht daran, dass die Menschen dort dumm wären, oder böse, oder dass sie eine bestimmte Hautfarbe haben. Die Menschen sind im Wesentlich nicht dümmer oder böser als wir. Sie wissen es nicht besser. Viele von ihnen verstehen nicht einmal, dass Demokratie und freie Wissenschaft und Marktwirtschaft so wichtig sind, und sogar wenn sie es verstehen, heißt das noch lange nicht, dass sie auch wissen, wie diese Dinge schnell und zuverlässig erreichbar wären. Wir wissen das leider auch nicht. (Dieser Hinweis unterbricht ein bisschen den Fluss meiner Argumentation, aber ich halte ihn schon deshalb für wichtig, weil ich um Himmels Willen so oft wie möglich deutlich machen will, dass ich die Menschen in reichen Ländern nicht für besser halte als die in den armen.)

Wieso ist das so?

Das hat viele Gründe, und hier gibt es nun wohl auch keine so dominante Hauptursache mehr, dass sogar für einen ahnungslosen Aßenstehenden wie mich noch offensichtlich wäre, welche das wäre, aber pauschalisiert können wir sagen, dass es irrationale traditionelle unreflektierte Vorurteile sind, die die Menschen davon abhalten, konstruktiv zusammenzuarbeiten und eine freie arbeitsteilige moderne Gesellschaft zu errichten. Es sind Vorstellungen wie die, dass die Hutu Feinde der Tutsie sein müssen, dass ein Mitglied meines Stammes das Sagen haben muss statt einer vom Nachbarstamm, dass die Leute von der anderen Seite des Flusses alles charakterlose Schweine sind, dass ein starkes Land einen starken Diktator mit einer starken Miliz braucht, dass Allah es nicht gerne sieht, wenn Mädchen zur Schule gehen oder Frauen bestimmte Kleider tragen oder jemand herauszufinden versucht, wie diese Welt wirklich funktioniert, oder dass Jahwe nicht gerne will, dass wir Verhütungsmittel oder andere medizinische Vor- oder Nachsorgemaßnahmen verwenden.

Es sind Vorstellungen, von denen man sich befreien kann, wenn man gelernt hat, kritisch und skeptisch zu denken. Noch einmal dieser sehr wichtige Hinweis: Ich bin überzeugt, dass es überall in der Welt Menschen gibt, die das gelernt haben und es können. Aber man muss es lernen. Man kann das nicht von selbst. Und die Chancen, das wirklich zu lernen, sind sogar in den so genannten freiheitlichen und modernen Staaten eher gering, und wenn man in Afghanistan unter der Herrschaft der Taliban aufwächst, dann sind sie nun einmal noch erheblich schlechter.

Natürlich bin ich nicht der einzige kluge Mensch, der das im Großen und Ganzen so erkannt hat. Es ist keine große Entdeckung. Sogar unter George Bush wussten die USA das auch schon, weshalb sie ja auch helfen, Schulen zu bauen, und generell Bildung und Entwicklung in den besetzten Ländern zu unterstützen versucht haben. Ich behaupte auch nicht, dass ich wüsste, wie genau es richtig zu machen wäre. Es ist unheimlich schwer, Menschen so etwas beizubringen, wenn und weil sie es nicht wollen, und sie wollen es nun einmal nicht, solange sie nicht verstehen, wofür es gut ist, und damit sie das verstehen, müssen sie es eigentlich schon können. Deswegen ist es unheimlich schwer, und deswegen gibt es sogar in der heutigen Welt, in der man als privilegierter westlicher Intellektueller meinen kann, es müsste doch offensichtlich sein, wie wichtig die wissenschaftliche Methode und Aufklärung und Skeptizismus und Mitmenschlichkeit und wie schädlich dumme Vorurteile und Xenophobie und Diktaturen sind, immer noch so viel von diesen furchtbar schädlichen Dingen.

Eine hervorragende  Methode, die Vorteile einer aufgeklärten Gesellschaft für jeden offensichtlich zu machen, wäre natürlich, sie vorzuleben. Das hat damals beim Kommunismus gut funktioniert. P.J. O’Rourke schrieb mal, dass die UdSSR nicht zusammengebrochen ist, weil sie zu wenig Soldaten hatten, oder zu wenig Kernwaffen, oder zu wenig Panzer, sondern weil die Bürger keine passenden Schuhe kaufen konnten, oder so. Das ist sicherlich überzogen, aber als Aphorismus ist was dran: Wenn ich sehe, dass eine andere Lebensweise als meine nachhaltig besser funktioniert, liegt die Frage nahe, ob ich nicht versuchen sollte, sie zu kopieren.

Das mit Vorleben ist natürlich ausgesprochen schwierig, solange wir reichen, glücklichen, gebildeten, technisierten, leicht übergewichtigen Menschen selbst noch nicht ganz verstanden haben, wie es richtig geht. Solange wir selbst auch nur ein kleines bisschen weniger von unseren natürlichen Instinkten, unseren Vorurteilen und unserem Aberglauben beherrscht sind als die, denen wir die Segnungen unserer Zivilisation bringen wollen. Solange wir Minarette und Schleier, Gentechnik und PID verbieten und Gefangenenlager außerhalb der Reichweite unserer eigenen Rechtsprechung einrichten, um Leute, die wir zu Terroristen erklärt haben, robusten Befragungen zu unterziehen, die wir natürlich nicht Folter nennen, weil Folter schließlich verboten ist, die aber trotzdem in unseren Heimatländern nicht erlaubt sind, deshalb brauchen wir ja die Gefangenenenlager; solange wir uns einreden, dass wir unsere Moral von unsichtbaren Zauberwesen beziehen und öffentlich verkünden, dass wir diesen Zauberwesen unerschütterlich vertrauen und uns bedingungslos ihrer Herrschaft unterwerfen.

Solange wir das tun, ist es nur eine Frage von einem Quäntchen Glück (und natürlich einer Menge Heuchelei), dass wir nicht den grausamen Gott der Taliban anbeten, sondern unseren guten Buddy Jesus, der nichts dagegen hat, wenn wir in einer säkularen gleichberechtigten Gesellschaft leben, unsere Wissenschaft völlig von seiner Lehre abkoppeln und uns auch sonst nur dann an seine Anweisungen halten, wenn es um Sexual- oder sonstige Praktiken geht, die wir sowieso ein bisschen unappetitlich finden.

Jetzt bin ich vielleicht doch wieder ein bisschen zu sehr beim Thema Religion. Die ist zwar ein großes Übel, aber sie ist natürlich nicht das einzige. Die Welt wäre nicht automatisch gut, wenn wir alle Atheisten wären. Atheisten können auch furchtbar unerfreuliche Menschen sein, und sie haben auch die Vernunft nicht gepachtet. Aber die Welt wäre automatisch viel besser, wenn wir alle skeptisch denken und rational handeln würden, statt uns von Vorurteilen und Aberglauben treiben zu lassen.

Und worauf will ich damit hinaus?

Tja. Wie ich eingangs schon schrieb: Ganz genau weiß ich das nicht. Im Wesentlichen will ich mit diesem Beitrag zum Ausdruck bringen, wieso ich es wichtig finde, sich gegen schuldhafte Ignoranz, gegen Denkfaulheit und Verblendung einzusetzen, wo immer und wie immer sie uns begegnet, auch wenn sie scheinbar keinen Schaden anrichtet. Das kann in religiöser Form sein, in der Form von magnetischen Ionenarmbändern mit Ferninfrarotwirkung, oder auch in der Form von stupider Atheistenpropaganda, die uns einreden will, religiöse Menschen seien dumm und alle Geistlichen pädophil. Letzteres begegnet mir persönlich zwar äußerst selten, aber ich will nicht ausschließen, dass ich das aufgrund eigener Voreingenommenheit so wahrnehme. Und natürlich kann die Verblendung auch in der Form von Gesetzen daherkommen, mit denen wir mühsam erkämpfte Grundrechte opfern für das Gefühl, etwas gegen den Terrorismus getan zu haben. Diese Dinge sind teilweise schon von sich aus schlimm, aber sie sind eben auch Zeichen einer kaputten Epistemologie, und solange die nicht repariert ist, hat es auch wenig Sinn, erklären zu wollen, warum sie falsch sind, denn um das zu verstehen, braucht man eben eine funktionierende.

Ich verstehe, dass es der einen oder dem anderen geradezu zynisch erscheinen mag, was ich hier schreibe. Mir ist natürlich klar, dass tiefsinnige epistemologische Fragen den meisten verzweifelt armen Menschen völlig egal sind, und dass niemand satt und gesund wird, nur weil er konsequent skeptisch denkt. Aber sicher kennt ihr den Spruch „Give a man a fish, and he’ll eat for a day. Teach a man how to fish, and he’ll never go hungry. Teach a man religion, and he’ll starve to death praying for a fish.“

Man kann natürlich auch nicht sofort einen leckeren Karpfen auf den Grill werfen, sobald man weiß, wie man eine Angel oder ein Netz herstellt, und wenn man gerade von Hungerkrämpfen geplagt am Ufer eines Sees liegt, dann hat man sicher auch keine Lust, sich eine Vorlesung über Meereswirtschaft anzuhören. Symptome können so akut sein, dass wir sie vor den eigentlichen Ursachen behandeln müssen. Aber wer nicht weiß, wie man Angeln und Netze fertigt, der wird seinen Hunger niemals nachhaltig überwinden können. Es sei denn, er lernt Ackerbau oder Viehzucht oder synthetisiert künstliche… Ach, ihr wisst doch bestimmt, was ich meine, oder?

Ich muss weg.

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36 Responses to Another long and meandering post brought to you by „What’s the harm?“

  1. Florian sagt:

    Wenn sie kein Brot mehr haben, sollen sie doch Kuchen essen.

  2. Muriel sagt:

    „Brioche“ hat sie wohl eigentlich gesagt, wenn überhaupt.
    Das ist was völlig anderes.

  3. Florian sagt:

    Das kennt hier aber niemand. Und wir wissen ja: Was der Bauer nicht kennt, das frisst er nicht!

  4. Muriel sagt:

    Aber ist doch genau wie Kuchen. Der soll sich nicht so haben.

  5. freiheitistunteilbar sagt:

    Okay Muriel, man könnte diesen Vergleich auch mit Hering und Beluga-Kavier anführen, um den Zynismus zu verdeutlichen. Der Spruch suggeriert, dass es sich um ein Luxusproblem handele, und das obwohl die Bevölkerung nicht einmal über Grundnahrungsmittel wie Brot verfügte. 🙂

  6. fichtenstein sagt:

    Also wenn man schon floskelt, dann doch bitte auch faktisch korrekt, wie sagte schon Martin Luther King Picard: I got 99 problems but a false quotation ain’t one.

  7. whynotveroni sagt:

    Insgesamt: Ja. Aber wie man das angeht, weiss keiner so genau… Menschen als Kollektiv sind einfach unglaublich traege.

  8. raucherpause sagt:

    Bildung, Bildung, Bildung. Was anderes fällt mir nicht ein. Bildung ist meiner Erfahrung nach der beste Nährboden für Vernunft und Rationalität. Natürlich müssen die schlimmsten Symptome durch Soforthilfe gelindert werden, d.h. die Wasser- und Nahrungsversorgung verbessern. Und ja, Bildung, Bildung, Bildung.
    Ich spiele übrigens mit dem Gedanken eine Patenschaft zu übernehmen. In meinen Augen die sinnvollste Möglichkeit, wie ich als einzelne Person wenigstens für einen Menschen etwas bewegen kann. Denn auch wenn es zynisch klingt: Die meisten Erwachsenen in solchen Ländern sind verloren, weil sich ab einem gewissen Alter wohl die Persönlichkeit und damit auch gewisse Vorurteile, Ignoranz oder auch Verblendung zu sehr gefestigt haben (das soll nicht heißen, dass das auf alle Erwachsenen zutrifft). Daher denke ich, dass es am besten ist, sich auf Kinder zu konzentrieren und zwar mit Patenschaften. Hat da vielleicht jemand Erfahrungen oder sieht das anders?

  9. Ivan sagt:

    Die wollen nicht so leben wie wir… Genau aus diesem Grund errichtet die europäische Union auch Zäune und bildet spezielle Truppen namens Frontex, die die einströmenden Zuwanderer aus Afrika wieder nach Hause schickt. Weil die nicht so leben wollen wie wir.

    Ich glaub nicht, dass die nicht leben wollen wie wir. Ich glaube aber auch nicht, dass sie so leben müssen wie wir.

    Wenn sie aber so leben wollen wie wir und man ihnen dabei helfen will, dann sollte der IWF da keine Kredite hingeben, mit denen die dortigen Regierungen Produkte aus der ersten Welt kaufen müssen.

    Und dann frage ich mch, wann die breite Bildung nach Europa kam. Zufällig, nachdem es einen breiten Wohlstand gab, den man sich über die imperiale Kapitalbeschaffung erabreitet hatte?

    Das sind nur so Denkanstöße

  10. Ivan sagt:

    Der Tippfehler gehört dir.

  11. Frau.Meer sagt:

    @Raucherpause: Ich finde die Idee der Patenschaften für Kinder sehr gut. Ich war jahrelang Patin eines Mädchens in Uganda, bis sie dann 2010 geheiratet hat und damit dem ganzen mit 17 entwachsen war. Die Briefe und Bilder von ihr und ihrem Dorf waren für mich tatsächlich kleine Höhepunkte des Jahres, vor allem als sie mir dann endlich ganz stolz selbst schreiben konnte.
    Diese Patenschaft lief über die Organisation Plan International, die 2011 dann in die Schlagzeilen geriet, da sie unzureichend bis gar nicht gegen Beschneidungen bei Mädchen vorging, jedoch anderes propagierte. Daher habe ich dort keine weitere Patenschaft übernommen und bin seitdem sehr misstrauisch geworden (mittlerweile hat sich meine finanzielle Situation auch stark geändert.)
    Ich weiß nicht, ob das die Frage war, denn eigentlich erzähle ich quasi nur von meinen Erfahrungen. Mariam (mein Patenkind) hat diese Patenschaft geholfen, wie es aussah. Und ich stimme dem vollumfänglich zu, dass Bildung ein wichtiger Schritt ist. Doch diesen Organisationen muss man trauen und ich habe von anderen Paten gehört, dass sie nie direkt Kontakt zu „ihren“ Kindern aufbauen konnten und daher zweifelten, was mit ihrem Geld tatsächlich geschah (wenn einem Kontakt versprochen wird, dann aber keiner hergestellt wird und es Unregelmäßigkeiten bei den verschickten Berichten gibt, wird man misstrauisch.) – doch das ist ein Problem bei allen weltweit agierenden größeren Organisationen, schätze ich. – Die Idee begeistert mich nach wie vor… aber mein Misstrauen ist eben doch vorhanden.

    @Muriel: Den langen Text habe ich noch gar nicht gelesen. Aber die morgige Nachtschicht kommt dafür 🙂

  12. Tim sagt:

    Ich glaube, um Afrika muß man sich keine Sorgen mehr machen. Der Kontinent wird es schaffen. Er hat lange unter fehlenden staatlichen Strukturen und wohlmeinenden Trampeltieren wie Misereor etc. gelitten, aber in 20-30 Jahren wird man die meisten afrikanischen Länder nicht mehr wiedererkennen. Der Grund ist: Mobilfunk. Dadurch entstehen vielerorts erstmals marktwirtschaftliche Möglichkeiten für die Menschen, die diese auch sofort nutzen.

    @ Muriel

    Ich glaube, alle Menschen wollen leben wie wir, nämlich besser.

  13. Muriel sagt:

    @Tim: Ich wünschte, ich könnte deinen Optimismus teilen.

    Ich glaube, alle Menschen wollen leben wie wir, nämlich besser.

    Dass (so ziemlich) alle Menschen besser leben wollen, bezweifle ich nicht, wie oben im Text schon steht. In Freiheit (nicht nur für sich selbst, sondern auch und gerade für andere, wenn sie Dinge tun wollen, die einem nicht gefallen) und Eigenverantwortung und auf rationaler Basis leben wollen bisher nur sehr wenige, wie mir scheint, und das gilt keineswegs nur für Entwicklungsländer.

  14. Tim sagt:

    @ Muriel

    Man muß gar kein Optimist sein, um an das afrikanische Wunder zu glauben. Schon heute entwickeln sich einige afrikanische Sorgenkinder prächtig, denen man das noch vor 10 Jahren nicht zugetraut hätte. Und je größer der Wohlstand, desto größer das Freiheitsbedürfnis, das zeigt sich ja auch in Asien seit vielen Jahren.

    Leider muß ich Dir aber natürlich zustimmen, daß es selbst in westlichen Ländern noch viel zu viele Freiheitsfeinde gibt.

  15. Muriel sagt:

    @Tim: Ich würde mich maßlos freuen, wenn du Recht behalten solltest.

  16. madove sagt:

    Hrmpfgrmpflgrmbl… Ich weiß, was Du meinst, und ich stimme bei der zentralen Forderung „gegen schuldhafte Ignoranz, gegen Denkfaulheit und Verblendung“ stert zu, aber im Mittelteil kräuseln sich mir, wie Du Dir sicher denken kannst, ein paarmal die Zehennnägel… aber daß wir uns bei dem Kausalzusammenhang zwischen Armut und Reichtum uneinig sind, wissen wir beide, und bei der rettenden Kraft der Marktwirtschaft auch.
    Ich kämpfe zB noch mit der Frage, was man (außer einem Fisch, einer Angel oder einer Religion) einem Menschen andrehen könnte, dessen Meer von „fortgeschritteneren“ Zivilisationen leergefischt worden ist, und so, diese Art von Problemen, Du weißt schon…

  17. madove sagt:

    (da fehlt ein „begei“. Vor dem „stert“. Warum auch immer.)

  18. Muriel sagt:

    @madove: Der kann dann ja Kuchen essen.
    Im Ernst: Sind wir uns zumindest soweit einig, dass das Leerfischen von Meeren sowohl in einer freien als auch in einer von staatlichem Zwang geregelten Wirtschaft eine Eselei ist, die nicht nur wegen der prohibitiven Kosten, sondern auch wegen der damit unweigerlich einhergehenden Zerstörung des eigenen Geschäftsmodells ausgeschlossen sein dürfte, wenn die Beteiligten halbwegs rational handeln.

  19. Muriel sagt:

    Fragezeichen

  20. madove sagt:

    yay. Und Du hast ja auch erfreulicherweise auch nicht behauptet, daß diejenige Marktwirtschaft und Demokratie, die die leerfischenden Nationen erreicht haben, irgendwie der Weisheit letzter Schluss wäre…
    Ich neige halt zu der Beobachtung, daß Marktwirtschaft (und irgendwie auch unsere Art von Politik) diese Sorte Eseleien begünstigt. Insbesondere, wenn sie einen kurzfristigen Vorteil verschaffen. Zumindest so, wie wir das im Moment pflegen, hat das Ganze eine Tendenz von „Nach mir die Sintflut“ Aber Sintflut ist ja schon wieder das andere Themengebiet…

  21. Muriel sagt:

    @madove: Ohne dir eine Grundsatzdiskussion aufdrängen zu wollen, habe ich den Eindruck, dass die Planwirtschaften diese Sorte Eselei noch wesentlich mehr begünstigt haben. Fehlbare, dumme Menschen tun sich eben schwer damit, kluge, makellose Gesellschaften zu errichten.
    Zum Thema „Nach mir die Sintflut“ könnte ich die Kontroverse jetzt noch anheizen, indem ich darauf hinweise, dass ich die Frage, ob und warum wir irgendwelche Rücksicht auf die Nachwelt nehmen sollten, für durchaus sehr offen halte, aber vielleicht bemerke ich stattdessen lieber ganz konziliant, dass meine Vorstellung von Marktwirtschaft durchaus auch die Möglichkeit ließe, jede denkbare Form von Planwirtschaft und Solidargemeinschaft zu errichten, solange man nicht versucht, Leute mit Gewalt gegen ihren Willen in diese Gemeinschaft einzubeziehen. Und wenn diese solidarischen Produktionsgenossenschaften, die gerne auch ein bedingungsloses Grundeinkommen in beliebiger Höhe einschließen dürfen, und strenge Vorgaben in Bezug auf Arbeitsverträge und die Beschriftung von Lebensmittelbehältnissen, sich durchsetzen, dann will ich das klaglos anerkennen und keineswegs ausschließen, dass ich einer beitreten würde.

  22. BadWolf sagt:

    Tjoa, Recht haste. Wie immer eigentlich.

    Aber es heißt PS Vita nicht PSP Vita!

  23. Muriel sagt:

    @BadWolf: Ui, das ist ein peinlicher Fehler, das weiß ich eigentlich besser.
    Danke für den Hinweis, ich hab’s korrigiert!

  24. @Tim: da ich ein Optimist bin bin ich ganz bei dir.
    @Muriel: Machen wir eine Wette daraus. Sozusagen pro (die Optimisten) oder Kontra (die Pessimisten, also du :).
    Wer verliert spendet einen Kasten Bier für eine Grillfeier in einem Sommer in 20-30 Jahren. Jaja, ich habe öfters so dolle Ideen. Aber egal wie es mit Afrika ausgeht alle gewinnen ne Grillfeier 🙂
    Zu der müssten dann aber auch ein paar aus den verschiedenen Religionen kommen. Vielleicht auch ein paar von Jesus.de… muhaha.
    Sorry ich schweife ab, wo waren wir?

  25. Muriel sagt:

    @Nardon: Topp! Ich bin dabei und übernehme sogar die gesamte Feier, also einschließlich Softdrinks (Ich gehe davon aus, dass Alkohol in 30 Jahren sowieso in Deutschland verboten sein wird.) und Tofuwürstchen, die wir dann wahrscheinlich auf dem Elektrogrill zubereiten, weil offenes Feuer den Brandschutzbestimmungen widerspricht.
    Von Jesus.de warte ich übrigens immer noch auf die Antwort, womit genau ich wie gegen deren Charta verstoßen habe. Aber ich bin sicher, die haben dort viel zu tun…

  26. Tim sagt:

    @ Muriel & Nardon

    Ihr geht ernsthaft davon aus, daß wir in 20-30 Jahren noch leben? Bis dahin sind wir doch längst an den fiesen Genen und Atomen gestorben, die uns die neoliberale Lebensmittelmafia in den Joghurt kippt.

    Außerdem würde der Bundeswächterrat (ein Tugendschutz-Gremium, das von Bundeskanzlerin Leyen im Jahr 2020 eingerichtet wird) eine Siegesfeier von unerträglichen Hedonisten wie uns niemals erlauben.

  27. BadWolf sagt:

    Boah, ist das eine miese Stimmung hier…

  28. Muriel sagt:

    @BadWolf: Interessant, dass du das so empfindest. Möchtest du darüber reden?

  29. BadWolf sagt:

    Nunja, ihr geht alle davon aus, dass es in 20-30 Jahren noch schlechter aussieht als jetz schon. Habt ihr denn alle euer Vertrauen in die Menschheit verloren?

    Und ja, deswegen empfinde ich es als echt miese Stimmung.

  30. Muriel sagt:

    @BadWolf: Da missverstehst du was. Ich bin fest überzeugt, dass es uns allen (zumindest im Durchschnitt) erheblich besser gehen wird, Tim glaubt sogar an ein afrikanisches Wunder und Nardon hofft zumindest auf eine Grillparty.

  31. Vielleicht gibt es aber ich 20-30 Jahren keinen Blog mehr von Muriel, wer weiß das schon 🙂

  32. Muriel sagt:

    @Nardon: Ich hoffe das jedenfalls sehr.

  33. BadWolf sagt:

    Ne Grillparty mit der „überschaubare Relevanz“ Crew wäre schon was Cooles 🙂

  34. madove sagt:

    @Muriel Was hoffst Du? daß es kein Blog mehr gibt oder daß es eins gibt? (Mir fallen Gründe ein, beides als „Hoffnung“ zu bezeichnen…)
    Ich bringe die Tofuwürstchen. Wir können sie auch in der Sonne trocknen, falls es dann auch keinen Strom mehr gibt. 😀

  35. Muriel sagt:

    @BadWolf: Nur noch ungefähr 30 Jahre.
    @madove: Ich wollte eigentlich hoffen, dass ich bis dahin mit diesem Quatsch durch bin.
    Aber auf die Tofuwürstchen freue ich mich.

  36. […] Warum es denn dann trotzdem nicht klappt? Naja, dafür müssen die Menschen es verstehen, dafür  müssen sie aufgeklärt werden, und das sind sie nicht einmal in den Schlaraffenlandstaaten, in denen wir satten Blogger leben, geschweige denn in den Ländern, in denen Hilfe für die Bedürftigen wirklich bitter notwendig ist. Aber das ist schon wieder ein anderes Problem. […]

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