Bright Outlook (14)

Zwei Artikel kommen selten allein, denn aller guten Dinge sind drei, und ich will zwar nicht den Teufel an die Wand malen, aber ehrlich währt am längsten, und Selbsterkenntnis ist der erste Schritt zur Besserung, deshalb dachte ich, Gefahr erkannt, Gefahr gebannt, frisch gewagt ist halb gewonnen, und nur nicht die Hoffnung aufgeben, deshalb lasst mich euch lieber gleich sagen, dass ihr heute noch keine Szene von Claires Gruppe bekommt, sondern erst beim nächsten Mal wieder.

Was bisher geschah
Im ersten Kapitel erwacht Claire und lernt die erste der anderen Versuchspersonen fürchten.
Im zweiten Kapitel erwachen auch alle anderen. Die Tür zum zweiten Raum öffnet sich (wieder), und Claire beginnt eine Vorstellungsrunde.
Im dritten Kapitel setzen die Versuchsteilnehmer die Vorstellungsrunde fort öffnen die Tür zum dritten Raum, und Mark wird von einer Polizistin angehalten.
Im vierten Kapitel holt Mark einen Republikaner und seinen Callboy, Branco nimmt Lora den Revolver weg, und die Versuchsteilnehmer öffnen eine weitere Tür.
Im fünften Kapitel holt Mark einen Occupy-Aktivisten, und die Versuchsteilnehmer demontieren eine der Überwachungskameras.
Im sechsten Kapitel holt Mark Regina, und die Versuchsteilnehmer tragen die Konsequenzen ihres Verstoßes gegen die Teilnahmebedingungen.
Im siebten Kapitel streiten Nick und Leanne miteinander, und Leanne unterläuft ein unangenehmes kleines Missgeschick. Jeffries öffnet die Tür zum nächsten Raum, und den Versuchsteilnehmern fällt nicht nur ein Kuchen in die Hände, sondern auch Leanne.
Im achten Kapitel bekommen Nick und Mark Besuch von einem Repräsentanten von Management, Leanne tritt Branco, und Jill wacht auf und lernt Regina kennen.
Im neunten Kapitel betreten wir mit Mark zusammen Cynthias Büro, und der Occupier wacht auf.
Im zehnten Kapitel stirbt Pascal, Hoai Nguyen erwacht und lernt die Stimme in seinem Kopf kennen, nebst den anderen Versuchsteilnehmern, und Nelson Jeffries misshandelt eine wehrlose Frau.
Im elften Kapitel lässt Mark seine Tochter bei Cynthia zurück, begegnet im Flur dem Repräsentanten und streitet mit Nick, wir beobachten drei Männer und eine Frau in einem Flugzeug, und Branco wacht wieder auf.
Im zwölften Kapitel überzeugt Miles seine Mitgefangenen, eine Vorstellungsrunde abzuhalten, Nick bittet um Entschuldigung, und Cynthia kommt ihn deshalb besuchen.
Im dreizehnten Kapitel kommt es zu einem Kampf zwischen Mark und Nick, den Cynthia unterbricht, um Nick entkommen zu lassen, und Miles sieht zu, wie Jill in den niedrigen Raum hinter der Tür kriecht.

Was heute geschieht

Cora nickte zufrieden, nahm die Hände von ihrem Kontrollpult, legte sie an die Greifreifen, drehte den Rollstuhl um knapp 140° und rollte zu dem DeLonghi-Kaffeevollautomaten in der kleinen Teeküchenecke ihres Kontrollraumes. Die Bright Outlook Laboratorien hatten die Küche dankenswerterweise barrierefrei für sie eingerichtet, deshalb musste sie sich nur ein kleines Stück vorbeugen, um die Maschine zu erreichen.

Coras rechter Zeigefinger  schwebte einige Sekunden lang unentschlossen über den Tasten, bis sie sich schließlich für einen Caffelatte entschied. Sie legte den Finger auf die Taste – und hielt im letzten Moment inne, als ihr Blick auf den leeren Milchbehälter fiel.

Mit einem leisen Seufzen nahm sie den Behälter aus der Maschine, legte ihn auf ihren Schoß und rollte zur Kühlschranktür. Sie öffnete den Kühlschrank, nahm die Milchtüte aus ihrer Halterung in der Tür und versuchte, das furchtsame Wimmern der Polizistin aus ihren Kopfhörern zu ignorieren, während sie den Milchbehälter des Automaten nachfüllte.

„Bitte … Bitte …“ hauchte die Polizistin. Cora konnte sie gerade nicht auf dem Bildschirm sehen, aber es klang, als würde sie weinen.

Sie war gerade dabei, die Milchtüte wieder zu verschließen, als jemand eine Hand auf ihre Schulter legte.

Cora schaffte es, einen erschrockenen Aufschrei zu unterdrücken, aber die Milchtüte entglitt ihren Fingern, fiel vor den Vorderrädern ihres Rollstuhls zu Boden und begann langsam, Schluck für Schluck ihren Inhalt auf den Beton zu vergießen.

Sie drehte ihren Kopf, um sehen zu können, wer hinter ihr stand und sog erschrocken Luft durch die Zähne ein, als sie Nick Blaires Gesicht erkannte.

„Hallo Cora“, sagte er lächelnd. „Entschuldige bitte, hast du mich nicht gehört?“

Sie nahm ihre Kopfhörer ab.

„Nein, du hast mich furchtbar erschreckt.“

Sie versuchte, auch ein Lächeln aufzusetzen, spürte aber, dass sie dabei auf entsetzliche Weise scheiterte und gab den Versuch wieder auf.

Cora empfand eine sehr irritierende Mischung widerstreitender Gefühle für Nick, die in der Regel nicht gleichzeitig auftraten, sondern nach und nach. Zunächst in einer recht einheitlichen Reihenfolge, dann unvorhersehbar abwechselnd.

Sie empfand zunächst Angst vor ihm. Ihre erste Assoziation, wann immer sie ihn sah, war das Bild von ihm in seinem Overall, mit der Atemschutzmaske, den Handschuhen und dem Bolzenschussgerät. Cora hatte zugesehen, wie er mit dem Apparat Männer, Frauen, Kinder getötet hatte. Manche bettelten um ihr Leben, manche kämpften gegen ihn, manche versuchten zu fliehen. Jeder von ihnen war am Ende ein wehrloses Opfer des Scharfrichters der Bright Outlook Laboratorien. Jeder von ihnen war am Ende nur noch ein Stück Fleisch mit einem Stahlbolzen im Gehirn, von dem die Versuchseinrichtung gereinigt werden musste.

Als nächsten empfand sie Scham darüber, dass sie sich aufführte wie ein mittelalterliches Bauernweib, das keine Einwände gegen die Hinrichtung an sich hatte, aber den Scharfrichter hinter seiner Maske verachtete und mit faulem Obst bewarf. Eigentlich war ihre Heuchelei sogar noch viel größer, denn Cora ordnete die Hinrichtungen selbst an, statt nur eine Zuschauerin zu sein.

Dann versuchte sie ihre Gefühle zu rationalisieren. Was sie hier tat, diente einem größeren Guten, und die Versuche trugen zu Fortschritten bei, die Tausende, wenn nicht Millionen Menschenleben retten konnten. Es musste sein. Aber das hieß ja nicht, dass die Aufgabe selbst eine schöne war. Cora aß auch Fleisch, und trotzdem konnte sie sich nicht vorstellen, mit der Art Mensch befreundet zu sein, die es ertragen konnte, den ganzen Tag mit dem Schlachten von Tieren zuzubringen.

Dann gestand sie sich ein, dass ihre Rationalisierung albern war und Nick eben seinen Job machte, genau wie sie selbst.

Und als wäre das alles noch nicht albern genug, fühlte sie sich andererseits auf sonderbare Art zu Nick Blaire hingezogen.

Sie konnte sehen, dass er unter seiner Arbeit litt, und manchmal, wenn sie ihn ausdruckslos ins Nichts starren sah, versunken in Erinnerungen oder Schuldgefühlen oder seinen eigenen Rationalisierungsversuchen, wollte sie sein kantiges Gesicht mit seinem Dreitagebart und den warmen braunen Augen mit ihren Händen umfassen und ihn küssen. Natürlich hatte sie auch nichts gegen seine breiten Schultern, seine muskulösen Arme, und überhaupt alles an seinem straffen, starken, beinahe übermenschlich vollkommenen…

Und dann blickte sie an sich herab und betrachtete die kurzen Stümpfe, die von ihren Beinen übrig waren, und versuchte, sich wieder daran zu erinnern, dass sie Angst vor ihm hatte.

Ja, gut, sie war ein bisschen in ihn verschossen, aber sie sah das realistisch, und es würde sich schon wieder geben, mit der Zeit.

Das alles führte dazu, dass Cora außer Stande war, ein auch nur annähernd sinnvolles Gespräch mit Nick zu führen, weshalb sie ihn mied, wann immer es möglich war, und jeden Raum, den er betrat, so schnell wie möglich verließ. Wenn sie beruflich gezwungen war, mit ihm zu sprechen, hielt sie die Unterhaltung so kurz und zielgerichtet wie möglich.

Genau das versuchte sie auch jetzt:

„Was willst du hier?“ fragte sie ihn, und dann merkte sie, dass das nun wirklich unangemessen schroff klang und versuchte, es durch ein freundliches Lächeln abzumildern, befürchtete aber, dass das Lächeln nach diesen Worten vielleicht kalt und überheblich aussehen könnte und fügte deshalb scherzhaft hinzu: „Kannst du es nicht abwarten, bis jemand hingerichtet wird?“

Noch während sie sprach, wurde ihr klar, dass sie damit alles nur noch schlimmer machte, aber sie beschloss, jetzt aufzuhören, etwas hinzuzufügen, weil sie genau wusste, dass sie es noch peinlicher hinbekommen würde, auch wenn sie sich im Moment nicht konkret vorstellen konnte, wie das möglich wäre.

Er blickte mit mit zusammengepressten Lippen zu ihr hinab.

„Mhm“, machte er. „Weißt du…“ Er warf einen Blick über seine Schulter zur Tür. „Ich bin auch nicht deshalb hier.“

Um Himmels Willen. Was sollte …? Hatte etwa jemand ihre eigene Exekution angeordnet? Oder noch schlimmer: Wollte er über irgendwas Privates reden?

„Sondern?“

Er zögerte kurz, und blickte zur Decke, als hätte er mit dieser Frage jetzt gar nicht gerechnet.

„Wir … haben gerade drüben mit der anderen Gruppe ein kleines Problem und ich wollte fragen, ob du gerade in deinem Fundus eine Waffe über hättest, die du ausleihen kannst?“

Cora zog die Augenbrauen zusammen und blinzelte zu ihm auf. Sie würde jetzt versuchen, ganz sachlich und professionell zu sein. Alles andere hatte keinen Sinn.

Sie streckte ihre Hand aus. „Was sagt denn dein RAS?“

Nick grinste und zuckte die Schultern.

„Ich hab keinen. Ich dachte, ich versuch’s erst mal ohne den ganzen bürokratischen Umweg. Es ist ein bisschen eilig gerade.“

Sie breitete ihre Arme aus, die Handflächen zu ihm.

„Tut mir Leid“, sagte sie, „aber du weißt genau, dass wir ohne Allokationsschein keine Ressourcen zwischen den Experimenten verschieben dürfen.“

„Es ist wirklich dringend“, sagte er hoffnungsvoll.

Cora seufzte. „Wenn es keine Waffe wäre. Wenn heute nicht ein Audit angesetzt wäre.“ Sie war sehr zufrieden mit sich. Sie klang wie ein geistig völlig gesunder Mensch. Und dann fiel ihr sogar noch ein konstruktiver Vorschlag ein: „Mark ist noch da, glaube ich. Frag ihn doch, bestimmt stellt er dir schnell einen Schein aus.“

Nick schnaubte ein Lachen.

„Ich fürchte, Mark kann mir da gerade nicht helfen.“

Cora schüttelte den Kopf und sah mit einer gehobenen Augenbraue zu ihm auf.

„Nick, verschweigst du mir was Wichtiges? Was ist los? Ist eine der Versuchspersonen entkommen?“

Es war gerade vor zwei Monaten erst passiert. Ein Navy-SEAL aus Versuchseinrichtung D hatte den zweiten Scharfrichter überwältigt, war mit einer geladenen Pistole in den Kontrollraum eingedrungen und hatte den Versuchsleiter als Geisel genommen. Nick war zu der Zeit in der Karibik im Urlaub gewesen, und Mark mit seiner Familie in Disneyworld.

Management hatte William Blight eingeflogen, und der Repräsentant hatte versucht, mit dem Seal zu verhandeln. Kurz vor Blights Landung hatte der Soldat die Geduld verloren und den Versuchsleiter getötet. Er hatte gerade die Tür vom Kontrollraum zum Flur geknackt, als Blight eintraf. Zehn Minuten später, und Blight hätte nur noch das Blut der anwesenden Mitarbeiter aufwischen können.

Management hatte danach verschiedenen Umbauten angeordnet, die solche Missgeschicke für die Zukunft ausschließen sollten, aber Cora machte sich keine Illusionen darüber, dass Menschen in der Lage waren Sicherheitsvorkehrungen zu errichten, die nicht andere Menschen irgendwie umgehen konnten.

Immerhin war Nick jetzt da. Sie hatte ihn oft genug kämpfen sehen, um sicher zu sein, dass ihm niemand seine Waffe wegnehmen würde. Er bewegte sich wie ein Gespenst. Es war geradezu unheimlich. Manchmal sah sie sich Videos von seinen Hinrichtungen in Zeitlupe an. Also, natürlich nicht von den Hinrichtungen selbst, nur von den Kämpfen davor.

Sie war sicher, dass er ein Vermögen mit Kung-Fu-Filmen hätte verdienen können.

Trotzdem war sie erleichtert, als er den Kopf schüttelte.

„Neinnein, keine Sorge. Nur ganz alltäglicher SNAFU. Kannst du mir wirklich nicht helfen? In ’ner halben Stunde bring ich sie dir wieder, Ehrenwort.“

Sie sah unsicher zu ihm auf.

„Du hast dann was gut bei mir“, sagte er. „Hast du von diesem neuen Inder gehört? Shangri, oder Shami, oder so? Wir könnten’s zusammen ausprobieren. Ich lade dich ein.“

Sie blinzelte verwirrt und schluckte. Wo kam das denn jetzt plötzlich her? Sie versuchte, nicht auf ihr schneller schlagendes Herz zu achten und unterdrückte den Drang, verlegen auf ihre Oberschenkelstümpfe herabzublicken.

„Halbe Stunde“, sagte sie. „Versprichst du’s?“

„Beim Leben meiner Mutter“, sagte er grinsend, legte eine Hand auf sein Herz und hob die andere.

Sie sah auf ihre Armbanduhr und rollte zur Requisitenkammer.

„Es ist jetzt 15:22. Wenn ich sie nicht in genau 30 Minuten wieder habe, dann …“ Ihr fiel nichts ein. Fieberhaft suchte sie nach einer originellen Drohung, ergebnislos.

Er nickte gewichtig und antwortete, bevor die Stille zu peinlich wurde.

„Verlass dich auf mich.“

Cora gab den Code ein, die Tür öffnete sich, sie rollte hinein und sah sich kurz um, bis ihr Blick auf die Ruger SR40 fiel.

„Mit Munition?“ rief sie.

„Ja, bitte.“ Nicks Stimme kam von direkt hinter ihr.

Verwirrt drehte sie sich um und sah ihn an sich vorbei laufen, auf das Regal mit der Waffe zu.

„Ähm …“

Egal. Was sollte sie sagen? Es war doch wirklich egal, ob er sie sich selbst holte.

Sie rollte zu einem anderen Regal, griff eine der Munitionsschachteln und hielt sie ihm hin.

Er nahm sie, ließ mit einer routinierten Bewegung das Magazin aus der Ruger gleiten und begann, es zu laden.

„Du hast es wirklich eilig, was?“ fragte sie, und lachte, damit es nicht zu vorwurfsvoll klang, was ihr umgehend leid tat, denn ihr Lachen klang fürchterlich aufgesetzt und viel zu laut.

Er reagierte nicht und lud weiter das Magazin der Ruger, Kugel für Kugel, dann schob er es zurück in den Griff der Waffe.

„Wann wolltest du denn ins Shalimar?“ fragte sie, vor allem, um irgendwas zu sagen, weil ihr sein Schweigen ein bisschen unheimlich wurde. „Ich könnte gleich heute Abend, falls du …“

Die Tür zum Kontrollraum öffnete sich wieder. Nick tat einen Schritt zur Seite, so dass sie ihn noch sehen konnte, die Person im Kontrollraum aber nicht.

„Cora?“ hörte sie Marks Stimme hinter sich. „Ist alles in Ordnung? Was machst du da drin?“

Nick richtete die Pistole auf sie und hielt den Zeigefinger vor seine Lippen.

Coras Augen weiteten sich, und jetzt begann ihr Herz, wirklich schnell zu schlagen.

*****************************************************

„In Ordnung. Ich werde schon irgendwie merken, wenn es nicht weitergeht.“

Natürlich wusste Jill schon, dass sie einen echt dummen Fehler gemacht hatte, bevor sie vor der niedrigen Öffnung in den nächsten Raum auf die Knie ging. Sie hatte nicht richtig nachgedacht. Mal wieder.

Ja, sie hatte diesem Blödmann mit dem Bart demonstrieren wollen, dass manche Leute handelten, statt immer nur davon zu reden, etwas zu tun. Und sie hatte den Gouverneur beeindrucken wollen. In diesem Moment war es ihr das wert gewesen, sich freiwillig zu melden.

Jetzt, während sie sich auf dem Betonboden dieses merkwürdigen Kellers auf den Bauch legte und auf eine Öffnung zu robbte, die kaum höher schien als ihr Kopf, sah das plötzlich schon wieder ganz anders aus.

Sie legte ihren Kopf auf die Seite, bevor sie ihn unter dem Beton hindurch schob, um nicht mit Nase und Kinn über den Boden zu scheuern.

In dem wenigen Licht, das aus dem anderen Raum hier hinein schien, sah es so aus, als würde sich hinter der Tür tatsächlich ein ganzer, wenn auch sehr niedriger Raum ausbreiten. Da war nicht einfach nur ein schmaler Tunnel, sondern es ging auch nach rechts und links noch weiter. Wunderbar.

Ihre Schultern berührten die Kante, und für einen schrecklichen Moment dachte sie, sie würde nicht hindurch passen. Einerseits wäre es eine Erleichterung gewesen, direkt wieder aufstehen zu können, sich den Staub von diesem grässlichen Overall zu klopfen und zu sagen: ‚Tja, schade, wer will’s als nächster versuchen?‘

Andererseits wäre sie wahrscheinlich entweder vor Scham gestorben oder hätte zumindest dem Blödmann sein ‚Siehst du‘-Grinsen aus dem Gesicht prügeln wollen, nachdem alle ihre Mitgefangenen ihr dabei zugesehen hatten, wie sie ihren eigenen Körperumfang unterschätzt hatte und unter einer Wand steckengeblieben war.

Wenn ich hier lebend wieder rauskomme, nehme ich ab, dachte sie, während ihre Brüste auf beinahe aber noch nicht ganz schmerzhafte Weise zusammengepresst wurden, als sie sich weiter voran schob.

Sie wusste natürlich genau, dass sie nichts dergleichen tun würde, aber sie ignorierte schon genug andere gute Vorsätze, da kam es auf einen mehr oder weniger auch nicht mehr an.

Als sie ihren Hintern unter dem Beton hindurchschieben musste, fürchtete sie zum zweiten Mal für einen Moment, es nicht zu schaffen, aber sie erkannte schnell, dass das weniger an ihrem Körperumfang lag, als daran, dass sie bis dahin beim Kriechen die Beweglichkeit ihrer Hüfte genutzt hatte, was nun nicht mehr möglich war.

Mit ihren Zehen schob sie sich weiter in den dunklen, engen Raum zwischen den beiden Betonplatten und hoffte, dass es bald zu Ende war.

Es war die einzige Tür aus dem Raum gewesen, also musste es dahinter irgendwo weitergehen, oder? Irgendwas musste hier sein. Warum hätte ihr Entführer sonst diese Tür und diesen Raum bauen sollen?

„Wird es da drinnen geräumiger, oder bleibt es so niedrig?“ hörte sie die Stimme des Gouverneurs.

„Es bleibt so“, antwortete sie, redlich bemüht, sich die in ihr aufsteigende Panik und Verzweiflung nicht anmerken zu lassen.

Es war die Hölle. Sie konnte nicht einmal tief durchatmen hier drin. Entsetzlicherweise beschleunigte dieser Gedanke ihren Atem, was wiederum das Gefühl der Beengung verstärkte, was wiederum …

Nein, so konnte es nicht weitergehen.

Jill zwang sich, einen ruhigen Atemzug zu nehmen, so tief, wie es eben möglich war, und hörte zu ihrem Entsetzen ein hohes weinerliches Wimmern darin.

Sie wollte wieder zurück.

Sie wollte zurück zu den anderen, in den Raum, in dem sie aufrecht stehen konnte, in dem sie atmen konnte, in dem es Licht gab, und Menschen, und Freiheit.

Sie wollte nicht mehr hier drin sein, wo sie sich nicht einmal umdrehen konnte und …

War ihr Atem nur hier drin so laut, oder konnten die draußen das leise verzweifelte Winseln darin auch hören?

Grinste der Blödmann mit dem Bart gerade und dachte: ‚Geschieht ihr Recht‘?

Konnte sie überhaupt zurück? Wäre sie überhaupt in der Lage, sich wieder zurück zu schieben?

Eine Träne lief über ihre linke Wange und kitzelte. Es machte sie verrückt, aber sie wischte die Träne trotzdem nicht weg, weil es zu mühselig gewesen wäre, ihren Arm so anzuwinkeln, dass sie ihr Gesicht mit der Hand erreichen konnte.

Sie wollte wieder zurück. Sie wollte so verzweifelt gerne zurück.

Konnten die anderen noch ihre Füße erreichen und sie zurückziehen, oder war sie schon zu weit?

Nein, dachte Jill. Nein, mach dich nicht lächerlich. Reiß dich zusammen. Das ist die Panik, die für dich denkt, und Panik ist ein schlechter Ratgeber.

Nichts wird passieren. Du bist so weit gekommen, jetzt schaffst du den Rest auch noch. Bestimmt ist es nicht mehr weit. Bestimmt nur noch ein paar Meter, und dann hast du es geschafft, und dann musst du nie wieder in deinem Leben irgendwo reinkriechen, wo du wie ein Toast in einem Sandwich-Eisen zusammengepresst wirst, bis an den Rändern der Käse rausläuft, und wo du dich nur deshalb noch zwingst, weiter vorwärts zu kriechen, weil du Angst vor dem hast, was passieren könnte, wenn du versuchst, zurück zu kriechen.

Sie hörte sich selbst flach und viel zu schnell atmen, unterbrochen von einem Laut zwischen Husten und Schluchzen.

Denk an was anderes. Versuch, nicht drüber nachzudenken. Denk an was Schönes. Denk an… deinen Sohn. Denk an Heath.

Prima Idee.

Denk dran, wie du Samstag früh mit ihm angeln fahren wolltest und dann halb fünf eine SMS an seinen Vater geschickt hast, um abzusagen, die du seitdem immer wieder lesen willst, was du dich aber nicht traust, weil du beim Tippen so sturzbetrunken warst, dass du gar nicht wissen möchtest, was du geschrieben hast.

Jedenfalls hatten weder Heath noch sein Vater sich seitdem bei ihr gemeldet. Sie konnte also zumindest davon ausgehen, dass die Nachricht angekommen war, oder dass die beiden sich schon ausreichend daran gewöhnt hatten, dass Jill sich nicht an ihre Vereinbarungen hielt, um nicht mal mehr nachzufragen.

Noch so eine Sache, die sich ändern würde, wenn sie hier lebend rauskam. Haha.

Auch wenn Jill keinen schönen Gedanken gefunden hatte, hatte sie ihr Ziel immerhin teilweise erreicht: Sie hatte für ein paar Sekunden ihre Angst vergessen und atmete jetzt wieder regelmäßiger.

Gut.

Sie streckte eine Hand nach vorne aus und begann, weiter zu kriechen – und hielt sofort wieder inne, als ein knirschend-quietschender Laut über ihr erklang.

Jill biss ihre Zähne so fest zusammen, dass es sich anfühlte, es würden sie gleich zersplittern. Sie wollte schreien, aber sie hatte nicht den Atem dafür, als die Decke sich langsam aber sicher weiter herab senkte.

Neinneinneinneinneinneinneinnein! dachte sie, ich will nicht sterben, bitte, bitte, bitte, bitte ich will nicht sterben, nicht jetzt und um Himmels Willen nicht so! Bitte, Jesus, Gott, Mohamed, Krishna, ganz egal, irgendjemand, BITTE!

Gerade als sie sicher war, dass gleich irgendwas in ihr platzen oder irgendein Knochen brechen musste, hörte es auf.

„Was war das?“ rief der Gouverneur.

„Ich …“ Jeder noch so flache Atemzug schien ihren Brustkorb in die falsche Richtung auszudehnen. „Ich stecke fest!“ antwortete sie, beinahe überrascht, dass sie überhaupt noch in der Lage war, ganze Sätze hervorzubringen.

Sie schob und drückte mit ihren Füßen, so gut sie konnte, aber sie hatte nicht genug Freiraum, um sie wirklich gut einsetzen zu können, und so rutschten ihre Zehen nur hilf- und wirkungslos über den Beton, und ihr festgeklemmter Körper bewegte sich keinen Millimeter vor oder zurück.

Sie wünsche sich etwas, worauf sie beißen konnte, oder wenigstens etwas, woran sie ihre Hände klammern konnte.

Verzweifelt suchte sie nach etwas, irgendetwas, das sie von ihrer Situation ablenken konnte, denn sie spürte, wie sie langsam ihren Verstand verlor. Sie hätte nie gedacht, dass das ein so physisches, konkretes Gefühl sein würde. Es war wirklich, als würde irgendetwas ihr Gehirn von außen angreifen, als würden sich langsam die äußeren Teile ihrer Vernunft auflösen und …

„Yesterday upon the stair, I met a man who wasn’t there.”

„W-was?“ keuchte sie.

Die Stimme war direkt in ihrem Ohr. Eine unangenehm schnarrende Männerstimme. Aber hier war doch niemand außer ihr. Oder? Was war das?

„Jill? Ist alles in Ordnung?“ hörte sie den Gouverneur rufen.

Pass auf“, sagte die Stimme, „Hör mir erst zu, dann kannst du ihm immer noch antworten. Du hast nicht viel Zeit, also konzentrier dich, und unterbrich mich nicht.“

Konzentrier dich? Ein Laut zwischen einem Lachen und einem zerrissenen Schluchzen entrang sich Jill.

Willst du, dass das hier aufhört?“ fragte die Stimme.

„Ja!“ schluchzte Jill. „Ja! Bitte, bitte, mach –“

Pssssst! Wenn sie dich hören, hast du verloren.“

Wo kam die Stimme her? Kam sie wirklich nur aus Jills Kopf? Hatte sie jetzt Halluzinationen? War jemand bei ihr hier in der Dunkelheit? Versteckte sich hier jemand, oder war nur irgendwo ein Lautsprecher?

„Jill? Reden Sie mit uns? Wir können Sie nicht hören. Brauchen Sie Hilfe?“

Sie wusste genau, dass die ihr nicht helfen konnten. Wie denn? Sogar wenn jemand ihr hinterherkriechen würde, was sollten sie tun? Sie antwortete nicht und hörte der Stimme in ihrem Kopf zu, die sagte:

Wenn du tust, was ich sage, können wir Freunde werden, und wenn wir Freunde sind, dann lass ich dich hier raus. Pass auf.“

Es knirschte und quietschte leise, und der Druck auf Jills Brustkorb ließ ein winziges bisschen nach.

Sie atmete, und japste, und womöglich war irgendwo in den erbärmlichen Geräuschen, die sich ihrer Kehle entrangen, so etwas wie ein tränenersticktes „Danke!“

„Wie ist das? Gut, oder? Jetzt hör genau zu: Ich will, dass du Miles Agneaux hier rein lockst, damit ich ihn zerquetschen kann. Dich will ich nicht. Wir können Freunde werden, aber er ist dran. Überleg dir was, mir egal, erzähl ihm, dass hier drin gerade eine Swingerparty mit thailändischen Teens läuft, aber bring ihn hier rein, und dann sieh zu, dass du wieder raus kommst. Ich mach für dich genug Platz. Dürfte nicht so schwer sein, schlanker als er bist du ja noch. Kriegst du das hin? Machst du das für mich? Werden wir Freunde?“

Lesegruppenfragen:

  1. Keoni mochte die beiden Szenen zwar, macht sich aber Sorgen, dass der rote Faden fehlt und die Leser deshalb das Interesse verlieren, weil nichts zusammenläuft und die Szenen so willkürlich aneinandergereiht wirken, ohne einen großen übergeordneten Sinn zu ergeben. Empfindet ihr das auch so? Soll ich mehr Orientierung geben? (Ja, das ist mit Absicht keine Interaktivitätsfrage.)
  2. Ist es besorgniserregend, dass ich jetzt dreimal nacheinander Frauen in Situationen zeige, in denen sie hilflos und verängstigt sind und in irgendeiner Form misshandelt werden? Ich kann zu meiner Verteidigung sagen, dass es nicht meine Entscheidung war, Jill in den niedrigen Raum kriechen zu lassen, aber mich würde trotzdem interessieren, ob euch das auch aufgefallen ist.
  3. Könnt ihr mit Jill fühlen? Habe ich ihre Situation anschaulich genug beschrieben? Würdet ihr tun, was die Stimme sagt?
  4. Kauft ihr mir Coras Gefühle für Nick ab? Warum, oder warum nicht?

Interaktivitätsfragen:

A. Soll Nick Mark töten?

B. Im nächsten Kapitel geht es mit Claires Gruppe weiter, das habe ich ja nun schon versprochen. Wen wollt ihr noch wiedersehen? (Leserservice: Es gibt im Wesentlichen noch (Nick, Cora und Mark), Cynthia sowie (den Repräsentanten und Jacky), (Miles, Hoai, Regina und Jill) und natürlich (Bell, Blight und Cox). Die Klammern deuten an, wer mit wem eine Gruppe bildet. Diese Gruppen können wir natürlich variieren, zum Beispiel könnte Cynthia zu Jacky zurückkehren oder Mark hinterherlaufen. Hierzu dürft ihr in  euren Antworten auch gerne Vorschläge machen, eine bindende Abstimmung darüber biete ich aber nicht an.)

C. Wollt ihr, dass Claires und Reginas Gruppe einander begegnen?

D. Soll Miles von der Betondecke zerquetscht werden?

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16 Responses to Bright Outlook (14)

  1. Joan sagt:

    Das ging ja fix, alle Achtung.

    1. Wenn ich so drüber nachdenke, finde ich es ganz entspannend, dass es mal KEINEN übergeordneten Sinn ergibt.
    2. Ist mir nicht aufgefallen… aber ich bin bei sowas auch sehr unempfindlich.
    3. Ich hatte beim letzten Mal schon Platzangst. In so einer Situation würde ich vermutlich alles tun, um rauszukommen.
    4. Sie wirkt einsam (wobei, in gewisser Weise tun sie das alle), und Nick scheint der grüblerische Einsamer-Wolf-Typ zu sein, also passt es irgendwie.

    B. Den Repräsentanten würde ich gern kennenlernen. Schon, um zu wissen, ob er wirklich besser zur Kinderbetreuung geeignet ist als Cynthia.
    C. Gefällt mir. Also ja.
    A., D. Ich hatte mir ja vorgenommen, zur Abwechslung mal FÜR mehr Tote zu stimmen, aber die Wahl ist ganz ungünstig – Mark würde ich gern noch ein Weilchen weiter sehen, dann läuft es aber auf Zerquetschen – ach, was soll´s. Einmal die Betondecke, bitte.

  2. madove sagt:

    1. Sinn ist überbewertet. Solange noch Leute leben, deren Entwicklung mich interessiert, ist mir der Handlungsfaden nicht wichtig.

    2. Ich finds in Ordnung. Zumindest Jill ist ja aus bescheuertem Heldengehabe in diese Situation gekommen, was wenigstens kein klassisches Weibchenopferschema ist. Und solang ich weiß, daß Du gelegentlich darüber nachdenkst, kann ich einfach die Geschichte genießen und muß nicht darauf achten 😉

    3. Urgh. Ja. ich hatte echt Mühe, das zu lesen. (Das soll ein Kompliment sein.)

    4. Defintitiv. Warum nicht? Nick ist auf irgendeiner komischen Weise schrecklich sympathisch, und der Rest der Gefühle paßt auch (die ganze Gefühlkettenbeschreibung hat mir explizit gefallen).

    Zu A und D enthalte ich mich.
    B:Bell, Blight und Cox.
    C:Oh, ja gerne.

  3. Muriel sagt:

    @Joan: Auch schon wieder fast zwei Wochen. Ist ja schön, dass ich euch soweit an ungünstige Verhältnisse gewöhnt habe. Eigentlich wär’s sicher zum Lesen schöner, wenn’s schneller ginge, aber. Ihr wisst ja.
    3. Werde ich mir merken. Man weiß ja nie, wann mans braucht.
    B. Er hatte ja schon einen kurzen Auftritt, oder sogar drei, je nachdem, wie man zählt. Da hat er sich nach meiner Einschätzung tendenziell nicht so als Pädagoge hervorgetan.
    D. Ich bin ja mal gespannt, ob das mehrheitsfähig wird.
    @madove: 1. Geht mir auch so, aber das hatten wir ja beim letzten Mal schon.
    2. Auf die Gefahr hin, zu viel zu verraten: Ich fürchte, dass ich damit wirklich einen gewissen Sexismus ausdrücke. Tatsächlich komme ich wesentlich besser mit verängstigten, weinenden, zusammenbrechenden Frauen klar als mit Männern. Ich bin da nicht stolz drauf, und das hat auch nichts damit zu tun, dass ich Frauen irgendwie weniger achten würde oder auch nur für weniger belastbar hielte. Ich kann mir bei Männern einfach nur schwer diese emotionale Tiefe vorstellen. Zu Übungszwecken sollte ich das vielleicht trotzdem öfter mal zu schreiben versuchen.
    Jetzt, wo ich drüber nachdenke: Lenore weint, Tanja weint, Sheila auch, Shu’Nim zählt natürlich nicht, aber kommt in irgendeiner meiner Geschichten mal ein weinender Mann vor? Ich meine, so richtig, nicht nur mal eine Träne?
    Ich fürchte nicht.
    Hm.

  4. Joan sagt:

    @Muriel:
    3. Mit was für Antworten rechnest du bei diesen Fragen? Ich wäre gespannt, ob irgendwer sich da reinen Gewissens anders positionieren würde.

  5. Muriel sagt:

    @Joan: Ich auch. Außerdem wüsste ich gerne Bescheid, falls hier jemand das Wohl anderer über sein eigenes stellt, um diese Person dann ein bisschen weniger zu respektieren.

  6. madove sagt:

    @Muriel
    Ja, klar. Die Bilder, die man im Kopf hat, sind ja auch geprägt durch die Kultur, in die man aufgewachsen ist / lebt. Und unsere hat halt immernoch überall diese Stereotypen, und wir leben die ja auch weiterhin an ganz vielen Stellen. Wenn man sich jetzt nicht gerade vorgenommen hat, der eine zu sein, der explizit dagegen anschreibt (was ehrenhaft und total cool wäre, aber es gibt auch andere Hobbies), dann find ich es eigentlich für den Hausgebrauch ausreichend, sich dessen bewußt zu sein und es gelegentlich zu hinterfragen/überwinden, bzw. tendenziell wohlwollend zu sein, wenn andere es hinterfragen/überwinden. Ich find jedenfalls Deine Art, damit umzugehen, ziemlich angenehm.

  7. Muriel sagt:

    @madove: Danke.
    Ohne sicher zu sein, wieviel das zur Sache tut: Aus eigener Erfahrung weinen Frauen tatsächlich erheblich öfter als Menschen. Wenn man meinen Vater mal nicht mitzählt, habe ich in meinem Leben bisher erst einmal einen Mann wirklich weinen sehen (nachdem ein anderer ihm mit der Faust ins Gesicht geschlagen hatte), bei Frauen hingegen könnte ich gar nicht mitzählen (und sollte vielleicht betonen, dass das nur in sehr seltenen Ausnahmefällen an mir lag; bei dem Mann übrigens auch nicht).
    Ich nehme zwar vorsichtig an, dass das kein fundamentaler biologischer Unterschied ist, sondern eher eine gesellschaftliche Prägung, aber dadurch wird es ja als Tendenz nicht weniger wahr.

  8. madove sagt:

    Ja, eben, die (imo überwiegend gelernten) Muster zum Umgang mit irgendwelchen Gefühlen sind schon sehr unterschiedlich, und ich bestätige Deine Beobachtung. Auch wenn es durchaus auch eine Frage des Publikums zu sein scheint: Ich habe schon viele Männer (ca. 15?) wirklich bitterlich weinen sehen, und ich war nicht immer der Grund, und ich lege es nicht bewußt darauf an.
    Im Umgang mit Alltagssituationen würde ich Weinen aber auch nicht überbewerten: Ich habe, bis ich 25 war, so gut wie NIE geweint und seit ein paar Jahren komischerweise ständig, wenn ich emotional berührt bin, sei es positiv oder negativ – und ich wäre dankbar, wenn man es einfach ignoriert und bestenfalls aufpaßt, daß ich wegen verminderter Sicht nirgendwo dagegenlaufe.
    (P.S. War „Frauen öfter als Menschen“ Absicht? :D)

  9. Muriel sagt:

    Ja, klar, ich denke, die Unterscheidung ist für viele Fragen eminent wichtig, ähm… Naja.
    Was ich versäumt hatte zu erwähnen: Ich selbst weine natürlich auch. Jedes Mal, wenn ich Man of La Mancha höre, zum Beispiel.

  10. Günther sagt:

    1. Ich bin ja grundsätzlich ein großer Freund der roten Fäden. Ich möchte grundsätzlich das Gefühl haben, dass der Autor weiß, wo sich die Geschichte hin entwickeln soll. Insofern wurde ich Keoni da zustimmen. Ich hatte allerdings schon bei einer der älteren Geschichten das Gefühl, mit dieser Ansicht hier eher in der Minderheit zu sein 😉 Außerdem ist das bei dieser Geschichte natürlich eine etwas andere Situation.

    2. Dazu kann ich bestimmt nicht mehr beitragen als madove.

    3. Konnte ich, gut geschrieben. Ich glaube nicht, gut mit mir leben zu können, wenn ich jemanden anders dermaßen hinterhältig in seinen sicheren Tod gelockt hätte.

    4. Ja. s.o.

    A. Eher nein.

    B. Eigentlich wären Bell & Co. mal wieder dran, aber am meisten interessiert mich gerade Nick…

    C. Ja.

    D. Ok.

  11. Muriel sagt:

    @Günther: 1. Naja, Minderheiten verdienen ja auch Schutz, und falls es dir sonderbarerweise ein bisschen hilft, das zumindest gesagt zu bekommen, wenn du es schon in der Geschichte nicht spürst: Ich weiß sogar schon genau, wie die Geschichte ausgeht. Das ist sehr ungewöhnlich für mich.
    3. Hier drängt sich natürlich der Hinweis auf, dass du noch wesentlich schlechter mit dir leben kannst, wenn du zwischen zwei Betonplatten zerquetscht wurdest… Aber ich verstehe schon, was du meinst.

  12. Günther sagt:

    1. Gut zu wissen. Dass ich das nicht erkannt habe liegt wohl auch an meinem mangelnden Vorstellungsvermögen…

    3. Das stimmt natürlich. Ich schätze es spielt eine nicht unerhebliche Rolle, ob man die beiden Möglichkeiten „er“ oder „ich“ als die einzigen Möglichkeiten akzeptiert. Und ob man bereit ist, auf Anweisung einer Stimme in seinem Kopf jemanden ans Messer zu liefern.

  13. Muriel sagt:

    @Günther: 1. Nee… Wenn Leser ein Problem mit der Geschichte zu haben, hilft es nicht viel, das auf die Leser zu schieben. Ich freue mich über deine Rückmeldung und werde mal schauen, wie ich damit umgehe. Wer weiß? Vielleicht behältst du ja am Ende sogar Recht und alles kommt gar nicht so, wie ich es mir jetzt vorstelle. Wäre ansonsten auch das erste Mal.
    3. Naja. Jeder glaubt bekanntlich an irgendwas, und daraus folgt doch wohl offensichtlich, das man den Stimmen im Kopf bedenkenlos vertrauen kann.

  14. Guinan sagt:

    1. Das ist schon ok so. Die einzelnen Kapitel sind ja eher kurz, und wenn man das später im Zusammenhang liest, dann passt das schon.
    2. Besorgniserregend noch nicht. Ich kann auch durch und durch sexistische Geschichten mit Genuss lesen (und gelegentlich auch ganz ungeniert sexistisch reden).
    Und ich heule übrigens nicht, zumindest nicht öffentlich. Weinen halte ich mehr für typ- als geschlechtsabhängig.
    3. Beklemmend. Die Szene ist wirklich sehr gelungen. Ich würde ALLES tun, um da raus zu kommen – und mich mit dem Gedanken beruhigen, mir fiele schon eine Lösung ein, wenn ich nur erst mal draußen wäre.
    4. Ja. Er sieht gut aus, er ist nett, und so übermäßig viele mögliche Partner gibt es für sie ja nicht. Mit wem außerhalb des Unternehmens könnte sie offen über ihre Arbeit sprechen, wer würde sonst noch ihre Probleme verstehen?

    A. Nein, ich möchte noch mehr über Mark lesen. Er ist ein absoluter Scheißkerl, aber irgendwie mag ich ihn.
    B. Die Gruppe um Bell. Ich weiß schon nicht mehr, wer wer war.
    C. Ja.
    D. Ja. (Uff, das ist mir jetzt schwergefallen. Wie schrecklich für Jill.)

  15. Muriel sagt:

    @Guinan: Danke für den Kommentar! Ich habe jetzt gar nichts zu erwidern, wollte aber trotzdem zum Ausdruck bringen, dass ich mich sehr freue.

  16. Muriel sagt:

    Auswertung:
    A: 3 Nein bei einer Enthaltung
    B: 1 Repräsentant, 1 Nick, 2 Bell, Cox und Blight
    C: Einstimmig Ja
    D: 3 Ja bei einer Enthaltung

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