Projekt 52 Bücher (1)

Nein. Nein, so ist das gar nicht. Ihr schätzt das völlig falsch ein. Mein Entschluss, an Fellmonsters Projekt 52 Bücher teilzunehmen, hat nichts damit zu tun, dass Guinan mich in ihrem Beitrag dazu empfohlen hat. So eitel bin ich nicht. Ihr tut mir Unrecht.

Es liegt ausschließlich daran, dass mir gerade nichts Besseres einfällt.

Und daran, dass mir das aktuelle Motto, so mitteleinfallsreich es sein mag, sehr zupass kommt, denn

ich lese zurzeit

ein sehr, sehr empfehlenswertes Buch, dem ich lange Zeit Unrecht getan habe, einfach nur, weil ich dazu neige, vorschnell zu urteilen.

Let the right one in

Es ist jetzt rund zweieinviertel Jahre her, dass ich über den Film schrieb:

Es geht um Oskar, einen zwölfjährigen schwedischen Jungen, der von seinen Klassenkameraden misshandelt wird, und um Eli, ein (schon sehr lange) zwölfjähriges Vampirmädchen (ungefähr), das sich mit ihm anfreundet. Der Film erzählt seine Geschichte auf eine sehr langsame, wirklichkeitsnahe, ereignisarme Weise, und legt dabei keinerlei Wert auf ästhetische Bilder. Wie im richtigen Leben gibt es keinen Helden, keinen Bösewicht, und eigentlich auch kein Ende.

[…]

Wenn ich ehrlich sein soll, muss ich sagen, dass “Låt den rätte komma in” mir nicht gefallen hat, aber ich bin froh, dass ich ihn gesehen habe. Es ist vielleicht auch einer dieser Filme, die mich so lange nicht loslassen, bis ich selbst eine Geschichte über dasselbe Thema geschrieben habe.

Ich hatte damals den Eindruck gewonnen, dass das Buch eher düsterer und anstrengender ist als der Film, und weil ich den schon reichlich anstrengend fand, entschied ich mich dagegen, das Buch zu lesen. Ich mag so Kopfschmerzliteratur nicht, die nicht unterhält, sondern nur belastet. Nennt mich oberflächlich, ich hab’s verdient.

Aber dann kürzlich erwähnte die wundervolle Maven of the Eventide in einer ihrer Reviews beiläufig, dass es einer der besten Vampirromane aller Zeiten sei, und weil ich ihrem Urteil vertraue wie keinem sonst ich gerade sowieso auf der Suche nach einem vielversprechenden Buch war und der Film mich erwartungsgemäß wirklich nicht losgelassen hat und, wie das bei solchen Filmen oft ist, im Laufe der Zeit in meiner Erinnerung immer besser geworden war, entschied ich mich um und holte mir das Buch.

Im Gegensatz zum Film lese ich es nicht im schwedischen Original mit Untertiteln, sondern einfach auf englisch, weil hat sich so ergeben, und ich habe es jetzt ungefähr zu einem Viertel durch und bin begeistert. Ganz viel. Wo der Film oft sehr schwergängig und langweilig ist, ist es das Buch nie, und wo der Film nach meiner Erinnerung viele der schwierigen Themen des Buches ausgelassen oder nur angedeutet hat (Pädophilie und Inkontinenz, zum Beispiel), spricht das Buch sie direkt an, und schafft es dabei trotzdem, noch wesentlich unterhaltsamer und leichter daherzukommen als der Film, was natürlich nicht heißt, dass ich es für Leute empfehlen würde, die auf solche Themen empfindlich reagieren. Es ist schon ernst. Aber klug, und wer ernste Themen klug behandelt, kann dabei einfach nicht ganz ernst bleiben. Das ist John Ajvide Lindqvist bisher unfassbar gut gelungen, ebenso wie die überzeugende Schilderung der Perspektive eines zwölfjährigen Jungen, und überhaupt alles. Wenn es so weitergeht, dann könnte es passieren, dass ich mein Top-Buch 2013 schon im Januar zu Ende lese.

Kapitales Ding. Unbedingte Empfehlung, ausdrücklich nicht nur für die Freunde von Vampirgeschichten. Losgehen, kaufen. Jetzt. Sofort. Was macht ihr noch hier?

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4 Responses to Projekt 52 Bücher (1)

  1. Wenn dabei immer so interessante Buchtipps rausspringen, kannst Du gern öfter nichts Besseres zu tun haben. 😉

  2. Guinan sagt:

    Ich ahnte, dass die Teilnahme an diesem Projekt sich negativ auf mein Zeitmanagement auswirken würde.
    Also gut, ich krame es denn mal im virtuellen Stapel ganz nach oben.

  3. Okay, das klingt irgendwie freaky und ernst. Aber neugierig hast du mich jetzt trotzdem gemacht.
    Der Umfang meiner wanna read Liste wird ins unendliche wachsen mit dieser Fellmonster-Challenge 😉

  4. […] würde ich zwei Bücher. Das erste wäre Let the Right One In, weil ich das inzwischen durchgelesen habe und es zur Hand haben will, um euch mein Fazit zu geben: […]

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