Sterngrafiken = Quatsch? Meistens.

Über den Pixelökonom bin ich heute auf diese Stern-Grafik mit der Überschrift „Viele Waffen = viele Tote? Meistens.“ gestoßen (Nicht, dass der Eindruck entsteht, ich würde das Ding einfach so lesen. Texte, die Gleichheitszeichen missbrauchen, lese ich normalerweise schon prinzipiell nicht.). Und dann sah ich mir diese Grafik kurz an, die er zur Basis seiner These

Der grundlegende Zusammenhang ist also simpel: Je mehr Waffen gehortet werden, desto mehr Menschen werden erschossen.

macht, [Full Disclosure: Er macht es nicht ganz eplizit zur Basis seiner These. Vielleicht meint er das auch gar nicht so, obwohl es für mich so klingt. Unter anderem deshalb rede ich jetzt im Weiteren nicht mehr über den Artikel des Pixelökonomen, sondern nur noch über die Stern-Quatschgrafik.]

und ich fragte mich spontan:

wtf?

Erstmal fällt schon auf den ersten Blick ins Auge, dass die Sternleute die ulkige Idee hatten, die absolute Zahl der Waffen (also unabhängig von der Bevölkerung eines Landes) mit der Zahl der Tötungsdelikte pro Million Einwohner (also abhängig von der Bevölkerung eines Landes) zu vergleichen. Wie man darauf kommt, weiß ich nicht. Ich glaube aber, ich verrate nicht zu viel, wenn ich sage, dass wir keine böse Absicht unterstellen sollten, denn wenn wir das täten, würden wir damit implizieren, dass jemand gewusst hätte, was er tat.

Das können wir aber mit hoher Wahrscheinlichkeit ausschließen, denn wenn wir den vernünftigen Vergleich anstellen (also Waffen pro Million Einwohner mit Tötungsdelikten pro Million Einwohner) wird der Korrelationskoeffizient zwar noch mal relativ erheblich niedriger, aber weil er vorher auch praktisch schon nichtexistent war, macht das trotzdem keinen nennenswerten Unterschied. Außerdem hätte man mit böser Absicht garantiert sehr leicht die Länder einfach so wählen können, dass sich eine Korrelation ergibt, wobei bekanntermaßen sogar eine Korrelation noch nicht den Schluss auf Kausalität zulässt. Zum Beispiel korrelieren auch der Konsum von Speiseeis und die Anzahl an Gewaltverbrechen, nicht weil Eis gewalttätig macht, sondern weil beides mit steigenden Temperaturen zunimmt. Genauso gäbe es auch hier verschiedene mögliche Modelle zur Erklärung einer Korrelation. Zum Beispiel könnte man vermuten, dass in Ländern mit vielen Tötungsdelikten die Menschen das Bedürfnis verspüren, sich zu bewaffnen. Das wäre eine sehr schlichte Möglichkeit, nämlich eine einfach umgedrehte Kausalität, aber es gäbe gewiss noch Dutzende andere plausibler Modelle. Müssen wir uns aber keine Gedanken drum machen, denn es gibt eine solche Korrelation in den Daten gar nicht. Falls ihr es genauer wissen wollt, habe ich es euch mal im Detail ausgerechnet:

Kleiner Korrelationsexkurs: Und falls ihr es genauer wissen wollt, euch aber mit den Termini nicht so auskennt: Pearson Correlation bezeichnet den so genannten Korrelationskoeffizienten, sozusagen den Gradmesser des Zusammenhangs. Bei identischen Werten wie Schusswaffen und Schusswaffen beträgt er natürlich 1. Bei Werten ab ca. 0,7 kann man von einer hohen Korrelation sprechen, bei Werten 0,3 von einer geringen, und bei Werten (wie hier) unter 0,1 spricht man wohl üblicherweise von einer praktisch vernachlässigbaren Korrelation. Der Sig.-Wert gibt die Signifikanz des Zusammenhangs an. Das bedeutet die Wahrscheinlichkeit dafür, dass die festgestellte Korrelation aufgetreten wäre, wenn die Werte nicht zusammenhängen würden. Je niedriger dieser Wert ist, desto besser also für unseren Zusammenhang. Nicht ganz unüblich ist ein Standard von 0,05, das heißt, wenn die Wahrscheinlichkeit für ein rein zufälliges Zustandekommen der Korrelation geringer als 5% ist, dann betrachten wir unser Ergebnis als signifikant. Wer das etwas laxer sieht, arbeitet manchmal auch mit 0,1. Wer bei Werten um und bei 0,5 (hier: 0,467) noch von Signifikanz spricht, weiß ich nicht, aber ich würde dann gerne das bestellen, was er hatte. Das bedeutet nämlich, dass die Wahrscheinlichkeit, dass unser Ergebnis rein zufällig ist und nichts bedeutet, ungefähr so groß ist wie die, dass wir wirklich einen echten Zusammenhang gefunden haben. [Da habe ich nun Quatsch geschrieben, und mich von dem Wunsch verführen lassen, eine möglichst griffige Erklärung zu liefern. Die Signifikanz sagt uns, wie wahrscheinlich oder unwahrscheinlich ein Ergebnis wie das unsere wäre, wenn unsere betrachteten Variablen in Wahrheit unabhängig voneinander wären. Sie sagt uns nicht, wie wahrscheinlich es ist, dass wir einen echten Zusammenhang gefunden haben.] Ende Exkurs

Der Verfasser beim Stern schien sich darüber auch mehr oder weniger klar zu sein, vielleicht halb unbewusst, denn er schreibt zwar zunächst großspurig:

Wie die Grafik belegt, besteht in den meisten Ländern ein Zusammenhang zwischen der Zahl der im Privatbesitz befindlichen Schusswaffen und der Zahl der Tötungsdelikte, bei denen Schusswaffen zum Einsatz kamen.

Aber danach kommt nur noch das Bespiel Japan und USA, wo man tatsächlich erkennt: In den USA ist beides viel, in Japan beides sehr wenig. Aber dazwischen ist nur Salat. Wir haben also genau zwei Datenpunkte. Die These, dass „in den meisten Ländern“ der beschriebene Zusammenhang besteht, stimmt also nicht mal bei den 7 Ländern die der Stern rätselhafterweise für seine Grafik ausgewählt hat.

Und nun? Heißt das, es gibt keinen Zusammenhang zwischen privatem Waffenbesitz und Tötungsdelikten mit Schusswaffen? Heißt das, dass privater Waffenbesitz kein Problem ist und überall unbegrenzt legal sein sollte? Nee, das heißt es nicht. Es heißt gar nichts, abgesehen davon, dass beim Stern offenbar niemand mit auch nur dem grundlegendsten Verständnis von Statistik noch mal über solche Sachen drüber guckt. Oder zumindest niemand, den es interessiert, ob die Veröffentlichungen des Stern irgendwie Sinn ergeben oder nicht.

Hm. Warum war mir das jetzt eigentlich noch mal einen Blogpost wert? Der Stern hat Quatsch geschrieben. Wow. Stop the presses. Naja. Ich geh dann jetzt mal schlafen.

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20 Responses to Sterngrafiken = Quatsch? Meistens.

  1. Muriel sagt:

    Ich bin ja mal gespannt, ob sich jemand die Mühe macht, mich auf die streng genommen auch unzulässigen Vereinfachungen hinzuweisen, die ich selbst hier in meiner Analyse vorgenommen habe.
    Madove? Du würdest sowas nicht machen, oder? Freunde kritisieren nicht die statistischen Verfahren von Freunden.

  2. Da ich kein Statistiker bin, kann ich die unzulässigen Vereinfachungen nicht kritisieren. Vereinfachungen dienen dazu, einen komplexen Sachverhalt für Laien verständlich darzustellen. So lange das die Aussage der komplexen Zusammenhänge nicht verfälscht ist dagegen mMn nichts zu sagen.

    Daß privater Waffenbesitz und Gewalt wenig miteinander zu tun haben ist eine Binsenweisheit, auf die man von selbst kommt, wenn man sich ein bisschen mit dem Thema beschäftigt. Aber als Vorurteil oder plausible Annahme ist „Viele Waffen = viele Tote“ in den Hirnen der Menschen verankert. Das ist auch eher emotional als sachlich.

    Nimmt man z.B. die Schweiz; da hat man eine hohe Waffendichte an legalen Waffen, aber erstaunlich wenige Tote. Gleiches gilt für Deutschland und Skandinavien. In England gibt es einen Hand-Gun-Ban. Dort gibt es sehr viele Tote durch genau diese Sorte Waffen (die sind natürlich illegal und die Opferzahlen liegen gemeinerweise in den Brennpunkten am höchsten, während an anderen Stellen gar nichts passiert). Hier gilt: Wenige legale Waffen, aber viele Tote durch illegale Waffen.

    Die eigentliche Unterstellung des Stern in der Frage ist aber: Macht Waffenbesitz aggressiv? Das lässt sich mit einem klaren Nein beantworten. Fühlen sich aggressive Menschen zu Waffen hingezogen? Das stimmt dann schon eher. Das Gros der Waffenbesitzer ist sehr friedlich.

    Noch mal Japan, wo ein absolutes Schußwaffenverbot herrscht. Dort finden Gewaltverbrechen mit ganz normalen, legal erhältlichen Messern, Äxten, Hämmern statt. Folglich – wie im Artikel bereits angemerkt – erhöht ein Schußwaffenverbot nicht automatisch die Sicherheit, wie umgekehrt eine komplette Freigabe auch nicht automatisch Chaos/Anarchie/Mord/Totschlag bedeuten würde.

    Bei Schußwaffenkriminalität/-gewalt spielen sehr viele Faktoren mit. Gesellschaftliche, ökonomische, soziale, örtliche Gesetze, etc. Die meisten dieser Punkte werden einfach unter den Tisch fallen gelassen. Das ist dann grobe und unzulässige Vereinfachung, die zu einem falschen Bild führen.

  3. Muriel sagt:

    @lawgunsandfreedom:

    Da ich kein Statistiker bin, kann ich die unzulässigen Vereinfachungen nicht kritisieren.

    Ich habe hier den Pearson-Test benutzt, der aber zum Beispiel eine Normalverteilung voraussetzt, die ich in diesem Fall nicht überprüft habe. Bei Kendall’s tau_b und Spearman’s rho, die ich gerade noch mal habe durchlaufen lassen, sind andererseits die Ergebnisse zwar etwas besser, aber immer noch nicht annähernd überzeugend.
    Vielleicht sollte ich mir abgewöhnen, kurz vor dem Schlafengehen noch mal schnell was posten zu wollen.
    Um ganz offen zu sein, bin ich jetzt aber auch zu faul, mich mit der Sache in dieser Form eingehender zu beschäftigen, weil der Stern-Ansatz auch noch in verschiedener anderer Hinsicht Unfug ist. Wenn ich mal die Zeit und die Lust finde, würde ich wohl gleich Statistiken aus ein paar mehr Ländern heraussuchen wollen, um wirklich eine vernünftige Datenbasis zu haben, statt sieben undurchsichtig herausgefischter Länder.

    Daß privater Waffenbesitz und Gewalt wenig miteinander zu tun haben ist eine Binsenweisheit, auf die man von selbst kommt, wenn man sich ein bisschen mit dem Thema beschäftigt.

    Ich habe mich noch nicht so richtig mit dem Thema beschäftigt und wäre deshalb dankbar, wenn du mir die Grundlage für diese Binsenweisheit mitteilen könntest. Hat sich eventuell schon jemand die Mühe gemacht, die Daten zu vergleichen? Wäre ja geradezu merkwürdig, wenn nicht.

    Die eigentliche Unterstellung des Stern in der Frage ist aber: Macht Waffenbesitz aggressiv?

    Diese Unterstellung finde ich in der Stern-Grafik nun aber nicht. Dass Menschen mit mehr Waffen mehr Gewaltdelikte verüben, müsste ja nicht an höherer Aggressivität liegen. Im Gegensatz legt der Stern die Annahme nahe, dass es einfach an der Verfügbarkeit der Waffen liegt, nicht an der Aggressivität der Besitzer.

    Dort finden Gewaltverbrechen mit ganz normalen, legal erhältlichen Messern, Äxten, Hämmern statt.

    Ja, das ist zum Beispiel ein weiteres Problem mit der Stern-Grafik: In der Erläuterung steht, es seien die Tötungsdelikte mit Schusswaffen gezählt worden, in der Grafik steht nur „Tötungsdelikte“. Wenn wir davon ausgehen, dass die Erläuterung zutrifft (und die Zahlen überhaupt stimmen, weiß man beim Stern ja auch nie), dann wäre es auch in meinen Augen viel interessanter, alle Tötungsdelikte zu berücksichtigen, weil es in meinen Augen kein großer Fortschritt ist, erstochen zu werden statt erschossen. Ich stelle mir ersteres sogar marginal schmerzhafter vor.

    Bei Schußwaffenkriminalität/-gewalt spielen sehr viele Faktoren mit. Gesellschaftliche, ökonomische, soziale, örtliche Gesetze, etc. Die meisten dieser Punkte werden einfach unter den Tisch fallen gelassen. Das ist dann grobe und unzulässige Vereinfachung, die zu einem falschen Bild führen.

    Vollkommen richtig. Trotzdem wäre es natürlich interessant zu wissen, ob die spontane Verfügbarkeit von Schusswaffen einen Unterschied macht, und welchen.

  4. freiheitistunteilbar sagt:

    @Muriel

    Warum wurden eigentlich keine staatlichen Tötungsdelikte aufgelistet? Wo findet man die Auflistung, wie viele potentielle Tötungsdelikte mittels Waffen verhindert wurden? Eine scharfe Trennung zwischen legalen und illegalen Waffen wäre auch noch interessant.

    Der Stern verbreitet also die dümmlichste NWO Propaganda. Entwaffnet die Bürger, den Tyrannen bevorzugen verhauschweinte und schutzlose Untertanen.

  5. […] Auf dem Blog “Überschaubare Relevanz” wird die in meinem gestrigen Post verlinkte Grafik des Magazins Stern aus statistischer Perspektive als ziemlicher Blödsinn bezeichnet. […]

  6. Tim sagt:

    Schlimmer als den Stern-Unsinn finde ich, daß der Pixelökonom auf den banalen Blödsinn hereinfällt. Von dem bin ich eigentlich Besseres gewohnt.

  7. Muriel sagt:

    @Tim: Er hat ja immerhin (wie am Trackback zu erkennen) das Problem besprochen.
    Wie lange es wohl dauern wird, bis der Stern sich transparent korrigiert, ist hingegen eine Frage, über die sich eher nicht zu reden lohnt.

  8. @Muriel
    Die AG Waffenrecht in der Piratenpartei hat sich schon mal an die Statistiken (sofern erhältlich) rangewagt (Hauptsächlich Deutschland, aber auch über andere Länder ist was zu finden). Das ist aber teilweise noch recht ungeordnet. Auch sind wir alle keine Statistiker und die Interpretationen aus den Zahlen sind ja noch mal eine andere Baustelle.

    Auf den Seiten der AG Waffenrecht findest Du auch die Grundlagen meiner Binsenweisheit. Wir haben viel Material gesammelt und versuchen es ordentlich auszuwerten. Für sachliche Hinweise, Kritik und Korrekturen sind wir mehr als dankbar. AG Waffenrecht Themensammlung

    Verbrechen sind nicht von der Verfügbarkeit einer Schußwaffe abhängig, jedenfalls konnten wir derartige Behauptungen weder eindeutig bestätigen noch widerlegen. Die Daten, die wir haben, deuten eher darauf hin, daß die Annahme nicht zutrifft. Aber wir können Fehler gemacht haben und oft fehlt es auch an ordentlichem Quellenmaterial.

    Zu Deutschland haben wir mäßig aufgeschlüsseltes Zahlenmaterial vom BKA bekommen – angeblich wird nicht zwischen Legalwaffen und illegalen Waffen unterschieden, weil es sich angeblich nicht lohnt, die paar wenigen Fälle einzeln aufzuführen. Wenn man sich mal die Zahlen zum Waffenmißbrauch (Bundeslagebild2011) in Deutschland ansieht, dann sind die so gering, daß sie im statistischen Grundrauschen förmlich untergehen.

    Das Thema krankt leider daran, daß sowohl Waffenbesitzer als auch Waffengegner schnell in die Extreme gehen. Wir versuchen das in der AG sachlich und möglichst ohne unnötige Emotionen zu lösen.

  9. Es gibt bei fast allen „Statistiken“ zur Schusswaffenkriminalität zwei Probleme.

    1. Die absoluten Zahlen der registrierten (vom Staat kontrollierbaren) Waffen sind bekannt, die anderen nicht, sondern nur geschätzt. Die Schätzungen stammen von Aaron Karp, einem aktiven Guncontroll-Aktivisten, und werden in der Uni Sidney (Gunpolicy.org) für alle Statistiken mit Waffen benutzt, sogar dann, wenn neuere Zahlen bekannt werden. (Man möge dort mal nach Schweden googeln.)

    2. Es werden international die Opfer durch Schusswaffen verglichen statt die Opfer durch Gewaltdelikte.

    Beispiel England&Wales zu Deutschland

    1. Waffenbestand
    In E&W soll es 3,4 Mio. Waffen geben, d.h. 6,2/100.000
    In DE soll es 25,5 Mio. Waffen geben, d.h. 30,3/100.000

    In Deutschland ist der legalen Waffenbestand von 10 Mio auf 5,6 Mio. seit 2009 (u.a. durch die Amnestie) geschrumpft. Die Anzahl der illegalen Waffen kann nur geschätzt werden. Anscheinend nimmt diese laufend zu, denn in JEDER Statistik stehen weiterhin 25,5 Mio.

    Während nun für DE immer eine utopische und immer größer werdenden Zahl von illegalen Waffen benutzt wird, findet sich keine einzige illegale Waffe in der Statisitk von UK wieder.
    http://www.gunpolicy.org/firearms/region/united-kingdom
    http://www.guardian.co.uk/news/datablog/2012/jul/22/gun-homicides-ownership-world-list

    Dabei können wir im House of Parliament nachlesen, dass mit illegalen Pistolen (da alle Pistolen verboten sind, sind auch alle illegal) pro Jahr über 2400x Missbrauch getrieben wird. Wir können in Interviews mit der Polizei in London und Manchester sehen, wie diese kistenweise illegale Waffen (auch Vollautomaten) beschlagnahmen und vernichteten. Doch taucht keine einzige dieser Waffen in den Statistiken auf.

    2. Gewaltopfer

    Wir hören seit Jahren, dass in UK jährlich nur 40 Menschen mit Waffen getötet werden, in Deutschland jedoch über 150 und in den USA gar 10.000.

    Vergleicht man die Mordrate pro 100.000 Einwohner, werden in Deutschland 0,9 Menschen, in England & Wales 1,4 und in Schottland sogar 2,4 ermordet.

    Ich denke, den Opfern ist es egal, mit was sie getötet werden. Die Zahlen aus UK kann man m.E. nicht „Erfolg“ feiern.

    In den USA liegt die Durchschnittsrate bei 4,5, wobei sie in den Districten mit restriktivem Waffenrecht bei 9 (New York), 17 (Chicago) und 36 (Washington D.C.) liegt, während in Vermont mit 1,2 westeuropäische Verhältnisse herrschen.

    Es ist völlig klar, dass dort, wo Waffen verfügbar sind, die Gewaltdelikte mit Waffen höher ist als dort, wo sie verboten sind.

    Die Verfügbarkeit wirkt sich jedoch in Rechtsstaaten nicht auf die Gewaltdeliktsrate aus. Ist keine Waffe zur Hand, nimmt man ein anderes Werkzeug. So sprangen in Kanada nach der Waffenrechtsverschärfung mehr Menschen von der Brücke, um Selbstmord zu begehen, in Australien ist Erhängen bei den jüngeren Leuten das beliebteste Selbstmordmittel. In Deutschland werden mehr Menschen mit den bloßen Händen (stürzen, stoßen, ersticken, erschlagen) getötet als mit Werkzeugen. [Ich habe zu diesen Aussagen diverse Statistiken abgelegt, die bei Bedarf auch geposten werden können].

    Das FBI vermeldet für 2011 trotzt siginifikant gestiegenem Waffenbesitzständen sinkende Gewaltdeliktraten – und das seit 19 Jahren in Folge.
    http://www.fbi.gov/news/pressrel/press-releases/fbi-releases-preliminary-annual-crime-statistics-for-2011

    Eine skandinavische Studie von 2011, die über 1500 Morde in Finnland, Schweden und den Niederlanden, untersucht hatte, kommt zu dem Ergebnis:

    Es gibt keinen Zusammenhang zwischen legalem Waffenbesitz und Mordraten. Dieser Satz steht auf Englisch wortwörtlich in der von der EU geförderten Studie-

    http://www.optula.om.fi/en/Oikeapalsta/Haku/1302674251193

  10. @Muriel
    Kannst Du damit was anfangen:
    http://www.guardian.co.uk/news/datablog/2012/jul/22/gun-homicides-ownership-world-list

    Klar, daß die Erhebungen pro Land unterschiedlich zuverlässig gehandhabt werden. Überall dürfte es Fehler geben. In GB wird sogar ganz offensichtlich die Statistik gefälscht. Da gab es auf youtube mal ein Interview (BBC) mit einem Polizeioffizier, der aussagte, seine Beamten wären angehalten „kreativ“ mit den Meldungen umzugehen, um die Zahlen niedrig zu halten. Leider hat die BBC das Video entfernen lassen und ich habe keine Kopie davon.

  11. Christian Westphal sagt:

    Literaturtipp: Kronmal, Richard A. „Spurious correlation and the fallacy of the ratio standard revisited.“ Journal of the Royal Statistical Society. Series A (Statistics in Society) (1993): 379-392.

  12. Ich finds interessant, dass im Prinzip immer nur die Statistiken der Waffengegner gebracht und diskutiert werden.

    Gibts eigentlich irgendwo eine Statistik, die die Hauptthesen der Waffenlobby – „Waffen gegen Verbrecher! und „Waffen gegen staatliche Unterdrückung“ – beinhaltet: Verhindern Waffen Verbrechen und staatliche Gewalt?

  13. MH sagt:

    Ich kann nicht anders, aber es gibt hier noch einen weiteren statistische/methodischen Fehler:

    „Wie die Grafik belegt, besteht in den meisten Ländern ein Zusammenhang zwischen der Zahl der im Privatbesitz befindlichen Schusswaffen und der Zahl der Tötungsdelikte […]“.

    Sagen wir mal aus reiner Großzügigkeit, dass die Grafik tatsächlich „belegt“, dass es eine Korrelation zwischen der Zahl der Waffen und den Tötungsdelikten gibt: dann gibt es diesen Zusammenhang aber leider erst mal nur _zwischen_ den Ländern. Über die Korrelation _innerhalb_ der Länder wissen wir überhaupt nichts.

    Mir fällt leider gerade kein knackiges Beispiel ein, dass die Absurdität der Verwechslung von „zwischen“ und „innerhalb“ auf den Punkt bringt. Bin mir aber sicher, dass es welche gibt.

  14. @schneeschwade

    Ja es gibt sogar wissenschaftliche Studien dazu. Es ist hier aber das Gleiche zu beobachten wie beim Klimawandel: bestimmte Erfahrungen/Ergebnisse werden medial unterdrückt, andere (genehme) werden gepuscht.

    Ich habe mir einige Bücher und Studien über Waffengewalt und Prävention durchgelesen und hier eine umfängliche Liste von Quellen (am Ende der Seite), sowie Kurzbiographien der Studienverfasser angelegt. Diese schätze ich auf 50:50 (pro-Waffen:neutral) in ihrer Haltung ein, was m.E. okay ist, da in den Medien 100% anti-Waffen Studien herhalten.

    http://legalwaffenbesitzer.wordpress.com/2012/09/01/konnen-waffenverbote-und-waffenkontrollen-gewalt-verhindern/

  15. Muriel sagt:

    @alle: Vielen Dank für die Kommentare und die die Links. Insbesondere die Tabelle im Guardian finde ich interessant, auch wenn man hier sicherlich wie immer die Unzuverlässigkeit der Zahlen beachten muss. Ich werde mal versuchen, Zeit zu finden, die zu untersuchen.
    @lawgunsandfreedom: Vielleicht denke ich da zu sehr in Klischees, aber es kann doch nicht so schwierig sein, in der Piratenpartei ein paar Mathematiker zusammenzutreiben, oder?

  16. @Muriel
    Wenn du mir eine Email an katja@triebel.de schickst, kann ich dir die US-Statistik des Guardians schicken mit dem Verhältnis zur Mordrate statt zur Schusswaffenopferrate, die ich anhand der Daten ausgerechnet habe. Damit kann man sicherlich etwas aussagen.

  17. @muriel
    Bei den Piraten-Nerds gibt’s massenhaft Programmierer und sicher auch ein paar Mathematiker und Statistiker. Nur in die AG Waffenrecht hat sich noch kein Statistiker verirrt, der uns hätte weiterhelfen können. Außer einer einzigen Kritik an unserer Methodik (wir wissen es halt nicht besser) kam bisher nichts.

    Ich kenne Dutzende von Waffenbesitzern, die in der IT arbeiten. Aber das sind fast alles Praktiker und „Handwerker“ … Kabelaffen, Techniker, Netzwerker, Linuxer, Dateienschubser, Sys- und Server-Admins usw. Aber die können einem bei statistischen Problemen leider nicht weiterhelfen. Deshalb pfuschen wir halt selber rum und müssen uns dann natürlich den Vorwurf, daß wir nicht nacht den statistischen Standardregeln und Methoden arbeiten, gefallen lassen.

  18. Muriel sagt:

    @lawgunsandfreedom: Okay, das Problem verstehe ich. Ich würde meine Hilfe anbieten, aber erstens habe ich so schon viel zu wenig Zeit für die Dinge, die ich eigentlich machen sollte, zweitens sympathisiere ich auch gar nicht sooo besonders mit den Piraten, und schließlich bin ich dafür auch völlig ungeeignet, weil ich auch keine Ahnung habe.
    Insofern bleibt mir nur, euch alles Gute zu wünschen bei der Suche nach passendem Personal.

  19. Well … die Hilfe wird sich finden. Immerhin haben wir schon ein Team, das vorsichtig und (selbst-)kritisch an die Sache rangeht. Danke für die guten Wünsche. Und was die Zeit angeht … das kann ich auch ein Liedchen von singen …

  20. Muriel sagt:

    @lawgunsandfreedom: Das glaub ich dir. Politik ist enorm zeitaufwendig. Für mich wär das nichts.

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