Projekt 52 Bücher (6)

Na logo. Lebt Frank Zander eigentlich noch? Ich habe ihn ja mal persönlich kennengelernt. War profund gruselig.

Unser heutiges Thema lautet

Zitronen können nicht nur sauer sein…

Und es scheint die Meinung vorzuherrschen, das sei eine schwierige Augabe.

Kann ich gar nicht verstehen.

Und das geht so:

Zwar ist es auf Deutsch nicht richtig üblich, im Zusammenhang mit etwas Unbrauchbarem, Missglücktem, Nutzlosem von einer Zitrone zu sprechen, aber es ist auch nicht ganz unüblich, denn wir kennen ja durchaus die Redwendung „mit Zitronen gehandelt haben“ oder „Wenn das Leben dir Zitronen gibt“, und so. Deshalb zeige ich euch heute mal meine mutmaßlich süßeste Zitrone:

Faith of the Fallen

Faith of the Fallen. Ein schrecklich dummes Buch, in dem Richard (für die glücklichen Menschen, denen Sword of Truth erspart geblieben ist: der strahlende Protagonist dieser Serie) versklavt und verschleppt wird (was in so ziemlich jedem Band passiert, und wenn nicht mit ihm, dann mit jemandem, der ihm nahe steht) in ein Land, in dem Kommunismus herrscht. Es war das erste Buch der Serie, in dem mir bewusst wurde, wie dreist und plump Goodkind seinen Lesern seine aynrandeske Gesinnung um die Ohren haut, denn Kommunismus ist schlimm, mmkay?

At dinner, after being in the fellowship several years, she said, „Father, there is a man I’ve been trying to help. He has 10 children and no job. Will you hire him, please?“
Father looked up from his soup. „Why?“
„I told you. He has 10 children.“
„But what sort of work can he do? Why would I want him?“
„Because he needs a job.“
Father set down his spoon. „Nicci, dear, I employ skilled workers. That he has 10 children is not going to shape steel, now is it? What can the man do? What skills has he?“
„If he had a skill, father, he could get work. Is it fair that his children should starve because people won’t give him a chance?“
Father looked at her as if inspecting a wagonload of some suspicious new metal. Mother’s narrow mouth turned up in a little smile but she said nothing.
„A chance? At what? He has no skill.“
„With a business as big as yours, surely you can give him a job.“
He tapped a finger on the stem of his spoon as he considered her determined expression. He cleared his throat. „Well, perhaps I could use a man to load wagons.“
„He can’t load wagons. He has a bad back. He hasn’t been able to work for years because of his back troubling himself.“
Father’s brow drew down. „His back it didn’t prevent him from begetting 10 children.“
Nicci wanted to do good, and so she met his staring with a steady look of her own. „Must you be so intolerant, father? You have jobs, and this man needs one. He has hungry children needing to be fed and clothed. Would you deny him a living just because he has never had a fair chance in life? Are you so rich that all your gold has blinded your eyes to the needs of humble people?“
„But I need-“
„Must you always frame everything in terms of what you need, instead of what others need? Must everything be for you?“
„It’s a business-“
„And what’s the purpose of a business? Isn’t it to employ those who need work? Wouldn’t it be better if the man had a job instead of having to humiliate himself begging? Is that what you want? For him to beg rather than work? Aren’t you the one who always speak so highly of hard work?“
Nicci was firing the questions like arrows, getting them off so fast he couldn’t get a word to her barrage. Mother smiled as Nikki rolled out words she knew by heart.

Und so geht das eben die ganze Zeit. Die Kommunisten sind schlimme Menschen, und die Kapitalisten sind total gut, aber leider zu weichherzig, um sich ihnen entgegen zu stellen, und deswegen versinkt das Land in Armut und Elend, Bürokratie und sozialistischer Diktatur. Zum Glück ist aber Richard da um ihnen den rechten Weg zu zeigen, und am Ende bildhauert er ein Standbild von zwei wunderschönen halbnackten Menschen, das den Bewohnern des kommunistischen Landes die Augen öffnet und ihnen zeigt, wie herrlich es doch ist, wenn Leistung sich wieder lohnt, und Hotels nur 7% Umsatzsteuer zahlen. Und das halt auf 539 Seiten. Das mit der Zitrone dürfte also soweit klar sein.

Aber warum süß?

Ja, wie sag ich das jetzt? Also. Hm. Ich war jung. Ich war ziemlich jung. Und ich war umgeben von sehr, sehr linken Menschen, und ich hatte vorher noch nie irgendein fiktionales Buch gelesen, das auch nur ein bisschen Sympathie für libertäre Ideen enthielt, und deshalb … fand ich Faith of the Fallen ganz toll. Endlich hatte ich jemanden gefunden, der so dachte wie ich, endlisch nommaale Leute!

Ich meine, ich wusste natürlich, dass es ein ziemlich dummes Buch war. Mir fiel natürlich auf, wie plump es seine Botschaft verbreitet, und wie schwarzweiß es seine Figuren malt, und wie unanständig es die politische Einstellung mit charakterlichen Defiziten verknüpft, eben genauso, wie es auch Ayn Rand macht, von der ich zu dieser Zeit gnädigerweise noch nicht mal gehört hatte. Aber ich hatte trotzdem Freude dran. Nennt es mein guilty pleasure. Heute könnte ich den Mist auch nicht mehr ertragen, aber damals war ich total begeistert.

So, jetzt wisst ihrs.

Und eigentlich war das nun doch eine ganz schön schwierige Aufgabe. Aber wofür hat man ein Blog, wenn nicht, um seine finstersten Geheimnisse vor der Welt offenzulegen?

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6 Responses to Projekt 52 Bücher (6)

  1. Guinan sagt:

    Ach, haben wir nicht alle unsere finsteren Geheimnisse solcher Art?

  2. ein deutscher intellektueller, der im geheimen libertinäres gedankengut pflegt. ein wahrlich finsteres geheimnis in diesen zeiten.

    man fragt sich allerdings, ob nicht allen büchern, die geschrieben wurden, um eine idee zu transportieren, nicht die beklagte plumpheit zu eigen ist.

  3. madove sagt:

    Okay, das geht auch als guilty pleasure durch 🙂

  4. Si sagt:

    Ich kann Terry Goodkind ebenso wenig leiden wie Tolkien, wenn auch zum Teil aus unterschiedlichen Gründen.
    (Und um das an der Stelle mal unpassenderweise loszuwerden, war die Abneigung gegen Tolkien der erste Anlass, das Blog zu lesen, denn es gibt seltsamerweise wenige Menschen, die Tolkien nicht mögen. Da freut man sich, mal jemand anderen zu finden, der das ähnlich sieht und wird neugierig.)

  5. Muriel sagt:

    @Si: Komm in meine Arme, Bruder. Oder Schwester. Was weiß ich. Ist ja auch egal.
    Ich persönlich finde die beiden sehr unterschiedlich.
    Zum Beispiel kann Goodkind echt gute Charaktere und durchaus brauchbare Dialoge schreiben (Leider tut er es selten, aber er kann.), während Tolkien einen nicht permanent mit seiner Ideologie prügelt und sich immerhin darauf beschränkt hat, Herr der Ringe nur einmal zu schreiben statt gleich zwölfmal.

  6. Mira sagt:

    Der Dialog ist so grottig und sterbenslangweilig, dass ich nichtmal die ganze Leseprobe durchgehalten habe ^^ Es ist ein Wahnsinn, wie dumm einem die Bücher vorkommen, die man als Kind verschlungen hat, wenn man erstmal erwachsen ist…

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