Was war da denn los?

Warum Tarantino Sklaverei und Holocaust vergleicht

titelt Susan Vahabzadeh in der Süddeutschen Zeitung (Schreiben die Autoren überhaupt wirklich selbst die Titel?), und daraus kann man doch nun wirklich was machen, sollte man meinen, denn Holocaust ist doch immer gut, aber … irgendwie hat sie’s trotzdem nicht getan. Ein ganz merkwürdiger Artikel ist dabei rausgekommen, den ich dreimal lesen musste, um wenigstens einigermaßen sicher zu sein, dass es nicht nur an mir liegt, dass ich nicht begreife, was sie uns mitzuteilen versucht.

Der Teaser kündigt den Artikel so an:

Holocaust-Vergleiche klingen für deutsche Ohren immer anstößig. „Django Unchained“-Regisseur Quentin Tarantino zieht trotzdem einen und bezeichnet die Sklaverei in Amerika als ebensolchen. Zwar kann er das ordentlich begründen – Kritik hagelt es trotzdem.

Quentin Tarantino hat also offenbar die Sklaverei in Amerika als Holocaust bezeichnet. Und kann das „ordentlich“ begründen, meint sie. Darauf wäre ich echt gespannt, denn ich sehe nicht, wie sich das ordentlich begründen ließe. Ein Vergleich, meinetwegen, vergleichen kann man alles, ob Gargamehl mit Hitler oder Garfield mit Captain America, irgendwas geht da immer, aber „als … bezeichnen“ ist kein Vergleich, sondern eine Gleichsetzung, und das kommt mir bei Holocaust und Sklaverei doch arg unsinnig vor, denn das eine ist die systematische Ausrottung eines bestimmten Volkes, das andere ist die Entrechtung und Einordnung als Eigentum. Beides ist schlimm, aber wenn ich die Wahl hätte, könnte ich mich schon sehr schnell sehr eindeutig entscheiden, dass ich viel lieber nur entrechtet als entrechtet und getötet werden möchte. Andere Menschen mögen das anders bewerten, aber wir können uns bestimmt zumindest darauf einigen, dass es einen großen Unterschied zwischen den beiden Dingen gibt. Große Gemeinsamkeiten gibt es natürlich – zum Beispiel, dass eine bestimmte Gruppe Menschen nicht mehr als Menschen behandelt wird -, aber auch feine Unterschiede – zum Beispiel, dass diese bestimmte Gruppe Menschen nicht gezielt vernichtet werden soll.

Aber Quentin Tarantino ist ja mutmaßlich ein kluger und interessanter Mensch, und da höre ich mir doch gerne mal an, wie er seine Gleichsetzung begründet. Und … ähm … ja, also, die Antwort ist sehr prägnant: Anscheinend gar nicht. In dem SZ-Artikel kommen genau zwei Zitate von ihm vor. Das erste ist die Behauptung selbst:

Amerika ist für zwei Holocausts in seinem Land verantwortlich: für die Ausrottung der indianischen Ureinwohner und für die Versklavung von Afrikanern, Jamaikanern und Westindern in der Zeit des Sklavenhandels.

Sollte jemand mit mir nicht übereinstimmen, dass eine Behauptung nicht als Begründung für sich selbst gelten kann, bitte ich diese Person, mit mir per Mail in Kontakt zu treten, damit wir über den nicht unerheblichen Geldbetrag reden können, den sie mir schuldet.

Das zweite Zitat lautet:

„Das wird Ihnen als Deutsche seltsam vorkommen“, so Tarantino. „Sie sind alle gezwungen worden, sich bis zur Bewusstlosigkeit immer und immer und immer wieder mit der Schuld Ihres Volkes auseinanderzusetzen. Den Amerikanern ist es gelungen, irgendwie darüber hinwegzugleiten.“

Und ihr könnt mich jetzt verbohrt nennen, aber ich finde auch darin beim besten Willen keine Begründung für irgendwas, das ist einfach nur eine neue Behauptung, die mit der ersten nur die Gemeinsamkeit verbindet, dass es auch irgendwie um den Holocaust geht. Und falls es jemanden interessiert: Sie ist in meinen Augen ähnlich falsch wie die erste. Ich weiß nicht, wie oft ihr gezwungen wurdet, euch mit der Schuld eures Volkes auseinanderzusetzen. Bei mir ist es nach meiner Erinnerung bisher kein einziges Mal vorgekommen. Tatsächlich weckt dieser Spruch eine recht starke Abstoßungsreaktion bei mir, weil er mich an gewisse Personen – nennen wir sie: Antisemiten – erinnert, die in Bezug auf den Holocaust in Deutschland sehr gerne anfangen, davon zu erzählen, was andere Völker so auf dem Kerbholz haben, und dass die sich ja auch nicht dauernd dafür entschuldigen müssen. Womit ich nicht gesagt haben will, Tarantino sei ein Antisemit. Ist er wahrscheinlich nicht. Aber das ist halt die Assoziation, die dieser Spruch bei mir weckt. Und ich frage mich schon, was er uns in diesem Artikel sagen soll.

Und das war’s. Mehr bekommen wir von ihm nicht mehr zu hören. Das mit der ordentlichen Begründung aus dem Teaser ist also schlicht falsch. Na gut, kann passieren.  Vielleicht begründet es ja jemand anders für ihn.

So gibt es alleine zwei anerkannt seriöse Bücher über die Eroberung Nordamerikas, die den Holocaust im Titel führen: David E. Stannards „American Holocaust“ und Russell Thorntons „American Indian Holocaust and Survival“. Auch der Terminus „African Holocaust“ ist im Zusammenhang mit dem Sklavenhandel durchaus gebräuchlich.

schreibt Frau Vahabzadeh. Okay. Es gibt also zwei Bücher, die im Zusammenhang mit etwas anderem als Sklaverei den Begriff Holocaust benutzen…

Exkurs: Auch den Kampf gegen die amerikanischen Ureinwohner würde ich nicht so nennen wollen. Zwar finde ich es natürlich auch höchst unanständig, Leuten kriegerisch ihr Land wegzunehmen, aber ob ich ein anderes Volk bekämpfe, weil es das Land, das ich gerne hätte, nicht freiwillig rausrückt, ist auch noch mal was anderes, als einen bestimmten Teil der Bevölkerung, der schon sehr, sehr lange mein Land mit mir teilt, in Lager zu schaffen und dann industriell zu töten. Die Parallelen sind hier stärker, aber es ist für mich immer noch lange nicht das gleiche. Das eine ist ein Feldzug gegen ein anderes Volk aus Eigeninteresse, das andere einer einfach nur aus Hass. Ich weiß nicht, wie man jetzt entscheiden sollte, was schlimmer ist, aber es sind doch jedenfalls verschiedene Sachen. Exkurs Ende

Und außerdem gibt es die Behauptung von Frau Vahabzadeh, dass „African Holocaust“ als Begriff üblich sei. Hm. Ja. Naja. Sogar wenn das stimmt, hätte ich doch schon echt gerne nicht nur gewusst, dass auch viele andere Menschen das gleich setzen, sondern auch warum. Aber das will die SZ uns wohl einfach nicht verraten. Kann man nichts machen.

Befassen wir uns mit dem letzten (Teil-)Satz im Teaser: Kritik hagelt es trotzdem. Das würdet ihr doch bestimmt auch so verstehen, dass es Kritik für die Gleichsetzung des Holocaust mit der amerikanischen Sklaverei hagelt, oder? Ja, da seid ihr dem gleichen Irrtum aufgesessen wie ich. Der Hagel sieht so aus:

American slavery was not a Sergio Leone Spaghetti Western. It was a Holocaust“ [Tweet von Spike Lee]

Also genau das, was Tarantino auch gesagt hat.

Und außerdem erzählt Frau Vahabzadeh uns davon, dass Spike Lee auch schon Jackie Brown nicht so gut fand, weil da drin so oft das Wort „Nigger“ vorkommt. Das war 1997. Zweimal Kritik in 15 Jahren. Von einer Person. Keiner der Fälle bezogen auf die Äußerung, um die es hier angeblich gehen sollte. Nicht einer. Sie nennt im ganzen Artikel kein einziges Beispiel für die Kritik, die sie im Teaser behauptet.

Wo Frau Vahabzadeh wohnt, muss es wohl sehr warm sein, oder sie verlässt selten ihr Haus, oder hat aus anderen Gründen nicht so viel Erfahrung mit Hagel, weiß ich ich ja nicht, und verdammt noch mal, jetzt komme ich mir blöd vor, das geschrieben zu haben, weil sie einen eher nicht so germanischen Namen hat und ich angedeutet habe, es müsse warm sein, wo sie wohnt, dabei wollte ich doch nur einen dummen Witz drüber machen, dass sie zwei Vorwürfe in einem Abstand von 15 Jahren von einer Person aufzählt als Beleg dafür, dass es Kritik hagelt. Eigentor. Mist.

Schnell zurück zum Thema:

Tarantinos Partisanen in „Inglourious Basterds“ vor drei Jahren jagten Nazis, da ging es um diesen Holocaust, und so wüst und fiktiv sein Umgang mit Historie darin manchmal war, man konnte eine ungeheuere Wut über das Dritte Reich in diesem Film spüren, und ein tiefes Vertrauen darin, dass Filme mehr sind als nur Unterhaltung.

Ähm… Was? Inglourious  Basterds? Ja, gut, da ging es auch um Nazis und Holocaust, aber … Wo zur Hölle kam denn dieser Satz jetzt plötzlich her? Was hat der denn hier zusuchen? Was ist denn jetzt mit Sklaverei, und der Gleichsetzung, und der Begründung, und der Kritik, die es dafür hagelt? Wie geht der Artikel denn weiter?

Mehr zu Susan Vahabzadeh

Wie jetzt? Gar nicht? Das kann doch nicht euer Ernst sein? Das wars?

dafuq-did-i-just-read-meme

Ehrlich, was war denn das? Gehen wir noch mal Titel und Teaser durch:

Warum Tarantino Sklaverei und Holocaust vergleicht

Tja. Also, ich hab keine Ahnung. Die Autorin offenbar auch nicht. Ihr vielleicht?

Holocaust-Vergleiche klingen für deutsche Ohren immer anstößig.

Check.

„Django Unchained“-Regisseur Quentin Tarantino zieht trotzdem einen und bezeichnet die Sklaverei in Amerika als ebensolchen.

Naja. Das ist kein Vergleich, sondern eine Gleichsetzung, aber meinetwegen. Check.

Zwar kann er das ordentlich begründen

Weiß nicht. Kann er? Hat er es getan? Hätte mich interessiert.

– Kritik hagelt es trotzdem.

Naja, was man so Hagel nennt. Und für ganz andere Sachen, und in einem der beiden Fälle in Form von Zustimmung.

2 von 5 Punkten also. Ich wäre vielleicht noch willens, einen Bonuspunkt zu vergeben, weil sie uns die entrüstete Stellungnahme eines Vertreters des Zentralrates der Juden in Deutschland erspart hat, aber den müsste ich gleich wieder abziehen, weil sie einen Satz mit „Zwar“ begonnen, aber das korrespondierende „Aber“ auslässt, was mich immer tierisch aufregt. Und dann dieser kryptische Schluss. Was ist da passiert? Wenn ich raten müsste, würde ich sagen, dass ein halbes Dutzend Leute aus der SZ-Redaktion versucht hat, was über das Thema zu schreiben, und aus den sechs resultierenden Artikeln ein neuer zusammengeschüttelt wurde. Und weil ich meiner Ratlosigkeit nicht anders ausdruck zu verleihen vermag, lasst mich diesen Post mit einem Haiku beschließen. Es ist übrigens der erste, den ich jemals geschrieben habe. Ein Trend, oder ein Ausrutscher? Eure Entscheidung!

Holocaust-Vergleich
bis zur Bewusstlosigkeit.
Es hagelt Spike Lee.

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35 Responses to Was war da denn los?

  1. okasch sagt:

    Ich erinnere mich, mit meinem Bruder früher ein Kartenspiel gespielt zu haben, bei dem es darum ging, Autos mit Bezug auf bestimmte Eigenschaften zu vergleichen. (Hubraum, PS, Gewicht, Beschleunigung, etc.). Ziel des Spiels war, seinem Gegenüber möglichst alle Karten abzuluchsen. Man gewann die Karte seines Gegners, wenn man das Glück hatte, mit seiner aktuellen Karte beim aktuellen Vergleichsparameter die Karte seines Gegners zu übertrumpfen. Ist sicherlich bekannt.
    Ich dachte grad, das Spiel könnte man ja mal auf das Thema „humanitäre Katastrophen“ übertragen. Vergleichsparamter wären dann z.B. Mordrate pro Monat, Gesamtopferzahl, Männer, Frauen, Kinder, Vergewaltigungen, Anzahl von Folterfällen, ideologischer Hintergrund, Grad der Zielgerichtetheit / Systematik, …

    Sorry, aber mehr kann ich dem Thema nicht abgewinnen. Liegt vielleicht auch am Tarantinofaktor. Und den sollte man vielleicht mal mit den Papst vergleichen.

  2. Muriel sagt:

    Ja, das ging mir auch durch den Kopf, als ich mich fragte, ob ich das hier wirklich schreiben will.
    Aber dann dachte ich, da ist genug Unsinn, um es trotzdem zu machen.

  3. gnaddrig sagt:

    @ Henk: „Quartett christl. Marienerscheinungen“ ist gut. Gibt es eigentlich auch nicht- oder außerchristliche Marienerscheinungen? Vielleicht muslimische Marienerscheinungen (im Islam gilt Jesus ja auch als Prophet Gottes). Schräg.

  4. gnaddrig sagt:

    Ganz off topic: Über dem Kommentarfenster steht der sinnige Text Gib’s mir! Wäre es da nicht folgerichtig, den Abschickbutton statt mit Kommentar absenden mit Da hast Du’s! zu beschriften?

  5. Muriel sagt:

    @gnaddrig: Wäre es, aber WordPress (bzw. diese Designvorlage hier; keine Ahnung, ob das generell gilt.) überlässt mir leider nur die eine Entscheidung, nicht die andere.

  6. gnaddrig sagt:

    @ Muriel: Schade, wäre nett gewesen. Bei blogsome.com konnte man in die Vorlagen gehen und dadrin praktisch unbegrenzt rummurksen, bei wordpress.com ist das restriktiver.

  7. Henk sagt:

    Bei WordPress kann man doch auch in allen Vorlagen rumfuhrwerken und alles anpassen, oder irre ich mich?

  8. Muriel sagt:

    @Henk: Ich bin nicht völlig sicher, ob es prinzipiell möglich wäre. Aber es wird mir in den Einstellungen nicht angeboten, und um ein ganz neues Design auszuwählen, oder sogar ein eigenes einzurichten, ist mir das Aussehen meines Blogs schlicht zu egal.

  9. gnaddrig sagt:

    @ Henk und Muriel: Grundsätzlich geht das. Bei blogsome.com kann man die html-Dateien mit dem verwendeten Theme direkt bearbeiten und sich, wenn man das Knowhow hat, selbst Themes basteln. Bevor ich zu wordpress.com umgezogen bin, hatte ich dort meinen Kommentareabschickbutton mit „Und los!“ betextet. Bei wordpress.com geht das nur, wenn man auf „Pro“ upgegradet hat. Wir gewöhnlichen Schnorrer müssen mit den vorgegebenen Themes und den dort eingeräumten Customizingmöglichkeiten vorliebnehmen. Aber ob ein anderer Text für einen Button die Mehrkosten wert ist? Ich hab’s mir bisher gespart.

  10. HerrWinter sagt:

    Ich frage mich gerade, ob die Autorin in ihren Beispielen wieder einem Übersetzungsproblem zum Opfer gefallen ist…im englischen bezeichnet der „Holocaust“ eigentlich nur eine große Katastrophe bzw. ein Ereignis mit vielen Opfern. Ich würde die genannten Buchtitel daher eher in diese Kategorie einordnen, habe die Bücher allerdings nicht gelesen. Tarantino hat sicherlich gemeint, was sie beschreibt, aber bei den Bücher-Beispielen wäre ich da vorsichtig…Mal davon abgesehen, dass es doch nun wirklich egal ist, ob ein Regisseur glaubt, die Sklaverei sei mit dem Holocaust zu vergleichen oder auch nicht…was soll das denn werden? Ein Wettberwerb im Sinne von „wer leidet am meisten“? Ich muss da immer an die Soprano-Szene denken, in der ein Nachkomme von Indianern mit einem Juden spricht und sie sind sich beide einig wie böse der weiße Mann zu den Indianern war und sie Brüder im Geiste sind, bis der Indianer was sagt im Sinne von „die waren schlimmer als Hitler“ und der Jude ausrastet und ihn von seiner Ranch schmeißt…

  11. Muriel sagt:

    @HerrWinter: Ich bin da ja zwiegespalten. Einerseits verstehe ich völlig, was du sagen willst, und stimme dem zu.
    Andererseits würde ich schon sagen, dass die (ernst gemeinte) Gleichsetzung gewisser Dinge mit dem Holocaust schon meine Meinung über diese Person sehr maßgeblich beeinflussen kann. Gerade flatterte mir zum Beispiel ein Kommentar von jemandem bei Niggemeier in die Mailbox, der sinngemäß schrieb: „Früher vergaßte [sic] man Juden, heute löscht man Kommentare.“
    Da weiß man doch schon irgendwie gleich, woran man ist.

  12. gnaddrig sagt:

    @ Muriel: Solche Vergleiche (Juden vergasen/Kommentare löschen) sind natürlich völlig daneben. Wenn jemand sowas bringt, braucht man eigentlich gar nicht erst weiterzudiskutieren. Aber auch sonst sind Holocaustvergleiche fast immer ein paar Nummern zu hoch gegriffen. Ich wäre sehr vorsichtig, solch einen Vergleich zu ziehen. Und so schlimm die Sklaverei und die Behanldung der amerikanischen Ureinwohner waren, den Vergleich mit dem Holocaust finde ich da nicht angebracht.

    @ Herr Winter: Einerseits ist es egal, was ein Regisseur (oder ein Schauspieler oder sonstwer) über den Holocaust und seine Vergleichbarkeit mit anderen Ereignissen denkt. Aber jemand wie Tarantino könnte schon einen gewissen Einfluss auf Leute haben und dazu beitragen, dass solche unangemessenen Vergleiche salonfähig werden. Und das wäre eher nicht so gut. Selbst wenn Tarantinos Meinung eigentlich unerheblich ist, leistet er mit solchen Äußerungen möglicherweise allen möglichen Wirrköpfen Argumentationshilfe. Nicht gut.

  13. Muriel sagt:

    @gnaddrig: Ich denke nach wie vor, dass der Unterschied zwischen Vergleich und Gleichsetzung ein sehr wichtiger ist.
    Ein Holocaust-Vergleich kann oft sehr nützlich sein, einfach weil mit dem Holocaust ein allgemein verständliches Beispiel für eine Handlung parat liegt, die jeder halbwegs vernünftige Mensch als falsch beurteilt und über deren moralische Bewertung man nicht lange diskutieren muss.
    Der Vergleich muss natürlich passen, aber das gilt bei jedem Vergleich.

  14. gnaddrig sagt:

    @ Muriel: Stimmt, die Unterscheidung ist wichtig. Ich habe oben wohl auch etwas nachlässig formuliert und die Unterscheidung nicht gemacht.

  15. Tim sagt:

    man konnte eine ungeheuere Wut über das Dritte Reich in diesem Film spüren,

    Kicher … Da hat jemand offenbar zum ersten Mal einen Tarantino-Film gesehen. Naja, die Dame ist ja bloß die SZ-Kinoexpertin, da muß man wahrscheinlich keine große Ahnung von Filmen oder überhaupt irgendwas haben.

  16. Muriel sagt:

    @Tim: Ach, du verstehst ihn doch nur selbst nicht, sonst wäre dir aufgefallen, was für eine ungeheuere Wut über Vampire man in „From Dusk Till Dawn“ spüren konnte.

  17. Tim sagt:

    @ Muriel

    Entweder Du bist Hitler, oder Du haßt Kino. In „From Dusk Till Dawn“ hat Tarantino ätzende Kritik am heliozentrischen Weltbild geübt. Im Grunde ist es ein Wissenschaftsfilm, der sich mit den paradoxen Folgen beschäftigt, die sich ergäben, wenn man ernsthaft annähme, die Erde drehe sich um die Sonne.

  18. Muriel sagt:

    @Tim: Ich ging eigentlich immer davon aus, From Dusk Till Dawn sei eine Parabel über die Übel des Materialismus und der Geiz-ist-geil-Kultur. Du hast offenbar keinerlei Ahnung sowohl von Kino im Allgemeinen als auch von Tarantinos Oeuvre im Speziellen, und bist außerdem unverkennbar ein schlechter Mensch.

  19. Tim sagt:

    @ Muriel

    Tarantino ist aber auch ein schlechter Mensch! Außerdem hat er offensichtlich einen miserablen Zahnarzt.

  20. Muriel sagt:

    @Tim: Naja. Wir sind ja bekanntermaßen alle schlechte Menschen, weil Jahwe uns so gemacht hat. Zum Glück ist er ein gerechter Gott und wird uns deshalb angemessen dafür bestrafen, es sei denn, wir erkennen ohne vernünftigen Grund an, dass er seinen eigenen Sohn …
    Pardon. Anderes Thema.

  21. Tim sagt:

    @ Muriel

    Wer Jahwe sagt, muß auch Neinwe sagen.
    Paron, Dada.

  22. Muriel sagt:

    Neinhwe. Wenn, muss man auch konsequent sein.

  23. Tim sagt:

    Schade, daß man mit Dir nicht vernünftig über Kino diskutieren kann.

  24. almasala sagt:

    Man sollte bei der ganzen Geschichte berücksichtigen, dass African Holocaust oder Black Holocaust in den USA ein fester Begriff ist.

  25. Muriel sagt:

    @almasala: Wenn das so ist (Ich bin jedenfalls eher geneigt, dir das zu glauben als Frau Vahabzadeh.), dann erklärt es vielleicht, dass Tarantino ihn benutzen würde, aber dann ist eigentlich auch schon wieder Schluss.
    Und was für eine Definition von Holocaust würde denn Sklaverei mit einschließen? Weißt du da Genaueres?

  26. almasala sagt:

    Nein ich weiß nicht genaueres. Unter Holocaust versteht man eigentlich die Verbrechen der Nazis gegen die Juden, Sintis und Romas. Die industrielle Abschlachtung von 6 Mio Juden innerhalb kurzer Zeit ist auch für mich ein singuläres Verbrechen, was seinesgleichen sucht.

    Allerdings gehören für mich neben den Holocaust auch die Versklavung der Afrikaner mit schätzungsweise 40-100 Mio Toten, kultureller Entwurzelung, Unterdrückung und Entrechtung zu den krassesten Verbrechen an die Menschheit.

    Sowohl der Holocaust als auch die Sklaverei haben rassistische Ursprünge. Beide gingen von einer überlegenen Herrenrasse aus und in beiden Fällen liegt eine klare Absicht/Plan vor, die minderwertige Rasse nach eigenen Gutdünken zu entrechten und ermorden.

    Im Gegensatz zum Holocaust der Juden ist die Sklaverei eher ein Nischenthema im öffentlichen Bewusstsein. Daher finde ich nichts schlimmes dabei, wenn Afroamerikaner ihre Geschichte aufarbeiten und den Begriff Holocaust verwenden, um die Verbrechen der Araber und Europäer stärker in das öffentliche Bewusstsein rücken.

    Für mich wird dadurch der Genozid an die Juden nicht relativiert, sondern ein anderes Verbrechen gebührend in den Fokus geschoben.

  27. Tim sagt:

    @ almasala

    Sowohl der Holocaust als auch die Sklaverei haben rassistische Ursprünge. Beide gingen von einer überlegenen Herrenrasse aus und in beiden Fällen liegt eine klare Absicht/Plan vor, die minderwertige Rasse nach eigenen Gutdünken zu entrechten und ermorden.

    Das ist nicht ganz richtig. Sklaverei war auch in Europa in manchen Gegenden noch bis Anfang des 19. Jahrhunderts eine feste rechtliche Größe. Das hieß zwar nicht Sklaverei, sondern Leibeigenschaft, war aber vom Ergebnis her exakt dasselbe.

    Den Begriff „Herrenrasse“ würde ich daher zumindest beim Sklavenhandel der europäischen Länder nicht verwenden, da hier eindeutig ökonomische Motive vorrangig waren.

    Etwas anders sieht es im Islam aus, der ja die Versklavung von Muslimen ausdrücklich verbietet. Hier liegt zumindest in der Theorie wirklich Rassismus vor. In der Praxis sieht es natürlich anders aus, in islamischen Staaten gibt es ja bis heute eine weiche Form von Sklaverei, die auch Muslime einschließt. Ich habe übrigens irgendwo mal gelesen, daß es niemals mehr Sklaverei gab als im 20. Jahrhundert; leider habe ich keine Quelle zur Hand.

  28. Muriel sagt:

    @almasala:

    und in beiden Fällen liegt eine klare Absicht/Plan vor, die minderwertige Rasse nach eigenen Gutdünken zu entrechten und ermorden.

    Für mich liegt eben da der Unterschied. Ich wüsste nicht, dass der Sklaverei der Plan zugrunde lag, Menschen mit dunkler Hautfarbe systematisch zu ermorden.

  29. almasala sagt:

    @Tim

    Mit Sklaverei war mit Bezug auf den Artikel von Muriel und die Aussagen von Tarantino die Versklavung der Afrikaner gemeint, vor allem die transatlantische Versklavung von Afrikanern.

    Ökonomische Motive waren der Auslöser für die anglo-amerikanische Sklaverei. Sie bedurften aber einer moralischen (Schein)-Legitimation. Dafür war Rassismus eine geeignete Ideologie. In diesem Sinn hast Du Recht, der Ursprung der Sklaverei ist ökonomisch motiviert, die Beschränkung auf Afrikaner jedoch rassistisch motiviert. Das unterscheidet sich vom Holocaust der Juden. Danke für den Hinweis.

    @Muriel
    Es gab immer wieder Massaker an den Schwarzen. Aber grundsätzlich gebe ich Dir Recht, der Holocaust war systematische physische Ermordung und die Sklaverei systematische soziale Ermordung. Das ist ein Unterschied.

  30. Muriel sagt:

    @almasala: Ja, es gab immer wieder Massaker, aber die waren in meinen Augen nicht Bestandteil des Systems Sklaverei, womit ich natürlich nicht sagen will, dass es keinen Zusammenhang gibt, aber er läuft meines Erachtens nicht von Sklaverei zu Massakern, sondern von Rassenhass (Ich sag das jetzt mal so einfach, in der Hoffnung, dass wir alle wissen, was ich meine) zu Sklaverei und massakern.

    Aber grundsätzlich gebe ich Dir Recht, der Holocaust war systematische physische Ermordung und die Sklaverei systematische soziale Ermordung.

    Ich wäre jetzt auch schon wieder mit dem Begriff der sozialen Ermordung nicht einverstanden. Aber Diskussionen über Definitionen sind ja eigentlich unnütz, solange die Unterschiede nicht zu Missverständnissen führen.

  31. Tim sagt:

    @ almasala

    In diesem Sinn hast Du Recht, der Ursprung der Sklaverei ist ökonomisch motiviert, die Beschränkung auf Afrikaner jedoch rassistisch motiviert.

    Das sehe ich wie schon oben geschrieben anders, denn es gab ja keine Beschränkung auf Afrikaner. Die Sklaven / Leibeigenen in Europa waren allesamt Europäer, und ihre Zahl hat das Ausmaß der Sklaverei in den USA bei weitem übertroffen. Die Sklaverei in den USA hat im globalen kollektiven Bewußtsein einen merkwürdigen Sonderplatz, den sie bei allen Grausamkeiten meiner Meinung nach nicht verdient.

    Ich glaube auch nicht, daß die Beschränkung auf afrikanische Sklaven in den USA originär rassistisch war. Afrika hatte nun mal eine jahrhundertealte Sklaverei-Infrastruktur, die bestens funktionierte. Die Leibeigenen in Europa waren (in der Regel) an den Boden gebunden, auf dem sie lebten, waren also mit wenigen Ausnahmen keine handelbare oder jedenfalls keine gut handelbare Ware.

    Man hat sich die Sklaven also dort geholt, wo sie angeboten wurden – das ist eine durch und durch ökonomische Motivation. Im Laufe der Zeit wurde daraus dann natürlich Rassismus – aber er ist im Grunde eine Folge der Sklaverei.

  32. almasala sagt:

    @Tim

    ok vielen Dank für Deine Argumente. Ich sehe, mein Standpunkt hat kein gutes Fundament.

  33. Die Begriffe „African Holocaust“ oder auch „Black Holocaust“ gibt es im amerikanischen Sprachgebrauch durchaus. Hätte man googeln können. Mal zwei Beispiele:
    http://hierographics.org/yourhistoryonline/BlackHolocaust.htm
    http://www.nytimes.com/2003/05/27/opinion/what-did-you-do-during-the-african-holocaust.html
    und meint da ganz unterschiedliche Tatbestände. Einen entsprechenden Wikipedia Eintrag hat es auch:
    http://en.wikipedia.org/wiki/Maafa
    Da werden dann auch zwei Wissenschaftler erwähnt, die von African holocaust sprechen.
    Dann gab es auch noch Schwarze im Holocaust:
    http://www.ushmm.org/wlc/en/article.php?ModuleId=10005479

    Das hat mich jetzt mal ein paar Minuten Zeit gekostet. Ich frage mich ob Frau Susan Vahabzadeh sich die Mühe auch gemacht hat, glaube es aber eher nicht, denn sonst hätte sie ja wenigstens die beiden Autoren nennen können, die den Terminus „African Holocaust“ verwendet wissen wollen.

    Als teaser wäre aber „Holocaust ist immer ein guter eye catcher. deswegen haben wir mal schnell zwei Äußerungen Tarantinos verwurstet, damit unser Tratsch über Tarantino und Lee nicht so nach BUNTE riecht“ aber auch nickt so berauschend.

  34. Muriel sagt:

    @Gladbecks Bürgermeister der Herzen: Willkommen bei überschaubare Relevanz, und vielen Dank für deinen Kommentar.

    Als teaser wäre aber “Holocaust ist immer ein guter eye catcher. deswegen haben wir mal schnell zwei Äußerungen Tarantinos verwurstet, damit unser Tratsch über Tarantino und Lee nicht so nach BUNTE riecht” aber auch nickt so berauschend.

    Wenn es eine Zeitung gäbe, die solche Teaser schreibt, würde ich die abonnieren.

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