Muriels Hausaufgaben (1) oder (2), je nachdem, wie man zählt. Ich sag jetzt mal (2), denn ich will nicht bei jeder neuen Folge zwei alternative Nummern angeben.

Guinan fragte ja beim letzten Mal, ob ich noch mehr Hausaufgaben meines novel-writing-Kurses an der London School of Journalism veröffentlichen würde, und madove ärgerte sich ein wenig, dass das Fragment sie neugierig gemacht habe.

Heute ist nun der Tag, an dem ich beiden helfen kann, denn ich habe eine neue Hausaufgabe, und es besteht nicht die Gefahr, dass sie jemanden neugierig macht, denn sie ist in meinen Augen ausgesprochen mäßig interessant und in sich komplett abgeschlossen. Hätte meine Tutorin mir nicht erstaunlich freundliches Feedback gegeben (was sie keineswegs immer tut, nicht, dass ihr jetzt denkt, klar macht sie das, sie kriegt ja Geld von dir), hätte ich wahrscheinlich nicht einmal gewagt, euch sowas anzubieten, aber weil es ihr anscheinend gefiel, und weil es auch nur ein kurzer Fetzen ist, denke ich mir, es kann nicht schaden.

Die Aufgabe lautete:

Please write a short dramatic or humorous scene in which you include a letter or diary entry. (about 500 words)

Und dies ist meine Bearbeitung:

Lysandra sighed, dipped her quill into the ink, took a last look through her tower window at the mountainscape before the background of dark, lightning-torn sky and finally lowered her eyes to the leather-bound book before her, lit by the silver candelabrum on her desk of ornately carved cherry wood.

Dear Diary, she began, I have finally returned to Castle Forthmere after my days of captivity in the fangs of the Shattered Queen. Esric has saved me from her, again, and would almost have defeated her for good this time, had not the demon Tt’k-Shava stalled him long enough for her to open a portal to the warren of Qumand Berulon, where we could not follow. Indeed, Tt’k-Shava was able to grievously wound Esric, so that he might have died, had I not been able to free me from my chains and carry him out of the burning fastness, and we would surely have perished without his loyal steed Cloud Dancer who brought us home to Forthmere in time for him to be healed by his father.

His awakening to my grateful tears has been a very romantic affair, and of course I’m glad to have found such wonderful friends, but – let me be honest to you at least, faithful diary, when I cannot to anyone else: I sometimes dream of a world where I am not in mortal danger every day, and do not have to save the world or be saved myself on a regular basis. I sometimes wish I could escape into those fantastic novels I love so much, where women like me can just awake every day to a predictable schedule of tasks, to productive employment, caring for children, and return home to-

The huge window before her desk suddenly exploded inwards, shards and a torrent of rain striking her face and shoulders, as a dragon swooped into her tower room.

With a mighty roar, it enveloped her in its claws and tried to fly off, but Lysandra already had her Hust Dagger out and plunged it into the monster’s thigh. The Demon in the cursed metal laughed gleefully as it drank the dragon’s life, and the animal dropped her with an ear-shattering screech.

The door to Lysandra’s study burst open as Esric rushed in, his enchanted crossbow at the ready. He shot the quarrel directly into the creature’s right eye, the sorcerous fire trapped within ignited, and the dragon fell shrieking to its death.

Esric immediately rushed to Lysandra and embraced her to still her trembling.

“Never fear, my love”, he murmured, “You’re safe.”

“Yes”, she answered with a sigh. “It appears I am.”

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13 Responses to Muriels Hausaufgaben (1) oder (2), je nachdem, wie man zählt. Ich sag jetzt mal (2), denn ich will nicht bei jeder neuen Folge zwei alternative Nummern angeben.

  1. whynotveroni sagt:

    Niedlich. 🙂 Fuer meinen Geschmack aber zu kurz, auch fuer eine Kurzgeschichte. Hat auch nicht wirklich neugierig gemacht, weil es in sich abgeschlossen wirkt. Am Schreibstil habe ich aber nix auszusetzen.

    Cloud Dancer, nicht Cloud-Dancer.

  2. Guinan sagt:

    Wirklich hübsch. Und lustig. Und ja, mir auch zu kurz.

  3. Muriel sagt:

    @whynotveroni: Sag ich doch. Bis auf das mit dem Pferd. Das hab ich jetzt korrigiert.
    @Guinan: Danke. Und ich will ja auch immer offen sein für Kritik und alles, aber, also… Ihr versteht schon, dass es nur begrenzt hilfreich ist, etwas zu kurz zu finden, für das mir die Wortzahl vorgegeben war, oder?

  4. Joan sagt:

    Hübsch, und irgendwie… rund. (Wobei mich die Aufgabe etwas an den Deutsch-LK erinnert, da durften wir auch immer fiktive Briefe und Tagebucheinträge schreiben…)

  5. Schöner Twist. (Ich habe auch nichts gegen kurze oder extrem kurze Geschichten.)

  6. Muriel sagt:

    @Joan: Danke, obwohl ich mich schon schwer tue, das Kompliment in einer Deutsch-LK-Assoziation zu finden, und wehe du sagst jetzt, da sei auch gar keins.
    @ars libertatis: Du in meiner Belletristik? Nur aus Versehen passiert?

  7. @Muriel: Hoffentlich ein langfristiger Trend. (Literaturkritik kannst du von mir aber nicht erwarten.)

  8. Muriel sagt:

    @ars libertatis: Ich würde mich freuen.
    Bei Bedarf empfehle ich auch je nach Geschmack und aktuellem Interesse was aus meinem Archiv, das leckersten Geschmack und allerbeste Qualitäten von Fantasy über (sowas wie) Horror und Science Fiction bis hin zu mehr oder weniger ordinären Thrillern bietet.
    Oder du wartest einfach bis Samstag, dann beginnt nämlich unser ganz frischer Fortsetzungsroman Angelic Duties, den ich vor einem guten halben Jahr schon mal angeteasert hatte.

  9. @Muriel: Der Teaser gefiel jedenfalls.

    Eine tangentiale Frage: Wie entscheidest du, in welcher Sprache du schreibst? Hast du da irgendwelche Präferenzen? Fällt dir ein Genre in einer Sprache leichter, ein anderes in einer anderen? Oder ist es eine situationelle Entscheidung?

  10. Muriel sagt:

    @ars libertatis: Am ehesten Letzteres. Ich schreibe meine Geschichten auch insgesamt sehr intuitiv. Seit einiger Zeit zwinge ich mich zum Beispiel zwar, den Plot vorab zu planen, aber er ändert sich sehr zuverlässig und umfangreich, während ich die eigentliche Geschichte schreibe.
    Geschichten fangen bei mir in der Regel damit an, dass mir eine Szene einfällt, und wenn die mich fasziniert, spinne ich den Rest so nach und nach drumrum. Bei Angelic Duties war es diese Szene (Ist immer schön, wenn es der Anfang ist.), und die war eben englisch.
    Zu viel Information wahrscheinlich, aber ich hoffe, es hilft trotzdem ein bisschen.

  11. @Muriel: Nein, das war nicht zu viel Information. Danke für die Erklärung.

  12. madove sagt:

    Doch, mochte ich. Ich hätte ja auch gesagt, komisches Format, zu kurz für meinen Geschmack (was ja nicht Deine Schuld ist), aber eigentlich fand ich es wirklich nett, in sich abgeschlossen, mit einem netten twist…

  13. Muriel sagt:

    @madove: Danke. Ich hab das vor Ewigkeiten mal viel besser in Richtung Lovecraft gelesen, aber ich weiß nicht mehr wo und find’s nicht wieder. Irgendeine Anthologie, glaube ich. Könnte von Neil Gaiman gewesen sein.

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