cruel and usual

Ich habe zuletzt hin und wieder mal angedeutet, was zum Thema Strafrecht und Strafvollzug schreiben zu wollen, und nicht zuletzt, weil das immer ganz gut ankam, wollte ich es heute mal tun, wie gewohnt völlig sorglos im Angesicht meiner weit reichenden Ahnungslosigkeit zur Realität des deutschen Strafvollzugs. Leider ist dabei schon wieder kein griffiges Ergebnis rausgekommen, aber hey, es gibt im Internet schon genug Leute, die alles besser wissen und genau sagen können, wo es lang zu gehen hat, und viel zu wenig Leute, die einfach sinnlos rummeinen … und … wirre Gedankenmäander schreiben … ähm … Na gut, vielleicht gibt es nicht zu wenig von uns, aber ich hab’s trotzdem geschrieben.

Dem einen oder anderen mag aufgefallen sein, dass ich Anarchist bin, oder so, womit ich sagen will, dass ich glaube, dass knapp formuliert kein Mensch Zwang gegen einen anderen ausüben sollte, es sei denn, um sich selbst oder andere vor einem Übergriff zu schützen. Das schließt natürlich auch solche Menschen mit ein, die ein Verbrechen begangen haben. Wenn jemand ein Verbrechen begeht, begibt er sich damit nicht seiner Menschenrechte. Was heißt das nun für meine Bewertung eines Strafrechtssystems?

Es gibt Leute, die Strafe an und für sich als angemessene Reaktion auf bestimmte Handlungen befürworten. Diese Idee findet sich auch in vielen Religionen wieder, deren Gott nach dem Tod Strafen für Sünder bereit hält. Ich verstehe sie nicht einmal im Ansatz. Also, die Idee. Die emotionale Attraktivität leuchtet mir ein. Manchmal fühlt es sich gut an, Leute leiden zu sehen, die man hasst, und manchmal hasst man Leute, die einem selbst oder anderen Schaden zufügen. Ich selbst bin jetzt einerseits nicht der große Hasser, bin aber andererseits auch nicht so stark in Mitgefühl, und das gleicht sich zumindest so weit aus, dass ich schon den Wunsch nachfühlen kann, bestimmte Menschen zu bestrafen. Die Leute, die Avengers gemacht haben, zum Beispiel. Würde mir schon ein bisschen Freude bereiten, wenn jemand die auspeitschen würde. Nicht so doll natürlich. Nur ein bisschen, dass keine Spuren bleiben. Ihr wisst schon.

Aber die Idee verstehe ich nicht. Ist das die Vorstellung, dass Leid durch noch mehr Leid irgendwie ausgeglichen werden kann?  Dass wir die Welt besser machen, indem wir bewirken, dass es bestimmten Menschen schlechter geht? Nee, das kann doch nun wirklich niemand im Ernst glauben. Ist es der Gedanke, dass das Opfer sich besser fühlt, wenn es dem Täter schlecht geht? Vielleicht. Das könnte ich dann womöglich sogar doch halbwegs verstehen. Aber fällt uns wirklich keine bessere Methode ein, dem Opfer zur Besserung zu verhelfen? Ist mit einer Strafe wirklich irgendwem geholfen? Eine Strafe für den Täter steigert das Wohlbefinden des Opfers doch nur dann, wenn es glaubt, dass Strafe eine gute und gerechte Sache ist. Und damit ist die Sache zirkulär genug, um für mich keinen Sinn mehr zu ergeben.

Der einzige akzeptable Zweck einer Strafe ist in meinen Augen also der Schutz von Menschen vor Übergriffen, was natürlich auch eine Resozialisierung des Täters einschließen kann, in keinem Fall aber eine Rechtfertigung durch Vergeltung, Rachsucht oder (Ich glaube, die meisten Leute meinen mit diesen verschiedenen Begriffen sowieso das gleiche.) das Gerechtigkeitsempfinden der Öffentlichkeit einschließt.

Und was soll ich sagen? Es ist eine gewisse Erleichterung für mich dass ich mich in diesem Fall nicht einmal am extremen Rand der Meinungen bewege, sondern einigermaßen im Rahmen des straf- und verfassungsrechtlichen Mainstreams

§ 2 StVollzG Im Vollzug der Freiheitsstrafe soll der Gefangene fähig werden, künftig in sozialer Verantwortung ein Leben ohne Straftaten zu führen (Vollzugsziel). Der Vollzug der Freiheitsstrafe dient auch dem Schutz der Allgemeinheit vor weiteren Straftaten.

Der Täter darf nicht zum bloßen Objekt der Verbrechensbekämpfung unter Verletzung seines verfassungsrechtlich geschützten sozialen Wertanspruchs und Achtungsanspruchs gemacht werden (BVerfGE 28, 389 [391]).

Schon bisher war der Strafvollzug in der Bundesrepublik nicht mehr reiner „Verwahrvollzug“, sondern es wurde ein auf die Resozialisierung der Gefangenen hin ausgerichteter „Behandlungsvollzug“ angestrebt. […] Das Gericht hat mehrfach betont, daß die Forderung nach Resozialisierung verfassungsrechtlich dem Selbstverständnis einer Gemeinschaft entspreche, die die Menschenwürde in den Mittelpunkt stelle und dem Sozialstaatsprinzip verpflichtet sei. Dieses Resozialisierungsinteresse ergebe sich für den Straftäter aus Art. 2 I in Verbindung mit Art. 1 GG. Der verurteilte Straftäter müsse die Chance erhalten, sich nach Verbüßung seiner Strafe wieder in die Gemeinschaft einzuordnen (BVerfGE 35, 202 [235 f.] – Lebach; 36, 174 [188]). Es sei Aufgabe des Staates, im Rahmen des Zumutbaren alle gesetzlichen Maßnahmen zu treffen, die geeignet und nötig seien, beim Gefangenen dieses Vollzugsziel zu erreichen. BVerfE, 45, 187, 253 ff

Die Lage ist also eigentlich klar. Aber werden wir unseren eigenen Ansprüchen gerecht?

Natürlich ist uns allen bewusst, dass hehre verfassungsrechtliche Grundsätze manchmal in der Realität schwer umzusetzen sind, und dass der Maßstab der Perfektion niemals der richtige sein kann. Ressourcen sind knapp, und dass man bei ihrer Zuteilung nicht zuallererst an Mörder, Räuber und Vergewaltiger denkt, ist (wiederum: zumindest emotional) auch durchaus verständlich.

Das entbindet uns andererseits nicht von der Verpflichtung, das Beste aus unseren beschränkten Möglichkeiten zu machen. Und wie machen wir das? Wie gestalten wir unser Strafrecht?

Ja… So, wie wir die meisten unserer anderen Gesetze auch gestalten: Nach gerade vorherrschender öffentlicher Laune und Ideologie der Parteien, die gerade die Mehrheitskoalition bilden. Ich mag mich täuschen, aber mir wäre zumindest nicht bekannt, dass der Bundestag Konsequenzen für Straftaten auf Basis gründlicher Studien in Gesetzesform gießt, die wissenschaftlich fundiert ermitteln, was die beste Methode ist, Menschen einerseits vom Begehen der jeweiligen Straftat abzuhalten und andererseits Straftätern aufzuzeigen, dass sie einen Fehler begangen haben, und ihnen auf den richtigen Weg zurückzuhelfen. Stattdessen schreit hin und wieder mal jemand nach besonders öffentlichkeitswirksamen Vorfällen nach einer Strafverschärfung für dies, jenes oder was anderes, ohne das irgendwie rational zu begründen, und ein Bundeskanzler kann ungestraft (See what I did there?) auch einfach mal auf Basis eines vagen Bauchgefühls fordern, dass eine ganze Kategorie von Straftätern „für immer“ eingesperrt werden sollte.

Eingesperrt werden bei uns auch Menschen, die niemandem etwas zuleide getan haben, zum Beispiel für Drogenbesitz oder Beleidigung oder Verunglimpfung hoheitlicher Symbole, Inzest oder Blasphemie. Na gut. Für letzteres  wird praktisch niemand mehr wirklich eingesperrt, aber das ist nicht das Verdienst unseres Strafrechts, sondern eher das Ergebnis überraschend vernünftiger Rechtsanwendung durch Richter und Staatsanwälte. Kritik ist also jedenfalls berechtigt, und ich halt es für offensichtlich, dass das Einsperren solcher Menschen das genaue Gegenteil von Resozialisierung bewirkt, denn sie werden dadurch mindestens dreifach von der Gesellschaft entfremdet: Sie selbst distanzieren sich, weil sie sich ungerecht behandelt fühlen. Andere Menschen lehnen sie ab, weil sie Häftlinge sind oder waren. Je nachdem, wie lange die Haftstrafe dauert, verlernen sie das Leben in einer freie(re)n Gesellschaft und geraten stattdessen in Kontakt mit anderen Leuten, die ebenfalls aus der Gesellschaft ausgegrenzt leben (ob und wie stark selbst verschuldet, stehe mal dahin).

Damit hätten wir eigentlich auch schon die nachgerade zwingende Überleitung vom Strafrecht zum Strafvollzug. Aber hier lässt mich auch meine bisher immerhin noch begrenzt vorhandene Sachkunde ganz im Stich. Vom praktischen Strafvollzug verstehe ich fast gar nichts. Ich habe den Eindruck, dass es Bestrebungen in die richtige Richtung gibt. Wir haben so etwas wie offenen Vollzug, und meines Wissens können Häftlinge auch im geschlossenen zumindest grundsätzlich studieren und lernen und arbeiten. Andererseits fehlt es an elementaren Möglichkeiten zur Teilhabe an der Gesellschaft. Internetzugang zum Beispiel ist in JVAs regelmäßig nicht zu haben, und insgesamt sind unsere JVAs nach wie vor vor allem dafür da, Leute auf einigermaßen ungemütliche Weise einzusperren.

So mein Eindruck, wie gesagt wirklich ohne Sachkenntnis. Wenn jemand es besser weiß, freue ich mich wie immer über jede Richtigstellung in den Kommentaren.

Ich weiß nicht, ob Strafe sein muss. Mag sein, dass wir nicht ganz ohne auskommen. Sogar ich lebe nicht in der Illusion, dass jeder Straftäter einfach durch einen hinreichend überzeugenden Grundkurs in ethischem Verhalten und gegenseitiger Rücksichtsnahme zu einem sozialkompatiblen Individuum herangezogen werden kann. Aber ich bedaure sehr (um es vorsichtig zu formulieren), dass wir uns mit dem Thema nicht sachlicher und vernünftiger beschäftigen. Natürlich ist soziale Forschung immer besonders schwer, weil kontrollierte wiederholbare Experimente als Idealbild einfach unrealistisch sind, wenn wir mit Menschen zu tun haben. Aber trotzdem könnten wir mithilfe systematischer Studien und Untersuchungen überprüfen, welche Maßnahmen zur Rehabilitation beitragen, und welche nicht, ob eine bestimmte Maßnahme zu höheren oder niedrigeren Rückfallquoten führt, und so weiter. Wir könnten aufhören, die Haft für Straftäter einfach nur hart und ungemütlich zu gestalten, und anfangen, ihnen wirkliche Anreize und Wege zu zeigen, in die Gesellschaft zurückzukehren. Es wäre schwer, und bei manchen Leuten ist es vielleicht wirklich aussichtslos. Aber man könnte es zumindest ernsthaft versuchen. (Und bis dahin könnte man zumindest schon mal aufhören, Straftätern und verdächtigen in den Medien öffentlich ihre Rechte und ihren Status als Mitmenschen abzusprechen. Aber das ist vielleicht ein anders Thema.)

Natürlich können wir stattdessen auch einfach warten, bis das nächste Mal was groß in der Zeitung steht und dann vor möglichst viel Publikum härtere Strafen fordern, idealerweise lebenslang oder die Todesstrafe, warum nicht, in den USA und China funktioniert die ja schließlich so gut.

Bestimmt seid ihr genauso gespannt wie ich, was davon sich verwirklicht.

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25 Responses to cruel and usual

  1. UnendlicheFreiheit sagt:

    Ein Drogendealer hat mal über seine Knastzeit folgendes gesagt: Ich trat meine Haft mit einem Cannabis-Praktikum an und ging mit einem Doktortitel in Koks wieder raus. (Wobei ich für eine Legalisierung bin, das Beispiel soll zeigen, wie kontraproduktiv und ineffizient the war on drugs ist,ob jemand Koks oder Gras verkauft ist mir eigentlich egal)

  2. Alien sagt:

    „Ich verstehe sie nicht einmal im Ansatz. Also, die Idee.“

    Es steckt vermutlich die Idee des operanten Konditionierens dahinter. Die Konsequenz, die auf ein Verhalten folgt, beeeinflusst die zukünftige Verhaltenswahrscheinlichkeit. Folgt also eine negative Konsequenz (z. B. eine Strafe oder aber Entzug von Privilegien) verringert sich die Wahrscheinlichkeit, dass dieses Verhalten erneut gezeigt wird.

    Dennoch wird Strafe nur unter bestimmten Voraussetzungen für sinnvoll gehalten, die sogar ein Voluntarist sinnvoll finden dürfte. Es sollte in der Theorie eine unmittelbar logische Konsequenz auf das Handeln des Verbrechers darstellen. Das ganze also sehr zeitnah und transparent (Wenn ein Voluntarist sich selbst verteidigt, indem er den Schläger ko schlägt, ist das eine logische zeitnahe Konsequenz.). Dies ist beim Strafrecht nun nicht wirklich der Fall. Außerdem sollten Strafen nur bei Taten angewendet werden, wo es absolut notwendig ist, weil Leib und Leben anderer gefährdet wird. Auch diesen Grundsatz berücksichtigt unser Strafrecht nicht wirklich.

  3. Eine Frage, die das Strafsystem auch beantworten muss, ist, wie man mit fälschlicherweise verurteilten Unschuldigen umgehen soll. Da es stets vorkommen wird, dass Unschuldige verurteilt werden, wird es immer auch Unschuldige geben, die im Gefängnis sind. (Diese Zahl könnte man zwar noch stark reduzieren.) Peitscht man also Verbrecher aus, oder lässt sie in dreckigen Kerkern bei Brot und Wasser verrotten, dann tut man dies früher oder später auch Unschuldigen an. Hätten die Gefangenen also angenehme Bedingungen, dann würde man den Unschuldigen weniger Leid zufügen.

    Was mich am derzeitigen Strafsystem auch stört, ist, dass die Opfer für die Versorgung der Täter zahlen müssen und es oft die Steuerzahler sind, die die Restitution bezahlen müssen, welche meines Erachtens zudem oft höher sein dürfte. Ein System, wo die Gefangenen sinnvoll und produktiv arbeiten könnten und somit ihren eigenen Unterhalt und die Restitution finanzieren können, wäre mir sympathischer. (Zudem ist Arbeitslosigkeit wohl auch für das psychische Wohlbefinden der Gefangenen nicht allzu gut und erschwert die Wiedereingliederung nach der Entlassung.)

  4. Muriel sagt:

    @Alien:

    Es steckt vermutlich die Idee des operanten Konditionierens dahinter. Die Konsequenz, die auf ein Verhalten folgt, beeeinflusst die zukünftige Verhaltenswahrscheinlichkeit.

    Nein, davon rede ich nicht. Also, versteh mich nicht falsch, das ist keine ganz unvernünftige Idee, aber das ist ja schon eine sachliche Herangehensweise, die darauf abzielt, Menschen zu schützen und zu resozialisieren.
    Was ich meine, ist die Idee, Strafe sei an und für sich gut. Nehmen wir als Extrembeispiel die katholische Hölle. Ein Ort, an dem Menschen für immer bestraft werden, ohne jede Chance auf Entkommen, Eine Strafe, die keinerlei Chance hat, das Verhalten des Bestraften zu beeinflussen. Trotzdem finden Millionen Katholiken das völlig in Ordnung. Diese Idee meine ich.

    @ars libertatis: Zwei Ideen, die beide einen gewissen Charme haben, denen ich mich aber nicht sofort anschließen will.
    Zur ersten bin ich nicht sicher, ob wir irgendwem Leid zufügen sollten, und ob es deshalb Sinn ergibt, wegen der Unschuldigen generell vorsichtiger zu sein.
    Zur zweiten bezweifle ich, dass Strafgefangene besonders gut Arbeit leisten, solange ihre Einkünfte fast komplett dafür drauf gehen, sie weiter gefangen zu halten. Das müsste im derzeitigen System wohl so sein, und trotzdem müsste noch jemand was dazulegen, denn ein Strafgefangener kostet mehr, als er realistischerweise verdienen könnte, wenn ich mich nicht irre.

  5. @Muriel: Dein erster Einwand ist mir sehr sympathisch. Der zweite scheint mir kein prinzipieller zu sein, sondern eher eine Kritik an den derzeitigen institutionellen Bedingungen. Diese müssten natürlich geändert werden. Ich glaube, Gefängnisse könnten viel kostengünstiger / effizienter gestaltet werden. Dann könnte der Gefangene auch einen Teil der Einnahmen behalten und sie entweder im Gefängnis ausgeben oder auch ein wenig sparen, um nach der Entlassung ein gewisses Kapital zu haben.

  6. Muriel sagt:

    @ars libertatis: Wäre schön.

  7. madove sagt:

    @Muriel
    Nicht überraschend bin ich völlig Deiner Meinung.
    Ein Pro-Argument, das ich schon oft gehört habe, ist doch auch die Abschreckung durch Strafe – ich glaube zwar ebenfalls gehört zu haben, daß irgendwelche Studien den Effekt kleiner darstellen, als man hoffen könnte. Aber theoretisch ist das doch das Hauptargument für Strafe, die zwar nicht mehr das Verhalten der Bestraften beeinflussen kann (zB Hölle, aber auch Todesstrafe etc.), wohl aber im Idealfall andere potentielle Täter abhält, weil sie die Konsequenzen fürchten? Was würdest Du dazu antworten?

  8. Muriel sagt:

    @madove: Zuerst mal natürlich, dass es so eine Sache ist, einem Menschen Leid zuzufügen, um einen anderen damit zu beeinflussen.
    Aber so ganz abwegig finde ich die Idee der Abschreckung auch nicht, vernünftig umgesetzt. Dafür müsste aber nicht nur die Wirksamkeit dieser Maßnahme belegt werden, sondern auch, dass sie besser wirkt als andere, weniger harte.
    Ich bin mit dem BVerfG nicht immer einverstanden, aber das Prüfungsschema für Grundrechtseingriffe fand ich immer massiv überzeugend und schön prägnant: geeignet, erforderlich, verhältnismäßig.

  9. […] hatte vor einer Weile schon mal nebenbei was dazu geschrieben, und es gehört zu den Regeln unserer Gesellschaft, die […]

  10. Triffels sagt:

    @muriel: Abschreckung durch Strafe funktioniert ja nicht nur, indem man

    einem Menschen Leid zuzufügen, um einen anderen damit zu beeinflussen.

    Man droht doch dem potentiell illegal Handelnden mit Konsequenzen bei Ausführen der Tat.

  11. Muriel sagt:

    @Triffels: Deshalb habe ich ja auch geschrieben

    Aber so ganz abwegig finde ich die Idee der Abschreckung auch nicht, vernünftig umgesetzt. Dafür müsste aber nicht nur die Wirksamkeit dieser Maßnahme belegt werden, sondern auch, dass sie besser wirkt als andere, weniger harte.

  12. Triffels sagt:

    Eine Strafe für den Täter steigert das Wohlbefinden des Opfers doch nur dann, wenn es glaubt, dass Strafe eine gute und gerechte Sache ist.

    Nicht nur. Ich versuche mal, das an einem Beispiel zu erklären. Wenn ich belästigt werde, fühle ich mich schmuzig/entwürdigt. (Das mag lächerlich scheinen, ist aber so). Der einzige Weg, diesen Selbstekel/-hass loszuwerden ist, die Kontrolle zurückzugewinnen und wieder handelndes Subjekt zu sein. Dafür muss man die Situation umkehren (im konkreten Fall: Ich pöbel zurück).
    Bezogen auf das eigendliche Thema bedeutet das: Strafe, damit sich das Opfer vom Geschehenen erholen kann.
    (OK, das war keine rhetorische Glanzleistung. Ich hoffe ich bin trotzdem verständlich.)

  13. Muriel sagt:

    @Triffels: Und du findest in dem Moment nicht gut und gerecht, was du tust?
    Darüber hinaus hielte ich es für diskutabel, ob es sich tatsächlich um eine Strafe handelt. Aber mein Hauptansatzpunkt wäre immer noch, dass mir schwer vorstellbar ist, dass ein Mensch sich besser fühlt, weil es einem anderen schlechter geht, ohne das gut zu finden. Heißt aber natürlich nicht, dass es das nicht geben kann, das will ich wohl zugestehen.

  14. Triffels sagt:

    [Mir ist schwer vorstellbar], dass ein Mensch sich besser fühlt, weil es einem anderen schlechter geht, ohne das gut zu finden.

    Es geht nicht darum, andere schlecht zu machen. Es geht darum, die Kontrolle zurückzugewinnen. Das Schlechtmachen ist dabei nur Mittel.

    Darüber hinaus hielte ich es für diskutabel, ob es sich tatsächlich um eine Strafe handelt.

    Was ist „es“?

  15. Muriel sagt:

    @Triffels:

    Das Schlechtmachen ist dabei nur Mittel.

    Habe ich auch so verstanden.

    Was ist “es”?

    Das Umkehren der Situation, das du oben beschreibst.

  16. Triffels sagt:

    @muriel:

    Darüber hinaus hielte ich es für diskutabel, ob es sich tatsächlich um eine Strafe handelt.

    Ich habe ja auch ein harmloses, alltägliches Beispiel genommen.

    Aber mein Hauptansatzpunkt wäre immer noch, dass mir schwer vorstellbar ist, dass ein Mensch sich besser fühlt, weil es einem anderen schlechter geht, ohne das gut zu finden.

    Man muss es gut finden oder man zerbricht an der Situation.

  17. Muriel sagt:

    @Triffels:

    Ich habe ja auch ein harmloses, alltägliches Beispiel genommen.

    Es ging mir nicht um das Maß, sondern um die Intention.

    Man muss es gut finden oder man zerbricht an der Situation.

    Verstehe ich nicht.

  18. Triffels sagt:

    @muriel: Ich versuch’s einfach mal zu erklären. Wenn jemand z. B. gemobbt wird, fühlt er sich (meistens)* schlecht. Dann gibt es zwei Möglichkeiten.
    1) Er lässt es über sich ergehen. Er wird noch lange darunter leiden, vieleicht nimmt er sich auch das Leben.
    2) Er schafft es 1. zu entkommen, indem er sich rächt. Das kann auf normalem (Anzeige) oder radikalem Weg (Amok) erfolgen. Wenn er sich jetzt Selbstvorwürfe macht, landet er wieder bei 2. Das versucht jeder zu vermeiden.
    ..Womit wir nun entgültig vom Thema abgekommen sind. ‚Tschuldigung.

    *Außnamen bestätigen die Regel.

    Es ging mir um die Intention.

    Wir drehen uns im Kreis. Strafe ist nur das Mittel, das hatte ich doch geschrieben.

  19. Muriel sagt:

    @Triffels: Du glaubst, es gibt nur diese zwei Möglichkeiten?
    Oder hast du jetzt nur zwei von den vielen aufgezählt, die es gibt?

  20. Triffels sagt:

    @muriel: In der Praxis scheint es auf diese beiden hinauszulaufen. Oder, zugegebenermaßen, die Opfer schaffen es, mit dem Geschehenen zurechtzukommen. Aber auch das ist eher selten. Wenn Du das anders siehst, nenn mir Beispiele.

  21. Muriel sagt:

    @Triffels:

    In der Praxis scheint es auf diese beiden hinauszulaufen.

    Kannst du das irgendwie belegen?

  22. Triffels sagt:

    @muriel: Nein. Außer meiner eigenen Erfahrungen kann ich nur auf die vielen Berichte im Netz verweisen.

  23. […] gut. Ob die Strafe nun Sinn ergibt, darüber kann man streiten. Kann man bei Strafen generell, denke ich. Aber der Grundregel, dass wir von anderen Mitgliedern unserer Gemeinschaft erwarten, einander zu […]

  24. […] wurden, nicht nur rehabilitiert gehören, sondern auch entschädigt, und darüberhinaus sollte man vorbehaltlich der grundsätzlichen Sinnhaftigkeit von Strafen auch über Konsequenzen für die Täter nachdenken, und wenn man dabei halt zu dem Ergebnis käme, […]

  25. […] umgehen, und was gute Regeln dafür sind. Ein paar davon sind kodifiziert und sogar strafbewehrt. Man kann drüber streiten, wie sinnvoll man das findet, aber auch das ist jedenfalls wieder so. Und ja, ein paar Regeln sind ziemlich weit verbreitet und […]

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