von eigenen Denkrichtungen geprägt

Sag noch mal einer, das Internet befasse sich nur mit sich selbst:

Homöopathie durch Ärzte und die Einhaltung des medizinischen Standards

heißt der Artikel von Sebastian Müller und Andreas Raschke in der Neuen Juristischen Wochenschrift (NJW) 7/2013 (S. 428-432), also auf Papier und deshalb ohne Link, und das Thema hat mich natürlich brennend interessiert, da denke ich nämlich auch oft drüber nach.

Es überrascht euch wahrscheinlich nicht, dass ich dabei zu etwas anderen Ergebnissen komme als die beiden.

In der Einleitung stellen die Autoren zunächst fest, dass Homöopathie in „weiten Kreisen der Gesellschaft“ ein hohes Maß an Akzeptanz zu genießen „scheint“, dass es aber eine Kontroverse um die Wirksamkeit gebe (ach was!) und sich deshalb die Frage stelle, wie eine homöopathische Behandlung durch einen „Schulmediziner“ (falls bis hierhin noch Zweifel an der Geisteshaltung der Verfasser bestanden) arzthaftungsrechtlich zu bewerten ist.

Zu diesem Zweck ordnen sie die Homöopathie erst einmal in die „medizinrechtliche Terminologie unterschiedlicher Behandlungsmethoden“ ein, und gleich hier wird es auch schon spannend, denn sie zitieren völlig richtig aus dem Deutschen Ärzteblatt, dass ein Patient nach „dem Stand der naturwissenschaftlichen Erkenntnis und der ärztlichen Erfahrung […]“ zu behandeln ist, und dass ein Behandlungsfehler vorliegt, wenn dieser Standard unterschritten wird. Womit eigentlich schon überraschend klar wäre, wie Homöopathie einzuordnen ist.

Wir sind also gespannt, wie sie da wieder rauskommen. Aber wenn wir ein bisschen Erfahrung mit den Apologeten der Unmedizin haben, dann wissen wir eh schon, was kommt, und wir werden nicht enttäuscht:

Maßgeblich ist somit, dass sich bislang ein naturwissenschaftlicher Nachweis der Wirksamkeit nicht führen ließ. Die alternative Medizin ist damit als Gegenbegriff zu der durch den medizinischen Standard geprägten „Schulmedizin“ zu verstehen.

Soso. Als Gegenbegriff also zu dem, was wir gerade als Standard der ärztlichen Behandlung definiert haben. Also als Behandlungsfehler. Wie? Nein? Das ist was völlig anderes? Ach so. Warum noch mal?

Die Homöopathie ist von der konzeptionellen Ausrichtung getragen, dem empirischen Ähnlichkeitsprinzip zu folgen.

Falls ihr euch mit dem Kokolores nicht so gut auskennt, mit „Ähnlichkeitsprinzip“ ist dies hier gemeint:

Eine Krankheit kann durch ein homöopathisches Mittel geheilt werden, welche – bei einem gesunden Menschen angewandt – ähnliche Krankheitssymptome auslöst. Zur Verdeutlichung: Beim Zubereiten einer Küchenzwiebel, Alium cepa, z. B. läuft reichlich brennendes Sekret aus der Nase, das die Oberlippe schnell wund werden lässt. Man beginnt zu niesen, die Augen können tränen […]. Leidet ein Patient an einem Schnupfen, der genau diese Beschwerden aufweist, wird die Behandlung mit dem homöopathischen Wirkstoff Allium cepa hilfreich sein.

Weil Schleimhäute anschwellen, wenn man eine Zwiebel schält, heilt Zwiebelsaft also Krankheiten, die geschwollene Schleimhäute auslösen. Und natürlich funktioniert das umso besser, je weniger Zwiebelsaft in unserem Präparat enthalten ist, denn

Obwohl man erwarten könnte, daß sich die Wirkung immer mehr verliert, je mehr man verdünnt, bewirkt das Verdünnen, daß sich die Kräfte der Stoffe noch zusätzlich stärker entfalten.

Klar soweit? Eine Krankheit heilt man mit Stoffen, die ihre Symptome auslösen, womit auch sonst?, aber weil die Wirkung dieser Stoffe sich wundersamerweise durch Verdünnen potenziert, nimmt man sie natürlich nicht pur, sondern, naja, im Endeffekt gar nicht.

Was daran empirisch ist, verraten die beiden Autoren leider nicht, denn empirische Daten, die es stützen, gibt es nicht, wie wir oben schon festgestellt haben. Aber mit solchen kleinlichen Bedenken müssen wir uns hier nicht aufhalten, das ficht die Homöopathie nicht an, denn ihr

liegt vielmehr ein eigenes therapeutisches (Gesamt-)Konzept zu Grunde, das von eigenen Denkrichtungen geprägt ist und diese somit als besondere Therapierichtung qualifiziert.

Ebenfalls von ganz eigenen Denkrichtungen geprägt sind übrigens auch die Hohlwelthypothese, der Typ, der in der Fußgängerzone vor dem Weltuntergang warnt, sowie meine persönliche Variante alternativer Medizin, die vorsieht, dass so ziemlich jede Erkrankung sich durch die regelmäßige Anwendung meiner vom empirischen Aufs-Maul-Prinzip getragenen besonderen Therapierichtung Boot to the head heilen lässt, früher oder später. Aber die haben, das muss ich zugeben, ein offenbar entscheidendes Defizit gegenüber der Homöopathie:

Um jedoch über den Umstand hinwegzuhelfen, dass sie die Homöopathie vom naturwissenschaftlichen Gesichtspunkt der evidenzbasierten Standardbehandlung distanziert

und obwohl ich weiß, dass ihr das auch ohne meine Hilfe verstehen würdet, fühle ich mich einfach verpflichtet, das noch einmal mit weniger Wortgeklingel zu sagen: Homöopathie wirkt nicht. Sie kann nach derzeitigem Stand der Wissenschaft nicht wirken. Die Grundideen der Homöopathie widersprechen allem, was wir über diese Welt wissen, und sind für jeden denkenden Menschen evident lächerlich. Es gibt keinen Grund für die Annahme, dass Homöopathie wirkt. Homöopathie ist eine unwirksame Behandlungsmethode. Und um uns über diesen unglücklichen Umstand hinwegzuhelfen, also den Umstand, dass sie eben gerade überhaupt nicht den Standards entspricht, die wir gerade eben noch festgelegt haben, und deshalb eigentlich ein Behandlungsfehler wäre,

bedarf es einer besonderen Akzeptanz.

Ob da noch was kommt? Nein. Das ist alles. Ob ein Arzt mich gefahrlos irgendwelchen wirkungslosen Quatsch behandeln darf, oder ob er sich einem Haftungsrisiko wegen eines Behandlungsfehlers aussetzt, hängt davon ab, ob er genug andere findet, die es okay finden, dass er mich mit wirkungslosem Quatsch behandelt hat. Eine Behandlungsmethode kann also ruhig objektiv unbestreitbar wirkungsloser Quatsch sein, solange ein bestimmter Anteil der Bevölkerung (Die Mehrheit? Die absolute, die relative, die qualifizierte? Naja, wer wird so kleinlich sein, einen Standard für Akzeptanz zu fordern? Von allen anderen Standards haben wir uns ja anscheinend auch schon verabschiedet.) sich in dem Irrglauben befindet, sie wäre irgendwie okay. Oder noch mal anders, damit auch jeder das Erschütternde daran mitbekommt: Ob eine objektiv falsch Behandlung eine Haftung für einen Arzt auslöst, soll nicht davon abhängen, ob sie objektiv falsch ist, sondern durch Meinungsumfrage ermittelt werden. So soll unser Arzthaftungsrecht funktionieren. Vorausgesetzt natürlich, dass die Behandlung von eigenen Denkrichtungen geprägt ist. Das muss schon sein, wir sind ja hier schließlich nicht bei den Hottentotten. Da könnte ja sonst jeder kommen.

Und das wars schon. Natürlich kommt noch eine ganze Menge Artikel mit gründlicher Besprechung etwa der

Wechselwirkung zwischen ärztlicher Therapiefreiheit und objektiver Sorgfaltspflicht

und natürlich weisen die beiden Autoren auch auf die

Pflicht zum Abbruch der Behandlung bei Ausbleiben der gesundheitlichen Verbesserung

hin, und so, aber da, wo es wirklich zur Sache geht, da bekommen wir Steine statt Brot, da bekommen wir leeres Apologetengeseiere wie

Die Besonderheit der Homöopathie ist jedoch, dass sie nicht zum Standard der „Schulmedizin“ gehrt und nur deswegen als besondere Therapierichtung Berechtigung findet, weil das durch sie verfolgte Konzept des eigenen Denkansatzes gesellschaftlich anerkannt ist und sich somit in einer „Parallelwelt zur Schulmedizin“ bewegt.

Aha… Wenn eigene Denkansätze gesellschaftlich anerkannt sind, dann können sie offenbar in Parallelwelten vordringen, die dem ansonsten anwendbaren Arzthaftungsrecht enthoben sind und es Ärzten gestatten, ihren Patienten zu empfehlen, ihre Krankheiten mit Zuckerkugeln und Leitungswasser zu behandeln. Ich weiß, ich übertreibe es vielleicht, aber ich muss es einfach noch mal deutlich sagen: Die Verfasser dieses Artikels rechtfertigen hier gerade, dass Ärzte ihren Patienten eine wirkungslose Therapie empfehlen, und meinen, das sei in Ordnung, gerade weil diese Therapie es schon von ihrer konzeptionellen Ausrichtung her ablehnt, ihre Wirkung zu überprüfen und ihre Aussagen infrage zu stellen.

Ob es solche Parallelwelten auch für andere Berufe gibt? Wie ist das zum Beispiel, wenn mein Automechaniker einen eigenen Denkansatz verfolgt und damit eine „Parallelwelt zum Herstellerhandbuch“ vordringt, in der es okay ist, das Motoröl durch Kamillentee zu ersetzen? Na gut, ich weiß. Zum Glück bliebe ihm diese Parallelwelt mutmaßlich mangels gesellschaftlicher Anerkennung verschlossen, aber ein bisschen beängstigend ist die Vorstellung schon, meint ihr nicht? Also, im Ernst: ich muss euch nicht erklären, wo das Problem mit dem Satz da oben ist, oder?

An Stelle einer „evidence based medicine“ gründet die besondere Therapierichtung auf einer „experience based medicine“, deren Feststellung den angesehenen Vertretern der jeweiligen Therapierichtung obliegt. Auch in dieser „Parallelwelt“ gilt daher ein einzuhaltender Sorgfaltsmaßstab.

Ich warte jetzt kurz mal, bis ihr euren Kopf wieder von der Tischplatte gehoben habt und weiter lesen könnt.

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Alle wieder da? Okay. Warten wir noch ein bisschen.

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So, jetzt aber. Was? Och Mensch, nu aber los.

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Danke. Noch mal in meinen Worten: Homöopathie ist nicht „evidenzbasiert“, sondern „erfahrungsbasiert“, letzteres hier im Sinne von: „Es gibt keine belegbaren Erfahrungswerte, die dafür sprechen, dass Homöopathie irgendwas bewirkt, und nach allen empirischen Erkenntnissen, die wir bisher gewonnen haben, kann sie auch gar nicht wirken.“ Aber wer jetzt denkt, die Parallelwelt, in der sie deshalb zu Hause ist -was schätzt ihr, wie oft der Begriff „Parallelwelt“ in juristischen Fachveröffentlichungen im Ernst verwendet wird? Sucht jemand noch ein Thema für eine Bachelorarbeit? „Parallelwelten des Arzthaftungsrechts“? Ich denke, das hat das Zeug zum Knaller. – wer jetzt denkt, diese Parallelwelt sei eine Welt des Chaos und der Gesetzlosigkeit, der irrt natürlich. Die „angesehenen Vertreter der jeweiligen Therapierichtung“ legen die Sorgfaltsmaßstäbe fest.

Der Bock entscheidet über die Sorgfaltsmaßstäbe des Gärtners. Ich kann mir nicht vorstellen, was da schiefgehen könnte. Ihr auch nicht, gell?

Immerhin betonen die Verfasser gegen Ende noch mal die Aufklärungspflicht des Arztes:

Beabsichtigt also der Arzt, den Patienten einer homöopathischen Behandlung zu unterziehen, so hat er ihn nicht nur unmissverständlich darüber zu informieren, dass er damit von der Standardbehandlung der Schulmedizin abweicht, sondern auch [Hervorhebung von mir], warum er dies tut und welche Vor- und Nachteile der Patient hieraus zu erwarten hat.

Das wäre ja sogar erst mal ganz in Ordnung, aber ich sehe da einen Haken: Wenn der Arzt das so macht, wie die beiden Juristen es hier in ihrem Artikel getan haben, dann ist das alles andere als unmissverständlich. Ich würde zwar hoffen, dass die meisten geistig gesunden Menschen schreiend die Praxis verlassen, wenn ihr Arzt anfängt, von Parallelwelten zu erzählen, aber andererseits weiß ich um die Autorität, die viele immer noch ihrem Arzt zugestehen, deswegen scheint mir hier noch Anlass zur Sorge zu bestehen. Denn wen ein Arzt ehrlich ist, müsste er eigentlich auf die drei Fragen oben stets antworten:

  • Weil ich in meinem Studium bei der wissenschaftlichen Methodenlehre geschlafen habe (Haben Ärzte so ein Fach? Ich hoffe es, aber ich ahne Schlimmes.)
  • Keine, bis auf den Placeboeffekt.
  • Sie geben viel zu viel Geld für Wasser und Zucker aus und entscheiden sich statt für eine wirksame für eine blödsinnige Nichtbehandlungsmethode.

Im Ernst noch mal, falls jemand sich für meine Einschätzung interessiert: Homöopathie wirkt nicht. Deshalb ist es für einen Arzt immer ein Behandlungsfehler, homöopathische Medikamente zu empfehlen, so wie es für einen Automechaniker immer ein Fehler ist, statt Motoröl Kamillentee zu verwenden. Wenn ein Patient einen Arzt nach Homöopathie fragt, und dieser ihn nicht unmissverständlich darüber aufklärt, dass es sich um Blödsinn handelt, dessen Wirksamkeit nicht nur nicht nachweisbar ist, sondern der auch grundsätzlich gar nicht wirken kann, weil homöopathische Unmedizin keine Wirkstoffe enthält, dann begeht er damit einen Behandlungsfehler. Entweder täuscht er seinen Patienten vorsätzlich, oder er offenbart, dass er keine Ahnung von seinem Beruf hat, und ein Arzt, der glaubt, dass Leitungswasser Krankheiten heilen kann, sollte meines Erachtens nicht mehr praktizieren, bevor er die entscheidenden Teile seiner Ausbildung noch einmal durchgenommen hat. Erst wenn der Patient wirklich unmissverständlich darüber aufgeklärt wurde, dass er Blödsinn kauft, und er klar gesagt hat, dass er das weiß, und es aber trotzdem will, dann darf man ihm meinetwegen überteuerte Zuckerkügelchen verkaufen, denn dann ist er selbst Schuld. Solange diese Voraussetzungen fehlen, verstößt ein Arzt (und genauso ein Apotheker im Beratungsgespräch) gegen seine beruflichen Pflichten.

Blanker Hohn in Anbetracht des Vorausgegangen ist der Schlusssatz, der ja beim Postillon bekanntlich auch immer das Beste ist:

Gerecht werden kann der Arzt der in ihn gesetzten Vertrauensstellung [Wie jetzt? Da sitzt eine Vertrauensstellung im Arzt? Naja. Warum sollten Juristen sich Gedanken um Formulierungen machen? Ist ja nicht so, dass der Umgang mit Sprache irgendwie wichtig für unseren Job wäre. Und wer weiß, vielleicht darf ich das gar nicht kritisieren, weil diese Formulierung aus irgendeiner Parallelwelt stammt, in der Leute die Standards festlegen, die nicht so gut Deutsch können, oder so.] jedoch nur, wenn durch Sachkenntnis und Aufklärung der ärztliche Standard auch bei Anwendung der Homöopathie gewahrt wird.

Zur Erinnerung: Das ist derselbe Standard, den wir am Anfang kurz definiert haben, und von dem wir später festgestellt haben, dass er wegen eigenen Denksystems und Parallelwelten nicht anwendbar ist, und durch die willkürlichen, frei erfundenen Standards dieser Parallelwelten ersetzt wird, weil Akzeptanz.

Ed Gruberman, you fail to grasp Ti Kwan Leep. Approach me that you might see.

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52 Responses to von eigenen Denkrichtungen geprägt

  1. Henk sagt:

    Ich lasse analog zu deinem Beispiel vom Automechaniker im Umgang mit Homöopathie-Jüngern ja auch gerne mal schulmedizinernahe Begriffe wie „Schulgärtner“ oder „Schultischler“ fallen („jaja, das möchte uns die Schrauben- und Dübellobby gerne weismachen…!“).
    Die Sache mit der Parallelwelt ist aber wirklich drollig und übt auf mich einen enormen Reiz aus. Kann man eine solche parallelweltliche Anerkennung nicht auch für die wirksame Behandlungsmethoden „Pusten bei Stoßverletzungen“ einfordern? Empfielt das dann auch mein Hausarzt? Toll!!

    (Ich wollte mich eigentlich nur mal wieder zu Wort melden und meine volle – nein vollste 😉 – Zustimmung signalisieren. Auf inhaltlichen Widerspruch und spannende Diskussionen musst du bei dem Thema hoffentlich verzichten.)

  2. Muriel sagt:

    @Henk: Ich kann mir durchaus vorstellen, dass hier noch der eine oder andere „Wissenschaftsgläubiges Pharmalobbyopfer!“-Vertreter auftaucht, bin aber auch nicht enttäuscht, falls das ausbleibt.
    Für deinen Kommentar bin ich auf jeden Fall dankbar. Den Schulsatzbau haben die Herren Müller und Raschke ja wie gesagt schon hinter sich gelassen. Wie sie gärtnern und tischlern, ist nicht überliefert.

  3. Catio sagt:

    So viel Holzleim kann ich gar nicht besorgen, wie ich schon Tischkanten beim Lesen solcher Akzeptanzbegründungen für Homöopathie abgebissen habe. Doch es ist ja noch viel schlimmer, denn die medizinische Ausbildung beinhaltet – bewertungsrelevant(sic!) – homöopathisches Lehrmittel.
    http://now0here.blogspot.de/2012/02/wie-aus-medizinern-scharlatane-werden.html
    Jeder sollte seinen Hausarzt genau unter die Lupe nehmen!

  4. Muriel sagt:

    @Catio: Ja, das habe ich auch kürzlich gelesen. Grässlich.

  5. Meine frühere Hausärztin war diesem Mist auch verfallen. Macht selbst Akupunktur (meines Wissens auch nicht gerade was wissenschaftliches), hat mich einmal angelogen und meiner Mutter dann ihre Meinung zu meiner Frage gesagt (ich war bereits volljährig) und schickt Leute zu Hokuspokus-Homöopathen, die das „Heilmittel“ mittels Gleichgewichtsübungen ermitteln. Schlimm.

    Und meine Krankenkasse wirbt groß damit, dass sie auch für Homöopathie zahlen. Ich würde gerne wechseln, aber dafür bin ich leider zu faul.

    Schön gesagt übrigens, lieber Muriel.

  6. gnaddrig sagt:

    Wär ja schön, wenn das so einfach ginge. Man behauptet einfach etwas, zum Beispiel dass man keine Steuern zahlen und sich auch nicht an die Verkehrsregeln halten muss, weil die Bundesrepublik entweder eine Firma ist oder gar nicht existiert und man deshalb natürlich die bundesdeutschen Gesetze und Behörden gar nicht erst anerkennt, ebenwsowenig die Polizei usw. Das erklärt man dann mit einer Parallelwelt der – frei nach dem Zitat oben – ein eigenes juristisches (Gesamt-)Konzept zugrundeliegt, das von eigenen Denkrichtungen geprägt ist und diese somit als besondere Rechtsauffasung (oder Rechtsordnung?) qualifiziert. Und wenn ich genügend Spinner finde, die das auch so sehen oder jedenfalls nichts dagegen sagen, komme ich damit durch, weil eine „ganz besondere Akzeptanz“ gegeben ist. Geniales Geschäftsmodell.

  7. Si sagt:

    Ben Goldacre hat sich in „Bad Science“ dazu auch recht unterhaltsam (d.h. wenn man eine gewisse morbide Faszination für das Thema „Homöopathie“ aufbringen kann) geäußert.

  8. Pfeffermatz sagt:

    Ach, es ist schon alles gesagt, dabei hätte ich auch gerne meinen Senf dazu gemault – denn die obigen Zitate tun wirklich weh. Schon diese permanent im Passiv formulierten verklausulierten Nullaussagen machen mich ja wahnsinnig – kennt man ja zu genüge aus dem Businesskaspar-Bereich. Sowas in der „Wissenschaft“ zu lesen – nee, aua.
    Wenn es mir wenigstens nur in einer Parallelwelt wehte täte, da wüsste ich schon, was dagegen helfen könnte.
    Im übrigen sehr mutig, Muriel, sich da hinein zu wagen und die Widersprüche zu exhumieren. Aber wahrscheinlich brauchst du das, um dich abzuregen. Danke!

  9. Ich dachte auch einmal Homöopathie sei nur schlecht. Das war vor Jahren in meinem Medizinstudium, als man mehr trockene Theorie hatte als Praxis. Mittlerweile habe ich meine Meinung geändert. Medizin ist wirklich eine Erfahrungswissenschaft. Und Homöopathie hat ihren Platz darin. Schon alleine weil viele Patienten ausdrücklich Homöopathie verlangen. Der Placebo-Effekt ist unglaublich stark. Warum also sollte ich diesen Gläubigen keine Homöopathie geben? Es ist kein Wirkstoff enthalten, was wunderbar ist, denn damit gibt es auch keine Nebenwirkungen. Man gibt es also einem Homöopathie-Jünger und erzielt eine Wirkung ohne Nebenwirkung. Das schaffen nicht viele Medikamente. Und dann auch noch zu einem Spottpreis. Richtig eingesetzt ist Homöopathie eine gute Sache. Gefährlich wird es dann, wenn Kollegen ernsthaft glauben Homöopathie sei mehr als ein Placebo-Effekt. Solche Kollegen gibt es leider. Und das wird dann zum Teil auch ganz ernsthaft gelehrt in Seminaren und an Hochschulen auf beiden Seiten des Atlantiks.

  10. Muriel sagt:

    @Pfeffermatz: So in der Art. Macht mir einfach Spaß, sowas. Wahrscheinlich sagt das irgendwas Bedenkliches über mich als Menschen aus, aber ich finde es im Gesamtvergleich noch okay.
    @American Viewer:

    Warum also sollte ich diesen Gläubigen keine Homöopathie geben?

    Kannst du von mir aus, solange du es so machst, wie ich oben beschrieben habe, oder dir (verständlicherweise) egal ist, was ich davon halte, wie du es machst.

    Der Placebo-Effekt ist unglaublich stark.

    Manchmal. Manchmal nicht. Er ist ja noch nicht so richtig umfassend erforscht und verstanden. Aber gegen Placebos habe ich ja auch nichts.

    Es ist kein Wirkstoff enthalten, was wunderbar ist, denn damit gibt es auch keine Nebenwirkungen.

    Bin ich jetzt falsch informiert, oder weißt du nicht, dass Placebos sehr wohl Nebenwirkungen haben können?

    Richtig eingesetzt ist Homöopathie eine gute Sache

    Nein. Richtig eingesetzt sind Placebos wohl eine gute Sache. Homöopathie ist Mist. Du kannst das jetzt für Haarspalterei halten, aber ich finde die Unterscheidung sehr wichtig, denn das eine hat eine wissenschaftlich belegbare Wirkung und kann, richtig eingesetzt, wirklich Gutes bewirken, das andere hingegen ist im besten Fall Bullshit und im schlimmsten Körperverletzung und Betrug.

  11. Muriel sagt:

    @ars libertatis: Vielen Dank. Sehr nützlicher Einwurf. Ich wusste, dass die Placebo-Sache nach wie vor recht diffus ist, war aber nicht ganz auf dem Laufenden.

  12. Muriel sagt:

    Naja. Bin. Ist ja nicht so, dass ich jetzt komplett Bescheid wüsste.

  13. Ja das halte ich für extreme Haarspalterei. Denn ein homöopathisches Mittel ist ein Placebo ist ein Placebo ist ein Placebo.

    Aber selbst ein Jurist müsste doch wissen, dass der Wille des Patienten letztendlich wesentlich ist. Und wenn der Patient sein homöopathisches Mittel will, dann bekommt er es, solange der Arzt es selbst auch vertreten kann.

    Im Grunde sind das bei mir drei Fälle. Erstens bei Krankheiten, die sowieso folgenlos von alleine abheilen. Zweitens bei ernsten Krankheiten als Unterstützung zur Schulmedizin. Drittens bei unheilbaren Krankheiten, bei denen man mit Schulmedizin noch nicht weiterkommt, auch als Unterstützung oder gar als alleine Therapie. Je nach Wunsch und Ansprechen des Patienten.

    Ich selbst schlage nie Homoöpathie vor, das kommt immer von den Patienten. Und wenn man diesen Gläubigen ihr Glaubenselexier verweigert, dann sind diese Patienten schwer enttäuscht, was nicht gerade die Heilung fördert. Wer heilt hat recht. Ein Anankast, der alles nach Leitlinie durchführt und am Ende sagt „Operation gelungen, Patient tot!“, hat nicht Recht und ist kein guter Arzt.

    Generell geschieht alles in Absprache mit dem Patienten versteht sich. Das ist ein simples Prinzip. Und wenn sich in diese Beziehung persönliche Arzt-Patient-Beziehung Theoretiker von außen einmischen, die von der Materie nicht viel bis keine Ahnung haben, dann halte ich das für falsch.

  14. Muriel sagt:

    @American Viewer:

    Denn ein homöopathisches Mittel ist ein Placebo ist ein Placebo ist ein Placebo.

    Naja. Ein homöopathisches Mittel hat Placebo-Wirkungen. So wie alles andere auch, was man mit einem Patienten machen kann. So wie auch echte Medikamente, oder das rituelle Schlachten eines Huhns bei Vollmond um Mitternacht, oder in Fläschchen abgefülltes Leitungswasser ohne Hokuspokus, oder oder oder. Aber Homöopathie ist nicht identisch mit dem Placebo-Effekt, und wenn ein Arzt sie empfiehlt und gutheißt (und nur damit habe ich ja ein Problem), dann richtet er damit Schaden an und täuscht außerdem seine Patienten.

    Aber selbst ein Jurist müsste doch wissen, dass der Wille des Patienten letztendlich wesentlich ist. Und wenn der Patient sein homöopathisches Mittel will, dann bekommt er es, solange der Arzt es selbst auch vertreten kann.

    Ja. Deswegen habe ich das oben in meinem Artikel auch geschrieben.

    Wer heilt hat recht.

    Boah.
    Dieses Gespräch ist zu Ende. Wenn ich meine Zeit verschwenden will, kann ich das auf angenehmere Weise tun.

  15. Catio sagt:

    @Muriel
    Boah.
    Dieses Gespräch ist zu Ende. Wenn ich meine Zeit verschwenden will, kann ich das auf angenehmere Weise tun.

    Jetzt weiss ich, warum ich „eigentlich“ hier ungerne kommentiere. Es ist eine gewisse Fehlerunfreundlichkeit vorhanden, die davor abschreckt, mögliche Aussagefehler zu machen. Und die vermeide ich am Besten, wenn ich gar keine Aussagen mache.

    Die Aussage „Wer heilt hat recht“ habe ich schon in vielen Kommentaren gelesen, aber immer gab es entweder andere Kommentatoren oder Blogbetreiber, die gute Argumente dagegen angeführt haben, warum diese Aussage Quatsch ist.

    Sicher, ich habe nicht das Recht zu bestimmen, worauf sich ein Blogbetreiber im Gespräch einlassen muss, aber es lesen hier auch nichtstudierte Menschen wie ich, die gerne ihr Wissen erweitern und deshalb auch immer auf der falschen Fährte sein können. Wenn ich die offenbare, muss ich in diesem Blog stets damit rechnen, dass eine weitere Erklärung nicht mehr gegeben und das Gespräch beendet wird. Das empfinde ich ehrlich gesagt als respektlos.

    Jemandem etwas zu erklären ist nie Zeitverschwendung, es sei denn, er beharrt ohne vernünftige Argumente auf seiner Meinung.

    Sorry für off-topic

  16. Catio sagt:

    Sorry, Zitierfunktion hat nicht funktioniert.

  17. Muriel sagt:

    @Catio: Dein Einwand ist nicht unberechtigt, und ich hätte auch durchaus gerne die Geduld und die Zeit aufgebracht, weiter mit American Viewer zu diskutieren.
    Deine Furcht ist aber eigentlich unbegründet. Fehler führen nicht dazu, dass ich ein Gespräch abbreche. Fehler führen auch nicht dazu, dass ich unfreundlich werde. Und ich erkläre jedem, der mich etwas fragt, grundsätzlich gerne so ziemlich alles.
    Dass ich das Gespräch abbreche, und unfreundlich werde, und nicht mehr erklären will, geschieht, wenn ich den Eindruck habe, dass jemand kein Interesse hat, zu verstehen, was ich zu erklären versuche, und natürlich kommt es vor, dass ich mich dabei täusche – vielleicht sogar gerade hier, kann man ja nie ausschließen -, aber normalerweise braucht es schon eine ganz ordentliche Menge an Indizien, bevor ich soweit bin.
    Wenn jemand sich einfach nur irrt, hat er von mir in der Regel nichts zu befürchten.
    „Wer heilt hat Recht“ war also hier keineswegs der eine einzige Auslöser. Es war mehr die Gesamtheit des Auftretens und der Äußerungen, und das war halt die Stelle, an der ich genug hatte.

    Jemandem etwas zu erklären ist nie Zeitverschwendung, es sei denn, er beharrt ohne vernünftige Argumente auf seiner Meinung.

    Ja, so ungefähr sehe ich das auch.

  18. madove sagt:

    Ich bin …fasziniert.
    Ich sitz da ja immer ein bißchen zwischen den Stühlen, weil ich Homöopathie für komplette Bauernfängerei halte (das geht als naturwissenschaftlich geprägter Mensch einfach nicht anders, selbst wenn man von Leuten umgeben ist, denen es damit ’soooo viel besser‘ geht *seufz*), glaube aber aus praktischer Erfahrung (als Patientin und Medizinerbekannte) fast genauso wenig an ‚Schulmedizin‘, und halte mich deshalb aus einer Diskussion, in der ich mich auf keiner Seite wohl fühle, lieber raus. ABER. Das mit den Parallelwelten ist echt krass. Jungs, so geht das nicht.

  19. Muriel sagt:

    @madove: Hmja.
    Also, wenn du das jetzt im Sinne von „Auch die gemeinhin nicht als alternativ bezeichnete Medizin ist bei Weitem nicht so evidenzbasiert, wie sie sein sollte, was natürlich auch kein Wunder ist, weil das ja die gleichen Ärzte machen, von denen ein erheblicher Anteil die Akzeptanz von Parallelwelten vorantreibt“, dann bin ich ganz bei dir.
    Wenn du eher meinen solltest „Gegebenenfalls sollte man mich einfach liegen lassen, weil dieser ganze moderne Schnickschnack, den die Kliniken in ihren OPs veranstalten, doch nur die Profite von Big Pharma sichert“, dann … wäre ich ein bisschen irritiert.

  20. ichbindaswortistich sagt:

    Mir fällt in diesem Zusammenhang wieder einmal der folgende Witz ein: Wie nennt man alternative Medizin, die funktioniert? Medizin.

    Selbstredend ist in der Schulmedizin nicht alles einwandfrei, und ein gewisser Lobbyismus trägt dazu bei. Allein homöpathische Mittel beinhalten nachweislich, nämlich durch chemische Gegebenheiten unserer Welt, nichts mehr von dem, was sie eigentlich beinhalten sollen, weil man sie so lange filtert, bis keine Moleküle des angedachten Wirkstoffes mehr vorhanden sind. Daß Wasser ein Gedächtnis habe, das ist: die Form der Moleküle des gefilterten Stoffes in seiner eignen Strutktur speichere, ist der Gipfel der Dreistigkeit apologetischen Geschwätzes.
    Gefährlich wird dies, sobald man glaubt, damit nicht bloß eingebildete, sondern ingleichen reale, insonderheit schwerwiegende, Krankheiten wie Krebs heilen zu können.

    Ich werde nunmehr wohl jedem mich zukünftig behandelnden Arzt zu verstehen geben müssen, daß ich ausschließlich schulmedizinisch behandelt werden möchte, weil ich weder an Hokuspokus noch an Wasser als Heilmittel glaube. Dies schließt freilich nicht aus, daß ich über sämtliche mögliche schulmedizinische Verfahren bestmöglich aufgeklärt werden möchte.

    Das apologetische Geschwätz, bestehend aus Leerformeln und verwässernden (wie ironisch!) Umschreibungen, des zitierten Artikels kennt man zur Genüge: aus Politik, Wirtschaft, Religion, Justiz und selbstredend auch aus der Medizin beziehungsweise dem, was vor esoterischem Hintergrund manche medizinisch anmuten mag.

  21. Muriel sagt:

    @ichbindaswortistich: Die Überzeugungskraft wird durch Verdünnung der Argumente eben potenziert…

  22. Wahre Worte. Homöopathie nicht gut finden rangiert etwa auf der gleichen Stufe wie Bio fùr Abzocke halten oder Yoga für eine langweilige Freizeitbeschäftigung gelangweilter Hausmütterchen. Man hat sofort die Propheten am Hals. Dabei ist es nur eine weitere moderne Religion der vielen spirituell Heimatlosen, die ohne den Glauben an irgendwas ihre eigene Existenz nicht aushalten, aber wie die Löwen gegen Kritiker kämpfen.

  23. Muriel sagt:

    @kiezneurotiker: Vielleicht bricht da die Political Correctness in mir durch, aber ich gönne jedem sein Yoga, der Spaß dran hat und bin generell vorsichtig mit der Überdehnung des Begriffs Religion.
    Für den Zuspruch danke ich dir trotzdem.

  24. ottogeorges sagt:

    Hallo,

    jaja, wenn es nicht so traurig wäre. Aber Homöopathie hat wirklich, echt, eine ganz heilende Wirkung auf :
    Den Geldbeutel des Apothekers und
    den Etat der Krankenkassen, denn solange wie Leute auf eigene Rechnung immer wieder „Medikamente“ kaufen, verursachen die keine Kosten.

    Aber die Wirkung kann ja bewiesen werden.
    Also

    Man nimmt so ein Zeuges, 3 Möglichkeiten:
    1: Die Krankheit geht weg oder wird besser: Daraus folgt: Es wirkt
    2: Es passiert nichts. Daraus folgt: Dosis verändern.Wirkung bewiesen.
    3. es wird schlimmer: darauf folgt: Der Körper reagiert mit der sogenannten Erstverschlimmerung und man fährt mit der Behandlung fort.

    Klar, oder?
    In unserem Bekanntenkreis war so eine schwer homöopathigläubige Frau, die dauernd alle möglichen Krankheiten hatte. Als Kollegen ihr geraten hatten, sich doch mal untersuchen zu lassen, diagnostizierte man Krebs relativ weit fortgeschritten. Chance 20 %, sagte man ihr.
    Die Heilpraktikerin ( also ihre ) meinte, die Schulmedizin sei Quatsch und alles könne mit Homöopathie behandelt werden.
    Die Frau starb nach einigen Monaten ohne eine OP oder Chemo versucht zu haben.
    Wenn ich dann in einer Apotheke sehe, wieviel Schüßler Salze ( haben die Nazis auch für super gehalten ), Bachblüten und sonstiger Kokolores in den Regalen steht, sträuben sich mir immer die Nackenhaare. Und es ist ja nicht harmlos, weil Leute Krankheiten verschleppen.

    Man schaut mich in der Apotheke immer blöd an, wenn ich auf die Frage, ob es etwas homöopatisches sein kann, antworte, dass ich erwachsen bin und ich es auch billiger finde, im wald mit den Eflen zu tanzen, soll auch heilsam sein.

    Ach ja, Placebo Effekt: Warum gibt man dann Babies oder Tieren so etwas?

    Danke für das interessante Thema, habe Grippe und komme grade aus dem Wald zurück. Ihr wisst ja, die Elfen….. Huahuauauaua

  25. Muriel sagt:

    @ottogeorges: Danke für den unterhaltsamen Beitrag, allerdings (Ich weiß natürlich nicht, wie ernst die Frage gemeint war.) halte ich den Hinweis für statthaft, dass auch bei Kleinkindern und Tieren Placebo-Effekte nachweisbar zu sein scheinen. Gerade bei denen ist es andererseits aber wirklich Quatsch, teure Homöopathika zu kaufen, denn die merken nun wirklich keinen Unterschied, wenn man ihnen selbstgemachte Placebos verabreicht.

  26. Guinan sagt:

    Der Glaube macht den Unterschied. Der Tee von der Oma wirkt, die gleiche Sorte, vor mir zubereitet, wirkt – wie erwartet – nicht. Es muss an meinem Blick liegen.

  27. Muriel sagt:

    Bei mir geht sowas irgendwie nicht. Ich kann glauben, dass ein Medikament wirkt, oder nicht, es scheint auf das Ergebnis keinen Einfluss zu haben. Aber ich habe das bisher auch nie systematisch überprüft…

  28. Guinan sagt:

    Du bist ja auch aus dem Kleinkindalter raus. So bis 5 oder 6 Jahre funktionierte das ganz ordentlich. Genau wie pusten.
    Und Medikamente meinte ich eh nicht.

  29. Muriel sagt:

    Es soll doch aber gemeinhin auch bei Erwachsenen einen messbaren Effekt geben. Aber dass er messbar ist, heißt natürlich nicht, dass ich ihn zwangsläufig auch an mir selbst feststellen kann.

  30. Guinan sagt:

    Was hast du denn ausprobiert?
    Ich habe mal Akupunktur versucht, weil meine Mutter so fest daran glaubte.

  31. Muriel sagt:

    Arg wenig. Früher, als ich sehr jung war, hat meine Mutter mir hin und wieder so Zeug gegeben, Echinacea und solchen Kram, das hat halt gar nichts gebracht, und Wick VapoRub genausowenig, und so weiter.
    Mit Akupunktur hatte ich noch nie das Vergnügen. Ich kenne aber ganz viele Leute, denen es geholfen hat…

  32. Guinan sagt:

    Hört sich an, als hätten unsere Mütter in der Beziehung ähnliche Ansichten.
    Akupunktur hat bei meiner auch geholfen, als Schmerztherapie. Bei mir nicht, wahrscheinlich bin ich die Sache zu skeptisch angegangen.

  33. Si sagt:

    Das Problem dabei ist auch, dass man sich bei Apothekern nicht sehr beliebt macht, wenn man kundtut, dass Homöopathie nicht das Mittel der Wahl ist, weil NICHTS drin ist, das wirken könnte.

    (Und dafür, dass meine Erkältung von allein weggeht, gebe ich keine 10+ Euro aus.)
    Witzig ist ja auch, dass Homöopathie früher echt gut war, weil die anderen Ärzte mit ihrer Behandlung / Quacksalberei die Krankheit teilweise so verschlimmert haben, dass es wirklich gesünder war, nichts zu tun bzw. homöopathisch zu behandeln.

    Naja, fun fact:
    Inzwischen gibt es schon 3 Apotheken in der Stadt, in die ich nicht mehr gehe, weil der Apotheker mich immer so böse ansieht, nachdem ich mich beschwert hatte, weil man mir ohne entsprechende Info(!) homöpathische Mittel verkaufen wollte.
    (Mit der Zunft sollte man sich’s vielleicht doch besser nicht ernsthaft verscherzen…).

    Wahrscheinlich ist der letzte immer noch böse, weil ich außerdem gefragt habe, ob ich die Kügelchen bzw. das Wasser, in dem nichts drin ist, von dem sie aber behaupten, dass die potenzierte Abwesenheit von etwas Wirkung zeitigt, auch haben kann, bevor er alles rausschüttelt oder klopft, was mal drin war, weil der Ausgangszustand dann ja quasi wieder erreicht sei, ich aber nur einen Bruchteil dafür zahlen müsste.
    Kam nicht gut an.

  34. Muriel sagt:

    Ich war in Lüneburg mal in einer Apotheke, deren Name mir leider entfallen ist, deren Inhaber mir auf Nachfrage (Ich sollte für jemand anderen was mitbringen, von dem ich nicht mal eine Ahnung hatte, was es überhaupt ist.) sehr deutlich sagte, solchen Mist führe er nicht, das müsse ich woanders kaufen. Guter Mann. Wäre ich von da an nur noch hin gegangen, würde ich noch in der Nähe wohnen.

  35. madove sagt:

    @Muriel
    Ich meine natürlich alles immer in der richtigen Art und Weise! (dh „nicht so evidenzbasiert, wie sie sein sollte, weil“ und würde aber zu dem von Dir vorgeschlagenen „weil“ noch ein paar weitere „weil“s hinzufügen, die mit Schwächen im Wissenschafts-, Ausbildungs-, Finanzierungs- etc. -betrieb zu tun haben.)

  36. Muriel sagt:

    @madove: Kein Streit.
    Hast du noch mal Glück gehabt.
    Du weißt ja, wie das läuft. Ein falsches Wort, und ich rede nie wieder mit dir.

  37. Dentaku sagt:

    Wie unsinnig die Homöopathie… ääähm… begründung ist, kann man immer auch ganz gut daran sehen, dass sich alle Vorkommen von „Homöopathie“ ohne große Änderung der Argumentationskette durch „Gebete“ ersetzen lassen.

  38. Muriel sagt:

    Oder durch „auf dem Kopf stehen und La Paloma singen“, in der Tat, und beides ist immerhin erheblich billiger als der homöopathische Zucker.

  39. Beabsichtigt also der Arzt, den Patienten einer homöopathischen Behandlung zu unterziehen, so hat er ihn nicht nur unmissverständlich darüber zu informieren, dass er damit von der Standardbehandlung der Schulmedizin abweicht, sondern auch warum er dies tut und welche Vor- und Nachteile der Patient hieraus zu erwarten hat.

    Das ist doch ein guter Satz. Sehr gut auf den Punkt.

    Ich habe mir jetzt deinen Artikel noch einmal durchgelesen, um zu verstehen auf was du eigentlich hinauswolltest. Das ist mir immer noch nicht wirklich klar. Aber ich finde dein Artikel ist pendantisch, anankastisch und anti-liberal. Im Grunde totalitär. Du lässt nur eine Denkrichtung zu und alle die anders denken, müssen aus deiner Sicht wohl Betrüger sein oder intelligenzgemindert oder psychiatrisch auffällig.

  40. Muriel sagt:

    @American Viewer:

    Ich habe mir jetzt deinen Artikel noch einmal durchgelesen, um zu verstehen auf was du eigentlich hinauswolltest. Das ist mir immer noch nicht wirklich klar.

    Da helfe ich doch gerne: Wenn jemand einem anderen eine Beratungsleistung bietet, sollte er meines Erachtens im Rahmen dieser Leistung die Wahrheit sagen und den anderen so aufrichtig und umfassend beraten, wie er kann, solange nicht explizit etwas anderes vereinbart ist.
    Daraus folgt, dass ein Arzt (ebenso wie ein Apotheker), der seinen Patienten Leitungswasser und Würfelzucker als Medizin verkauft und sie nicht darüber aufklärt, dass es sich um wirkungslosen Bullshit handelt, gegen seine Pflichten verstößt und deshalb für den eventuell dadurch entstehenden Schaden haftet.

    Im Grunde totalitär.

    Jap, mein Artikel ist schlimmer als Hitlerkrebs, und die direkte Folge meiner Argumentation ist die sofortige Wiedereinführung des Dritten Reiches. Endlich sagt es mal jemand. Pfff.

    Du lässt nur eine Denkrichtung zu und alle die anders denken, müssen aus deiner Sicht wohl Betrüger sein oder intelligenzgemindert oder psychiatrisch auffällig.

    Ähm… Unfug.
    Das ist ungefähr das Gegenteil meiner Position, und ich wäre dir dankbar, wenn du mir diesen Quatsch nicht wieder unterstellen würdest, solange du nicht irgendwo ein Zitat von mir zeigen kannst, das ihn belegt.

  41. Das ist ungefähr das Gegenteil meiner Position, und ich wäre dir dankbar, wenn du mir diesen Quatsch nicht wieder unterstellen würdest, solange du nicht irgendwo ein Zitat von mir zeigen kannst, das ihn belegt.

    Es geht mir um fast den ganzen Text. Du ziehst erfahrungsbasierte Verfahren ins Lächerliche. Das wirkt überheblich. Du bewertest diese Dinge extreme selbstbewusst und ohne groß Widersprüche zu dulden, obwohl dir jede medizinische Ausbildung fehlt. Das wirkt wieder überheblich. Du sprichst von Behandlungsfehlern und Betrug. Das sind ja keine kleinen Vorwürfe. Das erweckt den Eindruck als sei das Vorgehen der Ärzte illegal und als würdest du es gerne sehen, dass dieses Vorgehen geächtet, reguliert oder gar bestraft wird. Es entsteht der Eindruck, als bestünde der einzig rationale Weg darin, deiner Ansicht zu folgen, ganz so als hättest du die Weisheit mit Löffeln gefressen. Das ist anti-liberal.

    Würde ein Liberaler nicht etwas gänzlich anderes zu diesem Thema schreiben? Zum Beispiel: „Ich hielte es für gut, wenn man Ärzte und Patienten mit maximaler Freiheit ausstattet, denn ich selbst kann erfahrungsbasierte, medizinische Verfahren nicht beurteilen, mir fehlt jegliche Qualifikation. Ich beurteile das auch nicht psychiatrisch oder ziehe es ins Lächerliche, denn mir fehlt auf diesem Gebiet die alltägliche Erfahrung. Ich will das auch nicht moralisch beurteilen, denn ich bin kein Prediger.

    Daraus folgt, dass ein Arzt (ebenso wie ein Apotheker), der seinen Patienten Leitungswasser und Würfelzucker als Medizin verkauft und sie nicht darüber aufklärt, dass es sich um wirkungslosen Bullshit handelt, gegen seine Pflichten verstößt und deshalb für den eventuell dadurch entstehenden Schaden haftet.

    Also in anderen Worten: Ärzte haften für Behandlungsfehler. Eine tiefe Erkenntnis. Ich beurteile jetzt auch einmal andere Fachgebiete, von denen ich nicht viel verstehe. Allerdings in einem Satz: Juristen haben es zum Beruf gemacht, simpelste Ein-Satz-Banalitäten in Monstertexten auszudrücken und in immer mehr Fällen dafür zu sorgen, dass sich andere Menschen danach richten müssen.

  42. Muriel sagt:

    @American Viewer: Und wahrscheinlich ist dieser Kommentar sogar ernst gemeint und deine aufrichtige Meinung. Ehrlich, ich kauf dir ab, dass du wirklich so denkst, und nicht bloß trollen willst.
    Jungejunge.

  43. madove sagt:

    Hm.
    Vielleicht liegt das ja am Laphroaig, aber was mich aber tatsächlich grade plötzlich ein bißchen wundert, ist, daß ich irgendwie in Erinnerung hatte, daß man bei Dir (Muriel) normalerweise mit Verbraucherschutz-Nazitum, wie ich es durchaus propagieren würde, eher gegen die Wand fährt – Inwiefern ist denn dann Dein „omg, dumme unmündige Leute kaufen glitzernde Zuckerkügelchen und die Gesellschaft nickt fröhlich und rettet sie nicht davor“ anders als mein „omg, dumme unmündige Leute kaufen allen anderen glitzernden giftigen Scheiß, den ihnen die Werbung der großen bösen Konzerne andreht, und die kapitalistische Weltverschwörung nickt fröhlich und rettet sie nicht davor“ ?
    (Morgen früh werd ich bereuen, das gefragt zu haben.)

  44. Muriel sagt:

    @madove: Was zur Hölle ist denn Laphro- *google* Oh, ach so.
    Die gute Nachricht ist, dass ich nicht glaube, dass du Grund haben könntest, die Frage zu bereuen, denn ich bilde mir ein, eine recht schlüssige Antwort darauf zu haben:
    Wenn die Glitzerndergiftigerscheißindustrie ihre Kunden täuscht, dann sollte sie in meinen Augen genauso dafür haften wie es die wirkungsloseralsmedizinmaskierterscheißindustrie sollte.
    Wenn ich im Supermarkt den Verkäufer zum Beispiel frage, ob er mir was Kalorienarmes als biologisch-dynamisch-fair gehandeltem Landbau (oder wie das heißt) empfehlen kann, und er mir dann sagt, McCaines Backofenfrites seien genau mein Ding, habe ich damit genauso ein Problem wie wenn ich meinen Arzt frage, was gegen meine Erkältung hilft und er mir Leitungswasser empfiehlt.
    Wenn ich hingegen sehenden Auges McCaines Backofenfrites kaufe und mich dann hinterher entrüste, dass da ja Fett drin ist, und vom Staat verlange, dass er den Hersteller doch bitte unter Gewaltandrohung zwingen soll, eine rote Ampel auf die Packung zu malen, damit mir das garantiert nicht wieder passiert, dann finde ich das ähnlich lächerlich, wie wenn ich Wasser aus meiner Leitung zapfe und mich dann aufrege, weil davon mein Schnupfen nicht weggeht.
    oder als too drunk, did not read-Version: Ich bin als Faustregel total für Aufklärung, aber total gegen Zwang. Ganz egal, ob es um Homöopathie geht, oder um fettes Essen.
    Prost.

  45. madove sagt:

    Okayokay, da kriegen wir wieder eine wunderbare gemeinsame theoretische Basis zusammen.
    Interessant würde das dann wahrscheinlich wieder in der Praxis, weil ich halt durchaus für Zwang zur Aufklärung wäre. Also viel strengere Verbote für auch nur leicht irreführende Werbung, und die Pflicht, wirklich jede bekannte Sauerei überall groß draufzuschreiben, etc.
    Aber darüber können wir uns ja streiten, falls wir jemals eine gemeinsame Regierung bilden oder Insel bewirtschaften müssen.

  46. Muriel sagt:

    @madove: Und du kannst mir das jetzt glaunen oder nicht (Ich bin nicht mal sicher, ob ich es mir glaube. ), aber ich würde mich sehr freuen, wenn sich die Gelegenheit mal ergäbe.

  47. madove sagt:

    Ich mich auch 🙂
    (Das hat ein gewisses Potenzial für famous last words, aus meiner Perspektive. Trotzdem.)

  48. Muriel sagt:

    Dann fehlt uns jetzt nur noch eine passende Insel.
    Vielleicht können wir bis dahin ja noch mal zur Praxis zurückkommen. Du würdest dann also jeden bestrafen wollen, der sowas wie die Axe-Werbung, und die Sixt-Werbung, oder überhaupt jede heute eingesetzte Werbung veröffentlicht, und ebenso jeden, der etwas verkauft, ohne groß alles auf das Produkt zu schreiben, was irgendjemanden daran stören könnte.
    Verstehe ich das ungefähr richtig?
    Welche Strafe hältst du denn zum Beispiel für angemessen für das Produzieren, Senden, Mitspielen in, Beleuchten und Schreiben so eines Werbespots?
    Oder meinst du gar nicht ein strafbewehrtes Verbot, sondern denkst eher in Richtung Haftung für Fehlinformationen? Oder in eine ganz andere?

  49. madove sagt:

    Welche Strafe… Moment, ich schlage mal kurz im dritten Band meiner ausgearbeiteten Alternativen Legislation nach, ich muß ihn nur kurz aus dem Arbeitszimmer holen.
    Nein, im Ernst: Beim Wünschen rückt mir zugegebenermaßen gerne mal in den Hintergrund, daß Verbieten nicht bedeutet „Es hört auf“, sondern „Leute, die es machen, werden bestraft.“ Was deutlich wenigr sexy klingt.
    Mir geht es darum, sozusagen ‚offiziell‘ festzuschreiben, daß es nicht okay ist, irgendwo Ananas draufzuschreiben, wo keine drin ist, oder eindeutig den Eindruck zu vermitteln, irgendeine komische Zuckerbrühe mache schlank und schön, und ich hätte durchaus im Zweifel auch so eine alberne Ampel besser gefunden als keine alberne Ampel, auch wenn das natürlich immer noch undifferenziert und platt ist.
    Die genaue Ausarbeitung würde ich relativ entspannt Leuten überlassen, die das besser können als ich. Ich bin wahrscheinlch auch grob mit der vorhandenen Gesetzgebung relativ zufrieden, zumindest mit ihrer erklärten Intention. Ein bißchen mehr Hinweise auf Umweltschäden, Tierversuche, Kinderarbeit, bla, und ein bißchen mehr Warnungen zB auch bei eindeutig überdimensionierten Verpackungen und so, hach, so Klischeeverbaucherschutzkram halt. Und ein bißchen mehr Offenlegung, wenn dann mal was schiefläuft.

    Ich hatte ja nur gefragt, weil, ich meine, bei Homöopathie kann ja auch jeder sich informieren wie der Stand der Wissenschaft ist, warum sollten sie dann nicht versuchen dürfen, uns zu verarschen?

  50. Muriel sagt:

    @madove: Verstehe. Wie immer durchaus charmant erklärt.

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