Projekt 52 Bücher (5)

Na logo. Lebt Frank Zander eigentlich noch? Ich habe ihn ja mal persönlich kennengelernt. War profund gruselig.

Jeder von uns, ist klar. Nein, ich habe keine Wunschliste, und ich habe eigentlich überhaupt keine Listen, auf denen Bücher stehen, weshalb die aktuelle Aufgabe

Das Buch, das ganz oben auf einer deiner Listen steht.

für mich schwierig sein könnte, wäre ich nicht bereit, unmittelbar für diesen Zweck eine Liste aufzumachen. Nun muss ich also nur noch entscheiden, was für eine. Ich glaube, ich nenne sie aus aktuellem Anlass „Die meist überschätzten Bücher der Welt, die in Wahrheit nicht etwa nur viel weniger gut sind, als alle glauben, sondern sogar überhaupt nicht„, und – das mag jetzt einige von euch überraschen – während der Herr der Ringe sich zwar selbstverständlich auf dieser Liste befindet, ist er nicht ganz oben, denn sogar ich muss zugeben, dass der Herr der Ringe handwerklich ganz okay geschrieben ist, und dass man daran wahrscheinlich Freude haben kann, wenn einem Plot, Charaktere, Dialoge, intellektuelle sowie ethische Integrität und natürlich die eigene Lebenszeit hinreichend egal sind, aber wir wollen das nicht vertiefen, denn hier geht es nicht um ein Buch, das irgendwo auf einer meiner Listen steht, sondern um das, das ganz oben steht, und das ist in diesem Fall:

Jedes einzelne ver#*!!$§?* Buch von Isaac Asimov! (Ich würde noch mehr Ausrufezeichen setzen, mindestens sieben, aber ich habe meine Prinzipien, und Selbstbeherrschung bei der Interpunktion ist eines der wichtigsten, deshalb geht das nicht.)

Tolkien konnte wenigstens schreiben. Nicht gut. Keine Plots. Keine Dialoge. Er konnte keine Charaktere zum Leben erwecken. Aber er konnte grundsätzlich schreiben. Asimov hingegen … Nein. Was Asimov schreibt, ist keine Belletristik. Was Asimov schreibt, sind keine Geschichten. Während es bei Tolkien schlechte Charaktere gibt, und mittelmäßige Dialoge, und so, gibt es bei Asimov gar keine Charaktere, und Plot und Dialoge sind nichts weiter als extrem fadenscheinige Vorwände, um philosophische und ethische Fragen zu bearbeiten, die ihm wohl interessant und tiefsinnig und schwierig vorkamen.

Ich bin für gewöhnlich geneigt, jedem Menschen seinen Geschmack zuzugestehen, und bin mir sogar darüber im Klaren, dass meiner ein bisschen eigenartig ist, und sogar wenn das nicht so wäre, wäre er für niemanden maßgeblich außer mir selbst (und vielleicht Leute, die mir aus irgendwelchen Gründen gefallen wollen, aber ich schweife ab, wollte diese nicht ganz richtige These nur nicht ganz unkommentiert stehen lassen, bevor ich sie veröffentliche), aber bevor ich glaube, dass jemand Asimovs Alibigeschichten wirklich als Geschichten mag, ist wesentlich mehr Überzeugungsarbeit erforderlich, als irgendein vernünftiger Mensch aufzubringen bereit sein dürfte, weshalb ich wohl verdammt bin, für den Rest der mir gegebenen Zeit durch mein Leben zu gehen in dem Glauben, dass es nur einen einzigen Grund geben kann, aus dem irgendjemand Asimovs Machwerke gerne lesen könnte: Die schon erwähnten interessanten philosophischen und ethischen Fragen. Da ich aber an solche ganz allgemein nicht glaube, und insbesondere in seinem Werk auch keine finden konnte, gibt es für mich gar nichts an seinem Kram zu lesen, und bevor jemand fragt: Ich habe trotzdem seinen gesamten Foundation-Zyklus gelesen, alles von Anfang bis Ende, weil ich damals 12 war und mich aus Gründen, an die ich mich im Detail nicht erinnern kann, dazu verpflichtet fühlte. Ich glaube, es war so, dass mir die Box gefiel, ich sie kaufte, und dann den Gedanken nicht ertragen konnte, ungelesene Bücher in meinem Regal stehen zu haben. Oder so.

Es war schlimm. Ich habe gelitten. Ich habe geflucht. Ich habe gehasst. Und ich hasse auch heute noch. Es gibt nicht sehr viele Menschen, die ich hasse. Aber Isaac Asimov ist einer von ihnen. Und wenn er mir begegnen würde, würde ich ihm vielleicht nicht wirklich einen Kinnhaken versetzen – er ist ja auch schon lange genug tot, um das als offensichtlich völlig idiotische Idee dastehen zu lassen, aber auch unabhängig davon würde ich schon einsehen, dass es keine gute Idee wäre, und dass es so nicht geht, alleine schon, weil ich ja auch nicht will, dass jeder, der meine Geschichten hasst, mich aus den Schuhen haut, wenn er mir begegnet. Oder sie.

Aber verdient hätte er’s.

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24 Responses to Projekt 52 Bücher (5)

  1. Guinan sagt:

    Ja, aber… aber… die Roboter-Gesetze…
    Was zählen daneben Plot und Charaktere?

  2. Muriel sagt:

    Ja, die wären niedlich, wenn ein Dreijähriger sie sich ausgedacht hätte.
    Aber wie so viele Dinge, die bei Dreijährigen niedlich sind, sind sie für einen Erwachsenen eher peinlich, besonders, wenn er sie ernst meint.

  3. Guinan sagt:

    Findest du echt? Das trifft mich jetzt aber hart.

  4. Muriel sagt:

    Was meinst du, wie hart mich das erbärmliche Verständnis von Ethik trifft, das in ihrer Handhabung für Roboter in Serien wie Star Trek oder eben Asimovs Büchern zum Ausdruck kommt?
    Wir haben alle unsere Enttäuschungen zu verarbeiten.

  5. Guinan sagt:

    Wo siehst du die Erbärmlichkeit?

  6. Muriel sagt:

    In der Vorstellung, dass Ethik ein Satz von Regeln ist.

  7. Guinan sagt:

    Ich kann mir keine Programmierung ohne Regeln vorstellen. Egal wie hochentwickelt und komplex, letztendlich kann man es doch wieder auf wenn-dann runterbrechen.

  8. Muriel sagt:

    Mag sein. Weiß ich nicht. Aber das Stichwort ist „komplex“. Asimovs Gesetze sind beinahe so dämlich wie die biblischen Gebote. Na gut, das ist ein bisschen unfair, aber sie sind schon ziemlich dämlich.
    Welche Regeln machen denn die ethische Programmierung von Menschen aus?

  9. Guinan sagt:

    Bei Menschen? Keine Ahnung. Ich vermute ein buntes Durcheinander aus abgeguckten und erlernten Verhaltensweisen. Da liegt für mich ja gerade der Reiz bei solchen Geschichten. Was unterscheidet die Maschine vom Menschen, wo ist die Grenze zur Menschlichkeit? Ist eine Maschine menschlich, wenn sie fähig ist, sich über ein vorgegebenes Regelwerk in ihrer Porgrammierung hinwegzusetzen? Oder ist das dann eine Fehlfunktion?

  10. Muriel sagt:

    Ja, wie ich oben schrieb: Da liegt für mich auch der Reiz bei solchen Geschichten. Jetzt in dem Sinne, in dem zum Beispiel Ammoniumphosphat reizend ist.

  11. Muriel sagt:

    Ach so, und jetzt habe ich doch glatt die Hauptsache vergessen: Erlernte und abgeguckte Verhaltensweisen. Das ist für dich Ethik?

  12. Guinan sagt:

    Tja, und ich mag sowas wirklich.
    Du fragtest nach der Programmierung. Ich meine, auf die Weise entwickelt sich ethisches Verständnis, das Gefühl für richtig und falsch. Aus dem, was einem vorgelebt wird, was man als akzeptables Verhalten erlernt, bastelt man sich seine persönliche Ethik zusammen. Erlernt, nicht angeboren. Und eben ohne starres Regelwerk, naja, fast ohne jedenfalls. Und mit ausreichend Mühe kann sich daran auch wieder etwas ändern, wenn man später etwas dazugelernt hat.

  13. Muriel sagt:

    @Guinan:

    Tja, und ich mag sowas wirklich.

    Das glaube ich ja sogar. Schlimmer wär’s, wenn du jetzt behaupten würdest. Asimovs Geschichten würden die aus anderen Gründen gefallen.

    Zur Ethik: Ja, so mag es bei den meisten Leuten funktionieren, aber das Gefühl für richtig und falsch ist es ja auch noch nicht. Ethik ist doch, wenn sie einen Sinn hat, rational herleitbar.
    Warum sollte ausgerechnet eine intelligente Maschine dazu nicht in der Lage sein „Du sollst“-Anweisungen brauchen? (Dass diese Anweisungen im Fall von Asimovs Gesetzen außerdem noch erschreckend hilflos formuliert und evident nicht handhabbar sind, wollen wir dabei mal noch gar nicht berücksichtigen.)

  14. Guinan sagt:

    Rational herleitbar, wenn ich bewusst drüber nachdenke, den wirklichen Sinn dahinter suche, ja. Ich habe nicht den Eindruck, dass das im täglichen Leben so funktioniert.
    Die Grundlage bildet die erlernte Regel, nenne wir das die Programmierung. Den Sinn dahinter verstehe ich erst später, sofert ich ihn überhaupt hinterfrage. Aber ich kann hinterfragen, und dann die Programmierung ändern – oder ignorieren.
    Kann das eine Maschine? Und wichtiger – will ich, dass eine Maschine das können darf?
    Und wie bringe ich einer Maschine bei, meine Werte in einem Regelwerk zu übernehmen?
    Der Punkt mit der Formulierung: Geschenkt. Schieben wir es auf die Zeit.

  15. Muriel sagt:

    @Guinan: Klar, dass Menschen oft nicht rational denken. Aber ich halte es für ziemlich selbstverständlich, dass ich wollen würde, dass eine Maschine das tut, und dass es auch so am besten funktioniert. Ob eine Maschine in der Realität nun intelligent sein kann oder nicht, mag dahinstehen (Ich halte es für offensichtlich, weil es ja intelligente Maschinen gibt, aber manche kluge Leute sehen das anders, deswegen will ich diese Frage mal noch nicht als vollständig geklärt betrachten.), in Asimovs Fiktion sind sie es nun einmal.
    (Übrigens würde ich bestreiten, dass Menschen ihre grundlegende Programmierung ändern können. Wir können genausowenig entscheiden, was wir wollen und was wir mögen, wie das eine bewusst programmierte Maschine könnte.)

  16. Muriel sagt:

    Im Übrigen will ich natürlich auch nicht in Abrede stellen, dass sowas wie Asimovs Gesetze als Marketingmaßnahme für ein Unternehmen, das intelligente Maschinen herstellt, Sinn ergeben könnte, so wie auch eine bestimmte Preissetzung oder eine menschenähnliche Gestaltung des Gesichts dem Verkauf dienlich sein kann.
    Trotzdem ist es in meinen Augen per se keine Errungenschaft für einen Autor, solche Ideen in seine Werke einzubauen. Dafür müsste schon noch irgendwas … Originelles, oder Kluges, Unterhaltsames oder halt irgendwie Lesenswertes dazukommen.

  17. Guinan sagt:

    Gibt es schon intelligente Maschinen? Ist mir entgangen.
    Ich weiß nicht, ob Menschen ihre grundlegende Programmierung wirklich ändern können, aber ich glaube oder hoffe es zumindest. Wenn wir auch nicht beeinflussen können, was wir mögen und wollen, so doch wenigstens, wie wir handeln, wie wir mit unseren Wünschen umgehen.
    Und naja, als Asimov das geschrieben hat, da war das schon sehr neu und originell. Schon allein, sich sowas auszudenken, zu Zeiten, als die Computer gerade erst die Grundrechenarten lernten.

  18. Muriel sagt:

    @Guinan:

    Gibt es schon intelligente Maschinen? Ist mir entgangen.

    Du bist eine, ich bin eine, und das soll keineswegs nur eine alberne kleine Definitionsspielerei sein. Es gibt materielle Konstrukte, die denken. Diese sind zwar nicht durch absichtsvolle Gestaltung entstanden, sondern durch einen Evolutionsprozess, aber das ändert ja nichts daran, dass es in Anbetracht dieser Tatsache völlig lächerlich ist, behaupten zu wollen, dass es keine materiellen Konstrukte geben könne, die denken.

    Und naja, als Asimov das geschrieben hat, da war das schon sehr neu und originell. Schon allein, sich sowas auszudenken, zu Zeiten, als die Computer gerade erst die Grundrechenarten lernten.

    Weiß ich nicht. Vielleicht. Aber das ändert nichts dran, dass es in meinen Augen Mist ist, und schon von der Grundüberlegung in die falsche Richtung geht.
    Silent Hill soll ja zu seiner Zeit auch manchen Spieler mit seiner 3D-Grafik beeindruckt haben. Das ändert nichts daran, dass man heute Augenkrebs davon bekommt.

  19. Guinan sagt:

    Ok, wenn du das SO siehst – ich hör‘ ja auch schon auf zu missionieren.

  20. Muriel sagt:

    Aber jetzt mal ehrlich: Würdest du Asimovs Werk guten gewissens heute noch jemandem empfehlen? Steht da irgendwas drin, das es nicht besser woanders gibt?

  21. Guinan sagt:

    Ich weiß es nicht. Es ist lange her, dass ich die gelesen habe, und zurückgeblieben sind nur positive Erinnerungen. Ich mochte die, wirklich. Und ich habe mich bei späteren Büchern gefreut, wenn ich Anspielungen darauf gefunden habe, bei Tanith Lee z.B.
    Ja, ich glaube, ich würde die immer noch empfehlen, und sei es nur, um die Entwicklung der SF zu verstehen.

  22. Muriel sagt:

    @Guinan: Tja, so unterschiedlich können Geschmäcker sein.

  23. Wow, was für eine Diskussion! Ich kann leider nicht wirklich mitreden, denn ich hab zwar auch mit so ca. 12 Jahren einige Bücher von Asimov gelesen, kann mich aber nur noch dunkel erinnern, dass die was mit Robotern zu tun hatten. War also entweder zu jung oder sie haben bei mir wirklich keinen bleibenden Eindruck hinterlassen…
    LG Anette

  24. Muriel sagt:

    @nettebuecherkiste: Danke für deinen Kommentar, und ich würde natürlich sagen, dass du es genau richtig gemacht hast.
    Asimov kann man getrost vergessen.

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