Fremde in einem fremden Land

Ich weiß ja nicht, wie ihr das so findet, dass ich hier hin und wieder mal Fragmente von Geschichten veröffentliche, die nicht geworden sind, aber ich finde es eigentlich ganz gut, und dies scheint ohnehin die Zeit der außerordentlich mäßigen Artikel bei überschaubare Relevanz zu sein, da passt dieser hier sehr gut dazwischen.

In diesem Fall kann man eigentlich gar nicht mehr von einem Fragment einer alten Geschichte sprechen. Ich dachte nämlich kürzlich mal an meinen Anfang zu „Fremde in einem fremden Land“ und dachte dabei: Hey, das war doch eigentlich ganz cool, vielleicht kann ich das mal im Blog veröffentlichen. Und dann las ich es und dachte: Hey, das ist extrem peinlich, das kann ich auf gar keinen Fall jemandem zeigen. Ich überarbeitete es also und merkte: Hey, das ist völlig verwirrend und kaum verständlich, so ganz ohne Kontext. Ich zeig’s euch trotzdem, weil ich denke, hey, immerhin war die Arbeit dann nicht völlig umsonst, und wer weiß, vielleicht ist ja der eine oder andere merkwürdige Mensch unter meinen Lesern, der gerne mal was schwer Verständliches ohne Kontext liest.

Wäre doch nachgerade verblüffend, wenn nicht.

Fremde in einem fremden Land

Es war das Ende der Abenddämmerung; diese Phase, in der man gerade noch schlecht genug sehen kann, um sich einzureden, dass man noch gut genug sehen kann, um keine Lampe zu brauchen, und dann fürchterlich auf die Nase zu fallen.

Ich konnte die Kiefern um uns herum noch sehen, und oben schien durch die Wipfel hier und da ein bisschen sanft glühender Himmel.

Der Waldboden war an dieser Stelle überraschend weich, und hätte ich nicht gewusst, dass wir zu dieser Zeit buchstäblich die meistgesuchten Personen der ganzen Welt waren, hätte ich es richtig genießen können, mich hier einfach nur ein bisschen auszuruhen, unter den Bäumen, und durch die nadeligen Äste über uns die ersten Sterne sich aus dem schwindenden Licht enthüllen zu sehen.

Nele von Rhuk saß mir stumm gegenüber und wandte mir den Rücken zu, die Arme um ihre Knie geschlungen und ihr Gesicht zwischen den Knien vergraben. Ihre Schultern bebten. Es war unverkennbar, dass sie weinte, aber sogar wenn ich den leisesten Wunsch verspürt hätte, sie zu trösten, hätte sie es ohnehin nicht gewollt.

Sie hatte mir befohlen, sie in Ruhe zu lassen, bis sie sich wieder gefangen hatte.

Es war beinahe lustig, dass sie mir immer noch Befehle gab. Vielleicht würde ich ihr das irgendwann abgewöhnen, aber erst einmal hatte ich dringendere Sorgen als ihre Umgangsformen.

Ich konnte sie natürlich auch einfach hier zurücklassen. Jetzt gerade schien das eine sehr gute Idee, denn sie war ein Hindernis, ein Klotz am Bein, launisch, kindisch, verzogen, und wenn ich mich nicht sehr irrte, dann war sie auch jetzt immer noch gefährlich. Nach … der Veränderung.

„Was ist in diesem verdammten Tempel geschehen?“

Es dauerte lange, bis sie antwortete: „Der Fürstdekan ist gestorben.“

Die Worte waren undeutlich in ihrer tränenerstickten Stimme, und gedämpft von der Kutte vor ihrem Gesicht, aber ich war mir dennoch sicher, dass ich mich nicht verhört hatte.

„Was?“ Man lernt das an der Akademie, wenn man zum Stabsoffizier ausgebildet wird. Nicht, dass Sie glauben, diese unfassbar treffsichere Schlagfertigkeit sei angeboren.

„Aykyriél. Vater…“ Neles Stimme brach.

„Ich dachte, er wäre eine Art Gott oder sowas.“

Sie schluchzte, und zog Rotz durch ihre Nase hoch. „Es ist nicht geschehen“, presste sie schließlich mit bebender Stimme hervor. „Er… eine Wiederkehr des Aykyriél hätte eure erbärmliche Realität zerschmettert. Er hat sich aus diesem Zweig zurückgezogen, er…“ Sie verstummte, und für lange Zeit hörte ich wieder nichts mehr von ihr als Schluchzen, Wimmern und Rotz. Schließlich sagte sie: „Du würdest es ohnehin nicht verstehen.“

„Wenn er gar nicht tot ist, warum trauerst du dann um ihn?“

„Schweig, Sterblicher.“

Es war nur ein paar Stunden her, dass mein Herz einen Schlag aussetzte, wenn sie das sagte. Jetzt brachte es nur ein belustigtes Schnauben hervor.

„Wie ertragt ihr euer Leben?“ fragte sie. „Wie ertragt ihr … diese Begrenztheit? Diese Leere?“

Ich lachte, und diesmal fand ich es sogar wirklich lustig.

„Du bist auf Entzug, Nele.“

„Was?“

„Sie haben dir deine Droge weggenommen, jetzt kommt dir die Realität furchtbar kalt und hart und eng vor. Keine Sorge. Das gibt sich.“

„Das ist etwas völlig anderes!“ rief sie, und klang dabei wie eine Fünfjährige.

Sie drehte sich um und ihre Augen blitzten wütend im Halbdunkel des Waldes. Neles Haut war sehr, sehr glatt und sehr straff. Ihr Gesicht hatte dadurch fast etwas Künstliches an sich. Nicht die kleinste Unregelmäßigkeit war zu sehen, keine Pore, keine Narben, keine Fältchen. Der betäubte, ziellose Blick ihrer violetten Augen ließ sie noch mehr wie eine exotische Schaufensterpuppe aussehen.

Es ist so leicht zu vergessen, wie alt sie ist.

„Das ist etwas völlig anderes!“ zischte sie, so aufgebracht, dass sie richtig außer Atem war.

Ich zuckte die Schultern.

„Gut“, sagte ich, „Dann ist es was anderes. Aber sei bitte leise, wir wissen nicht, wer sich hier herumtreibt.“

Sie blinzelte, für einen Moment verwirrt, bis sie sich erinnerte, dass sich alles verändert hatte. Dass wir Flüchtlinge waren.

„Du hast den Respekt vor mir verloren“, sagte sie, und ich musste wieder lachen.

„Ich habe dich nie respektiert, Nele. Ich habe dich gefürchtet.“ Und ein bisschen tat ich das immer noch.

Was war sie jetzt? Sie sah noch immer nicht besonders menschlich aus, aber sie war offensichtlich tief gefallen. War sie wirklich noch gefährlich? Oder war sie nur noch ein verzogenes Mädchen mit einem unmenschlich vollkommenen Körper, das zugesehen hatte, wie Imperien entstanden und vergingen, und dass keine Ahnung hatte, welches Ende eines Gewehrs das Gefährliche war?

Welche Alternative wäre mir lieber?

„Ich verstehe nicht, warum er mich nicht mitgenommen hat“, sagte sie, und ihre Unterlippe begann wieder zu zittern. „Die anderen sind doch auch alle weg!“ Ihre Stimme war ein weinerliches Jaulen.

Ich sagte ihr nicht, dass die anderen womöglich deshalb weg waren, weil die Rebellen sie in Stücke gerissen und ihre makellosen, unmenschlich schönen Köpfe auf Pfählen ausgestellt hatten, genau wie sie es auch mit uns gemacht hätten, wenn wir nicht entkommen wären.

Ergab es überhaupt noch Sinn, sie als Rebellen zu bezeichnen, jetzt, da sie gewonnen hatten?

„Warum hast du mich mitgenommen?“ fragte sie schniefend.

„Hab ich mich auch schon gefragt“, antwortete ich. „Ich schätze, Loyalität wird schnell zur Gewohnheit.“

Ich öffnete den Mund, um außerdem das Stockholm-Syndrom zu erwähnen, aber dann wurde mir klar, dass das bedeuten würde, dass ich mit ihr sympathisierte. Vielleicht tat ich das sogar auf eine sehr, sehr gestörte Art, aber den Teufel würde ich tun, es auszusprechen.

„Außerdem haben wir ein gemeinsames Interesse. Wir wollen nicht den Rebellen in die Hände fallen. Und ich wusste ja nicht, dass du jetzt nutzlos bist.“

Wusste ich eigentlich immer noch nicht, aber ich hoffte zumindest, durch die Provokation etwas zu lernen. Sie überhörte sie einfach. Sie schien gar nichts von dem gehört zu haben, was ich gesagt hatte.

„Warum hast du mich nicht einfach zurückgelassen?“ wimmerte sie.

„Du wärst dann jetzt tot!“

„Eben…“

Ich dachte ernsthaft darüber nach, aufzustehen und zu gehen.

„Du bist vierzehn Jahre alt, und dein Freund hat dich verlassen, ja? Die Welt ist grausam, und niemand versteht, wie du leidest. Soll es das jetzt sein? Die letzte Wissende von Rhuk, Emo-Teenager?“

„Ist mir egal.“

Natürlich. Ich stöhnte.

„Was ist aus- Verdammt.“

Ich sprang auf, hob das Plasmagewehr und wirbelte herum, auf der Suche nach dem Verursacher des Geräuschs.

Ich sah nur schemenhafte Bäume und Büsche, keine Bewegung. Aber ich hörte noch einmal ein leises Knacken, ohne entscheiden zu können, aus welcher Richtung es kam.

„Nele“ zischte ich, „hast du das gehört?“

Ich wusste zwar nicht, wie sie uns hier gefunden haben sollten, aber andererseits hatten wir keine Zeit gehabt unsere Spuren zu verwischen. Vielleicht hatten sie sogar Hunde, und Infrarotsichtgeräte.

Sie blickte aus verheulten violetten Augen zu mir auf, der perfekte Mund in ihrem perfekten Gesicht halb offen.

„Nele, wenn du noch ein kleines bisschen Macht hast, wenn du irgendwas tun kannst, oder wenn du einfach nur in der Lage bist, dich so weit zusammenzureißen, dass du vielleicht ein winziges Stück nützlicher bis als eine Reißzwecke im Schuh, dann wäre jetzt ein günstiger Zeitpunkt.“

Sie gaffte mich weiter an, als hätte ich angefangen, La Donna è Mobile zu singen.

„Geh zur Hölle“, murmelte ich, warf mich zu Boden und glitt in Richtung des nächsten Baumes. Vielleicht würde sie die Rebellen zumindest ablenken, bis ich entkommen war.

Ich war angenehm überrascht, wie gut ich noch gleiten konnte, mit dem Gewehr in den Händen, bis ich jemanden aus höchstens fünf Meter Entfernung rufen hörte:

„Stop! Keine Bewegung! Waffe weg!“

Ich blickte in die Richtung, aus der der Ruf kam, und sah in die Mündung eines Gewehrs. Hinter mir hörte ich jetzt lauteres Knacken und Rascheln, als die anderen näherkamen, jetzt ohne Grund, leise zu sein.

Ich hörte das Klappern und Knacken und Rascheln von Ausrüstungsgegenständen,und die Welt explodierte im Strahl einer sehr, sehr hellen Taschenlampe.

Verdammt.

Ich dachte kurz darüber nach, mich zu Nele umzudrehen und sie zu erschießen, entschied mich aber dagegen. Ich hätte so zwar mein eigenes Ende kurz und schmerzlos machen können, aber nur um den Preis, das gleiche für sie zu tun.

Ich ließ also meinen Kopf auf den grasbedeckten Boden sinken und schob mein Plasmagewehr von mir weg.

Ich schätze, ich war trotz allem immer noch ein Optimist.

„Clayman“, sagte eine tiefe Stimme hinter mir, „guck dir das an. Ich glaub … Ich glaub, das ist sie.“

„Wer?“ fragte eine andere, höhere Stimme.

„Du weißt schon. Die Wissende. Die … letzte.“

Jemand lachte. „Fick dich, Walt, nicht jede dumme Schlampe in einer Kutte ist eine Wissende.“

„Wie dumm muss eine Schlampe sein, um jetzt in einer solchen Kutte rumzulaufen?“ fragte noch eine andere, weibliche Stimme. „Und wie viele Frauen kennst du, die solche Haare haben? Und guck dir ihr Gesicht an…“

Ich hörte ein paar langsame Schritte, als alle Rebellen sich halb unwillkürlich ein wenig von Nele entfernten.

„Soll ich sie…?“ fragte der Kerl mit der tiefen Stimme.

„Nein. Wir nehmen sie lebend mit. Sie kann nichts tun. Hast du mitgekriegt, was sie mit den anderen gemacht haben? Die sind wehrlos, ohne den Fürstdekan.“

„Was glaubst du, wer der da ist?“

„General Thang!“ rief der Typ, der vorhin gelacht hatte. „Das wär was, oder? Wenn wir sie gleich beide erwischt hätten?“

Die Frau sagte: „Lasst es gut sein. Wir kriegen sowieso unseren Eintrag in die Geschichtsbücher. Den Schlächter von Dagova kann jemand anders fangen.“

„Wir haben hier auch so schon genug Arschlöcher zusammen, oder?“

Jetzt hätte ich beinahe gelacht.

Jemand ließ sich schwer mit dem Knie voran auf meinen Rücken fallen. Ich keuchte und hustete, während er mir unsanft die Arme auf den Rücken drehte und sie mit einem scharfkantigen Kunststoffband sehr eng fesselte. Während er meinen Fußknöcheln dieselbe schmerzhafte Behandlung angedeien ließ, sagte die Frauenstimme: „Würdest du sie dann jetzt bitte auch fesseln, Walt, oder sind die Vibrationen heute ungünstig für dich?“

„Ich… Ich weiß nicht, Clayman. Können wir nicht … Wir können doch sagen, sie hat Widerstand geleistet, oder?“

Clayman stöhnte. „Sie sind hilflos, Walt. Du hast Angst vor einem kleinen Mädchen.“

Wer auch immer auf meinem Rücken gekniet hatte, stand wieder auf.

„Ich weiß nicht“, sagte der Komiker. „Silver ist an den Pfählen vorbeigegangen, und er schwört, dass Dana sich bewegt hat.“

„Sag nicht ihren Namen!“ zischte Walt.

„Großartig, Hoffer, mach diesen Hasenfüßen noch ein bisschen Angst mit deinen Gespenstergeschichten. Erzähl bloß nicht die Story vom Candyman, sonst können sie heute Nacht gar nicht mehr einschlafen. Fessel sie, Walt.“

„Walt, verdammt noch mal!“

„Hier guck“, sagte Hoffer, und ich hörte wieder Schritte hinter mir. „Ich zeig’s dir.“

Ein dumpfer Schlag, wie von einem Gewehrkolben, und ein Aufheulen von Nele, das viel mehr nach Überraschung und Entrüstung klang als nach Schmerz.

„Siehst du. Ein kleines Mädchen, nichts anderes drin als bei uns, und wenn man sie aufmacht, kommt es raus.“

„Ihr hättet … einen Gott haben können“, wimmerte Nele, „Aykyriél. Warum habt ihr …?“

„Scheiße“, stieß Walt hervor, „Was ist das denn?“

„Wieso, was -? Dreck!“

Ich versuchte, mich umzudrehen, aber meine Fesseln machten die Übung schwieriger, als ich erwartet hatte, und beim zweiten Versuch stellte jemand einen Fuß zwischen meine Schultern.

„Walt, nimm sofort das …“ rief Clayman, aber der Rest ihrer Worte ging im Brüllen eines Maschinengewehrs unter.

Der Fuß verschwand von meinem Rücken, als sein Besitzer zurück taumelte. Der Krach hatte fast eine Sekunde gedauert. Hatte dieser Idiot sein ganzes Magazin entleert?

Für eine Zeit, die sich sehr lang anfühlte, herrschte Stille.

„Hoffer, nimm Walt die Waffe weg, und die Pistole auch. Und dann tritt ihm in die Eier, aber kräftig.“

„Habt ihr das nicht gesehen?“ fragte Walt. „Habt ihr nicht gesehen, wie sie-“

„Halt’s Maul“, sagte Clayman, ganz ruhig, und nicht mal besonders unfreundlich. „Dämlicher Idiot“, murmelte sie danach noch leise, und das klang schon viel unfreundlicher.“

„Können sie jetzt überhaupt noch erkennen, ob sie’s wirklich ist?“ sagte der Kerl, der auf meinem Rücken gestanden hatte. Es war das erste Mal, dass er überhaupt sprach.

„Keine Sorge“, antwortete Clayman, „das kriegen die schon raus.“

„Aber der Transport wird so natürlich eine ziemliche …“ Hoffer unterbrach sich.

„Was?“ fragte Walt, aufsteigende Panik sogar in diesem einen Wort nicht zu überhören.

„Nichts. Ich dachte … Ist egal. Ich nehm die Kleine. Wer den alten Sack schleppt, könnt ihr ausknobeln.“

„Walt“, sagte Clayman, bevor die letzte Silbe ganz verklungen war. „Und Burton, du gehst mit Hoffer.“

Hoffer lachte. „Ich glaube, sie ist tot, Boss.“

„Genau deshalb will ich dich nicht mit ihr alleine lassen.“

Jetzt lachten alle. „Miststück“, murmelte Hoffer, und ich hörte, wie er ächzend in die Knie ging, sich Neles Körper auflud und sich wieder erhob. Schritte durch den Wald, die sich entfernten.

„So“, sagte Clayman. „Und was bist du für einer, hm? Deserteuer?“ Sie zupfte am Ärmel meiner Uniform, die ich einem toten Kameraden von ihr gestohlen hatte. „Freiwillig, oder hat sie dich bedroht?“

„Sie sah nicht besonders bedrohlich aus, oder?“ antwortete ich.

„Fuck“, murmelte Walt. „Fuck fuck fuck.“

„Noch ein Wort von dir“, sagte Clayman, „Und du läufst hinter dem Wagen her bis zur Basis, klar? Und du, sag das noch mal. Oder noch besser, sag: ‚Wir werden bis Sonnenuntergang Ihre bedingungslose Kapitulation entgegen nehmen, oder Dagova dem Erdboden gleich machen. Ihre Entscheidung.‘“

„Leck mich“, sagte ich.

„Hm. Ich glaube, wir haben hier einen wirklich großen Fang. Hätte ja nicht gedacht, dass du jetzt immer noch den Wissenden nachläufst. Sag nicht, dass du wirklich auf ihrer Seite bist. Hast du gesehen, was sie in der Stadt angerichtet haben? Hast du gesehen, was sie mit unseren Kindern gemacht haben?“

„Ja“, sagte ich, „das habe ich gesehen. Ich habe in Dagova zugesehen, und ich weiß, dass alles wahr ist. Auch die Geschichten, die du für übertrieben und für erfunden hältst, sind wahr. Und genau deshalb habe ich sie mitgenommen, Clayman. Weil sie ein Monster ist, und weil wir Monster in Zeiten wie diesen zusammenhalten müssen.“

„Kinder haben Angst vor Monstern.“

Ich lachte. „Steckt nicht in jedem von uns noch ein bisschen Kind?“

„Dein Monster ist tot, Thang.“

Aus der Entfernung hörte ich Schüsse, und – war das ein Schrei? Schon wieder gelang es mir nicht, Richtung und Abstand einzuschätzen. Die Echos von den Bergen waren tückisch.

„Natürlich ist es das“, sagte ich. „Sogar schon sehr, sehr lange.“

Wir würden ihre Haare abschneiden müssen, wenn wir untertauchen wollten. Ich fragte mich, ob das überhaupt möglich war.

[Die routinierten Leser wundern sich vielleicht, falls sie es bis hierher geschafft haben. Nein, das ist Absicht, es gibt keine Lesergruppenfragen. Wenn ihr wollt, macht ihr mir natürlich mit jedem Kommentar eine Freude. Naja, mit fast jedem. Aber wir können das Ganze hier auch gerne einfach nie mehr erwähnen und so tun, als hätte es dieses Fragment nie gegeben.]

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6 Responses to Fremde in einem fremden Land

  1. Guinan sagt:

    Du bist zu streng mit dir.

  2. Muriel sagt:

    @Guinan: Es ist lieb, dass du das sagst.

  3. robinhosa sagt:

    Ich find’s gut, klar fehlt der Kontext, aber der Teil ist so für sich trotzdem verständlich, gibt genügend Andeutungen, um sich so viel Kontext zusammenreimen zu können, dass es Sinn macht (oder ich habe nur eine lebhafte Phantasie).

  4. Muriel sagt:

    @robinhosa: Fein, das freut mich. Für mich ist es im Vorhinein immer schwer einzuschätzen. Ich habe ja naturgemäß selbst schon eine Vorstellung im Kopf, wie das alles sein soll, aber die überträgt sich nicht immer ohne Weiteres auf den Leser…

  5. Alexa sagt:

    Irgendwie fand ich es fesselnd. Habe angefangen es zu lesen und auf einmal war’s schon fertig. Also Fragment hin oder her, ich mochte es 🙂

  6. Muriel sagt:

    @Alexa: Besten Dank! Das hör ich natürlich gerne, insbesondere weil es sich für Uneingeweihte gewiss sehr kryptisch liest. Ich kann das kaum beurteilen, denn ich kenne ja immerhin die Vorgeschichte.

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