Avengers

15. Juni 2012

Wenn man wider besseres Wissen ein bisschen hofft, von einem Film angenehm überrascht zu werden, und das dann nicht passiert, ist man dann enttäuscht? Wahrscheinlich nicht.

Aber wenn man hofft, von einem Film auf anspruchslose, aber doch halbwegs angenehme Art unterhalten zu werden, und sich dann aber die ganze Zeit langweilt, dann kann man wohl enttäuscht sein. Und wenn man hofft, weil man es immer und immer und immer wieder gehört hat, dass ein Film seine ideenlosen stupiden ärgerlichen Vorgänger um Klassen übertrifft, und dann aber einfach nur den gleichen lahmen Brei vorfindet wie immer, wenn mal wieder eine Comicverfilmung ansteht, dann vielleicht auch.

Ach geht mir doch alle weg. Warum gehe ich eigentlich noch ins Kino? Ich will eure Filme doch mögen. Echt. Könnt ihr mir nicht wenigstens hin und wieder mal ein kleines Stück entgegen kommen? Es kann doch wirklich nicht so schwer sein.

Pah.


Do I?

13. Juni 2012

You want a physicist to speak at your funeral. You want the physicist to talk to your grieving family about the conservation of energy, so they will understand that your energy has not died. You want the physicist to remind your sobbing mother about the first law of thermodynamics; that no energy gets created in the universe, and none is destroyed. You want your mother to know that all your energy, every vibration, every Btu of heat, every wave of every particle that was her beloved child remains with her in this world. You want the physicist to tell your weeping father that amid energies of the cosmos, you gave as good as you got.

And at one point you’d hope that the physicist would step down from the pulpit and walk to your brokenhearted spouse there in the pew and tell him that all the photons that ever bounced off your face, all the particles whose paths were interrupted by your smile, by the touch of your hair, hundreds of trillions of particles, have raced off like children, their ways forever changed by you. And as your widow rocks in the arms of a loving family, may the physicist let her know that all the photons that bounced from you were gathered in the particle detectors that are her eyes, that those photons created within her constellations of electromagnetically charged neurons whose energy will go on forever.

And the physicist will remind the congregation of how much of all our energy is given off as heat. There may be a few fanning themselves with their programs as he says it. And he will tell them that the warmth that flowed through you in life is still here, still part of all that we are, even as we who mourn continue the heat of our own lives.

And you’ll want the physicist to explain to those who loved you that they need not have faith; indeed, they should not have faith. Let them know that they can measure, that scientists have measured precisely the conservation of energy and found it accurate, verifiable and consistent across space and time. You can hope your family will examine the evidence and satisfy themselves that the science is sound and that they’ll be comforted to know your energy’s still around. According to the law of the conservation of energy, not a bit of you is gone; you’re just less orderly. Amen.

– Aaron Freeman [via I fucking love science]

Schön, oder?

Leider trotzdem Blödsinn. Ich will es kurz fassen, weil ich mir selbst ein bisschen albern vorkomme bei meiner Mäkelei, aber andererseits wäre es nicht fair, nur religiösen falschen Trost zu kritisieren. Was Aaron Freeman hier vorschlägt, ist nämlich auch falscher Trost. Was er sagt, klingt nett, und hat gegenüber religiöser Beschwichtigung den Vorzug, immerhin im technischen Sinne beinahe wahr zu sein, aber es ist trotzdem nicht gut. Ja, wenn ich tot bin, ist alle Energie noch da, und die Atome, aus denen ich bestand, auch größtenteils, zumindest noch sehr sehr lange, und ich bin nur ein bisschen weniger ordentlich – halt. An der Stelle stimmt es nicht. Da ist das das „Beinahe“. Da ist das Problem.

„Ich“ bin nicht die Energie. „Ich“ bin nicht die Teilchen, und „ich“ bin nicht die Wellen. „Ich“ war die Anordnung der einzelnen Elemente. Genau das, was jetzt fehlt, das war „ich“. Genau das, was jetzt weg ist. Das andere, was noch da ist, das sind Teilchen, von denen es Unzählige gibt, alle gleich, alle sinn- und leblos. Alles von mir, das zählte, ist weg. Alles, was mich von Guido Westerwelle oder einem Grottenolm oder einem Stein unterschied, ist weg.

Ich habe nichts dagegen, dass ein Physiker auf meiner Beerdigung spricht. Aber ich hoffe, wenn es einer tut, dass ihm was Besseres einfällt, um die verzweifelten Massen zu trösten, die sich ein Leben ohne mich nicht vorstellen können. Und ich hoffe, dass die Trauernden einen besseren Trost finden als wohlfeiles Gefasel darüber, dass ich den Pfad von ein paar Elementarteilchen beeinflusst habe.

Aber eigentlich kann es mir natürlich so oder so egal sein.

Ich bin dann ja nicht mehr da.


Another long and meandering post brought to you by „What’s the harm?“

12. Juni 2012

Ich habe vor langer Zeit angefangen, diesen Beitrag zu schreiben, und ihn dann verworfen, weil er mir zu konfus und – vor allem – zu missverständlich schien. Aber jetzt war hier so lange Pause, und ich habe so wenig Zeit, und an aktuellen Themen fehlt es auch gerade ein bisschen, da dachte ich, eigentlich könnte ich ihn ja doch veröffentlichen, und wer ihn missverstehen will, soll das eben tun, und wer sich an der Konfusion stört, der darf das auch gerne, und wer aber das Thema interessant findet und Ideen dazu beisteuern will, der kann mir helfen, ein bisschen weniger konfus zu werden. (Und das nächste Kapitel Bright Outlook kommt auch schon noch. Sobald ich wieder zum Schreiben komme.) Bitte schön:

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Warum?

3. Juni 2012

Wow…

Keoni und ich haben gerade „Dark Shadows“ gesehen, und …

Wow…

Also, falls ihr den noch nicht gesehen habt und euch deshalb noch fragt, was denn schief gehen kann mit einem Tim-Burton-Film, in dem Johnny Depp, Helena Bonham-Carter, Eva Greene und Jackie Earle Haley mitspielen, kann ich euch jetzt die Antwort geben:

Alles.

Nein wirklich.

Alles.

Nichts funktioniert in diesem Film.

Dieser Film ist ein vollständig unrettbares Desaster. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal so gelitten habe, und wann ich mich das letzte Mal so für einen Film geschämt habe. Es ist lange her. Ich glaube, sogar Monsters kommt da nicht ran. Monsters war schlecht, aber vor allem langweilig. Dark Shadows ist kaum erträglich, und ich musste mehrmals eine erhebliche Menge Willenskraft aufwenden, um mich nicht zu einem Ball zusammenzurollen, auf den Boden zu rutschen und laut zu schreien.

Ich bin nicht mal ganz sicher, ob ich es nicht vielleicht doch zwei oder drei Mal getan habe.

Johnny Depp spielt in „Dark Shadows“ einen Vampir, der 196 Jahre lang begraben war und sich jetzt in den 1970er Jahren zurecht finden muss. Das klingt zwar schon bedenklich, aber andererseits darf man die Beschreibungen auf der Kino-Homepage sowieso nicht vorher lesen, und außerdem dachte ich, naja: Was kann schon schief gehen in einem Tim-Burton-Film, in dem Johnny Depp, Helena Bonham-Carter, Eva Greene und Jackie Earle Haley mitspielen?

Jetzt weiß ich’s.

Alles.

Hatte ich das schon erwähnt? Entschuldigung.

Der Film ist nicht lustig. Er ist nicht interessant. Er ist nicht spannend. Er enthält keine einzige Idee. Er macht mit seinen Themen, was alle anderen auch schon damit gemacht haben, aber immer bestrebt, es noch ein bisschen schlechter zu machen.

Ich will nicht zu spezifisch werden, weil mir sonst übel wird, aber um zwei Beispiel dafür zu nennen, wie der Humor dieses Werks funktioniert:

Johnny Depp will in die Stadt und fragt, wie lange es dauern wird, die Pferde anzuspannen. Michelle Pfeiffer antwortet, sie hätten keine Pferde, sie hätten einen Chevy. Bitte lachen Sie jetzt, es kommt sonst nichts mehr.

Johnny Depp sieht einen Fernseher, ruft „Hexerei!“, reißt die hintere Abdeckung ab und ruft: „Komm raus, kleine Sängerin!“

Zum Glück ist Dark Shadows mit 113 Minuten nicht besonders lang, aber es kommt einem trotzdem so vor. Wenn man die ganze Zeit da sitzt und sich schämt und mantraartig vor sich hin murmelt: „Es tut so weh. Es tut so weh. Es ist so furchtbar. Es tut so weh.“ dann können auch 113 Minuten sich ganz schön ziehen.

Wow.

Falls es nicht deutlich geworden ist: Ich bitte euch, diesen Film nicht zu sehen. Wenn meine Meinung euch irgendwas bedeutet, und die Zukunft dieser Zivilisation, dann bitte, im Namen von allem, was gut und gerecht und schön und edel ist, gebt den Leuten, die dieses Werk geschaffen haben, keinen einzigen Cent von eurem Geld. Tragt bitte, bitte, bitte nicht dazu bei, dass noch mehr solcher Filme entstehen.

Bitte.

Ich gehe jetzt schlafen. Und ich weiß schon, wenn ich morgen aufwache, dann werde ich für einen kurzen Moment dieses erleichternde, herrliche, wundervolle Gefühl haben, dass alles nur ein Traum war. Das wird schön. Danach kommt natürlich der Moment, dieser grässliche, entsetzliche, erschütternde Moment, in dem mir klar wird, dass ich Dark Shadows wirklich gesehen habe. Das wird schlimm.

Aber für den Moment davor, für diesen einen kurzen Moment, wird die Welt noch einmal hell und … annehmbar. Darauf freue ich mich.

Gute Nacht.


… uuuund wir haben einen Gewinner!

1. Juni 2012

Der hart umkämpfte Wanderpokal für die dümmste Äußerung zur Frage „Gehört der Islam zu Deutschland?“ geht heute an den CSU-Innenpolitiker Hans-Peter Uhl für seinen sensationallen Kommentar:

„Ich halte das, was Herr Gauck gesagt hat, für sehr klug. Nicht der Islam gehört zu Deutschland, sondern die Muslime, die hier auf Dauer leben. […] Der Islam bleibt für uns eine fremde Religion, dennoch sind die Muslime herzlich willkommen.“

Ich kann mir zwar gerade nicht vorstellen, wie das noch jemand toppen will, bin aber sicher, dass ich es bald erfahren werde.