an Größenwahn grenzende Arroganz

Ich habe zum Beispiel über den Game One Newspodcast davon erfahren: Apple hat die Preise für seine Apps erhöht, ohne mit den Leuten drüber zu reden, die diese Apps erstellen und mit Inhalten versorgen. Das ist einigermaßen dreist von Apple. Das ist schlechter Stil. Gar keine Frage. Es fällt mir besonders leicht, das zuzugeben, weil ich Apple nicht besonders mag, und weil dieses Nichtbesondersmögen sich durch den unsäglichen Hype um jedes neue leicht angepasste Produkt aus diesem Haus inzwischen in eine solide Antipathie entwickelt hat.

Dennoch gelingt es dem Spiegel (full disclosure: den ich noch weniger leiden kann) mühelos, die von Apple bereits ambitioniert angelegte Messlatte an Dreistigkeit und schlechtem Stil zu übertreffen. Was hält der Spiegel denn von Apples Preiserhöhung?

 Wir halten das für einen skandalösen Vorgang von grundsätzlicher Bedeutung.

Ahja. Fällt jemandem ein Beispiel für einen Artikel ein, der einen Vorgang als „skandalös“ bezeichnet und trotzdem noch lesenswert ist? Es gibt bestimmt welche. Ich weiß nur gerade keins. Um diese Einschätzung zu untermauern, legt das Sturmgeschütz der Demokratie (Na, kommt schon. Ihr habt nicht ernsthaft damit gerechnet, dass ich den ersten Spiegel-Post im Internet schreibe, in dem dieser Begriff nicht vorkommt, oder? So avantgardistisch bin ich dann auch wieder nicht.) mit einem Vergleich nach, der natürlich, wie sich das für ein seriöses, nur der Wahrheit und der Aufklärung verpflichtetes Medienunternehmen gehört, penibelst die realen Umstände abbildet und sich darauf beschränkt, sie ohne jede Verzerrung zu veranschaulichen:

Nehmen wir an, Sie, lieber Leser, verkaufen auf einem Dorfplatz Obst. Wie würden Sie reagieren, wenn eines Nachts der Marktbetreiber kurzerhand all Ihre Preisschilder ummalte? Hier werden aus 79 Cent vielleicht 89. Da aus 3,99 Euro 4,49. Alles jedenfalls wird teurer. Erklärungen gibt es keine. Stattdessen hält der Typ am nächsten Morgen die Hand auf: „Ich krieg‘ davon übrigens noch 30 Prozent.“

Und genau wie „auf einem Dorfplatz“ läuft es ja gewiss auch, wenn man als riesiger Verlagskonzern im Applestore eine App anbietet. Man steht da halt in seinem handgezimmerten Stand mit dem Tapeziertisch von Opa, kaut auf einem Strohhalm herum und wartet, malt liebevoll gestaltete Preisschilder, kassiert das Geld vom Kunden, und ist dann völlig verblüfft, wenn ohne Vorwarnung so ein „Typ“ vor einem steht und einem sagt, dass er eine Umsatzbeteiligung zu kriegen hat.

Ich persönlich hätte ja eher gedacht, dass der Store von Apple betrieben wird, und die Abwicklung der Zahlungen auch Apple organisiert, dass am Ende nur die Verlage ihren Anteil vom Umsatz bekommen. Ich wäre auch davon ausgegangen, dass dieser Anteil, und überhaupt das ganze Procedere, vorher haarklein in professionell abgefassten Verträgen festgehalten wird, den die Anwälte beider Seiten gründlich geprüft haben. Aber offenbar ist die Welt der Medien-Apps eine viel idyllischere, als ich bisher angenommen habe. Eben weil ich diesem peinlichen Irrtum aufgesessen bin, hätte ich bis gerade eben wahrscheinlich auch gesagt:

Was regt ihr euch auf, ihr nörgeligen Totholz-Medien? Apple gehört eben der Laden. Und wer dort seine Produkte verkaufen möchte, muss eben auch das Recht des Hausherrn akzeptieren, dass der die Preise festlegt.

Aber jetzt weiß ich es ja besser. Und für die anderen hat der Spiegel ein Gegenargument am Start, dem sich nun wirklich niemand verschließen kann:

Aber warum eigentlich? Was geht es Apple an, wieviel der SPIEGEL von seinen Lesern für die Lektüre seiner Inhalte verlangt? Wer gibt der Firma das Recht, den Preis zu bestimmen?

Und jetzt höre ich mal auf damit, so zu tun, als wäre ich auf Seiten des Spiegels und vollziehe einen rasanten Wechsel im Tonfall, einfach weil ich nicht mehr kann: Ich wüsste gerne, ob die Spiegel-Redaktion wirklich so unfassbar selbstgerecht ist, und ob sie diese unerschütterliche Überzeugung von der eigenen Sonderrolle und der eigenen tragenden Bedeutung für den Fortbestand der Welt, wie wir sie kennen, ehrlich empfindet, oder ob es sich hier nur um einen Versuch handelt, die Leser zu verschaukeln.

Warum eigentlich? Wer gibt der Firma das Recht? Spiegel, geht’s noch? Weil ihr das so mit denen vereinbart habt! Der Vertrag, den ihr unterschrieben habt, gibt der Firma das Recht. Ihr erwartet doch nicht im Ernst, dass wir euch abkaufen, ihr wüsstet das nicht?

Natürlich nicht. Denn darum geht es euch nicht. Ihr wisst ganz genau, was in eurem Vertrag steht, und ihr wisst auch ganz genau, dass ihr den nicht kündigen werdet, weil ihr glaubt, auf Apple angewiesen zu sein. Euch geht es um was ganz anderes, und für die, die es nicht schon von Weitem kommen gesehen haben, geht die alte Leier dann schließlich auch explizit wieder los:

Medienhäuser produzieren nun mal keine Schrauben oder Angry-Birds-Fortsetzungen. Sie liefern Informationen, Zusammenhänge, Nachrichten.

Genau. Klar, ihr seht generell schon ein, dass jeder in seinem eigenen Laden entscheiden darf, welche Preise er für den Kram nimmt, den er verkauft. Ihr seht schon ein, dass Verträge generell bindend sein sollen, und dass man nun mal das Hausrecht anderer achten muss. Generell hier im Sinne von: für alle anderen. Nicht für euch. Ihr seid viel zu wichtig und eure Produkte viel zu kostbar, als dass ihr euch um solchen lästigen Kleinkram kümmern müsstet:

Sie sind ein relevanter Baustein jeder funktionierenden Demokratie.

Genau. Und was wäre denn das schon für eine funktionierende Demokratie, in der Medienhäuser sich an dieselben Regeln halten müssen wir alle anderen? Schließlich ist

ihr Grundkapital […] ihre Glaubwürdigkeit, die sich wiederum aus Unabhängigkeit speist. Auch der ökonomischen.

Genau. Auch der ökonomischen! Die ökonomische Unabhängigkeit ist ganz wichtig. Deshalb sind die Medienhäuser Deutschlands auch gerade nachdrücklich dabei, sich ökonomisch unabhängiger zu machen, indem sie sich durch das geplante Leistungsschutzrecht in eine Abhängigkeit von der Umverteilungsmaschinerie des Staates begeben. Ähm. Ach naja, wer wird da so kleinlich sein? Ökonomische Unabhängigkeit ist natürlich wichtig, aber was kann schon schief gehen, wenn die gesamte Medienlandschaft sich vom Staat abhängig macht? Was sollte der schon tun, um diese Abhängigkeit zu missbrauchen? Eben.

Wie? Was Unabhängigkeit jetzt damit zu tun hat, dass Apple nicht selbst entscheiden darf, zu welchem Preis sie ihre Apps verkaufen? Ja, dazu kommt der Spiegel jetzt. „Unabhängigkeit“ ist hier nämlich nicht im Sinne von „Unabhängigkeit“ gemeint, sondern im Sinne von „anderen vorschreiben dürfen, was sie zu tun haben“, oder wie der Spiegel es formuliert:

Auch der ökonomischen, den eigenen Preis in der gewünschten Höhe festzulegen – und nicht in von Apple vorgegebenen Schritten.

Als wäre der Spiegel irgendwie verpflichtet, sich von Apple vorgeben zu lassen, in welchen Schritten er seinen Preis festlegt. Ist er nämlich nicht. Es steht dem Spiegel völlig frei, seinen Preis festzulegen, wie immer er das gerne möchte. Das bezweifelt niemand. Auch der Spiegel weiß das eigentlich. Aber es gefällt dem Spiegel nicht, dass er mit den Konsequenzen leben muss, namentlich, dass dann manche Leute einfach keine Lust mehr haben, zu diesen Preisen Geschäfte mit ihm zu machen. Apple zum Beispiel.

 Der Fall zeigt noch einmal anschaulich, wie die dominierenden Anbieter im Onlinegeschäft heute ihre Marktmacht durchsetzen

Und das ist für den Spiegel natürlich nicht hinnehmbar. Wie kann es jemand wagen, die eigene Marktmacht gegen die Unabhängigkeit des Spiegels durchzusetzen, wo doch der Spiegel so gerne seine Macht gegen die Unabhängigkeit anderer durchsetzen würde? Frechheit.

Wie Apple, Google oder Facebook inzwischen mit einer an Größenwahn grenzenden Arroganz versuchen, die Rahmenbedingungen im Mediengeschäft zu bestimmen

ist dem Spiegel ein sehr schmerzhafter Dorn im Auge, weil es ihn davon abhält, mit einer an Größenwahn grenzenden Arroganz selbst die Rahmenbedingungen im Mediengeschäft zu bestimmen. Unverschämtheit!

Der Konflikt spitzte sich in jüngster Zeit zu: Weil Google etwa aktuell in Frankreich fürchten muss, dass es für die Anzeige von Nachrichten-Snippets Gebühren zahlen soll, droht es kurzerhand damit, man könne französische Medien ja auch einfach abknipsen.

Und das ist doch nun wirklich nicht zu fassen, oder? Bloß weil die Verlagshäuser in Ausübung ihrer ökonomischen Unabhängigkeit Google mithilfe der Staatsmacht zwingen wollen, etwas dafür zu bezahlen, wenn Google ihnen Kunden zuleitet, erdreistet Google sich, ihnen zu drohen, damit aufzuhören. Das wäre ja noch schöner, wenn Leute einfach aufhören dürften, eine Leistung für mich zu erbringen, bloß weil ich Geld dafür von ihnen verlange!

Und bevor ihr jetzt lacht und euch freut, dass nur die nörgeligen Totholz-Medien der Hybris von Google und Apple zum Opfer fallen: Es steht wie immer die Zukunft unserer ganzen Zivilisation auf dem Spiel, denn

Opfer sind nicht nur die Verlage. Opfer sind vor allem die Leser. Opfer ist jene Gesellschaft, auf deren Freiheit sich die Konzerne so gern berufen.

Und natürlich die Kinder. Und die Katzenbabys. Für jede nicht mit dem Spiegel abgesprochene Preiserhöhung im Apple-Store muss nämlich irgendwo ein niedliches kleines Katzenbaby sterben. Und das können wir doch nun wirklich nicht zulassen, oder?

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33 Responses to an Größenwahn grenzende Arroganz

  1. Thomas sagt:

    Schöne Antwort. Ich hätte mich vorhin fast bei spon angemeldet, nur um diesen Artikel zu kommentieren. Ich wollte ein Zitat aus dem Artikel nehmen und es „leicht“ verändern:

    „Aber der Glaube an die Kraft des Marktes ist hier doch arg naiv: Aus dem Quartett der dominierenden Vier – BILD, Spiegel, Welt, FAZ – ist ein quasi allmächtiges Oligopol geworden. Was ihnen nicht gefällt, sortieren sie aus. Sie sind Zensoren aus eigener Kraft.“

  2. Muriel sagt:

    @Thomas: Danke.
    Das ist in der Tat eine schöne Stelle. Nicht nur ist der namenlose Verfasser des Artikels da in die bei den Trollen dieser Welt beliebte Falle gelaufen, das Nichtveröffentlichen eines Inhalts auf einer privaten Plattform als Zensur zu bezeichnen, sondern er hat seiner Beurteilung auch noch eine recht gewagte Definition von „Allmacht“ und „Oligopol“ zugrunde gelegt.

  3. Henk sagt:

    Es ist natürlich ein büsch’n billig und leicht verdienter Applaus, auf die durch die Leistungsschutzrechtforderung verpönten Verlage einzudreschen. Wenn sie es aber so sehr herausfordern wie mit diesem Artikel, dann ist es sinnvoll und verdient.

    Dir wie so oft: Volle Zustimmung!

  4. Guinan sagt:

    Aus dem SPON-Artikel spricht ja so viel enttäuschte Liebe.
    Als Medienmensch, da ist man schließlich an Apple gebunden. Wenn man hipp sein und dazugehören möchte, dann kann man gar nicht anders, dann muss man diese wunderschönen, edlen, stylischen Spielzeuge haben, zeigen und den Hersteller verehren. Und dann sowas. Also, da würdest du doch auch einen Rant schreiben.

    Meine lieben Kollegen sind da auch nicht anders. Frau kann sich den Mund fusselig reden, von wegen wir geben zuviel Entscheidungsspielraum ab und wir legen uns so fest, wir könnten doch selbst was eigenes programmieren, es gibt auch noch andere schöne Tablets, und die wären auch nicht ganz so teuer – aber nee, nur die mit i sind in.
    Dann unterschreibt man eben, egal was da steht, und heult Rotz und Wasser, wenn’s schiefgeht.

  5. Henk sagt:

    @Guinan:

    enttäuschte Liebe

    halte ich für einen absolut passenden Erklärungsversuch.

  6. Muriel sagt:

    @Guinan:

    Also, da würdest du doch auch einen Rant schreiben.

    Ich glaube, ich wäre zu stolz, einen Rant zu schreiben, weil ich einen Vertrag unterzeichnet habe, mit dessen Bedingungen ich nicht zufrieden bin.
    Ist vielleicht auch irgendwie ein Charakterfehler, aber ein anderer.

  7. […] an Größenwahn grenzende Arroganz | überschaubare Relevanz "Ich wüsste gerne, ob die Spiegel-Redaktion wirklich so unfassbar selbstgerecht ist, und ob sie diese unerschütterliche Überzeugung von der eigenen Sonderrolle und der eigenen tragenden Bedeutung für den Fortbestand der Welt, wie wir sie kennen, ehrlich empfindet, oder ob es sich hier nur um einen Versuch handelt, die Leser zu verschaukeln." via wirres.net […]

  8. Anonym sagt:

    Ein hervorragender Text, der besser ausdrückt, was ich beim Lesen diesen Spiegelblog-Postings empfand, als ich es könnte.

  9. Klaus sagt:

    Bin kein Nerd. Also steh‘ ich eher auf Seiten der SPIEGEL-Argumente..

  10. Muriel sagt:

    @Klaus: Ich bin nicht sicher, was ein Nerd ist, aber Argumente kenne ich eigentlich
    Hast du in dem Artikel welche gefunden? Dann zeig sie doch ruhig mal her, vielleicht komm ich ja zu dir rüber.

  11. kleitos sagt:

    Schön gesagt. Full ACK, wie es so schön heißt.

    „ihr Grundkapital […] ihre Glaubwürdigkeit, die sich wiederum aus Unabhängigkeit speist. Auch der ökonomischen.“

    Da musste ich so lachen, das es mir im Halse stecken blieb …

  12. Muriel sagt:

    @Anonym und kleitos: Vielen Dank, und willkommen bei überschaubare Relevanz.
    Soll ja nicht der Eindruck entstehen, dass ich nur auf die Leute reagiere, die mir widersprechen.

  13. kleitos sagt:

    @Klaus

    Noch einer der glaubt, die Nutzer des Internets würden von einem anderen Planeten kommen …

    Interessante PR, die leichtgläubigen oder unbedarften Zeitgenossen dafür vereinnahmen kann, aus dem „wir“ einer Gesellschaft ein „die“ und „wir“ zu machen – divide et impere, alter Hut und Eselskarren, vor den sich da einige spannen lassen.

  14. freiheitistunteilbar sagt:

    divide et impere, beliebt wie erfolgreich, leider. 😦 Wobei das Teilen eher mit Spalten zu übersetzen ist. Der Trick geht wiefolgt: Zunächst begünstigt man eine Gruppe auf Kosten einer Anderen, schlägt sich dann auf die Seite der Übervorteilten, was die andere in die Defensive treibt. Spitzt den Konflikt zu und präsentiert sich dann als Lösung. 🙂

    Das ist die moderne Form, ja, wir leben in progressiven und progressivistischen Zeiten. 😀

  15. Griddy sagt:

    Heise hat sich übrigens dagegen gewehrt und damit die Preise etwas gesenkt:
    http://m.heise.de/newsticker/meldung/Heise-senkt-In-App-Preise-fuer-c-t-und-iX-1738133.html

  16. Claudia Thur sagt:

    Der Spiegel musste sich ja so als Opfer darstellen, damit den Lesern nicht auffällt, dass er die Preiserhöhung auch einfach hätte zurücknehmen können, wie der Link von Griddy so schön bewiesen hat.
    Nach diesem Artikel können sie den höheren Preis einfach unter Gewinn verbuchen.

  17. Sascha sagt:

    Sehr schöner, wahrer Beitrag!
    Und der letzte Absatz hat mir sogar noch ein Lachen entlockt! 🙂
    Obwohl man bei dem Thema wütend wird….

  18. JJPreston sagt:

    @Griddy
    Und die Folgen kann man sich ausrechnen. Vorher erhielt Heise für jede digitale Ausgabe der c’t 2,093 €, für iX 3,493 €. Nehmen wir an, sie erzielen jeweils 5.000 Verkäufe = 27.930 €.

    Durch Apples Preiserhöhung hätte die c’t pro Ausgabe 2,513 € erzielt und die iX 3,843 €. Heißt aber auch im Umkehrschluss: Wenn wegen dieser Preiserhöhung 606 Käufer darauf verzichten, ihr Schema beizubehalten (und das ist durchaus realistisch), macht Heise schon Minus.

    Und jetzt? Jetzt bleibt Heise von der c’t 1,883 € (minus 0,21 € = minus 10,03 %) und von der iX 3,143 € (minus 0,35 € = 10,02 %). Das war die Rechnung: 12% In-App-Leserminus hinnehmen (schlecht für die Mediadaten und damit auch für den Werbewert) oder 10 % Ertragsminus (gesetzt den Fall, dass nicht mehr Käufer kommen – bei Umsteigern von Papier auf In-App verlieren sie wieder).

    Und rate mal, wo die DAS wieder einsparen werden… Kleiner Tipp: Frag mal die Freelance-Autoren, die wissen es.
    Und noch ein Hinweis: Beim Spiegel sieht’s kaum anders aus.

  19. Anonym sagt:

    @JJPreston:
    Hast du den Artikel, den du hier kommentierst überhaupt gelesen?

    Selbst wenn die Spiegel-Mannschaft nun ein von Krebs geheiltes Redaktions-Pflegekind nicht mehr versorgen könnte…

    Entweder (wie oben geschrieben…) war der Spiegel dumm-gutgläubig genug, dass Apple „schon sowas nicht tun würde“.
    Oder der Spiegel weiß genau, dass Apples Vorgehen völlig von den geschlossenen Verträge legitimiert ist.
    Letzteres ist geheuchelte Empörung, ersteres wäre peinlich.

  20. Raucherpause sagt:

    @ Muriel: Ich kann mich da jetzt täuschen, aber dein Artikel klingt, als lehntest du das Kartellrecht grundsätzlich ab. Ist das so?

    PS: Damit will ich mal nicht unterstellen, dass Apple auf dem Markt für Smartphoneapp-Marktplätze eine marktbeherrschende Stellung zukommt (was sicherlich auch eine Überlegung wert wäre).

  21. Muriel sagt:

    @Raucherpause:

    Ich kann mich da jetzt täuschen, aber dein Artikel klingt, als lehntest du das Kartellrecht grundsätzlich ab. Ist das so?

    Hm… Darauf habe ich drei Antworten, sozusagen.
    1. Wie schließt du das denn aus diesem Artikel?
    2. Ja, klar.
    3. Ich halte Kartellrecht grundsätzlich für eine doofe Idee. Allerdings ist unser Rechtssystem so komplex und unübersichtlich, dass ich mich schwer tue, mich auf die Meinung festzulegen, man sollte es sofort ersatzlos streichen. Ich lehne zwar grundsätzlich die Regulierung einvernehmlichen Verhaltens ab, aber aufgrund von Wechselwirkungen mit anderen mehr oder minder unsinnigen Regeln könnte die Abschaffung dieser einen trotzdem schädliche Auswirkungen haben. Einen konkreten Gesetzgebungsvorschlag verbinde ich mit meiner grundsätzlichen Ablehnung also vorläufig nicht.

  22. Aleks sagt:

    Irgendwie muss ich hier mal ein wenig auf Seiten des Spiegels sein, muss ich zugeben …
    Ja, sie übertreiben das mit der Opfer-Stiisierung ein wenig. Und das mit der ökonomischen Unabhängigkeit mist schon n Mörder-Gag.
    Trotzdem kommt am Ende raus, das nicht der Anbieter der Inhalte den Preis bestimmt, sondern der, bei dem du die angebotenen Inhalte liest, unter Ausnutzung seines „Wahrnehmungs-Monopols“. Sicher kann man jetzt wieder das Argument rausholen, ja, blöd, haben se halt verpennt, hätte man selbst frühzeitig Angebote schaffen müssen, usw., usf., stimmt ja auch, nur: Die Realität ist halt, am trendigen Apple und seinen stylischen Apps kommt man nicht mehr vorbei, will man Angebote an den Mann bringen, viele Leute kaufen eben keine Zeitschriften mehr, sie kaufen Apps.
    Daraus ergibt sich ja aber nun noch nicht zwangsläufig, dass Apple deshalb auf eine wirklich ziemlich dreiste Art diese Vormachtsstellung ausnutzen muss, weil man entscheidet, mit dem gleichen Angebot kann man eigentlich noch mehr verdienen, die Inhalte kommen ja eh von woanders und wir verlangen nur einfach mehr Kohle, weil auf unseren Geräten lesen die Leute halt.
    Das ist der Punkt, wo ich den Spiegel ganz gut verstehen kann, der Partner, der sich auf ganz anderem Feld, nämlich dadurch das er stylisch ist und viele Leute es cool finden, seine Produkte zu benutzen, entscheidet, durch seine große Kundenanzahl kann er an fremden Inhalten gut verdienen, und die Inhaltslieferer sollen schön die Klappe halten, sonst fliegen sie raus.
    Mit dem selben Argument könnte eine Druckerei sagen, sie druckt das Heft auf eine besonders coole Art, also druckt sie eigenmächtig nen teureren Preis drauf und kassiert dann mehr an dem Heft mit.
    Und: Ich kenne Redaktionen von innen, einige, ziemlich gut sogar, ich hab mit 14 angefangen, für die Lokalpresse zu schreiben und von da aus gings dann weiter und in einem stimme ich ganz definitiv zu, ja, dieses Oligopol hat als Zensoren eine effektivere und viel größere Macht, als unsere bunte und gern auch chaotische Medienlandschaft, wo auch die Redaktionen bei weitem nicht so auf Linie sind, wie viele Menschen es immer wieder zu glauben scheinen.

  23. Muriel sagt:

    @Aleks: Ich weiß nicht, wo du mir widersprichst, deswegen weiß ich nicht, was ich erklären soll.
    Ich habe ja gleich am Anfang geschrieben, dass das wirklich schlechter Stil von Apple war, die Preiserhöhung nicht mit den Anbietern abzusprechen.
    Ansonsten: Der Anbieter der Inhalte bestimmte den Preis. Den Preis, zu dem er selbst seine Inhalte verkauft. So wie es sich auch gehört.
    Sobald er jemand anderen beauftragt, seine Inhalte zu verkaufen, und diese Person vertraglich ermächtigt, den Preis zu bestimmen, bestimmt diese Person natürlich den Preis.
    Sich dann hinterher zu erregen, es könne doch wohl nicht sein, dass jemand anders den Preis bestimmt, bloß weil man ihm explizit das Recht eingeräumt hat, den Preis zu bestimmen, und zu fragen, wer ihm das Recht dazu gibtt, finde ich so dummdreist, dass ich beinahe eine kräftige Ohrfeige dafür befürworten würde.

  24. Aleks sagt:

    Najaaa … zum ersten ist das ja ein Blog-Beitrag von Redakteuren und kein redaktioneller Beitrag, also eher ein persönlicher Kommentar einiger Schreiberlinge und keine offizielle Position „des Spiegels“, das hab ich selbst zuerst auch nicht richtig differenziert, muss ich zugeben. Und auch kein Kommentar von der Konzernspitze.
    Und dann ging es wohl im Kern des Artikels vor allem darum, dass Google keinerlei Notwendigkeit sah, diese Maßnahme zu kommunizieren und ganz allein auf seine Monopol-Stellung baut. Man beauftragte ja nicht einfach Apple, die Inhalte des Spiegels zu verkaufen, weil der Spiegel das selbst nicht mehr konnte. Man beauftragte sie, die Inhalte des Spiegels zu verkaufen, weil viele Leute den Spiegel zwar lesen wollen, aber doch bitteschön auf dem Smartphone. Es ist schon ein bisschen paradox, das Google einerseits komplett auf fremde Inhalte angewiesen ist, andererseits aber die einzigen sind, über die der Anbieter seine Inhalte zufriedenstellend an den Mann bringen kann. Man sollte meinen, Kommunikation ist da dann das opberste gut.
    Aber mittlerweile ist die Verpackung wohl wirklich wichtiger, als der Inhalt. Irgendwie brrr.

    Und inwieweit ich dir wiederspreche, weiß ich selbst nicht so genau^^. Allerdings habe ich den Eindruck, du begibst dich dem Artikel gegenüber in eine stärkere Kontra-Position als ich es tue und baust mehr so auf das „Tja Leute, Pech gehabt, ihr habt die Verträge unterschreiben“. Während ich verstehen kann, das man schon irgendwie angepisst ist als Redakteur, wie einfach es mittlerweile einem Technik-Anbieter einfach durch das setzen von Trends fällt, einen Verlag wie den Spiegel zu enteiern (die journalistische Qualität des Spiegels erstmal außen vor gelassen).

  25. […] an Größenwahn grenzende Arroganz „Ökonomische Unabhängigkeit ist natürlich wichtig, aber was kann schon schief gehen, wenn die gesamte Medienlandschaft sich vom Staat abhängig macht? Was sollte der schon tun, um diese Abhängigkeit zu missbrauchen? Eben.“ […]

  26. Muriel sagt:

    @Aleks:

    Najaaa … zum ersten ist das ja ein Blog-Beitrag von Redakteuren und kein redaktioneller Beitrag, also eher ein persönlicher Kommentar einiger Schreiberlinge und keine offizielle Position “des Spiegels”, das hab ich selbst zuerst auch nicht richtig differenziert, muss ich zugeben. Und auch kein Kommentar von der Konzernspitze.

    Naja. Da steht nirgends ein Name, sondern nur „Spiegel-Red.“
    Besonders persönlich finde ich das schon mal nicht. Und wenn die Redaktion sich aufregen will, dass die Konzernspitze einen Vertrag abgeschlossen hat, den sie mit der Rolle ihres Verlags für unvereinbar halten, dann sollte sie den Vorwurf vielleicht an die Konzernspitze richten, und nicht an einen Elektronikkonzern, zu dessen Aufgaben wir nun wirklich nicht die Erhaltung der Integrität deutscher Nachrichtenmagazine zählen dürfen.

    Es ist schon ein bisschen paradox, das Google einerseits komplett auf fremde Inhalte angewiesen ist, andererseits aber die einzigen sind, über die der Anbieter seine Inhalte zufriedenstellend an den Mann bringen kann.

    Ich will nicht kleinlich sein, aber du hast (So sieht es für mich aus.) jetzt zwei mal Google und Apple verwechselt. Ich gehe davon aus, dass du Apple meinst. Falls ich dich da missverstehe, korrigier mich bitte.
    Ich sehe daran nichts Paradoxes. Es gibt einen Hersteller, und einen Händler. Amazon ist auch komplett auf fremde Inhalte angewiesen, und niemand regt sich auf, weil Amazon die Preise für Toilettenpapier und Lebensmittel, die dort vertrieben werden, selbst festlegt.
    Und ich sehe auch nicht, dass Apple der einzige Weg wäre, auf dem der Spiegel seine Inhalte zufriedenstellend an den Mann bringen kann. Es gibt weitaus mehr Android- als iOS-Telefone, es gibt Print, und soweit ich weiß, betreibt der Spiegel auch noch eine nicht ganz kleine Website.

    und baust mehr so auf das “Tja Leute, Pech gehabt, ihr habt die Verträge unterschreiben”.

    Ich hätte es vielleicht mehr als „Eure Selbstgerechtigkeit und die dummdreiste Selbstverständlichkeit, mit der ihr euer Produkt für wichtiger erklärt als alle anderen, kotzt mich an.“ umschrieben.
    Denn das ist eigentlich, was mich an diesem Artikel am meisten stört. Dieses „Klar, wer nur Schrauben oder Angry Birds herstellt, mit dem kann man sowas ja machen, aber wir vom Spiegel, wir sind doch schließlich unverzichtbar für eine Demokratie, wir brauchen doch Sonderrechte, das war doch auch sonst immer so!“
    Weil es mich generell ankotzt, wenn Menschen glauben, sie hätten Anspruch auf eine Sonderbehandlung auf Kosten anderer.

  27. hiro sagt:

    @Aleks: Interessant, wie Du hier wahlweise „Apple“ oder „Google“ schreibst, als sei es dasselbe.

    Im Kern geht es darum, daß der Spiegel sich exklusiv mit Apple ins Bett gelegt hat, ohne den Ehevertrag vorher zu lesen. Die Konsequenzen sind mit „selbst Schuld“ genügend genau beschrieben.

  28. Moon sagt:

    @Aleks
    Muriel hat recht, was die Großkotzigkeit und eingebildete Wichtigkeit des Spiegels (ja, steht auch nem Spiegel-Blog, fällt also auf ihn zurück) angeht. Und natürlich triff es genau die Richtigen, weil auch die Pappnasen vom Spiegel ja meinen, ein LSR sei nötig und man müsse doch Geld von demjenigen bekommen, der einem den Traffic kostenlos vor die Tür schaufelt.

  29. Siegbert sagt:

    Nur ein kurzer Einwurf: Vertragsfreiheit geht mitunter (häufig) zu Lasten einer Partei – derjenigen, die in einer schwächeren Position ist, etwa, weil sie wenig Wahlmöglichkeiten hat. Aus diesem Grund ist sie auch in vielerlei Hinsicht durch Gesetze beschränkt. Zum Beispiel Geschäftsbedingungen, Mietrecht und viele mehr. Sonst würde unsere Gesellschaft nicht funktionieren. Gerade, wenn einer der Vertragspartner Apple ist, finde ich das Argument der Vertragsfreiheit wenig überzeugend.

  30. Muriel sagt:

    @Siegbert: Du hast völlig Recht. Es wurde wirklich mal Zeit, dass jemand sich der verzweifelten Lage der unschuldig in Not geratenen Medienkonzerne mit Jahresumsätzen im dreistelligen Millionenbereich annimmt. Das sind nämlich in ihrer völligen Hilf- und Wehrlosigkeit die wahren Opfer der Globalisierung und des kaltherzigen Neoliberalismus.

  31. Aleks sagt:

    @Apple und Google: Ach, Fuck. Irgendwie warte ich wohl insgeheim darauf, dass die Läden fusionieren … Naja, nicht richtig aufgepasst beim schreiben, ja, ich meine immer noch Apple.
    Aber dennoch: Das Leistungschutzrecht ist dreist ohne Ende und der SPIEGEL ist selbstgefällig, hat längst deutlich an Qualität verloren und ist bei weitem nicht mehr das, was er mal war.
    Trotzdem könen sie in dem Fall ja die Gelackmeierten sein, deren Angepisstheit ich halt irgendwo nachvollziehen kann – ich weiß halt auch nicht, wie die Verträge mit Apple aussehen und inwiefern man blöd war, da Spielräume zu lassen, die man nicht hätte lassen sollen.
    Zum Amazon Vergleich aber: Ich weiß nicht genau, wie so eine App im einzelnen funktioniert und welchen Anteil Apple an der Bereitstellung der App hat, außer das man sie über den Apple Store bezieht. Ansonsten würde ich aber sagen, dass Amazon die Waren die sie ver- auch vorher einkaufen, wie das im Handel ebenso üblich ist, ob Amazon oder ALDI. Apple verdient daran mit, wenn man eine App programmiert und sie dann auf Apple Geräten lesen lassen will, aber das Produkt wird ja nach wie vor vom Spiegel bereitgestellt und verkauft.
    Ich bin letztendlich einfach der Meinung, nicht jede Dreistigkeit eines Konzerns der wegen seines großen Kundenstammes quasi Narrenfreiheit genießt wenn man an diese Kunden auch ran will, muss gleich mit Naivität der anderen Seite abgebügelt werden, die halt gucken soll, wo sie bleibt. Auch wenn das ein Verlagsmonster mit immer noch erheblichem Umsatz ist.

  32. Moon sagt:

    @Aleks, Siegbert
    Man wusste, worauf man sich einließ, BEVOR man die Verträge unterschrieb. Wenn man also meint, auf Apple angewiesen zu sein, um sein Qualitätsprodukt loszuwerden, ist man halt doppelt doof. Für dummdreistes Verhalten gibt’s allerdings weder Mitleid noch Sympathie.

  33. chriwi sagt:

    Spon analysiert Apple von der Seite der Apple Jünger. Diese Firma hat es geschafft als weltoffen, modern, flexibel, frei, innovativ, eben besser dazustehen. Das wurde mit den Produkten und viel Öffentlichkeitsarbeit geschafft. Dabei wird einfach vergessen, dass Apple ein Konzern ist und Gewinne machen will.

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