Noch mal ziel- und inhaltsloses Gebrabbel zum Thema Sexismus

Dieser Beitrag lag jetzt eine Weile hier herum, weil das Thema schwierig ist und ich mir unsicher war, ob ich nicht nur „Ich kann die ganze Aufregung nicht verstehen“-Trollerei betreibe. Ich fürchte, ein bisschen mache ich das, aber auch nicht richtig, denn ich kann die Aufregung prinzipiell schon verstehen. Nur nicht so ganz. Und ich möchte aufrichtig, dass mir jemand dabei hilft. Natürlich würde ein Troll das auch sagen. Aber was soll man machen?

Zur Sache:

Ich habe über das Sprachlog von einem Vorfall erfahren, von dem offenbar außer mir schon jeder wusste: Die beiden eher mäßig lustigen Fernsehmoderatoren Klaas Heufer-Umlauf und Joko Winterscheidt haben in einer ihrer Sendungen demnach eine Wette abgeschlossen, dass einer von ihnen eine Mitarbeiterin eines Messestandes an Brust und Hintern berühren sollte, und allem Anschein nach hat der es dann getan.

Im Anschluss reden die beiden noch darüber, und einer sagt:

„Gott, aber der war das auch so unangenehm, die stand da wirklich und hat sich so richtig entwürdigt gefühlt. Die fährt jetzt gleich nach Hause, und dann wird die schön heulen, unter der Dusche. Die steht jetzt sechs Stunden lang unter der Dusche.“

Ja. Hm. Und ich weiß jetzt nicht.

Ich meine, klar, einerseits weiß ich natürlich genau: Leute anzufassen, wenn sie das nicht wollen, ist nicht okay. Sehe ich natürlich genauso. Und sexuelle Übergriffe gegen Frauen sind aus mehreren Gründen noch ein besonders inakzeptabler Sonderfall. Auch das verstehe ich prinzipiell.

Aber andererseits… Und ja, ich weiß, dass viele schon entsetzt sind, weil es bloß ein „andererseits“ gibt, und ich will nicht mal ausschließen, dass das sogar richtig so ist, aber ich bin mir andererseits eben wirklich nicht ganz sicher, wie ich so einen Vorgang in einem solchen Format bewerten soll.

Es gibt eine Menge Fernsehsendungen, die ihren Humor daraus beziehen, gegen soziale Konventionen zu verstoßen und die Reaktion nicht eingeweihter Personen darauf zu zeigen. Ich finde die fast ausnahmslos nicht lustig und doof, aber man kann andererseits vertreten, dass sie neben der oberflächlichen Unterhaltung noch eine weitere Funktion erfüllen: Sie regen uns an, soziale Konventionen als das zu erkennen, was sie sind, über sie nachzudenken und sie infrage zu stellen.

Ich schreibe das nicht einmal, weil ich denke, dass wir infrage stellen sollten, ob es nicht doch okay ist, völlig fremde Leute irgendwo anzufassen, ohne vorher ihr Einverständnis einzuholen. Ich bin überzeugt, dass diese Konvention aus sehr guten Gründen existiert, und dass wir sie beibehalten sollten.

Ich bin auch durchaus bereit, mitzugehen, dass das eine echt doofe Idee von den beiden Moderatoren war, und dass sie das nicht hätten tun dürfen, ungefähr so:

wir haben kein taktgefühl bewiesen, und lustigen quatsch mit fahrlässigem, beleidigendem schwachsinn verwechselt. es tut uns ehrlich leid. [siehe: twitter, 15.10.2012]

aber ich habe andererseits auch das Gefühl, dass die Kritiker der Aktion das Ganze doch ein bisschen zu hoch hängen, ungefähr so:

In der gesamten Filmsequenz werden die sexuelle Belästigung und Vergewaltigung von Frauen und die damit verbundene Entwürdigung verharmlost und als belustigend dargestellt.

Nennt mich kleinkariert, aber mich stört der Begriff der Entwürdigung. Ich ahne, wie der Satz gemeint ist, aber inwiefern verliert denn eine Frau durch Belästigung oder Vergewaltigung ihre Würde? Außerdem kommt mir hier ein Artikel von ars libertatis in den Sinn, dessen Idee ich durchaus überzeugend finde:

 Ist ‘sexuelle Belästigung’ ein sinnvolles Konzept?
oder Sollte man zwischen sexueller und andersartiger Belästigung unterscheiden?

[…]

Was jedoch als (verbale, visuelle, akustische, olfaktorische, haptische, gustatorische…) Belästigung empfunden wird und was nicht, ist sehr subjektiv und sehr situationell. Manche ertragen sexuelle Belästigungen besser als religiöse, andere visuelle besser als akustische; manche stören sich an sexistischen Witzen nur, wenn sie von Fremden und von den politischen Gegnern kommen, usw. usf. Manche sehen gerne halbnackte Menschen auf Werbeplakaten, andere fühlen sich dadurch belästigt; manche reden gerne mit den missionarischen Zeugen Jehovas, andere machen einen weiten Bogen um sie; manchen wird übel, wenn sie frühmorgens Bratfett und Knoblauch riechen, andere macht das hungrig; manche fürchten sich, wenn sie Menschen mit Kopftuch oder glattrasierten Schädeln sehen, andere sehen dies als Zeichen der Heimat oder der Vielfalt, etc. etc.

Und das Problem hierbei ist (unter anderem), dass sexuelle Belästigung wie Belästigung überhaupt eben sehr schwer abzugrenzen ist. Belästigung bestimmt sich nach dem Empfinden des Belästigten (Und gerade weil das so subjektiv unterschiedlich ist, ist es so wichtig, die Einwilligung eines Menschen einzuholen, bevor man ihn berührt. Oder sie.), und die sexuelle Komponente muss wohl eher in der Absicht des Belästigenden wiederfinden. Für manche Leute ist es ein sexueller Akt, jemandes Füße zu berühren.

Andere machen das beruflich und völlig entsexualisiert. Und manche können je nach Umständen beides. Das macht die Sache kompliziert. Hat die Dame in dem Video sich belästigt gefühlt? Mutmaßlich. Hatten Joko und Klaas sexuelle Absichten? Mutmaßlich nicht. Sie wollten lustig sein.

Ist deshalb alles okay? Nein, natürlich nicht. Denn erstens waren sie wohl nach ganz herrschender Meinung nicht lustig. Zweitens haben sie immer noch jemanden belästigt, obwohl ich den Vorwurf für überzogen halte, dass sie sie entwürdigt hätten. Und schließlich haben sie natürlich schon bewusst eine sexuelle Komponente ins Spiel gebracht, und das ist schon ein Problem:

Die Sache hat hier nämlich außerdem noch eine andere Ebene: Wenn ich so etwas im Fernsehen mache, dann mache ich es nicht nur in dem Bewusstsein, sondern in der Absicht, dass viele andere Menschen es sehen und irgendwie verarbeiten. Ich muss mir also auch die Botschaft anrechnen lassen, die ich sende. In diesem Fall kann man ganz gut vertreten, dass das Video die Botschaft verbreitet, dass es lustig wäre, gegen soziale Konventionen zu verstoßen, auch auf die Gefahr hin, andere Menschen damit (emotional) zu verletzen, und dass es natürlich besonders lustig ist, wenn ich es sexuell anzüglich mache. Und das ist in der Tat eine verheerende Botschaft in einer Gesellschaft, in der es ja tatsächlich immer noch Menschen gibt, die es für amüsant und akzeptabel halten, andere Menschen mit sexuellem Subtext unerwünscht zu berühren.

Wie gesagt: fahrlässiger, beleidigender, taktloser Schwachsinn, ja. Und dass die beiden sich hinterher drüber lustig machen, verstärkt diesen Effekt noch, obwohl ich nicht sagen würde, dass sie sich über Vergewaltigungsopfer lustig machen. Sie machen sich über die Idee lustig, dass die junge Frau wegen dieser kurzen Berührungen eine so heftige Reaktion zeigen könnte. Das ist immer noch taktlos und reichlich arschlochhaft, aber was anderes. So gesehen würde ich auch diesem Teil der Beschwerde durchaus zustimmen:

Damit leistet die Sendung eines öffentlich-rechtlichen Fernsehsenders einer frauen­feindlichen Kultur der Übergriffigkeit Vorschub, wo der Bildungsauftrag es im Gegenteil gebieten würde, Aufklärungsarbeit zu leisten.

Aber… Ja, und je länger ich drüber nachdenke, desto mehr kommt es mir jetzt doch so vor, als würde ich nur trollen. Denn im Grunde beschränkt sich meine Kritik an der Beschwerde auf kleine Feinheiten der Formulierung, mit denen ich nicht ganz einverstanden bin. Im Großen und Ganzen stimme ich ja zu. Und doch. Und doch kann ich mich Anatol Stefanowitsch, den ich ansonsten liebe und verehre wie einen großen Bruder, hier nicht vollen Herzens anschließen. Weil ich irgendwie doch die Entrüstung nicht ganz nachfühlen kann. Weil ich irgendwie immer noch das Gefühl habe, das Ganze wäre doch nur ein dummer Witz, der niemandem weh getan hat. Weil ich eigentlich denke, dass es auch erledigt sein könnte, nachdem sie es eingesehen und um Entschuldigung gebeten haben. Weil ich vielleicht auch einfach unangemessen viel Verständnis habe für völlig missglückte Versuche, lustig zu sein.

Was meint ihr?

Oh, ach so, ein‘ hab ich noch, da kann ich auch viel prägnanter erklären, was mich stört:

Darüber hinaus fordern wir die Schaffung einer angemessen finanzierten Anti-Diskriminierungs-Stelle im Fernsehrat, deren Aufgabe es u.a. sein soll, bei Redakteur/innen und Moderator/innen des ZDF und beauftragten Produktionsfirmen durch geeignete Informations- und Schulungsmaßnahmen ein Bewusstsein für den Respekt vor der Intim­sphäre anderer Menschen zu schaffen und derartige Sendungen in Zukunft schon vor ihrer Ausstrahlung zu stoppen.

Vielleicht tue ich den Beschwerdeführern Unrecht, aber generell halte ich es für einen nicht sehr sinnvollen Reflex, bei jedem als hinreichend schwerwiegenden Verstoß gegen irgendwelche Regeln die Errichtung einer speziellen Instanz zu fordern, die dem in Zukunt vorbeugen soll. Es kann in Einzelfällen sinnvoll sein, und es kann in Einzelfällen nicht sinnvoll sein. Als Außenstehender ohne hinreichende Kenntnis die Schaffung einer solchen Stelle in einer Organisation zu fordern, halte ich für eher weniger sinnvoll. Wenn man sich schon für berufen hält, da mitzuwirken, sollte man sich in meinen Augen auf eine gemeinsame Abstimmung wirksamer Maßnahmen einsetzen. Das kann dann ja immer noch die Schaffung einer Antidiskriminierungsstelle sein, aber dann immerhin auf Basis rationaler Gründe.

Advertisements

20 Responses to Noch mal ziel- und inhaltsloses Gebrabbel zum Thema Sexismus

  1. Solche Sendungen kommen im deutschen Staatsfernsehen? Deren Qualität ist ja tiefer als ich gedacht habe.

    Den Begriff der Würde mag ich sowieso nicht. Das Wort ist meistens ziemlich inhaltsleer und wird eher als Kampfbegriff verwendet als um Informationen zur jeweiligen Angelegenheit mitzuteilen. Man sollte ihn folglich durch einen präziseren Begriff ersetzen oder durch ein Schimpfwort. Letzteres wäre ehrlicher und bisweilen respektvoller.

  2. Muriel sagt:

    @ars libertatis:

    Solche Sendungen kommen im deutschen Staatsfernsehen? Deren Qualität ist ja tiefer als ich gedacht habe.

    Ich weiß nicht viel übers Fernsehen, aber genug, um zu wetten, dass Klaas‘ und Jokos Sendung über das gesamte ÖR-Programm gesehen im oberen Mittelfeld der Qualität liegt, wenn nicht sogar darüber.

    Den Begriff der Würde mag ich sowieso nicht.

    Ich auch nicht.
    Und auch sonst finde ich persönlich solche Vorfälle immer denkbar undramatisch.
    Aber andererseits gibt es nun einmal Menschen, die anders reagieren und sich tatsächlich entwürdigt fühlen und sehr unter solchen Übergriffen leiden. Bloß weil ich selbst das nicht nachfühlen kann, wird es nicht illegitim, aber trotzdem fällt es mir immer arg schwer, es ernstzunehmen.

  3. @Muriel: Wenn man bedenkt, dass es im US-TV Sendungen wie „Here Comes Honey Boo Boo“ gibt, könntest du sogar Recht haben.

  4. Robroy sagt:

    „Und sexuelle Übergriffe gegen Frauen sind aus mehreren Gründen noch ein besonders inakzeptabler Sonderfall.“
    Echt? Warum?

    Ich kann Anatol Stefanowitsch oft nicht folgen, wenn er überall Seximus wittert, aber hier hat er m.E. (im Wesentlichen) Recht, wobei ich auch deine Kritikpunkte (im Wesentlichen) teile. Um zu erkennen, dass diese Aktion sexistisch und fehl am Platz ist, braucht man keine Anti-Diskriminierungsstelle. Das einzige, was dagegen hilft, dass so etwas noch mal vorkommt, sind Sanktionen gegenüber den Verantwortlichen, also mindestens den Moderatoren. Ich denke, es wäre nicht übertrieben, deren Kündigung zu fordern.

  5. Muriel sagt:

    @ars libertatis: Den Namen hab ich in letzter Zeit öfter gehört, aber er sagt mir so ziemlich gar nichts. Ich glaube, ich kann damit leben, wenn das so bleibt.

  6. fichtenstein sagt:

    Also ganz böse ist natürlich wirklich, sofort eine Zensur-Stelle einzurichten, sowas geht nie in die richtige Richtung, sondern wird schnell zu „1 Million Moms“, die dann verbieten wollen, dass sich zwei Männer im Fernehen küssen.
    Ich denke, da die betroffene Dame a.) nicht konkret angerührt wurde und b.) anscheinend ihr „Ja“ zur Ausstrahlung gegeben hat, kann man es nicht so krass einstufen, wie es in dem Beschwerdebrief getan wurde, auch, dass sich zumindest einer der Beiden entschuldigt hat, zeigt ja, dass es nicht mit böser Absicht, sondern eher mit kindischer Ignoranz passiert ist.
    Allerdings muten sowohl die Aufgabe als auch die Kommentare sehr merkwürdig für ein paar erwachsene Männer vor laufender Kamera an und ich muss zugeben, auch wenn ich denke, dass man über alles Witze machen kann, heißt es nicht, dass man es sollte.
    Ich bin sehr unschlüssig, ich glaube ja, dass Joko und Klaas alleine durch die Medienschelte – hoffentlich – ein wenig daraus gelernt haben, diese Medienschelte an sich fand ich allerdings auch angebracht, da es – wenn es kommentarlos geblieben wäre – schon eine bedenkliche Aktion gewesen wäre. Große Maßnahmen gegen deren Sendung halte ich jedoch für übertrieben. Macht das Sinn? Wenn man in solchen Dingen nicht zu Extremen neigt, tänzelt man ja bei der Argumentation immer verkrampft herum, um Landmienen zu vermeiden.

  7. David sagt:

    Der Begriff der Entwürdigung wurde doch von den beiden selbst ins Spiel gebracht. Ob der Begriff tatsächlich sinnvoll ist, sei dahingestellt, aber wenn mir jemand etwa mit einem Industriestausauger allen Stuhl aus dem Hintern saugte und mich dann am ganzen Körper damit einriebe, ich fühlte mich wahrscheinlich entwürdigt. Ob ich auf einer theoretisch-abstrakten Ebene meine Würde trotzdem noch hätte und auch gar nicht verlieren kann, wäre mir in diesem Moment vielleicht egal. Mit „Entwürdigung“ ist, denke ich, oft die Hervorrufung des Gefühls der Entwürdigung gemeint, und wo dieses Gefühl vorliegt hilft wohl meist kein belehrendes „du hast deine Würde doch noch, sieh, da ist sie.“

    Ob sich die beiden über Vergewaltigungsopfer lustig machen, kann man auch dahingestellt sein lassen, aber anscheinend wäre es ja zumindest voll der gute Gag, wenn man mit ein bißchen Getatsche Reaktionen provozieren könnte, die denen von Vergewaltigungsopfern gleichen. Das ist schon reichlich merkwürdig.

  8. David sagt:

    @fichtenstein:

    Man verkennt, denke ich, die Absicht der Beschwerde, wenn man den Vorfall einzig auf das konkrete Geschehnis reduziert. Selbst wenn die Szene komplett gestellt gewesen wäre, bliebe die Kritik daran vermutlich die gleiche, daß zwei der derzeit wohl beliebtesten deutschen Fernsehmoderatoren das Antatschen fremder Frauen effektiv als eine akzeptable Wettaufgabe darstellen und sich hinterher über deren Reaktion lustig machen.

  9. Muriel sagt:

    @fichtenstein:

    auch wenn ich denke, dass man über alles Witze machen kann, heißt es nicht, dass man es sollte.

    Sie sollten zumindest lustig sein…

    Wenn man in solchen Dingen nicht zu Extremen neigt, tänzelt man ja bei der Argumentation immer verkrampft herum, um Landmienen zu vermeiden.

    Ich habe beim Verfassen dieses Beitrags zahllose „Ich bin natürich gegen sexuelle Belästigung, aber“-Sätze gelöscht.

  10. Muriel sagt:

    @robroy:

    Echt? Warum?

    Weil sie in unserer Gesellschaft (meines beschränkten Wissens) ein systematisches Problem sind und in Teilen dieser Gesellschaft systematisch verharmlost und gerechtfertigt werden.
    Bei weiblichen Übergriffen gegen Männer scheint mir ersteres weniger der Fall zu sein. Andererseits ist es für das Opfer in solchen Fällen viel schwerer, ernst genommen zu werden, was meine Vorstellung dann doch wieder in Frage stellt.
    Tja.

    Das einzige, was dagegen hilft, dass so etwas noch mal vorkommt, sind Sanktionen gegenüber den Verantwortlichen, also mindestens den Moderatoren. Ich denke, es wäre nicht übertrieben, deren Kündigung zu fordern.

    Letzteres weiß ich nicht. Ersteres glaube ich nicht. Es ist zumindest möglich, dass sie es auch so schon begriffen haben.

  11. fichtenstein sagt:

    @David: Wie gesagt, ich denke, dass der Aufschrei der Blogs und Zeitungen zurecht erfolgt ist, wenn es um das Einführen einer Zensierungsstelle (bin ich völlig dagegen), bzw. einer öffentlichen Rüge geht, weiß ich nicht, ob das wirklich noch nötig ist, da die Kritik sicherlich angekommen ist, man kann ja von Joko und Klaas halten was man will, aber ich bezweifle, dass sie sich so etwas wieder erlauben, noch, dass bösartige, frauenfeindliche Absichten dahinter steckten.
    Tatsächlich würde ich das fast schon als unnötiges Exempel ansehen, soweit ich das weiß (so sehr verfolge ich die Beiden nicht) handelt es sich hier ja um einen Einzelfall. Wenn sowas wieder passiert, fände ich entsprechende Maßnahmen (wie auch immer die aussehen sollen, ist in diesem hypothetischen Fall ja erstmal schnuppe) angebracht, aber davon reden wir ja hier nicht.

  12. madove sagt:

    Auch wenn ich gefühlsmäßig ein bißchen näher bei Anatol Stefanowitsch stehe: Alles in allem kann ich, was Du schreibst, so stehen lassen, und das Bemerken und Löschen der meisten „ich bin natürlich gegen sexuelle Belästigung, aber“ Sätzen macht Dich wie immer sympathisch, ABER: (hehe)
    Das einzige, was mir in Deiner Argumentation auffällt, ist dieses „Naja, da hat halt jemand gegen Konventionen verstoßen“, und da ist der Punkt mit sexistischem „Humor“: Das ist eben nicht irgendeine Konvention sondern eine relativ neue, bis vor relativ kurzer Zeit war gaaanz grob gesagt die Selbstbestimmung von Frauen über ihren Körper noch keine Konvention, und wir sind gefühlt noch in der Phase, wo diese krass neue Idee nicht bei allen Leuten (beiderlei Geschlechts) angekommen ist; und so lange ist das nicht einfach blöder Humor auf einem neutralen Terrain.
    Wie man damit umgehen sollte, ist eine andere Frage.
    Ich fühle mich sicherer, wenn solche blöden Witze einmal zuviel eine Diskussion auslösen, als wenn sie einmal zuviel als „Stell Dich nicht so an“ durchgehen. Selbst wenn ich selber oft eher „Stell Dich nicht so an“ denke.

  13. Muriel sagt:

    Das ist eben nicht irgendeine Konvention sondern eine relativ neue, bis vor relativ kurzer Zeit war gaaanz grob gesagt die Selbstbestimmung von Frauen über ihren Körper noch keine Konvention, und wir sind gefühlt noch in der Phase, wo diese krass neue Idee nicht bei allen Leuten (beiderlei Geschlechts) angekommen ist; und so lange ist das nicht einfach blöder Humor auf einem neutralen Terrain.

    Das ist eine gute Bemerkung. Man vergisst das so leicht, wenn das eigene Umfeld größtenteils aus Nichtarmleuchtern besteht.

    Ich fühle mich sicherer, wenn solche blöden Witze einmal zuviel eine Diskussion auslösen, als wenn sie einmal zuviel als “Stell Dich nicht so an” durchgehen.

    Auf die Gefahr hin, es zu oft zu sagen: Ich habe nichts gegen die Diskussion. Ich hätte vielleicht sogar selbst was dazu geschrieben, wenn ichs gesehen hätte.

  14. freiheitistunteilbar sagt:

    Den Begriff der Würde mag ich sowieso nicht. Das Wort ist meistens ziemlich inhaltsleer und wird eher als Kampfbegriff verwendet als um Informationen zur jeweiligen Angelegenheit mitzuteilen. Man sollte ihn folglich durch einen präziseren Begriff ersetzen oder durch ein Schimpfwort. Letzteres wäre ehrlicher und bisweilen respektvoller.

    Am sinnlosesten ist der Begriff der Würde, wenn sich ein Richter anschickt bestimmen zu wollen, was für eine bestimmte Person Würde sei. Es geht um einvernehmlichen Kannibalismus. Eigentlich ging es nur darum, jemanden einsperren zu können. 😉

    Jemand kann nicht gegen seine eigene Würde handeln, andernfalls wäre es nicht seine Würde – ein performativer Widerspruch. Andernfalls handelte er gegen seine eigenen Interessen, und das wäre nicht nur dumm, sondern auch äußerst schwer zu beweisen. 😉

  15. David sagt:

    Sehr gut erkannt. Das ist das apriorische Moment des homo oeconomicus.

  16. David sagt:

    Was hat das ansonsten eigentlich mit dem Beitrag zu tun? Handelt es sich vielleicht um dieses Phänomen: https://twitter.com/hllizi/status/262011747223871488 ?

  17. robinhosa sagt:

    @Muiriel: Dann hab ich’s erst falsch verstanden. Du meinst, dass sexuelle Übergriffe gegen Frauen insgesamt ein schwerwiegenderes Problem darstellen als entsprechende Übergriffe gegen Männer. Im Netz schwirren verschiedene Männerrechtlerblogs rum, die dir widersprechen würden, aber ich weiß nicht wer da Recht hat.
    Ich hatte in individuellen Fällen gedacht und verstanden, ein Übergriff gegen eine Frau wäre noch mal schlimmer als wenn’s einem Mann passiert.

    Es ist zumindest möglich, dass sie es auch so schon begriffen haben. Möglich – naja, mein Menschenbild ist in manchen Aspekten wohl etwas negativer.

  18. Muriel sagt:

    @robinhosa:

    Du meinst, dass sexuelle Übergriffe gegen Frauen insgesamt ein schwerwiegenderes Problem darstellen als entsprechende Übergriffe gegen Männer. Im Netz schwirren verschiedene Männerrechtlerblogs rum, die dir widersprechen würden, aber ich weiß nicht wer da Recht hat.

    Ich weiß es eigentlich auch nicht. Aus meiner eigenen Wahrnehmung heraus scheinen die Übergriffe von Männern gegen Frauen die bei Weitem typischere Variante zu sein, aber da könnte ich mich aus verschiedenen Gründen täuschen.
    Zum Glück spielt es aber im Ergebnis auch keine große Rolle: Beides ist falsch, und gegen beides sollten wir entschlossene Maßnahmen ergreifen.

    Ich hatte in individuellen Fällen gedacht und verstanden, ein Übergriff gegen eine Frau wäre noch mal schlimmer als wenn’s einem Mann passiert.

    Nein, das würde ich so nicht sagen.
    Mir ging es eher darum, dass es nach meiner Einschätzung eher harmlos ist, einen Witz über sexuelle Belästigung von Männern durch Frauen zu machen, weil das in unserer Gesellschaft kein systematisches Problem darstellt und nicht die Gefahr besteht, eine Grundstimmung zu verstärken, dass es irgendwie okay wäre, Männer sexuell zu belästigen.
    Andererseits habe ich ja inzwischen auch schon eingestanden, dass ich da vielleicht nicht zu Ende gedacht habe, denn andererseits gibt es sicherlich eine Grundstimmung, dass mit einem Mann, der sich über Belästigung durch eine Frau beklagt, irgendwas nicht stimmen kann.

  19. Ja sagt:

    Ich bin wahrscheinlich nicht intellektuell genug um die Sinnhaftigkeit nachzuvollziehen, warum man am an die Brüste fassen relativieren sollte. Daher habe ich den Mittelteil Deines Artikels auch eher lustlos überflogen.

    Aber gelernt habe ich dann doch was von Dir. Die Sache mit der Antidiskriminierungsstelle, das kannte ich noch nicht. Denn ja, ich hatte diesen Brief von Stefanowitsch auch gelesen. Und mich angesichts der Initiatoren ganz schnell wieder abgewendet. Denn mir war direkt klar, daß die Feministengang diesen Vorgang nur instrumentalisiert.

    Das kann man aber auch ganz gut am Text sehen. Die Keule mit dem Bildungsauftrag der ÖR schmerzt ja schon. Aber die Antidiskriminierungsstelle ist wirklich das Sahnehäubchen. Eigentlich haben die nur einen Aufhänger gebraucht um sich medienwirksam in Szene zu setzen.

  20. […] dem nun auch andere als der von mir trotz gelegentlicher Meinungsverschiedenheiten geliebte und verehrte Anatol […]

Gib's mir!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: